Mai 25

Mit google maps auf den Spuren von Kate

kbtour620kbtour-berlin1Da dürfte viel Arbeit drinstecken: Im englischen Forum hat der User „whitehorsehill“ auf Google maps eine KB Tour quer durch Europa angelegt. Zu jedem angezeigten Ort gibt es die entsprechenden Infos, bei welcher Gelegenheit Kate dort war. So sind natürlich sämtliche Auftrittsorte der Tour of Life verzeichnet und man erhält beispielsweise beim Kölner Gürzenich die zutreffende Information, dass das Konzert in die Duisburger Mercatorhalle verlegt worden war. Spannender als die Tour of Life-Termine sind Orte von Fotoshootings, Filmaufnahmen oder Studios, in denen Kate Songs eingespielt hat. Zum Beispiel in der Nähe von Nizza, wo im Superbearstudio Lionheart aufgenommen wurde. Und kbtour-cologne1ganz nebenbei erfährt man dann auch, dass das Tonstudio heute als Bed & Breakfast gebucht werden kann. Whitehorsehill hat unglaublich viele Informationen zusammengetragen, die so selbst für absolute Kate-Fans noch neu sind. Oder weiß jemand auf Anhieb, in welchem Shop und in welcher Stadt Kate eine Lambeg Drum für die Aufnahmen zum Album Hounds of Love gekauft hat? Oder was die Garway Church in Herefordshire mit Kate zu tun hat? 165 Einträge gibt es bisher und in den nächsten Wochen und Monaten dürfte die KB Tour auf Google maps noch deutlich erweitert werden. Wer auf Reisen gehen möchte und die 165 Einträge durchstöbern will: hier entlang.

Mai 19

Arthur Rackham als Inspiration?

arthur-rackham620arthur-rackham400Dienten die Illustrationen von Arthur Rackham (1867 – 1939) als Vorlage für das Album-Cover von Kates LP „Never for Ever“? Die Ähnlichkeiten der Zeichnungen von Rackham mit dem von Nick Price gestalteten Cover sind zumindest verblüffend.

Der Brite Rackham hat sich einen Namen als Buchillustrator gemacht und hat insbesondere die Zeichnungen für Märchen geliefert. So unter anderem für die englische Fassung der Märchen der Gebrüder Grimm, für Alice im Wunderland, Cinderella und für Peter Pan. Rackham hat zwischen 1896 und 1936 aber auch Werke von Shakespeare, Jonathan Swift, Richard Wagner, Charles Dickens, Henrik Ibsen und Edgar Allan Poe bebildert. Man kann also durchaus davon ausgehen, dass sowohl Kate als auch Nick Prize die Illustrationen von Rackham durchaus bekannt waren.

Besonders auffallend ist die Ähnlichkeit zwischen Kates Pose auf dem Cover, für die sie Nick Prize damals selbst das entsprechende Foto lieferte, und Rackhams Zeichnung mit dem Titel „Undine in the wind“. Rackham hatte 1909 die Erzählung „Undine“ von Friedrich de la Motte Fouqué illustriert. Sinnigerweise ist Undine ein Wassergeist. Ein mehr als passendes Motiv also. Zumindest Kate könnte also das entsprechende Bild von Rackham im Kopf gehabt haben, als sie für das NFE-Cover fotografiert wurde. Immerhin passt sogar das Kleid mitsamt dem Muster sehr gut. Nick Price selbst hat von Rackham als Inspirationsquelle allerdings nicht gesprochen. In einem Interview mit morningfog.de betonte er unter anderem: „Kate wollte freundliche und dunkle Figuren auf dem Cover. Den Charakter der Figuren zu entwickeln, hat sie mir überlassen, was natürlich toll für mich war. Vielleicht sind die Figuren der dunklen Seite auf dem Cover etwas stärker vertreten, aber es ist einfach interessanter Dämonen zu zeichnen, als Tauben und Schwäne.“ Er selbst hat als Quelle eher den niederländischen Renaissance-Maler Hieronymus Bosch angegeben.

Mai 14

„Diese Frau ist der Hammer!“

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© Eberhard Gill

Mrs. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love Kate Bush

Von Eberhard Gill

Ich bin ein Spätzünder. Jedenfalls, was Kate Bush angeht. Kate Bush? War das nicht die mit Babooshka? Diesem peinlichen Song, in dem eine zornige Frau mit schriller Stimme irgendein Glas zerdeppert? Nein, dazu darf man sich keinesfalls bekennen, das hört man allerhöchstens mal alleine im stillen Kämmerlein und ansonsten schmückt man sich nach außen mit dem Bekenntnis zu anspruchsvoller Musik. Unter dem Niveau von Keith Jarrett oder Olivier Messiaen geht gar nichts.
So ähnlich ging es mir zunächst, als ich, angeregt durch die Lektüre des unglaublich guten Romans Wuthering Heights von Emily Brontë auf Kate Bush gestoßen bin. Nach über 50 Jahren Musikhörens von Klassischer Musik, Jazz und Rock. Vielleicht braucht man auch ein gewisses Alter, um sich von den anspruchsvollen, ambitionierten Gefilden traditioneller E-Musik freizuschwimmen, um die Chuzpe zu haben, sich in die Niederungen der Unterhaltungsmusik zu wagen. So jedenfalls fing bei mir alles an. Und ich sagte mir, jetzt beschäftige ich mich mal mit dieser zweit- oder drittrangigen Sängerin, die Kate Bush heißt, von der ich weder etwas weiß, noch  – außer Wuthering Heights und Babooshka – Songs kenne. Vielleicht sollte ich hier sagen, dass, wenn ich von „…beschäftigen mit…“ rede, ich so ziemlich alles, was mir unter die Augen und Ohren kommt, zu Rate ziehe. Nach etwa einem Jahr mit intensivstem Lesen, Sehen und vor allem Hören kann ich sagen, dass ich mich niemals in der Bewertung eines Künstlers oder Künstlerin so grandios geirrt habe wie bei Kate Bush. Diese Frau ist der Hammer!
Aber der Weg zu dieser Erkenntnis dauerte doch einige Monate. Lange hielt ich mich im Umfeld von Wuthering Heights auf, sah die YouTube-Videos, die heutzutage irgendwie lächerlich wirken können, und freute mich an den albernen Reflektionen, die dieser Song-Klassiker in einer Kate Bush-Fangemeinde auslösen kann, zum Beispiel der Versammlung von dreihundert rotgewandeten Kate Bush-Fans auf einer Wiese in England um, von der Theatergruppe Shambush! organisiert, gemeinsam die Choreografie von Kate Bushs Wuthering Heights aufzuführen.
Wann genau der Übergang vom mehr und mehr interessierten Zuhörer zum im Tiefsten ergriffenen und erschütterten Hörer der Musik Kate Bushs stattfand, kann ich nicht sagen. Vielleicht war es am ersten Advent, an dem ich mehrere Stunden lang das neu herausgekommene Video And Dream of Sheep immer und immer wieder angesehen habe und die Tränen nur so flossen. Es war jedenfalls ein Schock, wie ich ihn als Hörer von Musik noch nie erlebt hatte.
Vielleicht sollte ich hier sagen, wie ich Musik höre. Viele Menschen hören Musik als Hintergrund-Untermalung. Oft tue ich das auch. Meistens jedoch höre ich der Musik genau zu, mache nichts nebenher und konzentriere mich. Und ich kann dies vielleicht vergleichen mit jemand, der an der Küste eines Meeres steht und auf das Wasser hinausschaut. Die meisten Menschen sehen dann wohl Schiffe mit ihren schönen Segeln oder bewundern die Majestät der Kreuzfahrtschiffe. Ich komme mir dagegen viel eher wie ein Taucher vor, der nicht nur die Erscheinung oberhalb der Wasseroberfläche wahrnimmt, sondern die dazugehörige Unterwasserwelt. In der Musik sehe ich dann tiefer und erkenne verborgene Schönheiten, die glitzernden Fischschwärme, die bunten Farben eines Korallenriffs, aber auch die steil abfallenden Flanken von schroffen Felswänden, die grau ins Bodenlose versinken und bei mancher Musik, die dann schnell ihren Reiz verliert, sehe ich einen öden Meeresboden aus Sand, aus dem nur vereinzelt etwas Seegras sprießt. Und ich hatte schon Erlebnisse, bei denen ich so tief in Musik eindrang und versank, dass ich den Eindruck hatte, dass die Musik nicht mehr nur in mir war, sondern dass ich in der Musik war, ganz und gar verschwunden in ihr, mit einem Körper, der nur noch Hülle ist für die Hirnfunktionen, die beim Hören aktiv sind. Wenn es mir gelang, so Musik zu hören, war es wie nach dem Erwachen aus einem Traum, wenn die Musik aufhörte und ich wieder zu mir kam und langsam die Glieder reckte, um beruhigt zu sehen, dass ich tatsächlich auch einen Körper habe.
Zurück zu Kate Bush. Um in dem Bild des Tauchers zu bleiben, ist mir beim Hören von Kate Bush etwas passiert, was ich vorher noch nie erlebt hatte. Beim Schnorcheln in ihrer Unterwasser-Musikwelt reckte sich plötzlich eine Hand aus den Tiefen des Ozeans nach mir aus und versuchte mich zu packen. Ob die Hand mich nach unten ziehen wollte, weiß ich nicht so recht, jedenfalls war es nicht meine Hand, sondern eine andere Hand, eine Hand, die mir die Musik entgegen streckte und die mich packte und zu ihrem Spielball machte. Das war beängstigend und ich hatte das Gefühl, ich verlöre die Kontrolle. Die einzige Möglichkeit, die ich sah, um mich von dieser Erlkönig-Erfahrung zu befreien, war mir selbst einen Monat absoluter Abstinenz von jeglichem ihrer Lieder zu verordnen, was glücklicherweise ganz gut funktioniert hat. Mit dieser beängstigenden und aufwühlenden Erfahrung kann ich sagen, dass Kate Bushs Musik die einzige ist, die ich kenne, die ich als (zumindest für mich) gefährlich bezeichnen würde.
Meine Erfahrung mit ihrer Musik ist, dass ihre Lieder entweder beim ersten Hören direkt ins Herz treffen (bei mir zum Beispiel dem unglaublichen Something Like a Song, den sie mit ca. 15 Jahren geschrieben hat) oder beim wiederholten Hören. Ich kann einen Beatles-Song 10 oder 20-mal hören und es passiert: NICHTS. Anders bei Kate Bush. Selbst bei Songs, die ich beim ersten Hören als „missglückt“ empfand (zum Beispiel Sensual World), läuft es immer nach demselben Schema ab. Hör es einmal und du sagst: „Das ging daneben“. Hör es fünfmal und du sagst: „Naja“. Hör es zehnmal und du sagst: „Das hat schon was“. Hör es zwanzigmal und du sagst: „Wow!“. Hör es fünfzigmal und du sagst: „I’d die for it!“.
Warum das gerade bei Kate Bush so ist, versuche ich an anderer Stelle zu verstehen und zu erklären. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass meine Erfahrungen beim Hören von Kate Bush nicht einzigartig sind, sondern auch von anderen geteilt werden. Auf der Internet-Seite von  www.songmeaning.com findet sich zum Lied In the Warm Room ein Kommentar des Pseudonyms Theresa Gionoffrio, das Kate Bush mit einer Sirene aus der griechischen Mythologie vergleicht, in diesem Fall also einer englischen Sirene. Odysseus hat auf seiner Irrfahrt seine Kameraden gebeten, ihn an den Segelmast zu binden und sie aufgefordert ihre Ohren mit Wachs zu verstopfen, um nicht durch den Gesang der Sirenen, wie viele Schiffe vor ihnen, Schiffbruch zu erleiden. Genauso ergeht es mir, wenn ich Kate Bush höre – bindet mich fest und lasst mich Qualen erleiden. Wenig, was schöner sein kann als das.

