„Visuell und akustisch atemberaubend“

apollo1Von Frank Schmitz
Nun hat mich Kate also das zweite Mal dazu gebracht nach London zu Reisen. Das erste Mal ist jetzt 20 Jahre her und war von der bangen Hoffnung getragen, dass sich Kate bei einer Fan-Convention in London zeigen würde. Sie erschien damals auch für wenige Minuten, sprach zu uns und verschwand wieder, ohne einen Ton zu singen. Trotzdem blieben wir alle vollkommen beglückt zurück. Ich kaufte mir ein Shirt als Andenken, mit dem festen Vorsatz es zu tragen, falls sie Konzerte gibt. Es verschwand in meinem Schrank für lange Zeit (So I bury it and forget).
Vollkommen anders die Situation dieses Mal. Es war klar, dass Kate Bush auftreten würde und Dank ausgiebiger Internet-Recherche hatte ich schon eine gewisse Vorstellung davon, was mich erwachtet. Also grub ich mein Shirt aus (eshatte sich überraschend gut gehalten) und machte mich auf den Weg nach London, getreu dem auf dem Shirt aufgedruckten Motto „It’s really happening to ya“.

Das Eventim Apollo war als Veranstaltungsort absolut super. Wunderbare Atmosphäre und eine schöne Größe.  Man spürte eine positive Anspannung bei den Zuschauern – alle in der Erwartung, dass etwas großartiges passieren würde. Als Kate dann endlich auf die Bühne kam, löste sich die Spannung in Jubel auf. Erleichtert stellte ich fest, dass ihre Stimme auch live großartig ist. Der Sound war erstklassig und auch in den oberen Reihen perfekt. Die Show war bei den ersten Songs wenig spektakulär, was aber auch egal war. Im Nachhinein glaube ich, war das der Pflichtteil  des Konzerts, um den Fans zu mindestens ein paar Hits zu liefern.
Dann explodierte eine Konfetti-Wolke und läutete den Start der eigentlichen Show ein: The Ninth Wave! Leider hat es das Konfetti nicht bis in die oberen Reihen zu mir geschafft. Ein Andenken weniger.
Die Show war visuell und akustisch atemberaubend. Es waren Boxen im ganzen Theater verteilt und erzeugten einen unglaublichen Surround-Klang. Einziger Schwachpunkt war für mich eine nicht enden wollende Theater-Szene zwischen Vater und Sohn. Sie war meiner Meinung nach viel zu lang und zerstörte die aufgebaute Spannung. Ich war erleichtert, als Kate wieder auf der Bühne auftauchte (netter Effekt als sie plötzlich hinter der Tür stand) und es weiter ging.
Nach der Pause folgte A Sky Of Honey. Der Teil hat mir noch besser gefallen als The Ninth Wave. Die visuellen Effekte verstärkten die Musik und verschmolzen zu einem Gesamtkunstwerk. Es gab unglaubliche Aufnahmen von fliegenden Vögeln, wunderbare Farbeffekte und eine anrührend gespielte Marionette. Nahezu perfekt, wenn nicht zwischendurch Bertie gesungen hätte. Ich weiß, dass es ohne Bertie dieses Konzert nicht gegeben hätte und wir ihn alle deshalb auf ewig dankbar sein müssen. Aber seine Leistung fiel gegenüber all den anderen großartigen Künstlern auf der Bühne schon ziemlich stark ab.
Die Zugaben waren magisch, erst Kate alleine am Klavier und dann eine unglaublich kraftvolle Version von Cloudbusting. Als sie dann noch das Publikum aufforderte mitzusingen, hatte die Stimmung ihren absoluten Höhepunkt erreicht, zusammen mit Kate zu feiern. Leider war danach das Konzert zu Ende. Ich hätte noch ewig weitere Live-Versionen ihrer Songs anhören können. Es wurde mir nochmal deutlich, wie groß die Lücke ist, die durch die 35 Jahre Konzertpause entstanden ist. Viele großartige Lieder werden niemals live gespielt werden.
Mein Fazit: Mit dem ersten Kate Bush-Konzert war es wie mit dem ersten Sex: Es war nicht ganz so wie man es sich immer vorgestellt hat, aber es war trotzdem wunderschön und man möchte mehr davon.
Ich werde jedenfalls mein Shirt waschen und in den Schrank legen. Wer weiß, vielleicht kommt es nochmal zum Einsatz. Aber das entscheiden ganz alleine Kate und Bertie.

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