Wie kann jemand die Stimme von Kate Bush nicht erkennen?

Hilary Robinson

Bild mit freundlicher Genehmigung von Hilary Robinson.

Wenn in der englischen Quiz-Sendung „University Challenge“ auf BBC II Teams verschiedener Unis gegeneinander antreten, dann ist neben Schnelligkeit auch Wissen gefragt. Beim Wissen kann man dann leider auch schon mal versagen. So geschehen in einer der letzten Sendungen, als ein Team die Stimme von Kate Bush nicht erkannt hat. Das wiederum hat Hilary Robinson (Foto) in Rage gebracht. In einem Blog-Beitrag der englischen Ausgabe der „Huffington Post” fragt sie, wie es sein kann, dass ein Engländer die Stimme von Kate Bush nicht erkennt. Und Hilary Robinson ist nicht irgendwer. Die 52-jährige Schriftstellerin hat in England nahezu 50 Kinderbücher veröffentlicht, arbeitet zudem als Journalistin und Radioproduzentin. Die Fernsehshow sei eine Plattform für „den höchsten akademischen Intellekt im Land“ schreibt sie und wundert sich, dass Studenten zwar einen amerikanischen Experten in analytischer Philosophie benennen können, aber dann daran scheitern, „die charakteristischen Töne einer der berühmtesten Künstlerin unser Zeit“ zu erkennen. Und die Kinderbuchautorin schreibt sich gar richtig in Rage: „Wie können die besten Studenten sich mit der Komplexität der Quanten-Physik befassen und gegenüber einigen der brillantesten Beiträge zur zeitgenössischen Kultur so ignorant oder unwissend sein? Wie kann jemand die Stimme von Kate Bush nicht erkennen?“, fragt sie irritiert und kommt zu einem naheliegenden Ergebnis: Intelligenz könne man nicht nur mit abfragbarem Wissen aus Quizshows messen, sondern habe eben auch etwas mit kognitiven Fähigkeiten zu tun. Wer könnte das besser beurteilen, als eine Schriftstellerin, die für Kinder Bücher schreibt!

Die Musik als Kulisse des Lebens

Kate Bush„Ich genieße Kunst in allen Erscheinungsformen”, sagt Grant Wilson. Grant lebt und arbeitet in Edinburgh und hat sich die Malerei selbst erschlossen, hauptsächlich durch Bücher. „Ich war schon mein ganzes Leben an Kunst interessiert, von Comics bis zu den Werken von Picasso, die ich als kleiner Junge in einem Lexikon für Kinder entdeckt habe.“ Mit dem Zeichnen hat Grant so richtig aber erst im Jahr 2006 angefangen, ganz simpel mit einem Blatt Papier und Bleistift. Grant studierte in Edinburgh Kunst mit den Schwerpunkten Zeichnen, Malen und Animation. Per Fernunterricht hat er zudem am Londoner College of Art ein Diplom im Bereich Cartoons abgelegt. Seit etwa einem dreiviertel Jahr entstehen viele seiner Werke auf einem Grafik-Tablet. Darunter auch Cartoons, die er in Edinburgher Zeitungen wie „The Currie“ und „Balerno News“ regelmäßig veröffentlicht. „Cartoons sind eine nette Form der Entspannung und eine Abwechslung vom Kate BushVersuch, mehr ernsthafte Arbeit zu produzieren“, betont Grant, in dessen Bildern auch immer wieder Kate Bush eine Rolle spielt. Zwar ist Grant erst 40 Jahre alt, aber trotzdem hat er sie schon 1978 mit Wuthering Heights wahrgenommen. „Ich habe Kate’s Musik immer geliebt.“ Sein Lieblingsalbum ist The Sensual World, gefolgt von Hounds of Love und The Kick Inside. Seine Zeichnungen von Kate sieht er als „Hommage an eine große Künstlerin“. Sie fallen größtenteils in eine Zeit, in der er von raren Vinyl-Scheiben bis zu Biographien alles von Kate gesammelt hat.  „Ich kann nicht wirklich erklären, warum Kate Bush eine so große Rolle in Kate Bushmeiner Kunst spielt. Wie bei vielen anderen Menschen auch, spielt bei mir die emotionale Stärke ihrer Musik eine Rolle. Das hat mir auch geholfen, durch eine Reihe von prägenden Erfahrungen zu gehen – mit der Musik als Kulisse! Und mich spricht die Langlebigkeit ihrer Musik an, Kate Bushgerade im Vergleich zu der eher einfach strukturierten Art moderner Songs. Und die Bandbreite der Songs von Under the Ivy bis zu Babooshka ist ein weiterer Faktor, der mich beeindruckt. Und am Ende bleibt immer: Kate ist einfach eine nette Person!“ Genau das versucht er auch in seinen Bildern zu vermitteln. Wer auf Grant‘s Seiten unterwegs ist, um sich seine Bilder anzuschauen, wird übrigens noch eine spannende Entdeckung machen: Grant ist Fantasy-Fan und für viele seiner Werke lässt er sich von viktorianischen Geister- und Horrorgeschichten inspirieren, die er sammelt und für die übrigens auch Kate ein Faible hat. Wer sich die Bilder genau anschaut, wird feststellen, dass in vielen Fällen die Gesichtszüge der abgebildeten „Geister“ sehr vertraut wirken…

