Auf Kates Webseite ist endlich der neue Shop online gegangen. Wie versprochen können alle Merchandise-Artikel, die es zur Tour gab, hier zu den gleichen Preisen wie bei den Konzerten erworben werden. Drei Ausnahmen gibt es: Das nur in einer Auflage von 250 Stück gedruckte Poster des Eintrittskartenmotivs wird nicht angeboten, stattdessen eine abgewandelte Version. Zweite Ausnahme: Wer das frühzeitig ausverkaufte Life Jacket T-Shirt in Verbindung mit dem Rescue-Kit ordert, bekommt es 10 Pfund günstiger. Und: Die zu den Konzerten vorbestellbaren Fischkopf-Skelette fehlen im Shop. Die waren mit 500 Pfund allerdings auch nicht gerade erschwinglich. Aktuell können die Produkte allerdings nur vorbestellt werden. Viel Spaß beim Einkaufen!
Okt. 27 2014
Fanartikel im neuen Online-Shop
Okt. 26 2014
Wenn die Liebe zu Kate unter die Haut geht

Bei manchen Fans geht die Liebe zu Kate im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Wer ein bisschen googelt, kann zahlreiche Fotos von Tattoos mit Bezug zu Kate im Netz entdecken – von Zitaten aus Songtexten über das Kate-Symbol bis zu extrem aufwändig nachgestochenen Motiven vom Never for Ever-Cover oder der Reproduktion bekannter Fotomotive. Beispielsweise bei der jungen Frau (oben rechts mitte), die bei einem der Before the dawn-Konzerte vor den Kameras posierte und unter anderem das bekannte Babooshka-Motiv auf ihrem Rücken vorzeigte.
Ob die Tattoos alle echt sind, lässt sich natürlich nicht sagen. Bei dem oben links ahnt man allerdings aufgrund der Hautrötung noch die Schmerzen. Offensichtlich hat sich da jemand – inspiriert von den aktuellen Konzerten – sein altes Lionheart-Tattoo um die Feder erweitern lassen. Vielleicht, um zu zeigen, dass er/sie bei beiden Tourneen dabei war.
Die Never for Ever-Tattoos sind ebenfalls echt. Das obere stammt von Shannon Archuleta (hier ihre Webseite) aus San Francisco. Das Foto des noch unfertigen Tattoos hatte sie vor ein paar Jahren auf Flickr gepostet und viel Lob dafür geerntet. Das ging dann so weit, dass viele ihrer Kunden genau dieses Tattoo haben wollten. Obwohl sie selbst großer Kate Bush-Fan ist, war ihr das vermutlich dann doch etwas zu viel, denn in der Galerie auf ihrer Webseite fehlt das Motiv. Vielleicht weil sie selbst das Tattoo als eine extrem schwierige Arbeit beschrieben hat.
Das dürfte sicher auch für Raymond Wallace aus Austin (Texas) gelten, der einzelne Cover-Motive auf dem Arm eines Kunden neu angeordnet hat. Dieses Tattoo ist noch relativ neu. Wallace hat die Fotos Ende Dezember 2013 auf seiner Seite veröffentlicht. Mehr Bilder von ihm gibts hier.
Okt. 19 2014
200 000. Besucher bei morningfog.de
Es ist vielleicht eine der ergreifendsten Szenen im gesamten Konzert: Zu „Hello Earth“ wird Kate von den Fishpeople von der Bühne getragen, es ist mucksmäuschenstill im Saal, man glaubt den eigenen Herzschlag zu hören, und dann kommt „The Morning Fog“, der Song, der diesem Blog den Namen gegen hat. Die Band steht auf der Bühne, Akkordeon und Gitarre erklingen, Kate kommt wieder auferstanden auf die Bühne, ein unbeschreiblicher Jubel bricht los – The Ninth Wave nähert sich dem Höhepunkt – „D’you know what? I love you better now…“ singt Kate, neuer Jubel brandet auf. Unbeschreiblich. Als ich vor knapp zwei Jahren im Dezember eine passende Webadresse gesucht habe, hätte ich im Traum nicht daran gedacht, dass ich diesen Song jemals live hören werden, geschweige denn in dieser Form der Darbietung. Die Adresse morningfog.de war die richtige Entscheidung. Und was mich besonders freut: Vor wenigen Tagen hatte der Blog den 200 000. Besucher – in weniger als zwei Jahren. Danke.
