Jun 26

Noch 20 Tage bis zum Tanz-Event

tmwhde03Der Countdown läuft: 20 Tage sind es noch bis zum “Most Wuthering Heights Day Ever” am 16. Juli. In 22 Städten rund um den Globus werden Kate-Fans im roten Kleid die Choreographie aus dem Video zu Kates erster Single nachtanzen. Und das fast überall als Massenevent. Fast 15.000 Menschen haben sich auf den entsprechenden Facebook-Seiten, die für die einzelnen Events werben, fest angemeldet. So wollen allein im australischen Melbourne 5700 Kate-Fans erscheinen. Überhaupt entpuppt sich Australien als die Hochburg für Kate-Begeisterte: Gleich sieben Veranstaltungen gibt es dort quer über den Kontinent. Kate-Hauptstadt Nummer zwei ist natürlich Berlin mit angemeldeten 3150 Teilnehmern. Immerhin wurde die Idee zu dem Event in Berlin geboren und fand dann weltweit viele Nachahmer. Egal ob in Tel Aviv oder Kopenhagen, Wellington, Montreal, Wien, Malmö oder Atlanta – überall wird fleißig geprobt, damit die Choreographie am 16. Juli auch perfekt nachgetanzt werden kann. Etwas schwach ist die Reaktion erstaunlicherweise in Großbritannien. In London haben sich gerade mal 264 Teilnehmer angemeldet, in Lancaster nur 37. Auf den letzten Drücker neu hinzugekommen ist Dublin.

Jun 16

Das Song-ABC: The Wedding List

abcDüster, gewalttätig, wild, makaber – das sind die spontanen Eindrücke, wenn man “The wedding list” hört. Es findet sich auf dem Album “Never for ever”, auf dem alte Stücke – Songs aus einer früheren Phase der Entwicklung – auf “faszinierende, zukunftsweisende neue Kompositionen” treffen [1]. “The wedding list” gehört zu den früher komponierten Songs [1]. Die genaue Zeit der Komposition ist unbekannt. Ich vermute aber, dass es erst nach dem Album “Lionheart” entstanden ist – es ist einfach zu dunkel und blutig für dieses Album und gehört in eine andere Klangwelt.
Der Song ist vom Film “Die Braut trug schwarz” (Originaltitel “La mariée était en noir”) von Francois Truffaut inspiriert, einer Geschichte um Liebe und Tod, Schuld und Rache. Kate Bush war von dem Film in den Bann gezogen. Colin Irwin [2] bemerkt in einem Interview “She spends the next 15 minutes relating the plot of the film, ending in a breathless flourish. ‘It was an amazing film.’ ”  In der Wikipedia [3] findet sich eine gute Zusammenfassung (das Folgende ist daraus leicht gekürzt zitiert).
Fünf Junggesellen, die sich in einer Kleinstadt langweilen, spielen Karten und trinken dabei. Mit einem Jagdgewehr zielen sie auf die Kirchturmspitze und die Uhr der gegenüberliegenden Kirche. Einer von ihnen zielt auf ein frisch getrautes Brautpaar, das gerade aus dem Portal tritt. Als die anderen ihm die twl1Waffe entreißen wollen, löst sich ein Schuss und trifft den Bräutigam tödlich. Erschreckt über diesen schrecklichen Ausgang verlassen sie die Stadt. Nach vielen Jahren hat die Witwe, Julie Kohler, diese Männer gefunden. Sie tötet auf raffinierte Weise einen nach dem anderen. Dabei nutzt sie jeweils die Vorstellung aus, die die Männer von der idealen Frau haben. Jeder stirbt auf eine Weise, die seiner Persönlichkeit entspricht. Den ersten, einen Frauenhelden, stößt sie bei seiner eigenen Verlobung von der Balkonbrüstung, den zweiten, einen schüchternen Trinker, vergiftet sie, den dritten, einen bekannten Politiker, sperrt sie in einer Abstellkammer ein, wo er erstickt. Als sie einen weiteren Mann auf seinem Schrottplatz erschießen will, kommt ihr die Polizei zuvor und verhaftet ihn. Ihr viertes Opfer ist ein Maler. Er engagiert Julie als Modell für ein Bild der Göttin Diana. Sie lässt sich von ihm zeichnen und malen und tötet ihn mit einem Pfeil. Als tief verschleierte Frau schließt sie sich dem Trauerzug beim Begräbnis des Malers an. Sie wird von einem Freund des zuerst Getöteten erkannt und verhaftet. Dem Untersuchungsrichter gesteht sie die Taten, nennt aber nicht ihr Motiv. Im Gefängnis, in dem Männer und Frauen in verschiedenen Gebäudeteilen untergebracht sind, arbeitet sie in der Küche und bei der Essensverteilung mit. Sie versteckt ein Messer und ersticht den Fünften, den Mann vom Schrottplatz.
Die Grundidee des Films ist übernommen und auf eine für Kate Bush typische Art und Weise gefiltert und mit persönlichen Erfahrungen und Assoziationen angereichert. Wieder ist so eine Art Kommentar zur ursprünglichen Kernidee entstanden. Kate Bush sagte in einem Interview zum Album “Never for ever”, dass sie Ideen aus Filmen oder Büchern als Keimzelle nutzt und sie durch ihre persönlichen Erfahrungen filtert und mit frei erfundenen Dingen anreichert [4]. Genau so ist es hier geschehen – der Song ist eine Variation über die Inhalte der filmischen Vorlage. Der Augenblick des Zusammentreffens zwischen Rächerin und Opfer wird in den Fokus genommen, die Gefühle einer von Rache getriebenen Täterin im Augenblick der Erfüllung ihrer Mission sind das Wichtige. Entstanden ist so ein perfektes “Psychodrama in vier Minuten” [1].
Tod und Liebe und wie man im Leben damit umgeht – darum geht es in diesem Song und darum geht es ja auch im Album “Never for ever”. Der Titel des Albums spielt “auf die Tatsache an, dass das Leben ein vorübergehender Zustand ist und der Tod unausweichlich jeden ereilt, dass wir also “niemals für die Ewigkeit” hier sind.” [4]  Viele Titel des Albums beschäftigen sich mit dem Tod und dem Leben (“Army dreamers”, “Breathing”, “The wedding list”, Blow away”) und mit Besessenheit (“The infant kiss”, “Violin”, “The wedding list”). “Never for ever” hat asymmetrische Liebesbeziehungen zum Grundthema – so wie auch hier (Julie und Rudi).
twl2Warum hat Kate das Thema fasziniert? Auch darüber gibt es Aussagen von ihr selbst – es war die Energie, die pure, reine, dunkle Emotion, die sich hinter dem unbedingten Rachewillen verbirgt. “I think the energy that it’s about is very disturbing and that’s really why I wrote it. It’s about the energy of revenge, the fact that someone can spend the rest of their life going for an aim purely through revenge. When they actually do get their revenge it’s very sweet, they’re very happy and then because it’s fulfilled there’s nothing left for them. The whole situation is so futile, so wasted and such black heavy energy. So many films use the theme of revenge and I think it is something that does fascinate people – it’s all in us somewhere. Maybe it’s hidden more in others than some. ” [5]
Wie Kate Bush selbst sagt war sie dabei von der zerstörerischen Kraft beeindruckt, die Menschen innewohnt: “I find the whole aggression of human beings fascinating – how we are suddenly whipped up to such an extent that we can’t see anything except that.” [6]. Im Song zerstören der Wahnsinn und die Besessenheit alle beteiligten Personen. “Revenge is so powerful and futile in the situation in the song. Instead of just one person being killed, it’s three: her husband, the guy who did it – who was right on top of the wedding list with the silver plates – and her, because when she’s done it, there’s nothing left. All her ambition and purpose has all gone into that one guy. She’s dead, there’s nothing there.” [7]
Der Titel des Songs ist voll bitterer Ironie – der Tod des Opfers ist der oberste Punkt der Hochzeitswunschliste der Braut, es ist ihr größter Wunsch.
Viel spekuliert wurde darüber, ob sich hinter dem Namen “Rudi” des erschossenen Ehemanns eine reale Person verbirgt. Kate Bush verneint das: “No, not at all. It was really the name that just happened as the words were coming with the song and so I didn’t fight it – I just accepted it.” [5]
Die musikalische Gestaltung spiegelt den Wahnsinn wider. Es gibt zwei Erzählebenen. Zuerst ist da die Protagonistin (Julie) auf ihrem Rachefeldzug, mit wilder, hochemotionaler Stimme. Dazu gibt es die klangschönere Stimme im Chorus, die die Geschichte von außen betrachtet, wie ein Beobachter, wie ein Kommentator, zärtlich und traurig. Traumhaft ist der Chorus mit seinen Kirchenglocken im zweiten Durchgang: die Erinnerung an diese blutige Hochzeit. Es sind keine Hochzeitsglocken mehr, es sind Totenglocken. Das sind nur kurze Ruhepunkte, schnell kommt die Protagonistin wieder hinein in ihren Racherausch.
twl3Am Schluss ist nichts mehr da, die Protagonistin ist innerlich tot. Die Hochzeitsliste ist leer, die Wünsche sind erfüllt. Kann es nach dem Ende dieses Feldzugs Ruhe und Frieden geben? Kate Bush zieht ein eindeutiges Fazit [7]: “She’s dead, there’s nothing there.”  Die Protagonistin versinkt im Wahnsinn und tötet sich. Ihre sich am Ende immer mehr steigernden Rufe und Schreien nach dem toten “Rudi” erinnern an eine Höllenfahrt. Rudi und ihre Rache sind das Wichtigste im Leben Julies und ihre Mission ist beendet. Die Vereinigung im Tod ist ihre Erfüllung -  “I’m coming coming coming honey” [8]. “The wedding list” endet in einem traurigen Epilog, über den sich die immer wahnsinniger werdenden Schreie der Protagonistin erheben. Die kommentierende Stimme erzählt vom Selbstmord und schiebt eine bewegende Information wie nebenbei hinterher. Die Protagonistin war schwanger: “And after she shot the guy / She committed suicide. / I’m coming, Rudi! / And later, when they analysed / They found a little one inside. / It must have been Rudi’s child.” [8]
“The wedding list” ist in Es-Moll geschrieben [8].  Diese Tonart symbolisiert laut Beckh den Übergang, der über die Schwelle führt, die Wachen und Schlafen, Leben und Sterben, Tagesansicht und Nachtansicht der Welt, Sinneswelt und geistige Welt voneinander trennt und die uns die Tragik des Schwellenübergangs erleben lässt [10].  Die Protagonistin steht an der Grenze zwischen Leben und Tod und ist dabei, sie zu überschreiten.
Irgendwie steht dieser Song für mich ganz nah des Zentrums des Bush-Universums, er ist voller Beziehungen. Das ungeborene Kind kommt im Film nicht vor. Aber einen Selbstmord mit ungeborenem Kind – das gab es auch in “The kick inside”. Ein ungeborenes Kind, das mit der Mutter stirbt – das gibt es auch in “Breathing”. Ich kenne niemanden sonst, der drei Lieder geschrieben hat, in denen ein Ungeborenes zusammen mit seiner Mutter stirbt. Gibt es das Thema sonst überhaupt einmal in der Popmusik?
Querverweise:  Der Film ist ein Tribut an Alfred Hitchcock, den Truffaut sehr verehrt hat. Die Filmmusik ist von Bernard Herrmann, der auch für sehr viele Hitchcock-Filme die Musik gemacht hat [3]. Auch Kate Bush ist eine Hitchcock-Verehrerin: “Hitchcock was definitely a genius. His dreams must have been extraordinary. He must have plucked his ideas out of the sky, or had a private line to Mars.” [9]. Sie erwies Hitchcock ihre Referenz im Video zu “Hounds of Love”.
Im Film tötet Jeanne Moreau als Diana einen Mann (der sie wohl liebt) mit einem Pfeil. Diana/Artemis – das ist die jungfräuliche Göttin, die Angst vor der Liebe, vor Berührung hat. Sie ist aber auch die Gewalt der Natur. Jagdhunde sind Begleiter dieser Göttin der Jagd, die oft mit Pfeil und Bogen dargestellt wird [11]. Dies wird im Song “Hounds of love” wieder aufgegriffen. Auf dem Cover zur Single “Running up that hill” stellt sich Kate Bush als Bogenschützin dar, die ein unbekanntes Ziel anvisiert. Ist das eine subtil-gewalttätige Antwort von Kate Bush darauf, dass sie in ihren Anfangsjahren als Objekt der sexuellen Fantasie gedient hat?
Der Song ist ein Lied über die Besessenheit einer Frau vom toten Partner – das ist ein Sujet des Horrorromans, der schwarzen Romantik, es findet sich ähnlich auch bei Edgar Allan Poe. In “Houdini” wird dieselbe Thematik betrachtet. Beide Songs sind in Es-Moll geschrieben, der Tonart des Übergangs, der Grenze zwischen Leben und Tod. Querverweise überall.
“The wedding list” ist eine komplexe und düstere Etüde über die Rache, die alles zerstört. Gewalt und Tod und Verzweiflung liegen in den Tiefen verborgen. Ein Lied zum Hören mit offenen Sinnen.
Achim/aHAJ)
[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S. 199-222
[2] Colin Irwin: Paranoia and Passion of the Kate Inside. Melody Maker. 4.Oktober 1980
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Braut_trug_schwarz (gelesen 05.04.2016)
[4] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.109-125
[5] Kate Bush NfE-Interview EMI (London) 1980
[6] Mike Nicholls: Among the Bushes. Record Mirror. 1980
[7] Kris Needs: Fire in the Bush. ZigZag. 1980 (?)
[8] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.168ff
[9] Ted Nico: Fairy Tales & Nursery Rhymes. Melody Maker. 24. August 1985
[10] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.102
[11] Hans-K. und Susanne Lücke, Antike Mythologie. Wiesbaden, 2005, Marix Verlag. S.137ff

