Das Song-ABC: James And The Cold Gun

„James And The Cold Gun“ ist ein Song vom Debütalbum „The Kick Inside“, den das Publikum nicht so im Blick hat. Graeme Thomson hat Recht damit, dass er „ein ordentlicher Rocksong mit viel Dramatik ist, [der] das Album vielseitig macht und besonders live zu Leben erwacht“ [1, S. 121]. Viel mehr Aufmerksamkeit wird dem Song von den Biographen leider nicht geschenkt, was unverdient ist (dazu später mehr). Interessant ist für die Biographen die Geschichte des Songs.
Kate Bush hat „James And The Cold Gun“ Anfang der siebziger Jahre geschrieben [4]. Offenbar wurde hier die Melodie einer noch früheren Komposition „Pick the rare flower“ genommen und mit einem neuen Text versehen [1, S.88]. Als Kate Bush zu Beginn ihrer Karriere mit ihrer „KT Bush Band“ in Pubs auftrat, gehörte das Lied zu den Rennern. Er eignet sich mit seinem vorwärtstreibenden 4/4-Takt [2] auch wunderbar für Liveauftritte. Auf dem Debütalbum ist er eindeutig der rockigste Track, der geradezu danach ruft, auf einer Bühne präsentiert zu werden. Er hat eine gewisse Fröhlichkeit und Leichtigkeit, die dafür genau richtig ist.
Der Song sollte nach dem Willen der EMI die erste Single von Kate Bush werden [1, S.120], der Plattenfirma erschien dies wohl gerade wegen der Eingängigkeit als die beste Wahl. Ich kann dies nachvollziehen: wenn man eine neue Künstlerin der Welt vorstellen will, dann versucht man etwas Zugängliches zu nehmen. Aus Sicht einer Plattenfirma wäre die Chance da gewesen, dass der Song in den Charts gut abgeschnitten hätte. Ich glaube aber, dass es keine gute Entscheidung gewesen wäre. „The Kick Inside“ ist voll mit unkonventionellen, überraschenden Songs, man hätte mit einer Rocknummer wie „James And The Cold Gun“ falsche Erwartungen erweckt. Er ist nun einmal viel konventioneller klingend als der Rest. Nein, es war gut, dass sich Kate Bush mit „Wuthering Heights“ gegen EMI durchgesetzt hat, dem wohl unkonventionellsten aller Debüts überhaupt. Kate Bush begründet ihre Entscheidung sehr klar so: „I felt that to actually get your name anywhere, you’ve got to do something that is unusual, because there’s so much good music around and it’s all in a similar vein. It was, musically, for me, one of my strongest songs. It had the high pitch and it also had a very English story-line which everyone would know because it was a classic book.“ [5]

Für mich nicht ganz nachzuvollziehen ist aber, warum „James And The Cold Gun“ dann keine Folgesingle geworden ist. Er hätte Erfolg gehabt, hätte eine ganz andere Seite von Kate Bush gezeigt. Manchmal ist die Musikwelt eben ein Rätsel. Aber vielleicht ist der Song wirklich live am besten aufgehoben. Es ist ein Song für das Kneipenpublikum, passend zu Marvin Gaye und den Rolling Stones [1, S.97]. Der Auftritt dazu wurde mit Trockeneismaschine und Gewehrattrappen aufgepeppt. [1, S.97]. Brian Bath, Mitglied der „KT Bush Band“, schildert den Auftritt eindrücklich: „Rob got a dry ice machine from somewhere. We used that on stage for ‚James And The Cold Gun‘ and it looked great. We had a bit of a show going! Kate did a costume change, she’d put on a bloomin‘ Western cowgirl dress for the second set! The theatrical thing was starting to get there“ [4]. Auch bei Del Palmer hinterließ der Auftritt bleibende Eindrücke: „She was just brilliant, she used to wear this big long white robe with coloured ribbons on or a long black dress with big flowers in her hair. She did the whole thing with the gun and [the audience] just loved it. She’d go around shooting people.“ [4]
In der „Tour of Life“ 1979 wurde der Song mit aufgenommen und diese Bilder wurden fast identisch übernommen, Kate Bush nutzte Elemente dieser Original-Performances von 1977 [4]. Es war unbestritten der Höhepunkt und Schlusspunkt der Show vor den Zugaben. Kate Bush schießt zum Abschluss alle nieder, Graeme Thomson nennt das eine „umwerfende dramatische Verkörperung weiblicher sexueller Macht“ [1, S. 174]. Das ist schon eine interessante Geschichte rund um diesen Song, die Biographen lassen es dabei bewenden. Aber hinter der Leichtigkeit verbergen sich doch überraschend spannende Details, die „James And The Cold Gun“ auf verborgene Weise tiefgründig machen.
Interessant ist der Blickwinkel der Geschichte. James ist nicht da, die Protagonistin singt ihn in Abwesenheit an, zusammen mit vielen weiteren Stimmen im Hintergrund. James ist abwesend, seine Freunde wollen ihn dazu bringen, wieder zurückzukommen: „James come on home“ [2]. Wer ist überhaupt dieser geheimnisvolle James? Darüber kann man viele Spekulationen im Internet finden, es geht von James Bond bis hin zu einem Verweis auf den Thriller „The Day Of The Jackal“ von Frederick Forsyth [6]. Überzeugend ist das nicht, denn daraus spiegelt sich nichts im Song wieder, es gibt kein Echo. Kate Bush behauptet, James sei einfach nur ein Name: „I’ve had lots of letters about this, many from people called James, with plenty of suggestions for identities of the „James“, but the answer is: nobody. When I wrote the song, James was the right name for it“ [7].
Aber vielleicht lässt sich doch eine Inspirationsquelle finden, wenn man sich den Text und die Szenerie des Songs anschaut. Für mich scheint er in einer Art Western-Welt zu spielen. Der Text ist voller Western-Stereotype: da ist Jeannie in ihrem Messingbett, wartend, da ist die Gang, die sich betrinkt: „She’s still a-waiting in the big brass bed / The boys from your gang are knocking whiskey back“ [2]. Also ist James vielleicht ein Echo von Jesse James, dem Western-Outlaw. „James, are you selling your soul to a cold gun?“, das passt dazu. Interessanterweise findet sich das Messingbett mit der wartenden Frau auch im Song „Lay Lady Lay“ von Bob Dylan aus dem Jahr 1969 wieder: „Lay, lady, lay / Lay across my big brass bed“ [9]. Das ist ein Song, den man dem Genre Country zuordnen könnte, auch das passt zum Western-Thema.
Spannend ist, wie Kate Bush nun mit diesem Westernthema umgeht. Der Held ist nicht da, der Held ist abwesend, das ist ungewöhnlich. Jeannie wartet, auch seine Gang, und alle machen dem Helden Vorwürfe: „You’re running away from humanity / You’re running out on reality“ [8]. Im Hintergrund des Songs hört man die Begleitstimmen, von Kate Bush gesungen, die in den Rollen der unterschiedlichen Figuren schimpfen [1, S.111].

