Neu in der Sammlung: KOTM auf Vinyl

21. September 2005. An dem Tag habe ich gebannt vor dem Computer gesessen, um die Premiere von King of the Mountain im Radio-Programm von BBC 2 zu hören. Von Anfang an hatte dieser Song eine besondere Bedeutung für mich: Zwölf Jahre lang war die Stimme von Kate verstummt, bis zu diesem Tag. Und es war so, als ob man nach vielen Jahren endlich wieder ein Lebenszeichen von jemandem hört, den man sehr vermisst hat. Ich konnte nicht genug von dem Song bekommen, hab ihn in Dauerschleife gehört und spürte spätestens bei der Textzeile „The wind in whistling, the wind is whistling through the house“ jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut. Und dieser Tag bedeutete gleichzeitig eine Verheißung für die Zukunft: Keine weiteren zwölf Jahre des Wartens, das neue Album stand vor der Tür, Kate macht wieder Musik! Aerial habe ich mir damals auf Vinyl geholt, die Single-Version auf Vinyl ist komplett an mir vorbeigegangen – bis jetzt. Danke, Michael! Dass KOTM 2014 nochmal eine weitere besondere Bedeutung zufällt, konnte man 2005 natürlich nicht ahnen – aber diesen Song live hören zu können, war für sich schon ein Erlebnis, dass er dann noch in dieser kraftvollen Version als einer der Schlüsselsongs des Konzerts dargeboten wurde – unbeschreiblich. The wind it blows, the wind it blows, the door closed… von der Live-Version kann ich nie genug bekommen…

Rares aus Fernost

Gerade rechtzeitig zum Start der Remaster-Versionen aller Kate-Alben hat mir der Postbote noch etwas in den Briefkasten geworfen. „50 Words for Snow“ und den „Director’s Cut – Collector’s Edition“ als japanische Pressungen zu finden war und ist relativ schwierig und teuer. Diese CDs als Promo-Versionen zu finden, gleicht schon einem kleinen Lottogewinn. Auch wenn das Äußere nicht viel her macht (wurden ohne Cover oder Infos produziert), zählen sie zu den seltensten und teuersten Kate Bush Promo CDs. Wie hier im Blog beim „Kaffeklatsch“ schon besprochen, darf man gespannt sein, ob die „Remaster-Boxen“ auch in Japan erscheinen werden, von denen es dann mit Sicherheit weitere Promo-CDs geben wird. Es wird ein teurer November, Dezember, Januar…. Happy Hunting! Michael Guth

Französisches Folk-Duo interpretiert „The Ninth Wave“

Das französische Duo „The Sandman’s Orchestra“ aus Lille hat „The Ninth Wave“ neu aufgenommen und kürzlich veröffentlicht. Das Folk-Duo besteht aus Produzent Pierre Laplace and Sängerin Léonie Gabriel besteht seit 2010 und hat bereits drei Alben veröffentlicht.  Für ihr viertes Album haben sie alle Songs von „The Ninth Wave“ neu interpretiert und in einer interessanten MIschung aus Folk- und Elektronik-Klängen neu interpretiert und eingespielt. Als Bonus gibt es neben den einzelnen Songs einen durchgängigen „The NInth Wave“-Track. Hören kann man die Songs hier, weitere Infos über das Duo gibt es auf facebook. Reinhören lohnt sich, nicht nur wegen der betörenden Stimme von Léonie Gabriel, sondern vor allem, weil es stellenweise eine sehr ungewöhnliche Neuinterpretation ist. Noch besser: mehr als einmal reinhören. Ähnlich wie bei Kate erschließt sich bei der reichen Instrumentierung  vieles erst nach mehrmaligem Hören. Und wer  bei Hello Earth genau hinhört, wird zum Schluss auch die Zeile „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe“  hören – mit französischem Akzent.

Kaffeeklatsch: Der neue Backkatalog

Wenn Kate ihren kompletten Backkatolog remastered neu veröffentlicht, ist das natürlich eine besondere Würdigung wert. Statt nem Podcast gibt es was zum Lesen: Kaffeklatsch mit Michael Guth, der nicht nur auf This Womans World seine eigene Kate-Seite betreibt und für morningfog.de in der Reihe „All we ever look for“ schreibt, sondern zudem einer der profundesten Sammler im deutschsprachigen Raum ist.

Lass uns zu Beginn noch mal einen Blick auf das werfen, was wir im November von Kate bekommen: Alle zehn Alben werden remastered neu veröffentlicht, sowohl auf CD als auch auf Vinyl. Dann gibt es die Boxsets mit zusätzlichem Material: 12“-Mixe, B-Seiten und Coversongs, die Kate im Laufe ihrer Karriere aufgenommen hat. Ich kann mich also entscheiden, ob ich mir die Boxsets zulege, oder ob ich zum Beispiel nur meine Vinyl-Sammlung vervollständige. Da dürften Aerial und The Red Shoes am begehrtesten sein und natürlich das vierte Vinyl-Boxset mit dem Bonus-Material.  Wie immer bei Kate kommt das alles aus heiterem Himmel, obwohl eigentlich spätestens mit dem neuveröffentlichten Remaster von The Red Shoes 2011 klar war, dass auch die anderen Alben irgendwann mal folgen werden. Die ersten Gerüchte, dass daran gearbeitet wird, gab es im August 2015. Wie immer also eine gewohnt lange Zeit des Wartens. Vielleicht zuerst mal zu The Red Shoes: Die sollte ja ursprünglich auf Vinyl bei Analog Spark erscheinen und ist immer wieder verschoben worden und erscheint jetzt sogar als Doppelalbum. Verblüfft Dich das?

Michael: Dass sie überhaupt alle Alben remastered neu herausbringt (außer Before The Dawn) haut mich schon vom Hocker. Und The Red Shoes als Doppelalbum kommt natürlich auch vollkommen überraschend! Wie heißt es so schön bei Kate: Erwarten sie das Unerwartete! Zumal: Ich glaube sie war und ist kein Fan von Re-Mastern.

Wenn ich mal bei der Logik der Boxen bleibe: Ich kann die Alben und CDs einzeln kaufen, kann beim Vinyl gezielt nur das Bonus-Material erwerben, auf CD aber nur als Box-Set, in dem dann auch nochmal Before The Dawn mit drin ist. Ist das für Fans nicht ein bisschen unfair?