 

Jun 05

Zeitreise ins Vinyl-Paradies

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© levykauppa äx

Eine kleine Zeitreise ins Vinyl-Paradies gefällig? Kein Problem. Via Helsinki geht’s weiter ins ostfinnische Kuopio. Da befindet sich der Record Shop X (Levykauppa Äx). Wer da reinmarschiert, fühlt sich schnell mal eben 25 Jahre jünger und steht vor einem Regal mit allem, was das Herz begehrt: Kate Vinyl-Veröffentlichungen fast bis zum Abwinken. Okay, nicht alles ist neu sondern gebraucht, aber wann hat man das letzte Mal in einem Plattenladen solch eine Angebotsfülle gesehen? Hounds of Love aus Brasilien und Jugoslawien, The Dreaming als Japan-Pressung oder aus den USA, die DDR Amiga-LP, Lionheart wahlweise aus Spanien, Brasilien oder Südafrika, Never for Ever aus Schweden, Bulgarien, Indien (!) oder Argentinien – das kann selbst Sammler sprachlos machen. Wer sich den Trip nach Finnland ersparen will: die Platten gibt es auch online.

Mai 29

“RUTH” als Hard-Rock-Cover

Es ist erst ein paar Wochen her, da hat Mille Petrozza, Frontmann der Thrash-Metal-Band “Kreator”, im Interview mit morningfog.de seine Liebe zur Musik von Kate bekundet. Ein Kate-Cover von “Kreator” gibt es leider noch nicht. Dafür hat jetzt der norwegische Heavy-Metal- und Hard-Rock-Sänger Jørn Lande ein Album mit seinen Lieblingssongs veröfffentlicht – darunter Klassiker wie “Hotel California”, selten gehörte Popsongs wie “I know there’s something going on” von Frida und eben auch mit “Running up that hill” ein Song von Kate. Auch wenn es wohl das gefühlt 300. Cover von RUTH ist – so krachend haben das Lied bisher nur wenige inszeniert. Lande ist als Sänger und Frontmann  von Bands wie Masterplan, Ark und Beyond Twilight bekannt geworden und ist vor allem immer wieder auch Solo unterwegs. “Grundidee für das Album war, einige Songs auszuwählen, die in meiner Jugend für mich eine besondere Bedeutung hatten”, schreibt Lande auf seiner Webseite.  Veröffentlicht wird das Album “Heavy Rock Radio” am 3. Juni. Derzeit ist Lande als Gastsänger für “Avantasia” in Deutschland unterwegs. Zwischen Juni und AUgust stehen Termine in St. Goarshausen, München, Ballenstedt und Gießen an.

Mai 03

Neue Doku über Wilhelm Reich benötigt Spenden

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Das Team von Regisseur Kevin Hinchey 2015 bei den Dreharbeiten am Brandenburger Tor in Berlin.

Das Ziel ist ehrgeizig: 180 000 Dollar will Kevin Hinchey in den nächsten zweieinhalb Wochen aufbringen, um seine bereits abgedrehte Dokumentation über Wilhelm Reich fertig zu stellen und auf Filmfestivals präsentieren zu können. Hinchey hat bereits mehr als 30 Stunden Filmmaterial an Originalschauplätzen zusammengetragen, war in Wien, Berlin, Oslo, New York, Maine, Arizona und Pennsylvania in den USA unterwegs, um Interviews zu führen und das Leben und Wirken des Wissenschaftlers zu dokumentieren. Finanziert hatte er die Dreharbeiten im vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Kickstarter-Kampagne, bei der knapp 190 000 Dollar zusammengekommen sind. Um den Film fertigzustellen, läuft derzeit eine zweite Spendensammelaktion – knapp 40 000 Dollar sind in den ersten zwei Wochen bereits gespendet worden. Wilhelm Reich hat im Bereich der Psychoanalyse und Psychiatrie geforscht, der sexuellen Gesundheit, hat als Soziologe die Psychologie des Faschismus aufgezeigt, Zellforschung betrieben und die experimentelle Behandlung von Krankheiten wie Krebs untersucht und die bekannten Wetter-Experimente mit dem Cloudbuster durchgeführt. Reich floh vor den Nazis, die seiner Bücher verbrannten, in die USA. In den 1950er Jahren wurde er dort verhaftet, seine Publikationen wurden erneut verbrannt. Kates Song “Cloudbusting” basiert auf der Lebensgeschichte von Reich  aus der Sicht des Sohnes, der seine Erlebnisse in dem Buch “Der Traumvater. Meine Erinnerungen an Wilhelm Reich” beschrieben hatte. Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, wird hier fündig. Auf der Seite gibt es auch ein zwölfminütiges Video zu den Dreharbeiten.

