Feb 23

Die And so is Love-Promo aus Kanada

allweeverlookforand-so-is-love-kanada-promo-maxi-cd-aKanada ist ja bekannt dafür, alles anders zu machen – denkt man an die „Hounds Of Love“-LP in Pink oder die 12″ Maxi mit anderer Titel-Zusammenstellung. Auch hier hat man alles richtig gemacht. Das offizielle Cover zu „And so is Love“ hat mir nie richtig gefallen, das Bild war mir zu düster und ich hatte keinen Bezug dazu. Was hat es mit dem Text zu tun? Was soll es uns sagen? Das Bild der Kanadischen Promo gefällt mir viel besser und man hätte es als Standard-Cover benutzen sollen. Eines der schönsten Kate Bush-Bilder, was auch als Promo-Poster für „The Red Shoes“ benutzt wurde. Die Promo ist extrem limitiert und sehr selten zu finden. Schlagt zu, wenn ihr eine findet und rechnet mit mindestens 100 Euro! Happy hunting! Michael Guth

Feb 18

Das Song-ABC: Deeper Understanding

abc„Deeper Understanding“ ist eines meiner Lieblingslieder. Ich bin bei jedem Wiederhören vom Inhalt und der musikalischen Gestaltung fasziniert. Es ist ein sehr eindringliches und melancholisches Lied über die Wechselbeziehung von Mensch und Computer. Dies war für die Entstehungszeit – 1989 – sehr prophetisch, wenn man bedenkt, dass sich das Internet erst ab dieser Zeit verbreitete. In meiner Analyse beziehe ich mich hauptsächlich auf diese Fassung (Unterschiede zur Fassung von „Director’s Cut“ aus dem Jahr 2011 betrachte ich zum Schluss).
deeper_400Die bekanntesten Interpretationen des Liedes in der Fassung von 1989 lassen wichtige Aspekte aus. Sie gehen nach meinem Empfinden von der Jetztzeit aus, in der Computersucht ein überall diskutiertes Thema ist und beschränken sich zu sehr auf diese Thematik. Graeme Thomson [1] z.B. meint, es geht in diesem Song um die Besessenheit vom Computer und das Lied zeige, wie dies „Gemeinschaften und Familien unterminieren kann, so dass die Protagonistin völlig isoliert ist und schließlich bei der Maschine Trost und Interaktion sucht.“ Die ersten Zeilen des Songs [2] legen das auch nahe („As the people here grow colder / I turn to my computer / And spend my evenings with it / Like a friend“) und wenn man hier mit dem tieferen Nachdenken aufhört, dann ist diese Schlussfolgerung naheliegend.
Es ist aber eher umgekehrt: Nicht der Computer führt in die Einsamkeit, Einsamkeit treibt zum Computer – und dort findet sich etwas ganz Unerwartetes. Es gibt von Kate Bush klare Aussagen, wie sie das Lied gemeint hat.
„This is about people… well, about the modern situation, where more and more people are having less contact with human beings. We spend all day with machines; all night with machines.  You know, all day, you’re on the phone, all night you’re watching telly. […] It’s like this long chain of machines that actually stop you going out into the world. It’s like more and more humans are becoming isolated and contained in their homes. And this is the idea of someone who spends all their time with their computer and, like a lot of people, they spend an obsessive amount of time with their computer. People really build up heavy relationships with their computers!“ [3]
Das Hauptthema ist also nicht das „Unterminieren von Gemeinschaften und Familien“ [1]. Es geht darum, dass wir so eng und intensiv mit Computern interagieren, dass wir eine intime Beziehung zu ihnen aufbauen. Es geht um Vereinsamung, Kommunikation und Errettung. Die Protagonistin hat nur die BlackBox ihres Computers zum Freund [4]. Graeme Thomson meint zutreffend, es sei „gleichzeitig seltsam berührend, wie sie sich in ihrem trüben und einsamen Leben nach emotionaler Zuwendung sehnt“ [1]. Der Song ist wohl nicht direkt autobiographisch, „aber einige der hier dargestellten Empfindungen kannte sie vielleicht aus eigener Erfahrung, spätestens aus der Zeit, in der sie, begleitet allein vom Fairlight CMI, an den schwierigen Passagen dieser Platte gearbeitet hatte“ [4].
„And this person sees an ad in a magazine for a new program: a special program that’s for lonely people, lost people. So this buff sends off for it, gets it, puts it in their computer and then like <pyoong!>, it turns into this big voice that’s saying to them, „Look, I know that you’re not very happy, and I can offer you love: I’m her to love you. I love you!“ And it’s the idea of a divine energy coming through the least expected thing“ [3].
Zur steinernen, trostlosen, leeren Welt kommt das Leben dazu, das Weben der Natur. Das Angesicht Gottes wird gesehen durch das unerwartetste Medium. Eine sich hinter dem Computer verbergende Wesenheit bekommt eine Stimme – es sind in der Fassung von 1989 die unirdischen Stimmen des Trio Bulgarka [1]. Der Song war fast schon komplett, als die Arbeit mit dem Trio Bulgarka begann [4]. Absicht war, dass die Musik hier fast nach Engelsstimmen klingt, sehr ätherisch und tiefreligiös und gar nicht mechanisch. Die Musik des Trios hat etwas Uraltes und Tiefgründiges [4]. Das verleiht „diesem Song über Entfremdung eine spirituelle, übersinnliche Dimension“ du_still_1[1]. „When I was working on Deeper Understanding, the idea was that the verses were the person and the choruses were the computer talking to the person. I wanted this sound that would almost be like the voice of angels: something very ethereal, something deeply religious, rather than a mechanical thing. And we went through so many different processes, trying vocoders, lots of ways of affecting the voice, and eventually it led to the Trio Bulgarka“ [5]. Die Zusammenarbeit mit dem Trio muss sehr spannend gewesen sein. Kate und das Trio hatten keine gemeinsame sprachliche Basis und Kate Bush hatte keinen Anhaltspunkt, was sie eigentlich sangen. Das Trio wurde laut Graeme Thomson gebeten, das Gefühl der Verzweiflung zu vermitteln, denn das „fügt sich perfekt in einen Song, in dem Mensch und Maschine sich zwar nicht verstehen, aber dennoch auf anderer Ebene zueinanderfinden, was, bei aller Unwahrscheinlichkeit, auf eine gewisse Art trostreich sein mag“ [1]. Dies ist für mich ein weiteres Indiz, dass Thomson diesen Song missversteht. Zu diesem „Gefühl der Verzweiflung“ findet sich nirgendwo etwas in den Interviews – es passt auch nicht zu Kates Aussagen. Ich persönlich höre hier auch beim besten Willen nichts von Verzweiflung (ich tue mich aber schwer, das vermittelte Gefühl zu beschreiben – Spiritualität?). Ich meine eher, dass hier zwei Wesen mit unterschiedlicher Sprache aufeinandertreffen. Ein Außenstehender kann nicht verstehen, was hier passiert und auf welche Weise das passiert. Da ist eine Art von göttlicher Magie im Spiel und dazu passen diese Stimmen ganz genau.
