Das Song-ABC: Rubberband Girl

Rob Jovanovic meint, dies sei der vielleicht lockerste und optimistischste Popsong, den Kate Bush je geschrieben hat [1]. Für ihn vermittelt der Song „ansteckend gute Laune und klingt richtig rockig“ [1]. Und wirklich – „Rubberband Girl“ ist schwungvoll und geht sofort ins Ohr, er klingt so fröhlich, wie man es von Kate Bush selten kennt. So etwas auf dem düsteren Album „The red shoes“, kann das wahr sein? Es ist in der Tat ein sehr tänzerischer Song, der geradeheraus daherkommt. Im Chorus gibt es verstärkende Effekte (Begleitstimmen, wie ein Chor), aber die Melodie ist identisch. Zum Schluss („Rub-a-dub-a-dub ….“) wird der Song immer wilder, dann kommt ein Bläserchor dazu mit für Kate Bush eher ungewöhnlichen Bläsereinsätzen [1]. Es folgt eine fast ekstatische Steigerung, wie ein immer stärkeres Schwingen am Gummiseil. Permanent wird ein Rhythmus fest durchgehalten. Graeme Thomson merkt an, der Song sei „in seiner lebhaften Art ein trügerisches Einstiegsstück, das auf einem gleichbleibenden Grundton dahindengelt und dessen trockener, beständiger Groove verrät, dass es auf die Schnelle im Studio geschrieben wurde“ [2]. Er hält ihn für einen mutigen Versuch, der aber letztlich nicht geglückt sei [2]. Leider führt er nicht aus, was ihn zu diesem Urteil führt. Unterschiedliche Einschätzungen, unterschiedliche Wertungen: es lohnt offenbar, hier etwas tiefer zu schauen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist rg2.jpg

In “Rubberband Girl” steht das Gummiband als Symbol für die Flexibilität, für das Rettungsseil. Es ist für Kate Bush ein Symbol dafür, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen: „Well, it’s playing with the idea of how putting up resistance… um… doesn’t do any good, really. The whole thing is to sort of go with the flow.“ [3] Im Song geht es in verschiedenen Bildern um diese Themen. Schon zu Beginn wird die zentrale Botschaft ausgesprochen: „You see I try to resist“. Dies wird dann noch durch eine Aussage verstärkt und bekräftigt: „A rubberband bouncing back to life / A rubberband bend the beat / If I could learn to give like a rubberband / I’d be back on my feet“. Es endet mit dem Wunsch, das so auch umzusetzen und so widerstandsfähig wie ein Gummiband zu werden („Oh I wanna be a rubberband girl“). Hier ist vordergründig viel Fröhlichkeit in der Musik, ein Tanzlied scheint es zu sein, es klingen im Text keine Zweifel auf. Es gibt aber sehr viele Elemente im Hintergrund, Stimmen kommen aus allen Richtungen, das ist Chaos und Desorientierung. Ganz so einfach ist es also nicht, das Lied ist für mich ein bißchen Pfeifen im Walde. In der Zeit der Entstehung des Albums gab es schwerwiegende Ereignisse im persönlichen Umfeld, die Mutter von Kate starb überraschend, Freunde starben, sie trennte sich von ihrem Freund Del Palmer. Das Thema Widerstandsfähigkeit hat Kate Bush wahrscheinlich stark beschäftigt. Fröhliche Musik über nicht ganz so fröhlichen Texten schien ein Mittel zu sein, damit umzugehen (man höre sich z.B. „Eat the music“ an bzw. lese meine Analyse im Song-ABC dazu). Das Hängen an diesem Gummiband hat für mich aber noch weitere Aspekte – es hat etwas von einer Marionette, die an Fäden fremdgesteuert wird. Auch dies passt zur Situation – wer schon einmal eine schwere Krise durchlebt hat, kennt dieses Gefühl gut, keine Kontrolle mehr über sich selbst zu haben. Zum Schluß verwandelt sich das fröhliche  Tanzlied in eine aus den Fugen geratende Musik. Wie ist die Steigerung zu deuten? Gerät das Gummiband außer Kontrolle? Ist das Freude am Spiel? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Ende? Wie oft bei Kate Bush hinterlässt der Schluß eines Liedes ein ambivalentes Gefühl und beantwortet Fragen nicht. (Ich finde das toll.)

Die musikalische Umsetzung – Details aus [4] – tragen zu dieser Ambivalenz bei. Die Grundstruktur ist tänzerisch vorantreibend, durchgängig wird der 4/4-Takt beibehalten. Notiert mit das mit 5b, ein Des-Dur. Die Melodie ist reines Des-Dur, es kommen z.B. alle Tonarttöne absteigend von Des bis zum Des eine Oktave tiefer vor (auf „I feel they‘ve got a lot more sense than me“, „ I gotta land with my feet firm on the ground“ und „I could learn to give like a rubberband“). Dies ist alles sehr einfach in der melodischen Struktur. Die Melodie z.B. hat keinen einzigen leiterfremden Ton. Die Melodie wird begleitet durch Veränderungen des As-Dur-Akkords (der Dominante in Des-Dur). Die Akkordfolge (immer über zwei Takte) ist dabei As7sus4, As7, As6sus4, As6. Dies ist eine Akkordfolge, die das harmonische Dur-Moll-Schema verrückt bzw. verlässt. Das permanente „Gehämmer“ auf dem Grundton As erzeugt einen getriebenen, fast manischen Eindruck. As7 ist ein Septakkord, der als sehr spannungsreich empfunden wird. Das As6 ist die Sixte ajoutée (frz. „hinzugefügte Sexte“) [9], ebenfalls dissonant klingend. Dazu kommen die SUS-Akkorde (das Folgende zitiert aus [5]). „SUS ist eine englische Abkürzung für suspended und bedeutet ´außer Kraft gesetzt´. Diese Akkorde heißen so, weil bei ihnen die Terztöne sozusagen ´außer Kraft gesetzt´ werden, bzw. weil es bei diesen Akkorden keine Terzen gibt. […] Beim SUS4 wird die Terz durch eine reine Quarte ersetzt […]. Bei SUS2 Akkorden fliegt die Terz für die Sekunde heraus. […]. Somit kann man folgende Regel aufstellen: sus4 = reine Quarte & große Sekunde, sus2 = große Sekunde & reine Quarte.“ SUS-Akkorde haben gemäß [5] „nichts mit Dur- oder Moll-Akkorden zu tun, sie sind eigenständige Akkorde, die noch nicht einmal aufgelöst werden müssen!“ Sie werden „häufig in der Pop-Musik verwendet, da sie sich sehr reibend anhören“ [5]. Bemerkenswert ist, das SUS-Akkorde von Kate Bush selten verwendet werden. Es kam ihr hier also wohl auf die hypnotisch-manische Wiederholung reibender, harter Akkorde an, die durch den beibehaltenen Grundton fast aufdringlich und verstörend wirken. Die benutzten Tonarten (nach Beckh [6]) unterstützen die Deutung, dass es in diesem Song um das Überstehen von Katastrophen geht. Es sind Tonarten der Hoffnung. Des-Dur steht für etwas Höheres, Helleres, Lichtes, es ist das Schauen der Sonne um Mitternacht, es ist eine in der Tiefe des Irdischen erlebte höchste geistige Höhe. As-Dur ist nicht die Grundtonart, aber durch die hypnotische Wiederholung dieses Akkordes hat er ebenso eine zentrale Bedeutung. Es ist gemäß Beckh das Licht in der Finsternis, die mystische Tonart. „Wir sehen uns auf einmal in mystische Tiefen des eigenen Innern, des Innersten der Welt hineingeführt, ein Licht beginnt aufzuleuchten, wo wir bisher nur Dunkel vermuteten“ [6].

