Jul 30

Happy Birthday, Kate!

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Jul 28

Guido Harari: Kate, wie man sie noch nie gesehen hat (2/3)

harari2Im September erscheint das neue Buch “The Kate Inside” von Guido Harari, der mehr als ein Jahrzehnt mit Kate zusammengearbeitet hat. Im Gespräch mit morningfog.de erzählt Guido, was man von seinem Buch erwarten kann, welche Rolle die Musik überhaupt in seinem Leben gespielt hat, wie die Foto-Shootings mit Kate verlaufen sind und er verrät natürlich auch, welches seine Lieblingsfotos von Kate sind. Im zweiten Teil des Interviews geht es vorrangig um die Frage, wie viel Freiheiten Guido bei seinen Fotoaufnahmen hatte.

Es wird immer behauptet, dass Kate sehr nett ist, aber zu jeder Sekunde die volle Kontrolle über ihre Arbeit behalten möchte. Ist es einfach mit ihr zusammenzuarbeiten?

Guido Harari: Es war sogar äußerst ungewöhnlich unkompliziert, eher eine Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Ebene. Sie hat mir vertraut und mich stets ermutigt. Sie hat mit mir stets die Test-Polaroids durchgesehen, bevor wir mit dem eigentlichen Foto-Shooting begonnen haben. Sie hatte auch nie irgendwelche Einwände gegen meine Ideen und war mit dem Ergebnis stets sehr zufrieden. Am Film-Set konnte ich mich vollkommen frei bewegen und sie in jeder Situation fotografieren, selbst als sie ohne Make-Up und mit Lockenwicklern im Haar schlief. Kate hatte immer eine sehr pfiffige Art dich in dem Glauben zu lassen, dass sie einem so sehr vertraut, dass sie dir die volle Kontrolle über die Aufnahmen überlässt, während sie gleichzeitig natürlich entschied, ob die Bilder abgelehnt oder genehmigt wurden. Aber ich habe mich nie in irgendeiner Form eingeschränkt gefühlt. Sie war wie ich auf der Suche, und das hat für einen sehr willkommenden frischen Wind gesorgt. Unsere Zusammenarbeit war schon einzigartig und ist vielleicht bis heute für mich die intensivste und produktivste mit einem Künstler von ihrer Statur gewesen.

Es gibt ein Bild von Brian Griffin, wo Kate als Nonne verkleidet in einem Feld posiert. Inspiriert war das von einem Depeche Mode-Cover. Weiß sie immer genau was sie will, wie sie auszusehen hat, in welcher Pose sie fotografiert werden will, oder gibt es wirklich genug Freiraum auch für Experimente in einem Foto-Shooting?

guido2Guido Harari: Dazu müsstest du vielleicht eher John Carder Bush oder Gered befragen. Sie wusste genau wie sie ihr eigenes Image entwerfen konnte, aber zur gleichen Zeit gab es die Freiheit für Experimente. Ich denke da an die Reihenfolge meiner “Underwater”-Bilder, die ich mit mehrfacher Belichtung angefertigt habe – zu der Zeit gab es noch kein Photoshop. Eine Technik, die sie nicht wirklich verstanden hatte und die sie eher in Unruhe versetzte. Als sie aber die Ergebnisse gesehen hat, war sie vollkommen begeistert. Wie gesagt: Während der langen Shootings gab es Zeit für Experimente, obwohl es kein Konzept gab, solche zu entwickeln.

Was ist für Dich interessanter: Mit einem Bild eine Geschichte zu erzählen – so wie das Brian Griffin in dem erwähnten Fall getan hat -, oder die Portraitfotografie?

Guido Harari: Die Fotografien sind so eine Art Aufzeichnung meiner Begegnungen mit dem Motiv, egal ob sie berühmt sind oder nicht. Ja, sie erzählen Geschichten. Und ich mag es, mich selbst dabei zu überraschen, wie auch die Person vor der Kamera. Bilder sollten immer etwas von dem “Sehenden” und dem “Gesehenen” enthüllen. Bekannte Persönlichkeiten zu fotografieren ist eigentlich praktisch unmöglich, weil das eher wie ein Spiel ist. Ideen sind im Grunde Gimmicks, es geht darum etwas vorzugeben, zu posieren, weil der Sinn der Bilder die kommerzielle Nutzung ist, egal ob sie dabei helfen sollen eine Schallplatte, ein Buch oder ein anderes Produkt zu verkaufen. Es gibt da mehr oder weniger keinen Bedarf für Authentizität.

Du durftest am Filmset zu The Line, The Cross And The Curve mit dabei sein. Auch das klingt sehr untypisch für jemanden, der die vollkommene Kontrolle über seine Arbeit und wie er in der Öffentlichkeit gesehen werden will, haben möchte. War das eigentlich Kates’ Idee, oder musstest Du sie davon überzeugen?

Guido Harari: Siehe meine Antwort weiter oben. Ansonsten war sie es, die mich anrief und zum Filmset einlud, weil es schließlich die perfekte Gelegenheit war, statt der üblichen Studio-Fotos Bilder wie in einer Dokumentation zu erstellen. Sie rief an und sagte: “Ich will, dass du das so machst wie bei Lindsay.” Also die Authentizität einfangen. Ich glaube, dass sie sich mehr als alles andere genau danach sehnte, als ich mit meinen Kameras ständig um sie herum war. Diese Dokumentation vom Filmset macht rund 40 Prozent des Buches aus und es zeigt eine Kate, wie du sie noch nie gesehen hast – und wie man sie vermutlich auch nie wieder sehen wird.

Jul 24

Guido Harari: Kate hat mich immer ermutigt (1/3)

guido620-1982Im September erscheint das neue Buch “The Kate Inside” von Guido Harari, der mehr als ein Jahrzehnt mit Kate zusammengearbeitet hat. Im Gespräch mit morningfog.de erzählt Guido, was man von seinem Buch erwarten kann, welche Rolle die Musik überhaupt in seinem Leben gespielt hat, wie die Foto-Shootings mit Kate verlaufen sind und er verrät natürlich auch, welches seine Lieblingsfotos von Kate sind. Im ersten Teil des Interviews geht es vorrangig um das Buch und die Anfänge der Zusammenarbeit.

In Deinem neuen Buch wird es viele bisher unveröffentlichte Bilder aus Deinem Archiv geben. Warum hat es 20 und mehr Jahre gedauert, bis Du diese alten Fotos wiederentdeckt hast und sie jetzt veröffentlicht werden?

Guido Harari: Das ist so ähnlich wie Kate zu fragen, warum sie für zwölf Jahre verschwunden ist. Dinge passieren, im Leben geschieht so vieles während du dich schon auf das nächste Projekt stürzt, dich auf die Zukunft fokussierst und nicht zurückblickst. Erst als Kate in 2014 ihre 22 Konzerte in London angekündigt hatte und fast jeder durchdrehte, um sich für diesen Lebenstraum, Kate nach 35 Jahren wieder auf einer Bühne zu sehen, die Tickets sichern wollte, gab es auch plötzlich wieder einen großen Ansturm von Fans, die sich für meine Fotos von ihr interessierten. Menschen aus der ganzen Welt waren dann verwundert, mich auf Facebook zu finden und einige bedrängten mich, ein Buch mit den Bildern zu veröffentlichen. Das Ergebnis war, dass Gered Mankowitz, der mit Kate für die Cover der ersten beiden Alben zusammengearbeitet hatte, und ich eine sehr erfolgreiche Ausstellung in der Londoner Snap-Galerie hatten. Wir hatten das mit den Konzerten im Eventim Apollo verknüpft und beide Bücher mit unseren Bildern in einer limitierten Auflage veröffentlicht. Damit hat alles angefangen.

