Show a little devotion: Andreas

Kate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…heute von Andreas:

Mit welchem Kate-Song wachst du am liebsten morgens auf?
Entweder „Prologue“ und/oder „An Architect’s dream“ und zur Abwechslung auch die live-Versionen (ich liebe die „Ding-Dongs…“).

Welche von Kate besungene Figur wärst du gerne?
Peter Reich in Cloudbusting, oder die Person, die das Buch gefunden hat, in dem steht, wie man sich unsichtbar machen kann…

Wie lautet deine liebste Textzeile von Kate?
Puh, wie soll man sich da eintscheiden… „Some say that knowledge is something sat in your lap / Some say that knowledge is something that you never have / Some say that heaven is hell / Some say that hell is heaven“ und „Slooshy sloshy slooshy sloshy / get that dirty shirty clean…“ und „It’s the best mistake, he could make“ und „ Here come the hills of time…“ und und und…

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
Ich bin ein klassischer Morgenmuffel und singe unter der Dusche normalerweise keine Songs von Kate, aber wenn ich einen singen würde, dann wäre es wohl „Running up that hill“, weil ich immer spät dran bin… 🙂

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit ungefähr 16 Jahren habe ich in einer Hobbyballettschule zu Tanzen begonnen. Eines Tages konnte man, wenn man Lust hatte, zu eigener mitgebrachter Musik etwas improvisieren. Ich entschied mich für die Live-Version von „James and the cold gun“. Bei meiner Impro muss ich dann tänzerisch so abgegangen sein, dass einem Teil der Zuschauer danach quasi der Mund offen stehen blieb und ein großes Fragezeichen über ihren Köpfen schwebte. Es gab auch die Vermutung, dass ich mir vorher eine Choreographie überlegt hätte, aber das war nicht der Fall. Ich hatte jedenfalls ziemlich viel Spass dabei und bin Einiges an Energie losgeworden. Als ich 1985 an der Ballettschule der Hamburgischen Staatsoper meine Abschlussprüfung im Fach Komposition (in dem die eigene choreographische Kreativität gefördert wurde) hatte, habe ich mich wieder für einen Song von Kate entschieden: „Hammer Horror“.  Die Choreographie dazu war allerdings zugegebenermaßen seeeehr von Kate’s eigener tänzerischer Umsetzung inspiriert (meine Partnerin habe ich dafür allerdings in Spitzenschuhe gesteckt). Gott sei Dank gab es in der Prüfungskomission niemanden, der das dazugehörige Video kannte, sonst hätte ich wohl Schwierigkeiten bekommen, denn auch ich war als Maskenmann unterwegs, habe zwei Hebungen eingebaut, die mich im Video fasziniert haben und versucht, meiner Partnerin Kate’s Mimik beizubringen, was aber nur halbwegs funktioniert hat. Ich erinnere mich noch, wie ich für sie in einem  Ballettsaal heimlich das Video laufen ließ, um ihr ein Gefühl für den passenden Ausdruck zu vermitteln, immer mit einem panischen Blick zur Tür, durch die ja jederzeit ein Pädagoge hätte kommen können. Die betreuende Lehrerin fand, als wir ihr das Stück einmal vortanzten,  allerdings den Schluss zu hart und so durfte ich meiner Partnerin leider nicht (wie Anthony van Laast bei Kate) an den Hals gehen, sondern musste eine mildere Variante finden.  Die Prüfung ging sehr erfolgreich über die Bühne und einigen Pädagogen stand danach sogar ein Grinsen im Gesicht. Irgendwo habe ich davon sogar noch ein Video.  Zeit, sich das mal wieder anzusehen…

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Ich bin Gott sei Dank schon lange glücklich vergeben – aber fürs Verliebtsein wär’s natürlich „Oh to be in love“! Der Song ist so schön positiv und beschreibt dieses besondere Gefühl, bei dem die Welt und insbesondere das Objekt der Begierde in einem ganz speziellen Licht erstrahlen, ganz einfach und wunderbar.