Bildergebnis für kate bush rubberband girl

Das Vorantreibende, Tanzbare des Songs hat wohl dazu geführt, dass er Platz 12 in den britischen Charts erreichte [1]. Die Hitqualitäten kamen erst während der Aufnahme zum das Album begleitenden Film ins Bewusstsein. „Originally, the first single was intended to be Eat The Music. but during the production of the film to accompany the album, Rubberband Girl seemed to be catching everyone’s imagination, and has proved to be a substantial chart success“ [8]. Graeme Thomson vermutet, dass er auf die Schnelle im Studio geschrieben wurde [2], was wohl teilweise der Wahrheit entspricht „Rubberband Girl is one of the few that worked first time – it just has a basic rock feel with a riffing guitar, the backing vocals went down first and then we tried various lyrics and lead vocal ideas.“ [8] Zu „Rubberband Girl“ existieren zwei Videos, das erste ist ein Ausschnitt aus dem Film, das zweite erfüllt mehr die Funktionen eines Promo-Videos. Kate Bush erläutert das damit, dass der Wunsch nach dem zweiten Video aus Amerika kam. „Well, I was actually asked to do so by America. […] And – it was quite an interesting experiment just to make more a kind of straight forward promo, which only took a day to shoot. So – it was, it was quite fun really“ [7].

Zum Schluss möchte ich noch einen Blick auf die völlig andersartige Version des Songs auf „Director‘s Cut“ werfen. Diese Version wurde in Fankreisen ziemlich kontrovers diskutiert, ich werde mich auf meine Sicht beschränken. Diese Fassung klingt vollkommen anders als die Ursprungsfassung, sie klingt wie live, ohne die druckvollen Studiobässe. Für mich klingt es so, als ob die Sängerin nach einen ganz langen Tag zu viel getrunken hat und vor sich hin singt. Es ist vielleicht die fünfte Zugabe nach einem langen Auftritt der Band in einen Pub, in dem alle – Publikum, Band, Sängerin – schon betrunken sind. Zum Schluss kommt eine immer stärkere Begleitung durch eine Harmonika dazu – als ob jemand aus dem Publikum spontan mitgemacht hat. Nimmt Kate Bush hier den Kontrast Studio-Version / Liveauftritt auf die Schippe? Veralbert sie das? Bei vielen Künstlern ist dieser Unterschied genauso schräg (weswegen ich mir nur von besonderen Künstlern Liveauftritte antue). Oder soll das ausdrücken, dass das Gummiband nicht mehr funktioniert, sondern nur noch der Alkohol? Graeme Thomson sieht das nüchterner, für ihn klingt diese von Grund auf neu eingespielte Fassung „im besten Sinne ungezügelt und befreit, Kate Bush a la Rolling Stones“, verspielt und spontan [2]. Kate Bush hatte überlegt, ob der Titel überhaupt auf das Album soll. „Es ist einfach nur ein alberner Popsong“ [2]. Also vermute ich, sie wollte sich einfach mal ein bisschen Spaß mit uns machen (Prost!). © Achim/aHAJ

[1] Rob Jovanovic: Kate Bush. Die Biographie. Höfen. Koch International GmbH/Hannibal. 2006. S.181
[2] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.320f und S.395
[3] Marianne Jenssen: „Rubber Souls“. Vox Nov. 1993
[4] Kate Bush: The red shoes (Songbook). Woodford Green. International Music publications Limited. 1994. S.7ff
[5] https://www.theorie-musik.de/akkorde/sus-akkorde/ (gelesen 10.10.2018)
[6] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.231ff (Cis-Dur) und S.198f (As-Dur)
[7] „MTV Most Wanted“ mit Ray Cokes. 22. Oktober 1993
[8] Interview in Future Music mit Del Palmer: „Well red“. November 1993
[9] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sixte_ajout%C3%A9e. (gelesen 15.11.2018)

Die Essenz des geschriebenen Wortes

How To Be Invisible
Autor: Kate Bush, Faber & Faber, ISBN 978-0-571-35094-0, 2018, 192 Seiten

Von Beate Meiswinkel

Anfang der 1980er Jahre plante Kate Bush die Veröffentlichung einer ca. 144 Seiten starken Autobiografie. “Leaving my Tracks” sollte bei Sidgwick & Jackson erscheinen; der Verlag hatte auch bereits den Entwurf eines farbigen Schutzumschlags mit Klappentext drucken lassen, von dem im Netz Fotos kursieren (https://www.worthpoint.com/worthopedia/kate-bush-leaving-tracks-dustjacket-946831895). Es ist sehr schade, dass dieses Buch niemals erschien. Und es sollte noch etwa 35 Jahre dauern, bis Kate mit „How To Be Invisible“ schließlich als Buchautorin in Erscheinung trat. Anstelle eines autobiografischen Werkes entschied sie sich für eine Sammlung ihrer Songtexte, begleitet von einigen wenigen einführenden Worten und der ebenso schlichten wie unumwunden liebevollen Widmung „For Bertie“.

Buchautor David Mitchell („Der Wolkenatlas“), der bereits für die Before The Dawn-Shows mit Kate zusammenarbeitete, steuerte ein kurzweilig zu lesendes Vorwort bei; sein obligatorischer Streifzug durch die KB-Discographie ist durchaus gelungen und kommt erfreulicherweise ohne Degradierung von „The Sensual World“ und „The Red Shoes“ aus. Wie viele von Euch hatte ich mir „How To Be Invisible“ bereits kurz nach Ankündigung des Veröffentlichungsdatums vorbestellt. Obwohl ich mich darauf freute, hielt sich die Erwartung doch etwas in Grenzen, vor allem, nachdem Fotos des eher schmucklosen schwarzen Covers erschienen waren. Kates Texte sind ja ohnehin längst allgegenwärtig: in CD-Booklets, auf LP-Hüllen, in verschiedenen Songbooks – sogar online, man muss nur googlen.
Als das Buch schließlich seinen Weg in meine Hände fand, waren zunächst Überraschung und Erstaunen, bald darauf Entzücken und Freude groß. Mit dem tatsächlich schlichten, jedoch durchaus eleganten Leineneinband erinnert „How To Be Invisible“ ein wenig an ein Moleskin-Notizbuch und somit an etwas, das jenseits aller Digitalisierung zeitlos geschriebenes Wort bewahrt. Auf die leuchtend rote Banderole auf der Rückseite wurde in detailverliebtem Innuendo der Buchtitel in Blindenschrift geprägt. Weitere hübsche graphische Details sind im Buchinnern zu finden.
Geschriebenes Wort ist etwas, das man mit Gesang und Musik nicht unmittelbar in Verbindung bringt, obwohl es doch essentiell ist! Liegt bei einem Album der Fokus zunächst auf dem Klang, der Musik, der Stimme, so wird bei intensiverem Zuhören die Wertigkeit der Texte offenbar. „How To Be Invisible“ beinhaltet also die pure Essenz dieses geschriebenen Wortes.

