How to be invisible: Lyrics

Das Gerücht scheint sich zu bestätigen: Unter dem Titel „How to be invisible“ soll ein Buch von Kate Bush erscheinen – potenziell mit Songtexten. Das Buch wird bereits bei mehreren Anbietern samt ISBN-Nummer gelistet und ist für rund 20 Euro vorbestellbar. Als Erscheinungsdatum wird der 8. Januar 2019 angegeben. Das Buch wird vom Londoner Verlag Faber & Faber veröffentlicht. Auf deren Webseite fehlt aktuell aber noch eine entsprechende Ankündigung.

Das Song-ABC: Snowflake

Es ist Nacht im Winter, man steht auf der Straße, die Schneeflocken fallen rings um einen herab, still und sanft, nur angestrahlt vom Licht der Straßenlaternen. Es erscheint so, als ob sie zu einem kommen. Wahrscheinlich hat jeder dann schon einmal die Arme ausgebreitet und den Kopf gehoben, in die fallenden Flocken geschaut. Für mich ist es eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen. Ich spürte die Macht der Stille und der Natur.
Was wäre, wenn man mit einer dieser Flocken reden könnte? Was wäre, wenn eine dieser Flocken wirklich auf dem Weg zu einem wäre? Genau darum geht es in „Snowflake“ und vielleicht hatte Kate Bush ähnliche Gefühle und Fragen in einem Schneetreiben wie ich.
„Snowflake“ ist ein ganz ruhig gehaltenes Lied, es ist fast eine Meditation, ein Zwiegespräch, ganz intim und persönlich. Es „fallen weiche Pianoschläge wie Eiskristalle von Himmel, im Hintergrund suggeriert ein leiser Klangteppich die der Jahreszeit angemessene Kälte“ [1]. „Neben Bushs unaufgeregtem Sprechgesang ist ihr 13-jähriger Sohn zu hören, der mit gespenstisch-schönem Knabengesang den Weg der Schneeflocke zur Erde besingt“ [1]. Der Song ist in Abschnitte geteilt, die durch unterschiedliche musikalische Motive und Melodien gekennzeichnet sind. Diese Motive sind sehr kurz, es sind eher Farbakzente. Es gibt aber eine übergeordnete Einheit durch einheitliches Tempo und Grundstimmung, in die sich diese Motive einbetten.
In der Einleitung ertönt ein Klaviermotiv, das der Melodie aus „Night scented stock“ vom Album „Never for ever“ sehr ähnlich ist. Das hat mich ziemlich verblüfft, als es mir aufgefallen ist. Diese beiden Stücke haben auf den ersten (und auch zweiten) Blick nichts miteinander zu tun. Meine Vermutung ist, dass die Beschwörung einer geheimnisvollen Nachtstimmung das verbindende Element ist.
Nach der Einleitung beginnt es mit der Schneeflocke, die etwas über ihren Ursprung erzählt („I was born …“). Dazu ertönt ein kleines Motiv als Begleitung, das wie eine Fanfare anmutet, ein „schaut her, ich bin da“. Die Schneeflocke schildert dann in einer Art Sprechgesang, was sie auf ihrem Flug sieht. Zu diesen Schilderungen ertönt im Klavier ein hin und her schwingendes Motiv, das mit einer aufsteigenden Tonkette beginnt. Es klingt tänzerisch, schwebend. Dazu erklingen im Hintergrund ganz leise andere Instrumente, die das Klavier und die Stimme wie mit einem Schimmer umgeben. Dieser Schimmer ist dunkel, eher geheimnisvoll, ohne klare Tonalität oder Melodie. Ist es das Geheimnis der Winternacht? Sind es die Klänge einer fernen Welt, die durch den Schnee gedämpft wird?
Unterbrochen wird der Gesang der Schneeflocke durch wiederholte Anrufungen durch die Protagonistin („The world is so loud ….“). Sie sind gekennzeichnet durch ein weiteres Klaviermotiv. Es ist verwandt mit dem Begleitmotiv des Sprechgesang, da es mit einer ähnlichen aufsteigenden Tonkette beginnt (Sängerin und Schneeflocke sind seelenverwandt). Es klingt wie eine Antwort auf das Sprechgesang-Begleitmotiv, es ist ruhig, besänftigend. Die Stimme dazu ist wie ein Ruf in die Dunkelheit, verlässlich und sanft, ein stimmlicher Leuchtturm für die fallende Schneeflocke. Ab und zu mischen sich leise Gitarrentöne hinein und geben eine andere Färbung.
Ich frage mich, ob die Protagonistin die Schneeflocke wirklich hören kann. Ist ihr bewusst, dass die Schneeflocke mit ihr redet und auf dem Weg zu ihr ist? Neunmal wird der Ruf wiederholt, es ist (fast) immer der gleiche Text, er geht nicht auf die Schneeflocke ein. Zudem beginnt er mit „The world is so loud“ – übertönt die Welt die leisen Töne der Schneeflocke? Ich glaube, die Protagonistin ahnt die Anwesenheit, wünscht sie sich herbei – aber mehr nicht.