Michael: Da gehen im Moment viele Beschwerden ein, denn die CD mit den Raritäten gibt es ja in der Tat nur in der Box. Viele beschweren sich auch, dass es überhaupt Boxen gibt, die natürlich ihren Preis haben. Ich kann die ganze Heulerei überhaupt nicht nachvollziehen! Erst beschwert man sich jahrelang, dass sie die remasterten Versionen ihrer Alben nicht herausbringt, und jetzt, wo sie erscheinen, beschwert man sich über den Preis und die Verpackungsform. Ich möchte nicht wissen was passiert wäre, hätte sie nur eine Box mit den LPs und eine für die CDs veröffentlicht. Klar sind die Boxen teuer, aber man muss ja auch nicht sofort alle auf einmal kaufen.

Du hast ja eben schon angesprochen, dass Kate nicht gerade leidenschaftlich für remasterte Versionen ihrer Alben gekämpft hat. Bisher gab es nur die Versionen von Hounds Of Love und The Red Shoes. Was versprichst Du Dir von der digitalen Verjüngungskur ihrer Alben?

Michael: Natürlich denk ich da sofort an The Dreaming! Ich hoffe Dinge zu hören, oder wenigstens besser zu hören, die ich auf diesem Album noch nie gehört habe. Natürlich werde ich alle Alben genau untersuchen, aber The Dreaming interessiert mich am meisten.

Das geht mir auch so. The Dreaming in remasterter Form und so laut wie möglich könnte ein ganz neuer Hörgenuss werden. Allerdings: Beim Vinyl sind ja nicht alle Fans mit dem Klang bisher wirklich zufrieden gewesen, und auch bei Kates Album Director’s Cut war der digitale Klang stellenweise sehr merkwürdig.

Michael: Ja, oder die Pressungen waren teilweise schlecht. Die US-Pressungen von 50 Words For Snow sind schrecklich gegenüber den UK-Pressungen. Die CD-Versionen teilweise auch. Ich rate dann immer dazu, einfach die Laustärke höher aufzudrehen und schon wird‘s besser.

Wobei man bei einzelnen Songs ja auch den Eindruck hatte, dass Kate selbst beim Abmischen eher dafür gesorgt hat, dass sie runtergepegelt werden. Das ist mir beim Titelsong von Aerial schon aufgefallen und auf DC gibt es da ja auch verschwurbelte Beispiele, wenn ich an Rubberband Girl denke.

Michael: Rubberband Girl ist mir auch sofort eingefallen. Das klingt, als ob man hinter einer Glaswand sitzt. Ob das so gewollt war oder wirklich an den Pressungen lag, werden wir hoffentlich bald erfahren.

Kommen wir mal zum Bonusmaterial. Dein erster Eindruck?

Michael: Da fehlt mir einiges! Ken, The Empty Bullring, Don’t Give Up, die ganzen Instrumentals… Und nur Humming als einzige Demo? Da hätte mehr rausspringen können, aber das ist halt Kate. Vieleicht macht sie aus den alten Demos noch ein neues Album…man weiß bei ihr nie!

Mein erster Eindruck war: Es ist sehr ähnlich mit dem Bonus-Material der TWW-Box. Ich vermisse Ken und vor allem die Mixe der Red Shoes. Shoedance zum Beispiel, oder die extended Version von Eat The Music. Humming ist natürlich eine dicke Überraschung, zumal man ja noch nicht weiß, ob es die komplette Version des Songs ist.

Michael: Deshalb hätte ich an ihrer Stelle die Chance genutzt und mal ordentlich aufgeräumt und wirklich komplett alles herausgebracht. Allerdings überrascht es mich nicht, dass Shoedance und Eat The Music extended fehlen. Mit The Red Shoes war sie ja nie sehr zufrieden.

Mir hätte zum Beispiel gefallen, wenn es eine von ihr eingesungene Studio-Version von Tawny Moon als Bonus gegeben hätte.

Michael: Oder eine Demo von Ibiza mit Peter Gabriel. Es wirkt im Ganzen eher wie eine „Meine persönliche Best Of“ von Kate. Da hätte sie vielleicht über ihren Schatten springen müssen.

Zumal Outtakes ja komplett fehlen, was wirklich schade ist. Es hätte dann aber bestimmt auch den Status als „Lebenswerk“ erhalten und Diskussionen, dass nichts neues mehr kommen könnte, wären unausweichlich gewesen. Wie zuversichtlich bist du in dem Punkt? Immerhin warten wir jetzt auch schon wieder sieben Jahre auf neue Musik von ihr.

Michael: Ist das schon wieder so lange her? Mein Zeitrhythmus ist bei Kate Bush komplett abgestellt. Ich glaube schon, dass da noch was kommt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das neue Album schon fast fertig ist. Was ich mir gar nicht vorstellen kann ist, dass es überhaupt nichts Neues mehr gibt.

Vielleicht kannst Du aus Deiner Sicht noch was zum Artwork der Boxen sagen.

Michael: Ich habe noch nicht viel gesehen. Die LP-Boxen sehen wunderbar aus Für die CD-Boxen hätte ich keine „Fish People“-Cover genommen. Vieleicht ist es aber ein kleiner Hint, dass ihr jetzt alle Rechte an den Alben gehören? Für die ersten drei hatte sie ja keine.

Zumindest schienen die Rechte bis zuletzt immer sehr kompliziert, weil es EMI Publishing noch gab.
Du hast eben von Kates persönlicher „Best Of“-Auswahl gesprochen beim Bonus-Material. Passt das auch zum Lyrik-Buch, wo sie ja auch eine Auswahl präsentiert?

Michael: Das wird spannend! Ich gehe mal davon aus, dass es ein persönliches „Best Of“-Lyrik-Book wird. Besonders spannend finde ich die limitierte Ausgabe von Faber & Faber. Es gibt ja bis jetzt leider noch keine Infos darüber, aber ich schätze mal der Preis wird galaktisch. Jedes Exemplar soll ja von ihr signiert sein.

Puh. Das wird dann wirklich ein sehr teurer Herbst. Glaubst Du, dass rund um die Veröffentlichung der Boxen noch Sondereditionen zu erwarten sind? Vielleicht auch mit Blick auf den japanischen Markt?