Eberhard Gill ist Professor für Raumfahrtsysteme und lehrt an der Technischen Universität Delft, Niederlande. Zuvor war er unter anderem am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig. Neben zahlreichen Fachpublikationen setzt er sich immer wieder mit theologischen, künstlerischen, geschichtlichen und literarischen Themen auseinander. In diesem Beitrag, den morningfog.de mit freundlicher Genehmigung von Herrn Gill veröffentlichen darf, beschreibt er, wie er seine Liebe zur Musik von Kate Bush entdeckt hat. Auf seiner Internetseite gibt es einen weiteren, ausführlicheren Text (This Woman’s Work – Nachdenken über Kate Bush), in dem er unter anderem der Frage nachgeht, „ob jemand, der von sich sagt, dass er persönlich nichts Interessantes zu sagen hat, ein interessantes Werk erschaffen“ kann und warum die Musik von Kate in der Lage ist, so ungeheure Emotionen zu wecken. Der Text ist nur zu empfehlen!

Mai 09

Kate in Polaroids: Mai

pola05-620The Fog

„Die Fotografie war für mich anfangs eigentlich nie wichtig. Und doch war sie es“, sagt Michael zu seinem Polaroid für den Monat Mai. Die Wahl ist auf den Song „The Fog“ gefallen. Die Fotografie ist für ihn eine Erinnerung, das Einfrieren eines Momentes: „Vergangenheit festhalten, unvergänglich machen. Man hält eine Fotografie in den Händen, erinnert sich an den Moment, kann ihn sehen, fühlen, und fast riechen“, beschreibt er seine Leidenschaft für die Fotografie. In Kates Song heißt es: Just like a photograph, I pick you up. / Just like a station on the radio, I pick you up. / Just like a face in the crowd, I pick you up. /Just like a feeling that you’re sending out, I pick it up. / But I can’t let you go. If I let you go, You slip into the fog….  Welche Erinnerung Michael mit diesem Bild bewahren will, verät er nicht. Nur schemenhaft ist eine Person im Sucher zu erkennen und schon muss man rätseln, ob sie aus der Vergangenheit stammt oder ob der Fotograf mit dem Moment, der da eingefroren wird, auch die Person an seiner Seite festhalten möchte, bevor sie im Nebel des Alltags verschwindet…

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Mai 03

Von Klassik über Jazz zu Kate Bush

Vor vier Jahren war Thomas im Berliner b-flat und hat dem New European Jazz Collective gelauscht. Sängerin war damals Lea W. Frey, die im 2. Teil des Konzerts gleich mehrere Kate Bush-Stücke präsentiert hat. „Kate Bush und Jazz funktioniert! Die Stimme von Lea Frey auch“, hat Thomas damals für den Blog geschrieben. Ein großes Lob, schließlich gibt es nicht viele Sängerinnen, die Kate-Songs singen können, und vor allem gibt es die nur selten in Deutschland. “Ausnahmestimme und singende Grenzgängerin” beschreibt denn auch „Deutschlandradio Kultur“ die Jazz-Sängerin Lea W. Frey, und die „Süddeutsche“ bescheinigt ihr „ein hohes Suchtpotenzial”. Thomas hat Lea – die mitten in der Produktion eines neuen Albums steckt – jetzt wieder getroffen: in einem Berliner Café, extra für den Blog.

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Foto: Dovile Sermokas

Lea, Du warst im Sommer 2013 mit dem New European Jazz Collective mit Kate-Bush-Songs unterwegs. Wie entstand die Idee, Kate-Songs im Jazz-Gewand mit Big Band zu covern?

Lea W. Frey: Auf meinen ersten beiden Alben mit Coverversionen hatte ich schon zwei Stücke von Kate dabei und war daher schon sehr vertraut mit ihrer Musik. Mit Malte Schiller, der die Stücke arrangiert hat, habe ich bei einer anderen Gelegenheit in einer kleinen Formation zusammen gespielt. Für diesen Auftritt hatte ich ihm unter anderem Kate-Bush-Stücke vorgeschlagen. Als Malte Schiller später mit vielen jungen Jazz-Musikern ein Programm unter anderem mit Kate-Bush-Songs als Big Band auf die Beine stellen wollte, hat er sich daran erinnert und mich angerufen. Er wollte mich als Solistin dabei haben, und für mich war es stimmiger, einen kompletten Kate-Bush-Abend zu machen und mehr in die Tiefe zu gehen, als einzelne Songs in ein Gesamtprogamm einzustreuen.

Ihr habt die Songs King of the Mountain, And dream of sheep, Wedding List, Army Dreamers und Song of Solomon in wunderbaren, epischen Arrangements gespielt. Wie bist Du zu genau diesen Stücken in Deiner Songauswahl gelangt?

Lea W. Frey: Zunächst habe ich alle Alben ganz intensiv durchgehört und dabei auch die Band-Besetzung und die Art wie Malte Schiller arrangiert im Hinterkopf gehabt. Alle diese Songs hatten eine ganz besondere Stimmung und haben mich berührt. Das kann entweder die Atmosphäre des Stückes sein, aber auch eine Textzeile, bei der ich dachte, dass es sich lohnen kann, den Kern herauszuarbeiten und in eine andere musikalische Welt zu integrieren. Es ist allerdings auch eine große Herausforderung, mit dem Material von musikalischen Königinnen wie Kate Bush zu arbeiten.

Wie lange hat es gedauert, diesen Abend vorzubereiten?

Lea W. Frey: Den ganzen Sommer. Natürlich gab es eine Kernzeit, in der man übt. Davor war der Prozess ein bisschen wie Ping-Pong. Ich hab mir Kate angehört in all ihrer Intensität und versucht, sie als Künstlerin einzuatmen. Dann habe ich Malte Schiller Vorschläge geschickt, er hat die Songs passend zu seinen Arrangements ausgewählt, und wir haben geschaut, was am besten funktioniert.

Was bedeutet Dir Kate Bush und ihre Musik?

Lea W. Frey: Sie ist eine der wenigen Künstlerinnen, die über Jahrzehnte ihre eigene Welt, ich möchte fast sagen: ihr eigenes Universum, erschaffen hat. Mich beeindruckt ihre kreative Vielfalt. Neben der Musik eben auch der Tanz, die Regie bei einigen ihrer Videos. Oder die Visualisierung der Songs auf der Bühne und in den Clips, ihre Texte, ihre Eigenständigkeit und dass manche Dinge einfach crazy sind – aber immer mit großer Aufrichtigkeit. Deshalb ist es egal, wie viele Stile sie mischt oder was auch immer passiert: es ist immer sie selbst. Sie lässt bei mir ganz starke Bilder entstehen. Man spürt, dass sie ihre Musik auch auf anderen Ebenen wirken lassen möchte. Davor habe ich Hochachtung. Kate Bush ist übrigens die einzige Sängerin, die ich gecovert habe. Alle anderen Songs wurden von Männern gesungen.