Die Schilderungen der Schneeflocke über ihren Weg vom Himmel herab werden durch Passagen unterbrochen, in denen sie ihr „Wesen“ erklärt, in aufsteigenden Tonsprüngen, immer höher und höher („I am ice …“). Dazu ertönt ein neues Motiv im Klavier, eine schwingende Tonfolge, schwer zu beschreiben, wie knisternder Schnee, wie fallendes Wasser. Die Melodie der Gesangsstimme wirkt dagegen wie ein Statement, eine Wesensäußerung. Die Flocke ist Eis und Staub, sie ist aber auch Licht und Himmel. Realität und Überirdisches kommen zusammen. Die Stimme springt jeweils zu diesen Worten in höchste Höhen, kennzeichnet die Schneeflocke als ein unwirkliches, vom Himmel kommendes Wesen.
In einigen Passagen verlässt die Schneeflocke den schildernden Sprechgesang und gibt mit einer weit schwingenden Melodie Einblick in ihr Inneres („My broken hearts ….“). Ihr Fühlen wird sichtbar. Dazu ertönt kurz zu Beginn ein weiteres Klaviermotiv, das ein bisschen aufgeregt klingt. Der Text ist hier mystisch, geheimnisvoll – so wie es vielleicht auch die Natur selbst ist.
Der „Ruf“ der Protagonistin ertönt neunmal und wird unterbrochen von den Schilderungen der Annäherung der Schneeflocke, die immer kürzer werden. In der ersten Schilderung der Schneeflocke heisst es „I want you to catch me“, in der letzten dann „Be ready to catch me“. Die in der Wolke geborene Schneeflocke hat sich den Menschen ausgesucht, der sie auffangen soll. Die Natur hat ein Ziel, die Schneeflocke als Verkörperung der Natur beginnt die Kommunikation. „Im Film würde man sagen, jetzt folgt Shot auf Gegenshot, Ich-Kamera der Schneeflocke vs. Ich-Kamera des Erdenbewohners […]“ [2]. Die beiden Protagonisten kommen sich immer näher, „was im Text dadurch signalisiert wird, dass der Refrain in immer kürzeren Abständen wiederkehrt – ein Ausdruck für steigende Erwartung, „keep falling“, komm schon, komm her, diese Welt ist zu laut, rette mich“ [2].
Ganz zum Schluss sind dann nur noch die dunklen, unbestimmten Töne der Nacht aus dem Hintergrund da. Kein Klavier mehr, der Song kommt zur Ruhe, die Schneeflocke ist gelandet. All das ist eine ruhige Meditation, über neun Minuten lang. Der Song ist komplexer, als er dem Zuhörer erscheint. Verschiedene einfache Motive kennzeichnen die Situationen des Songs. Darüber liegen Sprechgesang und sich einfügende, knappe Melodien. Alles für sich einfach, aber in der Kombination dann doch komplex, eingebettet in einen geheimnisvollen, träumerischen Schimmer.
„Snowflake“ thematisiert die Kommunikation zwischen Mensch und magischer Natur. Diese magische Natur tritt mit dem Menschen über mythische Wesen in Verbindung, das ist eines der Hauptthemen des Albums „50 words for snow“. Kate Bush war von dieser in einem Interview aufgebrachten Idee sehr angetan. „I like that, that’s lovely, yeah […] Someone else observed that a lot of the creatures are mythical, for want of another word, fantastical creatures – even a snowflake, if you think of it as a living thing.“ [3].
Dieser mystische Kontext in „Snowflake“ hat auch einen religiös-mystischen Subtext, das legt eine Textzeile nahe, die die Schneeflocke singt: „It’s midnight at Christmas“. Was hier von Himmel fällt an einem Weihnachtsabend, das ist vielleicht ein Engel, vielleicht ein Gottesgeschenk. Die Schneeflocke (gesungen vom Sohn von Kate Bush) kommt herab zur Protagonistin (Kate Bush) so wie in der Weihnachtsgeschichte der Sohn Gottes zu Maria.
Ich möchte das nicht überstrapazieren, aber mir fiel eine Ähnlichkeit des „I am ice and dust and light. I am sky and here“ mit dem „Vater unser“ auf: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Die Schneeflocke kommt aus dem Himmel, das „Vater unser“ beginnt mit „Vater unser der du bist im Himmel“. Für mich antwortet die aus dem Himmel kommende Schneeflocke auf dieses Gebet und offenbart ihre Göttlichkeit. Damit schließt sich der Bogen. Eine Winternacht im Treiben der Schneeflocken ist erfüllt von der Begegnung mit der mystischen, göttlichen Natur. Wenn man die laute Welt ausblendet, dann kann man hören, wie die Natur zu einem spricht. Sie spricht zu uns selbst in der kleinsten Schneeflocke. Wir sind ein Teil davon, wir sind eins. © Achim/aHAJ