Mai 02

Das Song-ABC: Why Should I Love You?

Es gibt Songs, deren Entstehungsgeschichte nebst der Anekdoten, die sich um sie ranken, ein Traum für Analysten sind. Solch ein Song ist „Why Should I Love You?“. Einer der auffälligsten Momente auf dem Werk The Red Shoes – nicht zuletzt deshalb, da es sich hier um ein Teamwork zweier Alphatiere der Popmusik handelt. Und dies zu einem Zeitpunkt, in dem sie – Daisy Jones von VICE weist darauf hin1 - in völlig unterschiedlichen Lebensphasen steckten: Kate noch unter dem Eindruck des Todes ihres Gitarristen Alan Murphy, sowie der sich langsam abzeichnenden Trennung von Del Palmer, Prince in überschwänglicher Laune, nachdem er sich von der dunklen Phase des Black Album spirituell befreit hatte. Ob über Kates transatlantisches Tête-à-tête mit Prince nach dem frühen Tod des Querkopfs aus Minnesota noch ein paar Details mehr ans Licht kommen? Wir wissen ja schon eine Menge.
Aus direkter Quelle gibt es Infos darüber, wie es überhaupt zum Teamwork kam, denn Del Palmer selbst hat die Geschichte 1993 im Homeground-Fanzine2 zu The Red Shoes erzählt. Kate besuchte 1990 ein Prince-Konzert der „Nude Tour“ in der Wembley-Arena – nicht ganz uneigennützig, denn sie wollte abchecken, ob das Stadion auch für eines ihrer eigenen Konzerte taugen würde (!). Kurz vor Beginn des Konzerts überreichte ihr ein Bote des Prinzen einen Notizzettel, auf dem sich der Amerikaner als Fan zu erkennen gab. Die so Verehrte fing – kreatives – Feuer und versuchte Prince backstage abzupassen, aber seine Majestät war schon entwischt. Die Zusage für eine Zusammenarbeit gab es aber kurz darauf per Telefon.
wsily400Um die verschachtelte Genese des Songs nachvollziehen, betreten wir jetzt zunächst Kates Studio. Es ist ein Glücksfall, dass das Rohmaterial für den Song vor einiger Zeit geleakt wurde, und so wissen wir, welche Klänge Kate gen Paisley Park schickte3. Die fast siebenminütige Prima Materia unterscheidet sich ganz wesentlich vom Song der CD-Version: Nicht nur die Textstruktur ist noch eine ganz andere, es gibt auch einen Chorus, für den der rhythmische Unterbau wechselt und der sich dadurch hymnisch abhebt. Die Refraingestalt der CD-Fassung erklingt hier nur flüchtig von 5‘28“-5‘43“, wird aber für unsere Geschichte wesentlich werden. Wollte Kate Prince eine Spielwiese zum Austoben bieten? Oder ist das die Songlänge, wie sie sie ursprünglich zu veröffentlichen gedachte? Glaube ich nicht, aufgrund der vielen Wiederholungen. Was sie sich von Prince wünschte, darüber gibt es wiederum verschiedene Aussagen: Sie selbst äußerte lediglich, sie hätte an Gitarrenspuren gedacht.4 Paul Sinclair dagegen vermutet, sie hätte vorgesehen, dass er über den Textabschnitt „The fine purple…“ Vocals legen solle.
Del Palmer im „Homeground“ wiederum ist es zu verdanken, dass wir über die weiteren Ereignisse des kreativen Austauschs Kenntnis haben: Vom anfänglichen Entsetzen darüber, dass zunächst nur das unberührte Demoband aus Paisley Park zurückkam, bis zum Enthusiasmus über das später eintreffende Paket mit Princes kreativen Früchten. Die „Fine Purple“-Passage ließ er unberührt. Vielleicht, weil ihm das in Hinsicht auf die Textnähe seines eigenen Hits „Purple Rain“ zu offensichtlich gewesen wäre? Herausgepickt hat er sich offensichtlich nur den oben erwähnten Schnipsel der Demoversion ab 5‘28“, und ihn mit Spuren aus Vocals, Keyboards, Gitarren und Bässen vollgeschichtet. Wie sich die Vollversion seines Materials anhörte, darüber lässt sich bisher nur mutmaßen. Kate selbst bat laut Princes Toningenieur Michael Koppelman die Amerikaner darum, das Material zu vernichten6 . Aber ob sie das auch taten? Einiges über den problematischen Charakter von Prince enthüllen die amüsanten Anekdoten auf Koppelmans Blog von 2005, inklusive der diebischen Freude des Engineers über die Fehler seiner Majestät beim Einsingen der Vocals. Denn es heißt ja tatsächlich: „of all the people in the world“ statt „All of the people…“
In einer letzten Etappe, die allerdings zwei Jahre dauern sollte, wurden Kates Anfangsideen zusammen mit Princes neuen Zutaten zurückgebastelt zu einem Kate Bush-Song. So zumindest beurteilt das Del Palmer. Eigentlich ist aber nur das Intro vom ursprünglichen Charakter übriggeblieben. Nach einer Minute herrscht der Discofunk Princescher Prägung, der allerdings wie ein genialer Geistesblitz ohne Vorankündigung – denn das Wort „LOVE“ ist ja noch nicht einmal zu Ende buchstabiert – über den Hörer hereinbricht. Wie sich Princes und Kates Vocals allein im „of“ der ersten Zeile melismatisch verzwirbeln: Das ist zum Niederknien. Unterfüttert ist ab jetzt alles von einem grandiosen E-Bass-Lauf, den Kate zum Ostinato für das ganze Stück erkoren hat. Princes immer wieder von neuem anrollende E-Gitarren-Passagen sind voll feiner Kantigkeit, seine Chöre von samtener Soulfarbe. Dass Kate für die „Finest Purple“-Passage einen schwarzen Sänger ersehnt hatte, darauf deutet dann doch hin, dass sie letztendlich den britischen Komiker Lenny Henry ins Studio bat: Sein Gesang ist aber nur ein matter Abglanz dessen, was bei Prince möglich gewesen wäre.
pksNach all diesen genealogischen Details des Songs nun eine abschließende Betrachtung: Kates erste, introartige Strophe mit den warmen Vokalpassagen des Trio Bulgarka gehört für mich zu den intensivsten Stellen auf The Red Shoes. Mit der Orgel und den sanften Drums bekommt es etwas Weihevolles. Textlich knüpft sie hier an „Song Of Solomon“ an: Eine fast religiöse Überhöhung der Liebe und des Geliebten, die in der zweiten Strophe durch die Jesus-Zeilen verstärkt wird. Warum sollte ich von allen Menschen auf der Welt gerade dich lieben? Letztendlich lässt es sich nicht erklären, warum man sich oft gegen alle Vernunft für jemanden entscheidet. „There‘s just something ‘bout you“, kann man da vielleicht nur stammeln. Und die edelsten Metaphern wie „fine purple“, „purest gold“ hervorholen, um die Gefühle zu beschreiben. Kate selbst hat den Song in seiner Urform als „R&B type“ beschrieben. Ich würde sogar noch weiter gehen: Es ist ihre Art von Gospel – und guter Gospel hebt die Trennlinie zwischen irdischer und himmlischer Liebe auf.
Aber dann – nachdem sich die anfängliche Faszination über den hineinstürzenden Funk à la Prince gelegt hat, nachdem die zweite Strophe nochmals die heilige Atmosphäre beschwört hat – dreht der Song immer mehr in den Leerlauf, entwickelt sich nicht mehr weiter. Es ist einfach ein – zugegeben großartiger – Showcase für die Multitracking-Spleens zweier Genies, die aber nie ihre befruchtende Kreativität miteinander im Studio gespürt haben. Man merkt überdeutlich, dass hier nicht kommuniziert, sondern konstruiert wurde, und zwar ein wundersames Klanggebilde zwischen Minneapolis, London und Sofia. Randnotiz: Homogener hört sich Kates Sidewoman-Revanche an, im Song „My Computer“ für das Prince-Album Emancipation (1996) – sicherlich gerade deshalb, weil sie sich von vorneherein auf Background Vocals beschränkte.
Noch einmal eine ganz andere Welt aus „Why Should I Love You“ hat Mike Scott gebaut: eine Rockhymne mit einer sich allmählich entfaltenden, dramatischen Strahlkraft, als Beitrag zur Kompilation Come Again (1997)7. Keine Frage, ich verehre Kate und ich habe den größten Respekt vor Prince. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Als Song im klassischen Sinne berührt mich die Version des Waterboys-Chefs tatsächlich mehr. (Stefan)

1 http://noisey.vice.com/blog/how-prince-met-kate-bush-and-made-why-should-i-love-you
2 Cloning Made Easy – recollections of The Red Shoes by Del Palmer, S.10 – Homeground Fanzine 1993, Novercia Ltd./Kindlight
3 https://www.youtube.com/watch?v=IbP-dapt09Q
4 Kates Notizen zu den Albumsongs im Homeground Fanzine 1993, Novercia Ltd./Kindlight, S.2-6
5 http://www.superdeluxeedition.com/feature/when-prince-worked-with-kate-bush/
6 https://lolife.com/2005/02/15/kate-bush/
7 https://www.youtube.com/watch?v=GeXr72TW-WQ

Apr 27

Show a little devotion: Jürgen

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…Heute von Jürgen:

fragebogen-juergenMit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
Derzeit „Why should I love you“, allerdings nicht die Albumversion, sondern die Demo-Fassung, bei der Prince noch nicht mitgewirkt hat. Der Song wird so wunderbar getragen von Kates kraftvoller Stimme. Was hier mitschwingt – Power, Lebensbejahung, Mut, aber auch leise Melancholie – gefallen mir sehr, also der richtige Einstieg für einen neuen Tag.