Christine Kelley hat es in einem Essay über diesen Song [8] gut erkannt: Kate Bush beschreibt einen Western, der von seinem Helden verlassen wurde und präsentiert uns in „James and the Cold Gun“ ein Genre, das mangels eines Protagonisten auseinanderfällt. Ohne den Helden ist kein Licht: „You left us to fight / But it just ain’t right to take away the light“ [2]. Auf leichte, lockere und doch dunkle Art hat Kate Bush einen Western um 180 Grad gewendet – und fast niemand hat es je bemerkt. Die Gestaltung der Tonarten passt zu dieser hintergründigen Dunkelheit. Der Song ist in b-Moll notiert [2]. Auf „Jeannie“ wechselt die Tonart im Chorus auf die Paralleltonart Des-Dur. Zum Schluss des Songs wechseln sich b-Moll- und Des-Dur-Akkorde ab, es endet auf b-Moll [2]. Nach Beckh [3] ist b-Moll eine ganz düstere Tonart, es ist die „Todestonart“, die „Tonart des Sterbens“. In Des-Dur kommt „ein sinnliches Element, eine gewisse sinnliche Süße“ dazu [3]. „Ein eigenartiger Abgrund zwischen Höhe und Tiefe scheint sich innerhalb dieser Tonart aufzutun“ [3]
Die Verwendung der Tonarten bei Kate Bush ist wie immer verblüffend. James scheint ganz klar in einer Welt des Todes zu leben. Die Welt seiner verlassenen Freunde steht dagegen in der Parallelen Dur-Tonart, ist süßer, verlockender, lebendiger – aber es ist einfach nur die Todeswelt etwas aufgehellt. Der Western ist ohne seinen Helden tot, ist eine Hülle. Kate Bush hat den Helden herausgedrängt und füllt dessen Welt mit dunklen Phantasien. Es ist fast witzig, dies einem mittanzendem Kneipenpublikum unterzujubeln. Graeme Thomson meint, dass „James And The Cold Gun“ „[…] ein wenig platt und formelhaft aufgebaut ist“ [1, S. 121]. Ich gebe ihm nur insoweit Recht, dass der Song vordergründig leicht zugänglich und fröhlich ist. Aber der Text und die Tonarten sprechen eine andere Sprache. Schaut man hinein in einen Song von Kate Bush, so findet man immer etwas Tiefes, Dunkles, Ungewöhnliches – so wie hier auch. Hier muss man bloß etwas länger schauen und sich aus dem Pub hinaus ins Dunkle begeben. © Achim/aHAJ

[1] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013.
[2] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S. 106f
[3] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S. 232ff
[4] https://www.katebushencyclopedia.com/james-and-the-cold-gun (13.01.2023 gelesen)
[5] Harry Doherty: „The Kick Outside“, Melody Maker, 03.06.1978
[6] https://genius.com/Kate-bush-james-and-the-cold-gun-lyrics (gelesen 28.08.2022)
[7] Kate Bush Club, Ausgabe 11/1979, http://gaffa.org/cloud/music/james_and_the_cold_gun.html (gelesen 13.01.2023)
[8] https://www.eruditorumpress.com/blog/james-and-the-cold-gun (gelesen 12.01.2023)
[9] http://www.bobdylan.com/songs/lay-lady-lay/ (gelesen 13.01.2023)

Versteckte Nachrichten von Kate

Das Lyrik-Buch „How to be invisible“ mit ausgewählten Songtexten von Kate wird am 6. April in England und am 9. Mai in den USA in einer Taschenbuch-Auflage im englischen Verlag Faber & Faber erscheinen – etwas mehr als vier Jahre nach dem Erscheinen der gebundenen Ausgabe. Für die Paperback-Version hat Kate eigens ein neues Vorwort geschrieben. Das neue Cover stammt von Jim Kay. Kay ist freier Illustrator und hat vor allem für die Schmuckausgaben der Harry Potter-Reihe die Illustrationen entworfen. Potentiell dürfte er im neuen HTBI-Cover auch das KT-Symbol verarbeitet haben. Neben dem neuen Vorwort von Kate gab es aber noch eine weitere Besonderheit: Am Tag der Bekanntgabe der Veröffentlichung konnte (ausschließlich in England) eine limitierte Anzahl von signierten Büchern vorbestellt werden. Zudem hat Kate in einem weiteren Teil dieser signierten Ausgaben eine mit unsichtbarer Tinte geschriebene Nachricht hinterlassen, die nur vor ultraviolettem Licht sichtbar wird. Das Buch wird in England 10,99 Pfund kosten. Bei Amazon Deutschland kann man es für 13,50 Euro vorbestellen. Laut Amazon würde es dann ab dem 17. oder 18. April verschickt, also knapp zwei Wochen nach dem Erscheinen in England.  

Zum Tod von Jeff Beck

Mit einem Tweet hat Kate auf ihrer Webseite auf den Tod von Jeff Beck reagiert. „I’m heartbroken to hear the news. Jeff was a real one-off, He was so adorable and funny – incredibly lovable.  He was one of the greatest guitarists the world has ever known. We’ve lost one of our brightest stars and the heavens now have one of our heroes“, schreibt sie. Beck ist am Mittwoch unerwartet nach einer Erkrankung im Alter von 78 Jahren verstorben. Er galt als einer der größten Gitarristen, war achtfacher Grammy-Gewinner und hat mit Musikern wie Jimmy Page, Rod Stewart, Roger Waters und Jon Bon Jovi zusammengearbeitet. Bereits in den 1960er Jahren spielte Beck für die Yarbirds – als Nachfolger von Eric Clapton. Jimmi Page (Led Zeppelin) spielte teilweise zeitgleich mit Beck in der Band. Für Kate hat Jeff Beck bei dem Stück You’re The One vom 1993er Album The Red Shoes die Gitarre gespielt – mit dabei am Bass war John Giblin (Simple Minds) und Gary Brooker (Procul Harum) an der Hammondorgel. An dem Song wirkte auch das Trio Bulgarka mit. Auf diese spezielle Kooperation war Kate bereits nach Erscheinen des Albums in einem Beitrags für ein Fan-Magazin eingegangen: „I love Jeff Beck’s guitar on this song – he is a big fan of The Trio (Bulgarka) and was very keen to work with their melodies in the song. The idea was for him to gradually ’step into‘ the track and slowly make his presence felt, to end with an outspoken solo. I was really honoured to work with all the people on this album…”

Happy Birthday

Der erste Beitrag war kurz. Gerade mal fünf Sätze mussten reichen um zu erklären, was auf der neuen Seite morningfog.de rund um Kate passieren sollte. Das war wenige Tage vor Weihnachten 2012 – also vor zehn Jahren. Die Idee damals: diese Präsenz sollte als Partnerseite des The Morning Fog-Forums eine neue Anlaufstelle für deutschsprachige Kate-Fans bieten, weil die frühere Seite katebush.de kurz zuvor aufgegeben worden war. Das Forum gibt es immer noch, aber Foren oder Blogs funktionieren seit Twitter und Facebook lange nicht mehr so wie früher. Sie funktionieren einfach anders. In diesem Fall: 800 Beiträge in zehn Jahren ist nicht wirklich schlecht und über die Zahl von fast 2,7 Millionen Seitenbesuchen kann man sich mehr als nur freuen. Sie sind der Beleg dafür, dass die Seite zur stetigen Anlaufstelle für Kate-Fans geworden ist. Dazu haben viele Menschen beigetragen – von Achim über Beate, Micha, und Eberhard oder Andreas und vielen weiteren, die mich immer wieder auf spannende Themen hingewiesenhaben oder einfach auch als Gesprächspartner zur Verfügung standen. Das war nämlich von Anfang an auch ein wichtiges Anliegen dieser Seite: nicht die vollständigen Listen, wann wo welche Singles/Alben erschienen sind, sollten im Vordergrund stehen. Dafür gibt es bessere Seiten. Ziel war immer, Lust auf die Musik von Kate Bush zu wecken und zu teilen. Und gerade in diesem Jahr ist mit dem Erfolg von Running Up That Hill deutlich geworden, dass insbesondere junge Menschen für die Musik von Kate begeistert werden können. Und für sie gibt es so viel mehr als RUTH zu entdecken… Man stelle sich das mal vor: Man kennt nur RUTH und hört zum ersten Mal Songs wie Breathing, Aerial, Get Out Of My House, The Man With The Child In His Eyes oder Rocket’s Tail – wundervoll. Entdecken kann mal das Kate-Universum in vielen Einzelheiten genau hier – und das schon seit zehn Jahren und bestimmt auch noch für ein paar weitere Jahre. Also: Happy Birthday, morningfog.de und als verspätetes Geburtstagsgeschenk darf es dann 2023 gerne ein neues Album von Kate geben.