[1] Martin Leute: „Exzentrisch, irritierend, schön: Kate Bush singt über den Schnee“. https://www.laut.de/Kate-Bush/Alben/50-Words-For-Snow-71922  (gelesen 18.07.2018)
[2] Tina Manske: Was sagt eigentlich die Uhr. http://morningfog.de/?p=109. (gelesen 14.07.2018)
[3] Andy Gill: „Kate Bush: The ice queen of pop returns“. The Independent. 18.11.2011

Zum Tod von Lindsay Kemp

Fotos: Guido Harari

Der englische Tänzer, Choreograph, Schauspieler und Regisseur Lindsay Kemp ist tot. Kemp starb im Alter von 80 Jahren in Livorno. Kate hatte ab 1976 Tanzunterricht bei Kemp genommen. Später dann auch, um sich auf ihre Tour of Life-Konzerte vorzubereiten.  Zudem hatte sie den ersten Song Moving ihres Debüt-Albums The Kick Inside Kemp gewidmet:

Moving liquid, yes, you are just as water
You flow around all that comes in your way
Don’t think it over, it always takes you over
And sets your spirit dancing
How I’m moved, how you move me
With your beauty’s potency
You give me life, please don’t let me go…
you crush the lily in my soul

Beim Song Flowers von Zaine Griff, der ebenfalls Kemp gewidmet war, hat Kate zudem die Backing Vocals eingesunden. Wie sehr Kemp Kates Tanzstil beeinflusst hat, wurde 1994 erneut deutlich, als er in ihrem Film The Line, The Cross & The Curve mitwirkte. Bereits ab 1966 hatte Kemp auch eng mit David Bowie zusammengearbeitet, mit dem er zeitweise auch liiert war. Gemeinsam entwickelten sie die Figur Ziggy Sturdast.
Kemp lebte seit Jahren in Italien, hatte zuletzt unter anderem für das Buch von Guido Harari The Kate Inside, in dem viele Bilder aus der Zeit von  The Line, The Cross & The Curve erstmals veröffentlicht wurden, das Vorwort geschrieben. In England war Lindsay Kemp zuletzt im Juni öffentlich aufgetreten – gemeinsam mit Tim Arnold in Manchester präsentierten sie das Stück „What Love Would Want„, eine MIschung aus Tanz, Film und Music. Zur gelungenen Premiere hatte Kate einen Blumenstrauß an Kemp geschickt.
ZUm Tod von Lindsay Kemp wird Kate von der BBC mit folgenden Worten zitiert:

„To call him a mime artist is like calling Mozart a pianist. He was very brave, very funny and above all, astonishingly inspirational. There was no-one quite like Lindsay. I was incredibly lucky to study with him, work with him and spend time with him. I loved him very much and will miss him dearly. Thank you, dear Lindsay.“

Vor 40 Jahren: Aufnahmen zu Lionheart in Nizza

Mit einem entzückenden Tweet haben die Macher der Seite zum früheren Super Bear Studio in Berre les Alpes in der Nähe von Nizza an Kate Bush erinnert. Kate hatte ihr Album „Lionheart“ zwischen Juli und September 1978 an der Cote d’Azur eingespielt. Das Studio, gegründet von Damon Metrebian, hatte am 1. November 1977 seine Türen geöffnet und galt zu seiner Zeit als eines der modernsten, privat betriebenen Tonstudios. Auch wenn es nur bis zum Sommer 1986 in Betrieb war, spielten hier immerhin so bekannte Gruppen und Musiker wie Pink Floyd, Queen, Elton John, Paul McCartney, Van Morrison, Ringo Starr und The Police ihre Alben ein. In dem jetzt veröffentlichten Tweet heißt es unter anderem: „Kate is (and remains to this day) one of the most authentic and beautiful souls I ever had the privilege to meet.“ Garniert wird der Beitrag mit dem Plattencover von Lionheart, Bildern von Kate, aber vor allem einem von Kate handgeschriebenen Beitrag im Gästebuch des Studios. „What can I say? It’s become like a home + we’re really going to miss you all + the dogs + Harry too. Thank you, thank you for all your love, kindness, sunshine + all the eggs. Your vibes + smiles are all over the album, so we’re all in it together. Here’s to all you Lionhearts. God Bless! Lot’s of love Kate Bush xxx“, hat Kate zum Abschied geschrieben und den Eintrag noch mit einem gezeichneten Löwen versehen. Heute wird das frühere Plattenstudio übrigens als guest house genutzt…

Wurde Wuthering Heights in Köln gedreht?

Seit vielen Jahren sind Kate-Fans in England auf der Suche nach dem genauen Ort, an dem die Red-Dress-Version von Wuthering Heights gefilmt wurde. Für viele galt dabei immer Box Hill in Surrey, etwa 50 Kilometer von Kates Elternhaus East Wickham Farm entfernt, als Drehort. Bisher wurde allerdings nie in Frage gestellt, dass die Aufnahmen irgendwo in England stattgefunden haben. Im englischen Forum schreibt jetzt der User „Southerly Wind“, dass er Del Palmer auf der Birmingham Convention 2015 nach dem Drehort gefragt habe, und Del sich zwar nicht mehr genau erinnern konnte, es aber definitiv nicht in England, sondern auf dem Kontinent gewesen wäre, in Deutschland oder Holland. Für Deutschland als Drehort spricht der Umstand, dass es sich bei dem roten Kleid im Video um das Kleid handelt, das Kate bei ihrem ersten TV-Auftritt in „Bio’s Bahnhof“ am 9. Februar 1978 getragen hat. Das Kleid hatte sie damals auf Rechnung des WDR im Kölner Modegeschäft „Boutique 69“ erstanden. Im Interview mit dem „Rolling Stone“ im Dezember 2011 hat Alfred Biolek erzählt, dass Kate schon zwei Tage vor der Sendung mitsamt ihrer Band nach Köln kam. „Sie und ihr Manager waren sogar bei mir zu Hause, ich habe für sie gekocht“, berichtete Biolek damals. Überliefert ist auch, dass Kate etwas vom Kölner Karneval mitbekommen haben soll. Zeit für einen Video-Dreh im Umfeld von Köln oder Frechen hätte es also gegeben.

Update: Nicholas Abson, Produzent des damaligen VIdeos, hat einem Mitglied des englischen Forums auf die Frage, wo das Video aufgenommen wurde, geantwortet: „It was the artillery range at Salisbury Plain. We couldn’t do better as we only had the morning due to filming „It Ain’t Stiff it Ain’t Worth a F***.“ Und der Dreh soll Ende 1977 erfolgt sein. Das verwundert ein bisschen, weil es unwahrscheinlich ist, dass Kate das rote Kleid zu diesem Zeitpunkt bereits besessen hat; denn dann müsste sie im Kölner Shop ein anderes KLeid erworben haben, was sie dann in der Show aber nicht getragen hat.