Bei all den Möglichkeiten im Gesangsfach: Du singst neben Jazz ja auch Klassik. Wie kam es zur Entscheidung, Jazz-Gesang zu studieren, und wo liegen heute Deine Schwerpunkte?

Lea W. Frey: Begonnen habe ich tatsächlich mit Klassik. Nebenbei hatte ich heimlich meine Rockband, weil meine Klassik-Lehrerin mir das verboten hatte.

Hatte sie Angst, dass Du Dir die Stimme ruinierst?

Lea W. Frey: Das hat sie befürchtet. Was aber überhaupt nicht stimmte. Ich kam von der Band-Probe und sie meinte dann ‚Du klingst aber heute besonders gut‘. Es hat funktioniert, meine Stimme ist recht robust. Ich habe mich also schon immer an verschiedenen Richtungen abgearbeitet. Am Ende wurde es das Jazz-Studium. Wohl auch, weil ich weiter in Richtung eigener Stücke gehen wollte. In den letzten Jahren überwiegt der Jazz, aber ich denke, ich bekomme beides gut unter einen Hut.

Auf Deinen ersten beiden Alben hast Du neben Kate-Bush-Stücken unter anderem Coverversionen von Tom Waits, The Smiths, The Verve und The Smashing Pumpkins gesungen. Im Herbst erscheint Dein neues Album. Was wird uns erwarten?

Lea W. Frey: Dieses Album wird ausschließlich eigene, englisch gesungene Stücke enthalten. Am Ende haben es zehn Songs auf die Scheibe geschafft. Geschrieben und eingespielt haben wir deutlich mehr. Wir haben kleine Konzerte gegeben, um zu testen, welche Titel  auf der Bühne gut funktionieren und wie sie beim Publikum ankommen. Zunächst haben wir die Songs live als Band in Berlin im Studio in Prenzlauer Berg eingespielt und anschließend mit Overdubs (mal subtil – mal ausgeprägter) vielschichtiger und komplexer gemacht. Die Band, das sind Liz Kossack, Peter Meyer, Bernhard Meyer und  Andi Haberl. Gemischt hat die Lieder Olaf Opal, und es fühlt sich richtig, richtig gut an – vielleicht auch, weil wir keine Kompromisse eingegangen sind. Dabei hat die Produktion zwei bis drei Jahre benötigt. Aber mit diesen Liedern fühle ich mich jetzt wirklich angekommen. Am 10.Juni werden wir übrigens eine Listening-Session auf dem „Teufelsberg“ unter dem Himmel über Berlin veranstalten. Ein Ort, der mir sehr viel bedeutet.

Zurück zu Kate Bush: Wenn Du 50 Words for Snow, ein streckenweise jazziges Werk, mit ihren anderen Alben vergleichst…?

Lea W. Frey: Interessante Frage. Ich würde sagen: dezenter, vorsichtiger, weniger Kontraste, vielleicht auch weniger brennend, dafür aber reifer und ätherischer.

Zugegeben, jetzt kommt eine sehr hypothetische Frage, da Kate ja immer für Überraschungen gut ist. Denkst Du, dass Kate auch in Zukunft weiter in Richtung Jazz geht? Wie stellst Du Dir ihr nächstes Album vor?

Lea W. Frey: Grundsätzlich gibt es ja die zwei Fragen: Willst du dich verkleinern oder willst du dich vergrößern. Ich könnte mir eigentlich vorstellen, dass nach diesem Album nochmal etwas bombastisches, ausladendes kommt. Das fänd ich toll.

Haben wir die Chance, in Deinen Konzerten auch künftig hin und wieder Kate-Cover zu hören?

Lea W. Frey: Das kann ich mir gut vorstellen. Möglicherweise gibt es sogar ein Revival des Kate-Bush-Abends. Ich habe vor kurzem mit Malte gesprochen und wir würden das beide gerne machen. In diesem Jahr definitiv nicht mehr, 2018 könnte es aber passieren.

Wer mehr über Lea W. Frey erfahren will, wird auf ihrer Internetseite und bei Facebook fündig. Ein weiteres Interview mit Lea gibt es rechtzeitig vor dem Erscheinen ihres neuen Albums.

Apr 30

Neuauflage für den Wuthering Heights-Day

tmwhde2017Der „The Most Wuthering Heights-Day“ wird in diesem Jahr am 15. Juli eine Neuauflage erleben. Bisher haben sich elf Städte angemeldet, Berlin ist auch wieder mit dabei. 2016 hatte die in Berlin lebenden Australierin Samantha Wareing den Event ursprünglich nur für Berlin geplant. Ihr Facebook-Aufruf, das bekannte Video von Kate nachzutanzen, entwickelte dann eine ungeahnte Dynamik: In 24 Städten weltweit tanzten Tausende Frauen und Männer – natürlich alle rot gewandet – zu dem Song. In Australien hatten sich gleich acht Städte zum TMWH-Day angemeldet, und mehr als 3000 Fans machten die Veranstaltung in Melbourne zum größten Event. In Berlin zählte man mehr als 1000 Teilnehmer. In diesem Jahr findet der Wuthering Heights-Day am Samstag, 15. Juli, statt. Bisher haben sich neben Berlin (wieder am Tempelhofer Feld, 15 Uhr) Melbourne, Brisbane, Adelaide, Dublin, Rotterdam, Oslo, Hobart, Gold Coast, Atlanta und Newcastle angemeldet.

Apr 28

Das Song-ABC: The Fog

abcWenn Kate Bush in einem Lied Beziehungen direkt thematisiert, dann geht es nicht einfach zu. Romantische Liebe, Herzschmerz und Tralala sind nicht ihre Sache. Beziehungen sind bei ihr komplex und wer sich hineinbegibt, der betritt ein geheimnisvolles Terrain. Zwei Personen lassen sich aufeinander ein, müssen neu lernen und insbesondere zu Beginn ist die Furcht groß, sich zu verlieren, die andere Person zu verlieren. Wie schafft man es, diese Furcht nicht zuzulassen und den nötigen Freiraum zu geben? Diese Thematik wird durch „The Fog“ beleuchtet.
Diese Furcht vor der Ungewissheit und der unbekannten Zukunft ist für Kate Bush eine ganz natürliche Reaktion, die man in den Griff bekommen kann. „Again, I think it’s such a human condition, where we actually, a lot of the time, have such fear of things actually there’s no need to be frightened of at all. It’s all in our heads, this big kind of trap — you know, that actually it’s not always as terrifying as we think. Again, you know, it’s meant to be saying ‚OK, so it can be rough but there must be a way out — it’s all right!'“ [1]
Die Protagonistin des Songs befindet sich gerade in dieser archetypischen Situation. Kate Bush illustriert die Gefühle zwischen Furcht und Euphorie mit Bildern, die wegen ihrer Eindrücklichkeit im Gedächtnis bleiben. Wie so oft haben die Bilder mit Wasser zu tun. Wasser ist ja DAS zentrale Bilderthema bei Kate Bush, wie viele ihrer Songs beweisen. Die Situation in einer Beziehung wird in „The Fog“ damit verglichen Schwimmen zu lernen. Schwimmen lernen – diese Erfahrung hatte man schon einmal in der Kindheit, als einem das der Vater beigebracht hat. Es brauchte Mut und Vertrauen. Kate Bush spricht in einem Interview auch von der Furcht vor dem Ertrinken – das ist ein Wiederaufscheinen der Welt von „The ninth wave“.  Die Erinnerung an all das leuchtet auf und bringt wie ein Blitz in düsterem Himmel Licht in eine aktuelle Situation.
Kate Bush hat diese Thematik in Interviews offen erläutert. „It’s meant to be the idea of a big expanse of water, and being in a relationship now and flashing back to being a child being taught how to swim, and using these two situations as the idea of learning to let go. When I was a child, my father used to take me out into the water, and he’d hold me by my hands and then let go and say ‚OK, now come on, you swim to me‘ As he’d say this, he’d be walking backwards so the gap would be getting bigger and bigger, and then I’d go. I thought that was such an interesting situation where you’re scared because you think you’re going to drown, but you know you won’t because your father won’t let you drown, and the same for him, he’s kind of letting go, he’s letting the child be alone in this situation. Everyone’s learning and hopefully growing and the idea that the relationship is to be in this again, back there swimming and being taught to swim, but not by your father but by your partner, and the idea that it’s OK because you are grown up now so you don’t have to be frightened, because all you have to do is put your feet down and the bottom’s there, the water isn’t so deep that you’ll drown. You put your feet down, you can stand up and it’s only waist height. Look! What’s the problem, what are you worried about?“  [1]
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In „The Fog“ erinnert sich Kate daran, wie ihr Vater ihr das Schwimmen beigebracht hat. Auf „Aerial“ zeigt sie sich mit ihrem Sohn unter Wasser.

Der Song beginnt damit, dass sich die Protagonistin versichert, dass sie nun erwachsen ist. „You see, I’m all grown up now.“  Eine Erinnerung kommt herein, an die Kindheit. Die Stimme des Vaters ertönt, der dies ähnlich früher schon gesagt hat: „Just put your feet down child, ‚Cause you’re all grown up now.“. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich in dieser Vergewisserung, dass man kein Kind mehr ist und keine Angst mehr haben muss. Erwachsen werden, Beziehungen eingehen – das ist so wie damals, wie das Schwimmen lernen.  Diese Einleitung ist ruhig, es ist ein zarter und sparsam instrumentierter Beginn, von Trommeln und irischen Flöten grundiert. Irische Musik, das  ist ebenfalls ein Blick in die Vergangenheit. Kate Bush hat irische Wurzeln, diese Musik erweckt das Gefühl von Heimat und Kindheit, von Kate Bush in mehreren Songs ähnlich benutzt.