Welcher Song-Titel beschreibt Dich am besten?
Ich treffe sehr ungern Entscheidungen, deshalb passt „Walk straight down the middle“ wie die Faust aufs Auge.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Da möchte ich mich wirklich nicht festlegen, da sich das ständig ändert. Alle Alben sind sehr eigenständig, haben ein eigenes Flair und sind musikalisch sehr unterschiedlich. Deswegen möchte ich auf keines verzichten und auch keines hervorheben. Am häufigsten wechsle ich zwischen den ersten vier Alben und davon höre ich wohl am meisten TKI und Never for Ever (das ist übrigens mein Lieblings LP-Titel). Von den Live-Aufnahmen liebe ich die „Live on Stage“- EP und die Live-Version von Aerial.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
Die ersten Songs von Kate, die ich bei Schulfreunden, die 1980 oder 1981 gerade „Never For Ever“ auf dem Plattenteller rotieren ließen, gehört habe, waren „The Wedding List“ und „Violin“. Ich habe mich damals dementsprechend lustig über das „Gekreische“ gemacht und konnte gar nicht verstehen, wieso meine Freunde von dieser Sängerin und ihrer Musik so fasziniert waren.  Aber ihr Name ist (Gott sei Dank!) doch hängengeblieben und einige Zeit später lief „Kate Bush in Concert“ im Fernsehen und diese Sendung habe ich mir dann angesehen. Danach war es um mich geschehen und ich war Kate Bush verfallen. „Kate Bush in Concert“ habe ich damals auf Cassette aufgenommen und das Tape rauf- und runter gehört. Am meisten fasziniert hat mich ein Song, in dem sie etwas von „puncture blues…“ sang und ich fand ihn wunderbar geheimnisvoll. Ich konnte nur vermuten, auf welchem Album der Song zu finden war und legte mir als erstes „Lionheart“ zu. Da wurde ich aber nicht fündig und holte mir als Nächstes „The Kick Inside“ und da war dann auch „Strange Phenomena“ mit dem „punctual blues“ drauf (ich hatte natürlich keine Ahnung, worum es in dem Song eigentlich ging…). Mir hat zwar die Live-Version vom Mix und der Instrumentierung her besser gefallen, aber egal –  mein Einstieg in Kate’s musikalisches Universum war gemacht und von da an verging jahrelang kein Tag, an dem ich nicht irgendeinen Song, oder eine Platte von ihr gehört hätte.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Es gibt für mich keine weibliche Stimme, die mich in Klang und Ausdruck so fasziniert und berührt (!), wie die von Kate. Ich höre sie auch unheimlich gerne sprechen. Ihre Stimme ist unverwechselbar. Sie schreibt vielschichtige, intelligente, ehrliche und (meistens) zeitlose Songs, bei denen ich oft noch lange nach dem ersten Hören immer neue Details entdecken kann. Sie ist bis jetzt die einzige Sängerin, die mich zum Weinen bringen kann (und nicht deshalb, weil auf den Remastered Alben, weder „The empty bullring“, noch „Not this time“ zu finden sind !Buhu!, es keine DVDs der Videos und keine „Before the Dawn“ Blue Ray gibt… Unbelievable!). Außerdem ist es natürlich das „Gesamtpaket“ an künstlerisch-musikalischer Intelligenz, die Poesie, Weisheit, der zuweilen aufblitzende Humor, die Rätselhaftigkeit und das Mysteriöse mancher Songtexte und -Themen (was habe ich an Stunden mit Übersetzungsversuchen verbracht – bei manchen Songs hat sich mir die eigentliche Thematik erst nach ausgiebiger Recherche erschlossen…und bei mindestens einem tappe ich bis heute im Dunkeln…), die Theatralik, die Exaltiertheit, die Instrumentierung und teils unerwarteten schrägen Wendungen der Kompositionen,  der körperlich-mimische Ausdruck und die tänzerische Umsetzung ihrer Songs in der Vergangenheit, die mich begeistern. Das Video zu RUTH finde ich nach wie vor ein fantastisches Modern Dance-Statement und bewundernswert, dass sie die Choreographie so überzeugend abgeliefert hat, denn sie ist ja nie eine professionelle Tänzerin gewesen. Kate Bush hat ein eigenes künstlerisch-musikalisches Universum kreiert, das mein Leben unglaublich bereichert und inspiriert. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.

Was würdest Du Dir für das nächse Album von Kate wünschen?
Ich wünsche mir „nur“, dass sie noch mindestens drei Alben rausbringt und ihrer Experimentierfreude, den Klangexperimenten und dem Vorsatz, dass kein Album wie das Vorherige klingen soll, treu bleibt. Schön wäre, wenn sie wieder mehr crazy Backing Vocals einbauen würde als bei 50WfS…

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
Among Angels und/oder Blow Away.

85 Songs und ein Autogramm

Es wird einen Ehrenplatz bekommen: Das von Kate handsignierte Buch How to be invisible, das als Sonderedition in einer Auflage von 500 Stück erschienen ist, und das ich nur mit richtig viel Glück ergattert habe, ist endlich eingetroffen. Nummer 27 von 500. Dazu gibt es einen etwa 20 mal 27 Zentimeter großen Druck in goldener Schrift mit dem „Songtext“ von Aerial Tal, ebenfalls nummeriert. Das Buch im roten Schuber  trägt den Titel zudem noch in Braille-Schrift. Die Texte von 85 Songs sind in dem Buch versammelt, darunter beispielsweise auch die von Tawny Moon und Lyra. Bemerkenswert ist, dass Kate speziell bei A Sky Of Honey die Version der Songtexte präsentiert, wie sie bei den Konzerten 2014 gesungen wurden – also beispielsweise die „Ding-Dong“-Version von Prologue. Bei The Ninth Wave hat sie sich hingegen ans Original gehalten. So sehr sogar, dass bei Hello Earth die (nicht von ihr gesprochene) Textzeile „tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe, gibt es ein Licht“ nicht erwähnt wird. Und es gibt noch den interessanten Hinweis, dass Kate auf die Songtexte ohne den Kontext der Musik zurückgeschaut hat und sie deshalb an einigen Stellen ausführlicher sein können, als sie ursprünglich auf den Alben erschienen sind. Mit der schönste Grund, dieses Buch ausführlicher zu betrachten.

Der PopUp-Shop geht online

Der auf fünf Tage beschränkte PopUp-Shop in London zugunsten der Obdachlosenhilfe geht online!  Auf Kates Webseite heißt es dazu: „We have had an overwhelming response to the pop-up shop. Thank you so much for all your incredible support. It’s been an exciting experience!  We’ve had a great number of people asking for the opportunity to buy the items from an on-line shop, so we have been working on this and we are delighted to announce that the on-line shop will be open here on Monday, 10th December at 12.30pm (GMT). “ Bestellen muss man bis zum 1. Januar. Alle Gewinne werden der Obachloseninitiative „Crisis“ zugute kommen.
In early January, we will be announcing the amount you have kindly donated to Crisis by taking part in this pop-up event. You have been so extremely generous and have helped to make it a happier time for homeless people this Christmas. Many, many thanks again and wishing you all a wonderful Christmas and a very Happy New Year ahead.
Kate

PopUp-Shop hat heute geöffnet

Der Londoner Kate Bush PopUp-Shop hat heute für fünf Tage seine Pforten geöffnet. Neben den Remastered CDs und LPs und dem neuen Buch How To Be Invisible gibt es exklusive T-Shirts, Kaffeetassen, Poster, die Karten-Serie mit Motiven von 50 Words For Snow bis hin zu einem Set aus Untersetzern mit  dem Remastered-Motiv und Weihnachtskugeln mit dem wundervollen Motiv der Single Decembner Will be Magic Again – Sachen, die die Welt nicht braucht, aber jedes Fan-Herz deutlich schneller schlagen lässt. Die Einnahmen aus dem Shop kommen einer Organisation zugute, die Obdachlose unterstützt. Allein der Losverkauf für besondere Preise wie die Running Up That Hill-Vinyl zum Record Store Day oder die King Of The Mountain-Picture-Single bringen schon 25.000 Pfund zusammen. Für 7000 Pfund kann das Dankeschön von Konzertveranstalter SJM Concert für die 22 ausverkauften Hammersmith-Konzerte 2014 erworben werden – eine Aluminium-Plakette auf dem entsprechenden Poster, auf Wunsch handsigniert. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass all das, was im Laden nicht weggehen sollte, anschließend über Kates Seite angeboten wird.