Mehr Bilder von Grand Wilson gibt es hier. (Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Grant Wilson.)

Nemo findet Kate

In den USA fegt derzeit der Wintersturm Nemo über die Ostküste hinweg. Für Boston haben Meteorologen bis zu einem Meter (!) Neuschnee prognostiziert. Kein Wunder, dass die Behörden die Menschen warnen, auf keinen Fall das Haus zu verlassen. Aber was macht man dann in den eigenen vier Wänden, während draußen der Sturm tobt? Musik hören! Zumindest so lange man noch Strom hat. Das empfehlen jedenfalls gleich mehrere Zeitungen und Internetportale, die ihren Lesern auch gleich die passende winterliche Schneemusik rausgesucht haben. Ganz oben auf der Liste: Kate’s Album „50 Words for Snow“. So hat zum Beispiel das Team von „Soundcheck“ ein „Snow Day Mixtape“ online gestellt – „Songs, inspiriert von Kälte und Schneestürmen“. Da findet sich dann „Blizzard of ‘77“ von „Nada Surf“ neben „Ice Age“ von David Byrne. Der ultimative Tipp von „Soundcheck“ ist aber dieser:  „Kate Bush’s Album ‘50 Words For Snow’ kann das perfekte Album für Sie sein, um durch einen Schneesturm zu kommen.“ Das sieht man auch in New Jersey so, wo mehrere Tageszeitungen auf einer gemeinsamen Internetplattform eine „Blizzard Playlist“ mit „Songs for a white weekend“ veröffentlicht haben. Als Song, der perfekt passt aber nicht so sehr für die Kinder geeignet sei, wird da „Misty“ empfohlen. „Kate Bush schenkt uns heiße Schneemann-Beziehungen”, heißt es weiter, was die amerikanische Schneemann-Version „Frosty“ durchaus irritieren könne. Mal sehen, ob „50wfs“ nach dem Sturm wieder in die amerikanischen Charts einsteigt.

Heathcliff, it’s me, Cathy…

Genau 35 Jahre ist es heute her, dass Kate ihren ersten Fernseh-Auftritt überhaupt absolvierte. Sie war in der ersten Ausgabe von Alfred Bioleks neuer Sendung „Bio’s Bahnhof“ zu Gast. Im Dezember 2011 hat Joachim Hentschel für den „Rolling Stone“ Biolek befragt, wie es damals zu dem Engagement kam: „Ich hatte mich damals bei diversen Plattenfirmen umgehört, welche Künstler sich für meine neue Show eignen könnten. Eines Tages saß ich bei der EMI in London, alle möglichen Namen wurden genannt – und plötzlich fiel mir ein Lied auf, das leise über die Bürolautsprecher lief. Ich unterbrach das Gespräch, hörte zu. Und war begeistert! ‚Wer ist das?‘ fragte ich, die sagten: ‚Eine ganz neue Künstlerin, sie fängt gerade erst an.‘ Und ich dachte mir, die könnten wir doch einladen.“ Laut Biolek reiste Kate samt Band damals schon zwei Tage früher in Köln an. „Sie und ihr Manager waren sogar bei mir zu Hause, ich habe für sie gekocht“, erinnert er sich. Im Interview, das Biolek mit Kate nach ihren Songs führte, fiel dann auch der legendäre Satz, den eine sichtlich schüchterne Kate auf deutsch nachsprechen sollte und sich dabei natürlich verhaspelte: „Vergessen Sie nicht, den Anfang habe ich im Depot der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn gemacht!“