Kate Bush lässt die Stimme des Vaters von ihrem eigenen Vater sprechen, was den Bezug zur Kindheit verstärkt und das Geschilderte autobiographischer und noch realer werden lässt. „I love using bits of dialogue in music as well. We haven’t done too much of that on this album, but I have used my parents and my family and friends before to speak various passages. Obviously in this song, because it was within the context of a father teaching a child to swim, I thought it was — who else could have done it? Who else?“  [2]
Die erste Strophe („Just like a photograph […]“) setzt ganz ruhig ein, die Stimme ist klar und eher hoch. Heimatlich und warm ist die Melodie, die Stimmung ist die von Vertrauen und Geborgenheit. Die Protagonistin ist nah bei sich und ihrer Beziehung. Mit „You slip into the fog“ aber kommen auf einmal die oben angesprochenen Gefühle der Angst hervor. Wird man das schaffen? In einer orchestralen Überleitung rollen sich auftürmende Orchesterwellen herein, eine Wand aus Wellen oder Nebel, immer mächtiger, bedrohlich, Angst auslösend. Leuchtend darüber schwebt eine Solovioline (von Nigel Kennedy gespielt), dazu kommt dann tiefer ein Solocello. Bei diesem Paar von Soloinstrumenten frage ich mich, ob dies das Paar ist, um das es in diesem Song geht.
Der Nebel ist ein Symbol für Irrtum, Ungewissheit, Unbewusstheit, Verlorenheit und Einsamkeit, aber auch für den Übergang von einem Zustand zum anderen und auch die Grauzone zwischen Realität und Irrealität bzw. den Zustand des Vagen und Fantastischen [3]. Niemand weiß, was sich im Nebel verbirgt und wohin der Weg führt. In den Märchen Mitteleuropas steht er häufig für die Ungewissheit der Menschen gegenüber dem Kommenden und Jenseitigen, die nur durch Licht (Erleuchtung) durchbrochen werden kann [3].
Diese orchestrale Stelle war die Keimzelle des Songs. „That started at the Fairlight. We got these big chords of strings, and put this line over the top, and then I got this idea of these words – slipping into the fog. I thought wouldn’t it be interesting to sort of really visualize that in a piece of music, with all these strings coming in that would actually be the fog. So I wrote a bit of music that went on the front of what I’d done, and extended it backwards with this bit on the front that was very simple and straightforward, but then went into the big orchestral bit, to get the sense of fog coming in.“  [4]
nigelkate400Die musikalische Struktur wurde von hier aus weiter entfaltet. „Then we put a drummer on, and Nigel Kennedy, the violinist, came in and replaced the Fairlight violin, which changed the nature of it. He’s great to work with – such a great musician. The times we work together we sort of write together. I’ll say something like, ‚what about doing something a bit like Vaughan Williams?‘, and he’ll know the whole repertoire, and he’ll pick something, and maybe I’ll change something. By doing that we came up with this different musical section that hadn’t been on the Fairlight.“  [4] Die Geschichte selbst entstand dann um diese musikalische Keimzelle herum. „So when I got all this down it seemed to make sense story-wise. This new section became like a flashback area. And then I got the lyrics together about slipping into the fog, and relationships, trying to let go of people.“ [4]
Die bedrohliche Nebelwand bleibt bis zum Schluss des Songs präsent und erdrückt fast die Stimme der Protagonistin. Das ist kein gemeinsames Musizieren zwischen Stimme und Begleitung, das ist ein Kampf mit einer bedrohlichen Macht, das ist eine Überwältigung durch bange Gefühle. Ab „This love was big enough for the both of us“ ist die Singstimme zudem tiefer als zu Beginn des Songs, sie hebt sich weniger ab vom Hintergrund. Hier ist noch mehr das Gefühl da, hinter Nebel zu verschwinden. Die Stimme des Vaters wird wieder in Erinnerung gerufen in diesem Chaos mit „He said: […]“, aber auch das ist viel leiser als zu Beginn. Immer heftiger branden die Orchesterwellen heran, dazu erklingt die Solovioline. Die Stimme verschwimmt fast hinter der Nebelwand und der Hörer verliert ebenfalls beinahe die Orientierung. Meeresvögel mischen sich in den Hintergrund.
Diese Stimmung war eine bewusste Entscheidung, die sich im Verlauf des Kompositionsprozesses immer weiter konkretisierte. „It sounded great with the Fairlight holding it together, but it just didn’t have the sense of dimension I wanted. So we got hold of Michael Kamen, who orchestrated some of the last album, and we said we wanted this bit here with waves and flashbacks. He’s really into this because he’s always writing music for films, and he loves the idea of visual imagery. So we put his orchestra in on top of the Fairlight. Again a very complicated process, and he was actually the last thing to go on. I don’t know how anything comes out as one song, because sometimes it’s such a bizarre process. It does seem to work together somehow.“ [4]
Zum Schluss des Songs ist wieder die höhere Stimme da, verträumt und kindlich vertrauend wie zu Beginn – die Orchesterwellen hören auf, die innere Ruhe ist wieder hergestellt.
Auch die Harmonik des Liedes ist interessant. Es beginnt in c-Moll, kann sich dann aber nicht richtig entscheiden. Beim zweiten „Just put your feet down child“ beginnt ein Wechsel zur Paralleltonart Es-Dur. Dieses Es-Dur gewinnt am Schluss immer mehr die Oberhand [5]. Beide Tonarten stehen für die Wiederaufwärtswendung zum Lichte. Beide haben einen starken, positiven, kämpferischen Charakter. Es-Dur ist die „Freude an der Wiedergeburt des Lichts“, c-Moll diejenige Tonart, die am festesten auf dem Boden, am stärksten auf der Erde steht, ein Zeichen eigener Kraft und Stärke [6]. Auch in der Harmonik spiegelt sich also dieser Konflikt zwischen Grundvertrauen (in den Vater, c-Moll) und dem sich Hindurchkämpfen (Es-Dur) wieder.
Es stellt sich unwillkürlich die Frage, ob und wie weit das Lied autobiographisch ist. Die Antwort von Kate Bush dazu ist wie so oft ehrlich, aber ohne zu viel über die Tiefen zu verraten. „Yes, it does, doesn’t it? Have you ever watched Woody Allen being interviewed? Obviously his films are very personal and when the interviewer asks him the ‚Has this happened to you then?‘ question, he’s all… .Then he’ll say, Uh, well, no, I’m just acting out a role. It’s ironic, but it’s much easier to speak about very personal things to lots of people through a song, a poem or a film than it is to confront the world with them through someone asking questions. Maybe you worry because it’s going to be indirectly reported.“ [7]
War eine zusätzliche Inspirationsquelle der Film „The Fog“ von John Carpenter? Allein schon die Namensgleichheit beider Titel könnte darauf hinweisen. Im Film hüllt ein unheimlicher und bedrohlicher Nebel eine kleine Stadt ein und die darin befindlichen Geister rächen sich an den Bewohnern für ein Verbrechen aus der Vergangenheit [8]. Wenn ja, dann hat das Unheimliche des Nebels Eingang in den Song gefunden. Auch das Radio („Just like a station on the radio, I pick you up.“) könnte ein Echo aus dem Film sein, in dem nämlich eine Radiomoderatorin, die allein von einem Leuchtturm aus auf Sendung ist, die breite und seltsam leuchtende Nebelbank auf die Stadt zukommen sieht und die Bewohner warnt [8]. Es gibt aber auch gravierende Unterschiede. Im Song ist die Vergangenheit positiv, im Film negativ. Die Inspiration war also wohl – wenn vorhanden – eher gering und auf die Atmosphäre bezogen.
Ein gutes Fazit zu „The Fog“ zieht Grame Thomson und ich möchte mich dem anschließen: „Ein Song über den Mut, den es braucht, das sichere Nest zu verlassen und allein in tiefes Wasser zu schwimmen, und er findet Zuversicht in der Tatsache, dass die Vorstellung, sich vom sicheren Grund abzustoßen, oft viel schlimmer ist, als das Erlebnis, wenn man es wagt.“ [9]  © Achim/aHAJ
[1] Roger Scott: Radio One Interview. 14.10.1989
[2] N.N. – Interview  WFNX Boston. Herbst 1989
[3] http://www.symbolonline.de/index.php?title=Nebel (gelesen 16.03.2017)
[4] Tony Horkins: What Katie Did Next. International Musician. 12/1989
[5] Kate Bush: Songbook „The sensual world“. 1990. London. EMI Musiv Publishing Ltd. S.15ff
[6] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.123 – 126
[7] Phil Sutcliffe: Iron Maiden. Q. 11/1989
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/The_Fog_%E2%80%93_Nebel_des_Grauens_%281980%29 (gelesen 13.03.2017)
[9] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.303

Apr 23

Show a little devotion: Johannes

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…Heute von Johannes:

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Mit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
An Endless Sky of Honey … Ich brauch sehr lange, bis ich vollkommen wach bin.