PopUp-Store in London für Obdachlosen-Hilfe

Kates „Fish People“-Label wird am Mittwoch im Londoner Stadtteil King’s Cross für fünf Tage einen PopUp-Store eröffnen. Im Laden werden die Remastered-Vinyls und CDs sowie Kates neues Buch „How to be invisible“ verkauft. Die Erlöse sollen komplett einem Verband zugute kommen, der Obdachlose unterstützt. Auf Kates Homepage wird sie mit den Worten zitiert: “I can’t imagine how it must feel to be homeless. Our attention is drawn to this tragic issue at Christmas when most of us can share the celebrations with those we love but, of course, homelessness is there all year round – all the time. It must be so frightening. Without charities like Crisis, who would people turn to? Who would help? Where would the hope of a future come from? I hope this pop up shop will raise some money for Crisis and raise more awareness of this life-saving charity”.
An jedem Tag soll es spezielle Angebote geben, die über Kates Internet- und Facebook-Seite bekanntgegeben werden. Für das Buch wird es ein besonderes Lesezeichen geben, zusätzlich werden „a selection of exclusive specially made items“ angeboten. Was sich genau dahinter verbirgt, ist noch unklar. Ob es eine Möglichkeit geben wird, diese besonderen items auch über Kates Internetseite zu erwerben, ist bisher ebenfalls offen. Weitere Informationen gibt s unter www.katebush.com.

HTBI: Handsigniert in 500 Exemplaren

Am 6. Dezember erscheint Kates Songtext-Buch „How to be invisible“.  Wie angekündigt wird es zusätzlich in einer limitierten Sonderauflage veröffntlicht: ab Donnerstag können 500 Stück zum Preis von je 150 Pfund geordert werden. Das Buch erscheint in einem Schuber, Autorname und Titel stehen in Goldbuchstaben auf dem Buchrücken, auf dem Frontcover sind sie in Braille-Schrift abgebildet.  Als Beilage gibt es einen Druck der „Lyrics“ von Arial Tal. So wie beim Buch ist auch der Druck nummeriert. Und: Das Buch ist von Kate handsigniert.

TSW für Unicef auf blauem Vinyl

Das Kinderhilfswerk Unicef hat jetzt eine ganz besondere Spendenaktion gestartet: Musikalben von 16 Künstlern werden streng limitiert auf 50 Exemplare auf blauem Vinyl erscheinen. Die Liste der Künstler reicht von Amy Winehouse über Coldplay, Bob Marley, Alicia Keys und David Bowie bis zu Jimi Hendrix und Paul Weller. Von Kate Bush wird das Album The Sensual World in der Unicef-Farbe blau erscheinen. Unicef will mit dieser Aktion möglichst viele Spenden sammen, die zu 100 Prozent dem Einsatz für die Rechte von Kindern zugute kommen sollen. 48 der jeweils auf 50 Exemplare limitierten blauen Vinyl-Platten werden verlost. Dazu muss man für 5 Pfund ein entsprechendes Ticket kaufen, um an der Verlosung teilnehmen zu können. Wer mehr als nur ein Ticket kauft und so Geld an Unicef spendet, kann seine Gewinnchancen erhöhen. Das erste Exemplar der Sonderpressung wird in einer Auktion meistbietend versteigert. Sammler können zudem auf ein Paket aller veröffentlichten Alben bieten (jeweils das zweite Exemplar).  Zum Kauf der Tickets hat man noch 27 Tage Zeit, die Auktion läuft in 13 Tagen aus. Kate führt die Gebote momentan mit 650 Pfund an; der Preis dürfte aber noch deutlich steigen. Da bleibt wohl nur die Hoffnung auf das Glück bei der Verlosung. Mitbieten und Tickets erwerben kann man hier.

Update: Exemplar Nummer 1 ist für 2200 Pfund ersteigert worden.