Erzähl bitte ein bisschen, was wir von Deinem neuen Buch erwarten können.

Guido Harari: Im Mittelpunkt von The Kate Inside stehen etwa 300 Bilder aus den zehn Jahren, die ich mit Kate zusammengearbeitet habe. Wie Du vielleicht weißt, haben Kate und ich uns 1982 kennengelernt, als sie gerade auf Werbetour für ihr Album The Dreaming war. Ich hatte damals gerade ein Buch über Lindsay Kemp fertiggestellt, der HOME PAGEja ein paar Jahre zuvor ihr Mentor war, als sie seine Tanzklasse in Covent Garden in London besucht hatte. Kate war von dem Buch offenbar so beeindruckt, dass sie mich einlud, für die nächsten zehn Jahre ihre offiziellen Pressefotos zu machen – für so wegweisende Alben wie Hounds of Love, The Sensual World und The Red Shoes. Die letzte Sitzung mit ihr war dann eine Reportage am Set ihres Films The Line, The Cross & The Curve, in der auch Linday Kemp prominent vertreten ist. Neben den sehr bekannten Bildern wird das Buch zur Fundgrube für Outtakes, und es gibt die dokumentarische Filmerzählung, die bisher praktisch nicht zu sehen war. Dazu kommen Test-Polaroids, Notizen von Kate, Kontaktabzüge, die unterschiedlichsten Andenken und einige ‘Illusion’ und ‘Fantasien’ – Bilder, die ich kürzlich mit Photoshop erstellt habe. Ich habe eine Art Tagebuch zu den Foto-Shootings geschrieben und Lindsay hat ein sehr schönes Vorwort beigesteuert. Und er hat mit mir die Deluxe-Edition des Buches signiert.

Ich bin mir sicher, dass Du keine Bilder von Kate veröffentlichen würdest, wo sie vielleicht unvorteilhaft aussieht. Aber wird es auch ein paar lustige Bilder geben? Vieleicht von einem Warm-up zum Foto-Shooting, wo Kate eine Grimasse schneidet?

Guido Harari: Es ist unmöglich von Kate ein schlechtes Bild zu machen. Aber im Ernst: Es wird auch einige lustige Outtakes geben, die einen Eindruck vermitteln, wie solche Sessions ablaufen. Ich habe zum Beispiel Bilder zu einer Sequenz angeordnet, wo man erkennen kann, wie die Kreativität sich steigert, der Höhepunkt erreicht wird und dann wieder abstirbt. Die Dynamik einer solchen Sitzung ist wirklich interessant, weil du nie weißt, wann du das entscheidende Bild im Kasten hast. Und die Sitzungen mit Kate waren immer unglaublich lang. Das konnte auch schon mal 15 Stunden nonstop dauern, ohne Essenspause und nur einem Minimum an Konversation.

Seit ihrer ersten Single in 1978 gehörte Kate zu den am meisten fotografierten Musikerinnen ihrer Zeit. Fast jeder kennt das berühmte Foto von ihr von Gered Mankowitz. Du hast 1982 angefangen mit ihr zusammenzuarbeiten. Wie schwer ist es jemanden zu fotografieren, der schon so bekannt ist?

Guido Harari: Gered hat einen sehr hohen Standard vorgegeben. Seine Bilder sind vermutlich die besten Fotos von Kate, weil er Elemente ihrer frühen Videos genutzt hat, zum Beispiel Referenzen an Tanzszenen, und dem Ganzen einen Touch Hollywood-Glamour verliehen hat. Er hat Kate in eine Ikone verwandelt, und das ist für einen Fotografen nur schwer zu toppen. Als Kate mich damals für das erste Shooting angerufen hat, hatte ich alle möglichen Erwartungen, aber auch ein besonderes Gefühl der Herausforderung. Bis dahin hatte ihr Bruder John Carder Bush mehr konzeptionelle Bilder für die Plattencover entworfen, was aber auch zu einem gewissen Druck führte, mit neuen Ideen vielleicht auch neue Standards zu setzen. Dann fand ich heraus, dass sie im Grunde möglichst authentisch dargestellt werden wollte, und ich sie nicht in eine Diva verwandeln sollte. Ihr hatten meine sehr persönlichen Fotos von Lindsay stark gefallen, und sie hat mich immer ermutigt, sie mit der selben Einstellung zu fotografieren.

Jul 17

Ausstellung zum neuen Buch von Guido Harari

tkiguidoguidolondonDas lange Warten hat bald ein Ende: Ab dem 20. August soll das neue Fotobuch “The Kate Inside” von Guido Harari verschickt werden. Die Produktion ist nahezu abgeschlossen. Offiziell vorgestellt werden soll das Buch dann in London. Dort ist unter anderem vom 13. bis zum 30. September in einer Gallerie eine Ausstellung geplant (Art Bermondsey Project Space; der Eintritt ist frei). Mehr als 50 Bilder sollen dort gezeigt werden, sowohl bekannte, als auch bisher nicht veröffentliche Bilder. Drucke der Bilder können während der Ausstellung erworben werden, das Buch natürlich auch. Zusätzlich sind zwei interesannte Veranstaltungen geplant: Am 16. September wird es eine Frage & Antwort-Runde sowohl mit Guido als auch mit Lindsay Kemp geben. Bei Kemp hatte Kate einst Tanzunterricht genommen, er spielte zudem in ihrem Film “The Line, the cross and the curve” mit, zu dessen Aufnahmen wiederum Guido Harari als Fotograf Zugang hatte und die Dreharbeiten dokumentieren konnte. Ebenfalls zugesagt haben bereits Del Palmer und Stewart Avon Arnold, der viele Projekte von Kate als Tanzpartner begleitet hat. Tagsdrauf, am 20. September, wird es ein “Meet & Greet” mit Guido und Lindsay in der Gallerie geben – beide Veranstaltungen sind speziell für die Menschen gedacht, die das Buch vorbestellt haben.

Das 240 Seiten starke Buch kostet in der regulären Version 90 Euro, als signierte Deluxe-Edition mit einem zusätzlichen Kunstdruck und einem Set von acht nachgedruckten Polaroids 390 Euro. Beide Versionen können noch bis zum 31. August vorbestellt werden; danach kosten die Bücher 120 bzw. 520 Euro. Die Versandkosten innerhalb der EU betragen 30 Euro. Mehr Infos gibt es hier.

 

Jul 16

Tausende eröffnen den Wuthering Heights-Tag

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© Arsineh Houspian/The Age

Der Auftakt zum “Most Wuthering Heights Day Ever” ist gemacht: Mehrere Tausend Menschen haben in Australien und Neuseeland bei Veranstaltungen in elf Städten Kates bekannte Video-Choreografie zu ihrem Song Wuthering Heights nachgetanzt – natürlich in roten Kleidern. Allein in Melbourne sollen nach Angaben der Veranstalter mehr als 2000 Menschen teilgenommen haben. Weiter geht es heute mit 13 Veranstaltungen in Europa und zum Abschluss dann drei Veranstaltungen in Nordamerika. Für die Veranstaltung in Berlin auf dem Tempelhofer Feld haben sich 3400 Menschen via Facebook angemeldet. Zusammen mit Melbourne dürfte es die größte Veranstaltung weltweit sein.

