Das Bild des Monats: Oktober

© Sjaak Vullings

Für Sjaak ist Love and Anger einer dieser speziellen Songs, in dem sie über ein Thema sing, das wir alle kennen: der schmale Grat zwischen Liebe und Hass, zwischen Liebe und Zorn. „Es scheint, dass das Lied von einer Beziehung handelt, die sich auflöst. Der am wenigsten schmerzvolle Weg wäre es, sich von den Gefühlen wie Liebe und Ärger zu trennen und auf das kleine bisschen Hoffnung zu verzichten. Natürlich ist das nur ein Wunsch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, aber das macht den Song für mich so besonders.“
Take away the love and the anger,
And a little piece of hope holding us together.
Looking for a moment that’ll never happen,
Living in the gap between past and future.
Take away the stone and the timber,
And a little piece of rope won’t hold it together.

Das Fotomotiv zu Love and Anger ist schon 2011 in Tilburg entstanden, im Graten eines großen Bürokomplexes. Die beiden Teile des Bildes symbolisieren die Liebe und den Ärger und die kleine Linie stellt den schmalen Grat da, auf dem man zwischen beiden Gefühlen balanciert. Auf der linken Seite sieht man das fließende Wasser, das im übertragenen Sinne für den Energiefluss der Liebe steht. Die rechte Zeite symbolisiert den Ärger, die Wut. Das Wasser spiegelt zudem einen Baum wider, der für Sjaak eine erschreckende und zugleich wütende Energie ausstrahlt.

Wer den Beitrag über Sjaak verpasst hat, kann hier mehr über ihn erfahren.

Androgyner Zeitgeist der Popkultur

Fotograf Brian Griffin signiert zur Eröffnung der Ausstellung in Saarbrücken ein Foto von Kate Bush, das den Ausstellungskatalog ziert. Foto: Thomas Quinten

Von Beate Meiswinkel
In Saarbrücken war ich noch nie! Die Fotoausstellung POP von Brian Griffin im Landtag des Saarlandes bot einen spannenden Anreiz, dies endlich einmal nachzuholen. Eine seiner Aufnahmen von Kate hat mich immer sehr fasziniert: ich entdeckte sie im Booklet des This Womans Work Box Sets, wo sie mir deshalb so besonders auffiel, da ich sie keinem Album zuordnen konnte. Sie zeigt Kate in mittelalterlich-bäuerlich anmutender Gewandung vor einem wolkenverhangenen Himmel in einem abgeernteten Feld. Es scheint eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Wie ich feststellen sollte, gilt das für viele von Brian Griffins Werken.
Im April 1948 kam Brian in Birmingham zur Welt; seit 1972 lebt und arbeitet er als freiberuflicher Fotograf in London. Sein Buch Work wurde 1991 bei der Barcelona Primavera Fotográfica als „bestes Fotobuch der Welt“ ausgezeichnet. Es zeigt regelrecht hypnotische Aufnahmen von Arbeitern und Handwerkern. The Guardian beschrieb Griffin 1989 als Fotografen des Jahrzehnts. George Lucas engagierte ihn 1982 für Staraufnahmen am Filmset von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, von denen besonders diejenigen von Carrie Fisher herausragend sind. 2014 erhielt Griffin einen Ehrendoktortitel der Birmingham City University, 2016 wurde er in die Album Cover Hall of Fame aufgenommen, u.a.unter anderem für Cover-Motive für Billy Idol, Depeche Mode, Ultravox und Iggy Pop. Ein besonderes Sahnestückchen ist sein Motiv für Look Sharp von Joe Jackson, dessen minimalistische Eleganz nahezu magisch wirkt.

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Fotos: Brian Griffin

33 seiner Bilder kann man noch bis zum 21. Oktober im Rahmen der Ausstellungsreihe Pictures of Pop – Fotografie in der Popkultur im Landtag des Saarlands bewundern. In den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten kommen die schlicht gerahmten Fotowerke einfach wundervoll zur Geltung. Sämtlich besitzen sie eine besondere elegante Ästhetik und spiegeln den unterkühlten androgynen Zeitgeist der Popkultur der 1980er Jahre wider. Und obgleich ich natürlich besonders wegen Kates Foto zu Besuch gekommen bin und auch dazu neige, ihr Bild besonders herauszustellen, begeistern mich Brian Mays frisselig-furioses Lockenhaupt, Iggy Pops strapaziös wirkende Pose und die Fotoserie des lausbubenhaft Grimassen schneidenden Peter Gabriel ebenso wie die atemberaubenden Aufnahmen für das Depeche Mode-Album Construction Time Again oder das anrührende Motiv für das Placebo-Album England’s Trance. Sehr entzückt hat mich auch ein nahezu lindsaykempeskes Selbstportrait des Maestros in Schwarz-Weiß.
Bedingt durch die starke männliche Dominanz der Musikszene jener Zeit, fallen die Aufnahmen von Künstlerinnen wie Siouxie Sioux, Lene Lovic, Mari Wilson oder Kate Bush der versunkenen Betrachterin besonders ins Auge. Kates Fotografie wurde gar als Titelmotiv für den Katalog der gesamten Ausstellungsreihe gewählt. Mit ihrer flehentlich gebeugten, sehnsüchtig tastenden Pose und dem offen verletzlich wirkenden Ausdruck hebt sie sich in ihrem Nonnen-Habit doch sehr von den übrigen Portraits ab. Es bildet dank seiner Wärme, Süße und Zartheit einen markanten Gegenpol zu all den coolen, symmetrischen, Statements setzenden Darstellungen, die es umgeben. Das Foto entstand 1983, in der Schaffenspause zwischen The Dreaming und Hounds of Love, und ob der Wahl des Nonnen-Outfits frage ich mich, ob Kate damals bereits Ideen für Waking the Witch gesammelt haben mag: Deus et dei domino inferno… Spiritus Sanctus in nomine… I question your innocence… She’s a witch… Help this blackbird… there’s a stone around my leg.
Besagte Aufnahme in Ordenstracht ist Griffins Lieblingsfoto von Kate. „Ich erinnere mich daran, wie Kate Bush um 6.30 Uhr morgens auf dem Bürgersteig vor meinem Londoner Studio saß, um auf mich zu warten“, schreibt er auf seiner Webseite. „Nachdem sie mein Album-Cover für ‚A Broken Frame‘ von Depeche Mode gesehen hatte, wünschte sie sich etwas Ähnliches. (…) Ich fand sie nicht nur extrem attraktiv, sondern auch erstaunlich talentiert.“ Neben den Fotos und einer Reihe von Plattencovern mit Griffins Motiven sind in der Ausstellung auch noch zwei Schaukästen aufgestellt, in denen man verschiedene Auszeichnungen, Magazine und auch Bücher betrachten kann. Darunter auch sein Fotobuch mit dem Titel POP aus dem Jahre 2017, in dem ebenfalls eine seiner Aufnahme von Kate enthalten ist. Leider ist POP längst vergriffen. Attraktive Special-Editions mit exklusiven Fotoprints sind noch erhältlich, falls man 500 GBP erübrigen kann.
Mehr zu Brian Griffin hier und hier.