Michael: Da wird gerade heftig drüber diskutiert, ob die Boxen auch in Japan erscheinen werden. Wenn dem so ist, wird es ein sehr teures 2018/19. Besonders interessant werden dann für Sammler die Promo CDs. Die Preise für die letzten drei Alben waren schon galaktisch – wenn man sie denn überhaupt ergattern konnte.

Remaster in Vinyl und auf CD im November

Ab November können sich Kate-Fans wie im Schlaraffenland fühlen: Alle Alben von Kate werden endlich remastered sowohl auf CD als auch auf Vinyl neu veröffentlicht. Die Vinylalben werden in vier Boxen erscheinen – je zwei am 16. und 30. November. Box 1 umfasst The Kick Inside, Lionheart, Never For Ever, The Dreaming, Box 2 Hounds of Love, The Sensual World, The Red Shoes, letzteres als Doppelalbum, Box 3 beinhaltet Aerial, Director’s Cut und 50 Words for Snow. Damit werden erstmals auch wieder The Red Shoes und Aerial auf Vinyl zugänglich. Für diese Platten mussten teilweise horrende Sammlerpreise bezahlt werden. Box 4 beinhaltet 12″-Mixe, rare Songs, B-Seiten und Cover-Versionen von Kate.
12” MIXES: Running Up That Hill (A Deal With God), The Big Sky (Meteorological Mix), Cloudbusting (The Orgonon Mix), Hounds Of Love (Alternative Mix), Experiment IV (Extended Mix).
THE OTHER SIDE 1: Walk Straight Down The Middle, You Want Alchemy, Be Kind To My Mistakes, Lyra, Under The Ivy, Experiment IV, Ne T’Enfuis Pas, Un Baiser D’Enfant, Burning Bridge, Running Up That Hill (A Deal With God) 2012 Remix.
THE OTHER SIDE 2: Home For Christmas, One Last Look Around The House Before We Go, I’m Still Waiting, Warm And Soothing, Show A Little Devotion, Passing Through Air, Humming, Ran Tan Waltz, December Will Be Magic Again, Wuthering Heights (Remix / New Vocal from ‘The Whole Story’).
IN OTHERS’ WORDS: Rocket Man, Sexual Healing, Mná na hÉireann, My Lagan Love, The Man I Love, Brazil (Sam Lowry’s First Dream), The Handsome Cabin Boy, Lord Of The Reedy River, Candle In The Wind.
Auch wenn einige Mixe fehlen (etwa Shoedance) und nur der Song „Humming“ bisher unveröffentlicht war, dürfte allein diese Box ihr Geld wert sein. Die beiden CD-Boxen werden zusätzlich das Live-Album Before The Dawn enthalten. Bei Amazon UK kann man das Vinyl auch einzeln vorbestellen. Wer also seine Plattensammlung auffrischen und etwa um Aerial oder The Red Shoes bereichern will, kann sich bedienen. Wer das komplettpaket ordern will, muss mit rund 550 Euro für Vinyl und CDs rechnen.

