„Euphorisch, zurückhaltend und super dynamisch“

ulfVon Ulf Knolle

Dass der Glaube an Kate Bush-News mich vor langer Zeit veranlasst hat, meine Mail bei den FishPeople zu hinterlassen und das daraus doch tatsächlich der 10. September 2014 folgt…das Leben kann doch auch mal „something good“ sein. Obwohl die 30 Minuten des Ticketkaufes online bei eventim.co.uk schon die Hölle waren. Wegen der Verifizierung der Kreditkarte sind mindestens zwei Mal mein Wunschtermin und Platz von der Reservierung verschwunden. Dank des 2. KB-Fans aus alten Tagen konnte ich wieder durchatmen. Endlich konnte ich auch meine Schulden von 1987 ablösen. Damals zerstörte ich während einer Fotosession seine Hounds of Love-LP, indem ich meine Spiegelreflexkamera auf seine „West“-Platte fallen ließ. Das Vinyl brach, unsere Freundschaft nicht.
September 2014: British Airways streikt nicht, der Bardabunga schweigt. Alle Foren und Seiten werden systematisch nach Neuigkeiten aus London durchsucht. Ich kann einfach nicht anders. …  Und so erfahre ich: David Gilmour war schon da, natürlich am Eröffnungsabend.
10. September, 11 Uhr, London: Begonnen hat unser Trip mit einem Besuch in der Snap Gallery, Piccadilly-Arcade… eine Fotoausstellung zelebriert und verkauft aus gegebenem Anlass Kate Bush auf Hochglanz,  hochpreisig.
Ein paar Schritte weiter das Hard Rock-Café, immerhin ein paar Pink Floyd-Originale, The Wall-Gerald Scarfe-Skizzen zieren die bunten Wände. Lecker Spare Ribs können sie ja. Dann ins Taxi zur Battersea-Power Station, Baustelle wie Potsdamer Platz vor 20 Jahren, 2020 soll alles fertig sein, die Schornsteine bleiben erhalten, das Kraftwerk wird wohl nur noch vom anderen Themseufer aus zu erkennen sein…Taxi zum Hammersmith-Apollo, lockere Schlange für 3000 Gäste, mein self-made-Shirt wird bestaunt. Das Theater hat sich scheinbar seit 1955 nicht verändert. Pünktlich 19.45 Ortszeit beginnt eines der Drei-Stunden-Konzerte, die sicher so unbeschreiblich sind. Ich versuche, einige Highlights zu nennen. Der Saalsound der Band, Kates Stimme und die Surroundeffekte sind alle sehr gut wahrnehmbar. Doch darauf noch von oben der Helikopter, einfach genial. Das Publikum ist sehr euphorisch, aber an den leisen Stellen auch sehr zurückhaltend. Die Band ist akustisch und elektrisch super dynamisch, kommt aber auch sehr harmonisch rüber. Zum Vergleich: David Rhodes sonst bei Peter Gabriel oder auch Jon Carin sonst bei Roger Waters müssen sich dort dem Time Code unterordnen, hier scheint alles gelöst und spielerisch. TOP OF THE CITY und KING OF THE MOUNTAIN kommen viel kräftiger live, als ich sie von Platte kenne. Die ertrinkende Kate, wie sie „live“ aus dem kalten Wasser singt, da bleibt bei mir kein Auge trocken. Die Motorsäge, der Priester – wow. Die Zimmerszene, ja vielleicht etwas lang aber der Übergang zum Song WYWM…welches Superlativ darf ich in diesem Absatz noch verwenden? Unplugged das Ende, wunderschön. Konfetti sammeln ist angesagt, dann erst mal Luft holen. Die Aerial CD2 war schon immer mein Dauerläufer. Das Vogelduett, die ganze Songrhythmik wird von der Band toll umgesetzt. Die Bühnendramatik, die Holzpuppe, mein Gott…und dann geht noch das Piano zu Bruch. Bertie`s Part kann auch nur im Zusammenhang mit der ganzen Show gesehen werden. Es ist doch das schönste, wenn das eigene Kind eine derart wichtige Rolle in der Show einnimmt. Die Aufteilung der Show in Songs/TNW/SOH/Encore ist für mich auch schlüssig, zumal ständig Eindrücke auf einen niederprasseln, da bleibt kaum Zeit zum Verweilen. Deswegen ist Among Angels mein Highlight. Ja und auch diese drei Stunden sind irgendwann zu Ende. Und während manche aufspringen und losrennen, musste ich einfach sitzenbleiben. An dieser Stelle danke ich den anderen Chronisten, ich teile eure Eindrücke.
Endlich geht’s an den Merchandise-Stand. 2 Shirts, 2 Poster, 2 Hefte …das Handgepäck ist ausgereizt.
Vorletzte U-Bahn nach Heathrow, 1. Flug nach Hamburg und mittags zu Hause ins Bett gefallen..
Glücklicherweise wird es einen Film von den Konzerten geben…ich bin jedenfalls immer noch nicht ganz wieder hier…Ich habe vorher so viele Infos gesaugt, so auch jetzt noch hinterher, um alles richtig zu erfassen. Ich weiß gar nicht, wie es wäre, ohne Forum, Spoiler und Twitter. Und was freue ich mich auf die DVD. Ich bin mir sicher, von meinen über 200 besuchten Konzerten und Festivals bisher wird dieser 10. September es schwer haben, aus den ultimativen Top 5 zu fliegen.

1 Kommentar

    • Thomas on 2. Oktober 2014 at 17:23
    • Antworten

    Toller Bericht ! Was die Top-Position betrifft: bei mir auf jeden Fall Nr. 1 der Konzerte mit der größten Nervosität im Vorfeld.

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