Unicorn: Alte Demos von 1973

Am 5. Oktober erscheint mit „Laughing Up Your Sleeve“ eine ungewöhnliche Platte: 45 Jahre nach den Aufnahmen werden 20 bisher unveröffentlichte Demosongs der Gruppe Unicorn auf CD und LP erscheinen. Die originalen Multitrack-Mastertapes wurden restauriert und neu abgemischt. Der Sound soll hervorragend sein. Die Originalaufnahmen fanden zwischen 1973 und 1974 im Studio von David Gilmour statt. Gilmour hatte Mitte der 70er Jahre gleich mehrere Albem von Unicorn produziert. Wo die Demoaufnahmen 45 Jahre später aufgetaucht sind, bleibt noch unklar. Die Geschichte soll aber im Booklet zur CD erzählt werden. Spannend könnte das auch deswegen sein, weil zur gleichen Zeit (1973) im gleichen Studio von David Gilmour Probeaufnahmen mit Kate stattgefunden haben. Rund zehn bis 20 Songs sollen damals eingespielt worden sein – mit David Gilmour an der Gitarre, Peter Perrier an den Drums und Pat Martin am Bass. Perrier und Martin sind zwei der vier Bandmitglieder von Unicorn. Mit diesen Songs ist Gilmour dann zu EMI marschiert und Kate hat ihren Plattenvertrag erhalten. Unter anderem wurden damals die Songs „Passing Through Air“ und „Maybe“ eingespielt, vermutlich auch Demos zu Songs, die später auf „The Kick Inside“ landeten.

Ein Dankeschön und ein neues Gerücht

Kate hat sich auf ihrer Webseite für die zahlreichen Glückwünsche zu ihrem 60. Geburtstag am 30. Juli mit einer kurzen Nachricht bedankt.
Thank you very much for all the lovely messages sent for my birthday. It meant such a lot to receive your kind wishes. Hope you are enjoying the glorious summer.
Best wishes,
Kate
Wie üblich gibt es bei der Gelegenheit keine Hinweise auf kommende Veröffentlichungen, so dass man nur spekulieren kann. Aktuell gibt es das Gerücht, wonach Kate an einem Buchprojekt arbeiten soll. Eine Veröffentlichung soll angeblich für Herbst/Weihnachten anvisiert sein – behauptet zumindest ein Fan im englischen Forum, der Einblick in die kommenden Buchveröffentlichungen haben will.

Rub-a-dub-a-dub-a-dub

Laaaaang hat es gedauert (ein paar Jahre) aber jetzt ist sie endlich gekommen! Die italienische 12″ Version von „Rubberband Girl“ auf schwarzem Vinyl! Warum sie ausgerechnet als Black Vinyl in Italien erschienen ist, bleibt mal wieder ein Rätsel im großen Kate-Universum. Auf dem Bild sind jetzt alle bekannten „Rubberband Girl“-Vinyl-Versionen zu sehen, die bis heute erschienen sind:
1. 12″ Picture Disc – UK.  / 2. 12″ Black Vinyl – Italien.  / 3. 7″ Version – UK.  / 4. 7″ Promo Version – Phillipinen. / 5. 7″ Version – Juke Box Promo – UK.    Happy Hunting!
Michael Guth

Kate auf Porzellan

Foto: Brocket Gallery

Das Vorbild: die von Vanessa Bell entworfene Porzellan-Serie mit Porträts berühmter Frauen

Der britische Künstler Benedict Hughes hat eine Serie handbemalter Porzellanteller geschaffen, mit denen er berühmte Vegetarier ehrt – ein Teller dieser Serie ist Kate Bush gewidmet. Ebenfalls porträtiert wurden Prince und Morrissey, die Philosophen Plato, Konfuzius und Nietzsche, aber auch bekennende Vegetarier wie Brigitte Bardot oder Vivienne Westwood. 50 Porträts hat der Künstler insgesamt gefertigt, die Teller sind 27 Zentimeter groß und werden zum Stückpreis von 250 Pfund (etwa 280 Euro) verkauft. Für die Porzellanserie, die in einer Londoner Galerie ausgestellt worden ist, gibt es ein berühmtes Vorbild: das Women Dinner Service von Vanessa Bell, der älteren Schwester der Schriftstellerin Virginia Woolf. Sie hatte Anfang der 1930er Jahre ein Porzellanservice mit Porträts historisch bedeutender Frauen entworfen, das im Frühjahr erstmals in einer Londoner Galerie ausgestellt worden war und für Hughes als Anregung diente.