Das Song-ABC: Babooshka

In Wagners Oper „Götterdämmerung“ geht es um Verrat, Täuschung und Maskerade – ….. Moment! Was hat die Götterdämmerung mit „Babooshka“ zu tun? Ich muss für den Zusammenhang doch weiter ausholen und von vorn anfangen.
„Babooshka“ – fast jeder wird diesen Titel im Ohr haben. Neben „Running up that hill“ und „Wuthering heights“ zählt er zu den bekanntesten und erfolgreichsten Songs von Kate Bush. In vielen Ländern erzielte er hohe Chartspositionen, in Großbritannien z.B. erreichte er den Platz 5 in den Single-Charts. Es ist ein sehr schwungvoller Titel, der seine Abgründe hinter Fröhlichkeit versteckt.
Mit markanten Akkorden beginnt der Song. Es geht es um das Verlangen einer Frau, die Loyalität ihres Ehemanns zu testen. Dazu nimmt sie den Namen Babooshka an und schickt ihm Briefe, in denen sie ihm eine jüngere Frau vorspielt. Sie fürchtet, dass er in ihr nicht mehr die Frau sieht, die sie mal war und sich so jemanden wie dieses jüngere Ebenbild zurückwünscht („Just like his wife / But how she was before the tears / And how she was before the years flew by / And how she was when she was beautiful“). Sie treibt es weiter und weiter und in ihrer Paranoia stellt sie die Falle auf – sie arrangiert ein Treffen. Ihr Mann trifft sich mit Babooshka, sie erinnert ihn an das frühere Ich und an das vergangene Wesen seiner Frau („Uncanny how she reminds him of his little lady / Capacity to give him all he needs / Just like his wife before she freezed on him / Just like his wife when she was beautiful“). Er verfällt diesem früheren Ich, dieser Babooshka („He shouted out, I’m all yours Babooshka“). Die Frau hat mit ihrer Paranoia die Beziehung zerstört, denn ohne diese Verkleidung wäre er wohl nicht auf die Idee gekommen, seine Frau aufzugeben. Hätte sie ihm diese Zuwendung offen gegeben – alles wäre gut geworden. So wird aus einer nostalgischen Erinnerung an die Vergangenheit ein Betrug. Es ist eine im Grunde traurige Geschichte über das Altern und die Abnutzung des Bewährten. Kann man dies durch einen Wechsel der Identität – also durch eine Täuschung – aufhalten? Zum Schluss hört man das Geräusch zersplitternden Glases – etwas zerbricht. Mangel an Vertrauen zerstört die Beziehung.
Kate Bush bezeichnet das nicht als Love Song, für sie ist der Inhalt eindeutig traurig, weil hier die Frau durch ihre Paranoia die Beziehung ruiniert. „I suppose I would say that I have written some love songs but I wouldn’t term that as one. Really I’m very annoyed at the way that the woman is behaving in this song because it is so stupid and in fact she’s just ruining the whole situation which was very lovely – and it’s only because of what’s going on in her brain that she does these things so – suspicion, paranoia all these naughty energies again and it’s really quite sad I think.“ [2] Der Song reiht sich damit ein in den Reigen komplexer Beziehungen des Albums, über denen der Albumtitel „Never for ever“ wie ein unheimliches Omen schwebt.
Woher kommt der Name „Babooshka“? Babushka bedeutet in der russischen Sprache Mütterchen, Oma, aber das hatte Kate Bush nicht im Sinn. Es lag allein am Klang, der so gut passte. „[…] well apparently it is grandmother, it’s also a headdress that people wear. But when I wrote the song it was just a name that literally came into my mind, I’ve presumed I’ve got it from a fairy story I’d read when I was a child.“ [3] In einem weiteren Interview erläuterte sie es noch genauer. „Well, it was very strange, because as I was writing this song the name just came and I couldn’t think where I’d got it from and I presumed it was from a Russian fairytale – it sounded like the name of a princess or something and it was so perfect for the music, it had all the right syllables and the right feel, so I kept it in.“ [2]
Der Ursprung war also wohl das russische Weihnachtsmärchen „Babuschka und die drei Könige“ (in [4] kann es in einer deutsche Fassung gelesen werden). Als das Lied – wohl in der Rohfassung – geschrieben war, passierten laut Kate Bush viele kleine „incredible coincidences“. „And after having written the song a series of incredible coincidences happened where I’d turned on the television and there was Donald Swan singing about Babooshka. So I thought, „well, there’s got to be someone who’s actually called Babooshka.“ So I was looking through Radio Times and there, another coincidence, there was an opera called Babooshka.“ [3] Diese Kinderoper „Baboushka“ (mit „ou“) aus dem Jahr 1979 basiert auf dem Märchen, Donald Swann ist der Komponist [5].
Kate Bush hat den Inhalt des Märchens bzw. der Oper noch gut im Kopf. „Apparently she was the lady that the three kings went to see because the star stopped over her house and they thought ‚Jesus is in there‘. So they went in and he wasn’t. And they wouldn’t let her come with them to find the baby and she spent the rest of her life looking for him and she never found him.“ [3] Kate Bush hat hier noch vergessen, dass die Babushka auf ihrer Suche nach dem Jesuskind die Weihnachtsgeschenke bringt [4].
Eine weitere kleinere „incredible coincidence“ war dann die Krönung. „And also a friend of mine had a cat called Babooshka. So these really extraordinary things that kept coming up when in fact it was just a name that came into my head at the time purely because it fitted.“ [3]
Vielleicht haben alle diese Dinge den Inhalt des Songs mit beeinflusst. Als „Babuschka“ werden fälschlicherweise die Matrjoschka-Puppen bezeichnet, diese bunt bemalten, ineinander schachtelbaren, eiförmigen russische Puppen mit Talisman-Charakter [6]. Hier verbirgt sich auch in einer Person eine andere Person, ein anderes Ich. Die Babuschka aus dem Märchen ist ebenfalls auf der Suche nach dem Glück und findet es nicht. Laut Colin Irwin [7] gibt es zudem eine Verbindung zu einem Volkslied, das vielleicht den Inhalt beeinflusst hat: „Babooshka is similarly based on a song called Sovay Sovay.“ [7]
„Sovay Sovay“ ist ein traditioneller englischer Folk Song [8]. Eine Frau verkleidet sich als bewaffneter Räuber. Sie überfällt ihren Freund und verlangt all sein Geld und Gold. Schließlich verlangt sie auch den goldenen Ring, den er von Sovay (eine Form von „Sophie“) als Geschenk bekommen hat. Er aber weigert sich, selbst wenn ihm das das Leben kosten würde. Schließlich gibt sich Sovay zu erkennen und sagt ihm, dass sie ihn getötet hätte, wenn der den Ring weggegeben hätte. Auch hier geht es um eine Frau, die ihrem Mann nicht vertraut, die ihm eine Falle stellt. Ich frage mich, was nach dem Ende von Babooshka passiert. Erschiesst sie ihn? Schließlich hat er den Test nicht bestanden – anders als der Mann in „Sovay Sovay“.
Das sehr erotische Video trug maßgeblich zum Erfolg der Single bei. Kate Bush tanzt mit dem Kontrabass (der den Mann symbolisiert), zuerst in Schwarz und mit einem Schleier, später dann in einem russisch-orientalisch angehauchten Amazonen-Dress. Die Buntheit der Babuschka-Puppen spiegelt sich diesem Kostüm wieder. Es ist inspiriert von einer Illustration, die Chris Achilleos 1978 für das Cover des Buches „Raven – Swordmistress of Chaos“ geschaffen hatte [1]. Colin Irwin ist vollkommen fasziniert: „The double-bass is alternately the object of her lust and her fury; she wraps herself around it, she grinds against it, she beats the hell out of it, she wrings its neck, she claws it, she slithers down its neck, she blows in its ear. Her face pouts and spits and leers and jeers and dreams and schemes and ravishes; and all the while bottom jerks and thrusts from one end of the studio to the other. It’s the most erotic thing I ever saw.“ [7]
Kate Bush dagegen findet sich überhaupt nicht sexy. „I’ve decided I can’t judge. People say the ‚Babooshka‘ video is sexy, but all I can see is that I haven’t turned my foot out or fully extended my arm or there’s a bit of make-up smudged or you can see there’s a gap between my teeth.“ [11] Das Video ist es natürlich nicht allein, auch die musikalische Gestaltung trägt zur Wirkung entscheidend bei (Noten aus [9]).
Den ganzen Song über wird strikt ein 4/4-Takt durchgehalten, was entscheidend zur Tanzbarkeit beiträgt. Notiert ist es in Es-Dur, der Es-Dur-Akkord spielt auch eine zentrale harmonische Rolle. An einigen Stellen wird als Abweichung der es-Moll-Akkord benutzt – auf dem „ka“ des zweiten „Babooshka“ in der Einleitung (sonst dominiert der Es-Dur-Akkord die Einleitung), auf „she send him scented letters“ sowie im Refrain und in der Coda auf dem „All“ in „All yours Babooshka“ (auf dem „ka“ des zweiten „Babooshka“ geht es in den Es-Dur-Akkord über, der auch die Coda beschließt).
Eine doppeldeutige Rolle spielt das „All yours“. Im Refrain ist es eine Grußformel von ihr an ihn in den Briefen. Die Code beginnt dagegen mit „He shouted out, I’m All yours Babooshka“ – das ist keine Grußformel, hier bedeutet es „Ich bin Dein“, von ihm an sie. Die Geschichte wendet sich ins Gegenteil.
Am Bass hören wir John Giblin und dieser Sound symbolisiert instrumental den männlichen Partner, wie es so oft der Bass tut auf den ersten Alben von Kate Bush (ohne [1] hätte ich das nicht bemerkt). Der Song endet mit einem Sample von zerbrechendem Glas, „one of the earliest examples of a sample created with the newly-available Fairlight CMI digital synthesizer [1].“ Die Beziehung zerbricht. Beziehungen sind fragil wie Glas.
Folgt man den Tonartenbedeutungen gemäß Beckh [10], so unterstützen die beiden Schwerpunkte Es-Dur und es-Moll die paranoide Geschichte. Es-Dur ist die Wiederaufwärtswendung zum Licht, es hat einen starken, positiven, kämpferischen Charakter. Die Frau kämpft, sie will die Wiedergeburt der Liebe. Es-Dur bedeutet auch Weihnachtsjubel, Weihnachtsfreude, Wiedergeburt des Lichts – passend zum Babushka-Märchen. Die Tragik des Schwellenübergang dagegen ist das es-Moll, es ist die Tonart des Verwelkens und Absterbens. Genau das bewirkt die Maskerade der Frau, sie verliert die Liebe ihres Mannes.
Typisch für „Babooshka“ sind diese schleichenden Übergänge von Es-Dur nach es-Moll. Dieser Übergang ist auch ganz charakteristisch für Wagners große Verrats-Oper „Götterdämmerung“. Es „bricht gleichsam ein großer Weltherbst herein, ein Welkwerden und Abfallen von vielem, was in der Menschenseele, im Menschenbewusst- sein der Vergangenheit einmal blühendes Leben war.“ [10].
Im Text zur wichtigsten dieser Stellen aus der „Götterdämmerung“ findet sich Folgendes [10]: „In langer Zeiten Lauf zehrte die Wunde den Wald; halb fielen die Blätter, dürr darbte der Baum; traurig versiegte des Quelles Trank: trüben Sinns ward mein Gesang“. Dies singt im Vorspiel der Götterdämmerung eine der drei Nornen, eine der nordischen Schicksalsgöttinnen – und ist es nicht so ähnlich wie das, was in „Babooshka“ geschieht?
Es gibt noch mehr Parallelen zwischen „Babooshka“ und der Götterdämmerung. Auch in der Oper geht es um Verrat, Täuschung und Maskerade. Göttervater Wotan reißt die Welt der Götter durch Verrat in den Abgrund. Siegfried betrügt seine geliebte Brünnhilde, als er die Erinnerung an sie durch einen Zaubertrank verloren hatte. Er nähert sich ihr in einer anderen Gestalt und erobert sie für einen Anderen. Näherung an den Geliebten in einer anderen Gestalt, Betrug – dies steht auch in großen Buchstaben über „Babooshka“. Vielleicht sind diese Dinge bei der Komposition mit eingeflossen, die Tonarten und Kernpunkte der Geschichte legen es mir nahe. Aber ich habe viel Fantasie und ich lese zu viel, man darf es ruhig auch Überinterpretation nennen. Vielleicht hat Kate Bush einfach nur ähnlich empfunden wie Richard Wagner – zwei genuine Komponisten begegnen sich.
„Babooshka“ ist ein Hit mit überraschend viel Tiefgang. Für mich hat er damals erst richtig die Begeisterung für Kate Bush geweckt. Der Inhalt ist traurig, aber die Coda endet im eher positiven Es-Dur – es geht vielleicht doch gut aus. Die Unsicherheit und Unaufgelöstheit aber bleibt. Auch Hit-Singles von Kate Bush behalten ihre Geheimnisse (und deswegen macht es auch so viel Freude, ihre Songs zu analysieren). © Achim/aHAJ

