Sep 07 2017

Das Song-Abc: Cloudbusting

Dieser Song ist der Hammer. Anders kann ich es nicht sagen. Selten gibt es solch eine makellose Einheit zwischen Text, Musik und zugrundeliegender Geschichte.
Der Song handelt von einer Beziehung zwischen Sohn und Vater, die durch äußere Kräfte bedroht und zerstört wurde. Er basiert auf dem Buch „Book of Dreams“ von Peter Reich, dem Sohn des berühmten und umstrittenen Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Im Lauf seines Lebens driftete Wilhelm Reich immer mehr ins Esoterische ab. Eine seiner Ideen war eine Regenmaschine, der „Cloudbuster“, zu der Vater und Sohn zusammen gingen, um Regen zu machen. Wegen seiner immer obskureren Experimente mit sogenannten „Orgon-Akkumulatoren“ – Orgon ist eine von ihm postulierte spezifische biologische Energie – geriet Wilhelm Reich ins Zwielicht. Ein verfügtes gerichtliches Verbot der Verwendung dieser Geräte sowie die Verfügung, diese sowie alle seine Bücher zu vernichten, wurde von Reich nicht akzeptiert. Nachdem ein Mitarbeiter Reichs gegen das gerichtliche Verbot verstieß, Orgon-Akkumulatoren über Grenzen der US-Bundesstaaten zu transportieren, wurde Reich 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Gerichts“ verurteilt. Reich starb während der Haft im November 1957. [1]
Ein Vater wird verhaftet und stirbt, das Kind bleibt allein zurück. „Cloudbusting“ ist ein Rückblick, eine Erinnerung, ein Traum, ein Wunschtraum. Immer wenn es regnet ist diese Erinnerung wieder da, ist der Vater wieder da im Kopf. Kate Bush fasst die Essenz des Songs in zwei Sätzen zusammen: „But it’s very much more to do with how the son does begin to cope with the whole loneliness and pain of being without his father. It is the magic moments of a relationship through a child’s eyes, but told by a sad adult.“ [2]
 Kate Bush war zufällig auf das Buch gestoßen. Die Magie des Buches schlug bei ihr ein wie ein Blitz. „It must have been nearly ten years ago, when I used to go up to the Dance Center in London, that I went into Watkins‘ occult bookshop for a look, and there was this book and it said, A Book of Dreams, by Peter Reich. I’d never heard of his father, Wilhelm Reich, but I just thought it was going ‚Hello, Hello,‘ so I just picked up the book and read it and couldn’t believe that I’d just found this book on the shelf. I mean it was so inspirational, very magical, with that energy there. So when I wrote and recorded the song, although it was about nine years later, I was nevertheless psyched up by the book, the image of the boy’s father being taken away and locked up by the government just for building a machine to try to make rain. It was such a beautiful book!“ [3]
Die Geschichte war wohl deshalb so faszinierend, weil sie verschiedene typische Bush-Motive bündelt. Es geht um komplizierte Beziehungen zwischen Menschen, die Geschichte enthält geheimnisvolle und mysteriöse Elemente, es gibt kein richtiges Happy-End, es endet bittersüß, es löst Bilder aus, an denen sich ein Song entlang entwickeln kann.
Kate Bush erläuterte das im Detail in verschiedenen Interviews: „And it’s a very unusual, beautiful book, written by this man through the eyes of himself when he was a child, looking at his father, and the relationship between them. Very special relationship, his father meant so much to him. His father was a psychoanalyst, very respected, but he also had a machine that could make it rain, and the two of them would go out together and they would make it rain. And in the book there was such a sense of magic, that it a way the rain was almost a presence of his father. Unfortunately, its a very sad book in that the peak of it is where his father was arrested, taken away from him, because of his beliefs he’s considered a threat. And it’s how the child has to cope from that point onwards without his father. And the song is really using the rain as something the reminds the son of his father. Every time it rains instead of it being very sad and lonely, it’s a very happy moment for him, it’s like his father is with him again.“ [4]