„For me, when I think of computers, it’s such a cold contact and yet, at the same time, I really believe that computers could be a tremendous way for us to look at ourselves in a very spiritual way because I think computers could teach us more about ourselves than we’ve been able to look at, so far. I think there’s a large part of us that is like a computer. I think in some ways, there’s a lot of natural processes that are like programs… do you know what I mean? And I think that, more and more, the more we get into computers and science like that, the more we’re going to open up our spirituality“ [3].
Für Kate Bush geht es in „Deeper Understanding“ um ein tieferes und besseres Verstehen. Die Verbindung mit dem Computer öffnet unseren Geist, unser Verständnis. „And it was the idea of this that this… the last place you would expect to find love, you know, real love, is from a computer and, you know, this is almost like the voice of angels speaking to this person, saying they’ve come to save them: „Look, we’re here, we love you, we’re here to love you!“ And it’s just too much, really, because this is just a mere human being and they’re being sucked into the machine and they have to be rescued from it. And all they want is that, because this is ‚real‘ contact“ [3].
Wie so oft in den Songs von Kate Bush fallen helle und dunkle Themen zusammen und lassen sich nicht trennen. du_still_2Dieser Kontakt mit etwas Überirdischem überlastet den normalen menschlichen Verstand. „But it’s so intense it’s too much for them to take, and they actually have to be rescued from just being killed with love, I suppose“ [6].
Die Inspiration kam wie so oft bei Kate Bush aus Fernsehen oder Film: „I suppose one inspiration was a program I saw last year about a scientist called Stephen Hawking who for years had been studying the universe, and his concepts are like the closest we’ve ever come to understanding the answer. But unfortunately he has a wasting-away disease, and the only way he can talk is through voice process. It was one of the most moving things I’ve ever heard. He was so close to the answers to everything, and yet his body was going on him — in some ways it was the closest I’d ever come to hearing God speak! The things he was saying were so spiritual, it was like he’d gone straight through science and come out the other end. It was like he’d gone beyond words, and I do think that there is this possibility with computers that we really could learn about ourselves on levels that could take us into much deeper areas“ [7].
Der Astrophysiker Stephen Hawking kann sich nur durch eine Sprachkonsole verständigen. Weisheit spricht durch einen Computer. Alle Aussagen von Kate Bush sprechen dafür, dass es nicht um die Vereinsamung von Menschen durch den Kontakt mit Computern geht. Es geht darum, dass Personen auf eine ganz unerwartete Weise und durch nicht erwartete Kanäle Kontakt mit dem Göttlichen bekommen können. Dabei bewegt sich das Lied auf einem schmalen Grad. Vereinsamung und Computersucht auf der einen Seite und göttliche Inspiration auf der anderen Seite – beides spielt hinein, in beide Richtungen kann der Song interpretiert werden. Für mich überwiegt in der Fassung 1989 die spirituelle Seite, weil sich die Komponistin ganz klar in diese Richtung geäußert hat.
Die musikalische Gestaltung unterstützt dies alles perfekt und einfühlsam. Die erste Strophe beschreibt die Situation der Protagonistin. Der Computer wird als Freund in einer einsamen Welt gesehen. „As the people here grow colder / I turn to my computer / And spend my evenings with it / Like a friend“. In diese Vereinsamung und Abkapselung bricht die Verheißung des Computermagazins hinein: „Are you lonely are you lost / This voice console is a must.“. Dazu ist leise so etwas wie ein düsterer Chor zu hören, es klingt wie ein bedrohliches Rauschen. Soll dies andeuten, dass es im Hintergrund der Welt etwas Anderes geben könnte, etwas Geheimnisvolles?
Nach dem „Execute“ kommen die „bleeps“ eines typischen Einwahltons. Danach wechselt die Perspektive von der Protagonistin (in der Strophe, gesungen von Kate Kate Bush) zur Sprachkonsole (im Chorus, ebenfalls gesungen von Kate Bush) [2]. Der Grundrhythmus aus der Strophe zieht sich weiter, er wird aber ruhiger und tänzerischer. Ein Hauch von Leben kehrt in die starre Welt ein. Zur Stimme im Chorus kommt im Hintergrund der Gesang des Trio Bulgarka dazu, wie ein fernes Echo. Die Sprachkonsole klingt menschlich, aber unwirklich, wie ein Chor von Stimmen. „Hello, I know that you’ve been feeling tired. / I bring you love and deeper understanding. / Hello, I know that you’re unhappy. / I bring you love and deeper understanding.“  Zu dieser Botschaft der Sprachkonsole bilden die Stimmen des Trios mit ihrem unverständlichen Text einen geheimnisvollen Hintergrund; das sind die Stimmen aus der göttlichen Welt, das ist die Verheißung, dass Liebe und Wissen möglich ist. Die Melodik des Trios ist mikrotonal, melismatisch, fremdartig für an Popmusik gewöhnte Ohren. Es ist definitiv eine andersartige, musikalische Welt [4]. Der kalten Computerwelt („bleeps“) wird die Wärme der Trio-Stimmen gegenübergestellt. Technologie in ihren verschiedenen Facetten und Formen wird so ohne ein Wort charakterisiert [4].
In der zweiten Strophe (das ist die Situation nach diesem ersten Kontakt) wird die Melodie bewegter, fast etwas aufgeregt wird die Stimme der Protagonistin durch die Instrumente umspielt. In dieser Strophe tritt aber auch die Überlastung des Menschen durch diesen Kontakt zutage. „Well I’ve never felt such pleasure. / Nothing else seemed to matter.“  Im zweiten Chorus sind die Stimmen des Trio Bulgarka näher zu hören. Der Kontakt ist tiefer, intensiver und vertrauter geworden.
du_still_4In der instrumentalen Überleitung zur Coda nimmt die Stimme der Sprachkonsole die Melismatik der göttlichen Stimmen auf. Die Sprachkonsole ist eindeutig so die Botschafterin, die Vermittlerin.
In der Coda nach dem „I turned to my computer like a friend“ sind wieder die Einwahltöne zu hören, dann kommt die Solistin des Trio Bulgarka dazu. Sie ist nun im Vordergrund zu hören. Die Kommunikation ist jetzt ganz nah. Sie ist nun persönlich, jetzt ist es eine deutlich vernehmbare, einzelne Stimme. Die Melodie ist noch verzierter und fremdartiger als vorher. Unbekannte, faszinierende Welten tun sich auf durch diesen Kontakt. Zum Schluss gibt es nach dem „Give me deeper understanding“ noch eine Steigerung der Emotionalität. Leise klingt der Trommelrhythmus aus. Nun singt das Trio Bulgarka im Hintergrund eine etwas andere Melodie, die sich mit dem Rhythmus vereinigt – die Synthese ist geschafft. Das Trio Bulgarka tritt immer deutlicher hervor und ist zum Schluss ganz nah. Die Welten werden eins, der Ausgang der Geschichte ist ungewiss.