Während man üblicherweise daran gewöhnt ist, Songtexte mitzulesen oder gar mitzusingen, wenn die Musik spielt, so lädt das Buch dazu ein, die Lyrics einmal in Stille zu erfahren. Bar des Diktats vom Rhythmus der Musik oder des Gesangs offenbaren sich die wohlvertrauten Worte auf einmal ganz anders. Sie erhalten eine neue Dimension, sie öffnen Türen zu etwas anderen Räumen oder Landschaften. Und während man die Worte in Stille liest oder leise mitspricht, taucht zuweilen in unserem Innern der Nachhall von Kates Stimme in zerbrechlichen Fragmenten auf: ein bestimmtes Timbre, ein Seufzen, ein Kieksen, ein Gurren, manchmal auch ein Aufschrei… harm is in us.
Über die Anordnung bzw. Gruppierung der Texte habe ich mir viele Gedanken gemacht: ich habe mich sogar regelrecht davon faszinieren lassen. Während A Sky of Honey (einschließlich des wunderbaren „Tawny Moon“) und The Ninth Wave in ihrem ursprünglichen Zusammenhang belassen wurden, ergeben die übrigen acht Textgruppen ein harmonisches, jedoch nicht so einfach nachvollziehbares Bild. Die Passagen von „How To Be Invisible“ winden sich gleichsam spielerisch wie manifest durch das gesamte Werk. Wie der Ariadnefaden schenken sie uns eine Richtschnur, die Rätsel und Lösung in einem bietet und die jederzeit fallen gelassen und wieder aufgegriffen oder gar weitergesponnen werden könnte. Kate Bushs Magie entfaltet sich hier in gänzlich anderer Weise: unhörbar und rein durch die Abwesenheit ihrer Musik – und gerade deshalb vielleicht besonders eindringlich.
Könnte man Überschriften finden für diese neu geordneten Textgruppen? Ich denke, das bleibt der Intention der Autorin einerseits und der Fantasie des Lesers andererseits überlassen. Für mich ergaben sich folgende mögliche Assoziationen:
1. Sky High (Snowflake – King of the Mountain)
2. Childhood, Adolescence (Cloudbusting – Sat in your Lap)
3. Out of Reach, Worth Striving for (Under the Ivy – All the Love)
4. The Consequenes of War (Army Dreamers – England My Lionheart)
5. Magic (A Coral Room – The Fog)
6. A Sky of Honey
7. Mystic (Houdini – Get out of my House)
8. Yearning, Longing (Never be mine – Moments of pleasure)
9. The Ninth Wave
10. Food for Thought, Phantastic (How to be invisible – Lake Tahoe)

Ich bin mir jedoch sicher, dass sich beim wiederholten Lesen neue Assoziationen bilden. Das Buch lädt dazu ein, es immer wieder aus dem Regal zu nehmen, um darin zu blättern, oder es gar in der Handtasche mitzunehmen, damit man auch unterwegs hineinschauen kann.
„How To Be Invisible“ erschien übrigens im November 2018 auch in einer limitierten Auflage von 500 nummerierten und von der Autorin handsignierten Exemplaren, die einige Glückliche für 150 GBP erwerben konnten. Dieses prächtige Sammlerstück wird inzwischen zu horrenden Preisen gehandelt, die sich im Laufe der Zeit weiter ins Astronomische steigern dürften.

Das Bild des Monats: Februar

© Sjaak Vullings

„Wo wären wir, wenn wir im Leben keine Risiken eingehen würden?“, fragt sich Sjaak. Es geht um den Song Night of the Swallow. „Die Energie im Bild und im Lied handelt von dem Drang und der Notwendigkeit, gefährliche und riskante Dinge zu tun, trotz der Person zu Hause, die nicht möchte, dass man dies tut. Die Wechselwirkung zwischen Risiko und dem Wunsch nach Sicherheit ist ein sehr interessantes, universelles Thema“, erklärt Sjaak.
There’s no risk.
I’ll whisk them up in no moonlight.
And though pigs can fly,
They’ll never find us
Posing as the night,
And I’m home before the morning.

Es muss keine Nacht im Februar sein, aber nach der Analyse im Song-Abc passt das Bild perfekt. Entstanden ist das Foto von Sjaak im Museum De Pont in Tilburg, das zeitgenössische Kunst präsentiert. Sjaak hat dort ein Kunstobjekt mit einer kleinen Glasspitze entdeckt und versucht, das Licht mit einer Bewegung einzufangen. Und tatsächlich wirkt es, als ob viele Schwalben durch die Nacht fliegen. Dazu trägt auch das blaue Licht bei, das die Magie der Nacht verdeutlichen soll.

Wer den Beitrag über Sjaak verpasst hat, kann hier mehr über ihn erfahren.

Das Song-ABC: Night of the Swallow

„Night of the Swallow“ ist eines der eher ruhigen, auf den ersten Blick weniger experimentellen Stücke auf dem Album „The Dreaming“. Allerdings besitzt es Besonderheiten, die es zu einem sehr wegweisenden Song gemacht haben, deren Bedeutung und Einfluss über das Bush-Universum hinausgehen. Graeme Thomson fasst das so zusammen [1]: „[Der Song] steckt voller dunkler Vorahnungen, Licht und Schatten bilden ein geschlossenes Ganzes und barocke Balladenkunst geht mit traditionellen keltischen Instrumenten eine bestechend schöne Verbindung ein.“ Diese damals neue und überraschende Einbeziehung von traditionellen Instrumenten und Stilformen wurde von Kate Bush auch auf späteren Alben aufgegriffen. Sie war damit eine Wegbereiterin für andere Künstler, die dieses neue Stilmittel aufgriffen. Der Song folgt auf dem Album auf „The Dreaming“, es ist ein bruchloser Übergang. Hier vermischen sich zu Beginn Didgeridooklänge mit irischen Klängen, Australien weicht Irland, beide Songs besinnen sich auf die Tradition. „Night of the Swallow“ kann am ehesten als Ballade bezeichnet werden. In der Stimmung erinnert es mich immer an „Oh England my Lionheart“ vom Album „Lionheart“. Auch dort schimmert die Tradition durch die Pop-Folie.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist nots400-1.jpg

Das Klammern in einer Beziehung, die zu große Enge, die Suche nach einer Befreiung (sei sie noch so riskant) – dies ist für Kate Bush das eigentliche Thema [3]: „Yes, unfortunately a lot of men do begin to feel very trapped in their relationships and I think, in some situations, it is because the female is so scared, perhaps of her insecurity, that she needs to hang onto him completely. In this song she wants to control him and because he wants to do something that she doesn’t want him to she feels that he is going away. […] Of course, from the guys point of view, because she doesn’t want him to go, the urge to go is even stronger. For him, it’s not so much a job as a challenge; a chance to do something risky and exciting.“ Offenbar hat Kate Bush über diese Thematik intensiv nachgedacht [3]: „It’s almost on a parallel with the mother and son relationship where there is the same female feeling of not wanting the young child to move away from the nest.“ Es handelt sich natürlich um eine ausgedachte Situation, aber nach Kate Bush nicht ohne Beziehung zur Realität [3]: „But although that woman’s very much a stereotype I think she still exists today.“ Im Song ist das feinfühlig umgesetzt. Der Gesang der Frau ist zu Beginn fast ein verzweifeltes Schreien bzw. Rufen, hochemotional. Es wird dann weicher, und zärtlicher, manchmal fast flehend. Der Song ist hier ist ruhig und balladenhaft. Den Mann kennzeichnet im Refrain eine ganz andere Stimmfärbung, der Gesang ist ruhig, beschwichtigend, leise Trommeln im Hintergrund. Im Chorus wird es dann ausgelassen, tänzerisch, voranstürmend, beschwingt-euphorisch, sehr irisch. Der Chorus steigert sich zum Schluss fast hymnisch beschwingt. Der Drang nach Freiheit bricht sich Bahn. Der Mann vergleicht sich dabei mit einer Schwalbe und hier zeigt sich das tiefe Eindringen von Kate Bush in eine Thematik. Dieser Vogel ist das Symbol für das sehnsüchtig erwartete neue Leben, für Wachstum und Fruchtbarkeit mit der Hoffnung auf vorteilhafte Veränderungen [4]. Sie ist das Sinnbild für Auferstehung, Licht, Erneuerung in Reinheit. Sie ist schnell, lebhaft, kühn bei Gefahr und voller Finten in den Flugkünsten. Dies trifft sehr genau zu auf den Charakter und die Sehnsüchte des Mannes. Neben dieser positiven Symbolik gibt es aber auch eine negative Seite [4]: die Schwalbe kann auch für Täuschung und Selbstbetrug stehen. Dies drückt sogar ein Sprichwort aus – eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Hier spiegeln sich die Befürchtungen der Frau wieder.