Das Song-ABC: Wow

„Wow“ ist eines der Highlights auf „Lionheart“, dem zweiten Studioalbum von Kate Bush. Ganz leise und sehr stimmungsvoll beginnt es, wie die Musik zu einem Bühnenauftritt. Der Vorhang öffnet sich und die Spannung steigt auf das, was nun kommt. „We’re all alone on the stage tonight“ – Träume werden wahr, die Kindheit ist vorbei und plötzlich steht man allein und zitternd auf der Bühne. Die Strophen sind ruhig und balladenhaft gehalten. Sie enden mit Zeilen, die mit „Oh yeah you’re amazing!“ beginnen, diese Strophenteile sind mit Zuspruch gesungen, fast sogar mit etwas Bewunderung in der Stimme. Der Chorus besteht fast nur aus einem wiederholt gesungenen „Wow“ – das letzte Wow geht beim ersten Durchgang ganz in die Höhe, beim zweiten Durchgang ganz nach unten. Das ist fast ein bisschen karikierend.
Das ganze Lied ist eine Einheit, es gibt keine Brüche in der Stimmung. Es ist aufgebaut wie ein Theaterstück mit Einleitung, Geschichte und Schluss. Es endet mit einem „We‘re all alone on the stage tonight“, danach ertönen Töne bzw. Vokalisen, die an das „Wow“ erinnern. Ganz zum Schluss schließen Vokalisen als Abschluss und Ausklang den Vorhang. Der Song ist voller dramatischer Wucht [1] und ein Kaleidoskop aus Verweisen auf die Bühne und auf das Showbusiness. Die erste Zeile handelt davon, allein auf der Bühne zu stehen, es geht weiter mit einem Verweis auf einen homosexuellen Schauspieler, der es nicht in die britische Krimiserie „The Sweeney“ (Fernsehserie aus den Siebzigern [6]) schafft. Ein Hinweis auf das  Showbusiness jagt den nächsten. Kate Bush hat das so erläutert: „Wow is a song about the music business – not just rock music but show business in general, including acting and theatre. People say that the music business is about rip-offs, the rat race, competition, strain, people trying to cut you down and so on, and though that’s all there, there’s also the magic.“ [5]
Die Biographen beschäftigen sich recht intensiv mit diesem Song, z.B Graeme Thomson: „Der Text nimmt die Eitelkeiten des Theaterbetriebs mit spitzer Zunge aufs Korn, und sie erlaubt sich einen herrlich anzüglichen Scherz, den sie im Video noch betont, wenn sie zu der Zeile „He‘s too busy hitting the vaseline“ ihr Hinterteil herausstreckt und ihm einen satten Klaps gibt“ [2]. Hinzuzufügen ist noch, dass sie bei der Erwähnung der Krimiserie „The Sweeney“ eine abfeuernde Pistole markiert. Später schien sie sich mit „derart ungeschminkten Zweideutigkeiten“ [2] nicht mehr wohlzufühlen. Als sie 1986 die Videosammlung „The whole story“ veröffentlichte, unterlegte sie den Song anstelle des Promo-Videos mit einer Collage aus Szenen ihrer Liveauftritte [2].
Der Text ist auch in anderer Hinsicht etwas frech. Ausgiebig und ironisch werden im Text Lieblingsworte von Kate wie „amazing“, “ooh yeah“, „incredible”, „fantastic“, „wow“, „unbelievable“ benutzt. Journalisten hatten sich wiederholt über den ausgiebigen Gebrauch solche Worte in Interviews lustig gemacht. Eingespielt wurde der Song von der KT Bush Band mit Charlie Morgan, Del Palmer und Brian Bath [1]. Er war bereits vor den Arbeiten zum Album „Lionheart“ geschrieben und schon in die engere Auswahl für „The kick inside“ gekommen. Er kam nicht auf das Debutalbum, weil er offenbar nicht richtig dazu gepasst hatte [2].
Kate Bush hatte mit diesem Song auch musikalische Ideen, die von der Öffentlichkeit aber kaum bemerkt wurden: „It was sparked off when I sat down to try and write a ‪Pink Floyd song, something spacey; though I’m not surprised no-one has picked that up, it’s not really recognisable as that“ [5] Auch zur Aufnahme des Songs gibt es Aussagen von Kate Bush. Sie deuten darauf hin, dass hier schon der Perfektionismus der Künstlerin durchgeschlagen hat. „I’ve really enjoyed recording ‚Wow‘. I’m very, very pleased with my vocal performance on that, because we did it a few times, and although it was all in tune and it was okay, there was just something missing. And we went back and did it again and it just happened, and I’ve really pleased with that, it was very satisfying.“ [7] Das „a few times“ ist wahrscheinlich ein Euphemismus für „immer wieder“.
Der Song ist im 4/4-Takt gehalten, mit sehr kurzen Einschüben von 2/4 vor dem Chorus. Die Tonart ist ein a-Moll, der Chorus wird von C-Dur-Akkorden begleitet („Wow …. unbelievable“). C-Dur ist die Dur-Parallele zu a-Moll [3]. Wie so oft bei Kate Bush sagen die Tonarten viel über den Song aus und oft geben sie den Textzeilen eine zusätzliche, hintergründige Bedeutung. Nach Beckh [4] ist a-Moll schwermütig, poetisch, elegisch, es ist eine Sehnsuchtstonart. Das passt gut zur (vergeblichen) Sehnsucht nach Anerkennung, die thematisiert wird. C-Dur ist das klare Licht, die nüchterne Klarheit [4]. Es kann aber auch feurig und temperamentvoll sein. Die Wow-Ausrufe des Chorus sind also ehrlich gemeint, es sind temperamentvolle Feststellungen mit nüchterner Bedeutung.
Zu den Strophenteilen „Oh yeah you‘re amazing ….. But still we don‘t head the bill“ und „Oh yeah you‘re amazing …. But you‘d have to play the fool“ gibt es einen Tonartwechsel. Es treten hier die Akkorde B-Dur, g-Moll, As-Dur und F-Moll auf, diese Akkordkette wird jeweils zweimal wiederholt. Das kann Es-Dur oder c-Moll sein [3]. Beide Tonarten stehen für das Kämpferische und Heroische [4]. C-Moll ist die Tonart, die am festesten auf dem Boden, am stärksten auf der Erde steht, sie ist das Fundament für die eigene Kraft und Stärke [4]. Die Verwendung von c-Moll / Es-Dur ist für mich – in Kenntnis weiterer, späterer Songs – sehr bemerkenswert. Eine Akkordgestaltung aus diesen Tonarten findet sich auch in „The Fog“ und „Lily“. Dort steht c-Moll für die Sicherheit, die der Vater bzw. die Heilerin gibt und Es-Dur ebenfalls für das Herauskämpfen aus einer schwierigen Situation. In „Running up that hill“ wird c-Moll im Zusammenhang mit einer Anrufung der positiven Mächte benutzt. Auch in „Never be mine“ wird c-Moll benutzt. Bei Kate Bush ist c-Moll die Klangwelt der Ratgeber, der Wissenden, der „guten Mächte“. Es ist die Sicherheit und der Schutz, der feste Grund unter den Füßen. Interpretiert man es so, dann sind diese Strophenteile ein Zuspruch, eine Unterstützung, eine Aufmunterung.
Auf den ersten Blick scheint der Text sich über die Personen und ihre Situation lustig zu machen. Die Tonarten sagen etwas anderes – glaube an Dich, tue es, gib nicht auf, wir stehen zu Dir. Die Biographen sind sich in der Bewertung diesmal einig. Jovanovic bewundert die schlichte, aber effektive Struktur, die herausragende Komposition und hält „Wow“ für einen ihrer ausgereiftesten Songs überhaupt [1]. Für Thomson ist „Wow“ ein geradezu klassischer Popsong mit zurückgenommenen Strophen, einem Refrain, der abhebt, und ausdrucksstarkem Gesang [2]. Diesmal habe ich keinen Grund, den beiden Biographen zu widersprechen, es stimmt einfach. Wegen seiner eingängigen Qualitäten erschien der Song im März 1979 als Single und erreichte zurecht in Großbritannien Platz 14 der Single-Charts [2]. © Achim/aHAJ