Frohe Weihnachten!

Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Weihnachtsbotschaft von Kate – erneut garniert mit dem Foto eines kleines Vogels. War es im letzten Jahr das Bild eines Goldhähnchens, können wir 2022 ein Rotkehlchen sehen. Angesichts der Ereignisse in der Welt ist Kate Botschaft sehr nachdenklich: „Ich glaube niemand von uns hat jemals ein Jahr wie dieses erlebt“, schreibt sie und merkt an, dass das Leben schon in der Pandemie sehr beängstigend geworden sei und es nahezu immer so weitergehe: „Es ist ein Bombardement – der entsetzliche Krieg in der Ukraine, die Hungersnöte, die Dürren, die Überschwemmungen … und wir haben unsere Königin verloren.“ Ihr Tod sei für viele Menschen „zu einem Brennpunkt der Trauer“ geworden, „des unausgesprochenen Verlusts, den so viele Menschen während der Pandemie empfunden hatten“. Ein „crazy, roller coaster year“ sei 2022 für Kate gewesen, ein verrücktes Achterbahnjahr. Pandemie und Krieg auf der einen Seite, der Erfolg von „Running Up That Hill“ auf der anderen Seite. Immerhin hat es RUTH bis auf Platz 1 der englischen, und auf Platz 3 der us-amerikanischen Charts geschafft. „Es war ein großartiges Gefühl zu sehen, dass so viele aus der jüngeren Generation den Song genießen. Es scheint, dass ziemlich viele von ihnen dachten, ich sei ein neuer Künstler! Ich liebe das!“
Und 2023? „Ich hoffe, der Krieg wird enden“, schreibt Kate. Sie hofft, dass die Arbeit der Pflegekräfte im Gesundheitssystem ausreichend geschätzt werden wird. Und sie hofft, dass 2023 besser werden wird als dieses Jahr. Die Hoffnung – „Manchmal ist sie alles, was in den dunklen Zeiten, in denen wir uns gerade befinden, zu leuchten scheint.“ Das Rotkehlchen hat Kate in ihren Weihnachtsgeschenken an Freunde verwendet. „Ich habe dieses Jahr ein kleines Rotkehlchen in einigen meiner Weihnachtsgeschenke an Freunde verwendet. „Ich hatte das Gefühl, dass dieser bescheidene kleine Vogel, der Weihnachten symbolisiert, im Kontext von Emily Dickinsons schönen Worten auch Hoffnung symbolisieren könnte: Hoffnung ist das Ding mit Federn, das in der Seele sitzt. Ich würde gerne daran denken, dass dieses Weihnachten, wenn Freude so schwer zu finden ist, Hoffnung in all unseren Seelen ruhen wird. Frohe Weihnachten!“
Und ja, leider gibt es keinen Hinweis auf neue Musik von Kate in 2023. Das Zitat von Emily Dickinson ist übrigens gekürzt. Im Original heißt es: „Hoffnung ist das Ding mit Federn, das in der Seele sitzt und ohne zu singen singt.“ Seit Aerial höre ich Vögel viel lauter singen, beachte ihre Melodien. Und ich habe die Hoffnung, in 2023 auch wieder Kate singen zu hören… Frohe Weihnachten!

Kate trifft auf Picasso

© Peter Robert Keil
© Peter Robert Keil
von oben: Andy Warhol, Barbara Streisand, Frank Sinatra

Wenn Picasso auf Kate Bush trifft, könnte das so aussehen, wie der deutsche Maler Peter Robert Keil es auf Papier gebracht hat. Kate Bush-Look Portrait heißt das Werk, das am 26. Oktober in der Hill Auction Gallery im kleinen Städtchen Sunrise in Florida versteigert wird. Mindestgebot: 25 Dollar. Erwartet werden Gebote zwischen 100 und 1000 Dollar. Kleiner Schönheitsfehler: Wer außerhalb der USA lebt, kann leider nur indirekt mitbieten.
Keil, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feiern konnte, ist in Berlin aufgewachsen, orientierte sich zunächst am Malstil des deutschen Expressionismus, lebte später in Paris und London, wo er seinen Malstil zum Neoexpressionismus fortentwickelte. Im Berlin der 1980er Jahre zählte er zu den „Neuen Wilden“. Bei Wikipedia heißt es dazu: „Die Verwendung intensiver bis greller Farben sowie der Verzicht auf eine realistische Gegenständlichkeit sind seitdem die typischen Merkmale seines Malstils. Die Farbe seiner Bilder ist mit raschen und schnellen Pinselstrichen sowie gelegentlich pastos aufgetragen und die Motive seiner Bilder werden immer wieder durch Graffiti-Elemente zusätzlich verfremdet. Thematisch bevorzugt Keil menschliche Figuren, Porträts, Großstadtszenen, Landschaften und Blumenstilleben. Keils emotionale Malerei wird dabei vor allem getragen von einem Wunsch nach Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen.“
Keil ist bis heute ein äußerst produktiver Maler, der Ateliers in Paris, London, Berlin und in den USA hatte, heute zwischen seinem Wohnsitz in Bayern, Berlin und Los Angeles pendelt. Beeindruckend ist seine Liste von Ausstellungen in den vergangenen 60 Jahren: 1962 konnte er seine Werke in der ersten Einzelausstellung in der Londoner Art Gallery präsentieren, jetzt ist er Artist-in-residence im Xylon Museum in Schwetzingen. Sein Kate Bush-Bild ist in Schwarz, Rot, Blau und Grün auf weißem Grund gemalt und handsigniert. Auf der Rückseite befindet sich der Titel des Bildes. Das Format beträgt etwa 70×55 Zentimeter, das Bild ist ungerahmt und wird wie folgt beschrieben: „Guter Gesamtzustand mit normalem Oberflächenverschleiß.“ Neben Kate gibt es noch weitere Werke von Keil, die in Florida versteigert werden, so beispielsweise Porträts von Andy Warhol, Frank Sinatra, Barbara Streisand, Madonna und Cindy Lauper. Wann das Kate-BIld entstanden ist, bleibt leider unklar.

50 Kapitel für Kate

In einem neuen Buch erklärt der Journalist Tom Doyle das Phänomen Kate Bush. „Running Up That Hill: 50 Visions of Kate Bush“ heißt das 320 Seiten starke Werk, das am 27. Oktober im englischen Verlag Nine Eight Books erscheint.