Auch musikalisch ist der Song sehr interessant [5]. Er steht im einem durchgängigen 4/4-Takt, es gibt ganz kleine Einsprengsel anderer Taktarten (3/4 und 5/4). Notiert ist der Song in h-Moll. Sehr häufig kommt aber auch der H-Dur-Akkord vor, der nicht zum harmonischen System gehört, es mischen sich  h-Moll und H-Dur. Aus h-Moll kommen die Akkorde h-Moll, G-Dur, A-Dur und fis-Moll vor, aus H-Dur die Akkorde H-Dur und E-Dur. Ebenso gibt es den cis-Moll-Akkord, der zu beiden harmonischen Systemen gehört. Der Song beginnt und endet mit H-Dur. Chromatisch aufsteigende Akkordketten (E-Dur, F-Dur/Cis-Dur, fis-Moll) verbinden die beiden Welten. Dies geschieht auf „I won‘t let you do it – das steht im 3/4-Takt – und auf „I won‘t let you go through with ist – das steht im 5/4-Takt. Reines H-Dur herrscht von „Meet them over at Dover“ bis „the Water“ bzw. „to malta“. Im Booklet ist das als „Refrain“ gekennzeichnet. Von „With a hired plane“ bis „before the morning“ gibt es dann reines h-Moll, ebenso weiter von „Give me a break“ bis „like a swallow“. Im Booklet ist das als „Chorus“ gekennzeichnet. Die Welt des Mannes ist damit in klar getrennte harmonische Bereiche getrennt, ein h-Moll-Bereich folgt auf einen H-Dur-Bereich. In der Welt der Frau sind H-Dur und h-Moll vermischt. Der Grundton beider Tonarten ist gleich, es schwankt zwischen Dur und Moll – zwei Seiten einer Medaille. Die beiden Tonarten passen in ihrer Bedeutung (gemäß [6]) sehr gut zur Thematik des Songs. H-Dur ist nicht mehr ganz im Irdischen, es ist die Vorahnung des Herübergehens, das Licht vor Sonnenuntergang, die Verklärung, steht für etwas Überirdisches. Es ist auch die Tonart der höchsten Liebe (in „Tristan und Isolde“ endet so z.B. der „Liebestod“). Es ist die Tonart der letzten Verklärung. H-Moll steht dagegen für Empordrängen, für ein Emporstürmen mit Abgrundgefahr. Die Tonarten sagen klar, dass der Frau und der Mann bei allen Unterschieden in den Charakteren in tiefer Liebe miteinander verbunden sind (H-Dur). Diese Beziehung wird aber „angegriffen“ durch das h-Moll, das für Freiheit, Herausforderung und die Suche nach Gefahr steht – nicht ohne Grund geht der Gesang des Mannes von H-Dur in h-Moll über.

„Night of the Swallow“ ist Kate Bushs erster Song mit einem starken irischen „Akzent“. Es ist der irische Dudelsack zu hören, die Uilleann Pipes. Das Lied war das erste von zwei (das andere war „Sat in Your Lap“), das für das Album aufgenommen wurde [7]. Es wurde hauptsächlich im Frühling 1981 in den Abbey Road Studios in mehreren Sessions an dem Song gearbeitet. Die irische Musikergruppe kam in Irland zusammen, wo Bush über Nacht mit ihnen zusammenarbeitete. Nachdem sie die Aufnahme um sieben Uhr morgens beendet hatte, flog sie zurück nach London, um das Lied zu mischen. Aufgenommen wurde der Song mit Stuart Elliott, Del Palmer und den irischen Musikern Bill Whelan, Liam O’Flynn und Dónal Lunny der Gruppe Planxty und Seán Keane von The Chieftains. Kate Bush hatte lange auf eine Gelegenheit gewartet, diesen irischen Touch einzusetzen [8]: „I’ve wanted to work with Irish music for years, but my writing has never really given me the opportunity of doing so until now. As soon as the song was written, I felt that a ceilidh band would be perfect for the choruses.“ In ihren Anfangsjahren war Kate Bush freigiebiger mit Informationen über ihre Arbeit, sie sprach bereits im Juli 1981 über das Lied [9]: „She has more or less completed five tracks, one of which involves the Irish folk band, ‪Planxty. She asked the group if they would be interested in working with her, they said yes, she flew to Dublin, found she had a ’strong feeling for Ireland‘ (mum has Irish blood), and together they came up with ‚Night of the Swallow‘.“

Die Zusammenarbeit mit den irischen Musikern hat Kate Bush sehr zugesagt [9]: „They’re fantastic musicians with open, receptive minds, which is unusual for people who work with traditional folk music.“ Vielleicht hat dies dazu geführt, dass sie auch später ungewöhnliche Kooperationen (Trio Bulgarka!) nicht gescheut hat. „Night of the Swallow“ ist ein komplexer Song, der sich anmutig durch viele wechselnde Stimmungen schlängelt. Er kombiniert perfekt ganz unterschiedliche Dinge – Schönheit, Schmerz, Enthusiasmus und auch eine gewisse Unheimlichkeit. Diese Stimmungswechsel werden verstärkt durch die Verwendung von bewegend-schwungvoller irischer Musik, die als Kontrast zur rauen Seite der Geschichte benutzt werden. Er ist durch diese Verwendung der irischen Musik wegweisend gewesen. Für mich besonders schön ist, dass diese Neuheit nicht herausgestellt wird, sondern wie ganz selbstverständlich und organisch integriert daherkommt. © Achim/aHAJ

[1] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.242
[2] Kris Needs: „Dream Time in the Bush“. ZigZag 1982
[3] Paul Simper: „Dreamtime is over“. Melody Maker. 16.10.1982
[4] Clemens Zerling, Wolfgang Bauer: Lexikon der Tiersymbole. Kösel Verlag. München 2003. S.273ff
[5] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987.  S.127ff
[6] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.171ff (H-Dur) und S.181ff (h-Moll)
[7] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Night_of_the_Swallow (gelesen 18.10.2018)
[8] Kate Bush: „About the dreaming“. KBC Issue 12. Oktober 1982
[9] Ian Birch: „What I did on my holidays“. Smash Hits. 23.07.1981

To dear Denis, lot’s of love. Kate.

Es hat ein bisschen gedauert, aber es ist angekommen. Denis Brown, der für Kates PopUp-Store den „50 Words for Snow“-Kunstdruck entworfen hatte, kann sich über eine persönliche Widmung von Kate freuen. „Mit den Feiertagen an Weihnachten und Neujahr hat es ein bisschen länger gedauert“, schreibt Denis, aber die Freude, dass sein Entwurf so gut angekommen ist und der Kunstdruck im Onlinestore dann auch restlos ausverkauft war, ist bei dem Dubliner Kalligrafen natürlich groß. Denis hatte Kate im Gegenzug ein von ihm gestaltetes Buch mit einem kalligrafischen Autogramm und einem kleinen, eingefügtem Originalkunstwerk, zukommen lassen. Sichtlich gefreut hat sich Denis auch über den Beitrag über ihn hier im Blog, den er via Facebook in einer englischen Übersetzung gleich mehrfach geteilt hatte – und das auch noch mit einem sehr sympathischen Humor, wie der folgende Satz aus den Beitrag belegt:
„The two ‘S’ in “Swans-a-Melting” look like swans, and “Anklebreaker” feels like broken bones [read the German for broken bones out loud!: gebrochene Knochen].“ Es spricht viel dafür, im nächsten Beitrag über Denis irgendwie das schöne Wort „Zwetschgen“ unterzubringen. 🙂