EMI-Chefin Andria Vidler über Kate

In einem Porträt der englischen Zeitung „The Independent“ (3. Februar) hat sich EMI-Chefin Andria Vidler recht positiv über die Zukunft des angekratzten Platten-Labels EMI geäußert. Ihr Ziel: sich um wenige, gute Musiker intensiv zu kümmern und dabei mehr aufs Renommee als auf Chartplatzierungen zu achten. Autor Adam Sherwin spricht in dem Artikel auch zwei Mal Kate Bush an. Zu Vidlers Triumphen, schreibt er, gehörten die Verhandlungen über eine Wiederverpflichtung von Kate Bush – während andere Künstler vor 2009, als Vidler Chefin von EMI UK und Irland wurde, abgesprungen sind. Und er stellt die Frage, ob Kate Bush nach 30 Jahren zu einer Rückkehr auf die Bühne überredet werden könnte. Die Antwort von Andria Vidler: „Sie könnte. Es wäre schön, aber Kate wird tun, was sie tun will. Je mehr Menschen sie um etwas bitten, desto mehr wird sie dazu neigen, sich zurückzuziehen.“

Kate-Cover aus Singapur

Cover This Woman's Work

Frisch auf dem Markt ist das Erstlingswerk der Band „Octover“. Sieben Stücke hat das Duo Jason Tan und Vanessa Fernandez aufgenommen, darunter eine bezaubernde Version von Kate’s „This Woman’s Work“. Tan und Fernandez stammen aus Singapur und tummeln sich eher im Bereich der elektronischen Musik. Bei kommerziellen Produktionen sind sie sich schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, zumal sie beide in Singapurs Musik-Scene nicht ganz unbekannt sind. Auf ihrer ersten CD sind einige Perlen zu finden, zum Beispiel die Songs „Trois“ und „Time“. Ihre Version von „This Woman’s Work“ klingt sehr einfühlsam und begeistert vor allem durch die tolle Stimme von Sängerin Vanessa Fernandez. Die 30-Jährige hat sich auf dem asiatische Markt schon in so ziemlich allen musikalischen Genres getummelt, von Rhythm & Blues über Jazz, Pop bis zu HipHop. Unter dem Künstlernamen Miss Vandetta war sie Frontfrau der Gruppen „Urban Xchange“ und „Parking Lot Pimp“.
This Woman’s Work by Octover

Die DNA von „Don’t give up“

Don't give up25 Jahre ist Peter Gabriels legendäres Album „So“ jüngst alt geworden und um das zu feiern, hat Gabriel in seinem Fundus gewühlt und mit „So DNA“ eine CD veröffentlicht, auf der er den Entstehungsprozess der einzelnen Songs dokumentiert. Darunter natürlich auch der oft Kate Bush zugeschriebene Song „Don’t give up“. Der taucht in einem Box-Set auch noch auf Vinyl als „Alt Version Piano and Bvox-Mix“ auf. Parallel dazu hat Gabriel die App „Music Tiles“ auf den Markt gebracht, mit der man die Songs von „So“ auf dem iPhone oder Tablet remixen kann. Zudem kann man von jedem Song – also auch von „Don’t give up“ – drei neue Versionen erwerben, mit denen man dann experimentieren kann. Live hat Gabriel „Don’t give up“ nur ein einziges Mal zusammen mit Kate Bush gesungen: Bei einem Konzert in London am 28. Juni 1987 – Kate trat als Überraschungsgast auf. Leider gibt es davon nur ein Bootleg in nicht wirklich guter Qualität. Es ist dennoch beeindruckend, wie die Konzertbesucher auf Kate’s Auftritt reagieren. Die nächste Chance für eine gemeinsame Live-Version des Duetts von Kate und Peter gibt es am 21. und 22. Oktober 2013 – dann ist Gabriel mit seiner „Back to the front“-Tour zu zwei Konzerten in London und spielt die Songs von „So“. Die Termine in Deutschland: 11.10. Leipzig; 13.10. Stuttgart; 16.10. Düsseldorf; 18.10. Hamburg und 19.10. Berlin.