Jeder Satz von Kate Bush spiegelt die Faszination wieder, die das Buch ausgelöst hat. Es geht um das „Wunder einer Beziehung“. „It’s a very magical sense in the book for me this sort of encaptulated the wonder of their relationship, and unfortunately the book leads up to where his father is arrested because his beliefs are considered somewhat outrageous. And to the child it’s it’s coping from then on without his father. And the song is really about that adult looking back at the magic of their relationship, how much they loved it and how for him now that his father is not there anymore that every time it rains he thinks about how they were together out there on the machine cloudbusting. And it makes him happy he’s finds a way with coping with it.“ [5]
Über kaum einen ihrer Songs hat sich Kate Bush so ausführlich geäußert. Neun Jahre hat diese Geschichte in ihr gereift und auf den richtigen Moment gewartet, um als Song wiedergeboren zu werden. „Yes, but I read that so long ago and it’s just been waiting to come out for nine or ten years. The thing is, I had to wait till I was at the right point to write that song in such a way that I could do it proper justice.“  [3]
Pulsierende Streicher und ein staccatoartiger Rhythmus kennzeichnen „Cloudbusting“. Die Streicher aus dem Fairlight wurden später durch reale Streicher ersetzt – wahrscheinlich, um die Wärme und Emotionalität zu betonen.  „There were very few track on this album that I wrote on the piano -Running Up That Hill, Hounds of Love, Watching You Without Me. Most of them were Fairlight based. Cloudbusting I wrote on the Fairlight and I just felt it would be much more interesting with real strings, so we transcribed the Fairlight arrangement from string players to reed. And then they redid it.“[4]
Dieses rhythmische Streicherpochen klingt wie ein Herzschlag in der Dunkelheit, die Protagonistin schreckt aus einem Traum auf: „I still dream of Orgonon / I wake up crying“ (Textzitate aus [6]). Es ist ein Alptraum, da sofort alles wieder präsent ist, Verhaftung und Tod, Verlassenheit. Es fühlt sich an, als ob der Vater wieder ganz nah ist: „And you’re just in reach / When you and sleep escape me.“ Bei „You’re like my yo-yo“ im zweiten Teil der Strophe kommen Trommeln dazu und Hintergrundtöne, die wie ein stimmenloser Chor (Synthesizer?) klingen.
Im Song wird der Vergleich mit einem Jo-Jo gezogen, das mit in der Dunkelheit leuchtender (radioaktiver) Farbe bestrichen ist. „You’re like my yo-yo / That glowed in the dark. / What made it special / Made it dangerous, / So I bury it / And forget.“  Zu dieser merkwürdigen und geheimnisvollen Passage gibt Kate Bush selbst eine Erklärung.
„The song is very much taking a comparison with a yo-yo that glowed in the dark and which was given to the boy by a best friend. It was really special to him; he loved it. But his father believed in things having positive and negative energy, and that fluorescent light was a very negative energy –as was the material they used to make glow-in-the-dark toys then– and his father told him he had to get rid of it, he wasn’t allowed to keep it. But the boy, rather than throwing it away, buried it in the garden, so that he would placate his father but could also go and dig it up occasionally and play with it. It’s a parallel in some ways between how much he loved the yo-yo –how special it was– and yet how dangerous it was considered to be. He loved his father (who was perhaps considered dangerous by some people); and he loved how he could bury his yo-yo and retrieve it whenever he wanted to play with it. But there’s nothing he can do about his father being taken away, he is completely helpless. “ [2]
Die Protagonistin kann das vielleicht gefährliche Jo-Jo verstecken und immer wieder herausholen. Den für die Öffentlichkeit vielleicht gefährlichen Vater kann sie nicht verstecken und es gibt auch keinen Weg, ihn wieder lebendig zu machen. Nur die Erinnerung vermag das, und die wird durch Ereignisse immer wieder hervorgerufen: „But every time it rains / You’re here in my head / Like the sun coming out“. Diese Verbindung zwischen Jo-Jo und Vater ist fein ausgearbeitet und aus der Hintergrundstory abgeleitet. Wilhelm Reich begann im Januar 1951 das „Oranur-Experiment“, mit dem er erforschen wollte, ob sich mit Orgonenergie Radioaktivität neutralisieren lässt [1].