Eines muss man vorwegschicken: Kate Bush mag keine Interviews, auch wenn sie sich dabei stets aufgeräumt gibt. Interviews gibt es sowieso allenfalls nur dann, wenn etwa ein neues Album veröffentlicht wird oder wie zuletzt der 37 Jahre alte Song Running Up That Hill recht unerwartet erneut an die Spitze der englischen Charts stürmt. Gibt es diese seltenen Gelegenheiten zu Interviews, finden sie am Telefon statt. Irgendwann im Herbst 2005 hat Kate eine Ausnahme zugelassen. Damals, zwölf Jahre nach ihrem letzten Album, stand im November 2005 die Veröffentlichung ihres Doppelalbums Aerial unmittelbar bevor. Musikjournalist Tom Doyle, der unter anderem für das Musikmagazin Mojo schreibt, erhielt eine Einladung und hatte die Gelegenheit, fast einen ganzen Tag im Haus von Kate Bush zu verbringen – inklusive Besuch im Tonstudio. Doyle hat das damals so beschrieben: „Hier, in Kate Bushs Haus, lebt eine 47-jährige Mutter von einem Kind, das Gegenteil der mysteriösen Einsiedlerin, gekleidet in ein Arbeitsdress aus braunem Hemd, Jeans und Turnschuhen, das Haar in praktischer Business-Manier hochgesteckt. Dazu vorsichtiges Lächeln und nervöses Gelächter. Wir geben uns zaghaft die Hand. Sie wirkt winzig und kurvenreicher als die scheue Tänzerin aus der Erinnerung.“ Den ersten Eindrücken dieser Begegnung lässt Doyle eine Beschreibung des Hauses folgen, bevor er auf 16 Seiten (!) am 3. November im Mojo-Magazin sein Aerial-Interview veröffentlicht. Und das war nur ein Bruchteil dessen, worüber Doyle damals mit Kate gesprochen hat, wie später deutlich wird, weil Doyle zu mehreren Gelegenheiten immer wieder auf Inhalte dieses außergewöhnlichen Interview-Termins zurückgegriffen hat. Zuletzt im Jahr 2020, als er zum 132-seitigen Mojo-Heft über Kate Bush einen Beitrag zu ihrem Album Hounds Of Love geschrieben hat, davor zum Erscheinen der Remasters 2018. Zur Veröffentlichung des Mojo-Heftes 2020 soll auch die Idee zum jetzigen Buch entstanden sein.  Denn, so Doyle in einem aktuellen Interview auf der Seite musicmusingsandsuch.com: „Mir wurde klar, dass noch jede Menge toller Sachen übrig waren, die niemand gesehen hatte und die wirklich helfen könnten, die Ecken von verschiedenen Teilen von Kates Geschichte zu erhellen. Außerdem neigen Artikel in Zeitschriften dazu, im Laufe der Jahre vergessen zu werden, also beschloss ich, dass es ein guter Zeitpunkt war, all dies in etwas Dauerhafteres zu packen, das das Buch wurde.“

Dabei hat Doyle aber nicht nur auf sein Gespräch mit Kate von 2005 zurückgegriffen, sondern auch mit ihrem Bruder John Carder Bush gesprochen, mit ihrem Förderer und Kollegen David Gilmour (Pink Floyd), mit dem Bassisten und Musikproduzenten Martin Glover alias Youth (Killing Joke) und John Lydon (Johnny Rotten/Sex Pistols).
In 50 Kapiteln beleuchtet Doyle Leben und Werk von Kate, geht auf ihre wichtigsten Songs und Alben ein und versucht ein kunstvolles, ehrliches zum Teil auch humorvolles Bild der zurückgezogen lebenden Künstlerin zu zeichnen. Als „eine lebendige und umfassende Neuuntersuchung von Kate Bush und ihren vielen kreativen Meilensteinen“ wird das Buch beschrieben. Und die, die es vorab schon lesen konnten, sind mehr als angetan. So schreibt Sean, der katebushnews betreibt: „Dieses exzellente Buch ist mit Abstand eines der besten, die bisher über Kates Karriere geschrieben wurde – es ist überraschend erfrischend, voller neuer Details und Einsichten und mit offensichtlichem Respekt und ernsthafter Bewunderung für das Thema verfasst, ohne in eine Heiligenverehrung zu verfallen.“ Auch auf musicmusingsandsuch.com gibt es sehr positive Kritiken und besagtes Interview. Das endet übriges mit einer naheliegenden Frage an den Autor. Wird es neue Musik von Kate geben? Der berühmte Blick in die Glaskugel und auch Tom Doyle kann gerade bei Kate nicht den nächsten musikalischen Schritt vorhersagen. Aber: „Ich wäre sehr überrascht, wenn sie nicht mindestens ein weiteres Album veröffentlichen würde“, sagt er dann doch.

Running Up That Hill: 50 Visions of Kate Bush von Tom Doyle erscheint am 27.10.2022, 320 Seiten, ISBN-10: ‎ 1788707796, ISBN-13: ‎ 978-1788707794, Verlag: Nine Eight Books, ca. 23 Euro bei Amazon Deutschland; 17,60 £ Amazon UK.

Ein (seltsames) Sommermärchen

Von Beate Meiswinkel
Warum hassen wir einander, obwohl wir uns lieben? Es mag nach einem heftigen Streit gewesen sein, als Kate Bush sich diese Frage stellte. Ihre Gedanken und Gefühle ließ sie in ihren Song Running Up That Hill (A Deal With God) einfließen. Dabei verlieh sie dem tief empfundenen Wunsch Ausdruck, sich vollkommen in ihren Partner hineinversetzen zu können, Dem Donner in Kates Herzen, der sich im treibenden Rhythmus des Liedes Bahn bricht, vermag sich kaum jemand zu entziehen. Er trägt die ebenso unwiderstehliche wie trügerisch leichte Melodie, zu der man tanzen möchte – nur um festzustellen, dass die eigenen Schritte nicht so leichtfüßig zu folgen vermögen, wie diese Melodie suggeriert.