Ab nach Australien

nabiha1Mann muss auch mal verrückte Dinge im Leben tun. In einem Interview mit dem englischen Magazin GT hat die dänische Singer-Songwriterin Nabiha Bensouda kürzlich eine ziemlich abgedrehte Geschichte erzählt. Befragt nach ihren musikalischen Vorbildern gab sie unter anderem Kate Bush an. Und die hat sie so sehr beeindruckt, dass sie ihretwegen nach Australien flog. „Wenn ich Songs und die Texte dazu schreibe, lasse ich mich meistens von den Menschen um mich herum inspirieren, von Freunden und der Familie, aber auch von meinen Reisen, der Liebe und dem Leben. Ganz oft setzt Musik in meinem Kopf etwas frei. Vor vielen Jahren bin ich wegen einem Kate Bush-Song nach Australien geflogen. In dem Song wurden traditionelle Instrumente der Aborigines gespielt. Und wenn Australien so klang, musste ich da hin.” Der Musik wegen. Andere landen eher im australischen Dschungel.

Der Schwermut trotzende Leichtigkeit

Tanztheater in Stuttgart

Eric Gauthier tanzt zu „Suspended in Gaffa“.
Foto: Regina Brocke

Premiere feierte vor wenigen Tagen im Stuttgarter Theaterhaus ein Tanztheaterstück von Marco Goecke, Haus-Choreograph des Stuttgarter Balletts – zur Musik von Kate Bush. Goecke war von Tänzer Eric Gauthier eingeladen worden, im neuen Stück „Future 6“ der Gauthier Tanzkompanie am Theaterhaus eine Uraufführung zu präsentieren. Goecke bediente sich dabei gleich zwei Mal bei Kate Bush: Dem Song „Hounds of love“ entnahm er die Textzeile „I found a fox“ als Titel für sein zeitgenössisches Tanzstück und natürlich kommt auch die begleitende Musik zum Solo-Tanz von Eric Gauthier von Kate. „Die ausgewählten Titel stammen aus ihrem bahnbrechenden Album The Dreaming von 1982. Ein früher Meilenstein im eigenwilligen Lebens-Gesamtkunstwerk von Kate Bush, der Goecke schon lange seine choreographische Reverenz erweisen wollte“, heißt es dazu auf der Internetseite des Stuttgarter Theaterhauses. Statt verschiedene Songs auszuwählen, konzentrierte man sich aber letztlich auf das Stück „Suspended in Gaffa“.

„Weicher, weniger spröde, zeigt dieses Solo nicht nur den elektrisierend geführten Kampf gegen einen widerspenstigen, in zuckende Teile zerlegten Körper, wie man das von Goeckes Balletten kennt, sondern auch einen Sieger. Goecke weiß, dass bei Gauthier Dance Ballett und Pop zusammenkommen; und so gelingt ihm zu einem Song von Kate Bush eine schöne, aller Schwermut trotzende Leichtigkeit“, schreibt zur Premiere Andrea Kachelrieß in den „Stuttgarter Nachrichten.“ Und Claudia Gass schreibt in der „Stuttgarter Zeitung“: „‘I Found a Fox‘ zu einem Song von Kate Bush weist Goeckes typische, zwischen Ballettpose und zeitgenössischen Verbiegungen changierende Tanzsprache auf, hat aber anders als seine oftmals dunklen Kreationen einen leichten, fast fröhlichen Duktus voll flirrender Energie“ – bei der Songauswahl auch kein Wunder.