[1] Rob Jovanovic: Kate Bush. Die Biographie. Höfen. Koch International GmbH/Hannibal. 2006. S.92f
[2] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.113f und 152ff
[3] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987.  S.172f
[4] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.78f (a-Moll), S.71f (C-Dur), S.124f (Es-Dur bzw. c-Moll)
[5] Kate Bush: „Hello Everybody“ & Interview . KBC Issue 2 (Sommer 1979).
[6] https://en.m.wikipedia.org/wiki/The_Sweeney (gelesen 24.10.2018) [7] https://www.katebushencyclopedia.com/wow (gelesen 16.10.2018)

Die doppelte Hammer Horror

Ein weiteres Sammler-Kuriosum kommt aus Südafrika. Auch dort wurde „Hammer Horror“ 1978 in einem Card-Sleeve mit dem schönen Mankowitz-Cover veröffentlicht. Im selben Jahr wurde das Cover allerdings noch einmal verwendet, diesmal für „Wow“. Der Titel und die Katalognummer wurden einfach mit einem schwarzen Sticker überklebt. Da anzunehmen ist, dass „Hammer Horror“ kein großer Hit in Südafrika war, wird man wohl übriggebliebene „Hammer Horror- Cover einfach für die nächste Singleauskopplung benutzt haben, was vermutlich günstiger war, als extra ein neues herzustellen. Beide Versionen – besonders die „Wow“-Version – sind extrem schwer zu bekommen. Happy Hunting! Michael Guth

Das Song-ABC: You’re The One

„You‘re the one“ ist der letzte Song auf dem Album „The red shoes“. Danach mussten wir zwölf Jahre auf das nächste Album von Kate Bush warten. Ich fand  in dieser Zeit die Vorstellung immer ganz entsetzlich, dass dieses traurige und irgendwie hoffnungslose Lied vielleicht das letzte musikalische Lebenszeichen von Kate Bush sein könnte.
Der Song klingt wie ein besinnliches, etwas melancholisches Liebeslied. Über einem ruhigen Untergrund erhebt sich die hohe, traurige Stimme von Kate Bush, ganz zärtlich. Die Protagonistin hat sich von ihrem Freund getrennt, offenbar im Guten. Sie will ihre Sachen aus der Wohnung holen, wenn der Ex nicht da ist. Aber alles erinnert an ihn, der neue Freund kann irgendwie nicht konkurrieren. Der Text fängt diese Stimmung ein, man macht ein tapferes Gesicht, redet taff und erwachsen – aber das kann den tiefen Schmerz nicht verdecken. Die Textzeilen „I’ve got everything I need / I’ve got petrol in the car / I’ve got some money with me / There’s just one problem / You’re the only one I want“ fassen dies ganz unsentimental, fast nüchtern zusammen.
Es ist ein eher konventioneller Text, der den Zuhörer direkt anspricht, ohne eine zweite Ebene. Es fehlt die mysteriöse Komponente. Ironischerweise wurde das Kate Bush dann auch zum Vorwurf gemacht, die sonst oft zu hören bekam, ihre Texte seien zu esoterisch. Graeme Thomson [1] meint, das „einzig Ungewöhnliche an diesem Stück ist, dass es für einen Kate-Bush-Song so sehr gewöhnlich ist: eine rumpelnde, nachdenkliche Rockballade mit einem künstlerisch anspruchslosen, eindimensionalen Text, der […] ungeschönt autobiografisch ist.“ Kate Bush hatte sich während der Entstehungszeit des Albums von ihrem Freund Del Palmer getrennt. Kate Bush spricht mit dem Text den Zuhörer wirklich direkt an, unverstellt – etwas, was irgendwie ein Kennzeichen des Albums „The red shoes“ zu sein scheint. Überall auf diesem Album geht es um Verlust, Schmerz, Unsicherheit.
Musikalisch ist der Song interessant gestaltet. Zuerst fällt die Zahl der prominenten Gastmusiker auf. Das Trio Bulgarka gibt eine exotische Färbung. Gary Brooker (Procul Harum) spielt die Hammondorgel – dieses Instrument trägt zur melancholischen Färbung bei. Jeff Beck spielt die Gitarre. Es ist so, als ob eine Musik einen sicheren Halt an Konstanten der Umgebung sucht, die dauernd durch tiefe Bassakkorde ins Dunkle gezogen wird.
Der Song ist im 4/4-Takt geschrieben, nur zwei Takte stehen im 2/4-Takt [2]. Notiert ist er in A-Dur. Es kommen nur die zu A-Dur passenden Akkorde cis-Moll, D-Dur, E-Dur und A-Dur vor (Tonikagegenklang III, Subdominante IV, Dominante V, Tonika I), die Harmonik verlässt nie diesen Rahmen. Auch hier ist der Song konventioneller als normalerweise bei Kate Bush üblich. Das alles müsste eigentlich wegen der vielen Dur-Dreiklänge fröhlich klingen, tut es aber nicht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Akkord cis-Moll, die Harmonik wird eingetrübt und in Richtung cis-Moll verschoben. A-Dur ist nur schwer als Tonart zu erkennen.
Dieses Schwanken zwischen A-Dur und cis-Moll gibt dem Song nun eine tiefere Ebene, wenn man sich an die Tonartencharakteristik von Beckh [3] hält. A-Dur gilt als leicht, licht, schwebend. Cis-Moll steht für Schwermut und Sehnsucht, es ist die Sehnsuchtstonart schlechthin. Die Protagonistin zeigt nach außen die selbstsichere, gefasste, zukunftsorientierte Fassade – aber dahinter ist alles voller Sehnsucht. „You‘re the one“ beginnt mit dem cis-Moll-Akkord, der A-Dur-Akkord erscheint zum ersten Mal bei „I’ve got everything I need“ – als ob die Protagonistin hier sagen will „ja, alles okay, alles super, alles licht“. Gleich danach wandelt es sich wieder ins Moll. Auf dem „want“ in „You’re the only one I want“ erklingt jedesmal der A-Dur-Akkord – das ist es eigentlich, was für die Protagonistin das Leichte, Lichte, Erstrebenswerte ist. Zum Schluss des Songs treten dann diese beiden widerstreitenden Akkorde in Kombination auf – es endet ohne (musikalisch harmonische) Lösung zwischen ihnen.
Ist „You‘re the one“ eine Art Antwort auf „Nothing Compares 2 U“ von Prince, mit dem sie ja auf dem Album kurz zusammengearbeitet hat? „Nothing Compares 2 U“ wurde 1985 auf dem Album „The Family“ der gleichnamigen Band veröffentlicht, 1990 gab es eine sehr erfolgreiche Coverversion von Sinead O‘Connor, 1993 wurde der Song auch von Prince selbst veröffentlicht [4]. Beide Lieder haben eine ähnliche Grundthematik, wobei „You‘re the one“ der realistischere, nüchternere Song ist. Ihm fehlt die latente Weinerlichkeit, die den Prince-Song in meinen Augen kennzeichnet.
„You’re the one“ würde sich wegen seiner Direktheit sehr gut für Coverversionen eignen und ich wundere mich ein bißchen, dass das bisher nicht sehr genutzt worden ist. Es gibt allerdings eine wunderbare Fassung für Bigband der Göteborgs Symfoniker [5], die die Emotionalität hymnisch herausstellt und sich damit in der Stimmung „Nothing Compares 2 U“ annähert (was der Song verträgt).
„Ein leicht souliger Song mit dem Flair einer Klassenfetenkuschelnummer, den nur das Trio Bulgarka und Gary Brookers Hammondorgelkünste retteten.“ – das meint Rob Jovanovic [6] über den Song. Das kann man natürlich so sehen, aber meiner Meinung nach verkennt man damit den Song. Ich hoffe, meine Analyse konnte dazu beitragen, diesen auch in Fan-Kreisen sehr vernachlässigten Song neu zu bewerten.
© Achim/aHAJ