Das Lied sowie das Video mit den zeitlos schönen Tanzszenen mit Michael Hervieu brachten Kate bereits im Erscheinungsjahr 1985 großen internationalen Erfolg. Im Laufe der Jahre blieb RUTH uns stets in Erinnerung und im Ohr, unter anderem dank zahlreicher Coverversionen. Besonders eindrucksvoll finde ich Placebos minimalistische Variation sowie die zärtliche live Interpretation von Tori Amos. 2012 wurde der Song in die Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in London einbezogen, und die Glücklicheren unter uns durften ihn live bei den Before The Dawn-Konzerten erleben. Allerdings war wohl niemand darauf vorbereitet, was im Sommer 2022 geschehen würde – wahrscheinlich auch Kate selbst nicht: Ende Mai erschien die vierte Staffel der Netflix-Serie Stranger Things. Zur Premiere in New York zeigte sich Schauspielerin Winona Ryder, die die Rolle der Joyce Byers spielt, in einem eleganten schwarzen Hosenanzug. Am Revers trug sie deutlich sichtbar einen großen Kate Bush Button. Von Presse / Social Media darauf angesprochen, antwortete Ryder: „Sie (Kate Bush) hat einen Song, der in die Handlung dieser Staffel einfließt. Ich bin von ihr besessen, seit ich ein kleines Mädchen war. Sie ist eine Heldin von mir.“ Das geschickt platzierte Statement steigerte die Spannung auf das, was uns in den neuen Folgen der Erfolgsserie erwarten würde.
Es ist das Jahr 1986. Ein Mädchen geht einen Schulflur entlang. Maxine (Sadie Sink), kurz Max genannt, wirkt verstört. Sie ist auf dem Weg zu ihrer Beratungslehrerin. Erst kürzlich hat Max einen schweren persönlichen Verlust erlebt. Sie musste mitansehen, wie ein entsetzliches Geschöpf ihren Halbbruder Billy ermordet. Dieses Erlebnis hat tiefe Spuren hinterlassen. Fest hat Max die Kopfhörer ihres Walkmans auf den Ohren. Sie hat sich tief in den Klängen ihres Lieblingsliedes Running Up That Hill vergraben. Max schottet sich ab mit ihrer Musik, begreift sie als Schirm und Schutz – it doesn’t hurt me!
Wie bereits in den vorherigen Staffeln sucht ein seltsames bösartiges Phänomen das amerikanische Städtchen Hawkins heim. Aktuell manifestiert es sich in dem Monster Vecna, das es auf Jugendliche abgesehen hat. Vecna vermag, in die Gedanken seiner Opfer einzudringen und sie in tiefe Trance zu versetzen. Dabei konfrontiert er die Kinder mit traumatischen Erinnerungen und foltert sie mit Schuldgefühlen. Schließlich bricht er sie körperlich und geistig, um sie zu töten. Nach mehreren makabren Todesfällen, denen Max und ihre Freunde nachgehen, erkennt sie, dass das Monster sie als nächstes Opfer auserkoren hat. Während die Freunde nach Möglichkeiten suchen, um sie zu beschützen und dem Monster Einhalt zu gebieten, ergreift ein eigenartiger Fatalismus von Max Besitz. Sie verfasst Abschiedsbriefe. Während sie das Grab ihres Halbbruders besucht, schlägt Vecna zu.

Zum Glück sind die Freunde nicht weit. Nachdem es ihnen nicht gelingt, Max aus der Trance aufzuwecken und sie bereits hoffnungslos in ihrem tödlichen Alptraum gefangen scheint, kommt Dustin (Gaten Matarazzo) auf die rettende Idee: Musik soll dabei helfen, den verirrten Geist zurück in die Wirklichkeit zu locken. Den Walkman und einen Stapel Musikkassetten hat er aus dem Auto herbeiholt. Schließlich finden fliegende Finger die Hounds Of Love-Kassette, stülpen Max die Kopfhörer über: Running Up That Hill erklingt. Kate Bush verfehlt ihre Wirkung nicht: während glückliche Erinnerungen zurück in ihren Geist fluten, erkennt Max ihren Ausweg. Sie kämpft sich frei und zurück in die Wirklichkeit – fürs erste ist sie in Sicherheit. Doch die Gefahr ist nicht gebannt! Im weiteren Verlauf der Geschichte suchen die Freunde einen Weg, Vecna zu besiegen. Für Max bleiben Walkman und Kate Bush weiterhin ihr wirksamster Schutz. RUTH läuft in Endlosschleife, bis Max sich fragt, was wohl geschehen würde, wenn sie ihrer Lieblingsmelodie auf einmal überdrüssig würde.
„Wird es weiter funktionieren?“, fragt sie ihren Freund Lucas (Caleb McLaughlin), „Oder wird Kate Bush ihre magischen Kräfte (…) verlieren?“ – „Kate Bush?“, entgegnet Lucas, „Nie im Leben!“ Er soll Recht behalten, und das über die Handlung der Serie hinaus: dank des Siegeszuges von Stranger Things kehrte Running Up That Hill 37 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung zurück in die internationalen Charts, wo es wochenlang Spitzenplatzierungen erzielte. Der Streamingdienst Spotify verzeichnete Ende September 700 Millionen Streams!
Dass sie etwas vom gekonnten Einsatz von Musik verstehen, haben die Regisseure Matt und Ross Duffer in zahlreichen Szenen von Stranger Things bewiesen. Mit der Wahl von RUTH haben die Zwillingsbrüder sich allerdings selbst übertroffen, wobei sie sich überrascht und erstaunt vom Ausmaß dieses Erfolgs zeigen. Für die kommende Staffel ist allerdings kein weiterer Kate Bush Song eingeplant.
Wir Fans durften uns in diesem Jahr jedenfalls nicht nur über reich illustrierte Beiträge in verschiedenen Musikzeitschriften und über die Veröffentlichung der Single im CD-Format (via Rhino.com) freuen. Kate Bush brach darüber hinaus mit gleich mehreren Meldungen auf ihrer offiziellen Webpräsenz ihr traditionelles Schweigen, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, sich als Stranger Things Fan zu outen und den Duffer Brothers zu danken. Im Juni gab sie sogar eines ihrer seltenen Interviews in der BBC Radio 4 Sendung Woman’s Hour.
Wer sich an dieser Stelle fragt, ob es sich lohnt, Stranger Things anzuschauen, dem möchte ich unbedingt dazu raten. Die Mystery-Serie besticht nicht nur durch eine vielschichtige Erzählweise, charismatische Charaktere und äußerst effektive Spannungsbögen, sie bietet auch eine nahezu magische Zeitreise zurück in die 1980er Jahre. Kate Bush-Fans können, wenn sie möchten, außerdem immer wieder Reminiszenzen an Kates Film- und Bühnenarbeit entdecken. Zumindest Experiment IV ist offensichtlich.

Robbie Coltrane ist gestorben

Der englische Schauspieler und Comedian Robbie Coltrane ist heute im Alter von 72 Jahren gestorben. Coltrane, der eigentlich Anthony Robert McMillan heißt und den Künstlernamen aus Verehrung für den Jazzsaxofonisten John Coltrane angenommen hat, war vor allem für seine Rolle als Wildhüter Rubeus Hagrid in den Harry-Potter-Filmen bekannt sowie aus der englischen Krimiserie „Cracker“ (Für alle Fälle Fitz). Kate-Fans kennen Coltrane aus dem VIdeo zu Deeper Understanding von 2011, in dem Robbie Coltrane die Hauptrolle verkörpert. Coltrane hatte in den 1980er Jahren in mehreren Comedy-Serien mitgespielt, vor allem in der Comic-Strip-Reihe. In der Folge „GLC: The Carnage Continues“ verkörpert Coltrane Charles Bronson der wiederum Ken Livingstone in einer Art Charles Bronson/Sylvester Stallone-Actionkomödie spielt. Livingstone war 20 Jahre lang Chef der Verwaltungsbehörde Greater Council London (GLC). Er galt als einer der lautstarksten politischen Gegenspieler von Margret Thatcher. Kate hatte mit den Songs „Ken“, „The Confrontation“ und „One Last Look Aroiund The House“ gleich drei Musikstücke für die Folge beigesteuert. Auch „Running Up That Hill“ ist in einer Szene im Hintergrund zu hören. Zur gleichen Zeit hat Coltrane noch einen weiteren Kate-Auftritt: 1992 hat Kate in einem Interview erzählt, dass Coltrane beim Song „Waking The Witch“ im Background zu hören ist. Coltrane hat zu der Zeit auch mit Rowan Atkinson in der Serie „Blackadder“ gespielt. Nach seinen Erfolgen in der Harry Potter-Reihe hat er in zwei Bond-Filmen mitgespielt, in „Oceans 12“ und hat 2020 Orson Welles verkörpert.