Die Strophen des Songs sind in d-Moll geschrieben. Im Chorus wechselt die Harmonik langsam in die Paralleltonart F-Dur, wobei insbesondere F-Dur-Akkorde zu „Hello“ und „Love“ erklingen. In der Coda vermischen sich dann d-Moll (die Welt der Protagonistin) und F-Dur (die Gegenwelt des Computers) untrennbar miteinander [2].
Wie so oft bei Kate Bush passen die Tonarten erschreckend genau zu den vermittelten Inhalten und Botschaften.
„Etwas mit Grab und Tod, mit dem Starren, Steinernen der Gruft oder dem Mineralischen der Erde hat die d-Moll-Tonart da, wo sie uns voll-ausdrucksvoll entgegentritt, zu tun“ [8]. Es ist eine Welt, „die vom Sonnenhaften des Lebendigen noch nicht durchleuchtet ist“. F-Dur dagegen ist die Naturtonart, sie hat eine Beziehung zu dem alles Natürliche durchwebenden und durchlebendem „Ätherischen“ und „Elementarischen“ . Das „Urtönen und Naturtönen der Welt selbst fängt sich in ihr“. Der intime Grundton aller Naturgeräusche, das Rieseln des Baches, das Säuseln des Windes, liegen diesem F oder F-Dur zugrunde. Es ist ebenfalls eine „fromme, religiöse Tonart“. Nach Beckh liegen d-Moll und F-Dur nah beieinander, „wenn wir von dem Naturhaften dieses Lebendig-Webende in Abzug bringen“ [8].
Auch in den Tonarten bricht der Kontakt mit einer göttlichen, spirituellen Welt wie ein Sonnenstrahl hinein in eine tote, kalte, technische Welt. Kate Bush drückt es selbst so aus – und dem ist fast nichts hinzuzufügen: „With my music, I like to combine both the old and the new, the high tech and the compassion from the human element, the combination of synths and acoustic instruments“ [7]

Zur Fassung von „Deeper Understanding“ aus dem Album „Director’s Cut“ von 2011 will ich weniger Worte verlieren, da mir diese Fassung nicht so gefällt. Kate Bush hat das Lied einer Revision mit zwanzig Jahren Abstand unterzogen. Computer werden nun ganz anders gesehen, sie sind ein Teil des Lebens. Die Sucht des „Always on“ und die Vereinsamung sind nun reale Themen. Möglicherweise hat Kate Bush daher nun das Pendel zur anderen Seite ausschlagen lassen. Auch das Video dazu tendiert in diese Richtung – die Verbindung mit dieser „Wesenheit“ hinter dem Tor in die Computerwelt wird als bedrohlich dargestellt (u.a. wird das „sucked into the machine“ [3] visualisiert). Die Sprachkonsole ist nun eine verzerrte Conputerstimme, die nichts mehr von Verlockung in sich hat. Wohl weil mir die Originalfassung so gut gefällt, fühlt sich das für mich falsch an. Es zerstört für mich die Stimmung des Liedes. Nur in der Coda ist kurz ganz weit weg die Solo-Stimme des Trio Bulgarka zu hören. Die Mystik tritt dadurch sehr in den Hintergrund, das Lied ist auf den kalten, technischen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Fassung endet jazzartig, wie live gesungen – das weist hingegen in die Zukunft. Vielleicht ist mein Urteil über diese Fassung so hart, weil ich die Ursprungsfassung in mein Herz geschlossen habe. Es wäre interessant, wie Personen das im Vergleich empfinden, die beide Fassungen zum ersten Mal hören.  (© Achim/aHAJ)

[1] Graeme Thomson: „Kate Bush. Under the ivy“. 2013. Bosworth Music GmbH. S.213 S.309
[2] Kate Bush: The sensual world (Songbook). London 1990. EMI Music Publishing Ltd. S.32ff
[3] Roger Scott: Radio One Interview. 14.10.1989
[4] Rob Jovanovic: „Kate Bush. Die Biographie“. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S. 173-174
[5] Steve Sutherland: „The Language of Love“.  Melody Maker. 21.10.1989
[6] N.N.: Interview WFNX Boston. Herbst 1989
[7] Will Johnson: „A Slowly Blooming English Rose“.  Pulse. Dezember 1989
[8] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.149-152 (F-Dur) und S.155-157 (d-Moll)

Feb 13

Kate lässt Vinyl an der Müritz produzieren

Foto: Ole Steindorf

Foto: Ole Steindorf

Foto: Ole Steindorf

Foto: Ole Steindorf

Vinyl ist das schwarze Gold des Musikliebhabers. Wobei die Zeiten längst vorbei sind, in denen Platten ausschließlich schwarz sein müssen. Kate ist dem Vinyl stets treu geblieben. Als die CD zu Beginn der 1980er Jahre auf den Markt kam, verdrängte sie das Vinyl mehr und mehr – auch wenn es immerhin noch bis 1989 dauerte, bis erstmals mehr CDs als LPs und Singles verkauft wurden. Kate veröffentlichte unbeirrt weiter Vinyl. Wer dem Trend damals nicht folgte und 1993 die „The Red Shoes“ auf Vinyl kaufte, könnte sie heute locker für 150 bis 200 Euro verkaufen. Das 2005er Doppel-Album „Aerial“ geht sogar zu noch höheren Preisen über den Tisch. Dass Kate den analogen Klang bevorzugt, ist bekannt. Also sind auch alle Alben von ihr aus diesem Jahrzehnt („Director’s Cut“, „50 Words for Snow“ und „Before the Dawn“) jeweils auf Vinyl erschienen. Alle drei Produktionen haben etwas verblüffendes gemeinsam: sie wurden in Deutschland gepresst, und zwar bei der optimal media GmbH in Röbel an der Müritz, knapp 150 Kilometer von Berlin. Optimal Media ist ein Tochterunternehmen der Edel AG, die als größtes Indepent-Label in Europa gilt. Das Presswerk in Röbel nahm Ende 1991 den Betrieb auf und produzierte zunächst nur CDs. „Im Herbst 1995 haben wir mit der Vinylproduktion begonnen. In den ersten Monaten wurden ca. 60.000 Schallplatten je Monat produziert, dass schaffen wir heute mindestens in 24 Stunden.