[1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Babooshka_(song) (gelesen 17.08.2018)
[2] NfE Interview – EMI (London)
[3] Peter Powell: Never for ever debut. Radio 1. 11.10.1980
[4] http://www.weihnachtsstadt.de/geschichten/sagen/babuschka-und-die.html (gelesen 17.08.2018)
[5] http://www.donaldswann.co.uk/pubchildren.html#children (gelesen 17.08.2018)
[6] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Matrjoschka (gelesen 17.08.2018)
[7] Colin Irwin: „Paranoia and Passion of the Kate Inside“. Melody Maker. 04.10.1980.
[8] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Sovay (gelesen 17.08.2018)
[9] „Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987.  S.62ff
[10] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.  S.124 und S.114f
[11] Phil Sutcliffe: „Labushka“. Sounds. 30.08.1980.

How to be invisible erscheint am 6.12.18

Das Buch Kate Bush: How To Be Invisible wird bereits am 6. Dezember erscheinen (zumindest in England) und wird auf der Internetseite katebushbook.com beworben. Vorbestellbar ist es unter anderem bei amazon in England. Geplant ist eine gebundene Ausgabe mit von Kate ausgewählten Songtexten. Der Autor David Mitchell hat zudem eine Einführung für das Buch geschrieben. Mitchell hatte schon für die Before the Dawn-Konzerte mit Kate zusammengearbeitet und die Einführung zu The Ninth Wave geschrieben, die zu Beginn als Monolog zu hören ist. Zudem ist von Verlag eine exklusive „limited edition“ des Buches geplant.

How to be invisible: Lyrics

Das Gerücht scheint sich zu bestätigen: Unter dem Titel „How to be invisible“ soll ein Buch von Kate Bush erscheinen – potenziell mit Songtexten. Das Buch wird bereits bei mehreren Anbietern samt ISBN-Nummer gelistet und ist für rund 20 Euro vorbestellbar. Als Erscheinungsdatum wird der 8. Januar 2019 angegeben. Das Buch wird vom Londoner Verlag Faber & Faber veröffentlicht. Auf deren Webseite fehlt aktuell aber noch eine entsprechende Ankündigung.