Der Chorus („Everytime it rains“ ) endet mit einer Beschwörungsformel. „Ooh, I just know that something good is going to happen / And I don’t know when / But just saying it could even make it happen.“ Wenn man eine Erinnerung an einen Toten ausspricht – kann er wieder lebendig werden?
Der Song steigert sich zu einem Marsch, fast einem Trauermarsch (es gibt kein Happy-End). Ein Streichermotiv kommt dazu, welches die emotionale Stimmung verstärkt. Der Chorus wird zweimal wiederholt und beschließt den Song in einer dritten Wiederholung als intensiv ausgearbeitete Coda. Ab Mitte dieser Coda wird es immer hymnischer, eine Melodie (instrumental) schwingt sich auf wie ein sehnsuchtsvolles Lied. Diese Melodie wird zum Schluss wiederholt, der Marsch gewinnt immer mehr an Energie. Ein Chor kommt im Hintergrund dazu, ferne Stimmen, die eine hypnotische Wirkung auslösen. In der Livefassung aus den „Before the dawn“-Konzerten zieht dieser sich immer weitere steigernde Schluss das ganze Publikum hinein in einen gewaltigen Sog, das Publikum wird mitgerissen und übernimmt den Chor. Für mich ist das wie ein gemeinsames Aufsteigen in den Himmel. Der Zauber der Erinnerung triumphiert, das Tor zum Himmel und zur Vergangenheit wird weit aufgerissen. Einen passenderen Schluss für ein Livekonzert kann es kaum geben.
Der fulminante Rhythmus wird am Schluss aufgenommen und dann beendet durch die Töne einer anhaltenden Lokomotive, das Lied vollzieht eine Vollbremsung. Kate Bush sagte, dass dies eine Notlösung gewesen sei – es fehlte ein guter Schluss für das Lied. „That did all fall apart over a period of about ten bars. And everything just started falling apart, ‚cause it didn’t end properly, and, you know, the drummer would stop and then the strings would just sorta start wiggling around and talking. And I felt it needed an ending, and I didn’t really know what to do. And then I thought maybe decoy tactics were the way, and we covered the whole thing over with the sound of a steam engine slowing down so that you had the sense of the journey coming to an end. And it worked, it covered up all the falling apart and actually made it sound very complete in a way. And we had terrible trouble getting a sound effect of steam train so we actually made up the sound effect out of various sounds, and Del was the steam. [Laughs] And we got a whistle on the Fairlight for the ‚poo poop.'“ [7]
Zum mitreißenden Schwung trägt der strikt durchgehaltene 4/4-Takt bei, es gibt keine Taktwechsel/Brechungen im Rhythmus wie so oft sonst bei Kate Bush [6]. So ist „Cloudbusting“ geprägt durch ein fast manisches, beschwörendes Fortschreiten. Die Tonart ist ein cis-Moll, zentrale Akkorde sind der cis-Moll-Akkord und der H-Dur-Akkord, die über weite Strecken des Songs wie ein Pendel (hin und her) benutzt werden [6]. Cis-Moll symbolisiert leuchtende Schönheit und Wärme, aber alles mehr in ein Element von Schwermut und Sehnsucht getaucht. Cis-Moll eröffnet alle in unserem Herzen verborgenen Quellen der Sehnsucht, es ist die Sehnsuchtstonart schlechthin [8].  H-Dur steht gemäß Beckh [8] für Verklärung, es ist die Tonart des Hinübergehens. Ganz vereinzelt kommen andere Akkorde hinzu, so wie der fis-Moll-Akkord auf „crying“ (in „I wake up crying“), auf „coming“ (in „you could see them coming“) und auf „saying it would ever make it“ (in „Just saying it would ever make it happen“). Fis-Moll ist tiefster Abgrund, tiefste Absturzgefahr, es ist der „Abgrund des Leidens“ [8]. Allein die Akkorde erzählen schon die Geschichte.