Foto: Michael Lange

Foto: Michael Lange

„Über die Jahre wurde bei optimal media konstant Vinyl gefertigt. Ende 2012 begann die Nachfrage zur Vinylfertigung weltweit rasant anzusteigen. Aus dem Grund haben wir im Jahr 2013 einen zweiten, komplett neuen Bereich für die Vinyl-Replikation aufgebaut und die Kapazitäten in Mastering, Galvanik und im Schneidstudio erweitert“, erzählt Petra Funk, beim Unternehmen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 24 Millionen VInyl-Schallplatten werden aktuell im Jahr produziert. Vor zwei Jahren waren es noch 16 Millionen. Ein Plus von 50 Prozent in nur zwei Jahren: Von solch einem rasanten Umsatzplus können andere Branchen nur träumen. Eines der Probleme in der Vinyl-Produktion: Es gibt keine neuen Maschinen. „Nach wie vor arbeiten die Presswerke und auch wir mit Maschinen der alten Generation. In erster Linie sind das Pressautomaten der schwedischen Marke Toolex Alpha. Jedoch gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen weltweit, Pressautomaten neu oder nachzubauen. So wurden zum Beispiel von der Firma newbuilt neue Pressen vorgestellt, die jedoch nur im Handbetrieb funktionieren.
Voll automatisch arbeitende Pressen sollen von einem Hersteller in Kanada (vor allem für den amerikanischen Markt) in nächster Zeit angeboten werden. Und es gibt eine kleine Firma in Schweden, die die Automaten auf Basis der Toolex Alpha Technologie nachbaut. Zwei solcher Automaten gibt es bereits, einer davon ist seit Ende 2016 bei uns im Einsatz“, erklärt Petra Funk. Ganz abgesehen davon, dass es natürlich auch der entsprechenden technischen Infrastruktur und einer funktionierenden Galvanik bedarf.
Produziert wird für die großen Major-Label genauso, wie für kleinere oder Indy-Labels aus der ganzen Welt. Petra Funk: „In der Regel erhalten wir eine Anfrage zur Produktion und erstellen dazu ein Angebot. Entscheidet sich der Kunde bei uns zu fertigen, werden dann entweder die Musikdaten angeliefert und wir nehmen in unserem Schneidstudio den DMM- oder Lackschnitt vor. Oder der Kunde lässt in einem anderen Schneidstudio den Schnitt erstellen und schickt diesen dann zu uns. Dann geht es weiter mit dem Fertigungsprozess über Galvanik, Pressung und Qualitätskontrolle. Parallel dazu stellen wir auch die Etiketten sowie einen großen Teil der Innentaschen und Cover selbst her, bis hin zur Konfektionierung und schließlich dem Versand.“ Die Musikdaten werden ganz unromantisch meist via Datenübertragen angeliefert. Details, wie das speziell bei den Alben von Kate Bush funktioniert, rückt das Unternehmen natürlich nicht heraus („Wir behandeln diese Informationen vertraulich.“), aber klar ist, dass bei aufwändigeren Produktionen auch der Austausch intensiver ist.
btdvinylbox400Petra Funk: „Wir sind insbesondere auch Spezialist für die Herstellung von Boxproduktionen, besonderen Editionen usw. Hier gibt es vor und im Laufe der Produktion natürlich regelmäßig Abstimmungen mit dem Kunden, sei es für die Pressung (zum Beispiel Erstellen von Testpressungen) oder zur Freigabe der Druckdaten. Mitunter ist ein Grafiker vor Ort und begleitet den Andruck oder es kommt ein Beauftragter zum Abhören und Freigeben einer Testpressung. In der Regel werden Testpressungen, so der Kunde sie wünscht, und Andrucke an den Kunden zur Freigabe geschickt.“ Das klingt zumindest ganz nach Kate und es klingt vor allem nach dem aktuellen 4LP-Set von Before the dawn. Eine bittere Wahrheit muss man als Kate-Fan allerdings noch verdauen: Mit den Pressmatritzen kann man in der Regel um die 5000 LPs produzieren, bevor sie verschleißen. Gut erhaltene Matrizen, die sogenannten Stamper, werden archiviert, abgenutzte leider entsorgt. „Wir archivieren jedoch die ‚Mütter‘ und können dann davon bei Bedarf neue Matrizen erstellen“, erzählt Petra Funk. Damit wäre der Nachschub an Vinyl von Kate in den kommenden Jahren zumindest für die letzten drei Alben gesichert.

Feb 08

Show a little devotion: Michael

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…Heute von Michael, der ausrücklich drauf hinweist, dass die Beantwortung der Fragen schwanken kann – abhängig von Jahreszeit, Stimmung und Lebensumstand:
michael-devotionMit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
Mit „The Morning Fog“. Bietet sich doch an, oder?

Welche von Kate besungene Figur wärst Du gerne?
Ich denke, ich identifiziere mich nicht mit einer Figur, die von Kate besungen wird. Eher identifiziere ich mich mit einem ganzen Lied. Das schwankte früher zwischen “Never be mine” und “Kashka from Bagdad”. Heute ist es eher “Sunset”.

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate?
„And it’s not easy for me to give away a secret. It’s not safe.” Obwohl ich von mir behaupte, ein recht extrovertierter Typ zu sein, gibt und gab es immer wieder Dinge in meinem Leben, die ich für mich behalte, für mich behalten will, seien es Gefühle, Erlebnisse, was auch immer.

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
DAS will keiner hören 😉
Ich glaube ich singe niemals Kate-Songs. Außer beim Warten in der Schlange vor dem Kate-Konzert im September 2014, da musste ich einfach “Moving” intonieren, als es endlich weiterging.

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit dem Lied „The man with the child in his eyes“. Dieses Lied sorgte dafür, dass ich meinen geliebten Mann kennengelernt habe, mit dem ich nun schon 17 Jahre zusammen bin. Ist eine längere Geschichte, aber ich glaube, das gehört nicht hierher.

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Siehe oben. Wobei da auch „Running up that hill“ dazugehört: Mein Mann und ich waren frisch zusammen und waren auf einer schwulen Party, da lief dieser Song. Wir tanzten zusammen auf der Tanzfläche, selbstvergessen. Es war wunderbar.

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
Auch hier fällt es mir schwer, einen Titel zu benennen. Ich würde mich in “An Architect’s Dream” sehen, was mit meinem großen Hobby, der Fotografie, zu tun hat.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
„Natürlich“ das Album „Hounds of Love“.  Aber eigentlich mag ich sie alle, es ist schwierig, mich für DAS Album zu entscheiden. Wobei die “Director’s Cut” nicht als eigenständiges Album ansehen würde.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
Das war “Cloudbusting”. Frühere Stücke (Wuthering Heights, Babooshka etc.) hatte ich zwar immer wieder mal wahrgenommen, aber ich weiß noch genau wie heute, wie ich, damals frischer Student, das Video zu Cloudbusting sah. Da war’s um, sie hatte mich ganz und gar.

Was macht für Dich Kate so besonders?
DAS ist eine gute Frage. Warum ausgerechnet Kate Bush? Und warum mache ich so einen “Kult” um die Frau? Es gibt noch andere Tonkünstler, die ich sehr schätze, aber die Verehrung zu diesen ist fern von der zu Kate. Vielleicht, weil sie seit 1986 in vielen Lagen und Stimmungen (durch ihre Lieder) mein Leben begleitet?

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Ich wünsche mir zunächst einmal, dass es ein weiteres Album gibt. Falls es dieses geben wird, wünsche ich mir, dass sie die Qualität weiterhin hält, dass sie wieder einen solchen Zauber wie auf der “Aerial” erzeugt. Mehr verlange ich eigentlich gar nicht.

