Versteckte Botschaften

This Woman´s WorkZezezozee Zadfrack Glutz? In den Zeiten als neue Alben noch auf Vinyl erschienen sind, wurden die Bestellnummern der Platten noch mit ins Vinyl gepresst. Da, wo die Musik auslief, war genügend Raum. Und den nutzte Kate früher zusätzlich, um Botschaften zu transportieren. So finden sich auf den Erstpressungen zahlreicher Singles und Alben versteckte Messages. So zum Beispiel „Remember the whales“ auf Wuthering Heights, während der Dank an Emily Brontë („Thank you Emily“) sich auf der Single Wow wiederfindet. Passender ist es da schon bei Breathing: „We all share the same air“ heißt es da. Oder bei Army Dreamers: „Life ist to love“. Beim Album Lionheart findet sich der Wunsch „Hope you like it“. Kate nutzte die Botschaften aber auch, um sich bei Kollegen zu bedanken. Auf der Single The Dreaming findet sich die Botschaft „For Rolf“ (Harris), der das Didgeridoo gespielt hat und auf der Single Sat in your lap gibt es auf der B-Seite den Dank an Donovan, von dem sie Lord of the reedy river gecovert hatte. Manchmal sind die Botschaften aber auch simpler und es genügt ein einfaches „Woof!“ wie auf Hounds of love. Die bekannteste Botschaft stammt von der Single This Woman’s Work. Dort findet sich der Spruch „Up yours ugly“, ein Zitat aus der Fernsehserie „The young ones“. Ein amerikanischer Freund von mir hat das – höflich wie er ist – so übersetzt: „Schieb’s Dir da hin, wo die Sonne nicht scheint.“ Man könnte es auch simpler mit dem Götz von Berlichingen-Zitat übersetzen. Die Idee mit den Botschaften haben in einigen Fällen auch Leute aufgegriffen, die Bootlegs mit Songs von Kate produziert haben. Auf Teil IV der Cathy Demos findet sich die eher makabere Botschaft „Zezezozee Zadfrack Glutz“ – das war (leicht abgewandelt) der von Charles Manson ausgewählte Name für den Sohn von Susan Atkins, die der „Manson Family“ angehörte. (Alle Fotos von Heinz Westemeyer (hephaistos) – besten Dank!)

Crème-bouffant

Kate Bush - Snowflake

Foto: Ingo Latotzki

Spätestens dann, wenn draußen alles weiß ist, der Geräuschpegel eher gedämpft erscheint, wird es Zeit, Kates Album „50 Words For Snow“ hervor zu kramen und darüber zu sinnieren, ob man es eher mit hooded-wept zu tun hat, der Schnee vielleicht doch mehr nach whippoccino oder sorbetdeluge ausschaut, sich wie crème-bouffant anfühlt, oder gar die Gefahr des ankle-beakers droht. Oder man genießt einfach die Ruhe, hört den passenden Song „Snowflake“, sieht die Flocke, geboren in einer Wolke, sieht sie fallen, versucht, nach ihr zu greifen …The world is so loud. Keep falling. I’ll find you.

Rituale

Beim alljährlichen Ritual des Magazins Musikexpress – die Leserwahl zu den beliebtesten 100 Alben des Jahres – ist Kate mit 50 Words For Snow auf Platz 36 gelandet. Damit hat sie immerhin Künstler wie Madonna (Platz 95), Paul Weller (64), Alicia Keys (61) und die Pet Shop Boys (59) hinter sich gelassen – zumal mit einem Album, das gar nicht in 2012 erschienen ist. Beliebtestes Album 2012 wurde „Coexist“ von der Band „The xx“. Vielleicht auch deshalb, weil ein Intro ihres Albums beim Auflaufen der Mannschaften während der Fußball-WM benutzt wurde.

Geographer mit Cloudbusting-Cover auf Tour

US-Band Geographer

Mit neuem Album und dem Cover „Cloudbusting“ auf Tour: Die US-Band „Geographer“. Foto: Victoria Smith

Vom 12. Januar bis zum 1. Februar ist die amerikanische Band Geographer zwischen Portland und Los Angeles auf Tournee. Mit im Gepäck: das Kate Bush-Cover Cloudbusting. Geographer ist eine Indie Rock-Band aus San Francisco, die 2008 gegründet wurde. Sie besteht aus Michael Deni (vocals, guitars, synthesizers), Nathan Blaz (cello, synthesizers) und Brian Ostreicher (drums, vocals). Musikalisch erinnern sie an Radiohead. Zwei Alben haben Geographer bisher veröffentlicht: „Innocent Ghosts“ (2008) und „Myth“ (2012).