Jul 14

Geisterstunde auf der Sturmhöhe

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© Yanni Chi/deviantart

Von Beate Meiswinkel

Von wegen wildromantisches Yorkshire… der Wind heult, der Regen peitscht, es ist stockdunkel, und wie üblich ist es kalt hier auf dem Hochmoor. Saukalt. Nicht, dass man als Geist etwas spüren könnte; unerfreulicherweise kann man sich aber erinnern. Meine sterbliche Hülle hat es in ihrem Sarg wenigstens relativ trocken. Mein Geist allerdings steckt hier draußen fest, und Schuld an allem ist einzig und allein Heathcliff.
Heathcliff… was habe ich mir dabei nur gedacht! Mit meinem Mann, dem wohlhabenden Langweiler Edgar, hätte ich ein beschauliches, ereignisloses und langes Leben führen können. Doch ich konnte mir meine große Liebe einfach nicht aus dem Kopf schlagen. Fragt nicht, es ist eine lange, traurige Geschichte. Jedenfalls bin ich jetzt tot, und bevor Heathcliff und ich im Tode nicht wieder vereinigt sind, ist mir der Zugang zur nächsten Ebene verwehrt, denn einst haben wir uns ewige Treue geschworen. Von eilfertigen Eiden im Liebestaumel kann ich daher nur dringend abraten. Ganz egal, wie verknallt ihr seid - lasst es!
Man hat als körperloses Wesen auf Erden nur wenige Freuden. Eine davon ist die Heimsuchung der Lebenden. Wobei man leider gewissen Einschränkungen unterworfen ist. Für den Spuk steht uns Geistern nur ein relativ kleines Zeitfenster zur Verfügung, die Stunde zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens. In dieser sogenannten Geisterstunde ist es nicht nur möglich, den Lebenden zu erscheinen und Angst und Schrecken zu verbreiten, man kann auch unbelebte Gegenstände bewegen. Dies wiederum ist nur unter Anwendung höchster Konzentration möglich, was ungemein anstrengend ist. So ist für das durchschnittliche Schlossgespenst ein klassisches nächtliches Spukprogramm mit Heulen, Zähneklappern und Kettenrasseln in etwa das Äquivalent zu einem Halbmarathon. Sehr motivierend in diesem Bereich wirken starke Antriebskräfte wie Rachedurst, Mordlust und schiere Boshaftigkeit, oder, wie in meinem Fall, eine ordentliche Portion Wut im Bauch.
Warum ich sauer bin? Weil mein ach so gramgebeugter Herzallerliebster mich einfach nicht zur Kenntnis nehmen will! Da rüttelt man an Türen und trommelt auf das Dach, und er beschwert sich über das stürmische Wetter. Man heult und wehklagt, und er macht den alten Hofhund dafür verantwortlich. Man klopft ans Fenster und kratzt an den Scheiben, und er lässt die Bäume vor dem Haus beschneiden.
Kate BushJede Nacht komme ich über das Moor zur Sturmhöhe zu Heathcliff. Aber der feine Herr ist ja viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um mich zu bemerken! In der ersten Zeit hat er heiße Tränen vergossen und sich an die Brust geschlagen – reiner Egoismus und Selbstmitleid! Hätte er sich auch nur einmal wenigstens ein wenig auf meine Anwesenheit konzentriert, hätte er mitbekommen müssen, dass ich den Dialog zu ihm suche. So eine Unterhaltung würde uns doch beiden gut getan haben, aber nein – Schluchz und Heul in einem fort. Mit der Zeit hat er sich dann mit der Situation abgefunden. So schnell ist man vergessen – aber nicht mit mir! Höchste Zeit, dass Heathcliff das Zeitliche segnet. Damit allerdings ist in nächster Zeit nicht zu rechnen, so pumperlgesund wie er aussieht! Und da er keinerlei Bestrebungen hegt, sich selbst zu entleiben, muss ich eben etwas nachhelfen. Beispielsweise, indem ich ihm einen zünftigen Schrecken einjage, wenn ich ihm mit nichts als meinem Leichentuch am Leibe erscheine und ihm mit weit aufgerissenen Augen meine kalten weißen Geisterhände um den Hals lege.
Von dieser Idee bin ich ganz entzückt, und, oh Gunst der Stunde, heute steht das Fenster einen Spaltbreit offen! Mühelos wie ein Windhauch schwebe ich ins Innere des Hauses. Drüben am Kamin, den Rücken mir zugewandt, sitzt Heathcliff im Ohrensessel und blickt ins Feuer. Ja, so schön gemütlich hätte ich es auch gerne mal wieder! Aber warte nur, gleich ist es aus mit der Beschaulichkeit! Ich fege also schwungvoll um den Sessel herum, erhebe die Arme, reiße die Augen auf, öffne den Mund – und muss leider feststellen, dass der impertinente Ignorant tief und fest eingeschlafen ist. Ja ist denn das die Möglichkeit?

„Heeeaaaathcliffff“, röchle ich aus voller Kehle. „Ich bin’s! Cathy!“

Heathcliff antwortet mit einem dröhnenden Schnarchen. Sein Mund steht offen, im rechten Mundwinkel entdecke ich einen winzigen Speichelfaden, der sich feucht glänzend an seinem schlecht rasierten Kinn entlang schlängelt. Meine Güte, ist das ekelhaft! Ich kann den Blick nicht davon abwenden – doch Augenblick mal! Es schimmert so silbrig, so ätherisch… Als Geist erkenne ich: das ist gar keine schnöde Spucke, sondern reinste Lebensenergie, die den Körper verlässt! Behutsam strecke ich meine gespenstigen Finger aus, um danach zu greifen und ziehe ein wenig daran. Siehe da, das Fädchen wird länger und länger. Beharrlich zupfe ich, und da der Schlaf und der Tod eng miteinander verwoben sind, hole ich auf diese Weise Stück für Stück Heathcliffs Seele hervor. Wenn es mir gelingt, seinen Geist vom Körper zu trennen, sind wir wieder vereint – und ich kann dem Nichtsnutz endlich die Meinung sagen!
In meinem Eifer ziehe ich wohl ein wenig zu euphorisch und löse damit einen weiteren heftigen Schnarcher aus. Bei dem barbarischen Ratzen erschrecke ich so sehr, dass ich versehentlich das Ende der Silberschnur loslasse, die prompt in Heathcliffs klaffenden Mund zurück schnalzt. Heathcliff schreckt kurz in seinem Ohrensessel zusammen und macht Anstalten zu erwachen. Noch während ich mich zurück in meine ursprüngliche Positur des Grauens werfe, sackt er mit einem Seufzer in den Tiefschlaf zurück. Aus der Ferne höre ich die Friedhofsglocke ein Uhr schlagen und verblasse. Mist Mist Mist!
Was soll’s. Ich war nahe dran. Und morgen gibt’s eine neue Geisterstunde.

Jul 09

Absurde Preise bei Amazon

amazonEinzelne Händler bei Amazon bieten derzeit Kate-CDs zu absurd hohen Preisen an. So kostet zum Beispiel die 3CD Collectors Edition von Director’s Cut als Japan-Import stolze 642 Euro. Das This Woman’s Work-Boxset schlägt gleich mit 1775 Euro zu Buche – und das für die UK-Version. Für die japanische Never For Ever-Neuauflage von 2010 verlangt ein Anbieter 643 Euro und für die vollkommen uninteressante Doppel-Veröffentlichung von Hounds Of Love/The Sensual World werden verblüffende 703 Euro verlangt. Ob das jemand bezahlt, ist natürlich fraglich. Aber selbst bei Single-CDs steigen die Preise teils deutlich: Für Moments Of Pleasure werden zum Beispiel 37 Euro verlangt, für And So Is Love 21 Euro und für Eat The Music 22 Euro. Es geht aber noch eine Stufe teurer: Man kann sich auch Rocket Man für 72 Euro oder die Single-Version von This Woman’s Work für 255 Euro gönnen. Selbst bei normalen CDs sollte man bei Amazon aufpassen. Da kostet die Red Shoes von EMI plötzlich 30 Euro und die 2005er-Version von Aerial wird für 52 Euro angeboten.