Das Video zu „Cloudbusting“ setzt all dies perfekt um. Es ist kein Musikvideo – eher ein kleiner Film (ein Hoppsassa-Tanzfilmchen wäre auch nicht angemessen gewesen). Die Herausforderung für Kate Bush war groß – als Schauspielerin aufzutreten war für sie neu und das Darstellen eines Kindes dazu eine besonders anspruchsvolle Aufgabe.  „I think it’s something I’d obviously worried about. When you’re not a child there are lots of things that could be a problem. Like I could look old and not young. And we were also – excuse me – trying to take away the feminine edge so that in a way I could be a tomboy rather than a little girl. Trying to keep the thing as innocent as possible. And I think rather than being that worried about playing a child, I was just worried about the whole process of acting, because it’s something I’ve not really done, in a true sense. I’ve preformed in lots of ways, but not really acted. And it was something that I was wary of and I was actually surprised at how much I enjoyed it.“ [4]
Es war klar, dass dies mit einem gestandenen Schauspieler als Wilhelm Reich besonders bildmächtig werden würde. Schon von Anfang an hatte Kate Bush hier Donald Sutherland im Sinn.  „The brief, really from the start, was that I wanted a great actor to play the father. I wanted it to be a piece of film rather than a video promotional clip. I wanted it to be a short piece of film that would hopefully do justice to the original book. And let people understand the story that couldn’t really be explained in the song. So we wanted a great actor. We thought of Donald Sutherland and thought „well, chances are we won’t get him, but why not try?“ So we found a contact and explained the story and sent the script to him, and he was interested in doing it. And just happened to have the days free when we were shooting. So, um, pretty incredible really!“ [4]
Ein erster Kontaktversuch führte zu keinem Ergebnis, da der Schauspieler nicht an einem Videodreh interessiert war. Aber wenn sich Kate Bush etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt sie nicht auf. Donald Sutherland erzählte das in einem Interview zum dreißigjährigen Jubiläum des Albums „Hounds of Love“ sehr humorvoll und mit viel Respekt und Zuneigung. “Barry Richardson, who was the hairdresser on Nic Roeg’s Don’t Look Now, asked me if I’d do a music video with Kate Bush. I told him no and we went on to other conversations. A couple of days later there was a knock on my door. I lived in the Savoy Hotel (in London). On the river. Suite 312. I loved it there. So cosseted. So private. Only the floor butler rang the door. I opened it. There was no one there. I heard a voice saying hello and I looked down. Standing down there was a very small Kate Bush. Barry had told her where I lived. What can you do? She wanted to explain what her video was about. I let her in. She sat down, said some stuff. All I heard was ‘Wilhelm Reich’. I’d taken an underground copy of his The Mass Psychology of Fascism with me when I went to film (Bernardo) Bertolucci’s Novecento in Parma. Reich’s work informed the psychological foundations of Attila Mellanchini, the character Bernardo had cast me to play. Everything about Reich echoed through me. He was there then and now he was here. Sitting across from me in the person of the very eloquent Kate Bush. Synchronicity. Perfect. She talked some more. I said OK and we made ‘Cloudbusting’. She’s wonderful, Kate Bush. Wonderful. I love that I did it. (What do I remember) about doing it? I remember being in the car and the hill and them taking me, taking Reich, away and looking back through the back window of the car and seeing her, seeing Reich’s son Peter, standing there. And I remember the first morning on set seeing her coming out of her trailer smoking a joint and I cautioned her, saying she shouldn’t smoke that, it’d affect her work, and she looked at me for a second and said she hadn’t been straight for nine years and I loved her.” [9]