Das Song-ABC: Love And Anger

Es gibt Songs, bei denen die Geschichte um ihre Entstehung herum spannender ist als der Inhalt. „Love and anger“ gehört für mich dazu. Für diesem Text war ich versucht, ihm die Überschrift „Ein Lied sucht seinen Sinn“ zu geben, denn das trifft es sehr genau. Ich werde den Inhalt und eine etwaige Bedeutung daher nur streifen.
„This song! This bloody song!“ [1] Dieser Ausruf von Kate Bush zeigt, dass er für sie ein unter Schmerzen geborener Titel gewesen ist. Vielleicht hat daher Kate Bush in Interviews so umfassend Auskunft über die Entstehung gegeben. Die Basis für den Song entstand ganz zu Beginn der Arbeit am Album. „It was one of the most difficult to put together, yet the first to be written.“ [1]. Zuerst war da eine musikalische Idee, die zu einem ersten Rohling ausgebaut wurde. Dann ruhte die Arbeit daran. „The song started with a piano, and Del put a straight rhythm down. Then we got the drummer, and it stayed like that for at least a year and a half.“ [6]. Die Musik war da, die Melodie, aber die Worte fehlten. „I get a sound and I throw it in a song and I can’t turn it into a word later because it’s actually stated itself too strongly as a sound.“ [3]. Sogar die Keimzelle des Songs ist Kate Bush noch genau in Erinnerung. „[In] Love and Anger, the bit that goes ‚Mmh, mmh, mmh‘ was there instantly and, in itself, it’s really about not being able to express it differently.“ [3].
Worum geht es? Das wollte sich für Kate Bush einfach nicht erschließen. Der Sinn dieser Musik erschien ihr schwer fassbar. Für die Komponistin war das eine Qual. „It was so elusive, and even today I don’t like to talk about it, because I never really felt it let me know what it’s about.“ [2]. Andere hörten diesen Rohling und fragten nach dem Sinn. Kate Bush hatte aber einfach keine Antwort „[When] people ask me what it’s about, I have to say I don’t know because it’s not really a thought-out thing. It was so difficult for me to write that: in some ways, I think, <it’s> about the process of writing the song: I can’t find the words; I don’t know what to say. This thing of a big, blank page, you know: it’s so big…It’s like it doesn’t have edges around it, you could just start anywhere.“ [3]. Auch im Nachhinein konnte sie diese Frage nicht recht beantworten. Aber sie ist ehrlich: „It doesn’t really have a story. It’s just me trying to write a song, ha-ha.“ [1]. Der Song kam dann voran mit der Hilfe und der Unterstützung anderer Musiker. „It’s just kind of a song that pulled itself together, and with a tremendous amount of encouragement from people around me.“ [2]. Ihr Bruder Paddy Bush, Dave Gilmour und John Giblin trugen dazu bei, dass es voranging. „Paddy and Dave Gilmour, who put overdubs on it, had so much trouble with it. They kept on asking, What’s it about? and all I could say was, I dunno but, uh, doesn’t it feel, uh, cohesive to you? Well, I started bringing musicians in to see if they could bring it to life and John Giblin, the bass player, just said, This is great! and came up with something fresh right away. It was so nice having someone put all this enthusiasm into a song I’d almost given up on.“ [4].

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Die letzte Zeile des Songs kann dann auch als Dank an die Helfenden interpretiert werden: „But just you wait and see, someone will come to help you.“ [8]. Insbesondere der exotische Flair der Valiha brachte den Song stimmungsmäßig voran. Schließlich war Kate Bush dann doch einigermaßen mit dem Ergebnis zufrieden. „I think putting the Valiha on was very important. It’s a beautiful sounding instrument – it looks a bit like a Zither, and it’s from Madagascar. It sounds like sunshine – it has this really happy, bubbly sound. I think that really helped to give the song a different perspective. It’s a very straightforward treatment – drums, bass, guitar, piano – and I think for me it’s one of the more straightforward songs on the album. A chirpy little number.“ [6].
Paddy Bush war auch Jahrzehnte danach noch stolz darauf, am ersten Stück der Popmusik mitgearbeitet zu haben, in dem ein traditionelles madagassisches Instrument verwendet wurde [7]. Nach vielen Schmerzen hatte es das Stück dann doch auf das Album geschafft und Kate Bush war einigermaßen zufrieden „There were so many times I thought it would never get on the album. But I’m really pleased it did now.“ [2]. Einen Sinn hatte sie schließlich doch noch zusammengezimmert, aber in der Nachbetrachtung ist immer noch eine gewisse Unzufriedenheit zu spüren. „Relationships revolve around love and anger. Being in love makes you very angry sometimes and there’s two sides to everything. I must be honest though, I’m not really sure what I’m trying to say here.“ [5].
Der Song endet dann mit einem beinahe triumphierenden „Yeah!“ (hurra, endlich geschafft) und einem Lachen, aus dem vielleicht Erleichterung herauszuhören ist. Ich finde es sympathisch, dass dieser Gefühlsaufbruch nicht herausgeschnitten wurde. Von Anfang an geplant erscheint er mir nicht. Love and anger, Liebe und Wut, das hat Kate Bush wahrscheinlich beim Nachdenken über diesen Song empfunden, Liebe zur musikalischen Idee, Wut über die Schwierigkeiten. Im Video zum Song werden diese zwei Seiten dann durch das Aufeinandertreffen von Balletttänzern und wirbelnden Derwischen symbolisiert [12]. Wahrscheinlich wegen seiner Eingängigkeit und musikalischen Unkompliziertheit wurde der Song wohl als Single veröffentlicht. Eine Single muss eben nicht besonders tiefgründig sein.
Die musikalische Gestaltung ist recht eingängig und einfach. Der Song steht in einem durchgehenden 4/4-Takt und ist in reinem F-Dur komponiert. Es gibt nur Dur-Akkorde, hauptsächlich Tonika, Dominante, Subdominante der Tonart [8]. Nach Beckh ist F-Dur die Naturtonart, die sich über die Schwere des Irdischen erhebt [9]. Es ist erstaunlich, dass sich so etwas Eingängiges dann doch als so sperrig erwiesen hat. 
Bei den Biographen wird der Song nur kurz gestreift. Jovanovic hebt hervor, dass David Gilmours Gitarre dem Titel im Refrain großartige Kraft und Stärke verleiht [10]. Graeme Thomson [11] ist kritischer. Der Song klingt für ihn wie eine weniger gelungene Version von „The big sky“, „einem anderen eher lästigen Song. Es beginnt ebenso reduziert und endet schließlich in einem extremen rhythmischen Getöse.“ Das ist harsch, aber nicht ganz falsch. Vielleicht wusste Kate Bush auch nicht, wie sie den Song beenden sollte. Das Lachen zum Schluss setzt schließlich einen guten emotionalen Schlusspunkt. Beim Hören des gesamten Songs kommt mir aber der Gedanke in den Sinn, dass die Komponistin bei den Arbeiten zu diesem Album vielleicht etwas die Leichtigkeit verloren hat. Komponieren ist nicht immer nur Genie, es ist auch harte Arbeit. Nach Abschluss darf man auch erleichtert sein. © Achim/aHAJ

[1] Len Brown: „In the Realm of the Senses“. New Musical Express, 07.10.1989. [2] WFNX Boston, Herbst 1989
[3] Steve Sutherland: „The Language of Love“. Melody Maker, 21.10.1989.
[4] Phil Sutcliffe: „Iron Maiden“. Q, November 1989.
[5] N.N.: „Love, Trust and Hitler“. Tracks, November 1989 [6] Tony Horkins: „What Katie Did Next“. International Musician, Dezember 1989.
[7] Stefan Franzen: „Paddy Bush und die Musik Madagaskars (Teil 2)“. http://morningfog.de/?p=4907 (gelesen 27.09.2019)
[8] Kate Bush: The Sensual World [Songbook]. EMI Music Publishing Ltd., London 1990. S.9ff
[9] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.149ff
[10] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.172
[11] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.314
[12] Maria Montgomery Sarnoff: „Perfect Vision“. Option, März 1990.

„Gute Balance zwischen Konzert und Theater“

Fotos: kaboo-music

Gestern war die Generalprobe, am kommenden Montag, 30. September, ist es dann soweit: die deutsche Kate Bush-Tributeband Kaboo lädt zur Premiere von „Wuthering Night“ nach Leipzig in den Krystallpalast Varieté ein. Wie es zur Gründung der Band gekommen ist und was Besucher der Show erwartet, verrät Wieland Götze, Schlagzeuger der Band.