[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.324
[2] „The red shoes“ (Songbook). International Music Publications Limited. Woodford Green. 1994. S.97ff
[3] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.136 (A-Dur) und S.268 (cis-Moll)
[4] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nothing_Compares_2_U (gelesen 01.10.2018)
[5] https://vimeo.com/269167293 – ab Minute 1:25.30 (gelesen 01.10.2028]
[6] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.185

Märchen, Scherenschnitte und rote Schuhe

Zwei der Schrenschnitte von Hans Christian Andersen, die in der Kunsthalle Bremen präsentiert werden. Links „Der Botaniker“ von 1848 (© Königliche Bibliothek Kopenhagen), rechts „Ballerinen in einer verkorkten Flasche“ (© Odense City Museums).

Drei Jahre hat Kurator Detlef Stein zusammen mit seiner Kollegin Anne Buschhoff an der Ausstellung „Hans Christian Andersen – Poet mit Feder und Schere“ gearbeitet. Sie zeigt nicht nur eine in Deutschland bisher weitestgehend unbekannte Seite des Geschichtenerzählers, sondern hat zudem auch erstaunlich viel mit Musik zu tun – und auch mit der Musik von Kate Bush.
Gedanklich bewegt Stein die Ausstellung, die noch bis zum 24. Februar 2019 in der Kunsthalle Bremen präsentiert wird, eigentlich schon seit Jahrzehnten. Irgendwann in den 1990er Jahren war es, als er regelmäßig nach Kopenhagen gefahren ist. Der Musik wegen. „Da gab es die besten Second Hand-Läden, in denen ich meine Schallplatten gekauft habe“, erzählt er. Bei einer dieser Touren ist er in Odense hängen geblieben, der Zug fuhr erst sehr viel später und Stein wanderte zum Zeitvertreib in das Hans Christian Andersen-Museum und erwartete, was man in solchen Museen in der Regel zu sehen bekommt: ein nachgebautes Schreibzimmer mit Tintenfass, Figuren aus den berühmten Märchen – von der Prinzessin auf der Erbse, der kleinen Meerjungfrau, den roten Schuhen, dem hässlichen Entlein, der Schneekönigin oder des Kaisers neue Kleider und die unvermeidlichen Erstausgaben. Was Stein stattdessen zu Gesicht bekam, verblüffte ihn nachhaltig: „Ich war völlig perplex, als ich die Scherenschnitte, Zeichnungen und Collagen von Hans Christian Andersen gesehen haben. Die waren schön, liebevoll und verblüffend modern.“
Andersen ist im kollektiven Gedächtnis eher der Märchenonkel, dessen Geschichten man in seiner Kindheit gelauscht hat, und dessen Erzählungen in mehr als 150 Sprachen übersetzt worden sind. Damit gehört er zu den meist gelesenen Autoren der Welt. „Wir wollten diese ganz andere Seite von Hans Christian Andersen mit unserer Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zum ersten Mal in Deutschland zeigen und konnten mit dieser Idee auch die dänische Botschaft und die dänische Prinzessin Benedikte begeistern, die die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen hat“, erzählt Stein. Der neue Blick auf Andersen allein macht schon den Reiz der Ausstellung aus, die zudem dadurch gewinnt, dass die beiden Kuratoren den Blick weiten. Sie vergleichen Andersens bildliche Darstellungen mit Werken nicht nur zeitgenössischer Künstler und man stellt verblüfft fest, dass Collagen von Kurt Schwitters sich kaum von denen von Andersen unterscheiden, aber erst 70 Jahre später entstanden sind. Oder sich Maler wie Henri Matisse oder Max Ernst und Künstler wie Andy Warhol von Andersen inspirieren ließen. Und da ist der Anklang, den Andersens Werke über viele Epochen hinweg bis heute in der Musik gefunden haben – von Strawinsky bis zu den Pet Shop Boys, Erasure, Donovan, Elvis Costello oder Kate Bush.
Die Liste, die Detlef Stein zusammengetragen hat, ist lang. So ist es auch kein Wunder, dass es das LP-Cover von ‚The Red Shoes‘ in eine Vitrine der Bremer Ausstellung geschafft hat. Das Vinyl stammt – wie sollte es anders sein – aus der Sammlung von Stein selbst. Er ist nicht nur großer Musikliebhaber, sondern auch Kate-Fan. „Wir wollten auch gerne das Video von ‚The Red Shoes‘ in der Ausstellung zeigen. Das hat aber leider nicht geklappt, weil die Rechte so undurchsichtig waren“, erzählt er. Einfacher war es hingegen mit einem Video von Erasure und einer Ballettaufführung nach der Musik von den Pet Shop Boys von 2011. Es ist schön zu sehen, dass Andersen bis heute die englische Pop-Szene inspiriert“, sagt Stein.
Warum das so, ist, kann er nur mutmaßen: „Andersen war oft bei Charles Dickens zu Gast, wurden im viktorianischen England sehr viel gelesen. Die Bücher hatten mitsamt ihren Illustrationen in England immer einen hohen Bekanntheitsgrad.“ Und das wohl auch nicht nur als Kinderbücher. Immerhin ist die Geschichte von den roten Schuhen alles andere als spaßig. „Zum Schluss gibt es die Szene, in der das Mädchen geradezu fleht, dass man ihr die Füße abhackt“, erinnert sich Stein an die roten Schuhe, die ein unerwünschtes Eigenleben entwickeln. Und so ist auch der Beitrag der beiden Kuratoren zum Thema „Hans Christian Andersens Märchen und Scherenschnitte im Spiegel von Moderne und Gegenwart“ mit einem für Kate-Fans bekannten Zitat überschrieben: „On the minute I put them on I knew I had done something wrong.“ Auch wenn Kate sich nicht vom Original, sondern der englischen Filmversion von 1948 inspirieren ließ und neben dem Album „The Red Shoes“ auch ihr Film „The Line, The Cross and the Curve“ mit MIranda Richardson und Lindsay Kemp auf dem Film basiert, durfte der Verweis auf Kate in der Bremer Ausstellung nicht fehlen. Eine Entdeckung steht für Detlef Steins noch aus. In seiner Plattensammlung findet sich auch „50 Words for Snow“. Den Song „Lake Tahoe“ kennt er natürlich. Das Video aber nicht. Wer in dem Katalog der Scherenschnitte von Andersen blättert, könnte auf die Idee kommen, im Lake Tahoe-Video einen animierten Scherenschnitt zu sehen. Detlef Stein freut sich auf diese Entdeckung.