Regie bei Dreh des Videos führt Julian Doyle, der von Terry Gilliam empfohlen worden war.  „I’m a big fan of Terry Gilliam, I don’t know if you know him, suburb director. And I was interested in working with him and he put me in touch with Julien, who works with Terry on his movies. He’s a cameraman and this was really his first role as director. Terry was involved with the storyboard as well, and this is how I met Julian. We spent a lot of time on this video and what was nice was the way that everyone became so concerned with the story and also concerned with giving justice to it. You know everyone wanted it to be something special.“  [4] Ganz einfach war die Zusammenarbeit trotzdem nicht, da zwei detailversessene Menschen aufeinandertrafen. Terry Gilliam musste zwischendurch als Mediator eingreifen. „They had a great time shooting, but somewhere in the editing a conflict developed and I became the mediator. Kate knows exactly what she’s doing, she knows what she wants. She’s the sweetest person on the planet but she’s absolute steel inside!” [9]
Das Video ist ein gelungener Kurzfilm, es nimmt die Atmosphäre der Jahre um 1955 auf und beeindruckt mit seiner Regenmaschine.  „Well the book very little details of what the actual machine looked like. But from what I could gather the reality of the machine wouldn’t look right. On screen it’s got to be exaggerated. So it was trying to design something that would look powerful and possible of doing it but that wouldn’t be comical, because we didn’t people to laugh at it, we wanted people to be astounded by the machine. So it was really designing something that was a cross between an […] gun and a pipe organ. I just felt that it had to have these huge funnels that would reach to the sky and could be moved around. And the whole thing should be rotatable. And so we worked with some designers that worked on the Alien and I think it looked pretty good.“ [4] Entworfen wurde der Cloudbuster dann von Personen, die auch am düsteren Design des Films „Alien“ mitgewirkt hatten [10], ob HP Giger selbst mitgewirkt hat ist unsicher. Diese Maschine ist ein Geheimnis, ein Mysterium, sie hat wirklich bedrohliche Aspekte.
Kate Bush nahm dann Kontakt mit dem Autor der Vorlage, Peter Reich, auf. Sie war sich unsicher, ob er die Umsetzung mögen würde. „These were worrying moments for me–what if he didn’t like it? If I’d got it wrong? But he said he found them very emotional and that I’d captured the situation. This was the ultimate reward for me.“[11] Peter Reich war aber sehr angetan. “​Sometime in 1985, a package arrived with a video cassette and an autographed album,” says Peter Reich. “My wife and children, who were five and two at the time, listened, watched and were entranced. Quite magically, this British musician had tapped precisely into ​a unique and magical fulfilment of father-son devotion, emotion and understanding. They had captured it all.” [9]
Auch über das Video gibt es nur anerkennende Worte. ​“Watching it for the first time, and ever since, not infrequently, the video’s emotional power is overwhelming and enduring, even after 30 years – or 60 years, for me. I did meet Kate once or twice. She gave me a very British umbrella, how very appropriate, one rainmaker to another.​” [9]
Was kann sich eine Songwriterin und Komponistin mehr wünschen als Anerkennung von dem Menschen, dessen Geschichte sie erzählt hat! „Cloudbusting“ ist groß, selbst in den kleinsten Details, es ist ein Meisterwerk, kaum vergleichbar. Ich bewundere es, ich liebe es.  (© Achim/aHAJ)
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Reich (gelesen 11.08.2017)
[2] Kate Bush: „Hounds Of Love songs“. KBC article Issue 18.
[3] Peter Swales: Interview im Musician (unedited). Herbst 1985
[4] J.J. Jackson: Interview auf MTV. Unedited. November 1985
[5] N.N: Interview in Night Flight. Unedited version. November 1985
[6] Kate Bush: Hounds of Love (Songbook). London 1985. EMI Music Publishing Ltd. S.14ff
[7]  Richard Skinner: „Classic Albums interview: Hounds Of Love“. Radio 1. Gesendet 26.01.1992
[8] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Stuttgart 1999. Verlag Urachhaus. S268 (cis-Moll), S.171ff (H-Dur), S.138 fis-Moll
[9] Alex Denney: The story behind Kate Bush’s Cloudbusting video. http://www.dazeddigital.com/music/article/27217/1/the-story-behind-kate-bush-s-cloudbusting-video (gelesen 10.08.2017)
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Cloudbusting (gelesen 13.08.2017)
[11] Zwort Finkle (= Kate Bush?): „Cousin Kate“ . KBC article Issue 21 (Winter 1987).