Welche von Kate besungene Figur wärst Du gerne?
Ihr Sohn Bertie. Auch wenn das rein rechnerisch gar nicht funktionieren würde. Doch allein die Vorstellung etwas von Kates Genius geerbt zu haben, ist nett. Ansonsten wäre ich gerne das rätselhafte, schwer neurotische Haus, das Kate in „Get out of my House“ besingt. Wird am Ende der Eintretende nicht in einen Esel verwandelt? Auch das ließe ich mir gefallen: von Kate in einen Esel verwandelt zu werden. Kann es etwas Vernünftigeres geben?

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate?
„Some say that knowledge is something that you never have
Some say that knowledge is something sat in your lap
Some say that heaven is hell
Some say that hell is heaven.“

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
„Cloudbusting“.

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit ziemlich vielen. „The man with the child in his eyes“ und „Symphony in blue“ waren mir beispielweise eine Hilfe bei der (post)pubertären Selbstfindung.

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Ich bin ja immer verliebt. Deshalb beantworte ich die Frage anders: „Somewhere in Between“ ist für mich das Lied, bei dem ich abheben kann. Gibt es ein Lied über das vollkommene Glück (das leider nie anhält) – hier ist es!

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
Vielleicht „Wow“ – dieses leicht Hysterische, Überdramatische, Pathetische, das aber wiederum in eine Kunstform gegossen ist. Manchmal möchte man einfach nur schreien, weil das Leben so ist wie es ist. Identifizieren kann ich mich auch mit dem Theater-, Dragqueen- und Gendermillieu, das hier besungen wird.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Eigentlich alle (abgesehen von „Director’s Cut“, das ich nicht so geglückt finde). Aber vielleicht habe ich doch einen Favoriten: „The Dreaming“, das experimentellste Album, das Kate je gemacht hat. Es war damals seiner Zeit weit voraus, klingt immer noch frisch und wird immer noch unterschätzt.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
„Wuthering Heights“. Ich war 14, saß morgens übermüdet im vollen Schulbus, dann kam diese Stimme aus dem Radio, die mein Leben seitdem konstant begleitet hat. Für mich gehört dieses Lied zu den besten ever.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Zunächst die Stimme, keine andere berührt mich so wie ihre, dann ihre hohe Musikalität, die sich in so vielen herausragenden Kompositionen niederschlägt und nicht zuletzt die rätselhaften, verspielten, versponnenen, irgendwie auch lebensklugen Texte. Sehr bewundere ich auch ihre eigenständige Position in der Musikbranche. Ähnlich wie der leider verstorbene Prince ist sie absolut unkorrumpierbar. Sie macht, was sie will und wie sie es will. Ganz unbeeindruckt von Markt und Marketing. Das ist Freiheit. Um was geht es sonst im Leben?

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Ich nehme alles – Hauptsache sie singt. Gerne darf sie den leicht jazzigen Weg weiter fortsetzen, den sie mit „50 words for snow“ eingeschlagen hat.

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
„Moments of Pleasure“ oder „Among angels“, aber weil die Gäste nicht unnötig weinen sollten, würde ich doch lieber ein heiteres Lied auswählen. Vielleicht doch „Somewhere in Between“? Und vorher gewissermaßen als Einstieg das kurze Pianostück „One last look around the house before we go.“

Apr 22

Kate würdigt Prince

A message for Prince

from Kate…

pksI am so sad and shocked to hear the tragic news about Prince. He was the most incredibly talented artist. A man in complete control of his work from writer and musician to producer and director. He was such an inspiration. Playful and mind-blowingly gifted. He was the most inventive and extraordinary live act I’ve seen. The world has lost someone truly magical. Goodnight dear Prince.

 

 

Apr 20

“The Kate Inside”: Buch kommt am 31. August

tkatei2Die Veröffentlichung des Buches “The Kate Inside” von Guido Harari wird sich weiter verschieben: neuer Termin ist der 31. August. Der Grund: Ab dem 1. September wird die “Wall of Sound”-Gallerie in London mit den Bildern aus dem Buch eine Ausstellung bestreiten, während der auch das Buch promotet werden soll. Die Ausstellung wird bis zum 11. September geöffnet sein. “Dies wird für alle eine einmalige Gelegenheit sein, Fotos zu sehen, die bisher nie gezeigt wurden oder Jahrzehnte lang nicht mehr zu sehen waren”, schreibt Guido Harari auf seiner Facebook-Seite und verspricht zudem speziell für das Buch entwickelte “brand new ‘illusions’”. Teil der Ausstellung ist auch eine Veranstaltung mit Guido Harari und Lindsay Kemp, bei der Fans Fragen stellen können. Als kleine Entschädigung dafür, dass der ursprüngliche Veröffentlichungstermin von März auf Mai und jetzt auf Ende August verschoben wurde, sollen alle, die das Buch bereits geordert und bezahlt haben, eine dem Buch beigelegte Karte mit einem Kate-Motiv erhalten. Die Auslieferung der Bücher soll mit Beginn der Ausstellung erfolgen.

Apr 17

Get Out Of My House als Quelle der Inspiration

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Blixa Bargeld von den “Einstürzenden Neubauten”: Hat sich die Band bei ihrem Song “Haus der Lüge” von Kates “Get Out Of My House” inspirieren lassen?

Gewaltige fünfeinhalb Minuten entrollen sich in „Get Out Of My House“, die zumindest nach Einschätzung von Stefan nicht ohne Folgen geblieben sind. Wer über die reine Analyse fürs Song-ABC hinaus noch Lust hat, literatur- und popmusikgeschichtlich über den Song weiterzuspinnen, der/dem empfiehlt Stefan hier ein paar spannende Rückbezüge und Querverweise:
Der englische Schauerroman-Autor William Hope Hodgson hat 1908 mit „The House On The Borderland“ [deutsch: William Hope Hodgson::Das Haus an der Grenze und andere phantastische Erzählungen, Insel-Verlag, 1973.] sein Meisterstück geschrieben. Die vielen verwinkelten Zimmer und Türme, die Verliese und Speicher dieser alten Villa – könnten sie eine Auswirkung auf Kate gehabt haben? Bei Graeme Thomson ["Under The Ivy", S. 190] findet sich der Hinweis, dass Kate von Stephen Kings „Shining“ inspiriert war, was völlig plausibel ist. Einen ebenso körperlichen Horrorroman über ein abgründiges Bauwerk hat Mark Z. Danielewski 2000 mit „The House Of Leaves“ [deutsch: Mark Z. Danielewski: Das Haus, Klett-Cotta 2007, übersetzt von Christa Schuenke]  geschrieben – Kates Song wäre hierzu ein passender Soundtrack.
Auch musikalisch hat Kate vielleicht nicht aus dem luftleeren Raum gegriffen: Immerhin hat Kollege Peter Gabriel mit dem „Intruder“ auf seinem dritten Album, an dem sie ja beteiligt war, 1980 eine ähnliche Thematik verfolgt – er jedoch aus der Gegenperspektive desjenigen, der ins Haus hineingeht. Und wer will, kann auch in den gruseligen, damalige Popmusikstandards auflösenden Strophen der Japan-Single „Ghosts“ vom März 1982 eine gewisse psychologische Verwandtschaft sehen. Direkter Einfluss – oder einfach der Zeit“geist“? Und letztlich könnte man mal Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten fragen, ob er Kates Song kannte: Denn die Haus- und Körpermetaphorik vom 1989 entstandenen „Haus der Lüge“ (Geschoss – Schoß!) hat so frappierende Ähnlichkeiten mit der in „Get Out Of My House“, dass eine Inspiration durch Kates Stück durchaus möglich wäre. Nicht nur textlich weisen die Neubauten hier Parallelen auf, sie haben auch mit gesampelten Metall- und Glassounds Kates Prinzip der „handwerklichen“ Soundschichtungen – wie in vielen ihrer anderen Stücke auch – weitergeführt.
Genau diese perkussive Arbeit mit gefundenen Objekten, die Kate mit dem Fairlight Anfang der 1980er auf „The Dreaming“ erstmals konsequent durchgezogen hat, findet bis heute vielfach Verwendung in der anspruchsvollen Popmusik, sei es gesampelt oder live eingespielt: Tom Waits hat sie zum Bauprinzip etlicher Alben gemacht, angefangen bei „Swordfishtrombones“, später auch auf Werken wie „Bone Machine“ (1991) oder „Mule Variations“ (1999). Empfehlenswert ist schließlich auch eine Hörsession mit Alben aus der Kreativschmiede des Montrealer Produzenten Jean Massicotte: Etwa wie er die Perkussion auf einigen Tracks des Albums „The Living Road“ (2003) der US-Mexikanerin Lhasa de Sela baut. Oder ganz aktuell auf „La Boca“, dem herausragenden aktuellen Album der argentinisch-schottischen Songwriterin Alejandra Ribera, auf dem Ventilatoren, Heizkörper, Lampen und andere gefundene Gegenstände das herkömmliche Drumkit ersetzen. (Stefan)