Dass es mal eine deutsche Kate Bush-Tributeband geben würde, hätte ich jetzt nicht unbedingt erwartet. Ich würde sie dann aber mit Sicherheit nicht ausgerechnet in Leipzig verorten. Wie kommt man mit ostdeutscher Sozialisation auf die Idee, so ein Projekt zu starten?
Wieland Götze: Die Idee stand schon lange im Raum, seitdem mir Ulrike alte Aufnahmen aus den 1990er Jahren vorgespielt, wo sie „Wuthering Heights“ sang und ich bereits nach den ersten zwei Tönen eine Gänsehaut bekam. Später überredete ich sie zum Duett „Don‘t give up“ mit einem wunderbaren Sänger aus Erfurt. Der Gänsehaut-Effekt erfasste nun auch die anderen Zuhörer. Als ich letztes Jahr bei einem Urlaubsfilm eine gemeinsame eigene Camping-Gitarren-Version von „The man with the child in his eyes“ mit dem Original mischte und im Refrain zu Uli und Camping-Gitarre plötzlich Kate Bush mit Orchester dazu kam, hob es mich nahezu aus den Socken. Kate Bush hat mit ihren Märchenwelten natürlich auch die Menschen in der DDR begeistert und es gab natürlich auch im Osten entsprechende Pressungen bei Amiga. Die waren jedoch nur schwer zu bekommen. Eine Lieblingsszene von mir im einschlägigen Post-DDR-Kultfilm „Sonnenallee“ ist die, wo ein älterer Mann den Plattendealer aus dem Westen mehrfach fragt „haste ooch wat von der Käthe Busch?“

Mit der Amiga-LP bewegen wir uns ja in der Vor-The-Dreaming-Ära. Wann konntest Du das restliche Werk von Kate für Dich entdecken?
Wieland: Ich selbst bin mir erst seit den 90er Jahren Kate Bush gewahr, da ich quasi erst ein Jahr vor „The Dreaming“ erschienen bin. „The Whole Story“ von 1986 wurde für mich zur Eintrittskarte in die Welt von Kate. Im Jahr 2005 bekam ich von einem Mitstudenten das damals brandaktuelle „King of the mountain“ zugesteckt und war geflashed! Dann hielten noch „The Kick inside“ und „Hounds of love“ Eingang in meinen Plattenschrank. Doch das „Gesamtwerk“ wurde erst seit unserer Idee im Oktober letzten Jahres kontinuierlich erforscht. Mittlerweile sind natürlich alle Alben sowie einige DVDs am Start. Uli besitzt schon lange das „The Whole Story“-Songbook, welches nahezu alle veröffentlichten Titel bis 1986 in Notenform (Gesangsstimme und Akkorde) enthält.

Du bist ja von Haus aus eigentlich Jazzmusiker. Was macht für Dich das Besondere an Kates Musik aus?
Wieland: Da ist natürlich diese unglaubliche charakteristische Stimme, die eigentümliche mystische Harmonik und die faszinierende unkonventionelle Melodieführung. Diese Experimentierfreudigkeit zieht sich in mannigfaltigen Ausprägungen durch ihr gesamtes Werk. Da findet sich ein Füllhorn an stilistischen Mixturen von Rock, Pop, Jazz, Punk, Reggea, klassischen Elementen und Weltmusik, insbesondere der irische Einfluss. Sie erfindet sich mit jedem Album neu und bleibt sich und ihrem künstlerischen Anspruch stets treu. Es geht ihr prinzipiell in erster Linie um die künstlerische Verwirklichung und nicht um das Bedienen von vorgegebenen Konventionen und Trends. Dennoch verstand sie es, insbesondere in den 80ern, den Zeitgeist zu prägen. Sie experimentierte mit neuen technischen Möglichkeiten und schuf ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und Theater und neuen Kompositions- und Produktionswegen, die heute im digitalen Zeitalter gang und gäbe sind. Diese Kompromisslosigkeit und Selbstbestimmung in punkto (Pop-)Musik als seriöse Kunstform mit derartigem Erfolg findet man nicht oft im Musikbusiness. Mir fallen spontan nur Frank Zappa, Peter Gabriel und Mike Oldfield ein.

Findet man diese Kompromisslosigkeit sonst eher im Jazz-Genre?
Wieland: Ja, das würde ich sagen. Prinzipiell würde ich das „findet“ aber durch „fand“ ersetzen. Heutzutage wird hauptsächlich auf „Produkte“ Wert gelegt, die durch Schlagworte gekennzeichnet und mittels Suchmechanismen gefunden werden können. Musik muss jederzeit abrufbar sein und in vorgefertigte Playlists hineinpassen. Das Unerwartete wird Schritt für Schritt ab- und vorhersehbar gemacht. Wirkliche Kompromisslosigkeit ist schwer zu finden, da sie selbst wahrscheinlich schon eine Schublade darstellt. Aber, die Musik und das Leben bahnen sich schon ihre Wege und kommen auch heute noch, vielleicht per Umweg, im Herzen an, da bin ich ganz optimistisch!

Du hast sehr viel Erfahrung in Musicalproduktionen gesammelt. Ist das Dein „Umweg“, um mit der Musik im Herzen zu landen?
Wieland: Nein, nicht unbedingt. Ich bevorzuge den direkten Weg im Konzert oder auf dem Tonträger, oder aber selbst analytisch in die Musik einzusteigen, am Instrument oder beim Raushören von Kate Bush Titeln. Dennoch gebe ich zu, dass man durch eine Handlung auf der Bühne die Aussage der Musik immens unterstreichen und den Zuhörer gleich auf eine Reise mitnehmen kann. Da habe ich beim Zusammenstellen unserer Show, mit der Handlung basierend auf dem Roman „Wuthering Heights“ von Emily Brontë, auch viel gelernt. Uli hat ja viel Theatererfahrung als Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin. Sie hat da dementsprechend auch viel mit reingebracht. Außerdem haben wir mit Falko Köpp noch einen erstklassigen Schauspieler am Start, der als Mr. Lockwood die Szenen zwischen den Titeln ausgestaltet…

Womit wir bei „Wuthering Night“ wären. Anders als andere Tributebands spielt Ihr nicht nur die zu erwartenden Stücke runter, sondern bettet sie in eine Geschichte ein. Das klingt ein bisschen nach der Fortsetzung der Tour of Life. Wie habt Ihr es geschafft, dass sich auch die neueren Lieder von Kate in den Brontë-Rahmen harmonisch einfügen?

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Wieland: Das ging erstaunlicherweise recht unkompliziert. Nachdem wir den Roman studiert und uns verschiedene Verfilmungen angeschaut hatten, fügte es sich wie von selbst. Es scheint so, als ob sich Kate Bush auch über den Song hinaus mit Emily Brontë, der Ästhetik und der Charaktere des Romans identifiziert (hat). Das ist auch bei späteren Kompositionen spürbar. Schließlich gibt es die faszinierende Kuriosität, dass Emily und Kate auf den Tag genau 140 Jahre auseinander sind. Wenn man ihre Werke betrachtet, kommt man zu dem Schluss, dass beide sich mit diversen übersinnlichen Erwägungen auseinandergesetzt haben. Es lässt jedenfalls genug Spielraum für Interpretationen. Das haben wir uns zunutze gemacht. Dennoch soll der Hauptfokus natürlich auf der Musik liegen. Da haben wir uns in der einen oder anderen Situation auch etwas in den Haaren gehabt, Doch ich glaube, wir haben eine gute Balance zwischen Konzert und Theater gefunden.