Eine Stil-Ikone für die Generation Z

Im Juni hat Amy Francombe in der englischen Zeitung Evening Standard beschrieben, wie die Generation Z sich für Kate Bush begeistert hat – obwohl oder weil sie nicht in sozialen Medien präsent ist, ihr letztes Album von 2011 stammt (und das nicht ansatzweise mit Mainstream-Musik dienen kann) und ihre Debüt-Single im Jahr 1978 veröffentlicht wurde, auf der es dann auch noch um ein Standard-Werk der englischen Literatur ging.
In der Vogue war es ein Monat zuvor Liam Hess, der darüber begeistert war, dass eine neue Generation Kate entdeckt, so wie er selbst als Jugendlicher vom Video zu Wuthering Heights begeistert war und sich seitdem selbst als fast schon „besessen“ von Kate bezeichnet. Dass er die Before the Dawn-Konzerte verpasst hat, schmerzt ihn bis heute. Er wäre also der perfekte Kandidat dafür gewesen, sich darüber zu mokieren, dass Jugendliche erst jetzt die Musik seiner Heldin entdecken und das noch durch ein Teenie-Drama. „Aber wo könnte man besser anfangen als mit einem ihrer größten Songs (und Videos) überhaupt, „Running Up That Hill“? fragt er in der Vogue. „Als Teenager, der sich immer ein bisschen anders gefühlt hat (obwohl, welcher Teenager tut das nicht?), fand ich Zuflucht in Bushs Musik; eine Erinnerung nicht nur daran, dass es in Ordnung war, sich nicht anzupassen, sondern dass Nonkonformität etwas ist, das gefeiert oder auf die höchste Ebene der Kunst erhoben werden könnte.“ Von Kashka From Baghdad über The Sensual World oder This Woman’s Work treibt ihm Kates Musik die Tränen in die Augen – „Warum sollte ich das anderen vorenthalten wollen?“ Erst recht, wenn er auf die Geschichten kommt, die Kate erzählt, egal ob traurig, abstrus oder heiter: „Gott weiß, dass wir gerade jetzt ein bisschen mehr von Bushs seltsamer und wunderbarer kreativer Magie in der Welt gebrauchen könnten“, schreibt Liam Hess.
Der Generation Z und ihrer Liebe zu Kate Bush widmet sich jetzt auch Frauke Rüth in der Hannoverschen Allgemeinen. Und sie lenkt dabei in ihrer Betrachtung den Blick noch auf einen anderen Aspekt als nur die Musik. Kate sei im Sprachduktus der jungen Menschen „wild, stark und selbstbewusst“, „ein echtes Vorbild“. „Die Großartigkeit von Kate Bush ging und geht jedoch über ihre Musik hinaus: Auch ihr einst eklektischer Stil begeistert die jungen Fans“, schreibt sie. Bush setze für ihre Kunst so viele Werkzeuge wie möglich ein, habe Tanzunterricht bei David Bowies Tanzlehrer genommen, Videos unterschiedlicher Genres von Science-Fiction bis Märchen geschaffen und bei ihren Outfits auf einen sehr eigenwilligen Mix gesetzt. Und auch wenn der Sturmhöhen-Gedächtnislook sich kollektiv festgesetzt habe, dürfe man sie darauf nicht reduzieren. Sie habe das romantische Raster auf der Bühne mit hautengen Bodys und Catsuits, reichlich Federn, Flügeln und exzentrischen Glitzerleibchen gesprengt und sei auch im privaten Outfit Trendsetter gewesen. In der Rubrik „Stil & Ikonen“ daran zu erinnern, dass neben der Musik, neben Videos und Film der „Z-Liebling Kate Bush“ tatsächlich auch immer eine Stil-Ikone war, ist schon deshalb wichtig, weil auch heute noch Modemacher sich von ihrer Musik inspirieren lassen.

Fans früher und heute

Ausschnitt aus der Wochenendbeilage der WAZ vom 2. September 2022

Hat sich die Art und Weise, wie Stars und Sternchen angehimmelt werden, verändert? Wie verhalten sich Fans früher und heute? Dieser Frage ist die freie Journalistin Kristina Gerstenmaier für die Wochenendbeilage der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) nachgegangen – und hat dazu auch mich befragt. „Es gibt nicht den einen Fan. Vielmehr sind die Fans so unterschiedlich, wie es unterschiedliche Musiker, Stile und Genres gibt“, schreibt Gerstenmaier. Es gebe aber eben die Fans des alten Schlags. So wie mich, der seit 1978 für seine Lieblingsmusikerin schwärmt, seit zehn Jahren mit morningfog.de einen Blog („eine klassische Fanpage im http-Format“) betreibt und 2014 alles unternommen hat, um zu einem Kate Bush-Konzert zu kommen („Ich wäre überall hingeflogen, um sie nur einmal live erleben zu können“). Und der Gegensatz: Eine 13-Jährige, die für Deutsch-Pop-Sänger Wincent Weiss schwärmt und auf Instagram eine Fanpage pflegt und dort Fan-Fiction veröffentlicht, oder eine 14-Jährige, die für eine koreanische Boyband schwärmt. Ist die Begeisterung eine andere? Ist Fankultur, was immerhin noch den Begriff Kultur beinhaltet, etwas anderes als der Internet-, Instagram-, TikTok-Hype und Fandom-Auswüchse? So richtige viele Untersuchungen dazu gibt es nicht, immerhin aber hat sich die Marburger Medienwissenschaftlerin Vera Cuntz-Leng der Fanforschung widmet, und sagt, dass durch die Entwicklung des Internets Fans und Fan-Communities nicht nur sichtbarer und allgegenwärtiger geworden seien, sondern auch endgültig im Mainstream angekommen sind. Wo sich Kate ja mit Unterstützung von Stranger Things auch wieder befindet. Hat sich das Fan-Sein mit der Zeit also verändert? „Diese Frage lässt sich weniger leicht beantworten, als vielleicht vermutet“, schreibt Gerstenmaier. Eben auch deshalb, weil Internet, Twitter und Co zur Vernetzung führen. Und da spielt es keine Rolle, ob man mit 13 für Wincent Weiss schwärmt oder mit 58 für Kate Bush. Oder umgekehrt.
Wer den Artikel lesen möchte, findet ihn auf waz.de hinter der Bezahlschranke.

Wie Egypt zu Nile Land wird

Wenn Achim neue Beiträge für das Song-ABC schreibt, geht die Suche nach passenden Bildern los. Im Fall von Kates Song Night Scented Stock findet man da nur wenig bis gar nichts, kann aber durchaus auf ganz unerwartete Kuriositäten stoßen: etwa die Never for Ever-Kassetten eines Labels namens Mona Lisa. Veröffentlicht wurden gleich zwei Kassetten in Saudi-Arabien unter diesem Label. Kassette Nummer 1 mixt die Songs von Never for Ever mit Stücken von The Kick Inside und Lionheart. Bemerkenswert ist dabei, dass Songs wie The Infant Kiss, Strange Phenomena und ausgerechnet Kashka from Baghdad bei der nicht-offiziellen Veröffentlichung in Saudi-Arabien (!) auf der Kassette geblieben sind. Weiteres Bonmot: Kates Song Egypt wurde in Saudi-Arabien in Nile Land umbenannt. Kassette Nummer 2 beinhaltet alle Never for Ever-Songs, ergänzt um die B-Seiten The Empty Bullring und Ran Tan Waltz. Komplettiert wird die MC dann erstaunlicherweise mit vier Songs von Sally Oldfield. Egypt wurde da übrigens nicht umbenannt. Insgesamt gibt es nur sechs (nicht lizensierte) Veröffentlichungen des Labels: die zwei Kate Bush-Kassetten für Saudi-Arabien, zwei Kassetten von Emerson, Lake & Palmer und den Oak Ridge Boys sowie je eine Kassette, die in Singapur veröffentlicht wurde – eine von Status Quo und die andere ausgerechnet von Udo Lindenberg samt seinem Panikorchester.