Okt. 17 2014
Das Song-ABC: The Sensual World
Wenn es einen Song von Kate Bush gibt, der durch seinen Titel ihre Lied-Welt in einer prägnanten Formel zusammenfasst, dann ist das „The sensual world“. Denn darum geht es in den meisten Liedern von Kate Bush: das Erleben einer sinnlichen Welt, die Kommunikation mit der Natur, Liebe und Sexualität und Zuneigung und Kampf als Einheit.(© Achim/aHAJ)
[2] Peter Paphides: The sensual world; Mojo 10/2014, S. 71
Okt. 17 2014
25 Jahre TSW: Das schönste Lied über das Loslassen
Den Song The Fog von The Sensual World habe ich damals mit meiner großen Liebe zusammen gehört,
bevor wir uns für wenigstens ein Jahr trennen mussten. „If I let you go, you slip into the fog…“ Wir waren todtraurig
und zweifelnd, ob es „uns“ danach überhaupt noch geben würde. Vielleicht hat sich dann jeder schon zu sehr verändert? Wenn die Liebe groß genug ist, wird alles gut gehen. Also tauchte ich kurze Zeit später in den dichten Nebel ein, der Northumberlands herbstliche Küste einhüllte und fühlte mich schrecklich einsam. „The Fog“ ist für mich das wärmste Lied auf TSW und das schönste Lied über das Loslassen. Wenn Nigel Kennedy einsetzt, fühlt man sich auf mystische Art in den Nebel hineingetragen. Man schwebt ins Ungewisse und fühlt sich
dabei gleichzeitig leicht (voller Hoffnung) und schwer (voller Traurigkeit). Ein großartiges Werk. (Angelika)
Okt. 17 2014
25 Jahre TSW: Stepping out of the page…
Im Oktober 1989 stand ich mit weichen Knien vor dem Schaufenster meines Lieblings-Plattenladens. Mit großen Augen starrte ich sprachlos auf das Cover des neuen Kate Bush Albums. So lange, seit 1985 und seit „Hounds of Love“ nämlich, hatte ich auf ein weiteres Werk meiner Lieblingskünstlerin gewartet. Von einer bevorstehenden Neuveröffentlichung hatte ich nichts gewusst – die Überraschung und das Herzklopfen kann man sich daher vielleicht vorstellen…
Kate, die mit ebenso großen Augen zurückstarrte, hielt mir eine weit geöffnete Rosenblüte entgegen, wie eine Fee, die über einen geheimen Garten wacht und von Dingen weiß, von denen kein Sterblicher auch nur zu träumen wagt. Der Titel, „The Sensual World“, erschien mir wie eine einzige Verheißung, wie eine Aufforderung dazu, einzutreten in jenen verlockenden Feengarten, in diese noch unbekannte sinnliche Welt. Nun, fürs Erste betrat ich erst einmal den Plattenladen, und zwar mit einem überaus mulmigen Gefühl im Magen. Es war beinahe Angst, die ich empfand, was meine Vorfreude und Überraschung auf eher unangenehme Weise dämpfte. Das seltsam widersprüchliche Gefühl entsprang der Befürchtung, Kate Bushs neuestes Werk könne sich nach ihren früheren Alben als reine Enttäuschung entpuppen. Selbstverständlich kaufte ich trotzdem und jetzt erst recht das neue Album. Ich eilte nach Hause, legte es auf, hörte zu – und war überwältigt. Das, was ich nun erfuhr, was ich empfand, übertraf meine kühnsten Erwartungen.
Als junge Frau Anfang Zwanzig bewegte ich mich damals in einem eher männlich geprägten Umfeld. Ich hörte hauptsächlich harte Rockmusik und Heavy Metal. Meine Weiblichkeit war ein wenig erschlossenes Gebiet. Es gab viele Dinge, die ich daran ablehnte, aber natürlich konnte ich meinem eigenen Geschlecht nicht entkommen. Mit dem, was an diesem Abend zu Hause beim ersten Eintauchen in Kate Bushs sinnliche Welt mit mir geschah, hatte ich nicht gerechnet. Ich hörte zu, ich spürte, nein, gab mich hin, und auf einmal war ich erwacht. Der Dornröschenschlaf, der mich umfangen gehalten hatte, war beendet – nicht durch den Kuss des Prinzen, sondern durch die Lyrik und die Musik einer Künstlerin, der es gelungen ist, das Leben und dessen Sinnlichkeit zu erfassen, herauszuarbeiten, zu beschreiben, zu vertonen – sie auf unbegreifliche Weise greifbar zu machen.