Welche Spannbreite erwartet die Besucher denn? Reicht der Bogen bis zu Aerial und 50 words for snow?
Wieland: „50 words for snow“ ist ein in sich geschlossenes (Wahnsinns!) Konzeptalbum. Auf der Basis der Story kristallisierte sich sehr schnell der jetzige Ablauf, bestehend aus 21 Songs von „Kick inside“ bis „Aerial“ bzw. sogar Live-Arrangement-Ideen von „Before the dawn“ von 2014, heraus. Von einigen Schmankerln musste man sich leider vorerst verabschieden. Auch kalkulieren wir natürlich ein, dass der Kate-Bush-Neuling neben dem Kate-Bush-Nerd sitzen wird und beide auf ihre Kosten kommen sollten. Der Nerd wird „The Dreaming“ und „50 Words for Snow“ vermissen. Für beide gibt es schon Ideen, doch wir konzentrieren uns jetzt vorerst ganz auf die anstehende Show. Wir hätten das Programm auch „50 Words for Show“ nennen können, haben uns dann aber für „Wuthering Night“ entschieden

Wie eng haltet Ihr Euch dabei ans musikalische Original?
Wieland Es wird keine freie Interpretation in diesem Sinne geben. Ich habe die Originale nach bestem Wissen und Gewissen transkribiert, hier und da mal gekürzt oder auch miteinander verbunden, Live- und Studioversionen kombiniert. Die Ansage an die Band war: lasst uns vom Originaltext ausgehen und eine eigene Sprache entwickeln.

Apropos eigene Sprache: Mich haben zuletzt Bands wie Baby Bushka aus den USA oder auch das Konzert der Göteborg Symfoniker begeistert, eben weil sie eine eigene Sprache auch für Kates Musik entwickelt haben. Wie schwierig ist der Spagat zwischen Cover, Tribute und eigenen Ansprüchen an die Musik?
Wieland: Das ist ein stetiger Prozess. Der beruht natürlich auch auf den unterschiedlichen Prägungen innerhalb der Band. Manche sind schon sehr intensiv eingestiegen in die Materie in puncto Charakteristika der Songs, des Stiles und der einzelnen Stimmführungen. Manche sind das erste Mal mit Kates Musik in Berührung gekommen und schöpfen aus einem anderen Background. Da muss man immer einen Mittelweg finden. Der musikalische Anspruch ist auf jeden Fall mehr als gegeben, da jeder Song eine musikalische Kostbarkeit ist und sich fernab von austauschbaren Paradigmen befindet. Man freut sich auf jeden Einzelnen gleichermaßen. Eine Beethoven-Sinfonie wird auch weitestgehend originalgetreu aufgeführt. Warum nicht auch die „Symphony in Blue“. Trotzdem gibt es auch einige eigene Gestaltungselemente und Spots für die Musiker sowie eigens entworfene Tanzchoreographien für die drei Tänzerinnen inklusive Uli, die Original-Elemente zitieren aber doch letztendlich Neuanfertigungen sind. Es gibt sogar eine Artistiknummer von einem finnischem Artistenpaar, dem Duo E-Motion. Trotzdem wird jeder Einzelne sein eigenes Universum einbringen, so dass es immer einen eigenen Sound haben wird.

Könnt Ihr Euch vorstellen über die Show im Krystallpalast hinaus mit einem Kate-Programm auch in anderen Städten aufzutreten?
Wieland: Ja, definitiv! Das möchten wir gerne. Wir müssen natürlich stetig unser Netzwerk erweitern und Kontakt zum Kate Bush-affinen Publikum herstellen. Sie ist ja hierzulande doch mehr Exotin als ABBA, Tina oder Queen.

Promo Snippet KaBoo Kate Bush Tribute Part1

Anbei der erste Ausschnitt unseres wunderbaren Videodrehs mit Robert Soujon. Fortsetzung folgt…

Gepostet von KaBoo Kate Bush Tribute am Donnerstag, 5. September 2019

Alle Infos zur Band gibt es hier, Karten für die Show hier.

Jimmy Page: Thank you, Kate.

Fünf Jahre nach den Konzerten von Kate Bush hat sich Jimmy Page, Gründer und Gitarrist von Led Zeppelin, auf Instagram als großer Kate Bush-Fan geoutet – auf den Tag genau, an dem er selbst eines der Kate-Konzerte besucht hatte. Auslöser für seine Begeisterung für Kate war 1979 der Song „The Man With The Child In His Eyes“. Page schreibt dazu auf seinem Instagram-Account: „Als ich hörte, dass sie diesen Song auf ihrem Debütalbum bereits als Teenager geschrieben hatte, wusste ich, dass sie ein einzigartiges Talent ist und ein tiefes Verständnis für die Musik besitzt.“ Page ist der Musik von Kate seit dem treu geblieben, schreibt gar, dass sie einige der außergewöhnlichsten Songs geschrieben habe, die er je hören durfte. Die Karten für das Konzert in London habe er 2014 nur mit viel Glück bekommen. Sein Eindruck: „Das Gefühl der Liebe und des Respektes für Kate war greifbar. Ihre Show zeigte das Maß ihres Genies und ihrer Vision in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Jeder von uns war von ihrem Konzert sowohl visuell als auch musikalisch wirklich berührt.“ Page, der vom Musikmagazin Rolling Stone auf Platz drei der Liste der 100 besten Gitarristen aller Zeiten geführt wird, beendet seinen Post mit den simplen drei Worten: Thank you, Kate.

Ne t’enfuis pas frisch aus der Bretagne

Es war purer Zufall, dass zeitgleich zu meinem Bretagne-Urlaub die Anfang September nur in Frankreich veröffentlichte Maxi-Vinyl Ne T’Enfuis Pas/Un Baiser D’Enfant zu haben war. Also hab ich mir zwei Exemplare vorbestellt und an den Urlaubsort in den Plattenaden liefern lassen. Vor Ort ging das zittern dann los, erst recht, als ich eine freunfdliche Email erhielt, dass die Platten zum Abholen bereit liegen würden, ich mich nur ausweisen müsste und den Zahlungsbnachweis parat halten sollte. Zahlungsnachweis?!? Die Abwicklung über Paypal war Wochen her und eine in deutsch verfasste Bestätigungsemail kann ja jeder Plattenverkäufer in Frankreich super lesen… Gottseidank war es dann recht harmlos. Ich: in den Laden gestürmt, souverän mein auswendig gelerntes Sprüchlein auf französisch gestammelt. Sie: Da müssen Sie hinten links zu den Bestellungen und dann wieder zu mir an die Kasse. (Breites Grinsen). Ich: bei den Bestellungen wieder souverän auf franzöisch gestammelt, Ausweis unter die Nase gehalten, Päckchen problemlos in Empfang genommen und erneut breites Grinsen geerntet. An der Kasse wurde ich dann durchgewunken und mit einem freundlichen Grinsen verabschiedet. Und da mit den Platten auch ja nichts passiert, wurden sie erst zu Hause ausgepackt. Und wie man sieht hab ich mch immer noch nicht getraut, die Folie zu entfernen, um das Innenleben zu brachten. Das kommt noch. Merci FNAC. Ach ja: Bis heute ist vollkommen unklar, wie viele Exemplare dieser Sonderauflage es gibt. Sie war jedenfalls ultraschnell ausverkauft und bei Ebay wird sie aktuell zwischen 30 und 65 Euro gehandelt.

„Jeder Fan ist von Kate Bush tief berührt“

Ab dem 6. September ist die neue Doku von Claire Laborey über den Werdegang von Kate Bush bei arte in der Mediathek online, am 13. September wird sie ausgestrahlt. Im Interview mit morningfog.de verrät Claire vorab schon ein paar Details über die Doku.

Der deutsche Titel zu Deiner Doku über Kate Bush bei arte lautet „stimmgewaltig und exzentrisch“. Was hat für Dich Kate Bush so interessant gemacht, dass Du eine Doku über sie drehen wolltest?
Claire: Ihr steter Einfallsreichtum, wie sie ihre Musik immer wieder erneuert, aber auch die vielfältigen Einflüsse, die sie musikalisch verarbeitet. Und natürlich auch der Umstand, dass sie stets auf neue Generationen eine große Anziehungskraft ausübt.