Jul 02

“Neue Türen aufgestoßen”

water400Ein Tattoo sollte es ursprünglich werden. Auf dem Arm von Jen Storer. Jen liebt die Textzeile “Two steps on the water” aus dem Song Hounds of Love. Sie sei in diese Worte regelrecht vernarrt, schreibt sie: “Wie kann es sein, dass ein paar Worte einen so zum Rotieren bringen können? Es ist die Poesie, nehme ich an.” Aus dem Tattoo ist trotz der Poesie nichts geworden – aus einem einfachen Grund: Da, wo Jen Storer zu Hause ist, in Melbourne, gibt es eine junge, ziemlich coole Band, die auf der Suche nach einem Namen genau auf diese Textzeile verfallen ist. Also hat Jen sich hingesetzt und gemalt – ein Mädchen, die Schuhe in der Hand, und man weiß nicht so genau, ob sie die zwei Schritte auf dem Wasser noch vor sich hat.
“Ich liebe zeichnen und malen, aber es ist mehr oder weniger nur ein Hobby für mich”, erzählt Jen. Was bei diesem Bild wahrlich eine Untertreibung ist. Das hat aber vielleicht auch damit etwas zu tun, dass Jen Storer statt zum Malen und Zeichnen selbst eher zur Poesie neigt – in Australien ist sie eine ziemlich bekannte und vor allem prämierte Kinderbuchautorin, die schon 15 JenStorer400Bücher veröffentlicht hat. Groß geworden ist Jen in einer eher ländlich geprägten Kleinstadt, 300 Kilometer von Melbourne entfernt. Kulturangebote? Fehlanzeige. “
Aber ich erinnere mich, als Wuthering Heights in die Charts kam, fand ich es atemberaubend. Ich war ungefähr 17 zu der Zeit. Es gab damals nur zwei Fernsehsender. Ich habe mir jeden Sonntag die Musik-Show ‘Countdown’ angeguckt, um diese außergewöhnliche Frau zu sehen, die so eigenartig und eindringlich in ihrem Video getanzt hat. Das war so herausfordernd und mutig. Kates Darbietung hat damals meine Überzeugung bestätigt, dass es mehr im Leben gibt, als Weizenfelder und Football.” Wovon Kate da überhaupt sang, wusste Jen damals nicht, auch die Buchvorlage kannte sie nicht. “Ich wusste nur, dass ich dieses Gefühl, das sich hinter dem Text verbarg und dieses Melodramatische über alles liebte.” Erst Jahre später hat sie das Buch “Wuthering Heights” gelesen, als Krankenschwester während der Nachtschicht. Stück für Stück setzte sie die Bedeutung von Kates Texten für sich zusammen. “Wichtig war nur, dass Kate mich inspiriert hatte. Ihre Musik hatte mich auf eine so mächtige Art und Weise bewegt. Es spielte eine entscheidende Rolle, um mich zu meiner eigenen kreativen Reise aufzumachen. Es öffnete mir intellektuell, emotional und künstlerisch neue Türen”, erinnert sich Jen. Nach einer gescheiterten Ehe beschloss sie ihrem Herzen zu folgen und widmete sich fortan ihrer Liebe zu Sprache und Literatur.”Ich ging zur Universität und studierte Film und Literatur. Im Anschluss veröffentlichte sie 2009 ihren ersten Fantasy-Roman “Tensy Farlow and the Home for Mislaid Children” für Kinder ab zehn Jahren. Der Roman wurde ein Erfolg und gleich für zahlreiche Preise nominiert.
Eine Grundfrage bleibt: Inwieweit ist Jen von Kates Musik als Kinderbuchautorin beeinflusst? Immerhin prallen da zwei ähnliche Welten aufeinander. Kate Bush, die in Musik verpackt Geschichten für Erwachsene erzählt, die bestens für Kopfkino geeignet sind, und Jen, die mit ihren fiktiven Geschichten die Fantasie von Kindern anregt. “Bei mir sitzt der Einfluss von Kate so tief, dass ich manchmal gar nicht mehr zwischen ihrer Musik, ihren Texten und meiner eigenen Fantasie unterscheiden kann”, antwortet sie. “Kate’s Werke zeugen aber vor allem von einer gewissen Verletzlichkeit, und ich glaube das ist genau der Teil, wo ihre Kunst meine Geschichten beeinflusst.”
Dann sagt Jen noch etwas, das viel mehr darüber aussagt, was für ein Mensch sie ist: “Danke, dass Du mich an all das erinnert hast. Es war wunderbar zurückblicken und zu sehen, welch zentrale Rolle Kates Arbeit bei meiner eigenen kreativen Entwicklung gespielt hat.” Und sie könnte noch viel mehr erzählen. Über Cloudbusting zum Beispiel. Vielleicht sollte sie einfach wieder zum Stift greifen und malen…

Wer mehr über Jen Storer und ihre Bücher erfahren will, wird hier und in ihrem Blog fündig.

 

Jun 26

Noch 20 Tage bis zum Tanz-Event

tmwhde03Der Countdown läuft: 20 Tage sind es noch bis zum “Most Wuthering Heights Day Ever” am 16. Juli. In 22 Städten rund um den Globus werden Kate-Fans im roten Kleid die Choreographie aus dem Video zu Kates erster Single nachtanzen. Und das fast überall als Massenevent. Fast 15.000 Menschen haben sich auf den entsprechenden Facebook-Seiten, die für die einzelnen Events werben, fest angemeldet. So wollen allein im australischen Melbourne 5700 Kate-Fans erscheinen. Überhaupt entpuppt sich Australien als die Hochburg für Kate-Begeisterte: Gleich sieben Veranstaltungen gibt es dort quer über den Kontinent. Kate-Hauptstadt Nummer zwei ist natürlich Berlin mit angemeldeten 3150 Teilnehmern. Immerhin wurde die Idee zu dem Event in Berlin geboren und fand dann weltweit viele Nachahmer. Egal ob in Tel Aviv oder Kopenhagen, Wellington, Montreal, Wien, Malmö oder Atlanta – überall wird fleißig geprobt, damit die Choreographie am 16. Juli auch perfekt nachgetanzt werden kann. Etwas schwach ist die Reaktion erstaunlicherweise in Großbritannien. In London haben sich gerade mal 264 Teilnehmer angemeldet, in Lancaster nur 37. Auf den letzten Drücker neu hinzugekommen ist Dublin.