Die Fee auf dem Cover, die mich mit ihrer voll erblühten Rose in ihren geheimen Garten einlud, gab mir etwas, das mir bis dahin gefehlt hatte: den Schlüssel zu meinem Frausein, zu meiner Weiblichkeit. Und zu meiner Verwunderung war dies etwas Wunderschönes! Jenen Schlüssel habe ich seither nicht mehr aus der Hand gegeben. Stattdessen bin ich selbst wie im Titelsong wie aus den Seiten eines Buches hervorgetreten – hinein, oder vielmehr hinaus in die Sinnlichkeit der Welt.
Okt. 15 2014
Wenn Kate am Telefon ist…

Ein ganz kleines bisschen verrückt ist man als Fan ja schon. Wenn mein Handy klingelt, dann ist natürlich nicht irgendein Klingelton zu hören, sondern 15 Sekunden Musik von Kates‘ Song „Aerial“. Meist bin ich von dem Vogelgezwitscher dann so hin und weg, dass ich gar nicht realisiere, dass das Telefon klingelt. Und auch beim ganz normalen Telefon-Anschluss wurde mir vom technisch begabteren Part spaßeshalber die Ansage „Hello, this is Kate Bush. I wanna talk to Mr. …“ als selbst fabrizierter Klingelton aufgesprochen. Sollte es jemals die echte Stimme sein, würde ich vermutlich meinen eigenen Namen vergessen und vor Schreck keinen Ton mehr herausbekommen. Viel einfacher ist natürlich die Variante, sein Handy mit einem Kate-Cover zu schmücken. Die gibt’s im Netz auch für relativ kleines Geld, auch wenn die Umsetzung meist besser aussieht, als sie vermutlich in der Tat ist. Das „There is thunder in our Hearts“-Case zum Beispiel wirkt zwar edel und sieht auf dem Bild nach einem Cover aus Metall aus, ist aber nichts anderes als Plastik mit einem eingelegten und fotokopierten Bild. Die Textzeile stammt aus Kates‘ Song „Running up that Hill“, was den Anbietern des Covers allerdings gar nicht klar ist, zumindest bewerben sie es nicht mit dem Kate-Verweis. Da sieht das Cover mit dem Bild von Kate schon etwas gelungener aus. Fündig werden kann man natürlich bei ebay, wo meist diverse Cover angeboten werden, zum Beispiel mit den bekannten Bildern zu Songs wie Babooska oder Army Dreamers, die es dann auch in Farbe gibt. Die Preise ohne Versandkosten liegen in der Regel so um die 10 Euro.
Okt. 12 2014
Before the dawn in Bildern

„Stimmt, Du hast recht. Es ist wirklich nicht gerade cool, die gleiche Musik zu hören wie die Eltern“, gesteht Kate Betty Smith. Sie ist 25 Jahre alt und gemeinsam mit ihren Brüdern mit der Musik aufgewachsen, die die Eltern immer Zuhause gehört haben. Fleetwood Mac zum Beispiel spielte eine so große Rolle, dass die gesamte Familie gleich drei Mal bei Konzerten der Mac’s war. Aber nicht nur die Mac’s gaben musikalisch im Hause Smith den Ton an. „Ich erinnere mich noch sehr gut, als meine Eltern die CD ‚The Red Shoes‘ von
Kate Bush gekauft haben. Die Songtexte habe ich nicht wirklich verstanden – ich war damals gerade mal vier Jahre alt – aber ich liebte das Album-Cover und den Sound der Musik und muss es mit meiner Familie und dem Gefühl glücklich zu sein verknüpft haben.“ Später war sie dann gefangen von den Geschichten, die Kate in ihren Songs erzählt hat, von den Videos, vom Tanz – einfach von allem. „Ich fühle mich auch deshalb Kate Bush sehr verbunden, weil sie sehr weiblich ist, aber gleichzeitig eine sehr kraftvolle Frau mit einer unglaublichen Vorstellungskraft“, beschreibt Kate Betty ihre Vorliebe für Kate Bush. Und: „Viele Sängerinnen heutzutage verlassen sich auf ihren Körper, um ihre Musik zu verkaufen. Kate Bush nutzt hingegen ihren Verstand und ist gleichsam auch noch schön.“