Geographer – Cloudbusting (Kate Bush Cover) by geographermusic

„…so sehr vermisst“

Aus Anlass des Comebacks von David Bowie sinniert die englische Zeitschrift “The Scotsman” heute über die „greatest comebacks in music“ – und natürlich auch die unnötigsten. Bush, so schreibt „The Scotsman“, trat mit „Aerial“ zurück ins Scheinwerferlicht – „einem Album, dessen faszinierende Qualitäten als Erinnerung daran dienten, warum man sie so sehr vermisst hat“. Im schnelllebigen Musikgeschäft ist es da schon schön zu beobachten, dass „Aerial“ offenbar so viel Eindruck hinterlassen hat, dass nach den sechs Jahren Pause bis „50 Words for snow“ nicht erneut von einem Comeback die Rede war. Zu den schlechtesten Comebacks zählt die Zeitung übrigens das Album „Chinese Democracy“ von Guns N’Roses.

 

Comic II: „Ein endloser Quell der Inspiration“

Wild Man Comic / Yirry Yanya

They call you an animal…

Wild Man Comic / Yirry Yanya

Wundervolle Comics über Kate gibt es auch von thestoryteller1618, der unter anderem Kates Single „Wild Man“  aus dem Album „50 words for snow“ auf 20 Seiten bebildert hat – passend zu den Songlyrics. Hinter thestoryteller1618 verbirgt sich Yirry Yanya. Sein Comic funktioniert wie ein Video, das man zum Song schauen kann. Spannend ist das besonders im Vergleich zum animierten Original-Clip. Wo Kate auf verwaschene Schwarz/Weiß-Töne setzt, arbeitet Yirry mit grellen Farben, die aber nie überzeichnet sind. Das ist so perfekt, das man sich wünschen würde, Yirry dürfte mal ein Originalvideo für Kate entwickeln. Dass er das könnte, beweist Yirry auch auf seinem Youtubekanal, wo er neben seinen bekannten Teasern zu Kate-Alben gleich auch komplette Videos für Kate-Songs präsentiert (die aber leider in Deutschland geblockt werden). Dabei war der Start ganz simpel: Yirry hat beim täglichen Besuch auf der katebushnews-Webseite eines Tages die Ankündigung für das im Mai 2011 erschienene Album Director’s Cut gesehen. „Bis zu dem Moment war ich im Internet nicht wirklich aktiv, aber ich hatte mir gerade das Programm Creative Suite gekauft und hab die Gelegenheit genutzt, es zu testen“, erzählt Yirry. Das erste Ergebnis sieht man hier: http://youtu.be/y6Wp8ETLHkY . Eigentlich sollte es bei dem einen Teaser bleiben. Es kam anders, denn von dem Song Lily war plötzlich einen Monat vor Veröffentlichung des Albums ein Soundschnipsel auf dem Markt, den Yirry auf Umwegen ergattern konnte, und so folgte der nächste Teaser mit aktueller Musik vom Album: http://youtu.be/acyNVo8vtSw.

Wild Man Comic Cover / Yirry Yanya

Das Cover des Comics „Wild Man“ von Yirry Yanya.

Es folgten weitere Clips und sein erstes komplettes Video zu This Woman’s Work. „Der kreative Prozess bei der Arbeit am Video für TWW war ungeplant und unstrukturiert, aber sehr auf das Ergebnis fokussiert“, betont Yirry. Für jedes Segment des Videos hat Yirry’s Computer mehr als eine Stunde benötigt. Über Facebook hat Yirry andere Kate-Fans kennengelernt: Video-Künstler, Schriftsteller, Künstler, Träumer, Denker und Leute, die an News von Kate heran kommen,

inzwischen eine feste Gruppe, die sich „FishPeople“ nennt – nach Kate’s Plattenlabel. Yirry fing mit einem Video für den Song Lily an, hat ein Storyboard gezeichnet und sich online über Animationen, Fotografie, Farben, Gestaltung und Symbole schlau gemacht – mit verblüffenden Ergebnissen, die man auf seinem Youtube-Kanal bestaunen kann. Allein an dem Video für Lily hat er drei Monate gearbeitet.