Jun 16

Das Song-ABC: The Wedding List

abcDüster, gewalttätig, wild, makaber – das sind die spontanen Eindrücke, wenn man “The wedding list” hört. Es findet sich auf dem Album “Never for ever”, auf dem alte Stücke – Songs aus einer früheren Phase der Entwicklung – auf “faszinierende, zukunftsweisende neue Kompositionen” treffen [1]. “The wedding list” gehört zu den früher komponierten Songs [1]. Die genaue Zeit der Komposition ist unbekannt. Ich vermute aber, dass es erst nach dem Album “Lionheart” entstanden ist – es ist einfach zu dunkel und blutig für dieses Album und gehört in eine andere Klangwelt.
Der Song ist vom Film “Die Braut trug schwarz” (Originaltitel “La mariée était en noir”) von Francois Truffaut inspiriert, einer Geschichte um Liebe und Tod, Schuld und Rache. Kate Bush war von dem Film in den Bann gezogen. Colin Irwin [2] bemerkt in einem Interview “She spends the next 15 minutes relating the plot of the film, ending in a breathless flourish. ‘It was an amazing film.’ ”  In der Wikipedia [3] findet sich eine gute Zusammenfassung (das Folgende ist daraus leicht gekürzt zitiert).
Fünf Junggesellen, die sich in einer Kleinstadt langweilen, spielen Karten und trinken dabei. Mit einem Jagdgewehr zielen sie auf die Kirchturmspitze und die Uhr der gegenüberliegenden Kirche. Einer von ihnen zielt auf ein frisch getrautes Brautpaar, das gerade aus dem Portal tritt. Als die anderen ihm die twl1Waffe entreißen wollen, löst sich ein Schuss und trifft den Bräutigam tödlich. Erschreckt über diesen schrecklichen Ausgang verlassen sie die Stadt. Nach vielen Jahren hat die Witwe, Julie Kohler, diese Männer gefunden. Sie tötet auf raffinierte Weise einen nach dem anderen. Dabei nutzt sie jeweils die Vorstellung aus, die die Männer von der idealen Frau haben. Jeder stirbt auf eine Weise, die seiner Persönlichkeit entspricht. Den ersten, einen Frauenhelden, stößt sie bei seiner eigenen Verlobung von der Balkonbrüstung, den zweiten, einen schüchternen Trinker, vergiftet sie, den dritten, einen bekannten Politiker, sperrt sie in einer Abstellkammer ein, wo er erstickt. Als sie einen weiteren Mann auf seinem Schrottplatz erschießen will, kommt ihr die Polizei zuvor und verhaftet ihn. Ihr viertes Opfer ist ein Maler. Er engagiert Julie als Modell für ein Bild der Göttin Diana. Sie lässt sich von ihm zeichnen und malen und tötet ihn mit einem Pfeil. Als tief verschleierte Frau schließt sie sich dem Trauerzug beim Begräbnis des Malers an. Sie wird von einem Freund des zuerst Getöteten erkannt und verhaftet. Dem Untersuchungsrichter gesteht sie die Taten, nennt aber nicht ihr Motiv. Im Gefängnis, in dem Männer und Frauen in verschiedenen Gebäudeteilen untergebracht sind, arbeitet sie in der Küche und bei der Essensverteilung mit. Sie versteckt ein Messer und ersticht den Fünften, den Mann vom Schrottplatz.
Die Grundidee des Films ist übernommen und auf eine für Kate Bush typische Art und Weise gefiltert und mit persönlichen Erfahrungen und Assoziationen angereichert. Wieder ist so eine Art Kommentar zur ursprünglichen Kernidee entstanden. Kate Bush sagte in einem Interview zum Album “Never for ever”, dass sie Ideen aus Filmen oder Büchern als Keimzelle nutzt und sie durch ihre persönlichen Erfahrungen filtert und mit frei erfundenen Dingen anreichert [4]. Genau so ist es hier geschehen – der Song ist eine Variation über die Inhalte der filmischen Vorlage. Der Augenblick des Zusammentreffens zwischen Rächerin und Opfer wird in den Fokus genommen, die Gefühle einer von Rache getriebenen Täterin im Augenblick der Erfüllung ihrer Mission sind das Wichtige. Entstanden ist so ein perfektes “Psychodrama in vier Minuten” [1].
Tod und Liebe und wie man im Leben damit umgeht – darum geht es in diesem Song und darum geht es ja auch im Album “Never for ever”. Der Titel des Albums spielt “auf die Tatsache an, dass das Leben ein vorübergehender Zustand ist und der Tod unausweichlich jeden ereilt, dass wir also “niemals für die Ewigkeit” hier sind.” [4]  Viele Titel des Albums beschäftigen sich mit dem Tod und dem Leben (“Army dreamers”, “Breathing”, “The wedding list”, Blow away”) und mit Besessenheit (“The infant kiss”, “Violin”, “The wedding list”). “Never for ever” hat asymmetrische Liebesbeziehungen zum Grundthema – so wie auch hier (Julie und Rudi).
twl2Warum hat Kate das Thema fasziniert? Auch darüber gibt es Aussagen von ihr selbst – es war die Energie, die pure, reine, dunkle Emotion, die sich hinter dem unbedingten Rachewillen verbirgt. “I think the energy that it’s about is very disturbing and that’s really why I wrote it. It’s about the energy of revenge, the fact that someone can spend the rest of their life going for an aim purely through revenge. When they actually do get their revenge it’s very sweet, they’re very happy and then because it’s fulfilled there’s nothing left for them. The whole situation is so futile, so wasted and such black heavy energy. So many films use the theme of revenge and I think it is something that does fascinate people – it’s all in us somewhere. Maybe it’s hidden more in others than some. ” [5]
Wie Kate Bush selbst sagt war sie dabei von der zerstörerischen Kraft beeindruckt, die Menschen innewohnt: “I find the whole aggression of human beings fascinating – how we are suddenly whipped up to such an extent that we can’t see anything except that.” [6]. Im Song zerstören der Wahnsinn und die Besessenheit alle beteiligten Personen. “Revenge is so powerful and futile in the situation in the song. Instead of just one person being killed, it’s three: her husband, the guy who did it – who was right on top of the wedding list with the silver plates – and her, because when she’s done it, there’s nothing left. All her ambition and purpose has all gone into that one guy. She’s dead, there’s nothing there.” [7]
Der Titel des Songs ist voll bitterer Ironie – der Tod des Opfers ist der oberste Punkt der Hochzeitswunschliste der Braut, es ist ihr größter Wunsch.
Viel spekuliert wurde darüber, ob sich hinter dem Namen “Rudi” des erschossenen Ehemanns eine reale Person verbirgt. Kate Bush verneint das: “No, not at all. It was really the name that just happened as the words were coming with the song and so I didn’t fight it – I just accepted it.” [5]
Die musikalische Gestaltung spiegelt den Wahnsinn wider. Es gibt zwei Erzählebenen. Zuerst ist da die Protagonistin (Julie) auf ihrem Rachefeldzug, mit wilder, hochemotionaler Stimme. Dazu gibt es die klangschönere Stimme im Chorus, die die Geschichte von außen betrachtet, wie ein Beobachter, wie ein Kommentator, zärtlich und traurig. Traumhaft ist der Chorus mit seinen Kirchenglocken im zweiten Durchgang: die Erinnerung an diese blutige Hochzeit. Es sind keine Hochzeitsglocken mehr, es sind Totenglocken. Das sind nur kurze Ruhepunkte, schnell kommt die Protagonistin wieder hinein in ihren Racherausch.
twl3Am Schluss ist nichts mehr da, die Protagonistin ist innerlich tot. Die Hochzeitsliste ist leer, die Wünsche sind erfüllt. Kann es nach dem Ende dieses Feldzugs Ruhe und Frieden geben? Kate Bush zieht ein eindeutiges Fazit [7]: “She’s dead, there’s nothing there.”  Die Protagonistin versinkt im Wahnsinn und tötet sich. Ihre sich am Ende immer mehr steigernden Rufe und Schreien nach dem toten “Rudi” erinnern an eine Höllenfahrt. Rudi und ihre Rache sind das Wichtigste im Leben Julies und ihre Mission ist beendet. Die Vereinigung im Tod ist ihre Erfüllung -  “I’m coming coming coming honey” [8]. “The wedding list” endet in einem traurigen Epilog, über den sich die immer wahnsinniger werdenden Schreie der Protagonistin erheben. Die kommentierende Stimme erzählt vom Selbstmord und schiebt eine bewegende Information wie nebenbei hinterher. Die Protagonistin war schwanger: “And after she shot the guy / She committed suicide. / I’m coming, Rudi! / And later, when they analysed / They found a little one inside. / It must have been Rudi’s child.” [8]
“The wedding list” ist in Es-Moll geschrieben [8].  Diese Tonart symbolisiert laut Beckh den Übergang, der über die Schwelle führt, die Wachen und Schlafen, Leben und Sterben, Tagesansicht und Nachtansicht der Welt, Sinneswelt und geistige Welt voneinander trennt und die uns die Tragik des Schwellenübergangs erleben lässt [10].  Die Protagonistin steht an der Grenze zwischen Leben und Tod und ist dabei, sie zu überschreiten.
Irgendwie steht dieser Song für mich ganz nah des Zentrums des Bush-Universums, er ist voller Beziehungen. Das ungeborene Kind kommt im Film nicht vor. Aber einen Selbstmord mit ungeborenem Kind – das gab es auch in “The kick inside”. Ein ungeborenes Kind, das mit der Mutter stirbt – das gibt es auch in “Breathing”. Ich kenne niemanden sonst, der drei Lieder geschrieben hat, in denen ein Ungeborenes zusammen mit seiner Mutter stirbt. Gibt es das Thema sonst überhaupt einmal in der Popmusik?
Querverweise:  Der Film ist ein Tribut an Alfred Hitchcock, den Truffaut sehr verehrt hat. Die Filmmusik ist von Bernard Herrmann, der auch für sehr viele Hitchcock-Filme die Musik gemacht hat [3]. Auch Kate Bush ist eine Hitchcock-Verehrerin: “Hitchcock was definitely a genius. His dreams must have been extraordinary. He must have plucked his ideas out of the sky, or had a private line to Mars.” [9]. Sie erwies Hitchcock ihre Referenz im Video zu “Hounds of Love”.
Im Film tötet Jeanne Moreau als Diana einen Mann (der sie wohl liebt) mit einem Pfeil. Diana/Artemis – das ist die jungfräuliche Göttin, die Angst vor der Liebe, vor Berührung hat. Sie ist aber auch die Gewalt der Natur. Jagdhunde sind Begleiter dieser Göttin der Jagd, die oft mit Pfeil und Bogen dargestellt wird [11]. Dies wird im Song “Hounds of love” wieder aufgegriffen. Auf dem Cover zur Single “Running up that hill” stellt sich Kate Bush als Bogenschützin dar, die ein unbekanntes Ziel anvisiert. Ist das eine subtil-gewalttätige Antwort von Kate Bush darauf, dass sie in ihren Anfangsjahren als Objekt der sexuellen Fantasie gedient hat?
Der Song ist ein Lied über die Besessenheit einer Frau vom toten Partner – das ist ein Sujet des Horrorromans, der schwarzen Romantik, es findet sich ähnlich auch bei Edgar Allan Poe. In “Houdini” wird dieselbe Thematik betrachtet. Beide Songs sind in Es-Moll geschrieben, der Tonart des Übergangs, der Grenze zwischen Leben und Tod. Querverweise überall.
“The wedding list” ist eine komplexe und düstere Etüde über die Rache, die alles zerstört. Gewalt und Tod und Verzweiflung liegen in den Tiefen verborgen. Ein Lied zum Hören mit offenen Sinnen.
Achim/aHAJ)
[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S. 199-222
[2] Colin Irwin: Paranoia and Passion of the Kate Inside. Melody Maker. 4.Oktober 1980
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Braut_trug_schwarz (gelesen 05.04.2016)
[4] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.109-125
[5] Kate Bush NfE-Interview EMI (London) 1980
[6] Mike Nicholls: Among the Bushes. Record Mirror. 1980
[7] Kris Needs: Fire in the Bush. ZigZag. 1980 (?)
[8] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.168ff
[9] Ted Nico: Fairy Tales & Nursery Rhymes. Melody Maker. 24. August 1985
[10] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.102
[11] Hans-K. und Susanne Lücke, Antike Mythologie. Wiesbaden, 2005, Marix Verlag. S.137ff