Dass man mit dieser Vorliebe für Kate die knapp 130 Meilen von Worcestershire („Ja, ich komme aus dem Land der berühmten Worcestershire-Sauce!“) bis nach Hammersmith fährt, wenn Kate Bush nach 35 Jahren Wartezeit dort Konzerte gibt, versteht sich von selbst. Kate Betty war gemeinsam mit ihrer Mutter Anfang September da und wusste nicht so genau, was sie beim Konzert
erwarten würde. Die Antwort hatte ihre Mutter parat, die bereits 1979 mit 17 Jahren bei einem Kate-Konzert war: „Das wird das Beste sein, was du JEMALS sehen wirst.“ Wie Kate Betty das Konzert erlebt hat, beschreibt sie in ihrem Blog. Und wie könnte es anders sein, endet der Bericht natürlich mit den Worten, dass ihre Mutter recht hatte – es war das Beste, was sie jemals gesehen hat. Und dass sie das Konzert nicht losgelassen hat, beweisen ihre Zeichnungen. Kate Betty ist Grundschullehrerin, arbeitet inzwischen aber nur noch Aushilfsweise als Lehrerin, weil sie sie inzwischen ein neues Arbeitsfeld erschlossen hat: die Illustration. Dabei widmet sie sich vorrangig Motiven aus der Natur. Und wenn man auf einem Bauernhof lebt, wo es Schafe, Gänse, Schweine, Hühner und Perlhühner gibt, bieten sich die Motive geradezu an. Kate Betty arbeitet vorzugsweise mit Aquarellfarben, Federhalter und Tinte.
[pullquote align=“left|center|right“ textalign=“left|center|right“ width=“38%“]“Ich bin immer von einer guten Geschichte fasziniert. Und viele der Songs von Kate Bush haben eine sehr überzeugende Story,“[/pullquote]
Bei den Motiven zu „Before the dawn“ hat sie neben den Wasserfarben chinesische Tusche verwendet. Verblüffend ist, dass ihr die eher ungewohnten Motive überhaupt nicht schwer gefallen sind. Wer sonst eher Tiere oder Landschaften malt, könnte sich ja mit Menschen, die versuchen eine Rettungsboje zu erreichen, schwer tun. „Aber so war es nicht“, erzählt sie.
Okt. 08 2014
Little Light Shining
Lange hat es gedauert und mit ein bisschen Glück und vor allem mit Hilfe von Thomas hab ich sie jetzt endlich ergattert: „The KT Fellowship Rescue Kit“, die Box zur Ninth Wave, die das Überleben auch noch nach dem Konzert sichert. Als ich Ende August in London war, hatte ich sie übersehen, zwischendurch war sie ausverkauft und beim vorletzten Gig genau einen Monat später hat Thomas aus Berlin dann für mich zugegriffen und hat sich das letzte Kit an dem Tag gesichert. DANKE. Bei Ebay wird das Teil übrigens auch schon locker für 120 Pfund angeboten! Drinnen stecken wir Postkarten, vier kleine Buttons, und passend zu den Songs der Rettungsring mit der Aufschrift „Get out of the water“ (Hello Earth), sinnigerweise eine kleine Taschenlampe mit dem Schriftzug „Little light shining“ (And dream of sheep) und eine Trillerpfeife mit dem Aufdruck „Wake up“ (Waking the witch). Mal gucken, ob die bessere Hälfte morgen früh beim Weckruf mit der Trillerpfeife automatisch anfängt zu singen, oder sich umdreht und weiter von Schafen träumt…
Okt. 06 2014
„Der tiefe Atem der Imagination“
Wer dabei war, reibt sich immer noch ungläubig Augen und Ohren. Nach 35 Jahren intensivem Fremdeln mit den Bühnenbrettern ist Kate Bush ins Rampenlicht zurückgekehrt. Mit einem Gesamtkunstwerk, das sämtliche Kolleginnen ihres Alters und wesentlich jüngerer Jahrgänge auf die Plätze verweist. Kate Bushs Before The Dawn war eine Offenbarung, wie auch noch in der digitalen Ära Popmusik aus dem Theater befruchtet werden kann.