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
Eigentlich wollte ich immer den zweiten Satz aus Beethovens 7. Sinfonie zu meiner Beerdigung. Aber eigentlich brauche ich da gar kein “Gedöns”. Beerdigungen sind was furchtbares für alle Beteiligten. Aber wenn, dann “Sunset”. Das sprüht so von Lebensfreude, damit die Trauergemeinde beschwingt nach Hause gehen kann …

Feb 03

BTD: Japan-Pressung erscheint nicht

btd-japan-promo620Der angekündigte und bereits zwei Mal verschobene Japan-Release von Before the Dawn ist von Warner Music Japan offenbar komplett gestrichen worden. Ursprünglich sollte das Box-Set am 21. Dezember erscheinen, wurde dann auf den 25. Januar verschoben und erneut gecancelt. Als neues Veröffentlichungsdatum wurde dann der 22. Februar angegeben. Einen entsprechenden Eintrag bei Warner Music Japan sucht man aber inzwischen vergeblich – er wurde von der Seite entfernt. Bestellbar ist die Japan-Pressung bei den einschlägigen Händlern in Japan auch nicht mehr. Begründung: „Production of this item has been discontinued by the manufacturer.“ In Deutschland kann der Japan-Import beispielsweise noch bei jpc vorbestellt werden, davon ist allerdings derzeit eher abzuraten. Warum die CD nicht als Japan-Pressung erscheint, bleibt vollkommen unklar, zumal Warner Music Japan eigens eine Promo-CD aufgelegt hatte, um die Veröffentlichung zu bewerben. Die dürfte sich zum äußerst raren Sammlerstück entwickeln. Seltsam war allerdings von Anfang an, dass nur eine CD-Veröffentlichung angekündigt war, nicht aber die Vinyl-Version. Dass ein neues Album von Kate nicht als Japan-Pressung erscheint und dort aus den USA oder Europa importiert werden muss, dürfte es so noch nicht gegeben haben, zumal sich die Japan-Pressungen nicht nur bei Sammlern großer Beliebtheit erfreuen.

Feb 02

Kate in Polaroids: Februar

kp_02aHello Earth

I get out of my car, step into the night and look up at the sky. And there’s something bright, travelling fast. Look at it go! Michael hat genau den ersten Moment festgehalten: Das Auto steht in der Dunkelheit, die Tür ist geöffnet, die nur schemenhaft zu erkennende Person tritt in die Dunkelheit. Michael beschreibt es so: „Das Heraustreten aus irgendwas: dem Auto, dem eigenen Schatten, dem bisherigen bzw. vermeintlich vorbestimmten Verlauf des Lebens. Jeder tritt selbst einmal heraus. Hier findet das Heraustreten im Dunklen statt, wo es zunächst noch keiner sieht.“ Vielleicht der beste Test, wie sich das neue Leben außerhalb des eigenen Schattens anfühlt.

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Jan 27

Einblicke in die Sensual World

allweeverlookfortsw-artwork1tsw-artwork2Heute mal etwas ganz Anderes. Eine CD zu machen ist schon arbeitsaufwändig genug, aber wer denkt jemals an den Produktionsprozess des Artworks? Vor Jahren postete ein Kate-Fan einige seiner besonderen Schätze im Internet, darunter das Artwork für „The Sensual World“. Normalerweise gehe ich davon aus, dass solche Sachen nach Abschluss der Arbeit in der Tonne landen, aber dieses hat Gottseidank überlebt und ging in seinen Besitz über. Vor kurzem entschloss er sich aber, eben dieses zu verkaufen. Anfänglich für eine Unsumme, doch glücklicherweise
habe ich das Paket für einen guten Preis bekommen. Zu sehen ist das 12″ Cover von „The Sensual World“ noch ohne Text und mit Markierungen, an denen retuschiert werden musste, auf Fotopapier; das Layout-Proof für das Label der 12″ „The Sensual World“ auf Fotopapier; zwei Layout-Proofs für das „This Woman’s Work“ LP-Box-Set auf Papier; das retuschierte Cover für die „The Sensual World“ LP auf Fotopapier; das Original-Bild für das „This Woman’s Work“-Cover auf Fotopapier und schließlich der schwarz/weiß Testabzug des „Love And Anger“-Covers plus vier Dias aus dem Video zu „Love and Anger“. Ich glaube, ich werde es rahmen lassen! 🙂

Michael Guth

Jan 22

Die Ode des mondsüchtigen Malers

tm620Lohfarbener Mond
von Beate Meiswinkel, inspiriert durch „Tawny Moon“, Kate Bush

Jede Wolke will ich verkleiden mit Silber
Jeden Stern lass ich strahlen in lieblichem Glanz
Die Eule soll herabschießen, der Wolf möge heulen
Wellen erheben sich in wallendem Tanz
Den Wind lass‘ ich weh’n
Den Sternenhimmel mache ich fest

Heute Nacht will ich den Mond malen
Heute Nacht male ich den Mond

Über die Ebenen von Afrika reist sie heran
Stürmt jeden Gipfel, nah und fern
Fern und nah
Oh, Geliebte, Liebste, meine Luna
Bald schon bist du da!

Herein bricht die Nacht
Sie erhebt sich über dem Strand
Ich muss es vollenden!
(und sei es mit wunden Händen!)

Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir:
Den Mond!
Nur zu, trau dich vor

Lohfarbener Mond!

Heute Nacht werde ich den Mond malen
Heute Nacht tanze ich mit dem Mond

Nur noch ein wenig Flitter, vermischt mit dem Erglühen
So male ich das Antlitz, das die Ozeane regiert
Strahlend, voll –
Geheimnisvoll!

Luna, meine Liebste, dein Ruf erklingt
Du schriebst dein Buch der Liebe
Und übergabst seine Seiten dem Wind

Schau nur den Mond an, heute Nacht
Schau nur, der Mond

Hörst du das Seufzen der Nachtigall
Die weiß, warum der Dichter wehklagt
Denn sie kommt und geht
Sie geht und kommt

Luna, meine Liebste,
Du Königin des Wahns
Mach die Musikanten musizieren!
Setz Musik gegen Kummer und Gram

Heute Nacht will ich den Mond malen
Heute Nacht tanz ich mit dem lohfarbenen Mond

Jan 11

Kate in Polaroids: Januar

kp_01aA Coral Room

„Oh little spider climbing out of a broken jug“ singt Kate in ihrem Song „A Coral Room“. Man sieht das noch unzerbrochene Milchkännchen, eine Person, die aus einem Vorhang heraustritt – als ob sie zuvor ein Spinnennetz öffnet – und entdeckt dann erst auch die Spinne, „the spider of time“, das Symbol der Erinnerung. „Die Auseinandersetzung mit dem Tod einer geliebten Person durch die Lieder von Kate berührte mich schon immer. Ich verlor meinen Vater, als ich knapp 21 Jahre alt war“, schreibt Michael zu seinem Polaroid für den Januar. Kate verarbeitet in dem Song den Tod ihrer Mutter. „Die fotografische Auseinandersetzung mit dem Verlust einer geliebten Person beeindruckten mich bei bei Roland Barthes und Sascha Weidner, die musikalische in zwei Liedern von Kate Bush“, ergänzt Michael. Und so ist es dann passend zum Lied auch die Mutter, die wir auf dem Milchkännchen sehen…

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Jan 07

12 Mal Kate in Polaroids von Michael

Kate in Polaroids? Klingt ein bisschen old-school, aber Michael kann es erklären. Hauptberuflich ist er Lehrer in Mainz, Kate-Fan durch und durch und pflegt seine Leidenschaft für die Fotografie. Schon etwas länger hat Michael davon gesprochen, mal ein Kate-Projekt zu realisieren – das liegt jetzt vor. Zwölf Polaroids zu Songs von Kate, die in seinem Leben eine besondere Bedeutung hatten und haben. Bis Dezember wird es also jeden Monat ein Bild von Michael im Blog geben. Zum Auftakt erzählt er, was die Fotografie für ihn bedeutet, warum er lieber auf analoge Fotografie setzt und wie es zu dem Projekt gekommen ist.

md450Für Dich ist die Fotografie eine Erinnerung, das Einfrieren eines Momentes, die Vergangenheit festzuhalten, sie unvergänglich zu machen. Wann hast Du angefangen zu fotografieren?