Unbekannte Alternativ-Version zu Kates Donovan-Cover

Von Kates Donovan-Cover Lord of the Reedy River gibt es offenbar eine nie veröffentlichte Alternativ-Version. Kate hatte den Song 1981 als B-Seite für die Single Sat in your Lap in den Abbey Road Studios aufgenommen. Bei Ebay UK wird nun eine Acetat-Single mit einer bisher unveröffentlichten Version des Covers angeboten. „Diese signifikant andere Version existiert nur auf diesem einen Acetat (und dem zweispurigen Master-Analogband), und es wurde keine digitale oder analoge Kopie dieser Aufnahme verteilt“, schreibt der Besitzer, der die Acetat-Single 1982 erworben und seitdem in einem klimatisierten Bankschließfach aufbewahrt haben will. Wie genau sich die Aufnahme vom später veröffentlichten Cover unterscheidet, wird nicht deutlich. Es soll sich aber nicht um eine Demo-Aufnahme oder einen Outtake handeln. Zuständig für die Aufnahme war damals Nick Launey. Er sollte die von Kate abgelehnte Version des Songs auf der Acetat-Single zerkratzen. Die Spuren sind deutlich zu sehen. Dennoch soll der unveröffentlichte Track ohne Verzerrung oder Überspringen und nur mit hörbaren Klicks abspielbar sein. Bei der Acetataufnahme handelte es sich um die Referenzplatte, nach deren Prüfung entschieden wurde, ob die Platte den technischen Anforderungen genügt. So konnten auch Klangbalance und Lautstärke der Platte geprüft werden. Gebote für das Einzelstück gab es in der gesetzten Frsit allerdings nicht auf Ebay. Kein Wunder, ruft der Verkäufer immerhin satte 10.000 US-Dollar auf und wollte die Single zudem ausschließlich innerhalb der USA, Kanada und England versenden.

Kate: Ich bin kein Tory

In einem Statement hat Kate Bush auf ihrer Webseite heute klargestellt, dass sie kein Anhänger der englischen Tory-Partei ist, wie ihr nach einem Interview vor zwei Jahren unterstellt wurde. In einem Interview mit dem kanadischen Magazin Macleans wurde sie anschließend wie folgt zitiert: „Wir haben hier in Großbritannien eine Premierministerin. Ich mag sie wirklich sehr und finde sie wunderbar. Ich denke es ist das Beste, was uns seit langer Zeit passiert ist.“ Viele Fans vor allem in England hatten regelrecht empört auf diese Äußerung reagiert. Jetzt hat Kate klargestellt, dass sie die Torys nicht unterstützt und das ihrer Meinung nach aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. „Meine Antwort war nicht politisch gemeint, sondern galt eher die Verteidigung von Frauen an der Macht. Ich hatte das Gefühl, dass der Interviewer mächtige Frauen in eine sehr negative Richtung schieben wollte, auch mit Blick auf die Hexenjagd gegen Hilary Clinton. Als Antwort sagte ich, dass wir eine Frau haben, die für unser Land zuständig ist, und dass es meiner Meinung nach gut ist, Frauen an der Macht zu haben. Ich hätte klarer sein sollen, als ich dann sagte, dass es das Beste war, was uns seit Langem passiert war – weil ich das Verhalten des vorherigen Premierministers überhaupt nicht mochte, der – das war mein Gefühl – uns zu diesem Zeitpunkt verlassen hatte und wütend war und sich im Stich gelassen fühlte.“ Wer das Interview vor zwei Jahren gelesen hatte, konnte das auch erkennen. So hatte damals schon der englische Telegraph berichtet, dass der Interviewer zuvor explizit den Song „Waking the witch“ erwähnt hatte und darauf verwies, dass der Song laut Kate von der Angst vor mächtigen Frauen handele. Mit Blick auf die Wahlniederlage von Hilary Clinton fragte er dann, ob dieser Angst heute noch stärker sei. Dass Kate nicht schon früher auf die Kritik an dem Interview reagiert habe, erklärt sie so: „Damals habe ich mit engen Freunden über die Idee diskutiert, darauf zu reagieren, und wir waren uns alle einig, dass es am besten ist, es zu lassen.“ Das sieht sie inzwischen anders, weil dieses Zitat immer wieder verwendet wird.
Das Statement im Wortlaut gibt es hier.

Das Bild des Monats: Januar

kate bush
© Sjaak Vullings

Es ist eine kleine Holzstatue, die im Garten von Sjaak steht. „Die Person ist in Trauer und versucht, die Schmerzen zu lindern, indem sie das Herz und den verwundeten Körper vor der verletzenden Umgebung schützt“, erzählt Sjaak zu seinem Bild. Und sie passt für ihn perfekt zu dem Song Lily. „Das Lied und der Text erinnern mich sehr an eine Zeit nach dem Tod meiner Mutter, aber auch an Zeiten, in denen das Leben nicht wirklich einfach für mich war“ und es ihm so ging, wie der Person in diesem Lied, die Lily um Hilfe bittet.
„Lily, oh Lily I don’t feel safe
I feel that life has blown a great big hole
Through me“
„Die meisten Menschen brauchen machmal etwas Unterstützung, egal ob religiöser oder spiritueller Art“, glaubt Sjaak. Die Holzstatue in seinem Garten symbolisiert genau das.

Wer den Beitrag über Sjaak verpasst hat, kann hier mehr über ihn erfahren.

Emotionen in Bildern festgehalten

© Sjaak Vullings

Wenn Sjaak Vullings fotografiert, haben viele seiner Bilder mit Musik zu tun, viele dann auch mit Kate Bush. „In den vergangenen Jahren war ich immer auf verschiedenen Ebenen kreativ: Zeichnen, Malen, Skulpturen erstellen und nicht zuletzt Fotografieren und das Bearbeiten der Fotos. Da ich nicht immer die geduldigste Person bin und meistens auf direktem Wege Ergebnisse erzielen möchte, war Fotografie und der Bearbeitung die beste Möglichkeit, Gefühle, Emotionen und Gedanken auszudrücken. Viele meiner Fotos haben eine Verbindung zur Musik. Es ist also keine Überraschung, dass ich einige Fotos gemacht habe, die von den Liedern von Kate Bush inspiriert wurden“, erzählt Sjaak. Zwölf seiner Bilder werden uns Monat für Monat durch 2019 begleiten.
Sjaak ist 58 Jahre alt, ist in den Niederlanden kurz hinter der deutschen Grenze und in einem kleinen Dorf groß geworden und – mit acht Geschwistern – und lebt heute in Tilburg. „Als Jüngster habe ich immer mitbekommen, was meine älteren Brüder und Schwestern gehört haben. Dementsprechend erinnere ich mich an die populärsten Songs seit ich etwa fünf Jahre alt war. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Freunde mich gerne schon mal als ‚lebende Jukebox‘ bezeichnen“, erzählt Sjaak. Den ersten Plattenspieler gab es mit 15 Jahren. Nach einer Hard Rock-Phase folgte Pop und Prog Rock von Gruppen wie Supertramp, Styx oder Pink Floyd. Und natürlich gab es die Zeiten, wo Sendungen wie Toppop in den Niederlanden oder Musikladen und Rockpalast im deutschen TV nicht verpasst werden durften. Natürlich kann sich Sjaak an den ersten Kate-Moment erinnern. Wie bei so vielen seiner Altersklasse hat sich der Wuthering Heights-Auftritt fest in den Kopf eingebrannt. Sjaak hat sie im niederländischen TV gesehen, ein Auftritt bei Toppop: „In der Minute, als ich sie sah und hörte, wusste ich, dass es ein besonderer Moment war. Ihre Stimme, ihre Ausstrahlung, ihr Tanz – es war neu, es war poetisch und authentisch und hat mir fast den Atem geraubt.“
Natürlich hat sich Sjaak damals „The Kick Inside“ gekauft – und hatte mit 17 keinen blassen Schimmer, worüber Kate gesungen hat. „Aber irgendwie gab mir diese Platte trotzdem einen ‚kick inside‘ und es war damals vor allem ein Statement, weil niemand auch meinem Umfeld diese Musik mochte.“ 17 war auch das Alter, als Sjaak zum Studium umzog und seine erst eigenen Wohnung hatte, in der er endlich die Musik hören konnte, die er hören wollte. ‚Lionheart‘ und ‚Never for Ever‘ begleiteten ihn in der Zeit des Studiums zum Bibliothekar. Und rückblickend beschreibt Sjaak diese Zeit mit sehr passenden Worten: „Wow, that was all I ever looked for.“ Und: „Ihre Musik erschuf eine völlig neue Welt, in die ich perfekt hinein zu passen schien. Beim Hören ihrer Musik fühlte ich mich immer wie in einem Märchen. Ich liebte die von Kate geschaffene Atmosphäre. Es wurde zu einem Weg um zu entspannen und zu meditieren. Und ich liebte es, für einige Momente in diesem von ihr geschaffenen einzigartigen, musikalisch und spirituellem Universum zu leben.“