Marco Goecke ist seit September 2005 Haus-Choreograph des Stuttgarter Balletts. Der gebürtige Wuppertaler hat in Berlin und Hagen als Tänzer gearbeitet. 2002 nahm er eine Einladung des New York Choreographic Institute an, es folgte eine Einladung zum Tanztheater-Festival von Pina Bausch. Für seine Neuinterpretation des   Ballettklassikers Der Nussknacker wurde er 2007 für den Deutschen Tanzpreis nominiert, zum Publikumsrenner in Stuttgart wurde ein ganz anderes Stück: Ein Tanzsolo zu drei Songs von Johnny Cash.

„Future 6“ mit dem Stück von Marco Goecke wird vom 6. bis zum 9. März und vom 9. bis zum 12. April erneut im Theaterhaus Stuttgart aufgeführt. Mehr Infos gibt es unter: www.theaterhaus.de.

Versteckte Botschaften

This Woman´s WorkZezezozee Zadfrack Glutz? In den Zeiten als neue Alben noch auf Vinyl erschienen sind, wurden die Bestellnummern der Platten noch mit ins Vinyl gepresst. Da, wo die Musik auslief, war genügend Raum. Und den nutzte Kate früher zusätzlich, um Botschaften zu transportieren. So finden sich auf den Erstpressungen zahlreicher Singles und Alben versteckte Messages. So zum Beispiel „Remember the whales“ auf Wuthering Heights, während der Dank an Emily Brontë („Thank you Emily“) sich auf der Single Wow wiederfindet. Passender ist es da schon bei Breathing: „We all share the same air“ heißt es da. Oder bei Army Dreamers: „Life ist to love“. Beim Album Lionheart findet sich der Wunsch „Hope you like it“. Kate nutzte die Botschaften aber auch, um sich bei Kollegen zu bedanken. Auf der Single The Dreaming findet sich die Botschaft „For Rolf“ (Harris), der das Didgeridoo gespielt hat und auf der Single Sat in your lap gibt es auf der B-Seite den Dank an Donovan, von dem sie Lord of the reedy river gecovert hatte. Manchmal sind die Botschaften aber auch simpler und es genügt ein einfaches „Woof!“ wie auf Hounds of love. Die bekannteste Botschaft stammt von der Single This Woman’s Work. Dort findet sich der Spruch „Up yours ugly“, ein Zitat aus der Fernsehserie „The young ones“. Ein amerikanischer Freund von mir hat das – höflich wie er ist – so übersetzt: „Schieb’s Dir da hin, wo die Sonne nicht scheint.“ Man könnte es auch simpler mit dem Götz von Berlichingen-Zitat übersetzen. Die Idee mit den Botschaften haben in einigen Fällen auch Leute aufgegriffen, die Bootlegs mit Songs von Kate produziert haben. Auf Teil IV der Cathy Demos findet sich die eher makabere Botschaft „Zezezozee Zadfrack Glutz“ – das war (leicht abgewandelt) der von Charles Manson ausgewählte Name für den Sohn von Susan Atkins, die der „Manson Family“ angehörte. (Alle Fotos von Heinz Westemeyer (hephaistos) – besten Dank!)

Crème-bouffant

Kate Bush - Snowflake

Foto: Ingo Latotzki

Spätestens dann, wenn draußen alles weiß ist, der Geräuschpegel eher gedämpft erscheint, wird es Zeit, Kates Album „50 Words For Snow“ hervor zu kramen und darüber zu sinnieren, ob man es eher mit hooded-wept zu tun hat, der Schnee vielleicht doch mehr nach whippoccino oder sorbetdeluge ausschaut, sich wie crème-bouffant anfühlt, oder gar die Gefahr des ankle-beakers droht. Oder man genießt einfach die Ruhe, hört den passenden Song „Snowflake“, sieht die Flocke, geboren in einer Wolke, sieht sie fallen, versucht, nach ihr zu greifen …The world is so loud. Keep falling. I’ll find you.