Apr 12

Das Song-ABC: Get Out Of My House

abcEin herzhafter Lachanfall war Graeme Thomson zufolge die Reaktion einiger Zeitgenossen auf diesen Song[1]. Fragt man jedoch hartgesottene Kate-Fans, rangiert er stetig hoch in der Gunst, findet sich in Favoritenlisten häufig unter den Top 10. Zu Recht: „Get Out Of My House“ ist ein fantastisches und zugleich beängstigendes Stück Popmusik, bei dem zeitweise die Grenzen zur musique concrète, zum Hörspiel aufgeweicht werden. Ich würde sogar soweit gehen, dass er etlichen Popkünstlern seit den 1980ern mit der Art und Weise, wie die Rhythmusspuren gebaut wurden, bewusst oder unbewusst als Blaupause gedient haben könnte. Dabei sprengt der Song eigentlich die technischen Möglichkeiten, die man 1981/82 in einem gemieteten Studio unter Zeitdruck umsetzen konnte. Es wird verständlich, wie innig sich Kate damals ein eigenes Klanglaboratorium gewünscht hat, doch in jener Schaffensphase war sie ja noch auf die Londoner Studios angewiesen, wo sie sich mit Del Palmer, Paul Hardiman und Haydn Bendall bis zu 20 Stunden am Tag einbunkerte. Die hermetische Isolation in einem Raum ohne Fenster mag die Paranoia von „Get Out Of My House“ noch befeuert haben.
Als Finaltrack setzt „Get Out Of My House“ dem ohnehin sehr gewagten Album „The Dreaming“ das Krönchen auf. Vom Aufbau her haben wir eine klassische Songstruktur mit Strophe, Bridge, Refrain und Coda. Wie diese allerdings soundtechnisch ausgestaltet sind, das hat nicht mehr viel mit dem herkömmlichen Popsong zu tun und reiht sich konsequent in die auf „The Dreaming“ verfolgten Gestaltungsprinzipien ein: Experimentelle Klangcollagen, bei denen das Drumkit zugunsten von Geräuschsamples auch mal zur Nebensache wird.
Martialische  Beats, der Schlachtruf „Eeyore“ aus der Kehle von Paul Hardiman und das dreitönige Leitmotiv auf Alan Murphys Gitarre bilden das Intro, bevor Kates Vocals einsetzen. Der letzte Offbeat des galoppierenden goomh4-400Viervierteltakts wird übermäßig betont, er ist auch zuständig für den Widerhaken im Groove – und in ihm versteckt sich das Sample einer heftig zugeschlagenen Tür. Sie wird auch gleich im Text thematisiert: „When you left the door was (slamming)“. Ein letzter Besucher verlässt das Haus, ein Gedanke stiehlt ihn hinweg, die Welt zieht ihn hinaus. Das Haus ist leer – und das bleibt es auch. Denn was nun folgt, ist die grandiose akustische Ausgestaltung einer Psychose. Dabei ist der eigentliche Protagonist das Haus, in dem die Heldin lebt, doch die Körpermetaphorik will es so, dass das lyrische Ich und das Haus organisch verschmelzen, in einem einzigen Bestreben: Niemand soll diesen „Körper“ jemals mehr betreten, „no stranger’s feet will enter me, I wash the panes, I clean the stains away.“ Diese totale Abschirmung gipfelt im wiederkehrenden Ausruf „With my key I lock it“, wobei das „lock it“ zeitlich mit der zugeschlagenen Tür zusammenfällt. Der Schlüssel als Motiv weist wiederum auf den vorangegangenen Track „Houdini“ hin. Auch in diesem Lied über den Entfesselungskünstler spielte ja das Motiv des gewollten Wegschließens eine zentrale Rolle.
Kate porträtiert sich mit den verschiedenen Färbungen ihrer Stimme als multiple Persönlichkeit: In den Strophen als Führerin durch die verwinkelten Abgründe dieses Geisterhauses / dieser Seele, „full of mess, full of mistakes and full of madness“ ist. In der Bridge ist sie die laszive Concièrge, die weder für Liebe noch Geld irgendjemanden hinein lässt, und sich mit der verhallten Zeile „I won’t letcha in“ zu einem Monster aufbläht. Der Refrain dagegen besteht nur aus der Titelzeile des Songs, der furienhaft, verzweifelt heulend, flehend und gebrochen bis zur Unerträglichkeit wiederholt wird. Natürlich kann man – oft ist das in anderen Interpretationen geschehen – hier auch eine sexuelle Konnotation sehen, oder schlicht und einfach Kates Reaktion auf die Schattenseiten des Berühmtseins: Das Bedürfnis nach Rückzug wird immer verzweifelter.
Nachdem die Räumlichkeit des Hauses mit vielen perkussiven Stereoeffekten, weit entfernten Stimmen und seufzenden Lauten aus dem Fairlight-Synthesizer ausgelotet wurde, kommt in der riesenhaften zweiteiligen Coda noch ein intimes Duett mit Bruder Paddy zum Tragen. Er umschmeichelt die Bewohnerin, bittet um Einlass (den sie ihm nicht gewährt) und will die Erinnerungen zurückbringen. Der Heathcliff aus „Wuthering Heights“, der „let me in your window“ fleht, hier begegnen wir ihm unter gänzlich anderen Vorzeichen. Doch Kate setzt noch eins drauf: Kate und Paul Hardiman lassen ihr „Eeyore“-Brüllen ertönen, ein Symbol für die hartnäckige, animalische Verweigerungshaltung eines Esels, das wiederum noch mit einem Konnakol überlagert wird (ein „Silben-Rap“, mit dem in der südindischen Musik rhythmische Abläufe memoriert werden). Spätestens hier sprengt Kate die damaligen technischen Möglichkeiten: Die Übereinandertürmung von Klangspuren sorgt dafür, dass man als Hörer schier die Orientierung verliert. Was die Visionärin in ihrem Innern hörte, ließ sich klanglich nicht mehr umsetzen.  (Stefan)

Apr 07

“Ein zeitloser, gewaltiger Song”


Dass die Musik von Kate Bush leicht jazzig angehaucht funktioniert, weiß man spätestens seit Kates Album “50 Words for Snow”. Dabei hat die Jazz-Szene Kate schon viel länger für sich entdeckt – gerade in Deutschland. Das Jazz-Duo “Le Bang Bang” hatte sich vor einiger Zeit “Don’t give up” geschnappt, Jazz-Sängerin Lisa Wahlandt und Bassist Sven Faller coverten ausgesprochen einfühlsam “Home for Christmas”, die Jazz-Musiker Matthias Vogt, Oliver Leicht und Oli Rubow benannten sich für ein neues Musik-Projekt nach dem Song von Kate “A Coral Room” und vor allem Lea W. Frey singt sich wundervoll durchs Kate-Repertoire – von “And Dream of Sheep” bis zu “King of the Mountain”. Und jetzt also SOA aus Kanada. Ausgerechnet, mag man kurz zusammenzucken. Kein Song von Kate ist öfter gecovert worden. Meistens geht der Inhalt im Techno-Gestampfe unter, und stimmlich können nur wenige dem Song einen neuen Akzent verleihen. Bei SOA-Sängerin Chrystelle Maechler ist das anders. Dabei schafft es schon Pianist Joel Visentin mit den ersten Akkorden, den Weg für die wundervolle Stimme von Chrystelle zu bereiten. Visentin war es auch, der den Song für das neue SOA-Album, das am 24. April erscheint, vorgeschlagen hatte. “Ich war sehr skeptisch und hatte großen Respekt vor dem Song. Joel meinte aber, wenn man sich die ganzen 80er Sounds wegdenkt, sei das ein zeitloser, gewaltiger Song. Wir haben es also probiert. Bei mir ist das immer der gleiche Prozess: Wenn ich einen neuen Song singe, probiert man ihn an wie einen Handschuh und schaut danach, ob es passt. Wenn es nicht passt, singe ich den Song nicht. Ich habe den Song also einmal gesungen und danach hat er mich nicht wieder losgelassen. Und irgendwann war klar, dass er aufs Album kommt!”, erzählt Chrystelle. Nicht mehr losgelassen hat sie das Lied auch, weil ihr das Thema gefällt: “Was mich am Song anspricht ist diese Idee von ‘Do you want to feel how I feel?’  und ‘If I only could…swap our places’. Also die Frage wie es den Menschen um uns herum geht, und dass man sich gerne in die Menschen hineinversetzen möchte, die uns nah sind und uns umgeben. Und dann natürlich der Widerspruch, dass das einfach nicht möglich ist.”