 

Jun 05

Zeitreise ins Vinyl-Paradies

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© levykauppa äx

Eine kleine Zeitreise ins Vinyl-Paradies gefällig? Kein Problem. Via Helsinki geht’s weiter ins ostfinnische Kuopio. Da befindet sich der Record Shop X (Levykauppa Äx). Wer da reinmarschiert, fühlt sich schnell mal eben 25 Jahre jünger und steht vor einem Regal mit allem, was das Herz begehrt: Kate Vinyl-Veröffentlichungen fast bis zum Abwinken. Okay, nicht alles ist neu sondern gebraucht, aber wann hat man das letzte Mal in einem Plattenladen solch eine Angebotsfülle gesehen? Hounds of Love aus Brasilien und Jugoslawien, The Dreaming als Japan-Pressung oder aus den USA, die DDR Amiga-LP, Lionheart wahlweise aus Spanien, Brasilien oder Südafrika, Never for Ever aus Schweden, Bulgarien, Indien (!) oder Argentinien – das kann selbst Sammler sprachlos machen. Wer sich den Trip nach Finnland ersparen will: die Platten gibt es auch online.

Mai 29

“RUTH” als Hard-Rock-Cover

Es ist erst ein paar Wochen her, da hat Mille Petrozza, Frontmann der Thrash-Metal-Band “Kreator”, im Interview mit morningfog.de seine Liebe zur Musik von Kate bekundet. Ein Kate-Cover von “Kreator” gibt es leider noch nicht. Dafür hat jetzt der norwegische Heavy-Metal- und Hard-Rock-Sänger Jørn Lande ein Album mit seinen Lieblingssongs veröfffentlicht – darunter Klassiker wie “Hotel California”, selten gehörte Popsongs wie “I know there’s something going on” von Frida und eben auch mit “Running up that hill” ein Song von Kate. Auch wenn es wohl das gefühlt 300. Cover von RUTH ist – so krachend haben das Lied bisher nur wenige inszeniert. Lande ist als Sänger und Frontmann  von Bands wie Masterplan, Ark und Beyond Twilight bekannt geworden und ist vor allem immer wieder auch Solo unterwegs. “Grundidee für das Album war, einige Songs auszuwählen, die in meiner Jugend für mich eine besondere Bedeutung hatten”, schreibt Lande auf seiner Webseite.  Veröffentlicht wird das Album “Heavy Rock Radio” am 3. Juni. Derzeit ist Lande als Gastsänger für “Avantasia” in Deutschland unterwegs. Zwischen Juni und AUgust stehen Termine in St. Goarshausen, München, Ballenstedt und Gießen an.

Mai 03

Neue Doku über Wilhelm Reich benötigt Spenden

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Das Team von Regisseur Kevin Hinchey 2015 bei den Dreharbeiten am Brandenburger Tor in Berlin.