An diesem Ort zu stehen, ist fast unwirklich. Vor wenigen Tagen sind hier Björk, Dave Gilmour und Elton John durchgelaufen, um im Publikum Platz zu nehmen. Richtig: im Publikum. Ein Grüppchen lagert schon jetzt, um 16 Uhr mit angespannten, teils aber auch schicksalsergebenen Gesichtszügen am Eingang des klobigen Art Déco-Baus, der sich da fast an die Brücke einer Stadtautobahn schmiegt. Es sind Holländer, Amerikaner, Franzosen, Deutsche, die die Hoffnung noch nicht haben sterben lassen. Sie werden in wenigen Minuten Nummern ziehen und auf ein Wunder warten. An anderen Tagen sollen es gar Koreaner und Australier gewesen sein, die auf Risiko, ohne Ticket um die halbe Welt geflogen sind.
Feinschlägiger Tremor
Auch ich kann es erst glauben, als ich meine Karte am Box Office des Eventim Apollo gegen die E-Mail-Bestätigung in Empfang genommen habe. Ich gebe zu, mit feinschlägigem Tremor. Oh, das Drama, das dem vorausging. Nämlich „auf dem zweiten Bildungsweg“, ohne vor den Schwarzmarktheinis in die Knie zu gehen doch noch am unwahrscheinlichsten Live-Ereignis der letzten Jahre teilzuhaben, das binnen 10 Minuten ausverkauft war. Einzelheiten spare ich an dieser Stelle aus. Denn hier soll’s ja schließlich um Musik gehen. Kurzum: Hätte mir 1985 jemand gesagt, dass ich 29 Jahre später eine Show von Kate Bush (die Ikone meiner Jugend) erleben würde, und das drei Tage nach einem Liveonzert von ELO (den Helden meiner Kindheit), ich hätte ihm den Vogel oder Schlimmeres gezeigt.
Kate Bush-Fans sind „weird“. Diese Meinung gehört spätestens seit ihrem Album The Dreaming zum guten Ton. Wie normal sie tatsächlich sind, kann ich begutachten, als ich drei Stunden später ans Eventim Apollo zurückkehre, jener Ort, in dem Bush im Mai 1979 ihre letzte und einzige Tour beendete, und der damals noch einen Tick glamouröser „Hammersmith Odeon“ hieß. Viele Forty- und Fiftysomethings mit gepflegten Bärten, Damen im besten Alter in Blumenkleidern. Allenfalls ein Hauch von Hippie-Atmo, ein einsamer Sonderling mit Zwergenzipfelmütze und Rock. Dass viele dieser Menschen beim letzten Auftritt Bushs gerade mal Teenies oder Kinder waren, ist unheimlich.
Drinnen auch alles auf geheimnisvoll getrimmt: In tiefem Ultramarin ruht die Bühne mit beachtlichem Bandaufbau. Davor wuseln mit einer Spannung, die zum Greifen nahe ist, 4000 Leute im plüschigen Kronleuchtersaal zu ihren Sitzen. Kameras fahren auf und ab, heute wird gefilmt. Wie sagenhaft mein in letzter Sekunde ergatterter Platz ist, kann ich kaum fassen. Oben auf dem Rang, absolut mittig, Panoramablick. Der Soundtrack des Vorgeplänkels ist zu filigran, um ihn wirklich zu hören: Eberhard Weber, Bushs einstiger Leib- und Magenbassist zupft vergebens aus der Konserve. Dann endlich die Ansage: „The KT Fellowship presents…“ – Kate Bush tritt bescheiden hinter ihren Kollegen zurück, reiht sich in der Ankündigung als prima inter pares ein. Nochmals wird darum gebeten, man möge die Handys auslassen, sonst könne sie nicht mit uns direkt in Kontakt treten. Grandios. Wäre ich König von Deutschland, würde ich in sämtlichen Konzerten sofort ein Smartphoneverbot erlassen.