Das Song-ABC: Snowflake

Es ist Nacht im Winter, man steht auf der Straße, die Schneeflocken fallen rings um einen herab, still und sanft, nur angestrahlt vom Licht der Straßenlaternen. Es erscheint so, als ob sie zu einem kommen. Wahrscheinlich hat jeder dann schon einmal die Arme ausgebreitet und den Kopf gehoben, in die fallenden Flocken geschaut. Für mich ist es eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen. Ich spürte die Macht der Stille und der Natur.
Was wäre, wenn man mit einer dieser Flocken reden könnte? Was wäre, wenn eine dieser Flocken wirklich auf dem Weg zu einem wäre? Genau darum geht es in „Snowflake“ und vielleicht hatte Kate Bush ähnliche Gefühle und Fragen in einem Schneetreiben wie ich.
„Snowflake“ ist ein ganz ruhig gehaltenes Lied, es ist fast eine Meditation, ein Zwiegespräch, ganz intim und persönlich. Es „fallen weiche Pianoschläge wie Eiskristalle von Himmel, im Hintergrund suggeriert ein leiser Klangteppich die der Jahreszeit angemessene Kälte“ [1]. „Neben Bushs unaufgeregtem Sprechgesang ist ihr 13-jähriger Sohn zu hören, der mit gespenstisch-schönem Knabengesang den Weg der Schneeflocke zur Erde besingt“ [1]. Der Song ist in Abschnitte geteilt, die durch unterschiedliche musikalische Motive und Melodien gekennzeichnet sind. Diese Motive sind sehr kurz, es sind eher Farbakzente. Es gibt aber eine übergeordnete Einheit durch einheitliches Tempo und Grundstimmung, in die sich diese Motive einbetten.
In der Einleitung ertönt ein Klaviermotiv, das der Melodie aus „Night scented stock“ vom Album „Never for ever“ sehr ähnlich ist. Das hat mich ziemlich verblüfft, als es mir aufgefallen ist. Diese beiden Stücke haben auf den ersten (und auch zweiten) Blick nichts miteinander zu tun. Meine Vermutung ist, dass die Beschwörung einer geheimnisvollen Nachtstimmung das verbindende Element ist.
Nach der Einleitung beginnt es mit der Schneeflocke, die etwas über ihren Ursprung erzählt („I was born …“). Dazu ertönt ein kleines Motiv als Begleitung, das wie eine Fanfare anmutet, ein „schaut her, ich bin da“. Die Schneeflocke schildert dann in einer Art Sprechgesang, was sie auf ihrem Flug sieht. Zu diesen Schilderungen ertönt im Klavier ein hin und her schwingendes Motiv, das mit einer aufsteigenden Tonkette beginnt. Es klingt tänzerisch, schwebend. Dazu erklingen im Hintergrund ganz leise andere Instrumente, die das Klavier und die Stimme wie mit einem Schimmer umgeben. Dieser Schimmer ist dunkel, eher geheimnisvoll, ohne klare Tonalität oder Melodie. Ist es das Geheimnis der Winternacht? Sind es die Klänge einer fernen Welt, die durch den Schnee gedämpft wird?
Unterbrochen wird der Gesang der Schneeflocke durch wiederholte Anrufungen durch die Protagonistin („The world is so loud ….“). Sie sind gekennzeichnet durch ein weiteres Klaviermotiv. Es ist verwandt mit dem Begleitmotiv des Sprechgesang, da es mit einer ähnlichen aufsteigenden Tonkette beginnt (Sängerin und Schneeflocke sind seelenverwandt). Es klingt wie eine Antwort auf das Sprechgesang-Begleitmotiv, es ist ruhig, besänftigend. Die Stimme dazu ist wie ein Ruf in die Dunkelheit, verlässlich und sanft, ein stimmlicher Leuchtturm für die fallende Schneeflocke. Ab und zu mischen sich leise Gitarrentöne hinein und geben eine andere Färbung.
Ich frage mich, ob die Protagonistin die Schneeflocke wirklich hören kann. Ist ihr bewusst, dass die Schneeflocke mit ihr redet und auf dem Weg zu ihr ist? Neunmal wird der Ruf wiederholt, es ist (fast) immer der gleiche Text, er geht nicht auf die Schneeflocke ein. Zudem beginnt er mit „The world is so loud“ – übertönt die Welt die leisen Töne der Schneeflocke? Ich glaube, die Protagonistin ahnt die Anwesenheit, wünscht sie sich herbei – aber mehr nicht.
Die Schilderungen der Schneeflocke über ihren Weg vom Himmel herab werden durch Passagen unterbrochen, in denen sie ihr „Wesen“ erklärt, in aufsteigenden Tonsprüngen, immer höher und höher („I am ice …“). Dazu ertönt ein neues Motiv im Klavier, eine schwingende Tonfolge, schwer zu beschreiben, wie knisternder Schnee, wie fallendes Wasser. Die Melodie der Gesangsstimme wirkt dagegen wie ein Statement, eine Wesensäußerung. Die Flocke ist Eis und Staub, sie ist aber auch Licht und Himmel. Realität und Überirdisches kommen zusammen. Die Stimme springt jeweils zu diesen Worten in höchste Höhen, kennzeichnet die Schneeflocke als ein unwirkliches, vom Himmel kommendes Wesen.
In einigen Passagen verlässt die Schneeflocke den schildernden Sprechgesang und gibt mit einer weit schwingenden Melodie Einblick in ihr Inneres („My broken hearts ….“). Ihr Fühlen wird sichtbar. Dazu ertönt kurz zu Beginn ein weiteres Klaviermotiv, das ein bisschen aufgeregt klingt. Der Text ist hier mystisch, geheimnisvoll – so wie es vielleicht auch die Natur selbst ist.
Der „Ruf“ der Protagonistin ertönt neunmal und wird unterbrochen von den Schilderungen der Annäherung der Schneeflocke, die immer kürzer werden. In der ersten Schilderung der Schneeflocke heisst es „I want you to catch me“, in der letzten dann „Be ready to catch me“. Die in der Wolke geborene Schneeflocke hat sich den Menschen ausgesucht, der sie auffangen soll. Die Natur hat ein Ziel, die Schneeflocke als Verkörperung der Natur beginnt die Kommunikation. „Im Film würde man sagen, jetzt folgt Shot auf Gegenshot, Ich-Kamera der Schneeflocke vs. Ich-Kamera des Erdenbewohners […]“ [2]. Die beiden Protagonisten kommen sich immer näher, „was im Text dadurch signalisiert wird, dass der Refrain in immer kürzeren Abständen wiederkehrt – ein Ausdruck für steigende Erwartung, „keep falling“, komm schon, komm her, diese Welt ist zu laut, rette mich“ [2].
Ganz zum Schluss sind dann nur noch die dunklen, unbestimmten Töne der Nacht aus dem Hintergrund da. Kein Klavier mehr, der Song kommt zur Ruhe, die Schneeflocke ist gelandet. All das ist eine ruhige Meditation, über neun Minuten lang. Der Song ist komplexer, als er dem Zuhörer erscheint. Verschiedene einfache Motive kennzeichnen die Situationen des Songs. Darüber liegen Sprechgesang und sich einfügende, knappe Melodien. Alles für sich einfach, aber in der Kombination dann doch komplex, eingebettet in einen geheimnisvollen, träumerischen Schimmer.
„Snowflake“ thematisiert die Kommunikation zwischen Mensch und magischer Natur. Diese magische Natur tritt mit dem Menschen über mythische Wesen in Verbindung, das ist eines der Hauptthemen des Albums „50 words for snow“. Kate Bush war von dieser in einem Interview aufgebrachten Idee sehr angetan. „I like that, that’s lovely, yeah […] Someone else observed that a lot of the creatures are mythical, for want of another word, fantastical creatures – even a snowflake, if you think of it as a living thing.“ [3].
Dieser mystische Kontext in „Snowflake“ hat auch einen religiös-mystischen Subtext, das legt eine Textzeile nahe, die die Schneeflocke singt: „It’s midnight at Christmas“. Was hier von Himmel fällt an einem Weihnachtsabend, das ist vielleicht ein Engel, vielleicht ein Gottesgeschenk. Die Schneeflocke (gesungen vom Sohn von Kate Bush) kommt herab zur Protagonistin (Kate Bush) so wie in der Weihnachtsgeschichte der Sohn Gottes zu Maria.
Ich möchte das nicht überstrapazieren, aber mir fiel eine Ähnlichkeit des „I am ice and dust and light. I am sky and here“ mit dem „Vater unser“ auf: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Die Schneeflocke kommt aus dem Himmel, das „Vater unser“ beginnt mit „Vater unser der du bist im Himmel“. Für mich antwortet die aus dem Himmel kommende Schneeflocke auf dieses Gebet und offenbart ihre Göttlichkeit. Damit schließt sich der Bogen. Eine Winternacht im Treiben der Schneeflocken ist erfüllt von der Begegnung mit der mystischen, göttlichen Natur. Wenn man die laute Welt ausblendet, dann kann man hören, wie die Natur zu einem spricht. Sie spricht zu uns selbst in der kleinsten Schneeflocke. Wir sind ein Teil davon, wir sind eins. © Achim/aHAJ