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Foto: Andreas Krätschmer

“Running up that hill” ist nicht unbedingt typisch für die Musik von SOA. Beinhaltet aber all das, was die Musik von SOA ausmacht: die Reduktion auf die hervorragende Stimme, ein exzellent gespieltes Piano und dezent eingesetzte Percussion – und das alles sehr melodiös. So präsentiert sich jedenfalls die erste EP “A new Life”, die SOA 2012 veröffentlicht haben (Unbedingt “Don’t waste your time” anhören!). Bis dahin war es für Chrystelle durchaus ein weiter Weg. Von Frankreich kommend hat sie nach ihrem Marketing-Studium 2001 einen Job in Stuttgart angefangen und sich in der dortigen Jazzszene getummelt. “Ich hatte am Anfang ganz schön zu kämpfen mit dem Schwäbischen Dialekt.

Ich bin in Stuttgart zu einer Jazz-Jam-Session gegangen und habe dort ‘Summertime’ gesungen, einen der wenigen Jazzsongs, den ich damals kannte. Das kam ganz gut an und ich hatte danach die Möglichkeit, in mehreren Bands zu singen. Die Jazzszene in Stuttgart war damals hauptsächlich Swing und Blues, so habe ich also damit angefangen und in mehreren Bands gesungen”, erinnert sie sich. Sie gab Konzerte, nahm CDs auf und spielte traditionelleren Jazz. Dabei war sie musikalisch gar nicht so sehr auf Jazz festgelegt, hörte privat eher BB King und Ray Charles und was “in” war: Radiohead, Metallica, Panthera, Mariah Carey, Genesis, Depeche Mode. Und eben auch Kate Bush. “In Frankreich habe ich das erste Mal als Kind Kate Bush gehört, als ihre Musik bei einer Fashionshow im Fernsehen eingesetzt wurde. Ich bin damals ganz erstarrt gewesen von der Kraft dieser Musik. Mich hat es fasziniert und es hat mir gleichzeitig aber auch fast Angst gemacht”, erzählt Chrystelle, die – gerade mal siebenjährig -  die Musik etwas “dark” und intensiv fand. Beeindruckt hat sie später dann vor allem Kates Video zu “Running up that Hill”: “Ich war von der Kombination von Musik und Tanz sehr fasziniert. Das war anders als alles andere, was ich je gesehen habe.”
2006 zog es Chrystelle dann von Stuttgart nach Montreal. Dort gründete sie erst ein Quintett, spielte dann mit “Orange Kitchen” Soul-Jazz mit Einflüssen von Jamiroquai, Moloko, Donnie Hathaway, Stevie Wonder oder Erykah Badu. SOA ist entstanden, weil Chrystelle ihre Wurzeln entdecken wollte: “Meine beiden Eltern sind auf Madagaskar geboren. Das wollte ich in meine Musik mit einbringen”, erklärt sie – daher auch die sehr ursprüngliche “Roots”-Instrumentierung. Im letzten Jahr haben SOA dann die Arbeiten zu ihrem ersten kompletten Album gestartet – aufgenommen in Toronto und im Berliner “Jazzanova”-Tonstudio während einer Europatournee, zu der auch ein Dokumentarfilm entstanden ist. “Die Tournee war uns wichtig, um unsere Musik außerhalb Amerikas zu testen. Und es war es für mich ein Weg zurück zum Ursprung, wo alles anfing. Wir haben in Stuttgart und Heilbronn gespielt, wo ich vor 15 Jahren schon aufgetreten bin,  Außerdem in Berlin und in Paris und Vannes in Frankreich. Das war eine sehr emotionale Erfahrung”, berichtet Chrystelle. Und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie diese Erfahrungen künftig öfter machen wird. Mix und Mastering der neuen CD wurde von einem guten Freund übernommen. “Er ist ein wahrhaft exzellenter Tontechniker mit viel Einfühlvermögen, und das ist auf dem Album auch zu spüren.” Der gute Freund ist Inaam Haq, der vor kurzem erst einen Grammy für seine Zusammenarbeit mit Bruno Mars gewonnen hat.

Apr 02

Das Song-ABC: Blow Away (For Bill)

abcTod und Vergänglichkeit, aber auch Fortleben, darum geht es in diesem melancholischen Song. Die Anfangsakkorde nehmen die Akkorde von “Delius” auf und führen sie fort. Es geht offenbar um das gleiche Grundthema: wohin geht die Musik wenn wir sterben? Der Tod ist nicht das Ende, die Seele wandelt frei, bis sie sich zu einem neuen Leben entschließt. Die Hauptthemen des Albums “Never for ever” werden direkt angesprochen.
In Interviews hat sich Kate Bush zu diesem Song recht offen geäußert. Drei “Anstöße” haben zur Komposition dieses Lieds geführt:Der erste Anstoß war ein Bericht über Nahtoderfahrungen, den Kate Bush in einer Zeitschrift gelesen hatte. “It was really brought on by something – I think it was The Observer. They did an article on all these people who when they’d had cardiac arrests had left their bodies and travelled down a corridor into a room at the end. In the room were all their dead friends that they’d known very well and they were really happy and delighted. Then they’d tell the person that they had to leave and they’d go down the corridor and drop back into their body. So many people have experienced this that there does seem to be some line in it, maybe. It’s some kind of defense hysteria, I don’t know, but they felt no fear and in fact they really enjoyed it. Most of them have no fear of dying at all. And I thought that a nice idea, what a comfort it was for musicians that worry about their music; (knowing) that they’re going to go up into that room and in there there’s going to be Jimi Hendrix, Buddy Holly, Minnie Riperton, all of them just having a great big jam in the sky, and all the musicians will join in with it.” [1]
blowaway

Zum Benefizkonzert für Bill Duffield stand Kate zum Abschluss ihrer 79er-Tourne am 12. Mai 1979 im Londoner Hammersmith Odeon mit Peter Gabriel und Steve Harley auf der Bühne.

Die Vorstellung ist sehr anrührend und tröstlich, dass nach dem Tod die Seele des Musikers in einen Raum gelangt, in dem alle verstorbenen Musikerkollegen warten, um gemeinsam Musik zu machen. Im Song werden verschiedene Musiker aufgeführt. Buddy Holly war schon länger verstorben, die anderen erwähnten Sänger waren kurz vor der Komposition verschieden: Marc Bolan 1977, Keith Moon und Sandy Denny 1978, Sid Vicious 1979. Minnie Riperton – eine amerikanische Sängerin mit außergewöhnlich hoher Gesangsstimme – starb am 12.Juli 1979. Am 18. November 1979 spielte Kate Bush den Song live in der Royal Albert Hall beim Konzert für das London Symphony Orchestra. Dazwischen muss der Song also abgeschlossen worden sein. [2]