Katemas: „Ein Stück Poesie im Herzen“

Von Beate Meiswinkel

Am 30. Juli 1958 wurdest Du geboren; Du feierst also dieses Jahr einen großen runden Geburtstag. Ich gratuliere Dir in diesem kleinen offenen Brief ganz herzlich, und ich hoffe, Du verbringst diesen Tag im Kreis Deiner Familie und Freunde und ganz so, wie Du es am liebsten magst.
Seit meinen Teenager-Tagen begleiten mich Deine Musik, Deine Texte – Deine Poesie – und die künstlerische Umsetzung derselben im Foto, im Video, in Mimik, Tanz, in großartigen Kostümen und auf der Bühne.
Genau wie Du bin ich vom Mädchen zur Frau herangewachsen, und während die Jahre ach so schnell vergingen, war Dein künstlerisches Schaffen stets etwas, das mich begleitet hat. Durch Schule und Ausbildung, hinein ins Berufs- und schließlich ins eigene Familienleben war Deine Stimme immer an meiner Seite. Der Alltag hat mich oft aufgefressen, die Pflichterfüllung, die Arbeit, das Erfordernis, meinen Lebensunterhalt zu verdienen…
Dunkle und helle Stunden wechselten einander ab, wurden zu Tagen, Monaten, Jahren. Rückblickend sehe ich Dich immer irgendwo in meinem Leben. Als Poster an der Wand, als Melodie in meinem Ohr, als ein Stück Poesie in meinem Herzen. Du bist eine, die etwas Wahrhaftiges zum Ausdruck bringt inmitten all des seichten Dahinplätschern des Lebens, das so voll scheint von leichthin Dahergesagtem, von Blitzlichtaufnahmen einzelner Erinnerungen, von Begegnungen, Erfahrungen, erblühenden und vergehenden Lieben, heranwachsenden Kindern: von gelebtem Leben.
Immer war und ist Dein Werk wie ein kleines Fenster in ein alternatives Universum für mich, das einen verheißungsvollen Blick gestattet in ein Erleben und Erfahren, das tiefer geht, irgendwie bunter ist und von echter Bedeutung. Manchmal habe ich mich Durch dieses Fenster hineinzwängen können in Deine Welt, um von den Blüten und Früchten zu kosten, die Du dort wachsen lässt. So manches habe ich mit in mein eigenes Leben hinüber genommen, so dass es auch etwas bunter und reicher werden konnte. Auch ein paar Samen, die Du mir in meine ausgestreckten Hände legtest, habe ich mitgenommen. Ich habe sie angepflanzt und sie sind aufgegangen, sind erblüht und haben Wurzeln geschlagen.
Dank Deines Mutes, als Künstlerin stets eigene Wege zu gehen, Dich nicht anzupassen, Dich niemals zu verbiegen oder unterkriegen zu lassen, hast Du mir Mut gegeben, ich selbst zu sein. Als ich jünger war, wäre ich lieber wie Du gewesen. Doch als ich Dir weiter, besser zugehört und zugeschaut habe, habe ich begriffen, dass Du Dir für mich, für uns, die wir Deine Musik so sehr lieben, etwas ganz anderes gewünscht hast. Du wolltest immer dazu ermutigen, authentisch zu sein, statt einem bestimmten Idol nachzueifern – auch nicht Dir. Du bist nicht in die Öffentlichkeit getreten, damit andere so werden wie Du, sondern damit Menschen ihre eigene Stimme und ihren eigenen Ausdruck finden können, so wie es ihrem ureigenen Wesen entspricht.
Zu Deinem Geburtstag möchte ich Dir dafür Danke sagen, in meiner eigenen Sprache, mit meinen eigenen Worten. Danke, dass Du mich inspirierst. Danke, dass Du Deine Frau in dieser Welt stehst und stets so handelst, wie Du es für richtig hältst. Danke, dass Du Stärke und Kraft, Eigensinn und Originalität, Wahrhaftigkeit und echte Kreativität lebst und uns dazu ermutigst, unseren eigenen Ausdruck zu finden.

Happy Birthday, Kate Bush mit dem Herzen einer Löwin.

Alles Liebe und Gute für Dich!