Der Mythos kehrt als Mutter zurück
Unbeschreiblich ist dieser Jubel, stehend selbstverständlich. Da kommt, tatsächlich im Gänsemarsch mit ihren 12 Mitstreitern, fast schon in einer Art Ringelrein, die Frau auf die Bühne, die wohl die Allerwenigsten hier im Saal schon einmal gesehen haben. Auf die sie 35 Jahre gewartet haben, während sie Mutter und Mythos war. Sie trägt einen langen schwarzen Fransenmantel und ist einfach nur imposant, lächelt geradezu souverän ins Auditorium, fast ein wenig mit dem Ausdruck: „Seht ihr, ich hab’s euch doch gesagt, ihr müsst nur ein bisschen warten.“ Sie ist natürlich längst nicht mehr die ätherische „Cathy“ mit den weit aufgerissenen, präraffaelitischen Belladonna-Augen, auch wenn „Wuthering Heights“-Nostalgiker das nicht wahr haben wollen. Sondern eine stattliche 56-jährige, statt mit grazilen Pirouetten kreist sie mit ihrer endlosen Mähne jetzt im erdigen Barfußtanz.
Eine halbe Stunde lang gibt es Hits und Auszüge aus den Alben Aerial und The Red Shoes. Und in all diesen Stücken, die man ja seit teils Jahrzehnten nur aus der etwas sterilen Studioproduktion kennt, wohnt plötzlich ein ganz und gar organischer Groove. Aus dem ewigen Käfig befreit, bekommen sie Fleisch und Blut, sogar rockende Muskulatur. Die Entscheidung, mit zwei Schlagwerkern aufzuwarten, war goldrichtig, und dann auch gleich noch mit Omar Hakim und Mino Cinelu. Am Bass nicht etwa der langjährige Lebensgefährte Del Palmer, sondern John Giblin, an der Gitarre nicht der jetzige Freund Danny McIntosh, sondern David Rhodes, der ganz wie in den Peter Gabriel-Shows heulende, sägende Gitarrentöne zu Walls of Sound schichtet. Dass Kate Bush neuerdings Privates und Professionelles trennt, stimmt trotzdem nicht: Im fünfköpfigen, leicht unterbeschäftigten Chor, der von drei schwarzen Sängern angeführt wird, singt kräftig ihr 16-jähriger Sohn Bertie mit, ihre Kunst ist weiterhin von familiären Kräften getrieben. Bertie soll angeblich gar der Mutmacher gewesen sein, soll sie wieder auf die Bühne gebracht haben.
Impulsiv, voluminös, treffsicher, soulig
Seiner Mutter kann er freilich hier das Wasser nicht reichen: Man musste ein wenig Angst haben nach dem schwachen Album 50 Words For Snow von 2011, auf dem Kate Bushs Stimme fast lustlos, unmotiviert klang, unter dicken Schneeschichten verschwand. Wo sie diese Power jetzt her nimmt, ist ein Rätsel: Impulsiv, voluminös, treffsicher sind ihre Stimmeneskapaden, die Sirenenqualitäten sind auch wieder da, und dabei wirkt sie entspannt, kommunikativ und souverän – die gewaltige Pause von dreieinhalb Dekaden scheint sie vergessen zu haben. Die Songs: „Lily“ kommt als knackiger Einstieg, beschwört den Schutz der Engel, und direkt danach „Hounds Of Love“ befreit von den Staccato-Celli, Rhodes übernimmt deren Rolle und macht den Hit kantiger. „Top Of The City“ hat im Refrain fast Gospelcharakter: Kate’s got soul! Und „Running Up That Hill“ verströmt tribale Wucht, doch entgegen dem Original rückt die Bühnenversion vom martialischen Grundcharakter ab und wandelt sich zu einem federnden Galopp. Das Bühnenbild bleibt in diesem ersten Akt unspektakulär, wird gekrönt von Karos, die wie große Goldpaletten glitzern. Doch es bahnt sich was an: In „King Of The Mountain“ regieren heulende Winde und sägende Gitarren, das verschrobene Elvis-Tribut gerät zum Rockmonster mit gewaltiger Sogwirkung. Es endet mit einem Knall: Ein gewaltiger Donner erfüllt das Auditorium, aus Kanonen wird Konfetti mit Poesie des viktorianischen Dichters Lord Alfred Tennyson geschossen. Das Apollo erzittert in seinen Grundfesten. Und dann hat Mino Cinelu seine tollen zwei Minuten: Er schwingt ein Schwirrholz, so bedrohlich ausladend, dass man unweigerlich in Deckung geht. Später wird man darüber diskutieren, ob das vielleicht einen Hurricane symbolisieren soll, gesehen aus dem All. Jener Sturm, der den Schiffbruch von The Ninth Wave auslöst. Die Bühne taucht ins Dunkel und die 4000 erschütterten Besucher ins nächtliche Meer ab.