Der Text beginnt mit “One of the band told me last night” – aber das war für Kate Bush nur ein fiktiver Einstieg in das Lied. Es handelt sich nicht um eine reale Person. “No, there isn’t such a person who actually said it, but I’m sure I know so many people that think that. I myself do feel that sometimes and it just seemed for someone in my band fictionally to open up to me, made it a much more vulnerable statement. ” [1]  Diese Personalisierung macht das ganze Lied zu etwas Intimen und erhöht damit die Wirkung auf den Zuhörer.
Der zweite Anstoß war eine Frage, die Kate Bush im Kopf hatte: Wohin geht die Musik, wenn wir sterben? “Although the song had been formulating before and had to be written as a comfort to those people who are afraid of dying, there was also this idea of the music, energies in us that aren’t physical: art, the love in people. It can’t die, because where does it go? It seems really that music could carry on in radio form, radio waves… There are people who swear they can pick up symphonies from Chopin, Schubert. We’re really transient, everything to do with us is transient, except for these non-physical things that we don’t even control…” [3]  Bei dem Satz ” It seems really that music could carry on in radio form, radio waves…” musste ich spontan an das Cover des Albums “Aerial” denken, das solche Wellen darstellt. “Aerial” ist im Britischen auch die Antenne – und schon bilden sich neue Beziehungslinien beim darüber Nachdenken.
Der Tod von Bill Duffield war der dritte Anstoß. Der Lichttechniker war während der Tour of Live am 2. April 1979 durch einen Unfall ums Leben gekommen. “Bill is Bill Duffield, the gentleman who died on our tour and in so many ways he made me want to write the song right from the beginning. It was such a tragedy and he was such a beautiful person that it only seemed right that there should be something on the next album for him. ” [1]
“Blow away” reiht sich damit ein in die Gruppe von Bush-Songs, die Erinnerungen an Verstorbene sind. Er ist aber noch nicht so ausgefeilt und bewegend wie später “Moments of pleasure” und “A coral room”. Vielleicht hält ihn der unerbittliche Thomson daher für nicht so gelungen [2]. Er wertet ihn als originell, aber wenig ansprechend und hält ihn für ein inhaltlich etwas wackliges Konstrukt. Zu dieser Wertung beigetragen hat wohl auch die unruhige musikalische Gestaltung. In den Strophen wechselt permanent der Takt zwischen 2/4, 4/4 und 3/4 hin und her [4]. Es entsteht so ein unsteter Rhythmus, der eher an ein Erzählen erinnert statt an einen Song. Aber die Songsituation (“One of the band told me last night” …) ist ja auch eine Erzählsituation. Im Chorus werden die toten Musiker direkt angeredet, die Situation ist eine andere, hier herrscht ein geradliniger Viervierteltakt vor.
Der Song ist mit fünf Kreuzen notiert [4]. Es scheint ein gis-Moll zu sein, das aber oft nur angedeutet und verschleiert ist. Gis-Moll ist “das Schmerzliche des scheidenden Lichts”, es ist die “Tonart des Scheidens vom Tageslicht, vom Lebenslicht” [5]. Im Chorus (bei “Please don’t thump me, Don’t bump me, Don’t dump me back there.”)  ist die Harmonik nach Dur gewendet, ins Licht hinein. Gis-Dur, das ist das “Licht in der Finsternis, ein tiefschwarzes Licht, das dieser Tonart vor allem den mystischen Charakter gibt” [6]. Die Charakterisierung dieser Tonart bei Beckh [6] klingt wie eine genaue Situationsbeschreibung – hier “[..] scheinen sich weite Wunderreiche der Nacht oder geheimnisvolle Reiche des Überirdischen vor uns aufzuschließen, wir sehen uns auf einmal in mystische Tiefen des eigenen Innern, des Innersten der Welt hineingeführt, ein Licht beginnt aufzuleuchten, wo wir bis dahin nur Dunkel vermuteten.”  Der Tod ist nicht das Ende, in der Tiefe gibt es ein Licht. Thematische Linien deuten sich an, die zu “The ninth wave” und weiter hinaus in die Zukunft führen.
“Blow away” ist vielleicht nicht der beste Song von Kate Bush. Aber er ist ehrlich und direkt. Er enthält schon viele Elemente, die in der Zukunft zur schönsten Entfaltung kommen werden. Folgt man diesen Linien in die Zukunft, so kann man die Entwicklung von einer genialisch frühreifen Songwriterin zu einer großen Komponistin nachvollziehen.   (© Achim/aHAJ)
[1] Kate Bush NfE Interview EMI (London) 1980
[2] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH., S.202f
[3] Kris Needs: “Fire in the Bush”.  ZigZag. 1980(?, Interview)
[4] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.65f
[5] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.171 und 179
[6] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S,198f

Mrz 24

Das Song-ABC: Houdini

abc“Houdini” – dieser Song vom Album “The Dreaming” ist wieder eines dieser geheimnisvollen Lieder von Kate Bush, das eine ganz konkrete Begebenheit der Geschichte in einem musikalischen Moment zusammenzieht.
Harry Houdini war ein amerikanischer Entfesselungs- und Zauberkünstler (dies und das Folgende aus [1]). Seine Ehefrau Wilhelmine Beatrice „Bess“ Rahner fungierte viele Jahre als seine Bühnenassistentin. Weltberühmt war er für seine Entfesselungsnummern, die er spektakulär unter Lebensgefahr, etwa in Flüssen unter Wasser, ausführte. Diese Unterwasserentfesselungen zeigte Houdini auch auf der Bühne. Er machte aber auch den Kampf gegen betrügerische Spiritisten zu seiner Lebensaufgabe. Er wurde Mitglied eines Komitees der Wissenschaftszeitschrift „Scientific American“, die einen Geldpreis für diejenigen ausgeschrieben hatte, die vor dieser Jury übernatürliche Fähigkeiten beweisen konnten – ein Preis, der dank Houdini nie vergeben wurde. Houdini infiltrierte spiritistische Gesellschaften mit Gewährsleuten, ließ betrügerische Spiritisten durch Detektive ausspähen, beteiligte sich verkleidet an Séancen und hielt hierüber zahlreiche Vorträge. Die Aufklärung über Spiritistentricks machte er zum regulären Bestandteil seiner Shows, wodurch er sich in der gut florierenden Spiritisten-Zunft viele Feinde einhandelte. Seinen Kampf gegen Spiritisten setzte Houdini noch im Tod fort: Er hatte mit seiner Frau Bess einen Code (Rosabel, believe) vereinbart. Zehn Jahre lang lud Bess verschiedene Spiritisten zur Séance. Einem „echten“ Medium, so der Gedanke, würde Houdinis Geist diesen Code mitteilen, und Bess wüsste so, dass sie tatsächlich mit ihrem verstorbenen Gatten kommuniziert hatte. Dem Geisterbeschwörer Arthur Ford gelang diese Sensation. Diese Geschichte wurde in Zweifel gezogen als sich herausstellte, dass er mit der finanziell und psychisch angeschlagenen Bess eine Affäre hatte. Ob sie ihm den Code verraten hatte, ist ungeklärt.
Genau die Situation einer dieser Séancen gibt der Song wieder. Bess versucht, mit ihrem toten Mann in Kontakt zu treten. Dabei schweifen ihre Gedanken zurück in die Vergangenheit, Wirklichkeit und Traum vermischen sich. Kate Bush war von der Geschichte sofort fasziniert. “During his incredible lifetime Houdini took it upon himself to expose the whole spiritualist thing–you know, seances and mediums. And he found a lot them to be phoney, but before he died Houdini and his wife worked out a code, so that if he came back after his death his wife would know it was him by the code. So after his death his wife made several attempts to contact her dead husband, and on one occasion he did come through to her. I thought that was so beautiful–the idea that this man who had spent his life escaping from chains and ropes had actually managed to contact his wife. The image was so beautiful that I just had to write a song about it.” [2].
houdini400Über die Unklarheiten in der Story war sie sich durchaus klar, die Recherche im Vorfeld war akribisch. “It’s such a beautiful image: for this guy, who’d been escaping all his life, to escape death and come back to her. But I didn’t know if he had come back, because the other stories said he hadn’t, so I rang up Psychic News, and this nice lady got all these papers from the 1920s and read me this apparently official declaration from Mrs. Houdini that this had happened. I feel that they were terribly in love because of the whole story. She was saving his life every time. It’s such a great story, I couldn’t resist it.” [3]
“Houdini” ist ein “faszinierendes Stück über das Übernatürliche”, eine “unglaubliche Geschichte über Verlust, Liebe, Trauer und übernatürliche Phänomene” [4]. Es ist die Geschichte einer Frau, die von der Liebe zu ihrem toten Mann besessen ist. Wieder und wieder versucht sie, ihn auch im Tode zu erreichen. “She was saving his life every time” [3] – und das versucht sie auch weiter nach seinem Tod. So groß ist ihre Liebe, dass sie nicht aufgibt. Kann die Liebe schließlich doch den Tod besiegen? Hat die Rettung nicht in der Vergangenheit jedes mal geklappt? Liebe über den Tod hinaus – dieses Thema wurde schon in Kate Bushs erstem Hit “Wuthering Heights” besungen. Dort kehrte Cathy zurück zu Heathcliff, hier Harry zu Bess.
Das Cover des Albums nimmt Bezug auf diese lebensrettende Beziehung zwischen Houdini und Bess. Auf dem Cover steht “With a kiss I’d pass the key…”, dies ist ist ein Zitat aus “Houdini”. Bess ist zu sehen, wie sie ihrem mit Ketten gefesselten Mann bei einem Kuss einen kleinen Schlüssel mit der Zunge übergibt. “It’s a little depiction from the song. I didn’t even know he was married, but apparently she used to help him out quite a lot. As he used to go into his tank or jump in the river, she’d give him a parting kiss and pass a tiny silver key into his mouth. He’d wander off, then take it out and unlock the thing.” [3]
Der Schlüssel – golden leuchtend – ist das hervorstechend farbige Ding auf diesem düsteren, sepiabraunen Cover. Es sieht nicht aus wie ein Schlüssel, es ist eher ein goldener Ring. Der Ehering ist das Zeichen für die Liebe und die unbrechbare Verbundenheit. Er ist hier der Schlüssel, der den Weg aus der Welt der Toten zurück in die Welt der Lebenden öffnen soll. Dies gibt dem Albumtitel “The Dreaming” eine weitere Bedeutungsebene – das Träumen von einem Tor zur jenseitigen Welt, geschaffen durch die Liebe.
Im Hintergrund des Covers ist Efeu zusehen, der dies in seiner Symbolik unterstreicht. Efeu steht für unbedingten Überlebenswillen, Treue, Tod, Hoffnung auf Auferstehung, das Gesetz ewigen Lebens [5]. Der Efeu besagt in der Blumensprache “Keine Macht der Welt soll mich je von Dir trennen!” [5]. Genau das versucht Bess verzweifelt zu erreichen. Verweist das schon auf den Song “Under the ivy”?
Wasser als tödliches Element spielt in diesem Song eine zentrale Rolle. Houdinis Unterwasserentfesselungen waren extrem gefährlich und angeblich musste bei seiner letzten Nummer dieser Art der Tank mit einer Axt zerschlagen werden, um ihn zu retten [3]. Dieser Schrecken und diese Panik spiegelt sich in den Erinnerungen von Bess wider. In den Lyrics heißt es “Through the glass / I’d watch you breathe. / Bound and drowned, And paler than you’ve ever been. / With your life / The only thing in my mind — We pull you from the water!” [6]. Um diesen Horror auch im Gesang wiederzugeben, griff Kate Bush bei der Aufnahmesession zu drastischen Mitteln. “Well the idea is that it’s as she’s watching him go off into his tank of water for the last time, and it’s the idea that she is this sort of possessed demon that’s terrified of him going. And I drank about a pint of milk before I did the vocal and ate like two bars of chocolate. And the great thing about those sort of foods is it really creates a lot of mucus and normally that’s the last thing you want when you sing, you normally want a very pure voice, but I wanted to get all that sort of spit and gravel in the thought. So I worked on bringing the gravel out and then we also… as I sung the track we speed the track up a bit so that when it was played back the voice would just be slightly deeper, just have slightly more weight in it. ” [7]
Der Schrecken des Ertrinkens, damit hätte “Houdini” auch ein Teil von “The ninth Wave” sein können. Das Wasser als düstere Bedrohung – eines der zentralen Motive im Werk von Kate Bush. Aber es finden sich hier weitere der zentralen Bush-Motive. Es ist nicht nur ein “Wasserlied” (ich habe meine persönlichen Bezeichnungen für Motivkreise). Houdini ist auch ein “Geschichtslied”: es beschäftigt sich mit einem ganz besonderen Moment aus der Geschichte einer historischen Person. Es ist ein “Totenlied”: Erinnerungen an verstorbene reale Personen werden wiedererweckt. Es ist ein “Geisterlied”: übernatürliche Phänomene bestimmen die Story des Songs. Es ist ein “Wahnlied”: den Rahmen des Normalen verlassende, wahnhafte, obsessive Züge einer Beziehung spielen eine Rolle.
Die Musik reflektiert die verschiedenen Ebenen der Geschichte. Die beiden Strophen des Liedes geben die Situation in der Séance wieder. Bess sitzt da zusammen mit Fremden, ist voller Zweifel und doch voller Hoffnung. Wird es diesmal klappen? Die Musik ist zart, klavierbetont, mit schwebenden Basstönen von Eberhard Weber im Hintergrund. Die Melodie springt wunderbar gesungen voller bebender Erwartung zwischen zwei Tönen hin und her, es ist mehr die Andeutung einer Melodie. Der Refrain nach den Strophen beginnt rhythmischer, pochender – Bess ist in der Vergangenheit und denkt an die Situationen zurück, an denen sie ihren Mann mit dem Schlüsseltrick gerettet hat (“With a kiss / I’d pass the key / And feel your tongue / Teasing and receiving” und “Through the glass / I’d watch you breathe / Bound and drowned / And paler than you’ve ever been.”). Diese herzklopfenden Passagen enden in den Ausrufen des Erschreckens, des Entsetzen, der Furcht – wie oft hat Bess um ihren Mann gebangt in diesen lebensbedrohlichen Situationen (“With your spit / Still on my lip / You hit the water” und “With your life / The only thing in my mind / We pull you from the water!”)? Aber wie kann sie ihrem toten Mann diesmal den rettenden Schlüssel geben? Der Refrain endet mit traurigen Streicherklängen, zu denen weiter die Basstöne erklingen. Es ist eine fast resignative Musik des Abschieds, ein Choral, ein Requiem – Houdini kommt nicht wieder. Ganz zum Schluss des Songs nimmt dieser Streicherchoral noch einmal einen zweiten Anlauf, so als ob Bess die Situation nicht akzeptieren will. “You and I and Rosabel believe” – das bleibt als Rest der Hoffnung.
Die Tonarten des Songs geben diese unklare Situation an der Schwelle zwischen Leben und Tod wieder. “Houdini” ist mit 6 b’s als Vorzeichen notiert. Am ehesten ist die Tonart als Es-Moll zu identifizieren – aber das ist alles sehr verschleiert und nicht klar zuzuordnen. Daneben prägen die Akkorde Es-Dur, Des-Dur, Ges-Moll und As-Moll das Bild [6]. Beckh gibt in “Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner” tiefe Einblicke in das Wesen dieser Tonarten [8]. Es-Moll – ein Übergang, der über die Schwelle führt, die Wachen und Schlafen, Leben und Sterben, Tagesansicht und Nachtansicht der Welt, Sinneswelt und geistige Welt voneinander trennt. Es ist die im geistigen Sinne ernsteste aller Tonarten, die uns den Ernst des Schwellenübergangs, die Tragik des Schwellenübergangs erleben lässt. Es-Dur – nicht nur tiefstes Dunkel, sondern zugleich die Wiederaufwärtswendung zum Licht. Des-Dur – wie ein Durchbruch überirdischen Lichts. As-Moll – die Tonart des Scheidens vom Tageslicht, vom Lebenslicht. Jeder Akkord steht für eine Situation an einer überirdischen Schwelle.
So ist alles in diesem Lied die Schilderung einer Grenzsituation. Die Welten des Lebens und des Todes vermischen sich. Realität, Traum, Besessenheit, Trauer, Liebe, Tod, Leben – eine Welt aus den Fugen. Den Schluss bilden die Worte “You / And I / And Rosabel believe” – das ist vielleicht doch ein positiver Schluss dieses im Kern so traurigen Liedes. (© Achim/aHAJ)