Das Song-ABC: Night Scented Stock

„Night Scented Stock“ vom Album „Never For Ever“ (1980) ist wohl eine der Kompositionen von Kate Bush, die mit am wenigsten beachtet wird. Das liegt an der unglaublichen Kürze von 52 Sekunden und daran, dass die Komposition ohne Text auskommt. Ein kürzeres Stück hat Kate Bush bisher nicht geschrieben, selbst „Aerial Tal“ ist länger. So ein „Interludium“ kann nicht viel Inhalt, nicht viel Bedeutung haben, das ist vielleicht die Einschätzung, die man beim Zuhören gewinnt. Aber das täuscht, wie ich darlegen werde.
Es erfordert als Popmusikerin schon viel Mut, richtig lange Stücke zu schreiben, so wie es Kate Bush auf „50 Words For Snow“ gemacht hat. Aber lange Stücke gestatten es, eine Geschichte und die Musik dazu behutsam zu entfalten. Sie sind wie Blumen, die langsam aufblühen und die ihre Schönheit zeigen. Bei einem kurzen Stück ist die Herausforderung viel größer. Hier muss Bedeutung ganz konzentriert auf kleinsten Raum untergebracht werden. Das ist sehr schwierig, deshalb sind solche Stücke meist wirklich nur Überleitungen. Hier nicht. Je mehr ich „hineinschaute“, desto mehr wurde ich überrascht. Der ungewöhnliche Titel erweckt natürlich zuerst Aufmerksamkeit. „Night-scented stock“, das ist der englische Name für eine Pflanze, der botanische Name ist Matthiola longipetala [1]. Im Deutschen ist der Name Abendlevkoje, es ist eine eher unscheinbare Pflanze, deren Blüten nachts stark duften.
„Ein intensiver Duft entströmt den violetten Blüten. Diese duften vor allem abends, tagsüber auch, wenn der Himmel mit Wolken bedeckt ist. Der betörende Duft ist eine köstliche Mischung aus Vanille, Veilchen und Nelken. In die Nähe von Sitzplätzen pflanzen, die man Abends benutzt, für süß duftende, luxuriöse, laue Sommernächte!“ [7] Auf eine tiefere Bedeutung werde ich noch zurückkommen, aber dieser Titel passt schon mal gut zur Musik des Stücks. „Night Scented Stock“ ist rein instrumental, er besteht ausschließlich aus einem Geflecht von Gesangsstimmen, alle von Kate Bush gesungen. Es sind wunderschön gehauchte „aaahs“ und „oohs“, ein weiterer Text kommt nicht vor. Es ist Musik wie ein betörender Duft. Das Stück ist eindeutig ein Ausprobieren, ein Ausloten und Ausweiten der musikalischen Palette, wie Kate Bush sagt. „This album taught me that I should be a little more brave about that because music without words is just as beautiful and sometimes I feel the need to just keep putting words on music instead of just letting the music be. I hope in the future that perhaps I will move into that area a little more.“ [6]

Die Inspiration kam dabei aus der klassischen Musik, wie Kate Bush auf eine entsprechende Frage erläutert. „That’s probably why I’m fond of it because it’s a new area. And I love music without words when it works because it suddenly becomes so much freer, it’s like landscapes moving around you and I’ve always wanted to work in a musical area sometimes rather than always putting lyrics to my songs.“ [4] „Night Scented Stock“ verbindet auf dem Album zwei der zentralen Songs miteinander, „The Infant Kiss“ und „Army Dreamers“. Das Stück geht übergangslos in diese beiden Songs über. Diese beiden Songs sind in der Stimmung ganz unterschiedlich, mysteriös und geheimnisvoll der eine, ironisch und traurig-böse der andere. „Night Scented Stock“ setzt dem eine Stimmung der Nacht gegenüber, es ist eine Stimmung wie aus einem Traum. Das funktioniert gut, das passt auch ohne mehr Bedeutung. Ohne eine solche Überleitung wäre der Kontrast zwischen den beiden angrenzenden Songs extrem gewesen.
Stimmungsmäßig hätte es auch gut zwischen „The Wedding List“ und „Violin“ gepasst, auch hier hätte es den Kontrast der Stimmungen elegant abgemildert. Das zeigt seine musikalischen Qualitäten als Übergangsstück. Aber es ist mehr als eine Brücke. Es kann meiner Meinung nach nur zwischen „The Infant Kiss“ und „Army Dreamers“ stehen, weil es diese beiden Songs durch eine gemeinsame Geschichte verbindet. Drei Lieder werden zu einer Einheit verbunden, eine Geschichte wird erzählt. Leider hat sich Kate Bush nie zu den Absichten dieses Songs geäußert, ich kann nur selbst eine Deutung versuchen. Zwei Lieder werden miteinander verbunden, in denen es um die Beziehung einer Frau zu einem Kind/Sohn geht. Das Kind wächst zwischen den Songs. „The Infant Kiss“  handelt von einem Jungen, dessen erwachende Sexualität die verklemmte Protagonistin irritiert. In „Army Dreamers“ geht es um den im Krieg gefallenen Sohn und um das, was er hätte werden können, wenn es anders gelaufen wäre. Beide Songs sind aus der Sicht der Frau geschildert. Ein ganzes Leben zieht in diesen 52 Sekunden des Interludiums an uns vorbei. Es ist nur Gesang, nur gehauchtes Entzücken.
„The infant kiss“ endet nicht, es gibt einen direkten Übergang in „Night scented Stock“. Eine Gegenwelt tut sich dort auf. Ist dies die sexualisierte Gegenwelt, die die prüde viktorianische Protagonistin verdrängt hat und der sie sich nun wortlos öffnet? Zeigt das, was aus ihr wird im Laufe des Lebens? Der Tonfall von „Night Scented Stock“ wird zum Schluß hin immer erwartungsvoller, es tritt dieser „jetzt passiert etwas“-Moment in der Musik ein und genau dann beginnt mit den Klängen des Ladens von Gewehren „Army Dreamers“. Die Protagonistin erwacht in der bitteren Realität. Wie immer bei Kate Bush tragen die gewählten Tonarten subtil zur Wirkung bei. „The Infant Kiss“ steht in Fis-Dur mit Einmischung von fis-Moll [3]. Fis-Dur – das ist die „im Tod, im Hinübergehen Erlösende und Errettende, die Hinüberführende, Venus Urania (himmlisch erlösende Liebe).“ [2]. Aber da ist auch noch die andere Seite – das fis-Moll. Das ist die „Tonart des Abgrunds“ [2]. „Army Dreamers“ schwankt ständig zwischen h-Moll und der parallelen Dur-Tonart D-Dur hin und her [3]. D-Dur ist „die Tonart des siegenden Helden, das Erreichen des höchsten Ziels, der siegreichen Überwindung, die eigentliche Siegertonart“ [2]. Das siegreiche, verheißungsvolle D-Dur aber wird in sein düsteres, trauriges Gegenstück h-Moll verwandelt.