Das Song-ABC: Kite

Das ist ein Lied für den Sommer, so leicht, fröhlich und unbeschwert im „sanften Reggae-Rhythmus“ [1] kommt es daher. Die Stimme tänzelt und jubiliert über den Bassfundamenten und schwingt sich zu fast ekstatischen Höhen empor, wenn der Drache „over the moon“ hinausschießt. Dies ist der erste Eindruck beim Hören und auch den Biographen fällt nicht viel mehr dazu ein. Jovanovic [2] stellt immerhin fest, das die Strophen „tatsächlich gewisses Reggae-Feeling“ haben, dass aber der Refrain „wieder in klassisches Rockterrain“ führt.
Worum geht es in diesem Song? Ist es ein leichtgewichtiger Sommer-Sonne-Liebe-Text, den man schnell beiseite legen kann? Es ist das Gegenteil, die fröhliche Stimme erzählt eine fast schon unheimliche Geschichte. Die Protagonistin fühlt sich gefangen in ihrem Leben („My feet are heavy and I’m rooted in my wellios / And I want to get away and go“). Da tritt sie in Kontakt mit einer überirdischen Macht („There’s a hole in the sky / With a big eyeball / Calling me“), die ihr anbietet, sie aus ihrem Leben herauszuholen und in einen zweidimensionalen Papierdrachen zu verwandeln („Come up and be a kite“). Sie wird verwandelt, es ist faszinierend und fremdartig „over the moon“, doch sie sehnt sich zurück nach ihrer alten Existenz. Aber sie findet den Weg nicht mehr („Well, I’m not sure if I want to be up here, at all. / And I’d like to be back on the ground / But I don’t know how to get down, down, down!“). Fast den ganzen Song über kann man diesen Wunsch nach der Rückkehr hören, im Hintergrund taucht an verschiedenen Stellen leise ein „I wanna be home“ bzw. „I’d like to be down“ auf, eine zweite Stimme hinter der Erzählung selbst.
Kate Bush bestätigt in einem Interview, dass es genau um diesen Zwiespalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit geht: „In the song the character starts to feel that he is rooted to the ground, but there is a force pulling him up to the sky. A voice calls out, ‚Come up and be a kite,‘ and he is drawn up to the sky and takes the form and texture of a kite. Suddenly he’s flying ‚like a feather on the wind,‘ and for a while he enjoys it, but the longing for home and the security of the ground overtake these feelings.“ [4]
Graeme Thomson mutmaßt, der Song spiegele die psychische Befreiung und die psychische Wandlung wider, die Kate Bush beim Tanzen erfahren hat [1]. Mit dieser Deutung kann ich mich nicht anfreunden – warum dann der Wunsch, wieder zurückverwandelt zu werden? Vielleicht geht es eher um die Verwandlung einer privaten Person in eine Person der Öffentlichkeit, die – einmal vollzogen – kaum noch umkehrbar ist. Die Plattenaufnahmen bedeuteten einen Schritt aus dem Privaten heraus, es ging los mit der Musik, es begann eine neue Zeit – das war verlockend, aber wohl auch ein bisschen erschreckend. Kate Bush wusste nicht, wie sich das entwickeln wird.
Kate Bush bezeichnete „Kite“ als ihren „Bob-Marley-Song“ [2], gab aber zu, dass er nicht leicht als ein solcher zu erkennen war “It was sparked off when I sat down to try and write a Pink Floyd song, something spacey; though I’m not surprised no-one has picked that up, it’s not really recognisable as that–in the same way that people haven’t noticed that Kite is a Bob Marley song, and Don’t Push Your Foot on the Heartbrake is a Patti Smith song.“ [3] Kate Bush spielt mit Elementen des Reggae und dies bestätigt ein Blick auf die Noten [6]. Der Song ist hauptsächlich im 4/4-Takt gehalten, es gibt aber Einschübe von 2/4-Takten an den Enden der Strophen und längere Passagen im 3/4-Takt. Diese 3/4-Passagen finden sich hauptsächlich in den Chorus-Abschnitten (z.B. ab „ooh what a diamond“). Der 3/4-Takt findet sich auch in der Coda, die dann aber im 4/4-Takt endet. Diese rhythmischen Abweichungen sind für einen Reggae nicht typisch, der normalerweise im 4/4-Takt steht und seine Spannung nicht aus metrischen Wechseln bezieht [7].
Weiter kennzeichnend für den Reggae ist eine Verschiebung der Taktschwerpunkte, die dieses ganz spezielle Reggae-Feeling erzeugen. „Beim ursprünglichen Reggae-Schlagzeug fällt auf, dass die Zählzeit 1 nicht betont wird. Der typische Reggae-Grundschlag hat den Betonungsschwerpunkt auf der Zählzeit 3 und wird meist von Bass- und Snare-Drum ausgeführt: Das Hi-Hat betont in der Regel die Afterbeats auf den Zählzeiten 2 und 4, die von Gitarre und/oder Keyboard gespielt werden.“ [7]. Diese den Song zum Tanzen bringenden Verschiebungen sind vielleicht das Kennzeichen, das auf „Kite“ am meisten zutrifft. Die Band hatte freie Hand, über den feststehenden Akkorden und unter der Melodie zu improvisieren [2] und hat vielleicht diese Reggae-Effekte herausgearbeitet.  Der Song steht hauptsächlich in B-Dur. Es gibt fast nur Dur-Akkorde im Song, nur ganz selten erscheinen Moll-Akkorde [6]. Dies sorgt für den fröhlichen Eindruck, die der Song vermittelt. Auch das ist für Reggae nicht typisch. „Im harmonischen Bereich unterscheidet sich der Reggae von anderen Arten der bluesbezogenen populären Musik, wie auch von seinem Vorläufer, dem Ska, durch die häufige Verwendung von Moll-Akkorden.“ [7]
Es gibt kürzere Ausweichungen nach C-Dur mit der Akkordfolge C-Dur/G-Dur/F-Dur/G-Dur [6]. Dies taucht immer dann auf, wenn es um den Kontakt mit der übernatürlichen Macht geht bzw. um die Konsequenzen der Verwandlung („My feet are heavy …. And I want to get away and go“, „And then I find it out …. There‘s a hole in the sky“, „l‘m 2.D. after a push …. I love the homeland“, „Well I‘m not sure … And I‘d like to be back“). Diese beiden Haupttonarten spiegeln dabei sehr fein den Konflikt der Protagonistin zwischen Verlockung (B-Dur: noch nicht das Licht selbst, aber die Ahnung des Lichts, die Hoffnung des Lichts, der Glaube an das Licht [8]) und nüchterner Betrachtung (C-Dur: der Durchbruch des Lichts, die Tonart des klaren Lichts [8]) wieder.
Insgesamt werden im Song eine Vielzahl von Akkorden verwendet. Auch dies ist für einen Reggae nicht typisch, da sich viele Reggae-Songs auf die Verwendung von zwei Akkorden beschränken [7]. Die Verwendung der zweiten mit dem C-Dur-Akkord beginnende Akkordfolge neben dem B-Dur findet sich aber vage im Reggae-Schema wieder. „Dem melodischen Prinzip, größere Intervalle zu vermeiden, entspricht die Tendenz, Akkorde zu gebrauchen, deren Grundtöne nur einen Ganzton auseinanderliegen.“ Größere Intervalle werden allerdings im Song nicht vermieden. „Kite“ ist also kein reinrassiger Reggae. Das Reggae-Gefühl wird hauptsächlich durch die Akzentverschiebungen ausgelöst. Kate Bush spielt mit Elementen des Reggae, deutet sie an, schmilzt sie in die Struktur ein, integriert die Elemente in ihr musikalisches Universum. Das „Kite“ mit seinem Zwiespalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit für Kate Bush ein wichtiger Song ist, ist auch daran zu erkennen, dass es die Thematik auf das Cover des Albums geschafft hat. Die Protagonistin hängt an einem bunten Papierdrachen, im Hintergrund ist eine Andeutung des riesigen Auges des überirdischen Wesens zu sehen. Kate Bush gibt aber zu, dass alle Beteiligten hier im Überschwang des kreativen Prozesses ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen sind.
„I think it went a bit over the top, actually. We had the kite, and as there is a song on the album by that name, and as the kite is traditionally oriental, we painted the dragon on. But I think the lettering was just a bit too much. No matter.“ [5] Die so im Cover erzeugte Fremdartigkeit passt aber gut zum abgründigen Text (und natürlich auch zum Album und zur Künstlerin, weit weg vom Mainstream). „Kite“ ist ein Sommersong mit Tiefgang, in dem die Stimme wie ein bunter hin und her schwingender Papierdrache auf und ab tanzt. © Achim/aHAJ

[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH, S.109 u. S.116
[2] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.68
[3] Kate Bush: „Hello Everybody“ & Interview. KBC Ausgabe 2 (Sommer 1979).
[4] Robert Henschen: She’ll Crush The Lily In Your Soul. The Music Journal. Dezember 1978
[5] Donna McAllister: You Don’t Have To Be Beautiful… Sounds. 11. März 1978
[6] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987.  S.113f
[7] http://www.james.de/reggae/reggae07.htm (gelesen 08.07.2018) [8] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.245 und S.71