Bleiben wir mal bei dem Wort exzentrisch, was im deutschen Sprachgebrauch ja der falsche Begriff ist, weil es eine Person meint, die zwar von üblichen Normen abweicht, aber eher auf eine übertriebene Art und Weise. Kate hingegen steht ja eher im Musikgeschäft außerhalb jeglicher Normen, weil sie ihre eigenen Normen geschaffen hat. Ist sie damit für Dich auch eine Art feministisches Vorbild?
Claire: Ja, das sehe ich ähnlich. Ich bin mit dem Begriff aber trotzdem einverstanden, weil es offenbar schwierig war,  meinen französischen Titel „La sorcière du son“, zu übersetzen. Die ‚Hexe des Tons‘ hätte im Deutschen noch viel weniger gepasst. Für mich ist Kate Bush ein Freigeist, eine sehr starke Frau, die sich mit ausgezeichneten Menschen umgibt und die ständig dazulernt – und das über Jahrzehnte hinweg. Sie zeigt uns ihren eigenen Weg, auch beim Thema Emanzipation, wo sie sich und ihre Arbeit ständig infrage stellt. Sie ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man sich auch als Frau in der von Männern dominierten und sehr geschlossenen Welt der Schallplattenindustrie behaupten kann.

Bei unserem ersten Kontakt im Mai 2018 hattest Du erzählt, dass Du in Deiner Dokumentation Stationen der Karriere von den Anfängen bis heute nachzeichnen, aber vor allem auch auf die Suche danach gehen wolltest, was genau den Mythos Kate Bush ausmacht. Wie ist Dir das in Deiner Dokumentation gelungen?
Claire: Die Frage musst Du eigentlich beantworten, wenn Du die Dokumentation gesehen hast. Ich hoffe es ist mir gelungen, etwas von der Magie und der Faszination deutlich zu machen, die Kate Bush auf ihre Fans, aber auch auf die wunderbaren Musiker, mit denen sie zusammenarbeitet, ausübt.

Inwieweit war es denn für Dich ein Problem, wenn man den Anspruch hat, Stationen von Kate von 1979 bis heute nachzuzeichnen, und man dabei kaum eine Möglichkeit hat, auf aktuelles Bild- oder Filmmaterial zurückgreifen zu können?
Claire: Ich habe mich auf ihren musikalischen und kreativen Arbeitsprozess konzentriert. Und dabei mit filmischen Mitteln versucht zu zeigen, was Kate Bush als Künstlerin ausmacht, auch das Rätselhafte, was sie umgibt. Für das Filmende bedeutete das, dass man nicht alles sagen und zeigen kann, sondern ihrer musikalischen und narrativen Erneuerung Rechnung trägt, auch mit der Betonung ihres Verlangens nach Rückzug.

Ich weiß, dass Du versucht hast, nicht nur an Kate selbst heranzukommen, sondern auch an Ihr direktes Umfeld, also John Carder und Paddy Bush oder Danny McIntosh. Warum ist das gescheitert?
Claire: Wie Kate selbst wollten auch sie ihre Intimität und Stille rund um diese Arbeit und ihr tägliches Leben mit der Sängerin schützen. Auch da muss man dann auf die Archive zurückgreifen; das Material sagt aber auch viel über sie aus.

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Auf welche Gesprächspartner können wir uns denn in Deinem Film freuen?
Claire: Es gab sehr schöne Begegnungen mit Brian Bath and Vic King, Pat Martin, Andrew Powell, Stewart Arnold, Preston Heyman, Glenys Groves, John L Walter, Nick Launay, Guido Harari, Youth, Jaz Coleman, und Mandy von Cloudbusting. Aber auch die Gespräche mit Biograph Graeme Thomson und den beiden Photographen Gered Mankowitz und Guido Harari waren wunderbar. Nicht zu vergessen die Treffen mit ein paar sehr leidenschaftlichen Fans.

Welcher Fan hat Dich am meisten beeindruckt?
Claire: Gar nicht mal ein einzelner Fan. Es ist eher eine kollektive Bewegung, die eine glückliche Zeit miteinander verbringen. Und jeder ist auf seine ganz eigene Art von Kate Bush tief berührt. Und so ist es ja auch: Jeder Teil ihres Werdegangs und die Faszination, die sie ausübt, sind beeindruckend, egal ob es um die Entdeckung der Weiblichkeit geht, die Freiheit des Geistes oder die mystisch-magischen Aspekte ihrer Musik.

Gib‘ doch mal einen Tipp ab: Wann kommt ein neues Album von Kate heraus?
Claire: Lieber Bugi, da lauern wir beide drauf …

Das Bild des Monats: September

© Sjaak Vullings

Der menschliche Körper besteht zur Hälfte aus Wasser. Wasser steht für Emotion und Gefühle. „Vielleicht ist das der Grund, warum Menschen sich so gerne in der Nähe des Wassers aufhalten“, vermutet Sjaak, immerhin ist das der Stoff, der einen erfrischt, zur Erholung beiträgt. „Kate hat den Song ‚Moving‘ der fließenden Energie des Wassers gewidmet, der Qualität der Bewegung und der Kommunikation auf emotionaler Ebene. Wenn man mit dem Wasser in seinem Inneren in Berührung kommt, fühlt man sich verbunden und voller Gefühle und offener gegenüber den Gefühlen anderer Menschen, was zu einer stärkeren Fähigkeit führt, sich unter die anderen zu mischen“, glaubt Sjaak. Natürlich geht es in ‚Moving‘ aber auch und vor allem um die Bewegung: „Wenn Du Deine Augen schließt und diesen Song hörst, kann man sich leicht vorstellen, wie Kate sich als elegante Balletttänzerin wie eine Flüssigkeit bewegt.“ Denn natürlich gwht es auch um Tanz in diesem Song, in dem sich Kate bei ihrem Lehrer LIndsay Kemp bedankt.
‘Moving liquid, yes, you are just as water
You flow around all that comes in your way
Don’t think it over, it always takes you over
And sets your spirit dancing.’

Das Bild, ein Selfie, hat Sjaak 2017 eingefangen hat. Die Bearbeitung des Bildes hat eine Freundin von ihm übernommen.

Wer den Beitrag über Sjaak verpasst hat, kann hier mehr über ihn erfahren.

Das Song-ABC: Moving

„Moving ist schon aus einem einfachen Grund ein ganz besonderer Song. Er eröffnet das Debutalbum „The kick inside“ von Kate Bush. Er wurde als erster Song in der Aufnahmesession im Juli/August 1977 aufgenommen, nach Erinnerung des Produzenten Andrew Powell dauerte das nur zwei Stunden [2]. In Japan erschien er als Single am 6. Februar 1978 und erreichte den Platz 1 der Charts [1]. Der Song wird allgemein als Tribut an ihren Tanz/Schauspiellehrer Lindsay Kemp angesehen [1]. Eröffnet (und beschlossen) wird er mit gesampelten Walgesängen, die vom Album „Songs of the Humpback Whales“ von Roger S. Payne stammen [1]. Roger S. Payne ist ein amerikanischer Biologe, der sich intensiv mit den Gesängen der Wale beschäftigt hat [11].