[1] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Harry_Houdini (gelesen 21.02.2016)
[2] Poppix. “The Dreaming”. Summer 1982 (Interview)
[3] ZigZag. “Dream Time in the Bush” by Kris Needs. 1982 (Interview)
[4] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S. 243f
[5] Clemens Zerling: Lexikon der Pflanzensymbolik. 2007. Baden und München. AT Verlag. S.60
[6] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.97f
[7] Dreaming Debut. Radio 2. Sept. 13, 1982
[8] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.102, 124, 234 und 179.

Mrz 19

Show a little devotion: Lars

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten. Heute antwortet Lars.

larsMit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
Am liebsten mit “Wuthering Heights” (Stürmische Höhen), weil es die richtige optimistische Stimmung für den kommenden Tag bringt.

Welche von Kate besungene Figur wärst Du gerne?

Ich wäre am liebsten Houdini, wie die von Kate besungene Figur auf ihrem Album “The Dreaming” – der Entfesselungskünstler, der den Menschen immer noch viele Geheimnisse gibt.

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate?
“…and if I only could, I’d make a deal with God, and I’d get him to swap our places…” – der Chorus von  “Running up that hill”.

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
Am ehesten “Wow” von ihrem Album “Lionheart”, weil esso schön einfach zu intonieren ist (oder auch manchmal “Babooshka”).

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?

Kate Bush habe ich entdeckt, als ich 1986 in einer Bücherei war. Dort stand auch ein Plattenspieler,
über den man mit Kopfhörer Platten hören konnte; eine der Platten dort war die “Hounds of Love”. Besonders fasziniert war ich von “The Ninth Wave” (speziell davon “Hello Earth”).

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Schwierig zu sagen, vielleicht “In search of Peter Pan” von der “Lionheart”, oder auch “The man with the child in his eyes” von “The Kick inside”, weil beide Stücke die Leichtigkeit des Herzens umschreiben.

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
Am ehesten wohl doch “The man with the child in his eyes” (auch wenn ich den Song schon bei der vorher-
gehenden Frage angegeben habe), weil ich glaube, dass ich innerlich jung geblieben bin, trotz meines
Alters.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?

Eindeutig “Hounds of Love”, dieses Album von Kate mag ich am liebsten. Es hat so viele Hit-Singles im erstenTeil und der zweite Teil, “The Ninth Wave”, ist von seiner Gesamtheit her völlig faszinierend.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?

“The Fog” von der “Sensual World”. Dieser Song schildert das Erwachsenwerden einer Person, traumhaft ist da auch das Violin-Solo von Nigel Kennedy.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Dass sie sich selbst treu bleibt und sich nicht, wie so viele andere Künstler, kommerziell “verbiegen”

lässt. Sie wirkt auch dabei immer sehr eigenwillig (so kann es schon mal zwölf Jahre dauern, bis sie ein neues Album herausbringt).

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Weniger Pianostücke, so wie bei der “50 Words for Snow” geschehen, sondern wieder mehr normale Pop-Musik.

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
Das ist ja eine Frage! “This Woman’s Work” könnte am ehesten passen, auch wenn ich keine Frau bin. Die Melodie ist da sehr schön.

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