Fan von Kate ist Yirry seit gefühlten Ewigkeiten. Ende der 1970er Jahre hat er – Yirry lebt in den Niederlanden – die „de Efteling“-Show im Fernsehen gesehen. Nach der 1989er Platte „The Sensual World“ wurde er Mitglied im Kate Bush-Fanclub KBC und im niederländischen Fanclub. „Kates Arbeit repräsentiert für mich etwas flüchtiges und immaterielles, aber dennoch sehr kraftvolles. Ihre Arbeit zu entdecken ist etwas sehr persönliches. Sie hat mit ihrem Geist eine eigene Galaxie geschaffen, die unvergleichlich ist und den sie wie ein makelloser Spiegel dieser Welt vorhält. Es gibt so viele Aspekte ihrer Arbeit und die Art, wie sie sie umsetzt, die ich bewundere“, erklärt Yirry.

Als ziemlich schnell bekannt wurde, dass nach „Director’s Cut“ mit „50 words for snow“ ein weiteres Album von Kate erscheinen würde, war Yirry teilweise entsetzt, wie er gesteht: „Ich erinnere mich, dass ein Teil von mir sagte ‚jetzt noch nicht, ich bin doch mit Director’s Cut noch gar nicht fertig‘“. Das wurde er dann auch nicht mehr, weil seine Videos mit kompletten Kate-Songs auf Youtube zunehmend gesperrt wurden – auch ein neuer Teaser für „Snowflake“, den er am Erscheinungstag des neuen Album eingestellt hatte. So entstand aus der Not heraus die Idee für den Comic zu „Wild Man“. Das, was als Sieben-Tage-Projekt geplant war, dauerte deutlich länger. Yirry fing an Bilder der Landschaften des Himalayas zu sammeln, um möglichst originalgetreu zeichnen zu können. „Ich glaube, dass in Kate’s Musik eine fremde Magie steckt, auch in ihrer Stimme. Und das vor allem seit ihrem Album Aerial, was eine besonders emotionale Wirkung auf mich hatte. Ich habe beim Zeichnen immer und immer wieder ‚Wild Man‘ gespielt und einfach nur von Landschaften geträumt.“ Derzeit arbeitet Yirry an einem neuen Projekt: einem animierten Comic zu dem Song „Misty“. „Kate Bush verkörpert Kreativität für mich. Ich versuche nicht unbedingt ein ‚Kate Bush-Ding‘ zu machen – das kann nur sie, aber durch ihre Arbeit entdecke ich eine endlose Quelle der Inspiration und des Antriebs.“

Den Comic zum freien Download gibt es hier: http://thestoryteller1618.com/comicwildman/

Misty by Yirry Yanya

Eine Szene aus den animierten Comic zu Misty – der noch nicht ganz fertiggestellt ist.
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Yirry Yanya.

Die Alben von Kate

Neu eingestellt ist eine Seite zu den Alben von Kate. Sie ist zwar noch unvollständig, aber zumindest zu Aerial, The Red Shoes und The Sensual World gibt es sehr ausführliche Analysen. Zurückgreifen durfte ich dabei dankenswerter Weise auf die Texte, die Achim aus Hannover (aHAJ) im Morning Fog-Forum erstellt hat. Ich hoffe, dass die Seite mit und mit ergänzt werden kann.

Comic I: Kate Bush als Jessica Fletcher

 

Der Comic "Kate Bush Investigates. (Bild mit freundlicher Genehmigung von Anna-Christine)

Der Comic „Kate Bush Investigates“. (Bild mit freundlicher Genehmigung von Anna-Christine.)

Dass Kate Bush nicht längst massenhaft die Comic-Szene erobert hat, verwundert eigentlich. Wer sich so konsequent dem Medienhype entzieht, sein Familienleben abschottet, von den Medien sowieso gerne als leicht versponnen dargestellt wird, sich in der Musik mit den noch so abstrusesten Themen auseinandergesetzt hat, könnte doch perfekt den Star in einer Comic-Reihe geben. Bei der amerikanischen Comic-Zeichnerin Anna Christine tut sie genau das. „Kate Bush Investigates“ heißt einer ihrer Comic-Strips, und wir lernen, was Kate mit der Figur Jessica Fletcher aus „Murder she wrote“ gemeinsam hat und warum Kate keine Mobiltelefone nutzt. In einem weiteren Comic-Strip muss Kate dem vollkommen verzweifelten Peter Gabriel zur Seite stehen. Dass Anne Christine Kate verehrt, merkt man auch zwei weiteren Comics an. Zu bewundern sind die Comics unter www.annachristine.info. Dort erfährt man auch, dass die Comic-Zeichnerin bereits Karikaturen für Zeitungen wie The Chicago Review oder The Chicago Weekly abgeliefert und zwei Jahre in  Frankreich gelebt hat. Seit 2010 gibt sie Comic-Workshops in New York.