Rituale

Beim alljährlichen Ritual des Magazins Musikexpress – die Leserwahl zu den beliebtesten 100 Alben des Jahres – ist Kate mit 50 Words For Snow auf Platz 36 gelandet. Damit hat sie immerhin Künstler wie Madonna (Platz 95), Paul Weller (64), Alicia Keys (61) und die Pet Shop Boys (59) hinter sich gelassen – zumal mit einem Album, das gar nicht in 2012 erschienen ist. Beliebtestes Album 2012 wurde „Coexist“ von der Band „The xx“. Vielleicht auch deshalb, weil ein Intro ihres Albums beim Auflaufen der Mannschaften während der Fußball-WM benutzt wurde.

Geographer mit Cloudbusting-Cover auf Tour

US-Band Geographer

Mit neuem Album und dem Cover „Cloudbusting“ auf Tour: Die US-Band „Geographer“. Foto: Victoria Smith

Vom 12. Januar bis zum 1. Februar ist die amerikanische Band Geographer zwischen Portland und Los Angeles auf Tournee. Mit im Gepäck: das Kate Bush-Cover Cloudbusting. Geographer ist eine Indie Rock-Band aus San Francisco, die 2008 gegründet wurde. Sie besteht aus Michael Deni (vocals, guitars, synthesizers), Nathan Blaz (cello, synthesizers) und Brian Ostreicher (drums, vocals). Musikalisch erinnern sie an Radiohead. Zwei Alben haben Geographer bisher veröffentlicht: „Innocent Ghosts“ (2008) und „Myth“ (2012).

Geographer – Cloudbusting (Kate Bush Cover) by geographermusic

„…so sehr vermisst“

Aus Anlass des Comebacks von David Bowie sinniert die englische Zeitschrift “The Scotsman” heute über die „greatest comebacks in music“ – und natürlich auch die unnötigsten. Bush, so schreibt „The Scotsman“, trat mit „Aerial“ zurück ins Scheinwerferlicht – „einem Album, dessen faszinierende Qualitäten als Erinnerung daran dienten, warum man sie so sehr vermisst hat“. Im schnelllebigen Musikgeschäft ist es da schon schön zu beobachten, dass „Aerial“ offenbar so viel Eindruck hinterlassen hat, dass nach den sechs Jahren Pause bis „50 Words for snow“ nicht erneut von einem Comeback die Rede war. Zu den schlechtesten Comebacks zählt die Zeitung übrigens das Album „Chinese Democracy“ von Guns N’Roses.

 

Comic II: „Ein endloser Quell der Inspiration“

Wild Man Comic / Yirry Yanya

They call you an animal…

Wild Man Comic / Yirry Yanya

Wundervolle Comics über Kate gibt es auch von thestoryteller1618, der unter anderem Kates Single „Wild Man“  aus dem Album „50 words for snow“ auf 20 Seiten bebildert hat – passend zu den Songlyrics. Hinter thestoryteller1618 verbirgt sich Yirry Yanya. Sein Comic funktioniert wie ein Video, das man zum Song schauen kann. Spannend ist das besonders im Vergleich zum animierten Original-Clip. Wo Kate auf verwaschene Schwarz/Weiß-Töne setzt, arbeitet Yirry mit grellen Farben, die aber nie überzeichnet sind. Das ist so perfekt, das man sich wünschen würde, Yirry dürfte mal ein Originalvideo für Kate entwickeln. Dass er das könnte, beweist Yirry auch auf seinem Youtubekanal, wo er neben seinen bekannten Teasern zu Kate-Alben gleich auch komplette Videos für Kate-Songs präsentiert (die aber leider in Deutschland geblockt werden). Dabei war der Start ganz simpel: Yirry hat beim täglichen Besuch auf der katebushnews-Webseite eines Tages die Ankündigung für das im Mai 2011 erschienene Album Director’s Cut gesehen. „Bis zu dem Moment war ich im Internet nicht wirklich aktiv, aber ich hatte mir gerade das Programm Creative Suite gekauft und hab die Gelegenheit genutzt, es zu testen“, erzählt Yirry. Das erste Ergebnis sieht man hier: http://youtu.be/y6Wp8ETLHkY . Eigentlich sollte es bei dem einen Teaser bleiben. Es kam anders, denn von dem Song Lily war plötzlich einen Monat vor Veröffentlichung des Albums ein Soundschnipsel auf dem Markt, den Yirry auf Umwegen ergattern konnte, und so folgte der nächste Teaser mit aktueller Musik vom Album: http://youtu.be/acyNVo8vtSw.