Hans Christian Andersen – Poet mit Feder und Schere, 20.10.2018 – 24.02.2019.
Infos: Kunsthalle Bremen

Kaffeeklatsch: Ruhestand oder Aufbruch?

Müssen wir die Befürchtung haben, dass sich Kate mit der Aufarbeitung ihres Gesamtwerkes in den musikalischen Ruhestand verabschiedet und wir keine neuen Lieder mehr von ihr bekommen? Was spricht für diese Befürchtung? Was spricht dagegen? Das ist heute das Thema beim Kaffeeklatsch mit Achim, der für morningfog.de die Rezensionen der Alben schreibt und im Song-ABC die einzelnen Lieder von Kate analysiert.

Wenn wir uns die Fakten anschauen, ist es ja in der Tat so, dass es seit 2011 kein Album mit neuen Songs gegeben hat und sich Kate im Vergleich zu früher auffällig ihrem bisherigen Werk widmet: Auf Director’s Cut finden wir neue Versionen der Songs von The Sensual World und The Red Shoes, bei den Konzerten spielt sie fast ausschließlich die Songs von Hounds Of Love und Aerial, jetzt hat sie sich selbst um das Remastering ihrer zehn Studioalben gekümmert und veröffentlicht ein Buch mit einer Auswahl ihrer besten Songtexte. Das könnte man doch wirklich als Rückschau aufs Lebenswerk und drohenden Abschied verstehen. War’s das?

Achim: Es wäre natürlich sehr schade, wenn das ein Schlusspunkt sein sollte. Aber zum Glück ist es Spekulation. Niemand kann in den Kopf von Kate Bush hineinschauen. Leider, das könnte ja sehr spannend sein. Wenn sie Musik im Kopf hat, dann wird die auch rauskommen. Director‘s Cut hat ja auch dazu geführt, dass sie sofort ein neues Album angegangen ist. Ich würde also ganz anders spekulieren: durch solche Aufräumarbeiten wird der Kopf frei für Neues. Also bin ich ganz optimistisch.

Zumal man gerade bei DC festhalten muss, dass es für sie etwas „bereinigendes“ hatte und ich zudem den Eindruck hatte, dass es eine Art Vorbereitung auf die kommenden Konzerte war: die Songs wurden von Ballast befreit und waren so einfacher live spielbar. Lily ist ein schönes Beispiel dafür.

Achim: Ich hatte auch den Eindruck, dass die Arbeit an DC den Kopf frei gemacht hat. Ballast war raus, Dinge waren raus aus dem Kopf, die vielleicht immer im Hintergrund gestört haben. Sowas kann wirklich ein Akt der emotionalen Befreiung sein. Etwas Altes ist erledigt – auf zu neuen Dingen. Das ist jedenfalls das, was ich mir erhoffe als in diesem Fall grenzenloser Optimist.

Wobei es für den Optimismus ja letztlich auch einen Beleg gibt: Wir haben DC und 50wfs erhalten, es gab die Konzerte, mit denen man nicht ernsthaft rechnen konnte, dann die Live-CD, jetzt die Remasters plus das Lyrik-Buch. So produktiv war Kate seit Jahren nicht mehr.

Achim: Mein Optimismus wäre allerdings noch größer, wenn es wenigstens klitzekleine Hinweise auf Neues gäbe. Aber stillt ruht die See des Internets. Ich bin ja wegen der Beiträge für das Song-ABC immer am Recherchieren und sammeln, leider ist mir nichts aufgefallen.

Das ist nun mal bei Kate so. Auch dass sie an den Remastern selbst mitarbeitet, war nie bestätigt und man konnte immer nur hoffen, dass sie eines Tages erscheinen. Und aus heiterem Himmel sind sie dann da. Letztlich bleibt nur der Hinweis von Kates Bruder, dass sie an einem neuen Projekt arbeitet. Ich habe die Hoffnung, dass er damit neue Musik meinte.