kate bush
© Sjaak Vullings

Es folgte mit „The Dreaming“ eines der Lieblingsalben von Sjaak: „Ich fühlte mich mit dem Song ‚Leave it open‘ in vielen Phasen meines Lebens immer sehr verbunden. Und auch wenn Jahre später mit ‚Hounds of Love‘ plötzlich alle Kate erneut liebten, wurde Sjaak nicht müde seinen Freunden ‚The Dreaming‘ ans Herz zu legen. „Mit jedem neuen Album von Kate habe ich ihre alten Alben wieder gehört und habe immer mehr verstanden, was sie mit ihren Liedern ausdrücken will“, erzählt Sjaak, für den ein Song eine besondere Bedeutung erhalten hat. „‚Lily half mir, als meine Mutter gestorben ist. Es gab Zeiten, in denen ich mich selbst so fühlte, als ob das Leben ein großes Loch hinterlassen hatte, ich mich ebenfalls mit dem Feuerkreis und den vier Erzengeln beschützen müsste.“ Für die Glücksmomente war damals Kate zuständig. Sjaak hat damals sein Leben verändert. Vom Bibliothekar wechselte er zum Yoga-Lehrer, inzwischen arbeitet er als Finanzverwalter an einem Gericht, vielleicht in etwa vergleichbar mit einem in Deutschland vom Gericht bestellten gesetzlichen Betreuer. Die Musik von Kate hat ihn über all diese Zeit begleitet und mit ‚Aerial‘ kam nach zwölf Jahren Wartezeit sein Lieblingsalbum hinzu. „Ich wäre am liebsten auch aufs Dach gestiegen um hinauszurufen, wie toll dieses Album ist“, erinnert sich Sjaak an das Erscheinen von ‚Aerial‘. „Ich war so glücklich, neue Musik von ihr zu hören, dass es mir eine Gänsehaut bereitete. Seit ‚Aerial‘ kann ich keine Amseln und Tauben mehr hören. ohne nicht gleichzeitig an die Musik von Kate zu denken, und das ist wundervoll.“
Sjaak gehörte 2014 zu den glücklichen Menschen, die eine Karte für die Konzerte in London ergattern konnten. „Das Schöne ist: So oft wie ich die Lieder von Kate gehört habe, sind sie zu einem Teil meines Lebens, meiner Emotionen, Erinnerungen, schöner und auch nicht so schöner Zeiten geworden. In dem Konzert habe ich gespürt, wie all diese Emotionen und Erinnerungen sich zusammenfügten. Und es gab Momente in diesem Konzert, wo ich vor Glück nur noch heulen konnte und mich wie unter Engeln (‚among angels‘) fühlte.“
Genau diese Emotionen versucht Sjaak auch in seinen Bildern einzufangen.

Frohe Weihnachten

Euch allen ein schönes Weihnachtsfest. Feiert schön mit den Meschen, die Euch wichtig sind.
Und danke für die vielen positiven Rückmeldungen zum Blog.
Burkhard

50 Wörter wie Pinselstriche inszeniert


Wer die Kunst des schönen Schreibens, also die Kalligrafie, perfekt beherrschen will, benötigt Zeit. Wurde früher selbst das Abschreiben religiöser Texte als sakraler Vorgang angesehen, hat die Arbeit noch heute einen meditativen Charakter. Es gibt aber auch Gelegenheiten, da muss es schnell gehen und trotzdem perfekt werden. Zum Beispiel wenn Kate Bush anruft und sich für ihren PopUp-Store etwas Besonderes wünscht: den Songtext von 50 Words for Snow, handgeschrieben, als limited edition print. Den hat Denis Brown entworfen, ein Kalligraf, der in Dublin lebt und arbeitet. „Die Kalligrafie ist ein Handwerk, das von Struktur und Disziplin geprägt ist und aus jahrelanger Ausbildung und Übung herrührt. Das Leben und den Atem, den man in der besten Kalligrafie fühlen kann, kommt daher, dass trotz der Disziplin mit großer Freiheit geschrieben wird“, erzählt Denis, den die Kunst des schönen Schreibens schon in seiner Teenagerzeit fasziniert hat. Dabei geht es ihm nicht nur um das Schreiben an sich. Auch Denis wendet die erlernte Handwerkskunst an, er geht aber über das reine Präsentieren eines Textes hinaus. Er schafft es, Buchstaben und Wörter wie Pinselstriche zu inszenieren und zu einem neuen Bild zusammenzufügen.
Natürlich hat Kate nicht selbst bei Denis angerufen. Firebrand, also die Firma, die auch schon das Merchandising für die Before the dawn-Konzerte entwickelt hatte, nahm in Absprache mit Kate den Kontakt zu Denis auf. Zuvor hatten sie sich Arbeiten von ihm angeschaut, insbesondere „The Great Book Of Ireland„, an dem Denis gemeinsam mit anderen Künstlern rund drei Jahre gearbeitet hat. „Natürlich kannte ich die Musik von Kate Bush. Ich hab sie zuerst noch als Schuljunge gehört und ich glaube es gab niemanden von uns, der nicht in sie verliebt gewesen wäre. Ich muss aber auch gestehen, dass ich über die Jahre nicht mehr mit ihrer Entwicklung Schritt gehalten habe. Also musste ich den Song ’50 Words for Snow‘ erst mal recherchieren. Und nebenbei hat es mir viel Spaß gemacht, die großartigen frühen Klassiker wie ‚Babooshka‘ und ‚Wuthering Heights‘ wieder zu entdecken. Sie ist ein bemerkenswertes Talent!“, erzählt Denis. Die Aufgabe war jedenfalls klar: Er sollte einen fine art print aus den 50 Wörtern für Schnee entwerfen. „Für einen Kalligrafen ist das natürlich ein toller Job. Vor allem, weil man die Möglichkeit hat, die Bedeutung der Wörter in die Schrift umzusetzen. „Die beiden ‚S‘ in ‚Swans-a-Melting‘ veranschaulichen Schwäne und ‚Anklebreaker‘ fühlt sich wie gebrochene Knochen an“, sagt Denis. Kleiner Schönheitsfehler bei seinem Vorentwurf: Denis hatte, weil die Arbeit schnell fertig werden sollte, die 50 Wörter einfach nur aufgelistet. Das sah aber eher einer Menükarte ähnlich als dem gewünschten Sonderdruck. „Deshalb wurde ich gebeten, ein Hintergrundbild in Betracht zu ziehen. Das machte den Job viel komplexer“, erinnert sich Denis. In einer früheren Arbeit hatte er schonmal Wörter spiralförmig so angeordnet, dass sie sich zu einem Hurrikan zusammenfügen. Diesen Effekt hat er quasi recycelt und als Hintergrund benutzt. Der Songtext bildet mehrfach als Doppelspirale wie zu einem Scheesturm zusammengesetzt den Hintergrund, digital darauf gesetzt sind dann die handschriftlichen 50 Wörter für Schnee. Denis: „Das hat viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich erwartet hatte und hat zu einigen späten Nächten und frühen Morgenstunden voll Arbeit geführt.“ Der Effekt ist aber äußerst beeindruckend, zumal auch der Songtext trotz der zahlreichen Überlappungen und Unschärfen dennoch an einigen Stellen lesbar ist. „Das wird einigen Fans bestimmt gefallen, Teile zu entziffern“, glaubt er.  Die 50 Wörter für Schnee sind zudem alle handgeschrieben. Denis hat also trotz der knapp bemessenen Zeit nicht auf bereits existierende
Schrifttypen zurückgegriffen. „Viele der Wörter  sind in einer relativ einfachen Kalligraphie geschrieben. Vor allem deshalb, weil eine zu ausdrucksstarke Schrift für alle fünfzig Wörter übertrieben und zu verwirrend gewsen wäre“, erklärt Denis. Also hat er auch einzelne Schriftstile mehrfach verwendet, das das Erscheinungsbild einheitlicher wirkt, durchbrochen von einzelnen, ausdrucksstärkeren Schriften. „Die sind mit schnellen, energischen Stiftstrichen geschrieben, so dass die Energie mit der Tinte auf Papier aufgezeichnet wird.“ Und das Lied selbst? Denis: „Das Lied entwickelt die Legende, dass Inuits tatsächlich 50 Wörter für Schnee haben, spielerisch zu 50 erfundenen englischen Wörtern oder Phrasen weiter. Stephen Frys Narration ist der perfekte Spiegel für Kates Stimme mit ihren Worten der Ermutigung im Refrain, und die sich wiederholenden Loops scheinen zu dem Eindruck einer schneebedeckten Landschaft zu passen, die unendlich weit in die Ferne geht“,  ist Denis von dem Song begeistert. Wie er sich auch über das Lob von Kate über sein Bild freut. „Ich habe gehört, dass sie ihr neues Buch für mich mit einer Widmung versehen hat, und ich habe ihr mein eigenes Buch mit einem kalligrafischen Autogramm und einem kleinen, eingefügtem Originalkunstwerk, zukommen lassen.“
Wer einen der Kunstdrucke ergattern will, muss sich beeilen  sie sind nahezu ausverkauft und im PopUp-Online-Shop kann nur noch bis zum 1. Januar geordert werden.
Denis ist übrigens auch öfter in Deutschland unterwegs. So wird er 2019 (Ende April) und 2020 in der Benediktinerabtei Scheyern (Bayern) Kalligrafie-Kurse geben. Weitere Angebote gibt es im Mai in Hamburg, im August in Münstertal (Schwarzwald) und im Herbst in Magdeburg. Mehr über Denis Brown kann man auf seiner Internetseite erfahren.