Neue Single und Video von Paddy Bush

Im Oktober 2017 hatte Paddy Bush anlässlich seines Vortrags über madagassische Musik im schweizerischen Aarau ein neues Album von Bushtucker angekündigt. Diese Meldung war umso aufregender, da es von Paddys Projekt mit dem Musiker Colin Lloyd Tucker seit 25 Jahren keine neuen Töne zu hören gab. Seit einigen Tagen kursiert auf Spotify und Youtube nun tatsächlich ein faszinierendes neues Stück von Bushtucker namens „The Abduction and Rescue of Lord Weir’s Daughter”. Auf Nachfrage nach dem kompletten Album und diesem Vorab-Boten hat Paddy eine recht ausführliche Antwort geschickt:
„Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch kein Release-Date, denn wir arbeiten immer noch an dem Album.  ‚Lord Weir‘ ist die Single, Colin hat das Stück geschrieben. Vor drei Jahren hat er es mir zugeschickt zusammen mit einer Email, in der es hieß: ‚Ich weiß, es klingt momentan sehr indisch, ideal wäre es, wenn es mehr nach Kraftwerk klingen würde…‘
Ich dachte damals ein paar Tage darüber nach, und ich war mir nicht sicher, von was der Song handelte. Es war, wie auf eine große Leinwand zu malen. Aber sich dabei Kraftwerk vorzustellen? Das passte irgendwie nicht in diese Gleichung. Ich konnte fliegende Untertassen sehen, Männer vom Geheimdienst und andere Bilder. Der Originaltrack war voller indischer Samples, ich konnte überhaupt nicht sehen, wie ich mich diesem Song nähern sollte.
Ich bat Colin also um einen weniger indisch gefärbten Mix, und als der ankam, taten sich ein paar Räume auf der Leinwand auf … und ich fing an zu malen. Und ich kann mich nur dafür entschuldigen, dass auf der ersten Tube-Klangfarbe, die ich verwendete, geschrieben stand: ‚Sehr schlechter deutscher Akzent‘.
Wie dem auch sei, es funktionierte! Selbst auf diesem extrem niedrigen Level wurde Colins Originalstimme von meinem schrecklichen Beitrag beeinflusst, so dass er im gleichen Akzent sang! Nicht exakt Kraftwerk, aber der Effekt war außergewöhnlich…
Ich versuchte ihn dazu zu kriegen, meine Vocals mehr in den Hintergrund zu mixen, aber er bevorzugte die Konfrontations-Perspektive.
Wir haben uns nicht ins Geschäft des Kidnappens oder des Rettens begeben, und Lord Weir und seine Familie sind frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.
(…)
Colin möchte, dass jeder seine eigenen Schlüsse aus dem Stück zieht, und ich gebe wenig mehr Hinweise als diesen: Wir sind keine Kidnapper!“

Schließlich hat Paddy auch noch ein paar Worte über seine madagassischen Aktivitäten verloren, denn auch mit Justin hatte er ja vergangenes Jahr ein neues Album als Produzent in Aussicht gestellt: „Justin ist sehr beschäftigt und tourt momentan in China. Im September werde ich während einer Show in Cardiff zu ihm und seiner Band stoßen. Da gäbe es dann auch eine gute Gelegenheit, zusammen Aufnahmen zu machen.       Stefan Franzen

Kates Gedicht für Emily

Zum 200. Geburtstag von Emily Brontë („Wuthering Heights“) hat sich Kate an einem besonderen Projekt beteiligt. Im Rahmen des Bradford Literatur Festivals wurden zwischen dem Geburtsort der Brontë-Schwestern in Thornton und dem Pfarrhaus der Eltern in Haworth insgesamt vier Gedenksteine aufgestellt, um so das literarische Erbe der Brontë-Schwestern zu würdigen – die Idee dazu stammte von dem Schriftsteller Michael Stewart. Er hatte zudem  vier der beliebtesten britischen Literatur- und Kulturschaffenden – Kate Bush, Carol Ann Duffy, Jackie Kay und Jeanette Winterson – gebeten, jeweils ein Gedicht zu schreiben, das an die Brontë-Schwestern erinnern sollte.  Diese Gedichte zieren nun die Gedenksteine. Kate war für Emily ausgewählt worden.  „Emily hat nur den einen Roman geschrieben – ein außergewöhnliches Kunstwerk, das wirklich Spuren hinterlassen hat. Mich zu bitten, ein Stück für Emilys Stein zu schreiben, ist eine Ehre und in gewisser Weise eine Chance, ihr Danke zu sagen“, hatte Kate bei der Bekanntgabe des Projektes gesagt. Am Wochenende wurden die Steine nun enthüllt. Auf dem Stein für Emily steht:

She stands outside
A book in her hands
“Her name is Cathy”, she says
“I have carried her so far, so far
Along the unmarked road from our graves
I cannot reach this window
Open it, I pray.”
But his window is a door to a lonely world
That longs to play.
Ah Emily. Come in, come in and stay.