James und die goldene Waffe

james and the gold gunDass von Kate zahlreiche Bootlegs im Umlauf sind, ist nicht so neu. Fand man früher meist nur LPs mit ihren Home Demos, gibt es zunehmend auch LPs von Mitschnitten ihrer einzigen Tour 1979. Kate selbst hat nicht das komplette Konzert veröffentlicht. LPs wie „The Tour Of Life“ (25 Euro bei Ebay) versprechen den kompletten Gig vom 10. April 1979 in Manchester. Mit dabei sind Songs, die auf der offiziellen CD fehlen: Saxophone Song, The Kick Inside oder auch The Man with the Child in his eyes – um nur einige zu nennen. Ergänzt wird das alles durch Vocal warm-ups und Kates Verabschiedung. Als Bonus gibt es drei Songs von ihrem TV-Auftritt 1978 in Japan, wo Kate unter anderem auch Let it be von den Beatles anstimmte. Deutlich kurioser sind andere Bootlegs, die derzeit bei Ebay gehandelt werden. So zum Beispiel die LP mit dem merkwürdigen Titel „Under the ivy Bush“ (50 Euro), angeblich von 1988, wo schon die Trackzusammenstellung merkwürdig anmutet: von Running up that hill über Big Sky geht’s zeitlich rückwärts zu Violin und Hammer Horror. Bleibt zu hoffen, dass die Songtitel „Man with a child“ und „James and the gold gun“ nur Tippfehler des Verkäufers sind. Dafür spricht zumindest auch sein zweites Angebot: Die Doppel-LP „Passing through air“ für schlappe 75 Euro, auf der sich Raritäten wie Dreamtime an Hits wie Hounds of Love reihen. Ach ja, und der Song „Cloudbursting“ findet sich gleich zwei Mal auf der Scheibe – vielleicht hätte man stattdessen einfach nur eine Version von Cloudbusting nachpressen sollen.

Happy New Year!

Ich wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr und uns viele postive Nachrichten von Kate

Ich wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr und uns viele postive Nachrichten von Kate

Die Queen ehrt Kate Bush

cbeWie mehrere englische Tageszeitungen übereinstimmend berichten, hat die Queen jetzt Kate mit einem Verdienstorden, dem Order of the Britisch Empire, geehrt. Kate wurde für ihre Verdienste um die Musik zum Commander (CBE) ernannt, das ist die Vorstufe zum Ritterschlag. In der CBE-Liste tummeln sich bereits Persönlichkeiten wie Dame Edna, Richard Burton, Eric Clapton, Brian May, Sting, Rod Stewart oder David Gilmour. Die Auszeichnung soll im Laufe des Jahres 2013 überreicht werden. Was mag wohl der Lieblingssong der Queen von Kate sein?

Update: Im englischen Forum hat sich Del Palmer zur Ehrung geäußert.Er schreibt:

This is so richly deserved and, I may say, long long overdue!!…Having watched and been involved in her music for so long I’ve seen how she’s had to fight the “establishment”, especially in the early days, to gain credibility and acceptance as not only a writer but as a producer… Those early days it was so hard for a woman to be taken seriously on so many levels and Kate has blazed a path for all those who follow… I am so proud of her!!….