Die Verbindung „Night Scented Stock“ steht zu beiden Welten passend in H-Dur. Es beginnt mit H-Dur, in der Mitte weicht es in die Paralleltonart as-Moll aus, um dann wieder in H-Dur zu enden [3]. Der H-Dur-Akkord ist die Subdominante von Fis-Dur, das ist die Tonart von „The Infant Kiss“, beide Tonarten passen gut zueinander. In „Army Dreamers“ wendet sich das H-Dur zu einem düsteren h-Moll, das ist ein subtiles Kippen der Stimmung, eine Art Ernüchterung. H-Dur und as-Moll werden selten verwendet, es sind Tonarten für ganz besondere Momente. H-Dur liegt „nicht mehr ganz im Irdischen, enthält einen verklärten Nachglanz dieses Irdischen und damit zugleich die Vorahnung des Hinübergehens.“ [2]. As-Moll ist die „Tonart vom Scheiden des Tageslichts, vom Lebenslicht“ [2]. Die Tonarten sagen, was der Protagonistin passiert: auf Verklärung und himmlische Liebe folgt das Aufwachen, die düstere Realität.
Die Verbindung der drei Stücke wird auch durch die Symbolik gestützt. Es stellt sich ja die Frage, warum das Verbindungsstück ausgerechnet den Namen dieser Blume trägt. Die Levkoje bedeutet in der Pflanzensymbolik „friedvoll unbeschwertes Dasein“ und in der Planzensprache „Ich glaube an eine gemeinsame Zukunft“ [5]. Das ist ja das, was sich eine Mutter für sich und ihren Sohn wünscht. Aber es gibt auch einen Verweis auf die viktorianisch-verklemmte Welt von „The Infant Kiss“. „Wegen ihres außergewöhnlichen Aromas wusste man [die Abendlevkojen] bereits im Altertum in den Gärten zu schätzen. Im 18. Jahrhundert machten sie Karriere durch alle Gesellschaftsschichten hinweg: Beim Debütantinnenball durften Levkojen in keinem Blumenbukett fehlen und die jungen Verehrer versäumten es nicht, sich vor dem Tanz eine der wohlriechenden Blüten ins Knopfloch zu stecken“ [8]. Ich sehe richtig vor mir, wie die Protagonistin aus „The Infant Kiss“ ihre Verklemmung ablegt, den Duft der Abendlevkojen aufnimmt und in ein glückliches Leben aufbricht.
Wenn ich „Night Scented Stock“ höre, dann fühle ich mich in eine warme Nacht versetzt, voller Duft von Blumen. Ich schließe die Augen und träume. Vielleicht tut das auch die unsichtbare Protagonistin dieses Songs. Ich liebe den textlosen Gesang, dieses betörende, geheimnisvolle Gurren, diesen Chor aus Stimmen. Ich sehe dann immer das Cover des Albums vor mir, mit seinen Nachtgestalten. Aber hier wird sich jede und jeder seine eigenen Bilder machen. Auf jeden Fall ist es ein faszinierendes Stück. Es zeigt, in welche Welten damals das Songwriting von Kate Bush aufbrach. Es lässt schon die Welten von „The Ninth Wave“ und „Aerial“ anklingen. Es ist ein Ausblick auf die Zukunft. Es ist ein Zeichen der Freiheit, die sie sich nach den ersten beiden Alben erarbeitet hatte. © Achim/aHAJ

[1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Matthiola_longipetala (gelesen 23.08.2022)
[2] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.102ff (Fis-Dur), S.138ff (fis-Moll), S.171 (H-Dur), S.179 (as-Moll) und S.180 (D-Dur)
[3] „Kate Bush Complete“. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.61f (Army Dreamers), S.101 (The Infant Kiss), S.130 (Night Scented Stock)
[4] „Never For Ever Debut“, Interview mit Peter Powell, Radio 1, 11.10.1980
[5] Clemens Zerling: Lexikon der Pflanzensymbolik. AT Verlag. Baden und München 2007. S.155
[6] NfE Interview – EMI (London). 1980
[7] https://deaflora.de/Shop/Essbare-Blueten/Abend-Levkoje.html?language=de (gelesen 26.08.2022) [8] https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/levkoje/levkojen (gelesen 26.08.2022)

Streit um Rechte an Red Dress-Version

Kein Video von Kate ist kultiger als die ursprüngliche Red Dress-Version von Kates erstem Hit Wuthering Heights, die zum ursprünglich geplanten Release Ende 1977 erstellt worden ist. 44 Jahre später gibt es nun offenbar einen Streit um die Rechte an dem Video. Im offiziellen Kate Bush-Channel auf Youtube ist das Video nicht mehr zu finden und selbst auf Kates Internetseite fehlt das Video. Stattdessen hat es nun der damalige Regisseur Nicholas Abson auf Youtube hochgeladen und erboste Reaktionen erfahren. Abson reklamiert das weltweite Copyright an dem Video für sich. Auf seinem neu eingerichteten Channel hat er einen Brief gepostet, aus dem hervorgeht, dass er das Copyright in den USA hat eintragen lassen und Verstöße gegen das Copyright bereits seit zwei Jahren verfolgt – wohl gemerkt: über 40 Jahre nachdem er das Video gedreht hat. Bemerkenswert ist, dass er dabei nicht mal in der Lage ist, den Titel des Songs richtig zu schreiben und in dem Brief von dem Film „Kate Bush Withering Heights Red Dress“ schreibt. Die Reaktionen auf Youtube sind zum Teil harsch. Kate-Fans werfen ihm zum einen vor, dass er das millionenfach geschaute Video einfach hat löschen lassen und in deutlich schlechterer Qualität wieder hochgeladen hat und sie sind natürlich sauer, dass Abson vermutlich auch dafür gesorgt hat, dass Kate das Video nicht mehr nutzen darf. Warum Abson so vorgeht, bleibt noch unklar. Auf Youtube behauptet er, etwaige Einnahmen spenden zu wollen. Unklar bleibt auch, warum Abson in der Beschreibung explizit darauf verweist, dass dieses Video den Most Wuthering Heights Day inspiriert habe. Zimperlich geht Abson mit seinen Kritikern übrigens nicht um – er beschimpft sie einfach öffentlich.

RUTH kommt als CD-Single in den USA

Kates amerikanisches Plattenlabel Rhino Records wird die Single Running Up That Hill am 2. September als CD-Single veröffentlichen – mit den originalen Songs, also Under The Ivy als zweitem Titel und dem originalen Cover der Vinyl-Single von 1985. Seit drei Monaten ist der Song von Kate dank der Netflix-Serie Stranger Things weltweit wieder in den Charts, in den USA steht er immer noch auf Platz 5 der Billboard Hot 100 und erfährt dort aktuell immer noch viel Airplay bei den Radiostationen. Mit der Veröffentlichung auf CD will man dem offenbar Rechnung tragen. Ob eine Wiederveröffentlichung auch in Europa geplant ist, ist unklar. Eine offizielles Statement von Kate gibt es bisher nicht. Die Single kann im Rhino-Shop vorbestellt werden. Sie kostet knapp 5 Dollar plus natürlich Versandkosten, die deutlich darüber liegen dürften.