Okt. 06 2014
Das Foto des Monats: Oktober
And this line, is your path
„Während der Ferien habe ich fast nur Musik von Kate gehört. Vielleicht, weil ich nicht zu den Konzerten nach London konnte und es so ausgleichen wollte. Das Ergebnis ist, dass viele der Fotos, die ich in der Zeit gemacht habe, indirekt von Kate beeinflusst wurden“, schreibt Xavier zu seinem neuen Bild „And this line, is your path“ – der bekannten Textzeile aus dem Song „The Red Shoes“. Das Foto ist im Sommer nach einem kurzen, aber intensivem Sturm entstanden – „in dem magischen Moment, wenn das Licht sich zerstreut und es vergänglich erscheint“, wie Xavier das beschreibt. Aufgenommen hat Xavier das Bild mit dem Mobiltelefon, weil er seine Kamera gerade nicht zur Hand hatte. Deswegen ist er auch mit der technischen Qualität nicht wirklich zufrieden, aber: „Ich glaube, dass es die Atmosphäre und das Gefühl dieses Momentes trotzdem perfekt einfängt.“
Das Leben als eine Straße zu verstehen, ist für Xavier eigentlich eine abgedroschene Idee, „aber es ist sicherlich sehr anschaulich und funktioniert gut als visuelle Metapher“, sagt Xavier weiter. Entsprechend der Metapher verläuft das Leben nicht gradlinig, „es gibt Unterbrechungen, Schwierigkeiten, aber wir können nie aufhören voranzuschreiten, zu einem Ziel, von dem wir nicht wissen, was es uns bringen wird“. In einem Satz: Jede Sekunde des Lebens verrinnt und man sollte jede Stufe, die wir nehmen, genießen“, sagt Xavier. Und dass er mit diesen Gedanken dann bei den Zeilen von „The Red Shoes“ gelandet ist, mag an der Dauer-Kate-Beschallung in den Ferien liegen. Oder auch nicht. Denn nicht nur für Xavier passte der Chorus perfekt zu den Gedanken und dem Bild, was er dazu im Kopf und dann auch in der Kamera hatte.
„And this curve, is your smile. And this cross, is your heart. And this line, is your path…
It’s gonna be the way you always thought it would be, but it’s gonna be no illusion.
It’s gonna be the way you always dreamt about it, but it’s gonna be really happening to ya…“
„Das ist doch perfektfindest Du nicht?“, merkt Xavier nur noch an. Perfekt.
Wer den Beitrag über Xavier Recasens verpasst hat, findet den Text hier.
Okt. 05 2014
Ein Foto zum Abschied
Okt. 04 2014
Die Uhr läuft
Die Uhr läuft. Die englische Zeitung The Mirror hat sich einen besonderen Gag einfallen lassen. Mit Verweis auf den Tweet von Soft Cell-Sänger Marc Almond, dass Kate beim Abschlusskonzert künftige Auftritte nicht ausgeschlossen hat, es aber einige Zeit dauern werde, bis sie wieder auf einer Bühne stehe, hat der Mirror nun statt einem Countdown einen Zähler installiert, der die Zeit seit dem letzten Konzert misst. Versehen mit der netten Bemerkung, dass man die entsprechende Seite bis zum Jahr 2049 nicht mehr aktualisieren müsse, wenn es wieder 35 Jahre bis zum nächsten Auftritt dauert. Versprochen: Spätestens 2044 werde ich kontrollieren, ob es die Seite dann wirklich noch gibt.
Okt. 04 2014
„An put some Ding Dongs in…“
Weil es vielleicht noch nicht alle auf Facebook mitbekommen haben: Kate hat vollkommen unerwartet ihr Tour-Tagebuch im englischen Forum veröffentlicht. Womit jetzt auch klar wäre, dass die Set-List von Bertie stammt, ebenso wie die Anregung, Prologue umzuschreiben. Leider äußert sie sich(noch) nicht zu ihren Plänen für die Zukunft.
[warning]Kate’s Tour Diary 2014[/warning]
© IanT21’s aus dem englischen Forum






















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