Das Ziel ist ehrgeizig: 180 000 Dollar will Kevin Hinchey in den nächsten zweieinhalb Wochen aufbringen, um seine bereits abgedrehte Dokumentation über Wilhelm Reich fertig zu stellen und auf Filmfestivals präsentieren zu können. Hinchey hat bereits mehr als 30 Stunden Filmmaterial an Originalschauplätzen zusammengetragen, war in Wien, Berlin, Oslo, New York, Maine, Arizona und Pennsylvania in den USA unterwegs, um Interviews zu führen und das Leben und Wirken des Wissenschaftlers zu dokumentieren. Finanziert hatte er die Dreharbeiten im vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Kickstarter-Kampagne, bei der knapp 190 000 Dollar zusammengekommen sind. Um den Film fertigzustellen, läuft derzeit eine zweite Spendensammelaktion – knapp 40 000 Dollar sind in den ersten zwei Wochen bereits gespendet worden. Wilhelm Reich hat im Bereich der Psychoanalyse und Psychiatrie geforscht, der sexuellen Gesundheit, hat als Soziologe die Psychologie des Faschismus aufgezeigt, Zellforschung betrieben und die experimentelle Behandlung von Krankheiten wie Krebs untersucht und die bekannten Wetter-Experimente mit dem Cloudbuster durchgeführt. Reich floh vor den Nazis, die seiner Bücher verbrannten, in die USA. In den 1950er Jahren wurde er dort verhaftet, seine Publikationen wurden erneut verbrannt. Kates Song “Cloudbusting” basiert auf der Lebensgeschichte von Reich  aus der Sicht des Sohnes, der seine Erlebnisse in dem Buch “Der Traumvater. Meine Erinnerungen an Wilhelm Reich” beschrieben hatte. Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, wird hier fündig. Auf der Seite gibt es auch ein zwölfminütiges Video zu den Dreharbeiten.

Mai 02

Das Song-ABC: Why Should I Love You?

Es gibt Songs, deren Entstehungsgeschichte nebst der Anekdoten, die sich um sie ranken, ein Traum für Analysten sind. Solch ein Song ist „Why Should I Love You?“. Einer der auffälligsten Momente auf dem Werk The Red Shoes – nicht zuletzt deshalb, da es sich hier um ein Teamwork zweier Alphatiere der Popmusik handelt. Und dies zu einem Zeitpunkt, in dem sie – Daisy Jones von VICE weist darauf hin1 - in völlig unterschiedlichen Lebensphasen steckten: Kate noch unter dem Eindruck des Todes ihres Gitarristen Alan Murphy, sowie der sich langsam abzeichnenden Trennung von Del Palmer, Prince in überschwänglicher Laune, nachdem er sich von der dunklen Phase des Black Album spirituell befreit hatte. Ob über Kates transatlantisches Tête-à-tête mit Prince nach dem frühen Tod des Querkopfs aus Minnesota noch ein paar Details mehr ans Licht kommen? Wir wissen ja schon eine Menge.
Aus direkter Quelle gibt es Infos darüber, wie es überhaupt zum Teamwork kam, denn Del Palmer selbst hat die Geschichte 1993 im Homeground-Fanzine2 zu The Red Shoes erzählt. Kate besuchte 1990 ein Prince-Konzert der „Nude Tour“ in der Wembley-Arena – nicht ganz uneigennützig, denn sie wollte abchecken, ob das Stadion auch für eines ihrer eigenen Konzerte taugen würde (!). Kurz vor Beginn des Konzerts überreichte ihr ein Bote des Prinzen einen Notizzettel, auf dem sich der Amerikaner als Fan zu erkennen gab. Die so Verehrte fing – kreatives – Feuer und versuchte Prince backstage abzupassen, aber seine Majestät war schon entwischt. Die Zusage für eine Zusammenarbeit gab es aber kurz darauf per Telefon.
wsily400Um die verschachtelte Genese des Songs nachvollziehen, betreten wir jetzt zunächst Kates Studio. Es ist ein Glücksfall, dass das Rohmaterial für den Song vor einiger Zeit geleakt wurde, und so wissen wir, welche Klänge Kate gen Paisley Park schickte3. Die fast siebenminütige Prima Materia unterscheidet sich ganz wesentlich vom Song der CD-Version: Nicht nur die Textstruktur ist noch eine ganz andere, es gibt auch einen Chorus, für den der rhythmische Unterbau wechselt und der sich dadurch hymnisch abhebt. Die Refraingestalt der CD-Fassung erklingt hier nur flüchtig von 5‘28“-5‘43“, wird aber für unsere Geschichte wesentlich werden. Wollte Kate Prince eine Spielwiese zum Austoben bieten? Oder ist das die Songlänge, wie sie sie ursprünglich zu veröffentlichen gedachte? Glaube ich nicht, aufgrund der vielen Wiederholungen. Was sie sich von Prince wünschte, darüber gibt es wiederum verschiedene Aussagen: Sie selbst äußerte lediglich, sie hätte an Gitarrenspuren gedacht.4 Paul Sinclair dagegen vermutet, sie hätte vorgesehen, dass er über den Textabschnitt „The fine purple…“ Vocals legen solle.
Del Palmer im „Homeground“ wiederum ist es zu verdanken, dass wir über die weiteren Ereignisse des kreativen Austauschs Kenntnis haben: Vom anfänglichen Entsetzen darüber, dass zunächst nur das unberührte Demoband aus Paisley Park zurückkam, bis zum Enthusiasmus über das später eintreffende Paket mit Princes kreativen Früchten. Die „Fine Purple“-Passage ließ er unberührt. Vielleicht, weil ihm das in Hinsicht auf die Textnähe seines eigenen Hits „Purple Rain“ zu offensichtlich gewesen wäre? Herausgepickt hat er sich offensichtlich nur den oben erwähnten Schnipsel der Demoversion ab 5‘28“, und ihn mit Spuren aus Vocals, Keyboards, Gitarren und Bässen vollgeschichtet. Wie sich die Vollversion seines Materials anhörte, darüber lässt sich bisher nur mutmaßen. Kate selbst bat laut Princes Toningenieur Michael Koppelman die Amerikaner darum, das Material zu vernichten6 . Aber ob sie das auch taten? Einiges über den problematischen Charakter von Prince enthüllen die amüsanten Anekdoten auf Koppelmans Blog von 2005, inklusive der diebischen Freude des Engineers über die Fehler seiner Majestät beim Einsingen der Vocals. Denn es heißt ja tatsächlich: „of all the people in the world“ statt „All of the people…“
In einer letzten Etappe, die allerdings zwei Jahre dauern sollte, wurden Kates Anfangsideen zusammen mit Princes neuen Zutaten zurückgebastelt zu einem Kate Bush-Song. So zumindest beurteilt das Del Palmer. Eigentlich ist aber nur das Intro vom ursprünglichen Charakter übriggeblieben. Nach einer Minute herrscht der Discofunk Princescher Prägung, der allerdings wie ein genialer Geistesblitz ohne Vorankündigung – denn das Wort „LOVE“ ist ja noch nicht einmal zu Ende buchstabiert – über den Hörer hereinbricht. Wie sich Princes und Kates Vocals allein im „of“ der ersten Zeile melismatisch verzwirbeln: Das ist zum Niederknien. Unterfüttert ist ab jetzt alles von einem grandiosen E-Bass-Lauf, den Kate zum Ostinato für das ganze Stück erkoren hat. Princes immer wieder von neuem anrollende E-Gitarren-Passagen sind voll feiner Kantigkeit, seine Chöre von samtener Soulfarbe. Dass Kate für die „Finest Purple“-Passage einen schwarzen Sänger ersehnt hatte, darauf deutet dann doch hin, dass sie letztendlich den britischen Komiker Lenny Henry ins Studio bat: Sein Gesang ist aber nur ein matter Abglanz dessen, was bei Prince möglich gewesen wäre.
pksNach all diesen genealogischen Details des Songs nun eine abschließende Betrachtung: Kates erste, introartige Strophe mit den warmen Vokalpassagen des Trio Bulgarka gehört für mich zu den intensivsten Stellen auf The Red Shoes. Mit der Orgel und den sanften Drums bekommt es etwas Weihevolles. Textlich knüpft sie hier an „Song Of Solomon“ an: Eine fast religiöse Überhöhung der Liebe und des Geliebten, die in der zweiten Strophe durch die Jesus-Zeilen verstärkt wird. Warum sollte ich von allen Menschen auf der Welt gerade dich lieben? Letztendlich lässt es sich nicht erklären, warum man sich oft gegen alle Vernunft für jemanden entscheidet. „There‘s just something ‘bout you“, kann man da vielleicht nur stammeln. Und die edelsten Metaphern wie „fine purple“, „purest gold“ hervorholen, um die Gefühle zu beschreiben. Kate selbst hat den Song in seiner Urform als „R&B type“ beschrieben. Ich würde sogar noch weiter gehen: Es ist ihre Art von Gospel – und guter Gospel hebt die Trennlinie zwischen irdischer und himmlischer Liebe auf.
Aber dann – nachdem sich die anfängliche Faszination über den hineinstürzenden Funk à la Prince gelegt hat, nachdem die zweite Strophe nochmals die heilige Atmosphäre beschwört hat – dreht der Song immer mehr in den Leerlauf, entwickelt sich nicht mehr weiter. Es ist einfach ein – zugegeben großartiger – Showcase für die Multitracking-Spleens zweier Genies, die aber nie ihre befruchtende Kreativität miteinander im Studio gespürt haben. Man merkt überdeutlich, dass hier nicht kommuniziert, sondern konstruiert wurde, und zwar ein wundersames Klanggebilde zwischen Minneapolis, London und Sofia. Randnotiz: Homogener hört sich Kates Sidewoman-Revanche an, im Song „My Computer“ für das Prince-Album Emancipation (1996) – sicherlich gerade deshalb, weil sie sich von vorneherein auf Background Vocals beschränkte.
Noch einmal eine ganz andere Welt aus „Why Should I Love You“ hat Mike Scott gebaut: eine Rockhymne mit einer sich allmählich entfaltenden, dramatischen Strahlkraft, als Beitrag zur Kompilation Come Again (1997)7. Keine Frage, ich verehre Kate und ich habe den größten Respekt vor Prince. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Als Song im klassischen Sinne berührt mich die Version des Waterboys-Chefs tatsächlich mehr. (Stefan)