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„Moving“ ist der erste Song auf „The kick inside“, er ist sozusagen das Eingangsstatement. Wird seine Bedeutung angemessen gewürdigt? Die Biographen gehen nur auf eher offen sichtbare Dinge ein. Ron Moy [3] bleibt aus meiner Sicht recht allgemein. Für ihn adressiert der Song die Hauptthemen von Kate Bushs Songs – Liebe, Beziehungen, Sinnlichkeit und Begehren. Für ihn ist er direkt („touch me, hold me, how my open arms ache“) und gleichzeitig poetisch und metaphorisch („you crush the lily in my soul“). Ron Moy sieht diese zwei Pole (Aktivität / passive Reflexion) als typisch für viele Lyrics von Kate Bush an – damit belässt er es in seiner Analyse. Für Graeme Thomson [2] spiegelt „Moving“ die physische Befreiung und die psychische Wandlung wieder, die Kate Bush beim Tanzen erfahren hat. Der „moving stranger“ ist demnach Lindsay Kemp und das Bild der Lilie, die er zerdrückt („crush the lily in my soul“) steht gemäß Thomson für eine positive Erfahrung, nämlich, dass die Bewegung ihr Kraft verleiht und sie nicht etwa schwächt. Hier frage ich mich allerdings, wie das Zerdrücken einer zarten Blume in der Seele so uneingeschränkt positiv gesehen werden kann.
Phil Sutcliffe [4] beschreibt den Song so: „It’s a complete evocation of the movement of the dancer, speaking with his limbs, sense through sensuality, as sexy as his ‚beauty’s potency‘, the dancer and the watcher in harmony like lovers.“ Alle diese Analysen sprechen Aspekte des Songs an, gehen für mich aber nicht genug in die Tiefe. Ich werde versuchen, einige Gesichtspunkte zu ergänzen. Ein Blick auf die Gestaltung des Songs ist dabei hilfreich. „Moving“ beginnt mystisch. Es braucht einige Sekunden, um zu identifizieren, was hier gerade für fast zwanzig Sekunden erklingt. Es sind Walgesänge, sirenenhafte Klänge, fremdartig und fast unheimlich in ihrer Wirkung. Es sind die „Walgesänge, die sie so liebte“, so sagt es Graeme Thomson [2]. Nach diesen zwanzig Sekunden setzen dann zart die Instrumente und der Sologesang ein. Der Gesang ist teilweise reich verziert, für den Produzenten Andrew Powell klang das wie die „Königin der Nacht“ aus der Zauberflöte [2]. Diese Koloraturen sind besonders ausgeprägt bei „how you move me“, „potency“ und auf „soul“, insbesondere zum Schluss des Songs. Eine Königin der Nacht der Romantik singt hier. Im zweiten Chorus kommen einige Echos hinzu durch einen Chor aus von Kate Bush gesungenen Stimmen. Zum Ausklang ertönen wieder Walgesänge, ein bruchloser Übergang in den nächsten Song findet statt. Offenbar geht es hier um mehr als nur diesen einen Song. Insgesamt ist „Moving“ in eine äußerst romantische Stimmung getaucht.

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Kate und LIndsay Kemp bei den Dreharbeiten zu The Line, The Cross And The Curve / Foto: Guido Harari

Aus dieser Beschreibung heraus die Verbindung zu Lindsay Kemp zu finden, ist nicht offensichtlich. Zum Glück gibt es Äußerungen von Kate Bush selbst, die das erläutern. Es war ihr wichtig, Lindsay Kemp ein Lied zu widmen. „He needed a song written to him. He opened up my eyes to the meanings of movement. He makes you feel so good. If you’ve got two left feet it’s ‚you dance like an angel darling.‘ He fills people up, you’re an empty glass and glug, glug, glug, he’s filled you with champagne.“ [4] Kate Bush sagt ausdrücklich, dass der Song dem Schauspiellehrer gewidmet ist, das heisst aber nicht automatisch, dass es ein Song über ihn ist. Ihr Mentor hat aber Kate Bush die Augen dafür geöffnet, wie man ganz verschiedene Stimmungen ausdrücken kann. Paul Kerton geht darauf in seinem Buch sehr ausführlich ein. Er zitiert z.B. Kate Bush so: „Er sagte zum Beispiel, ihr werdet jetzt alle zu ertrinkenden Seeleuten, Wellen schwappen schon über euch, und jeder fing an zu schreien. Er lehrte mich zu schreien und mir meines Körpers bewusst zu werden“ [5]. In diesem frühen Zitat klingt schon die Faszination für das Wasser und das Meer an, die sich im ganzen Werk von Kate Bush wiederfindet. Der Wal ist ein Geschöpf des tiefen Wassers, geheimnisvoll, immer in Bewegung. Der Wal ist ein „moving stranger“. „Whales say everything about ‚moving‘. It’s huge and beautiful, intelligent, soft inside a tough body. It weighs a ton and yet it’s so light it floats. It’s the whole thing about human communication — ‚moving liquid, yet you are just as water‘ — what the Chinese say about being the cup the water moves in to. The whales are pure movement and pure sound, calling for something, so lonely and sad…“ [4].

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Folgerichtig schwebt Kate Bush bei der „Tour of Life“ zu diesem Song dahin in einem meerblauen (Thomson spricht von meergrün) Trikot, wie im Traum, als schwimme sie in der Tiefe, gefangen in einem Walzer unter Wasser [2]. Auch die Verbindung zwischen Wal und Tanz ist für Kate Bush offensichtlich. „On the ground they’re ppff (splodging sound), but in the water they’re ‚wahooo!‘ Which is the way with a lot of dancers“ [4]. Eine Identifizierung des „moving stranger“ mit einem anonymen Liebhaber (durchaus denkbar) scheint also nicht gemeint zu sein. Kate sieht den Wal als Verkörperung des Meeres, als durch den Tanz befreites Wesen. Der Wal hat aber weitere Bedeutungen. Im Christentum verbirgt sich hinter ihm der Teufel als Ungeheuer der Tiefe des Wassers. Seine Kieferbacken markierten die Tore zur Hölle [9]. „Der Bauch des Wals als Ungeheuer des Wassers gleicht dem Ort des Todes, dem verschlingenden Grab der Dunkelheit des Unbewussten, dem Bereich der Nacht“ [9]. „Bei solchen mythischen „Nachtmeerfahrten“ besteht aber Gefahr, dass unser in unbekannten seelischen Raum vorstoßendes Bewusstsein von den archaischen Mächten des Unterbewussten überrannt wird“ [9]. Der Wal ist Symbol für den Ort des Ursprungs, der Rückholung und Wiedergeburt, er steht für die „dunkle Nacht der Seele“ [9]. Der Wal ist also etwas Unheimliches, er steht für das Ungewisse, die andere Seite, das lockende Geheimnis, die Verführung. Vielleicht muss man das für Kate Bush so typische Motiv des Wassers ähnlich sehen – es geht um Nachtmeerfahrten auf die andere Seite. Ich weise auf „The Fog“, „Nocturn“ und „A Coral Room“ als Beispiele hin.
Es erscheint folgerichtig, wenn als Gegensatz auch ein Symbol für die verführte, angelockte, unschuldige Seele im Song auftaucht: „You crush the lily in my soul“. Die Lilie hat in der Symbolik als Grundbedeutungen die Reinheit des Herzens, die Unbeflecktheit, die Jungfräulichkeit [10]. Sie verweist auf die keusche Unberührtheit der Gottesmutter [10]. Im Song wird diese Unschuld gebrochen, der Tanz (die Verlockung des Wals) hat neue Welten eröffnet, Welten, die dunkler, geheimnisvoller sind. Dieser Prozess ist auch schmerzhaft, das deutet klar das Wort „crush“ an. Die musikalische Gestaltung spiegelt diese ganzen Aspekte wieder. Der Song ist in einem reinen 4/4-Takt gehalten, keine Abweichung stört den traumverlorenen Tanz [6]. Notiert ist „Moving“ in d-Moll, ab und zu gibt es Aufhellungen nach Dur – z.B. zu „As long you‘re not afraid to feel“, „Try to fall for me“ und zum letzten „Soul“ in „You crush the lily in my soul“ [6]. Es scheint A-Dur zu sein. Nach Beckh [7] steht d-Moll für das Starre, Erstorbene der Natur. Etwas mit Grab und Tod, mit dem Starren und Steinernen der Gruft hat diese Tonart zu tun. Sie scheint von einer Welt finsteren Werdens und Gestaltens zu sprechen, die vom Sonnenhaften des Lebendigen noch nicht durchleuchtbar ist [7]. Interessanterweise steht die berühmte Rachearie der Königin der Nacht ebenfalls in d-Moll (verwandte Koloraturen finden sich ja im Song). Kurt Pahlen weist bei dieser Arie darauf hin, das d-Moll eine Tonart ist, in der auffallend oft seelische Bewegung ausgedrückt wird [8]. Seelische Bewegung ist genau das Kernthema von „Moving“. A-Dur steht gemäß Beckh für Lichteshöhen, es steht für die durch irgendein Erlebnis, irgendeine Begegnung ausgelöste höchste verklärte Seelenstimmung [7].
Die Kombination dieser beiden Tonarten gibt die Grundstimmung von „Moving“ sehr gut wieder, auch die Tonarten stehen für den Ausbruch aus einer starren Welt in eine Welt des Lebendigen, sie stehen für eine Befreiung. Ganz folgerichtig musste für mich dieser Song das Album eröffnen. Er setzt das Thema für das Album, ist das Eingangstor in die Welt von Kate Bush. Er thematisiert die Verführung durch das Unheimliche und Unbekannte, den Verlust der „Unschuld“ durch das Veröffentlichen des Albums und durch das Tanzen bei Lindsay Kemp. Schon der Titel „Moving“ drückt es aus – Bewegung, von einem Punkt zum anderen. Eine in ihrer alten Welt gefangene Kate Bush bricht aus und tanzt in die Zukunft. So sehe ich diesen Song, ein helles Licht der Verheißung leuchtet auf aus der Dunkelheit. Kate Bush lockt uns in ihre Welt und nimmt uns mit auf ihre Nachtmeerfahrt. © Achim/aHAJ