Achim: Ja, da setze ich auch drauf. Am Remastering war sie sicherlich wenig beteiligt, das Buchprojekt wird eine Auswahl aus den Lyrics der Songs sein – alles nichts, was ich als „Projekt“ bezeichnen würde. Und ich habe ein weiteres optimistisches Argument! Ihr Sohn Bertie ist langsam erwachsen und wird das Nest verlassen. Wieder beginnt ein neuer Abschnitt. Was soll Kate Bush nun tun? Depressiv Tee trinken und aufs Meer schauen, sich langweilen? Nein – endlich Luft für Musik, Musik, Musik!

Ich spiele trotzdem nochmal die Optimismus-Bremse. Im „Zeit“-Interview von 2016 wird Kate gefragt, ob sie nach den Konzerten nochmal im Studio war. Teil 1 ihrer Antwort: „Nein. Ich habe auch seit Langem keinen Song mehr geschrieben.“ Ganz abgesehen davon, dass Tawny Moon dementsprechend ein alter Song aus Aerial-Zeiten sein muss, könnte ich doch daraus schließen, dass sie vielleicht gar keine Musik mehr im Kopf hat, die raus muss, wie Du es vorhin formuliert hast.

Achim: Ich kann mir das nicht vorstellen. Wer für eine Sache lebt, wird immer zu ihr zurückkehren.

Womit wir bei Teil 2 der Antwort sind: „Aber ich freue mich darauf, demnächst etwas Neues beginnen zu können.“ Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit Remaster und ein Buch gemeint haben könnte.

Achim: In einem kreativen Prozess ist es oft so, dass man auf den passenden Auslöser warten muss. In Phasen der Ruhe bildet sich was im Hintergrund und das materialisiert sich.

Jetzt lass uns zum Schluss dann doch mal spekulieren: Wie lange müssen wir noch warten, bis sich neue Musik „materialisiert“?

Achim: Haha. Du bist echt witzig – so eine Vorhersage zu verlangen!!!! Aber weil Du es bist und ganz unter uns: Herbst 2019.

Ich schlage ein und freue mich auf ‘ne schöne Flasche Rotwein, wenn Du falsch liegst. Herbst 2019 wäre aber auch mein Tipp gewesen.

Achim: Wir gehen gemeinsam unter – Proooost!

Neu in der Sammlung: KOTM auf Vinyl

21. September 2005. An dem Tag habe ich gebannt vor dem Computer gesessen, um die Premiere von King of the Mountain im Radio-Programm von BBC 2 zu hören. Von Anfang an hatte dieser Song eine besondere Bedeutung für mich: Zwölf Jahre lang war die Stimme von Kate verstummt, bis zu diesem Tag. Und es war so, als ob man nach vielen Jahren endlich wieder ein Lebenszeichen von jemandem hört, den man sehr vermisst hat. Ich konnte nicht genug von dem Song bekommen, hab ihn in Dauerschleife gehört und spürte spätestens bei der Textzeile „The wind in whistling, the wind is whistling through the house“ jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut. Und dieser Tag bedeutete gleichzeitig eine Verheißung für die Zukunft: Keine weiteren zwölf Jahre des Wartens, das neue Album stand vor der Tür, Kate macht wieder Musik! Aerial habe ich mir damals auf Vinyl geholt, die Single-Version auf Vinyl ist komplett an mir vorbeigegangen – bis jetzt. Danke, Michael! Dass KOTM 2014 nochmal eine weitere besondere Bedeutung zufällt, konnte man 2005 natürlich nicht ahnen – aber diesen Song live hören zu können, war für sich schon ein Erlebnis, dass er dann noch in dieser kraftvollen Version als einer der Schlüsselsongs des Konzerts dargeboten wurde – unbeschreiblich. The wind it blows, the wind it blows, the door closed… von der Live-Version kann ich nie genug bekommen…

Rares aus Fernost

Gerade rechtzeitig zum Start der Remaster-Versionen aller Kate-Alben hat mir der Postbote noch etwas in den Briefkasten geworfen. „50 Words for Snow“ und den „Director’s Cut – Collector’s Edition“ als japanische Pressungen zu finden war und ist relativ schwierig und teuer. Diese CDs als Promo-Versionen zu finden, gleicht schon einem kleinen Lottogewinn. Auch wenn das Äußere nicht viel her macht (wurden ohne Cover oder Infos produziert), zählen sie zu den seltensten und teuersten Kate Bush Promo CDs. Wie hier im Blog beim „Kaffeklatsch“ schon besprochen, darf man gespannt sein, ob die „Remaster-Boxen“ auch in Japan erscheinen werden, von denen es dann mit Sicherheit weitere Promo-CDs geben wird. Es wird ein teurer November, Dezember, Januar…. Happy Hunting! Michael Guth

Französisches Folk-Duo interpretiert „The Ninth Wave“

Das französische Duo „The Sandman’s Orchestra“ aus Lille hat „The Ninth Wave“ neu aufgenommen und kürzlich veröffentlicht. Das Folk-Duo besteht aus Produzent Pierre Laplace and Sängerin Léonie Gabriel besteht seit 2010 und hat bereits drei Alben veröffentlicht.  Für ihr viertes Album haben sie alle Songs von „The Ninth Wave“ neu interpretiert und in einer interessanten MIschung aus Folk- und Elektronik-Klängen neu interpretiert und eingespielt. Als Bonus gibt es neben den einzelnen Songs einen durchgängigen „The NInth Wave“-Track. Hören kann man die Songs hier, weitere Infos über das Duo gibt es auf facebook. Reinhören lohnt sich, nicht nur wegen der betörenden Stimme von Léonie Gabriel, sondern vor allem, weil es stellenweise eine sehr ungewöhnliche Neuinterpretation ist. Noch besser: mehr als einmal reinhören. Ähnlich wie bei Kate erschließt sich bei der reichen Instrumentierung  vieles erst nach mehrmaligem Hören. Und wer  bei Hello Earth genau hinhört, wird zum Schluss auch die Zeile „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe“  hören – mit französischem Akzent.