Welche von Kate besungene Figur wärst du gerne?
Hm, ich würde gern die Rolle von Peter Gabriel übernehmen und „Don’t give up“ als Duett mit ihr singen. Zur Not wäre ich aber auch ein Vogel in „Aerial Tal“.

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate ?
„Have you ever seen a picture of Jesus laughing? Do you think he had a beautiful smile, a smile that healed, a smile that could take you home“.
Von allen prägnanten Textstellen ist diese vielleicht die packendste für mich. Unglaublich, wieviel sie in nur wenigen Zeilen auszudrücken vermag! Diese Textzeile spielt auch eine kleine Rolle in meinem Roman „Und in uns der
Himmel“.

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
Eigentlich sind Kate-Songs für mich keine Unter-der-Dusche-Schmetterer. Einmal habe ich allerdings „My Lagan Love“ gesungen.

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit „Hello Earth“. Da war ich noch einigermaßen jung und auf Interrail-Tour. Ich hatte das ganze HOL-Album auf Kassette in meinem Walkman, kannte es aber noch nicht so besonders gut. Irgendeines Abends waren wir mit dem Zug in der Bodenseeregion unterwegs … und ich schlummerte ein (bei The Ninth Wave – heutzutage nicht wirklich vorstellbar). Irgendwann wachte ich auf: Der Zug fuhr durch einen Wald und die untergehende Sonne strahlte mit unglaublicher Intensität durch die Bäume und blendete mich, so dass ich nicht wusste, wo ich war. Es war ein Gefühl wie in einem Traum, auf positive Weise sehr zwielichtig. In dem Moment kamen aus meinen Kopfhörern die Worte (mit einem Mal auf deutsch!): „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht“. Ich war natürlich etwas verwirrt … gelinde gesagt.

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Hounds of Love, denke ich. Die Bilder mit dem kleinen Herzen des Fuchses oder den in den See geworfenen Schuhen beschreiben die Zustände, die man dann durchlebt, sehr eindringlich.

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
Somewhere in between.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Das ist eine schwierige und eigentlich nicht zu beantwortende Frage. Früher war es ohne Zweifel „Hounds of Love“, aber auch „The sensual World“, vor allem, weil ich ihre Stimme in dieser Periode am wunderschönsten fand. Deswegen ziehe ich z.B. auch die New Vocal-Version von Wuthering Heights dem Original vor. Heute begeistere ich mich immer mehr auch für „The Dreaming“. Momentan aber ist „Aerial“ meine Lieblingsplatte. Auf der A-Seite finden sich Kate-Kunstwerke wie „A Coral Room“ und „Joanni“ (letzteres entfacht seinen Zauber erst nach und nach) – aber unübertroffen an Schönheit und Tiefe ist „An Endless Sky of Honey“.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
Das waren „Running up that Hill“ und insbesondere „Cloudbusting“. Ich erinnere mich noch an den Moment, wo ich das Video von „Cloudbusting“ zum ersten Mal sah. Als das „Yehiyehiyehi“ am Ende des Songs erklang, war es endgültig um mich geschehen. Ich war unglaublich fasziniert, hatte so etwas noch nie gehört. Das hob sich von allem ab, was damals in der Popmusik angesagt war. Und das blieb mit jedem neu erschienenen Album so. Ich kann mich noch erinnern, dass der Plattenkritiker der Bravo für „Hounds of Love“ nur zwei Sterne von dreien vergab. So ein Troll!

Was macht für Dich Kate so besonders?
– Sie schafft es sofort, mich in eine ganz andere Welt zu beamen … mit ihrer Stimme, ihrer Musik, ihren Texten, den Arrangements … niemand kann das so wie sie.
– Ihre emotionale Wucht ist einzigartig, nie kommt sie platt daher.
– Die Art, wie sie Themen aufgreift, diese dann mit einer anderen Ebene zu kombinieren pflegt.
– Ihre künstlerische Kontrolle, die sich immer wieder auszahlt.
– Ihre Einzigartigkeit im Showgeschäft. Sie drückt sich durch ihre Kunst aus und verfügt dazu über ein unglaublich breites Spektrum: Gesang, Klavier, Tanz, Schauspiel, Regie, Komposition, Lyrics, Produktion … Einige andere Stars, die mir früher ebenfalls sehr wichtig waren, kann ich heute nur noch eingeschränkt mögen, bzw. nur noch ihre Songs. Zuviele eigenartige Interviews haben sie gegeben, zu verbitterte Biographien geschrieben. Bei Kate Bush ist das anders. Da ist hauptsächlich ihre Kunst. Und durch diese gibt sie wiederum sehr viel Privates preis – Dinge, die einen meiner Meinung nach als echten Fan interessieren könnten … also nicht die Farbe ihrer Bettwäsche oder was
sie alles im Kühlschrank stehen hat.

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Ich wünsche mir, dass es überhaupt ein nächstes Album gibt. Das ist alles. Ich weiß, ich werde es mögen.

Welcher Song von Kate sollte einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
Wenn einer von ihren, dann „Among Angels“.

Apr 18

Pearl Jam, Lorde und Coachella

pearl jam620Lorde und Pearl Jam haben sich in den letzten Tagen als Fans von Kate Bush geoutet. Beim feierlichen Konzert zur Aufnahme weiterer Musiker in die Rock’n’Roll Hall of Fame wurden in diesem Jahr unter anderem auch Pearl Jam geehrt. Und deren Bassist Jeff Ament erschien in einem besonderen T-Shirt: Es trug die Namen all der Musiker, die Pearl Jam musikalisch beeinflusst haben oder von denen sie glauben, dass sie in die Hall of Fame gehören. Unter den zahlreichen Namen ist auch Kate Bush zu finden. Nach der Ehrung veröffentlichte die Gruppe ein Foto des T-Shirts auf ihrem Instagram-Account. Lorde hat Kate Bush auf ganz besondere Art und Weise geehrt. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Kurator des Coachella-Open-Air-Festivals, Paul Tollett, entschieden dagegen war, Kate Bush für einen Liveauftritt zu gewinnen. Der Chef einer Musikagentur hatte Kate nach ihren Konzerten in London für das Festival in 2015 vorgeschlagen und darauf verwiesen, dass es der erste Liveauftritt von Kate in den USA überhaupt wäre. Tolletts zitierte Antwort: ‚Nein! Niemand wird es verstehen.‘ Lorde hätte es offenbar verstanden. Bei ihrem Festival-Auftritt am Sonntag begann sie ihr Coachella-Set mit „Running up that hill“.

Apr 11

It’s in the trees … it’s colorful!

allweeverlookforhol-farbig620Was kann man über Kates „Hounds of Love“ noch sagen, was nicht schon gesagt wurde? Deshalb halte ich mich gar nicht lange auf und gehe direkt auf die wunderschönen farbigen Vinylausgaben ihres Meisterwerks ein. Ich fand es immer schade, dass es keine Picture Disc von „Hounds Of Love“ in die Presswerke geschafft hat (das Cover schreit ja förmlich danach). Das farbige Vinyl aus Kanada und Amerika hat mich dann wieder etwas versöhnt. Oben links: Audio Fidelity – Purple Splattered Vinyl im Gatefold Cover – Remastered aus Amerika. Mitte Links: Grey Vinyl – Amerika. Oben rechts:- Audio Fidelity –  Marbelized Grey Vinyl im Gatefold Cover, limitiert und numeriert, Remastered aus Amerika. Unten links: Pink Swirl Vinyl aus Kanada. Unten rechts: 10″ Pink Vinyl aus Amerika – gab es nur zum Record Store Day 2011, limitiert auf 1000 Stück. Kate hat diese Ausgabe abgesegnet und die vier Tracks (The Big Sky/Cloudbusting/Watching You Without Me/Jig Of Life) selber ausgesucht. Ursprünglicher Preis 14.98 Euro – mittlerweile sündhaft teuer! Ich gebe die Hoffnung nach einer Picture Disc aber noch nicht auf! Kleine Info am Rande: Es gibt eine Pinke Ausgabe von „The Dreaming“! Limitiert auf 5 Stück, und NEIN ich hab sie nicht. Happy hunting! Michael Guth