Die rätselhafte Lionheart Poster-Edition

Ein weiteres Rätsel, das bis heute noch nicht gelöst werden konnte, ist die kanadische Lionheart Poster-Edition. In 40 Jahren habe ich sie nur einmal gesehen und natürlich sofort zugeschlagen. Weltweit ist sie nirgendwo gelistet. Die reguläre Ausgabe enthält kein Poster. Normalerweise ist der Einschub auf der linken Seite des Gatefolds zugeklebt. Hier ist er offen und darin steckt das gefaltete Lionheart-Poster. Warum diese Ausgabe ein Poster enthält ist unbekannt. Es könnte sich um ein „limited store offer“ handeln, aber normalerweise wäre dann ein entsprechender Aufkleber auf dem Cover.  Oder Lionheart sollte ursprünglich in Kanada mit Poster veröffentlicht werden. Dafür spricht, dass der linke Einschub des Covers nicht zugeklebt ist. Die dritte Variante wäre, dass das Poster zu dem seltenen kanadischen Promo Press Kit gehört, was aber niemand bestätigen kann. Leider konnte ich dieses Rätsel noch nicht knacken, ich bleibe aber am Ball. Happy hunting! Michael Guth

Trommel, Bass, Stimme und Herz

Foto: Valentin Zaschke

Für ihren Auftritt im Stadtgarten von Emmendingen in der Nähe von Freiburg zum Auftakt der neuen Konzertreihe Pavillonklänge an diesem Sonntag um 11 Uhr haben sich Dieter Schroeder am Schlagzeug und Jan Fitschen an der Gitarre mit Sängerin Bella Nugent einiges vorgenommen: das komplette Hounds of Love-Album in Trio-Besetzung wollen sie spielen – und das nicht zum ersten Mal. Für das Litfaß-Festival in Freiburg hatte  Schroeder schon 2017 die Idee, komplette Alben zu präsentieren. Wie er Sängerin Bella Nugent für dieses Projekt ködern konnte, wusste er auch: „Bella, wusste ich, konnte man mit Kate Bush locken, wiewohl sie nur die früheren 70er Jahre Platten kannte. Die schienen mir aber nicht für dieses Festival geeignet: Ein bisschen Konzeptalbum soll es da schon sein“, erzählt er. Die Wahl fiel auf „Hounds of Love“, dass Schroeder zuletzt 1986 gehört hatte. Er ist bekennender Zappa-Fan, Kate war für ihn 1986 „Mädchen-Musik“, auch wenn er sich „einer gewissen Sogwirkung, insbesondere der zweiten Seite, nicht erwehren“ konnte. Die Scheibe hatte er damals schon von Jan Fitschen geliehen bekommen, den er jetzt wieder mit ins Boot holte – vor allem als sich nach einer ersten Probe herausstellte, dass HOL nur mit Gesang und Schlagzeug zu spielen vielleicht doch etwas ambitioniert sein könnte. Schroeder: „Jan war schon dringend notwendig, allerdings im ersten Moment gar nicht begeistert, eher skeptisch. Schließlich willigte er ein, es zumindest mal zu probieren.“ Überschattet wurden für das erste geplante Konzert im September beim Freiburger Litfaß-Festival dann von einer Hiobsbotschaft: Sängerin Bella  erkrankte an Krebs und musste sich einer Chemotherapie unterziehen. „Eigentlich sollte sie sich aussuchen, was auch immer sie schon mal singen wollte, mit welcher Besetzung auch immer. Im folgenden halben Jahr aber, während Bellas Arbeit an Hounds of Love und Chemotherapie sich immer mehr, schließlich kaum trennbar verbanden, war dann auch klar, dass dieses Welcome Back-Konzert eben auch nur ‚Hounds of Love‘ sein dürfte“, erinnert sich Schroeder. Die Premiere war dann die reinste Zitterpartie. Erst ein Tag vor dem Auftritt war klar, ob Bella auftreten konnte. „Es war bemerkenswert erfolgreich, und das sicher nicht nur aus Mitleid mit der mittlerweile kahlköpfigen Sängerin. Ich glaube, wenn es nur das gewesen wäre, hätten wir es von uns aus auch bei diesem Termin und dem Abschluss am Freiburger Waldsee belassen. Aber das Projekte hatte etwas Seriöses, musikalisch Echtes, etwas Tiefes. Vielleicht ist es das donquichotteske Gefühl, als mickriges Trio einer so pompösen, orchestralen musikalischen Windmühle die Stirn zu bieten…“, glaubt Schroeder. Also haben sie weitergemacht, home concerts gegeben, ein Video produziert, sind weiter vor Publikum aufgetreten. „Wir treffen uns weiterhin zu ‚Hundeproben‘, es bleibt ‚work in progress‘. Jan Fitschen nörgelt nach wie vor hier und da. Bella kann inzwischen auch die gesprochenen Gedichtpassagen auswendig, und wenn ich endlich ‚Under Ice‘ lernen würde, könnten wir das Ganze auch komplett papierfrei darbieten“, sagt Schroeder, der inzwischen auch bei frei improvisierten Jazzkonzerten Stücke oder Passagen von HOL einfließen lässt. „Diese Scheibe hat uns nun fast schon ein ganzes Jahr lang begleitet. Und weil es eben so ein spezielles Jahr war, wird wohl auch die Beziehung zu ‚Hounds‘ speziell bleiben. Und wohl auch noch eine ganze Weile, denke ich“, sagt er. Zum work in progress gehört auch, dass die Grenzen zwischen Rock, Pop und Jazz fließend sind. Schroeder: „Wir versuchen gar nicht, Hounds of Love zu verjazzen. Wir probieren einfach verzweifelt, dieses Produktionsmonstrum zu dritt auf die Reihe zu kriegen und da sowas wie eine Essenz zu finden.“ Und die finden sie, auch wenn Schroeder da eher mit Understatement arbeitet: „Ob da jetzt jemand unsere Version von Mother stands for comfort für jazzig hält? Mag sein, das liegt aber auch an der Besetzung. Für uns war das aber nie ein Thema. Für uns klang es einfach zwingend nach Trommel, Bass und Stimme.“  Es ist aber eben wesentlich mehr als Trommel, Bass und Stimme. Es hat Seele und lebt. Davon kann man sich am Sonntag beim Konzert überzeugen, kostenfrei, oder auch bei youtube, wo man das Konzert am Waldsee vom März findet. Spätestens danach will man nach Emmendingen…