[1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Moving_(Kate_Bush_song) (gelesen 16.07.2019)
[2] Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.107, 111, 116 und 169
[3] Ron Moy: Kate Bush and Hounds of Love. Aldershot. Ashgate Publishing Limited. 2007. S.13f
[4] Phil Sutcliffe: „Labushka“. Sounds 30.08.1980
[5] Paul Kerton: Kate Bush. Bergisch-Gladbach. Gustav Lübbe Verlag GmbH. 1981. S.42
[6] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.122f
[7] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.155ff (d-Moll) und S.136f (A-Dur)
[8] Kurt Pahlen: Wolfgang Amadeus Mozart – Die Zauberflöte. Mainz 2011. Schott Music GmbH & Co KG. S.108
[9] Clemens Zerling, Wolfgang Bauer: Lexikon der Tiersymbolik. München 2003. Kösel-Verlag. S.314f
[10] Clemens Zerling: Lexikon der Pflanzensymbolik. Baden und München 2007. AT-Verlag. S.155f
[11] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Roger_Payne (gelesen 20.08.2019)

Fotografie in der Popkultur zeigt Kate

Foto: Brian Griffin

„Pictures of Pop – Fotografie in der Popkultur“ ist eine neue Ausstellungsreihe, die am 30. August im Saarland startet. Präsentiert werden auch Fotos von Brian Griffin. Die Ausstellungsreihe soll „die enorme Bandbreite, kommunikative Wirkkraft, emotionale Strahlkraft und atemberaubende Kreativität dieser Kultur des Jetzts vor Augen führen“. Bis März 2020 werden deshalb in über 40 Ausstellungen im gesamten Saarland mehr als 1000 Bilder von über 130 Fotografinnen und Fotografen präsentiert. Einer der Höhepunkte dürfte die Ausstellung der Fotos von Brian Griffin im Landtag des Saarlandes in Saarbrücken (23. September bis 21. Oktober) werden. Griffin ist für seine Porträts von Rockstars wie The Clash oder Iggy Pop bekannt geworden, aber auch für Fotos, die als Plattencover berühmt wurden. So zum Beispiel für das Cover zu Joe Jacksons Album „Look Sharp“ oder für Depeche Mode „A Broken Frame“. Genau dieses Coverfoto von 1982 veranlasste Kate ein Jahr später, ähnliche Fotos von sich von Griffin anfertigen zu lassen, die Teil der Ausstellung im Landtag Saarbrücken sein werden. Weite Infos zu der Veranstaltungsreihe gibt es hier, die Griffin-Bilder von Kate kann man auf der Internetseite von Brian Griffin hier sehen.

Neue arte-Doku schon im September

Die neue arte-Dokumentation über Kate Bush soll bereits am 13. September (in Deutschland um 21.50 Uhr) im TV ausgestrahlt werden. Ursprünglich war ein Sendertermin im Oktober vorgesehen. Online ist die 52-minütige Doku von Claire Laborey noch früher abrufbar: Am 6. September ist sie ab 5 Uhr auf arte.tv in der Mediathek online zu sehen, wie eine Sprecherin von arte auf Anfrage bestätigte. Claire Laborey hatte im Mai 2018 mit den Arbeiten zur Doku begonnen und sich für ihren Film mit Weggefährten und Fans von Kate unterhalten. Die Doku will die vier Jahrzehnte umspannende Karriere von Kate aufgreifen und der Frage nachgehen, wie der Kate Bush-Mythos entstehen konnte.

Zeitreise: Autogrammstunde mit Kate

Die signierten Poster, die Kate Paul geschickt hat, besitzt er heute noch.
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Dezember 1983: Kate signiert, Paul kassiert.

Die Chancen, sein Idol Kate Bush zu treffen, sind rar gesät. Paul Welbourne, der seit 1990 der Liebe wegen in Deutschland lebt, hatte 1983 eine der seltenen Gelegenheiten. Paul arbeitete damals in der Plattenabteilung von WH Smith am Holborn Circus in London. Ein Kaufhaus, das früher hauptsächlich Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Schreibwaren und Schallplatten verkaufte. „Damals befand sich unser Hauptsitz in einem Gebäude direkt gegenüber, so dass wir oft als eines der Flagship-Stores im Unternehmen angesehen wurden. Deshalb hatten wir das Glück, dass einige berühmte Persönlichkeiten öfters Exemplare ihres neuen Buches signiert haben. Allerdings schien die Plattenabteilung bei diesen besonderen Ereignissen immer außen vor zu bleiben – bis zu einem wunderbaren Freitag in Dezember 1983“, erinnert sich Paul. „Ich bin ein Fan von Kate Bush, seit ich als 18-Jähriger zum ersten Mal Wuthering Heights im Radio gehört habe. Seitdem habe ich ihre Musik und Karriere verfolgt. 1982 war ich total begeistert, als ‚The Dreaming‘ veröffentlicht wurde. Im November 1982 veröffentlichte Kate ‚The Single File‘, eine Zusammenstellung ihrer ersten zwölf Videos. Kates Musik schien sich im Laden immer gut zu verkaufen. Vielleicht hatte das etwas mit der Menge an Promotion zu tun, die ich ihr im Laden gab“, sagt Paul mit einem Schmunzeln. Anfang Dezember 1983 liefen die Vorbereitungen auf das Weihnachtsgeschäft jedenfalls auf Hochtouren. Paul: „Eines Morgens wurde unsere Abteilung (wir waren zu fünft) zusammengerufen, und wir wurden von unserem Manager darüber informiert, dass die Einkäufer der Zentrale eine Autogrammstunde für den 9. Dezember organisiert hätten.“ Niemand Geringeres als Kate sollte ‚The Single File‘ promoten und das Album ‚The Dreaming‘ signieren.