[1] Martin Leute: „Exzentrisch, irritierend, schön: Kate Bush singt über den Schnee“. https://www.laut.de/Kate-Bush/Alben/50-Words-For-Snow-71922  (gelesen 18.07.2018)
[2] Tina Manske: Was sagt eigentlich die Uhr. http://morningfog.de/?p=109. (gelesen 14.07.2018)
[3] Andy Gill: „Kate Bush: The ice queen of pop returns“. The Independent. 18.11.2011

Zum Tod von Lindsay Kemp

Fotos: Guido Harari

Der englische Tänzer, Choreograph, Schauspieler und Regisseur Lindsay Kemp ist tot. Kemp starb im Alter von 80 Jahren in Livorno. Kate hatte ab 1976 Tanzunterricht bei Kemp genommen. Später dann auch, um sich auf ihre Tour of Life-Konzerte vorzubereiten.  Zudem hatte sie den ersten Song Moving ihres Debüt-Albums The Kick Inside Kemp gewidmet:

Moving liquid, yes, you are just as water
You flow around all that comes in your way
Don’t think it over, it always takes you over
And sets your spirit dancing
How I’m moved, how you move me
With your beauty’s potency
You give me life, please don’t let me go…
you crush the lily in my soul

Beim Song Flowers von Zaine Griff, der ebenfalls Kemp gewidmet war, hat Kate zudem die Backing Vocals eingesunden. Wie sehr Kemp Kates Tanzstil beeinflusst hat, wurde 1994 erneut deutlich, als er in ihrem Film The Line, The Cross & The Curve mitwirkte. Bereits ab 1966 hatte Kemp auch eng mit David Bowie zusammengearbeitet, mit dem er zeitweise auch liiert war. Gemeinsam entwickelten sie die Figur Ziggy Sturdast.
Kemp lebte seit Jahren in Italien, hatte zuletzt unter anderem für das Buch von Guido Harari The Kate Inside, in dem viele Bilder aus der Zeit von  The Line, The Cross & The Curve erstmals veröffentlicht wurden, das Vorwort geschrieben. In England war Lindsay Kemp zuletzt im Juni öffentlich aufgetreten – gemeinsam mit Tim Arnold in Manchester präsentierten sie das Stück „What Love Would Want„, eine MIschung aus Tanz, Film und Music. Zur gelungenen Premiere hatte Kate einen Blumenstrauß an Kemp geschickt.
ZUm Tod von Lindsay Kemp wird Kate von der BBC mit folgenden Worten zitiert:

„To call him a mime artist is like calling Mozart a pianist. He was very brave, very funny and above all, astonishingly inspirational. There was no-one quite like Lindsay. I was incredibly lucky to study with him, work with him and spend time with him. I loved him very much and will miss him dearly. Thank you, dear Lindsay.“

Vor 40 Jahren: Aufnahmen zu Lionheart in Nizza

Mit einem entzückenden Tweet haben die Macher der Seite zum früheren Super Bear Studio in Berre les Alpes in der Nähe von Nizza an Kate Bush erinnert. Kate hatte ihr Album „Lionheart“ zwischen Juli und September 1978 an der Cote d’Azur eingespielt. Das Studio, gegründet von Damon Metrebian, hatte am 1. November 1977 seine Türen geöffnet und galt zu seiner Zeit als eines der modernsten, privat betriebenen Tonstudios. Auch wenn es nur bis zum Sommer 1986 in Betrieb war, spielten hier immerhin so bekannte Gruppen und Musiker wie Pink Floyd, Queen, Elton John, Paul McCartney, Van Morrison, Ringo Starr und The Police ihre Alben ein. In dem jetzt veröffentlichten Tweet heißt es unter anderem: „Kate is (and remains to this day) one of the most authentic and beautiful souls I ever had the privilege to meet.“ Garniert wird der Beitrag mit dem Plattencover von Lionheart, Bildern von Kate, aber vor allem einem von Kate handgeschriebenen Beitrag im Gästebuch des Studios. „What can I say? It’s become like a home + we’re really going to miss you all + the dogs + Harry too. Thank you, thank you for all your love, kindness, sunshine + all the eggs. Your vibes + smiles are all over the album, so we’re all in it together. Here’s to all you Lionhearts. God Bless! Lot’s of love Kate Bush xxx“, hat Kate zum Abschied geschrieben und den Eintrag noch mit einem gezeichneten Löwen versehen. Heute wird das frühere Plattenstudio übrigens als guest house genutzt…

Wurde Wuthering Heights in Köln gedreht?