Apr 06

Das Song-ABC: Under The Ivy

abcFaszination geht von diesem kleinen Song aus. Dies zeigt sich schon daran, dass Graeme Thomson seine Biographie nach ihm benannt hat. Veröffentlicht wurde er 1985 als B-Seite der Single „Running up that hill“ [1]. Aufgenommen wurde er an einem Nachmittag, wie Kate Bush selbst gesagt hat: „Under the Ivy we did in our studio in just an afternoon.“ [2] In Fan-Kreisen gilt er als einer ihrer größten Songs.
underivy400Was macht diese Faszination aus? Für mich ist ein ganz starker Grund die Offenheit, die er erlaubt. Im Text [3] wird ein Geheimnis erwähnt („And it’s not easy for me / To give away a secret“), die Handlung hat etwas fast Verschwörerisches – dies wird aber nicht aufgelöst. „Under the ivy“ ist ein Rätsel, das nicht erklärt wird und das daher auf ganz verschiedene Arten interpretiert werden kann. Wie man am Ende dieses Beitrags feststellen muss – alle davon sind auf ihre Art stimmig. Ein großer Song kann gewagte Interpretationen vertragen – der Leser sei vorgewarnt!
Um zu Deutungen zu kommen ist es nötig, zuerst einmal die Fakten darzustellen (sowie die sich von Interpretionen trennen lassen, was schwierig ist). Das Klavier begleitet Kates Gesang, zart und zurückhaltend. Die Stimmung ist traurig, es klingt wie eine Erinnerung, es wird im Verlauf immer emotionaler und trauriger. Die erste Strophe und der erste Refrain sind ganz ruhig. Das „for me“ zum Schluss des Refrains wird von einem von Kate gesungenen Chor herausgerufen. Es klingt wie ein fernes Echo, fast geisterhaft, unwirklich. Die zweite Strophe ist dann bewegter und emotional. Der Tonfall ist manchmal fast verzweifelt, weinend („And it’s not easy for me / To give away a secret“). Der zweite Refrain ist dann wieder ruhiger. In der folgenden Wiederholung des Refrains (mit neuer Schlusszeile „I’ll be waiting for you“) wird es dann hochemotional im Ausdruck. Die Gesangsstimme erscheint verdoppelt, ein dunkler Schatten singt mit. Der Song klingt dann in einer kurzen Coda wieder ganz ruhig aus („It wouldn’t take me long / To tell you how to find it“).
G-Moll ist die Grundtonart, in der der Song notiert ist. Sie leitet die Strophen ein, Dur-Akkorde setzen sie jeweils fort. Es gibt F-Dur-Akkorde (z.B. auf „long“, inside me“, „under the ivy“, „away from the party“, „right to the white rose“), daneben auch B-Dur-Akkorde und Es-Dur-Akkorde [3].
Kate Bush hat ein fantastisches Gespür für die Verwendung von Tonarten. Nähern wir uns daher nun den Interpretationen auf dieser Ebene (im Folgenden beziehe ich mich auf Beckh [4]). G-Moll steht für Schmerz, Hoffnungslosigkeit, eine der liebenden Seele entquellende tiefe Todestrauer. B-Dur ist die Dur-Parallele zu g-Moll – wie so oft bei Kate Bush pendeln Songs so hin und her – und holt die Ahnung des Lichts, die Hoffnung des Lichts, den Glauben an das Licht hervor. Es ist die Waldestonart, es ist naturhaft, ein abgedunkeltes F-Dur. B-Dur ist „Der Stern des Glaubens, des Hoffens, der Liebe“. F-Dur ist die Natur-Tonart, die Stimme der Natur schlechthin. Mit Es-Dur haben wir die Tonart vor uns, die aus der Tiefe des Abgrunds wieder emporführt. Sie ist der Hoffnungsstrahl, das sich Emporkämpfen, das Heroische.
Die Tonarten sprechen also von Liebestrauer, von Todestrauer, vom Vergehen in der Natur, aber auch von einer gewissen Hoffnung. Dies ist zur Traurigkeit und Emotionalität des Textes kohärent.
Beim ersten Hören dieses Liedes erschien mir klar, dass es hier um den Tod geht. Viele teilen diese Interpretation und sie liegt auch nahe. Das Lied ist unfassbar traurig und bewegend. Die Sehnsucht nach der verlorenen Jugend klingt durch („This little girl inside me / Is retreating to her favourite place“). Die Protagonistin singt von einem Platz unter dem Efeu – einer Pflanze, die sich als Symbol des ewigen Lebens häufig auf Friedhöfen findet [5]. Unter dem Efeu scheint ein Grabstein zu liegen: „The green on the grey“. Liegt hier eine Person begraben, die sich nach dem Leben zurücksehnt („Away from the party“)? Diese Party war vielleicht das Zusammensein nach dem Begräbnis. Singt hier ein ruheloser Geist, der sich in dem von fern rufenden Chor „for me“ ausdrückt? Wurde die Protagonistin ermordet oder hat sie gar Selbstmord begangen? Auf diese zweite Möglichkeit könnte der Schluss des Liedes hindeuten: „It wouldn’t take me long / To tell you how to find it“ (so meinen jedenfalls einige Interpreten wie in [6] und [7]). Die Protagonistin sehnt sich nach einer geliebten Person – so ein Griff aus dem Totenreich in das Reich der Lebenden weist zurück auf „Wuthering Heights“ mit einer ähnlichen Thematik. Selbstmord – das kennen wir auch aus „The kick inside“. Der verzweifelte Tonfall und der nicht explizit angesprochene Tod – das deutet auf „Mrs. Bartolozzi“. Der Efeu weist auch zurück auf das Cover des Albums „The Dreaming“ und illustriert dort eine Szene aus dem Song „Houdini“. Auch in diesem Song ging es um Tod, Erinnerung und Wiederkehr.
kate_ivy400Die Tonartencharakteristiken stützen diese Deutung und man könnte es dabei belassen und sich ein bisschen wundern, warum Kate das alles so verklausuliert nur andeutet. Aber dies kennt man ja von dieser Sängerin. Als Kate Bush in einem Interview [6] auf diese Selbstmordhypothese angesprochen wurde, reagierte sie etwas verdutzt. „Well, I think…uh, it… perhaps you are reading much more into it than was originally intended when I wrote it. It’s very much a song about someone who is sneaking away from a party to meet someone elusively, secretly, and to possibly make love with them, or just to communicate, but it’s secret, and it’s something they used to do and that they won’t be able to do again. It’s about a nostalgic, revisited moment.“ Die Interpretation als Lied aus der Welt der Toten war also jedenfalls „originally“ nicht angedacht. Sie mag aber unterbewusst mitgespielt haben. Sie ergänzte dann auf die Frage, warum das Lied so traurig sei noch Folgendes: “ I think it’s sad because it’s about someone who is recalling a moment when perhaps they used to do it when they were innocent and when they were children, and it’s something that they’re having to sneak away to do privately now as adults.“
Diese zweite Interpretation – von Kate Bush selbst ins Spiel gebracht – geht also davon aus, dass es sich hier um ein geheimes Treffen zweier Personen handelt. Dieses Treffen findet an dem Rückzugsort der Protagonistin aus der Kindheit statt („This little girl inside me / Is retreating to her favourite place“). Das ist ein geheimer Ort, der nicht jeder Person mitgeteilt wird („And it’s not easy for me / To give away a secret“). Das oben angeführte Interview enthält die einzigen Aussagen von Kate Bush zu diesem Song, die ich finden konnte. Sie spricht davon, dass diese Treffen etwas waren, was die beiden Personen früher als Kinder in aller Unschuld machten durften, jetzt als Erwachsene aber nicht mehr. Die weiße Rose („Go right to the white rose“) ist ein Symbol für Unschuld, Reinheit, Treue oder Entsagung [8]. Es gibt also ein von Kate Bush zugestandenes Geheimnis in diesem Song, aber es wird nicht aufgeklärt. Das öffnet Tür und Tor, genau daran weitere Interpretationen aufzuhängen. Es kann natürlich sein, dass die Personen ganz einfach anderweitig verpartnert sind und da wäre die Situation schon traurig genug. Aber vielleicht dürfen sie sich jetzt nur ganz heimlich treffen, weil es sich um so etwas wie Inzest handelt? Unschuldig als Kinder, nicht mehr unschuldig als Erwachsene. In „The kick inside“ führte das zum Selbstmord, daher sind diese beiden ersten Interpretationsmodelle vielleicht nicht so weit auseinander.
Der Efeu unterstützt dies durch seine Symbolik. „Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her auch Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war diese immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens, im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.“ [5]
Die dritte Interpretation nimmt diese Sinnbilder von Freundschaft und Treue auf. Die Frage, wer da aus dem Efeu am geheimen Platz der Kindheit hineinruft in das Erwachsenenleben, kann auch noch anders beantwortet werden. Dieser Platz liegt da, wo die weiße Rose blüht: „Go right to the white rose“. Kann es eine unsichtbare Freundin sein, die hier ruft? Kinder sprechen oft mit unsichtbaren Freunden, die dann irgendwann verschwinden, wenn die Kinder erwachsen werden. Aber warum ist dann diese unsichtbare Freundin so unfassbar traurig?
Im englischen Forum [7] fand sich dazu ein Hinweis. Es gibt ein Märchen von Astrid Lindgren – „Allerliebste Schwester“ [Allrakäraste Syster], erschienen im Jahr 1967, auch ins Englische übersetzt. Die folgende Inhaltszusammenfassung ist aus [9] übernommen.
Das kleine Mädchen Barbro wohnt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder in einem Haus mit Garten, in dem sie mit ihrem Plüschhund spielt. Sie hat bald Geburtstag und wünscht sich sehnlich einen richtigen Hund. Davon wollen die Eltern aber nichts wissen. Barbro hat ein Geheimnis: Sie hat eine Zwillingsschwester, die im Goldenen Saal regiert, zu dem Barbro durch ein Loch hinter dem Rosenbusch „Salikon“ im Garten gelangen kann. Ihre Schwester heißt Ylva-Li und nennt Barbro „allerliebste Schwester“. Sie umsorgt sie, wenn Barbro zu Besuch ist und sieht ihr sofort den Kummer an, wenn Barbro traurig ist. Mit Ylva-Li verbringt Barbro eine märchenhaft schöne Zeit: im Goldenen Saal essen sie Pfannkuchen in Gesellschaft der vielen Tiere, unter anderem zweier schwarzer Pudel, die Ruff und Duff heißen. Schließlich vertraut Ylva-Li ihrer Schwester an, dass sie tot sein wird, wenn Salikons Rosen verwelkt sind. Verzweifelt läuft Barbro wieder nach Hause. Am nächsten Tag, ihrem Geburtstag, wird sie von einem kleinen schwarzen Pudel geweckt – dem Geburtstagsgeschenk der Eltern. Als sie mit ihrem Hund Ruff in den Garten geht, sieht sie, dass die Rosen verwelkt sind.
Auch diese dritte Interpretation erscheint schlüssig. Es geht um Kindheit, geheime Plätze, Dinge, die man als Erwachsene nicht mehr tut. Der Zugang zu diesem Geheimnis liegt hinter dem Rosenbusch. Das Lied ist deswegen so traurig, weil die Kindheitsfreundin tot ist, sie liegt unter den Steinen unter dem Efeu begraben. Das „for me“ wäre auch hier ein Ruf aus der Welt der Toten. Dieses Märchen war in England zugänglich – vielleicht kennt Kate Bush es aus ihrer Jugend.
ivy3Hier wäre noch zu erwähnen, dass sich die weiße Rose auf dem Cover des nächsten Albums „The Sensual World“ wiederfindet. Ein Thema des Titelsongs ist da das Heraustreten aus der literarischen Welt in das wirkliche Leben.
Als ich den Namen des Rosenstrauchs erforschte (das Wort Saliko gibt es in Esperanto, es bedeutet „Silberweide“ [10], hergeleitet vom lateinischen Salix), fügten sich in meinem Kopf plötzlich noch weitere Puzzlesteine zusammen zu einer vierten Interpretation. Noch überhaupt nicht berücksichtigt in einer Deutung wurde die schattenhafte Stimme, die den Gesang der Protagonistin zum Schluss begleitet. Dieses Stilmittel der von einem Schatten begleiteten Gesangsstimme wurde in „The infant kiss“ für Besessenheit benutzt (siehe hier im Song-ABC der dazugehörende Beitrag). Im zugrunde liegenden Film [11] sieht die Heldin – sie betreut zwei Kinder, Miles und Flora – scheinbar als einzige wiederholt geisterhafte Erscheinungen eines Mannes und einer Frau, Miss Jessel. Miss Jessel ertränkte sich (schwanger?). In der Heldin keimt der Verdacht, die Geister der Verstorbenen hätten Macht über die Kinder erlangt. Sie beharrt gegenüber Flora darauf, diese sei von Miss Jessels Geist besessen, bis das Mädchen einen hysterischen Anfall erleidet.
Zu Beginn des Films erklingt [12] – offenbar von Miss Jessel gesungen – das Lied „O Willow Waly” (“We lay my love and I, beneath the weeping willow. But now alone I lie and weep beside the tree. Singing “Oh willow waly” by the tree that weeps with me. Singing “Oh willow waly” till my lover return to me. We lay my love and I beneath the weeping willow. A broken heart have I. Oh willow I die, oh willow I die…”) . Willow – das ist die Weide.
Singt in „Under the ivy“ also die erwachsene Flora und sehnt sich nach Miss Jessel? Ist Miss Jessel die rätselhafte Begleitstimme – so wie es ähnlich in „The infant kiss“ als Stilmittel benutzt wurde, dort für die Besessenheit des Jungen? Liegt Miss Jessel begraben unter dem Efeu hinter dem Rosenbusch „Salikon“? Wird hier ein zweiter Teil der Geschichte aus „The infant kiss“ erzählt?
Vier Interpretationen – keine Wahrheit. Vier Interpretationen, die ineinander greifen und sich überlagern wie die Blütenblätter einer Rose. Vier Interpretationen – nur Geheimnisse. Je tiefer man in „Under the ivy“ eindringt, desto geheimnisvoller wird dieser Song. So viele Seelen können sich in seiner Dunkelheit spiegeln. Vielleicht ist er deswegen voller nicht bewusst heineinkomponierter Assoziationen, weil er so schnell aufgenommen und nicht lange „geplant“ wurde. Mit seinen Anklängen an die Themen und Symbole anderer Songs bildet er ein Assoziationszentrum im Bush-Universum. Besonders bemerkenswert finde ich es dabei, dass er mit seinen Hauptsymbolen Efeu und weiße Rose Bezug nimmt auf die Cover der Alben vorher und nachher.
Es ist schade, dass dieses Juwel nicht auf ein reguläres Album gekommen ist, er hätte es von der Qualität her voll verdient. Zum damals aktuellen Album „Hounds of Love“ passte er wohl nicht in der Stimmung, er wäre ein dunkler Fremdkörper gewesen. Aber er hat auch zum Glück so den Weg in die Herzen gefunden.   (© Achim/aHAJ)
[1] http://www.katebushencyclopedia.com/under-the-ivy (Gelesen 10.02.2017)
[2] Peter Swales. Musician (ohne Titel), Herbst 1985
[3] Kate Bush Complete. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.161
[4] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.245ff (B-Dur), S.259f (g-Moll), S.124 und 128 (Es-Dur), S.149ff (F-Dur)
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Efeu (gelesen 08.02.2017)
[6] Doug Allen: Love-Hounds Interview. November 1985
[7] http://thehomegroundandkatebushnewsandinfoforum.yuku.com/topic/9091/Under-the-Ivy-whats-it-about#.WJmfaXr-OQg (gelesen 07.02.2017)
[8] www.blumen-versender.com/weisse-rosen.php (gelesen 08.02.2017)
[9] http://www.kinderundjugendmedien.de/index.php/filmkritiken/144-allerliebste-schwester-ein-schwermuetiges-und-bewegendes-maerchen (gelesen 07.02.2017)
[10] http://www.majstro.com/woerterbuecher/Esperanto-Deutsch/saliko (gelesen 10.02.2017)
[11] http://de.m.wikipedia.org/wiki/Schloß_des_Schreckens (gelesen 24.03.2015)
[12] http://www.imdb.com/title/tt0055018/quotes (gelesen 01.04.2015)