1 http://noisey.vice.com/blog/how-prince-met-kate-bush-and-made-why-should-i-love-you
2 Cloning Made Easy – recollections of The Red Shoes by Del Palmer, S.10 – Homeground Fanzine 1993, Novercia Ltd./Kindlight
3 https://www.youtube.com/watch?v=IbP-dapt09Q
4 Kates Notizen zu den Albumsongs im Homeground Fanzine 1993, Novercia Ltd./Kindlight, S.2-6
5 http://www.superdeluxeedition.com/feature/when-prince-worked-with-kate-bush/
6 https://lolife.com/2005/02/15/kate-bush/
7 https://www.youtube.com/watch?v=GeXr72TW-WQ

Apr 27

Show a little devotion: Jürgen

saldKate-Fans sind treu, hingebungsvoll, geduldig und vor allem in die Musik von Kate verliebt. Im Kate-Fragebogen “Show a little devotion” gibt es für Kate-Fans immer die selben zwölf Fragen… mit den unterschiedlichsten Antworten…Heute von Jürgen:

fragebogen-juergenMit welchem Kate-Song wachst Du am liebsten morgens auf?
Derzeit „Why should I love you“, allerdings nicht die Albumversion, sondern die Demo-Fassung, bei der Prince noch nicht mitgewirkt hat. Der Song wird so wunderbar getragen von Kates kraftvoller Stimme. Was hier mitschwingt – Power, Lebensbejahung, Mut, aber auch leise Melancholie – gefallen mir sehr, also der richtige Einstieg für einen neuen Tag.

Welche von Kate besungene Figur wärst Du gerne?
Ihr Sohn Bertie. Auch wenn das rein rechnerisch gar nicht funktionieren würde. Doch allein die Vorstellung etwas von Kates Genius geerbt zu haben, ist nett. Ansonsten wäre ich gerne das rätselhafte, schwer neurotische Haus, das Kate in „Get out of my House“ besingt. Wird am Ende der Eintretende nicht in einen Esel verwandelt? Auch das ließe ich mir gefallen: von Kate in einen Esel verwandelt zu werden. Kann es etwas Vernünftigeres geben?

Wie lautet Deine liebste Textzeile von Kate?
„Some say that knowledge is something that you never have
Some say that knowledge is something sat in your lap
Some say that heaven is hell
Some say that hell is heaven.“

Welchen Kate-Song singst Du unter der Dusche?
„Cloudbusting“.

Mit welchem Song von Kate verbindest Du ein besonderes Erlebnis?
Mit ziemlich vielen. „The man with the child in his eyes“ und „Symphony in blue“ waren mir beispielweise eine Hilfe bei der (post)pubertären Selbstfindung.

Welchen Song von Kate hörst Du, wenn Du verliebt bist?
Ich bin ja immer verliebt. Deshalb beantworte ich die Frage anders: „Somewhere in Between“ ist für mich das Lied, bei dem ich abheben kann. Gibt es ein Lied über das vollkommene Glück (das leider nie anhält) – hier ist es!

Welcher Song-Titel von Kate beschreibt Dich am besten?
Vielleicht „Wow“ – dieses leicht Hysterische, Überdramatische, Pathetische, das aber wiederum in eine Kunstform gegossen ist. Manchmal möchte man einfach nur schreien, weil das Leben so ist wie es ist. Identifizieren kann ich mich auch mit dem Theater-, Dragqueen- und Gendermillieu, das hier besungen wird.

Welches Album von Kate magst Du am liebsten?
Eigentlich alle (abgesehen von „Director’s Cut“, das ich nicht so geglückt finde). Aber vielleicht habe ich doch einen Favoriten: „The Dreaming“, das experimentellste Album, das Kate je gemacht hat. Es war damals seiner Zeit weit voraus, klingt immer noch frisch und wird immer noch unterschätzt.

Welcher Song hat Deine Begeisterung für Kate geweckt?
„Wuthering Heights“. Ich war 14, saß morgens übermüdet im vollen Schulbus, dann kam diese Stimme aus dem Radio, die mein Leben seitdem konstant begleitet hat. Für mich gehört dieses Lied zu den besten ever.

Was macht für Dich Kate so besonders?
Zunächst die Stimme, keine andere berührt mich so wie ihre, dann ihre hohe Musikalität, die sich in so vielen herausragenden Kompositionen niederschlägt und nicht zuletzt die rätselhaften, verspielten, versponnenen, irgendwie auch lebensklugen Texte. Sehr bewundere ich auch ihre eigenständige Position in der Musikbranche. Ähnlich wie der leider verstorbene Prince ist sie absolut unkorrumpierbar. Sie macht, was sie will und wie sie es will. Ganz unbeeindruckt von Markt und Marketing. Das ist Freiheit. Um was geht es sonst im Leben?

Was würdest Du Dir für das nächste Album von Kate wünschen?
Ich nehme alles – Hauptsache sie singt. Gerne darf sie den leicht jazzigen Weg weiter fortsetzen, den sie mit „50 words for snow“ eingeschlagen hat.

Welcher Song von Kate soll einmal auf Deiner Beerdigung gespielt werden?
„Moments of Pleasure“ oder „Among angels“, aber weil die Gäste nicht unnötig weinen sollten, würde ich doch lieber ein heiteres Lied auswählen. Vielleicht doch „Somewhere in Between“? Und vorher gewissermaßen als Einstieg das kurze Pianostück „One last look around the house before we go.“

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