Wild Man Comic Cover / Yirry Yanya

Das Cover des Comics „Wild Man“ von Yirry Yanya.

Es folgten weitere Clips und sein erstes komplettes Video zu This Woman’s Work. „Der kreative Prozess bei der Arbeit am Video für TWW war ungeplant und unstrukturiert, aber sehr auf das Ergebnis fokussiert“, betont Yirry. Für jedes Segment des Videos hat Yirry’s Computer mehr als eine Stunde benötigt. Über Facebook hat Yirry andere Kate-Fans kennengelernt: Video-Künstler, Schriftsteller, Künstler, Träumer, Denker und Leute, die an News von Kate heran kommen,

inzwischen eine feste Gruppe, die sich „FishPeople“ nennt – nach Kate’s Plattenlabel. Yirry fing mit einem Video für den Song Lily an, hat ein Storyboard gezeichnet und sich online über Animationen, Fotografie, Farben, Gestaltung und Symbole schlau gemacht – mit verblüffenden Ergebnissen, die man auf seinem Youtube-Kanal bestaunen kann. Allein an dem Video für Lily hat er drei Monate gearbeitet.

Fan von Kate ist Yirry seit gefühlten Ewigkeiten. Ende der 1970er Jahre hat er – Yirry lebt in den Niederlanden – die „de Efteling“-Show im Fernsehen gesehen. Nach der 1989er Platte „The Sensual World“ wurde er Mitglied im Kate Bush-Fanclub KBC und im niederländischen Fanclub. „Kates Arbeit repräsentiert für mich etwas flüchtiges und immaterielles, aber dennoch sehr kraftvolles. Ihre Arbeit zu entdecken ist etwas sehr persönliches. Sie hat mit ihrem Geist eine eigene Galaxie geschaffen, die unvergleichlich ist und den sie wie ein makelloser Spiegel dieser Welt vorhält. Es gibt so viele Aspekte ihrer Arbeit und die Art, wie sie sie umsetzt, die ich bewundere“, erklärt Yirry.

Als ziemlich schnell bekannt wurde, dass nach „Director’s Cut“ mit „50 words for snow“ ein weiteres Album von Kate erscheinen würde, war Yirry teilweise entsetzt, wie er gesteht: „Ich erinnere mich, dass ein Teil von mir sagte ‚jetzt noch nicht, ich bin doch mit Director’s Cut noch gar nicht fertig‘“. Das wurde er dann auch nicht mehr, weil seine Videos mit kompletten Kate-Songs auf Youtube zunehmend gesperrt wurden – auch ein neuer Teaser für „Snowflake“, den er am Erscheinungstag des neuen Album eingestellt hatte. So entstand aus der Not heraus die Idee für den Comic zu „Wild Man“. Das, was als Sieben-Tage-Projekt geplant war, dauerte deutlich länger. Yirry fing an Bilder der Landschaften des Himalayas zu sammeln, um möglichst originalgetreu zeichnen zu können. „Ich glaube, dass in Kate’s Musik eine fremde Magie steckt, auch in ihrer Stimme. Und das vor allem seit ihrem Album Aerial, was eine besonders emotionale Wirkung auf mich hatte. Ich habe beim Zeichnen immer und immer wieder ‚Wild Man‘ gespielt und einfach nur von Landschaften geträumt.“ Derzeit arbeitet Yirry an einem neuen Projekt: einem animierten Comic zu dem Song „Misty“. „Kate Bush verkörpert Kreativität für mich. Ich versuche nicht unbedingt ein ‚Kate Bush-Ding‘ zu machen – das kann nur sie, aber durch ihre Arbeit entdecke ich eine endlose Quelle der Inspiration und des Antriebs.“

Den Comic zum freien Download gibt es hier: http://thestoryteller1618.com/comicwildman/

Misty by Yirry Yanya

Eine Szene aus den animierten Comic zu Misty – der noch nicht ganz fertiggestellt ist.
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Yirry Yanya.