Sep 04 2017

Paddy Bush zu Gast in der Schweiz

Passend zu der Ausstellung „Teny, Tany, Tantara. Madagaskar hören“ ist den Kuratorinnen des „Forum Schlossplatz“ im schweizerischen Aarau ein kleiner Coup gelungen: sie haben Paddy Bush für einen musikalischen Vortrag verpflichten können. „‚Teny, Tany, Tantara. Madagaskar hören‘ lädt zur auditiven Reise

auf diese riesige Insel. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Ausstellung, in der es viel zu hören und nur wenig zu sehen gibt. Wir nähern uns Madagaskar bewusst über den Hörsinn an. Denn oft passiert es blitzschnell: Betrachten wir fotografische Darstellungen von Menschen und Regionen aus dem globalen Süden, rufen diese Bilder umgehend stereotype Vorstellungen hervor. Deshalb kommen in der Ausstellung Madagassinnen und Madagassen zu Wort: Wie sehen sie die Welt und welche Werte sind für sie von Bedeutung?“ heißt es in der Beschreibung dessen, was die Ausstellungsbesucher erwartet. Zu einem Konzert war Ende August in diesem Rahmen bereits Justin Vali zu Gast. Er hat 1999 gemeinsam mit Paddy Bush das Album „The Sunshine Within“ veröffentlicht, zuvor schon für Kate bei den Songs „The Red Shoes“ und natürlich „Eat The Music“ mitgespielt und zudem 1995 auf Peter Gabriels Label Real World ein eigenes Album („The Truth“) veröffentlicht. Mit Paddy ist er zuletzt 2012 beim Womad-Festival aufgetreten. Am 21. September wird Paddy Bush dann selbst in Aarau zu Gast sein. „The beauty and complexity of Malagasy music“ lautet sein Thema. Im Pressetext zur Veranstaltung heißt es weiter: „Der britisch-irische Musiker Paddy Bush, versierter Kenner der madagassischen Musik, gibt seine Faszination für die komplexen Rhythmen und die Einzigartigkeit der traditionellen Musik weiter. Er spricht über die Besonderheiten des madagassischen Pop und darüber, wie Madagaskars Musik in die Sounds der Kate Bush-Band eingeflossen ist.

Sein Referat – in englischer Sprache – begleitet er mit zahlreichen musikalischen Kostproben.“ Wer mehr über die Ausstellung, die noch bis zum 1. Oktober läuft, wissen will, wird hier fündig.

Sep 02 2017

Kate in Polaroids: September

Cloudbusting

„Erinnerungen, seien sie gut oder schlecht. Auch Erinnerungen an schlechte Phasen des Lebens können einen weiterbringen. Abgesehen davon, dass dieser Song von Kate Bush mich an eine ganz besondere Zeit meines Lebens erinnert (sei sie auch gut oder schlecht, das ist hier unwichtig), brachte dieses Lied mich überhaupt auf die Musik von ihr“, erzählt MIchael zu dem Kate-Polaroid für September und macht es dem Betrachter diesmal ungewohnt leicht. Ein blauer Himmel, ein angedeuteter Cloudbuster, eine Wolke – alles ist klar. Genauso wie es klar ist, dass einen auch schlechte Phasen im Leben weiterbringen. Schließlich gilt zum Schluss immer: something good is going to happen!

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Aug 26 2017

TWW in drei Formaten

Kates Box-Set This Woman’s Work (Anthology 1978-1990) ist bei Fans heiß begehrt – vor allem natürlich wegen der zwei Bonus-CDs, auf der rare B-Seiten, Remixe und Live-Aufnahmen veröffentlicht wurden. Dass man gleichzeitig acht CDs erwerben musste, die man als Fan eh schon hatte, wurde dabei in Kauf genommen; schließlich gab es die Bonus-CDs sonst nirgendwo. Veröffentlicht wurde die Box am 22. Oktober 1990, also fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Erscheinen von „The Sensual World“. Auch wenn sich zahlreiche Raritäten auf den Extra-CDs befinden – komplett ist die Zusammenstellung nicht. So fehlen beispielsweise mehrere Single-Mixe von Songs, ebenso die Instrumentalversion von „Running up that hill“ oder Songs wie „Dreamtime“. Merkwürdig ist zum Beispiel auch, dass von den drei Songs, die Kate für die Serie „The Comic Strip“ geschrieben hat nur zwei im Boxset vertreten sind: „Ken“ und „One last look before the house before we go“ – „The Confrontation“ hingegen fehlt. Auf Ebay werden regelmäßig immer wieder Boxsets angeboten. Die Preise schnellen da schnell auch schon mal auf 300 Euro hoch; mit ein bisschen Glück kann man eine Box aber auch für 100 bis 150 Euro ergattern. Schwieriger wird es bei den Sonderformaten: Japan-Boxen sind deutlich teurer, die Vinyl-Variante (Foto links) ist fast schon unbezahlbar – wenn sie denn überhaupt angeboten wird. Aktuell gibt es ein Angebot bei Ebay aus den USA für 700 (!) Euro. Sie enthält neun LPs. Neben den sechs Alben drei weitere Alben mit dem Bonusmaterial. Mindestens ebenso selten ist die Kassettenbox (Foto oben rechts).