Brett vorm Kopf und T-Shirt in der Tüte


Die beste aller Freundinnen hat mir zum Wochenstart ein kleines Bilderrätsel geschickt:
👨🇬🇧 👨👕🇩🇪
Okay, dachte ich mir beim schnellen Blick aufs Handy bei der Arbeit, sie fliegt nach England. Manchmal hat man ja wirklich ein dickes Brett vorm Kopf. Ich weiß nicht, ob es dafür auch ein Emoji gibt, wenn nicht, wird es zumindest in meinem Fall höchste Zeit, so ein Emoji zu erstellen. Person, Flieger, England. Person, Flieger Deutschland. Da hätte es klingeln können, spätestens aber bei Person, T-Shirt, Flieger, England. Denn immerhin war ich es, der die beste aller Freundinnen gefragt hat, ob sie nicht jemanden kenne, der nach London muss. Schließlich arbeitet sie in einer Einrichtung mit knapp 6000 Kollegen und da könnte ja eventuell einer zufällig zum gleichen Zeitpunkt in London sein, wenn in King’s Cross Kates Popup-Shop geöffnet hat.  Die beste aller Freundinnen hat die Stecknadel im Heuhaufen gefunden und der Kollege ist tatsächlich hin, hat Bilder gemacht und das schönste T-Shirt eingepackt. Und das auch noch in der richtigen Größe für einen vollkommen unbekannten Menschen.  Danke. Danke. Danke. 🙏 ❤💋

Show a little devotion: Andreas

Kate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…heute von Andreas:

Mit welchem Kate-Song wachst du am liebsten morgens auf?
Entweder „Prologue“ und/oder „An Architect’s dream“ und zur Abwechslung auch die live-Versionen (ich liebe die „Ding-Dongs…“).

Welche von Kate besungene Figur wärst du gerne?
Peter Reich in Cloudbusting, oder die Person, die das Buch gefunden hat, in dem steht, wie man sich unsichtbar machen kann…

Wie lautet deine liebste Textzeile von Kate?
Puh, wie soll man sich da eintscheiden… „Some say that knowledge is something sat in your lap / Some say that knowledge is something that you never have / Some say that heaven is hell / Some say that hell is heaven“ und „Slooshy sloshy slooshy sloshy / get that dirty shirty clean…“ und „It’s the best mistake, he could make“ und „ Here come the hills of time…“ und und und…

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
Ich bin ein klassischer Morgenmuffel und singe unter der Dusche normalerweise keine Songs von Kate, aber wenn ich einen singen würde, dann wäre es wohl „Running up that hill“, weil ich immer spät dran bin… 🙂

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit ungefähr 16 Jahren habe ich in einer Hobbyballettschule zu Tanzen begonnen. Eines Tages konnte man, wenn man Lust hatte, zu eigener mitgebrachter Musik etwas improvisieren. Ich entschied mich für die Live-Version von „James and the cold gun“. Bei meiner Impro muss ich dann tänzerisch so abgegangen sein, dass einem Teil der Zuschauer danach quasi der Mund offen stehen blieb und ein großes Fragezeichen über ihren Köpfen schwebte. Es gab auch die Vermutung, dass ich mir vorher eine Choreographie überlegt hätte, aber das war nicht der Fall. Ich hatte jedenfalls ziemlich viel Spass dabei und bin Einiges an Energie losgeworden. Als ich 1985 an der Ballettschule der Hamburgischen Staatsoper meine Abschlussprüfung im Fach Komposition (in dem die eigene choreographische Kreativität gefördert wurde) hatte, habe ich mich wieder für einen Song von Kate entschieden: „Hammer Horror“.  Die Choreographie dazu war allerdings zugegebenermaßen seeeehr von Kate’s eigener tänzerischer Umsetzung inspiriert (meine Partnerin habe ich dafür allerdings in Spitzenschuhe gesteckt). Gott sei Dank gab es in der Prüfungskomission niemanden, der das dazugehörige Video kannte, sonst hätte ich wohl Schwierigkeiten bekommen, denn auch ich war als Maskenmann unterwegs, habe zwei Hebungen eingebaut, die mich im Video fasziniert haben und versucht, meiner Partnerin Kate’s Mimik beizubringen, was aber nur halbwegs funktioniert hat. Ich erinnere mich noch, wie ich für sie in einem  Ballettsaal heimlich das Video laufen ließ, um ihr ein Gefühl für den passenden Ausdruck zu vermitteln, immer mit einem panischen Blick zur Tür, durch die ja jederzeit ein Pädagoge hätte kommen können. Die betreuende Lehrerin fand, als wir ihr das Stück einmal vortanzten,  allerdings den Schluss zu hart und so durfte ich meiner Partnerin leider nicht (wie Anthony van Laast bei Kate) an den Hals gehen, sondern musste eine mildere Variante finden.  Die Prüfung ging sehr erfolgreich über die Bühne und einigen Pädagogen stand danach sogar ein Grinsen im Gesicht. Irgendwo habe ich davon sogar noch ein Video.  Zeit, sich das mal wieder anzusehen…

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Ich bin Gott sei Dank schon lange glücklich vergeben – aber fürs Verliebtsein wär’s natürlich „Oh to be in love“! Der Song ist so schön positiv und beschreibt dieses besondere Gefühl, bei dem die Welt und insbesondere das Objekt der Begierde in einem ganz speziellen Licht erstrahlen, ganz einfach und wunderbar.