Apr 01

Kate in Polaroids: April

KP_04AUnder the ivy

„Es gab in meinem Leben ein großes Geheimnis, welches ich für mich behalten wollte (mittlerweile weiß ich, dass es viel besser war, es doch zu lüften)“, beschreibt Michael, warum die Textzeile „It’s not easy for me to give away a secret“ eine der wichtigsten Liedzeilen aus einem Song von Kate für ihn ist. Wie schwer so eine Entscheidung fallen kann, mag schon deutlich machen, wie man in diesem Zusammenhang „give away“ übersetzt. Wird das Geheimnis gelüftet? Wird es verraten? Offenbart man es? Gibt man es damit weg? Kate lüftet das Geheimnis in dem Lied nicht. Der Efeu als immergrünes Symbol des Lebens, die weiße Rose als Verkörperung der Unschuld – von Michael inszeniert in Verbindung mit einem unschuldig wirkenden jungen Mann. Ist er so unschuldig, wie er wirkt? Verkörpert er das Geheminis? Auch MIchael gibt darauf keine Antwort und lässt die Fragen zur Interpretation offen.

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Mrz 26

Surrealistische Zeichnungen von Daria

dariaA_is_for_Amos_-_Cover_-_Online„Daria ermöglicht uns eine neue Perspektive und öffnet eine Tür zu einer anderen Dimension der künstlerischen Traumwelt. Jedes Mal, wenn ich eines ihrer Bilder sehe, stoppe ich auf meinen Weg, weil ich weiß, dass es diesen magischen Ort gibt, zu dem ich gerne reisen möchte, wo meine Augen dieses Welt einfangen können“, steht als Beschreibung der Bilder von Daria Hlazatova auf der Seite von Rhythm & Artist. Daria lebt in der Ukraine, bezeichnet sich selbst als „full-time artist and a part-time elf“, gestaltet Plattencover, arbeitet für Magazine, illustriert und zeichnet. Dabei lässt sie sich insbesondere von Märchen, Sagen und Mythen inspirieren – aber auch von Musik und Songtexten, wie man nicht nur an den Bildern von Kate sehr schön erkennen kann. Vor allem findet man surrealistische Elemente oder den Stil des Art déco in ihren Bildern. Daria hat schon mehrfach in den USA, England und natürlich in ihrer Heimat Ausstellung bestritten und passend zum Record Store Day 2015 ein kleines Buch mit dem Titel „A is for Amos“ herausgegeben, in dem sie ein Künstler-ABC erstellt hat. Verewigt sind die Künstler, die sie musikalisch geprägt haben, von Bowie bis Brian Eno, Genesis bis Zappa, Nick Cave bis Morrissey. „K“ steht in dem ABC natürlich für Kate. Das 60-seitige Buch kann man für 12 Euro auch bei amazon bestellen. Wer mehr über die Bilder von Daria erfahren möchte, wird hier fündig.