Michae: Nun, die Frage wäre zunächst, was DU unter „fotografieren“ verstehst. Meine erste Kamera bekam ich mit zehn Jahren, eine Agfamatic Pocket.Kamara. Wenig später schenkte mir mein Vater meine erste Spiegelreflexkamera, eine Cosina CT-1. 1999 gab es meine erste Digitalkamera (ein Megapixel), und ich legte dummerweise die analoge Kamera dann für viele Jahre zu Seite. In dieser Zeit knipste ich zwar viel, machte mir aber wenig Gedanken über Bildkomposition und -wirkung. 2009 kaufte ich mir dann eine digitale Spiegelreflexkamera, und ab diesem Jahr, würde ich behaupten, begann ich wirklich zu fotografieren. Wenig später begann ich auch Fotos auszustellen. Allerdings gefiel mir die „digitale Ästhetik“ meiner Fotos nicht, also griff ich wieder zu meiner analogen Kamera, fing an, Filme selbst zu entwickeln. Ich begann, alte Analogkameras zu kaufen, mit dem Medium Film zu experimentieren. Ab da habe es dann kein Halten mehr.

War von Anfang der Wunsch da, Momente Deines Lebens festzuhalten?

Michael: Im Nachhinein betrachtet, durchaus. Spätestens mit meiner ersten Spiegelreflexkamera. Ich begann, Freunde zu fotografieren, Situationen, bereiste Orte. Insbesondere meine erste (leider unbeantwortete) Liebe habe ich porträtiert. Und ebenfalls im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich schon als Jugendlicher sehr wohl auf Bildkomposition wert legte. Ich habe von Anfang an meine Negative akribisch in Ordnern aufbewahrt, fein säuberlich beschriftet. Das ein oder andere Negativ scannte ich mittlerweile ein, sozusagen „Frühwerke“.

Was macht für Dich den Reiz aus, mit analogen Kameras, vor allem aber auch mit Polaroid zu arbeiten? Hat das auch etwas mit dem „Moment“ zu tun, der dann unabänderlich eingefroren ist, anders vielleicht, als bei digitaler Fotografie?

Michael: Analoge Fotografie ist eine bewusste ästhetische Entscheidung. Ich fotografiere auf Farb- und Schwarzweißmaterial, und ich liebe es, mit abgelaufenen Filmen zu arbeiten. Für meine letzte Ausstellung habe ich zum Beispiel alle zehn Städte besucht, in denen ich jemals gewohnt habe (u.a. Leipzig, Mannheim, Trier, ….), und habe auf SW-Filmen fotografiert, die in der Zeit abgelaufen sind, zu der ich dort gewohnt habe. Ergo waren da Filme dabei, die 1967 abgelaufen sind. Das Material trägt dann ebenfalls zum Ergebnis bei, nicht nur der Fotograf. Außerdem ist ein Polaroid ein Unikat, da es hier keine Negative gibt.Außerdem haben Polaroid-Fotos eine Anmutung, die kein anderes Material besitzt. Auch die neuen Impossible-Filme haben immer Bildfehler, Farbverschiebungen oder sonstige „Fehler“, die für mich besonders reizvoll sind. Eines der Bilder habe ich sogar mit einem schon längst abgelaufenen Original-Polaroid angefertigt (auch hier: bewusste ästhetische Entscheidung), bei dem dann beim Auslösen überhaupt nicht klar ist, was der Film aus dem Motiv macht. Analoge Fotografie ist außerdem noch wirkliches Handwerk, da ich die Filme selbst entwickle und hier auch nach dem Fotografieren noch Einfluss auf das Ergebnis habe. Ferner koche ich auch mal einen Film in Salzwasser, bevor ich ihn benutze, oder behandle ihn mit sonstigen organischen oder anorganischen Stoffen. Ich modifiziere Kameras (andere würden sagen, ich misshandle sie), um gewisse Bildeffekte zu erzielen. Analoge Bilder bzw. Polaroids scanne ich dann ein, allerdings muss dann auch eine leichte digitale Bearbeitung erfolgen (Tonwertanpassung, Schärfen, und vor allem Fusselentfernung). Übrigens, wenn man viel analog fotografiert, überträgt sich das auch auf die Art und Weise, wie man dann digital arbeitet: weniger Fotos, genaues Überlegen vor dem Auslösen. Dann braucht man da weniger digitale Nachbearbeitung.

Du gehst mit Informationen zu Deinen Bildern ja eher spärlich um. Auf Deiner Internetseite erfährt man nichts über den Kontext der Bilder, auch in Ausstellungen bist Du eher zurückhaltend. Liegt das daran, dass es sich um Deine „Momente“ handelt, Deine Bilder also immer sehr persönlich sind? Selbst Kate erzählt mehr über einzelne Songs als Du über Deine Bilder.

Michael: Nicht alle Bilder sind sehr persönlich. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Bilder für sich sprechen sollten. Es gab (und gibt immer noch) in der künstlerischen Fotografie eine Strömung, die „subjektive Fotografie“ genannt wird. Sascha Weidner, der letztes Jahr leider viel zu früh verstarb und dessen Arbeiten ich sehr schätze, ist einer der Vertreter der heutigen Zeit dieser Stilrichtung. Wikipedia schreibt dazu unter anderem: „Die Subjektive Fotografie will nicht die objektive Wirklichkeit einer Situation wiedergeben, sondern nur deren bildhafte Deutung, eine subjektive Interpretation des Betrachters ist nötig und dessen Fantasie gefordert.“ Daher wäre für mich eine Beschreibung des Kontextes eines Fotos oder gar ein Titel ein zu starkes Korsett. Für die Polaroid-Serie, die hier veröffentlicht wird, gilt dies genauso. Die Beschriftung der Polaroids stellen keine Titel dar, sondern sind eher als Zitate zu verstehen. Ich tat mich sehr schwer, zu den einzelnen Bildern etwas zu schreiben.

Ist es vorstellbar, dass Du als Lehrer für Informatik und Mathematik eine andere Sichtweise aufs Fotografieren hast? Eher eine technische Herangehensweise, dass Du ein Bild wie eine mathematische Formel aufbaust?

Michael: Nein, überhaupt nicht. Ich denke, dass jeder ambitionierte Fotokünstler sehr wohl schon vorher ein Bild im Kopf entwirft bzw. entwerfen sollte. Schließlich haben einige Fotokünstler sogenannte Skizzenbücher, in dem Ideen bis hin zu fertigen Bildskizzen festgehalten werden. Außerdem wehre ich mich gegen diese strenge Einordnung in meine Fächer, schließlich habe ich auch noch Musikwissenschaften studiert und mich in den 90ern an der Komposition von Musik versucht – es gab sogar damals schon eine Uraufführung eines meiner Stücke. Ich habe mich also sehr wohl auch mit anderen Dingen beschäftigt als mit Mathematik.