Rückblick: Die beste Pizza in 2012

laketahoeAnfang Mai war es, als ich ein kleines Päckchen bekommen hab – einen Pizza-Karton. Zugeschickt von Andreas aus Braunschweig, den ich eigentlich gar nicht richtig kenne. Andreas ist Kate Bush-Fan, wir chatten ab und an miteinander. Und weil er es mit irgendwelchen Foren nicht wirklich so hat, lässt er sich gerne immer brühwarm von mir erzählen, ob es Neuigkeiten aus dem Kate Bush-Universum gibt. Die gab es im April. Zum Record Store Day erscheint eine Picture-Vinyl mit den Songs Lake Tahoe/Among Angels. 2000 Stück werden weltweit produziert, immerhin noch 200 LPs landen in Deutschland. Die Chancen, eine dieser wunderschönen Platten zu ergattern, tendieren also gen Null. Die Dinger gehen weg wie warme Semmeln, weil auch jeder Nicht-Fan weiß, dass man die anschließend zu horrenden Preisen verhökern kann. Ich war in Aachen in zwei Plattenläden. Der erste hatte gleich gar nicht erst aufgemacht, der zweite Laden hatte Lake Tahoe nicht geliefert bekommen. Meine Cousine hat es in Dortmund für mich probiert – keine Chance, ein Freund in Bonn – keine Chance, ein anderer in Bochum – keine Chance. Einer guten Freundin in Wuppertal (sie ist Polizistin) hab ich mit auf den Weg gegeben: „Fahr mit dem Dienstwagen vor und schnapp dir die Platte notfalls mit Gewalt“ – sie musste passen, weil sie zu dem Zeitpunkt auf einer Schulung in der Pampas war. Und ich hab Andreas gefragt, der Typ aus Braunschweig, den ich eigentlich kaum kenne, der selbst großer Kate Bush-Fan ist, an dem Tag extra für mich in den Plattenladen gerannt ist, zugegriffen und das Geld vorgestreckt hat und sie mir im Pizza-Karton zugeschickt hat. Die beste Pizza aller Zeiten! Danke noch mal!

Was sagt eigentlich die Uhr?

snowflakeKann ja sein, dass Kate Bush auf ihrer neuen Platte vom Sex mit einem Schneemann singt – das bei weitem erotischste Stück auf „50 Words For Snow” ist trotzdem der Opener „Snowflake“ (die Lyrics finden Sie hier), worin die sinnliche Begegnung mit einer lang erwarten Schneeflocke geschildert wird. Im Refrain, den man in diesem Stück immerhin neun Mal zu hören bekommt, heißt es: „Die Welt ist so laut, falle weiter, ich werde dich finden”. Da wartet ein menschliches Gegenüber voller Sehnsucht auf die Ankunft des eisigen Geliebten. Ja, hier werden alle Register des schnulzigen Liebesfilmes gezogen. Dass die Rolle der Schneeflocke von Kate Bushs Sohn übernommen wird, heißt noch lange nicht, dass es hier um Mutterliebe geht…

Der Schneeflocke auf der anderen Seite geht es ja nicht anders: Sie schildert zu Beginn ihre Geburt in einer Wolke und wie sie sich nun auf den Weg macht. Im Film würde man sagen, jetzt folgt Shot auf Gegenshot, Ich-Kamera der Schneeflocke vs. Ich-Kamera des Erdenbewohners, der mit bangen Augen nach oben in den Himmel blickt. Die Schneeflocke schreitet zur Selbstbeschreibung, auf dass man sie auch erkennen möge: „Ich bin Eis und Staub” – setzt hier etwa jemand zu einer physikalischen Lehrstunde an? Oh nein, es gehört noch mehr dazu – „und Licht und Himmel” (sie kann ja schließlich als Erkennungszeichen keine rote Blume im Knopfloch tragen). Will sagen: Ich bin nicht nur rein stofflich, ich bin auch ein ätherisches Wesen (wie sympathisch: welcher Liebende versucht das seinem Wunschpartner nicht weiszumachen?) Sie sagt: Schau nach oben und du wirst mich sehen; halte dich bereit, mich zu fangen.

Nun wissen wir also, mit wem wir es zu tun haben und wo wir uns befinden, doch was sagt eigentlich die Uhr? Wenig überraschend: es ist Mitternacht am Weihnachtstag. Man darf sich bei dieser ersehnten Ankunft also durchaus noch einen religiösen Subtext dazudenken: Diese Begegnung wird nicht nur für die beiden Beteiligten Folgen haben. Hier wird mehr erwartet als eine rein körperliche Beziehung, aber die eben auch – fallen, das kann sowohl der Engel, der vom Himmel kommt (oder gar der Sohn Gottes), als auch die Frau, die – um einen literarischen Kronzeugen zu bemühen – halb gezogen wird, halb hinsinkt.