Welcher Song-Titel beschreibt Dich am besten?
Ich treffe sehr ungern Entscheidungen, deshalb passt „Walk straight down the middle“ wie die Faust aufs Auge.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Da möchte ich mich wirklich nicht festlegen, da sich das ständig ändert. Alle Alben sind sehr eigenständig, haben ein eigenes Flair und sind musikalisch sehr unterschiedlich. Deswegen möchte ich auf keines verzichten und auch keines hervorheben. Am häufigsten wechsle ich zwischen den ersten vier Alben und davon höre ich wohl am meisten TKI und Never for Ever (das ist übrigens mein Lieblings LP-Titel). Von den Live-Aufnahmen liebe ich die „Live on Stage“- EP und die Live-Version von Aerial.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
Die ersten Songs von Kate, die ich bei Schulfreunden, die 1980 oder 1981 gerade „Never For Ever“ auf dem Plattenteller rotieren ließen, gehört habe, waren „The Wedding List“ und „Violin“. Ich habe mich damals dementsprechend lustig über das „Gekreische“ gemacht und konnte gar nicht verstehen, wieso meine Freunde von dieser Sängerin und ihrer Musik so fasziniert waren.  Aber ihr Name ist (Gott sei Dank!) doch hängengeblieben und einige Zeit später lief „Kate Bush in Concert“ im Fernsehen und diese Sendung habe ich mir dann angesehen. Danach war es um mich geschehen und ich war Kate Bush verfallen. „Kate Bush in Concert“ habe ich damals auf Cassette aufgenommen und das Tape rauf- und runter gehört. Am meisten fasziniert hat mich ein Song, in dem sie etwas von „puncture blues…“ sang und ich fand ihn wunderbar geheimnisvoll. Ich konnte nur vermuten, auf welchem Album der Song zu finden war und legte mir als erstes „Lionheart“ zu. Da wurde ich aber nicht fündig und holte mir als Nächstes „The Kick Inside“ und da war dann auch „Strange Phenomena“ mit dem „punctual blues“ drauf (ich hatte natürlich keine Ahnung, worum es in dem Song eigentlich ging…). Mir hat zwar die Live-Version vom Mix und der Instrumentierung her besser gefallen, aber egal –  mein Einstieg in Kate’s musikalisches Universum war gemacht und von da an verging jahrelang kein Tag, an dem ich nicht irgendeinen Song, oder eine Platte von ihr gehört hätte.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Es gibt für mich keine weibliche Stimme, die mich in Klang und Ausdruck so fasziniert und berührt (!), wie die von Kate. Ich höre sie auch unheimlich gerne sprechen. Ihre Stimme ist unverwechselbar. Sie schreibt vielschichtige, intelligente, ehrliche und (meistens) zeitlose Songs, bei denen ich oft noch lange nach dem ersten Hören immer neue Details entdecken kann. Sie ist bis jetzt die einzige Sängerin, die mich zum Weinen bringen kann (und nicht deshalb, weil auf den Remastered Alben, weder „The empty bullring“, noch „Not this time“ zu finden sind !Buhu!, es keine DVDs der Videos und keine „Before the Dawn“ Blue Ray gibt… Unbelievable!). Außerdem ist es natürlich das „Gesamtpaket“ an künstlerisch-musikalischer Intelligenz, die Poesie, Weisheit, der zuweilen aufblitzende Humor, die Rätselhaftigkeit und das Mysteriöse mancher Songtexte und -Themen (was habe ich an Stunden mit Übersetzungsversuchen verbracht – bei manchen Songs hat sich mir die eigentliche Thematik erst nach ausgiebiger Recherche erschlossen…und bei mindestens einem tappe ich bis heute im Dunkeln…), die Theatralik, die Exaltiertheit, die Instrumentierung und teils unerwarteten schrägen Wendungen der Kompositionen,  der körperlich-mimische Ausdruck und die tänzerische Umsetzung ihrer Songs in der Vergangenheit, die mich begeistern. Das Video zu RUTH finde ich nach wie vor ein fantastisches Modern Dance-Statement und bewundernswert, dass sie die Choreographie so überzeugend abgeliefert hat, denn sie ist ja nie eine professionelle Tänzerin gewesen. Kate Bush hat ein eigenes künstlerisch-musikalisches Universum kreiert, das mein Leben unglaublich bereichert und inspiriert. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.

Was würdest Du Dir für das nächse Album von Kate wünschen?
Ich wünsche mir „nur“, dass sie noch mindestens drei Alben rausbringt und ihrer Experimentierfreude, den Klangexperimenten und dem Vorsatz, dass kein Album wie das Vorherige klingen soll, treu bleibt. Schön wäre, wenn sie wieder mehr crazy Backing Vocals einbauen würde als bei 50WfS…

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
Among Angels und/oder Blow Away.

85 Songs und ein Autogramm


Es wird einen Ehrenplatz bekommen: Das von Kate handsignierte Buch How to be invisible, das als Sonderedition in einer Auflage von 500 Stück erschienen ist, und das ich nur mit richtig viel Glück ergattert habe, ist endlich eingetroffen. Nummer 27 von 500. Dazu gibt es einen etwa 20 mal 27 Zentimeter großen Druck in goldener Schrift mit dem „Songtext“ von Aerial Tal, ebenfalls nummeriert. Das Buch im roten Schuber  trägt den Titel zudem noch in Braille-Schrift. Die Texte von 85 Songs sind in dem Buch versammelt, darunter beispielsweise auch die von Tawny Moon und Lyra. Bemerkenswert ist, dass Kate speziell bei A Sky Of Honey die Version der Songtexte präsentiert, wie sie bei den Konzerten 2014 gesungen wurden – also beispielsweise die „Ding-Dong“-Version von Prologue. Bei The Ninth Wave hat sie sich hingegen ans Original gehalten. So sehr sogar, dass bei Hello Earth die (nicht von ihr gesprochene) Textzeile „tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe, gibt es ein Licht“ nicht erwähnt wird. Und es gibt noch den interessanten Hinweis, dass Kate auf die Songtexte ohne den Kontext der Musik zurückgeschaut hat und sie deshalb an einigen Stellen ausführlicher sein können, als sie ursprünglich auf den Alben erschienen sind. Mit der schönste Grund, dieses Buch ausführlicher zu betrachten.

Der PopUp-Shop geht online


Der auf fünf Tage beschränkte PopUp-Shop in London zugunsten der Obdachlosenhilfe geht online!  Auf Kates Webseite heißt es dazu: „We have had an overwhelming response to the pop-up shop. Thank you so much for all your incredible support. It’s been an exciting experience!  We’ve had a great number of people asking for the opportunity to buy the items from an on-line shop, so we have been working on this and we are delighted to announce that the on-line shop will be open here on Monday, 10th December at 12.30pm (GMT). “ Bestellen muss man bis zum 1. Januar. Alle Gewinne werden der Obachloseninitiative „Crisis“ zugute kommen.
In early January, we will be announcing the amount you have kindly donated to Crisis by taking part in this pop-up event. You have been so extremely generous and have helped to make it a happier time for homeless people this Christmas. Many, many thanks again and wishing you all a wonderful Christmas and a very Happy New Year ahead.
Kate