Du hast vor einigen Monaten an einem Projekt in einem Bunker teilgenommen und bist mit einer Kamera von 1938 in das Objekt aus den 40ern gegangen. Warum?

Michael: Es ist für mich eine ästhetische Entscheidung, welche Kamera ich mit welchem Filmmaterial für welches Motiv auswähle. Diese Entscheidung treffe ich vorher, muss ich vorher treffen. Das Projekt, welches Du ansprichst, hatte zur Aufgabe, im Hochbunker in Rüsselsheim zu fotografieren. Es sollte dabei ein wenig die Angst und die Beklemmung zum Ausdruck gebracht werden, die im Bunker herrschte, als die Menschen sich bei den Bombenangriffen in dem Bunker befanden. Hier wäre mir eine Digitalkamera zu nüchtern. Ich lagere mittlerweile über 160 Kameras in meinem „Kamerazimmer“, wie ich es nenne. Ich habe also bewusst eine Kamera ausgewählt, die ebenfalls aus der Zeit stammte, in der diese dunklen Schatten über Deutschland und Europa lagen. Wer weiß, was diese Kamera damals „gesehen“ hat.

Ursprünglich wolltest Du für Dein Kate-Projekt zwölf Personen zeigen, jetzt sind es Polaroids zu zwölf Songs geworden. Wie kam es dazu?

Michael: Wie oben schon angedeutet, handelt es sich bei der Beschriftung der Polaroids nicht um Bildtitel, sondern um Zitate. Ich wollte schon länger einmal eine Serie zu Kate Bush-Liedern machen, hatte auch schon begonnen, allerdings mit anderem Filmmaterial. Aber dann kam ich doch zu dem Schluss, dass der Sofortbild-Film das Medium der Wahl für mich darstellt. Die ganze Serie ist auch ein wenig autobiografisch. Sie bildet quasi meinen Lebensweg seit dem Tod meines Vaters bis heute ab. Hierzu interpretiere ich die einzelnen Kate-Songs äußerst subjektiv. Die Musik von Kate war immer für mich da, in allen Lebenslagen. Es gab und gibt für mich „wichtige“ Songs, welche ich nun auf meine Art illustriert habe. Eines der Lieder sorgte auch dafür, dass ich den Mann meines Lebens kennengelernt habe, mit dem ich nun schon über 18 Jahre zusammen lebe. In der Tat wollte ich auch, wie Du angesprochen hast, eine Serie mit Porträts von Kate-Fans machen (fotografiert mit einer zweiäugigen Kamera, einer Rolleicord). Vielleicht setze ich dieses Projekt doch noch fort.

Wie viele „eingefrorene Momente“ hättest Du vom Konzert in London auf Foto gebannt, vor allem welche?

Michael: Nun, ich habe solche Momente eingefroren. Allerdings habe ich mich an den Appell von Kate gehalten und am Konzertabend sämtliche bildgebenden Apparate im Hotelzimmer gelassen. Aber die vier Tage, die wir zusammen mit einem guten Bekannten London verbracht haben, waren wunderschön. Einer der Momente, die ich abgebildet habe, war der Moment, als wir am ersten Abend in Hammersmith zum Odeon gelaufen sind und ich die Leuchtschrift „Before the dawn“ das erste Mal sah – ein unvergesslicher Moment für mich. Das Foto (gebannt auf Dia-Film) hängt nun als Abzug auf Leinwand in meinem Arbeitszimmer und erinnert mich immer wieder an diese wundervollen Tage. Die meisten Fotos sind allerdings digital. Übrigens stand an dem Abend, als wir im Konzert in London waren, ein junger Mann mit einer Polaroid-Kamera (eine Image Spectra) vor der Halle und fotografierte damit wohl ebenfalls die Leuchtschrift. Leider war er gleich wieder verschwunden, bevor ich ihn ansprechen konnte.

Wer mehr über die Fotos von Michael erfahren will, wird hier fündig.

Jan 03

Des Rätsels Lösung…

xmas-kate2016-620Es war nicht ganz leicht, in diesem Jahr das Weihnachtsrätsel zu knacken, aber machbar, wie Rate-Königin Beate beweist: Neun richtige Antworten stehen bei ihr zu Buche. Glückwunsch! Klar war ja, dass neun Personen gesucht wurden, die in einer Verbindung zu Kate stehen. Ideengeber war in diesem Fall das Booklet zur Before the dawn-CD. Hier also der Reihe nach die Lösung: Herbert Grönemeyer wurde durch den Film „Das Boot“ bekannt. James Guthrie, der für das Mastering der CD zuständig war, nennt seine Firma „das boot recording“ (und ist am Lake Tahoe beheimatet). Auf dem Abba-Plattencover „The Album“ sieht man, worum es geht: die Marionette, also der Song „I’m A Marionette“. Gesucht war der Puppenspieler aus der Show oder Charlotte Wiliams, die in der Show zum Schluss in die Rolle der Puppe geschlüpft ist. Von Astrid Lindgren war das Buch „Karlson auf dem Dach“ der entscheidende Hinweis auf Frissi Karlsson, der im Konzert Keyboards und Gitarre gespielt hat. Dementsprechend konnte der Bullroarer nur für Percussionist Mino Cinelu stehen. Der Baum in Form einer Weltkugel stammt vom Cover der Platte „One World One Voice“, abgemischt damals von Stephen W. Taylor. Die Kostüme waren hingegen simpel: es waren nur Kostüme und der Hinweis auf Brigitte Reiffenstuel, die Kates Garderobe entworfen hat. Das, was wie Bambusessstäbchen aussieht sind Flöten, Fujare – die stehen für Paddy Bush. Am schwierigsten war offenbar das Rätsel der Uhr zu knacken. Dabei musste man sie nur lesen können: sie stammt von der Firma DuBois und steht für Sängerin Jacqui DuBois. Die schönste Erklärung kam übrigens von Amy: it’s kate bush herself, because she’s the one watching everything. Herr Shakespeare symbolisiert dann natürlich Adrian Noble, der für die Inszenierung zuständig war und Intendant der Royal Shakespeare Company war. Mit neun richtigen Lösungen hat sich also Beate durchgesetzt, gefolgt von Amy, die auf sieben richtige Lösungen kommt. Herzlichen Glückwunsch. Für Beate gibt es die CD samt Promo-Sheet von Warner Music, Amy erhält das Mojo-Heft mit dem Kate-Interview.