Aug 21 2017

Kate in der Holzbox

Diese netten Holzboxen aus Mahagoni bereiten mir schon seit Jahren Kopfzerbrechen. Mit oder ohne Zertifikat, mit oder ohne Messingplakette, aus verschiedenen Holzsorten waren sie nur für eine kurze Zeit erhältlich. Bekannt ist mir nur, dass sie von einer Firma hergestellt wurden, die Kingdom Lock heißen soll (hört sich nach England an, habe im Internet aber leider nichts gefunden). Vor Jahren habe ich einmal herausgefunden, dass sie auf 50 Stück limitiert sind. Es gibt sie auch von Madonna, Peter Gabriel. Pink Floyd ect. Aus welchem Land sie stammen, ist mir also nicht bekannt. Auf der Suche nach Infos hab ich allerdings noch etwas Interessantes herausgefunden:
During the 1990s many CD stores offered a number of CDs as limited edition in a special packaging. These editions had several things in common: They contained the official CD and the regular booklet. Some editions even enclosed the complete wrapped official CD together with the artwork. Only the packaging was special about these CDs. It was either made of wood, carton or metal and not rarely included creative contents as well. Most of these special editions had certifications to prove their “authenticity” and the number of copies. Whereas different labels released the original CDs, most special editions were just released by one company. Unfortunately the name and the origin of this company is not known to me, but as all of these Pink Floyd editions contain CDs from EMI a European origin is very likely. They have never been released through the official channels such as the record companies. (Quelle: Discogs.com – Forum)
Leider bringt das auch nicht viel Licht ins Dunkle, aber vielleicht kennt jemand von Euch Jemanden, der/die mehr weiß. Übrigens gibt es „The Whole Story“ auch in einer Holzbox. „The Red Shoes“ angeblich auch, allerdings habe ich noch keine gesehen! Happy hunting! Michael Guth

Update: Michael hat inzwischen noch herausgefunden, dass nur die ersten Holzboxen ausschließlich in England produziert worden sind. Die wurden als Testlauf auch in Deutschland vertrieben, vorrangig in Märkten wie Saturn oder Media Markt. Später wurden in Zusammenarbeit mit der englischen Firma auch in Deutschland entsprechende Boxen entworfen – mit dem Segen der jeweiligen Plattenfirma.

Aug 16 2017

Zwei Lithographien neu in der Sammlung

Gleich zwei rare Sammlerstücke habe ich kürzlich bei ebay erwerben können – vollkommen ungeplant. Links auf dem Foto die Collector’s Edition von Rubberband Girl, verpackt in schwarzem Karton mit roter Schleife samt dazugehöriger Single CD und der signierten und nummerierten Lithographie. Erschienen in einer Auflage von 1000 Stück. Rechts die Collector’s Edition von Rocket Man in weißem Karton, mit CD plus Lithographie in einer Auflage von 2000 Stück. Beide Drucke sind 8×10 Inch groß und in bestem Zustand. Gestolpert bin ich eher zufällig über die beiden Angebote, Und weil der Preis sehr fair war, konnte ich nicht widerstehen. Die Geschichte der beiden Sammlerstücke ließ sich leider nicht recherchieren. Beide Stücke stammen vom selben Verkäufer aus Ostdeutschland. Wann und wie er sie ergattert hat, wollte er leider nicht verraten. Schade.