Seit vielen Jahren sind Kate-Fans in England auf der Suche nach dem genauen Ort, an dem die Red-Dress-Version von Wuthering Heights gefilmt wurde. Für viele galt dabei immer Box Hill in Surrey, etwa 50 Kilometer von Kates Elternhaus East Wickham Farm entfernt, als Drehort. Bisher wurde allerdings nie in Frage gestellt, dass die Aufnahmen irgendwo in England stattgefunden haben. Im englischen Forum schreibt jetzt der User „Southerly Wind“, dass er Del Palmer auf der Birmingham Convention 2015 nach dem Drehort gefragt habe, und Del sich zwar nicht mehr genau erinnern konnte, es aber definitiv nicht in England, sondern auf dem Kontinent gewesen wäre, in Deutschland oder Holland. Für Deutschland als Drehort spricht der Umstand, dass es sich bei dem roten Kleid im Video um das Kleid handelt, das Kate bei ihrem ersten TV-Auftritt in „Bio’s Bahnhof“ am 9. Februar 1978 getragen hat. Das Kleid hatte sie damals auf Rechnung des WDR im Kölner Modegeschäft „Boutique 69“ erstanden. Im Interview mit dem „Rolling Stone“ im Dezember 2011 hat Alfred Biolek erzählt, dass Kate schon zwei Tage vor der Sendung mitsamt ihrer Band nach Köln kam. „Sie und ihr Manager waren sogar bei mir zu Hause, ich habe für sie gekocht“, berichtete Biolek damals. Überliefert ist auch, dass Kate etwas vom Kölner Karneval mitbekommen haben soll. Zeit für einen Video-Dreh im Umfeld von Köln oder Frechen hätte es also gegeben.

Update: Nicholas Abson, Produzent des damaligen VIdeos, hat einem Mitglied des englischen Forums auf die Frage, wo das Video aufgenommen wurde, geantwortet: „It was the artillery range at Salisbury Plain. We couldn’t do better as we only had the morning due to filming „It Ain’t Stiff it Ain’t Worth a F***.“ Und der Dreh soll Ende 1977 erfolgt sein. Das verwundert ein bisschen, weil es unwahrscheinlich ist, dass Kate das rote Kleid zu diesem Zeitpunkt bereits besessen hat; denn dann müsste sie im Kölner Shop ein anderes KLeid erworben haben, was sie dann in der Show aber nicht getragen hat.

Unicorn: Alte Demos von 1973

Am 5. Oktober erscheint mit „Laughing Up Your Sleeve“ eine ungewöhnliche Platte: 45 Jahre nach den Aufnahmen werden 20 bisher unveröffentlichte Demosongs der Gruppe Unicorn auf CD und LP erscheinen. Die originalen Multitrack-Mastertapes wurden restauriert und neu abgemischt. Der Sound soll hervorragend sein. Die Originalaufnahmen fanden zwischen 1973 und 1974 im Studio von David Gilmour statt. Gilmour hatte Mitte der 70er Jahre gleich mehrere Albem von Unicorn produziert. Wo die Demoaufnahmen 45 Jahre später aufgetaucht sind, bleibt noch unklar. Die Geschichte soll aber im Booklet zur CD erzählt werden. Spannend könnte das auch deswegen sein, weil zur gleichen Zeit (1973) im gleichen Studio von David Gilmour Probeaufnahmen mit Kate stattgefunden haben. Rund zehn bis 20 Songs sollen damals eingespielt worden sein – mit David Gilmour an der Gitarre, Peter Perrier an den Drums und Pat Martin am Bass. Perrier und Martin sind zwei der vier Bandmitglieder von Unicorn. Mit diesen Songs ist Gilmour dann zu EMI marschiert und Kate hat ihren Plattenvertrag erhalten. Unter anderem wurden damals die Songs „Passing Through Air“ und „Maybe“ eingespielt, vermutlich auch Demos zu Songs, die später auf „The Kick Inside“ landeten.

Ein Dankeschön und ein neues Gerücht

Kate hat sich auf ihrer Webseite für die zahlreichen Glückwünsche zu ihrem 60. Geburtstag am 30. Juli mit einer kurzen Nachricht bedankt.
Thank you very much for all the lovely messages sent for my birthday. It meant such a lot to receive your kind wishes. Hope you are enjoying the glorious summer.
Best wishes,
Kate
Wie üblich gibt es bei der Gelegenheit keine Hinweise auf kommende Veröffentlichungen, so dass man nur spekulieren kann. Aktuell gibt es das Gerücht, wonach Kate an einem Buchprojekt arbeiten soll. Eine Veröffentlichung soll angeblich für Herbst/Weihnachten anvisiert sein – behauptet zumindest ein Fan im englischen Forum, der Einblick in die kommenden Buchveröffentlichungen haben will.

Rub-a-dub-a-dub-a-dub

Laaaaang hat es gedauert (ein paar Jahre) aber jetzt ist sie endlich gekommen! Die italienische 12″ Version von „Rubberband Girl“ auf schwarzem Vinyl! Warum sie ausgerechnet als Black Vinyl in Italien erschienen ist, bleibt mal wieder ein Rätsel im großen Kate-Universum. Auf dem Bild sind jetzt alle bekannten „Rubberband Girl“-Vinyl-Versionen zu sehen, die bis heute erschienen sind:
1. 12″ Picture Disc – UK.  / 2. 12″ Black Vinyl – Italien.  / 3. 7″ Version – UK.  / 4. 7″ Promo Version – Phillipinen. / 5. 7″ Version – Juke Box Promo – UK.    Happy Hunting!
Michael Guth