Die beiden Sehnenden kommen sich also näher, was im Text dadurch signalisiert wird, dass der Refrain in immer kürzeren Abständen wiederkehrt – ein Ausdruck für steigende Erwartung, „keep falling“, komm schon, komm her, diese Welt ist zu laut, rette mich. Und je näher der Zeitpunkt des Treffens rückt, desto empfindlicher werden die Sinne, man spürt die Präsenz des anderen: „ich höre Menschen, ich glaube du bist nah”. Die Haut ist äußerst sensibel, die Gänsehaut muss schon gar nicht mehr erwähnt werden, weil man sie in diesen Sätzen bereits mitdenken kann. Starke sexuelle Konnotationen erscheinen: „Du mit deinem langen weißen Hals” – dieses Bild der Schneeflocke ruft natürlich Bilder von aristokratischen viktorianischen Damen auf, die sich dehnen, um kurzzeitig einen sehr empfindlichen und stark erotisch aufgeladenen Teil ihres Körpers den Blicken der anderen darzubieten.

Und natürlich auch das eine Analogie zur romantischen Liebe: „Millionen von Schneeflocken über dem Wald”, aber wie wir wissen ist keine wie die andere. Das romantische Liebesideal: Irgendwo da draußen ist mein passender Partner, der Einzige, für mich bestimmt, ich muss ihn nur finden oder von ihm gefunden werden, „I’ll find you, I want you to catch me”. Zum Koitus kommt es in „Snowflake” nicht: Kurz vor dem geplanten Happy End wird die Kamera dezent weggedreht. Vielleicht besser so, später, beim Sex mit dem Schneemann, wird man ja sehen, was nach der Ekstase übrigbleibt: ein pitschnasses Bett.

Tina Manske

Veröffentlicht auf: www.culturmag.de

(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

 

Weihnachtsrätsel im Forum

Wer noch beim Weihnachtsrätsel im Morningfog-Forum teilnehmen möchte, muss sich sputen. Bis zum 27. Dezember können die Lösungen noch eingereicht werden. Nach den Adventskalendern der vergangenen Jahre gibt es zum zweiten Mal ein ziemlich kniffliges Bilderrätsel. Einzelne, in eine Winterlandschaft eingebaute Symbole verweisen dabei auf Songtitel oder Videos. Und damit es nicht zu einfach ist, gibt es für die Kate Bush-Experten auch Hinweise auf Textzeilen aus gesuchten Songs. 23 Songs und ein Video-Titel sind gesucht. Natürlich geht’s beim Spiel rein um die Ehre, aber der/die Gewinner(in) bekommt immerhin die „goldene Babooshka“ verliehen – bis zum nächsten Weihnachtsrätsel. Wer noch mitspielen möchte, kann über die Sidebar einen Blick ins Forum werfen. Lösungen können auch hier an admin(at)morningfog.de geschickt werden. Viel Spaß!

Unter Eis

Die Welt ist weiß und still
(weil alles schlafen will)
Erstarrt in Eis ruht auch der Fluss
Gebannt von Winters tiefem Kuss

Und auch im Wald herrscht tiefe Ruh
Eisläuferin, mit deinem Schlittschuh
Zerschneidest du allein das Schweigen
Werden im Eis sich Risse zeigen?

Ach wo, es wird das Eis schon halten
Wo Winters harsche Kräfte walten
Da kann ich tanzen, Pirouetten dreh’n
Und meine Kufen Eis spucken seh’n

Nur horch, was ist das für ein Laut?
Ein Knacken, Krachen, als wenn es taut?
Ach nein, das Eis, es wird nicht brechen
Väterchen Frost hält sein Versprechen

Doch nun hör ich ein leises Klagen
Das weckt in mir das Unbehagen
Aus eis‘ger Tiefe dies Weinen dringt
Die Stimme, die mich zum Schaudern bringt

Zu gut kenne ich ihren Klang
Weil oft sie in den Schlaf mich sang
Mit einer Melodie aus Schmerz
Ergriff sie heimtückisch mein Herz

Ein Schatten naht nun unter Eis
Eingeschlossen, wo ich ihn sicher weiß
Seinen Ausbruch lass ich nimmer zu
„Hilf mir!“, ruft er, “Denn ich bin du!“

Die Eisschicht aber ist fest und hält
Den Schatten raus aus meiner heilen Welt
Eingeschlossen, wo ich dich sicher weiß
Bleibst Schattenselbst, du unter Eis

Beate Meiswinkel im Dezember 2012
(inspiriert von Under Ice von Kate Bush)