Mrz 21

Das Reich des Unsichtbaren sichtbar machen

JuanJVicedo620Er ist Professor für Wirtschaft und Finanzen an der Universität von Alicante und arbeitet zudem als Rechtsanwalt. Sein Hobby: Die Musik. Wobei man von Hobby in dem Fall nicht unbedingt sprechen kann, denn Juan José Vicedo hat mit seinem neuen Buch „Kate Bush – Los dominios de lo invisible“ bereits das dritte Werk über einen Musiker verfasst. Nach Bob Dylan und Patti Smith jetzt Kate Bush. „Das erste Buch über Bob Dylan ist ein Leitfaden für seine komplette Diskografie. Die beiden anderen sind Biografien, in denen das Leben der Künstler durch die Lieder erzählt wird“, beschreibt Juan José Vicedo sein neues Buch. Sich für Kate zu begeistern, fiel ihm nicht schwer: „Kate Bush ist jemand, die seit Jahrzehnten bei mir war. Ich gehöre zu denen, die von Wuthering Heights absolut begeistert waren und seitdem nach einem Platz zum Träumen suchen und dabei in ihrer Musik verloren gehen, in ihren Texten und in den vielen Charakteren, über die sie singt. Aus diesem Grund wollte ich über ihre Lieder und über die Emotionen sprechen, die sie in uns weckt – um diese Frau allen vorzustellen, denen sie noch fremd ist.“ Also hat Juan José Vicedo statt einer reinen Biografie auf Spanisch einen etwas anderen Weg gewählt. Er will seine Leser anhand der Songtexte mit auf eine Reise nehmen, wie er sagt eine „sehr persönliche Reise zu ihrer Figur und dem, was von ihrer Seele in ihrem musikalischen Lebenswerk bleiben wird“. Eine Reise, die sich für jeden lohnen werde, verspricht der Autor, schließlich könne man in Kates Musik „die Leidenschaft, das Zögern, die Liebe, die Traurigkeit, die Freude der Schöpfung und die Tapferkeit, die Dinge auf ihre Art und Weise umzusetzen“, entdecken. Sein Ziel: Kates „Reich des Unsichtbaren sichtbar zu machen“. Das klingt das fast schon poetisch und könnte aus einem ihrer Songtexte entsprungen sein…(und ist im Übrigen die Übersetzung des spanischen Titels.) Das Buch, so ist es jedenfalls gepalnt, soll später auch auf Englisch erscheinen. Das wäre schön.

Kate Bush – Los dominios de lo invisible„, Autor: Juan José Vicedo, 178 Seiten, Verlag: 66rpm, ISBN: 978-8494533075, ca. 14 Euro, Erscheinungsdatum: 23.1.2017. Das Buch ist bei amazon Deutschland für etwa 16,50 Euro bestellbar.

Mrz 16

Zeit zum Träumen mit Frédéric Delage

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Foto: Patrick Lavaud

Le temps du rêve“ ist der Titel der ersten Biografie über Kate Bush auf französisch – verfasst von Frédéric Delage. Er arbeitet als Journalist in Poitiers, lebt in der Dordogne, und ist bekennender Progressive Rock-Fan mit einer eigenen Webseite. Er hat bisher zwei Bücher über Genesis veröffentlicht und ein Nachschlagewerk über Progressive Rock.

In einem Interview mit einer französischen Tageszeitung hast Du gesagt, dass Kate in England genauso berühmt ist, wie Edith Piaf in Frankreich. Denkst Du, es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen beiden Sängerinnen?

Frédéric Delage: Ich habe Piaf nur als Beispiel gewählt um zu verdeutlichen, welche Berühmtheit Kate in England ist – eben ein bisschen so wie Piaf in Frankreich. Um ehrlich zu sein, kann ich – abgesehen von der Verehrung, die ihnen in ihren jeweiligen Heimatländern entgegengebracht wird – sonst keine Ähnlichkeiten zwischen ihnen erkennen.

Kate hat zwei ihrer Songs in französischer Sprache veröffentlicht, ihr Album Lionheart wurde in Frankreich produziert und es wird ihr nachgesagt, dass sie ihre Urlaube gerne in Frankreich verbringt. Wie würdest Du ihre Beziehung zu Frankreich beschreiben?

Frédéric Delage: Auch wenn sie zwei Lieder auf Französisch gesungen hat (da ist Joanni, wo sie einen kleinen Part auf Französisch singt, noch nicht berücksichtigt), bin ich mir nicht sicher, das Kate Bush die französische Sprache wirklich beherrscht. Bei der Tour of Life hat sie nur ein Konzert in Paris gegeben. Ich glaube also schon, dass sie sie in Deutschland populärer ist, als in Frankreich. Glücklicherweise gibt es trotzdem sehr viele französische Fans. Die breite Öffentlichkeit in Frankreich kennt sie aber nur aufgrund von drei oder vier ihrer Hits, namentlich Wuthering Heights, Babooshka, Running up that Hill und Don’t give up. Wenn sie übrigens wirklich ihren Urlaub in Frankreich verbringt, würde ich ihr vorschlagen mich zu Hause zu besuchen – ich lebe in einer der schönsten Regionen von Frankreich.

Du bist Journalist, hast zwei Bücher über Genesis geschrieben, zwei über Progressive Rock und Du betreibst eine Progrock-Webseite. Erklär mir, warum ein Progrock-Fan über Kate schreibt und dazu noch auf französisch?

Frédéric Delage: Ich habe dieses Buch geschrieben, weil es bisher noch kein einziges in französischer Sprache gab, aber vor allem auch, weil ich on Kate Bush als Künstlerin fasziniert bin. Man muss natürlich kein Fan von progressiver Musik sein, um ein Kate Bush-Fan zu sein. Aber sie ist sehr oft die beliebteste weibliche Sängerin von Progrock-Fans. Wie Guy Garvey, Sänger der Gruppe Elbow, in einer BBC-Dokumentation gesagt hat: Die Musik von Kate Bush steht in der progressiven Tradition, aber ohne die offensichtliche instrumentelle Virtuosität, die man oft in diesem Genre findet. Kate Bushs progressive Seite liegt in den abenteuerlichen und traumähnlichen Aspekten ihrer Musik; in der theatralischen Dimension ihrer Shows; in dem Ustand, dass sie Konzept-Suiten komponiert hat und in den Wurzeln ihrer Inspiration, die oft sehr englisch sind. Kate Bush ist zudem vollkommen einzigartig und unvergleichbar. Und zu meinem Buch: Es ist eine klassische, chronologische Biografie. Ich habe in zahlreichen Archiven der französischen Presse recherchiert, mich aber größtenteils auf Berichte in den britischen Medien gestützt. Dabei reicht das Buch von ihren Anfängen bis zum Live-Album Before the dawn. Und es berücksichtigt dabei die Beschreibung ihres kreativen Prozesses Album für Album.

Der Buchtitel  „Le temps du rêve“ kann sowohl mit „Zeit für Träume“ wie auch mit dem von den Aborigines geprägten Begriff der „Traumzeit“ übersetzt werden. Was war Deine Intention?

Frédéric Delage: Es ist eine klare Referenz an die „Traumzeit“ und damit auch an das Album The DreamingIch dachte auch, dass es ein schöner Titel ist, weil er sowohl auf die Zeit verweist –  außer bei Lionheart, wo sie unter dem Zeitdruck von EMI stand, hat sie sich immer die nötige Zeit genommen, um ein Album zu schreiben – wie auch den traumähnlichen Aspekt ihrer Arbeit verweist.

Progrock-Fans, Punk-Liebhaber und Metal-Fans haben interessanterweise sehr oft eines gemeinsam: Sie lieben die Musik von Kate. Kannst Du erklären woran das liegt?

Frédéric Delage: Zweifellos weil ihre Musik anspruchsvoll, kühn, melodisch und gleichsam energisch ist, sie Genregrenzen überschreitet und es schafft, unterschiedliche Stile von Empfindungen miteinander zu versöhnen.

In einer Album-Kritik zu 50 Words for snow hast Du geschrieben, dass die Ära der exquisiten Popsongs der Kate aus ihrer Anfangszeit lange vorbei ist, und dass ihre Musik heute Zeit zum „schmelzen“ benötigt. Wenn Du die Songs aus ihrer Anfangszeit mit ihrer Music von heute vergleichst, was können wir dann in der Zukunft erwarten? Wie wird sich ihr musikalischer Stil in den nächsten Jahren weiterentwickeln? Mehr in Richtung Jazz, oder gar klassische Lieder?

Frédéric Delage: Ich finde schon, dass es mehr Jazz- und Klassik-Einflüsse auf Aerial und 50 Words for snow gibt, als auf ihren früheren Alben. Kate Bush nimmt sich Zeit, um sicherzustellen, dass sie sich niemals wiederholt. Bis heute hat sie es immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden. Und ich glaube, dass man darauf vertrauen kann, dass sie so weitermachen wird – natürlich in ihrem eigenen Tempo. Aber es ist nicht vorhersagbar, was sie in der Zukunft tun wird. Und auch das macht sie unvergleichlich reizvoll.

Wenn man über Kate schreibt, hat man bestimmt 1000 Fragen an sie. Welche Frage würdest Du ihr zuerst stellen?

Frédéric Delage:  Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich 1000 Fragen an sie hätte. Es umgibt sie ja etwas Geheimnisvolles, was sich auch in ihrer Arbeit zeigt und das sie ganz zu recht bewahren will. Wenn ich es jemals schaffen sollte, ein Interview mit ihr zu bekommen, zum Beispiel für die 2. Auflage meines Buches, würden mir aber leicht ein paar Fragen einfallen – ich hoffe nur, dass ich die dann ohne Zittern in der Stimme stellen kann.

„Kate Bush – Le temps du rêve“. Autor: Frédéric Delâge, 240 pages (14,8 x 21 cm) , ISBN : 9782360542383, ca. 20 Euro, Erscheinungsdatum: 19.1.2017. Bei amazon Deutschland ist das Buch als Kindle-Edition für 12 Euro verfügbar.

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