Dez 31

Kate inspiriert Philip Pullman

pullmanDer englische Schriftsteller Philip Pullman hat Mitte Dezember eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die auf einer Idee von Kate beruht und die er in den Handlungsrahmen seiner Trilogie „His Dark Materials“ eingebettet hat. Zu der Trilogie gehört auch das Buch „Northern LIghts“ („Der goldene Kompass“), für dessen Verfilmung Kate den Song „Lyra“ beigesteuert hatte. Die neue Audiogeschichte heißt „The Collectors“ und wird im Original von Schauspieler Bill Nighy („Tatsächlich…Liebe“, „Per Anhalter durch die Galaxis“, „Fluch der Karibik“, „Harry Potter“)  gelesen. Pullmann schreibt zur Veröffentlichung der Geschichte, dass Kate Bush ihm von zwei Gemälden, die sie besitzt, erzählt habe, „die die seltsame Eigenschaft haben, einander wieder zu finden, wenn eines von ihnen verkauft oder verschenkt wird“. Mit ihrer Erlaubnis habe er dann diese Idee aufgegriffen, „um ein kleines Fenster aus unserer Welt in die Welt von Lyra und ihre gefährliche Mutter Mrs. Coulter zu öffnen. Die Geschichte ist Kate gewidmet.“ Leider erfährt man nicht, bei welcher Gelegenheit Kate ihm von den Bildern erzählt hat und um welche Gemälde es sich handelt. Verblüffend ist aber ein anderer Gedanke: ersetzt man die Gemälde durch Personen, landet man sehr schnell beim Song „Snowed in at Wheeler Street“, den Kate für ihr Album „50 Words for Snow“ aufgenommen hatte und in dem es um zwei Menschen geht, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder treffen und jedes Mal getrennt werden. Das Hörbuch gibt es aktuell kostenlos bei Amazon. Kleiner Haken: Man muss sich anschließend beim Amazon-Dienst Audible anmelden.

Dez 28

Show a little devotion: Bettina

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten… Heute von Bettina:

bettinaMit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
„Hello Earth“.

Welche von Kate besungene Figur wärst Du gerne?
An dieser Frage habe ich wirklich lange geknabbert. Schwer zu sagen. An „Never Be Mine“ gefällt mir die Einsicht der Protagonistin, dass man nicht jeden Menschen, den man begehrt, haben kann und dass das vielleicht auch besser so ist, weil man etwas in diese Person hineinprojiziert: „I want you as a dream, not a reality“.

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate?
„Just being alive – it can really hurt“.

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
Gar keinen. Dafür singe ich oft Kate-Songs auf längeren Autofahrten rauf und runter.

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
„Wuthering Heights“, weil dieser Titel für mich die Eintrittskarte in ein ganz besonders Universum – das Kate-Bush-Universum – war.

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
„Oh To Be in Love“ – Er fängt so schön diese leicht euphorisch-besoffene Stimmung ein, wenn frau die rosarote Brille noch auf hat und die Schmetterlinge im Bauch flattern…

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
„Rubberband Girl“.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Schwer, ganz schwer zu entscheiden … Gleichstand zwischen „The Kick Inside“ und „Hounds of Love“.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
„Wuthering Heights“.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Sehr viel! Ihre menschliche Reife schon in jungen Jahren, ihre künstlerische Integrität, ihre Intelligenz sowie ihr Durchsetzungsvermögen als Frau in einer männerdominierten Branche, ohne dabei ihre Weiblichkeit zu verleugnen oder gar zu opfern. Sie war für mich in meiner Jugend ein Rollenvorbild, obwohl ich Punk war. Dank Kates Authentizität gibt es da keinen Widerspruch.

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Dass es bald mal erscheint! Um den Rest mache ich mir keine Sorgen und lasse mich überraschen. 🙂

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
„Watching You Without Me“.

Dez 23

Frohe Weihnachten!

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Dez 19

Das Song-ABC: Home For Christmas

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© katebushencyclopedia.com

Es geschah wieder. Weihnachten naht und wieder fragte Burkhard von morningfog.de bei mir für das Song-ABC an: „Meinst du, du schaffst trotz Stress auch noch Home for Christmas?“. Bei so einer zweiten Anfrage gab es keine Ausrede mehr. Aber mit diesem kleinen Song war ein Problem verbunden. Ich als Kate-Kenner hatte ihn noch nie gehört. In der Discographie bei Jovanovic [1] findet er sich auch nicht. Ich wusste noch nicht einmal, ob Kate das Lied überhaupt selbst komponiert hatte.

Auf meinen Hilferuf „Mehr Details!!“ kamen dann weitere Informationen und eine Recherche im Internet [2] ergab dann ein vollständigeres Bild. „Home for Christmas“ wurde von Kate Bush komponiert und kam zum ersten Mal als Musik zum Film „Wild Turkey“ aus der BBC-Serie „The Comic Strip Presents“ zum Einsatz. Dieser Film wurde an Heiligabend 1992 gesendet. Im Großbritannien kam er dann später als B-Seite der Single „Moments Of Pleasure“  und in den USA als B-Seite der Single „Rubberband Girl“ heraus. Kate Bush selbst verschickte ihn im Dezember 1993 zusammen mit einer Weihnachtskarte als privat gepresste CD-Single. (Wer hat dieses seltene Stück in seiner Sammlung? Meine Augen beginnen vor Begehrlichkeit zu glitzern.)
Zum Glück ist dieses Stück im Internet zu finden. Es ist ein ganz zartes, intimes Stück, kurz und auf das Wesentliche beschränkt. Kate Bushs Stimme und eine Gitarre – mehr nicht. Ein leichtes Jazz-Feeling ist da. Es ist ein Gefühl. als ob man zusammen mit der Sängerin vor dem Kamin sitzt, der Weihnachtsbaum ist geschmückt, die Kerzen brennen, nur noch die Familie fehlt. Sehnsucht nach einer geliebten Person spricht aus der Musik und aus dem Text.  „You know that I’ll be waiting / To hear your footsteps saying / That you’ll be coming home for Christmas.“ [3]  Weihnachten, das Fest der Zusammenkunft. „If I only had wings / Then I would fly to you / Through all the snowy weather.“  Es spricht von großer Zuneigung und Vertrautheit, diesen Text als Weihnachtsgruß zu verschicken.
Wie immer bei Kate Bush kann man den Text auch auf eine andere Weise interpretieren. Die angesprochene Person kann auch das Jesuskind selbst sein. So wird ein ganz persönliches Liebeslied verwoben mit etwas Mystischem. Mit wenigen Worten und wenigen Tönen wird die Essenz von Weihnachten erfasst. Aus einer Kleinigkeit wird ein Kleinod.
In unserer Diskussion wies Burkhard dann noch auf einen interessanten Aspekt hin. „Home for Christmas“ kann auch als ein Pfad in die Zukunft gedacht werden. „If i had only wings“ – hier ist das Finale von „Before the dawn“ zu sehen, wo sich Kate Bush in einen Vogel verwandelt („Then I would fly to you“). Und bei „Through all the snowy weather“ ist dann die Schneetraumlandschaft von „50 words for snow“ erreicht. Themen finden sich wieder, klingen immer wieder an – auch Kleinigkeiten finden ihren Platz im Bushiversum und ordnen sich ein.  (© Achim/aHAJ)
[1] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen.
[2] http://www.katebushencyclopedia.com/home-for-christmas (gelesen 28.11.2016)
[3] http://www.lyricsfreak.com/k/kate+bush/home+for+christmas_20215439.html (gelesen 28.11.2016)

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