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„Die nächsten Tage konnten für mich nicht schnell genug vergehen, bis schließlich Freitag, der 9. Dezember kam. Am Vorabend, nach Ladenschluss, hatten wir den Tresen und die Regale mit allen Platten und Kassetten von Kate, zusammen mit dem ‚The Single File‘-Video, dekoriert. Die hatten wir natürlich alle in großen Mengen bestellt. Unser Hauptgeschäft haben wir immer während der Mittagspause gemacht, wenn alle Büroangestellten zum Einkaufen kamen. Also wurde vereinbart, dass Kate in dieser Zeit zu uns kommen würde. Sie würde ein bis zwei Stunden bleiben, je nachdem, wie viel los war. Natürlich kamen die Fans schon viel früher und es herrschte eine aufgeregte, erwartungsvolle Atmosphäre. Zu meiner Überraschung war ich der Kasse zugewiesen worden, direkt neben der Stelle, wo Kate sitzen würde. Sie würde signieren und ich dann gleich kassieren. Ich fand später heraus, dass der Manager wusste, dass ich ein Fan von ihr war und mich absichtlich auf diese Kasse gesetzt hatte.“ Als Kate dann kam, fingen die Fans an zu schreien und Kate erschien in der Menge. „Ich kann mich erinnern, dass ich mir gesagt habe, ganz ruhig zu bleiben – genau in diesem Moment stand Kate vor mir! Sie trug eine Jeans, eine goldfarbene Bluse und eine braune Strickjacke – ganz anders als das, was sie auf dem Cover von ‚The Single File‘ trug. Der Manager stellte mir Kate vor, ich bemerkte sofort ihr magisches Lächeln und dann schüttelten wir uns die Hand“, erzählt Paul. „Die nächsten zwei Stunden schienen verschwommen zu vergehen. Kate war damit beschäftigt, all die Sachen, die vor ihr lagen, zu unterschreiben. Aber dazwischen schafften wir es, ein bisschen miteinander zu reden. Ich erinnere mich, dass ich sie gefragt habe, wann sie wieder auf Tour gehen würde. Kates Antwort war: ‚Ich habe im Moment keine Pläne, aber hoffentlich irgendwann bald wieder‘. Zu dem Zeitpunkt wusste ich natürlich nicht, dass sich das ‚bald‘ als 31 Jahre herausstellen würde. Kate war sehr entspannt und schien die ganze Aufmerksamkeit zu genießen. Es war so einfach mit ihr zu reden, und wir haben viel gelacht. Besonders als ich ihr sagte, dass ich noch nie so viel Geld in meiner Kasse hatte und dass sie öfters vorbeikommen sollte.“ Bevor Kate ging, hat sie schnell noch mein Exemplar von ‚The Dreaming‘ signiert. „Wir umarmten uns spontan, gaben uns gegenseitig einen Kuss auf die Wange und dann war sie weg. In diesem Moment war sie die netteste Person, die ich je getroffen hatte.“

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Ein paar Tage später traf Post für Paul im Laden ein. „Der Manager hatte eine große Papprolle in der Hand. Das sei eine Überraschung für mich. Ich war etwas verwirrt und begann das Paket zu öffnen. Ich war absolut verblüfft über den Inhalt: Kate hatte mir ein paar signierte Poster geschickt. Sie hatte sogar extra den Manager angerufen, um sicherzustellen, dass sie sich an meinen Namen erinnert. Ich war überwältigt von dieser Geste. Natürlich habe ich die Poster immer noch, und sie haben meine vielen Umzüge überlebt, einschließlich meines Umzugs von Großbritannien nach Deutschland.“ 31 Jahre hat es dann gedauert, bis Paul Kate wiedergesehen hat: am 26. August 2014 war er zur Premiere von ‚Before The Dawn‘ in London dabei. „Wie viele andere, die an diesem Abend dabei waren, war ich vollkommen von meinen Gefühlen überwältigt. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Chance bekommen würde, Kate wiederzusehen und mit den anderen zu zeigen, wie viel ihre Musik für mich bedeutet. Aber was auch immer kommt, dieser eine ganz besondere ‚moment of pleasure‘, den Kate mir im Dezember 1983 bereitet hat, werde ich nie vergessen.“ Paul Welbourne

Cloudbusting touren durch die Niederlande

Foto: Cloudbusting

Die englische Tribute-Band „Cloudbusting“ wird erstmals Konzerte auf dem Festland geben. Für November hat die Band um Sängerin Mandy Watson auf ihrer Internetseite sieben Konzerte in den Niederlanden und ein weiteres in Belgien angekündigt. Bisher ist „Cloudbusting“ ausschließlich in Großbritannien und Irland aufgetreten. Zumindest der Termin in Belgien ist für Fans aus NRW interessant: von Köln aus sind es nur 120 Kliometer bis Maaseik.
Gegründet wurde die englische Tribute-Band im Jahr 2012 – damals noch mit Frontfrau Lisa Oliver und weit bevor irgendjemand auch nur ahnte, dass Kate zwei Jahre später selbst wieder auf einer Bühne stehen und Konzerte geben würde. Taucht Kate ab, gibt es für Fans nur zwei wirklich gute Möglichkeiten, ihre Songs live zu hören. Wer möglichst nah am Original dran sein will, sichert sich ein Ticket für ein Cloudbusting-Konzert, wer den Fun-Faktor bevorzugt, hofft darauf, dass es die amerikanische Band „Baby Bushka“ nach Europa verschlägt. Ans Original kann sich aber nur „Cloudbusting“ annähern. Sie sorgen vor allem dafür, dass man Kate-Songs live hören kann, die Kate selbst noch nie live präsentiert hat. Und das gelingt bei Stücken wie „Rocket’s Tail“ oder „Night Of The Swallow“ so überzeugend, dass selbst Kate-Bassist Del Palmer mit ihnen schon mehrere Konzerte gegeben hat. Die Konzerte in den NIederlanden hatte die Band übrigens schon 2013 auf der Agenda. Damals hatte sich die Truppe einen Konzertveranstalter in den NIederlanden gesucht, um Auftritte außerhalb von UK zu organisieren. Sechs Jahre später finden sie nun statt. Das liegt für Fans aber im üblichen Rahmen.

Die Temine: 13.11.2019 Beverwijk NL – Kennemer Theater; 15.11.2019 Papendrecht NL – Theater Willem; 16.11.2019 Wageningen NL – Junushoff; 17.11.2019 Middleburg NL – Stadsschouwburg; 21.11.2019 Veghel NL – De Blauwe Kei; 22.11.2019 Maaseik BE – Cultuurcentrum; 23.11.2019 Deventer NL – Deventer Theater; 24.11.2019 Schiedam NL – Wennekerpand.

Das Bild des Monats: August

© Sjaak Vullings

Leave it open handelt von einer Person, „die vielleicht nicht ganz in die Gesellschaft passt. Die Person weicht von der Mehrheit abd und hat Probleme damit, anders zu sein oder sich anders zu fühlen, und ist wahrscheinlich hochsensibel. Nach einigen Verletzungen erscheint die einzige Lösung, sich anderen Menschen gegenüber zu verschließen, um keine weiteren Schmerzen ertragen zu müssen“, sagt Sjaak, und hat versucht, genau dieses Bild in einem Selfie festzuhalten.
My door was never locked
Until one day a trigger come, cocking
(But now I’ve started learning how)
I keep it shut
„Das Bild ist der Zustand, in dem die Person ihr Energiesystem geschlossen hat indem sie ihre Arme vor dem Herzen verschränkt, um zu überleben.“ Und zudem erscheint die Person auf dem Foto nackt, hilfebedürftig und gar nicht mal abweisend. „Denn vielleicht gibt es gleichzeitig schon die Idee und das Bewusstsein, stark genug zu sein, um sich zu öffnen und einfach die Verrücktheit hereinzulassen…“ We let the weirdness in. Für Sjaak ist dieser Song die klare Botschaft von Kate, dass man immer zu sich selbst und seinen Fehlern stehen sollte, es wagen sollte, einzigartig und ‚anders‘ zu sein und auch den Mut und die Kraft zu finden, sich eben nicht zu verschließen, sondern sich immer zu öffnen für andere Menschen.
Harm is in us.
Harm is in us, but power to arm.
Harm is in us.
Harm in us, but power to arm.
Harm is in us.
(„Leave it open!“)
Harm is in us, but power to arm.’
What you letting in?
Tell me what you’re letting in.
Say what we’re gonna let in! We let the weirdness in.

Wer den Beitrag über Sjaak verpasst hat, kann hier mehr über ihn erfahren.

Happy Birthday, Kate