Aug 11 2017

Das Song-ABC: The Man With The Child In His Eyes

Nach dem exaltierten, ungewöhnlichen „Wuthering Heights“ zeigt dieser Song als zweite Single aus „The Kick Inside“ eine ganz andere Seite. Eine ruhige, stimmungsvolle Ballade erklingt. Klavier und Streicher dominieren. Eine fast besinnliche Stimmung zieht sich durch den Song.
Dieser Kontrast zu „Wuthering Heights“ war eine bewusste Entscheidung. Schon hier zeigte sich, dass Kate Bush von Anfang an ein ganz klares Bild von ihrer Musik und den Mechanismen der Vermarktung darum hatte. Von Anfang an ist dieses Statement da – von mir wird es keine Wiederholung des ewig Gleichen geben.
„I’d like people to listen to it as a songwriting song, as opposed to something weird, which was the reaction to ‚Wuthering Heights.‘ That’s why it’s important. If the next song had been similar, straight away I would have been labeled, and that’s something I really don’t want. As soon as you’ve got a label, you can’t do anything. I prefer to take a risk.“ [1]
Diese Ballade ist meilenweit weg von geisterhaftem, schrillem Gesang. Mit ihren ersten zwei Singles schon spannt Kate Bush einen ganzen Kosmos von Möglichkeiten auf. Kates Stimme ist hier tief, ruhig, fast fraulich – und das, obwohl dieses Lied von einer Sechzehnjährigen gesungen wird. Der Song stammt aus ersten Demo-Sessions im Jahre 1975.
„Maybe another interesting thing about this album is that two of the tracks, ‚The man with the child in his eyes‘ and ‚Saxophone Song‘ were recorded about three years ago. This was in fact my initial plunge into the business, as they say, with the help of Dave Gilmour from Pink Floyd. I managed to get through to him through a contact of my brothers‘ and at that time he was looking around for unknown talent. He came along and heard me and we put some things down and he put up the money for me to make my first demo in a proper recording studio with arrangements. I owe to him the fact that I got my contract and that I’m where I am now. Two of these original tracks that we had on the demo are on the album, so maybe that helps with the variation.“ [2]
Es gibt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten über das, worüber hier im Lied erzählt wird. Ein Lied über einen unsichtbaren Begleiter, wie ihn Kinder oft haben? Oder vielleicht doch über einen sehr viel älteren Freund? Passiert da etwas Anstößiges? Wie so oft bei Kate ist es doppelbödig. Es wird dem Hörer überlassen, wie tief und abseitig er den Text auslegen will. Kate selbst gibt in Interviews höchstens harmlose Andeutungen von sich – und die Abgründe lässt sie aus.
„The inspiration for ‚The man with the child in his eyes‘ was really just a particular thing that happened when I went to the piano. The piano just started speaking to me. It was a theory that I had had for a while that I just observed in most of the men that I know: the fact that they just are little boys inside and how wonderful it is that they manage to retain this magic.“ [2]
Diese von Kate Bush selbst angegebene Deutung erscheint mir aber am plausibelsten. Es spricht eines der Hauptthemen an, das sich wie ein roter Faden durch das Bush-Universum schlängelt. Männer und Frauen sind sich eigentlich fremd, aber sie können nicht voneinander ablassen. Besonders schön sagt dies Kate Bush zu diesem Song in einer anderen Quelle: „I just noticed that men retain a capacity to enjoy childish games throughout their lives, and women don’t seem to be able to do that.“ [3]
Harmonisch ist das Lied eine Mischung aus e-Moll und G-Dur [4]. G-Dur enthält nach Beckh [5] stark das Element des Seelisch-Empfindenden, des Fühlenden. Es ist die Tonart der sprießenden Blütenfülle der Maienzeit, die Liebesoffenbarung im Werden der Natur. G-Dur ist anmutig, bescheiden, lieblich, innig, oft auch kindlich, unschuldig. E-Moll ist gemäß Beckh [5] klagend, aber auch erhaben, es ist die Tonart der „hellen Träume“,  Das Bewusstsein für Tonarten war offenbar bei Kate Bush von Anfang an da. „The Man with the child in his eyes“ ist ein überraschend reifer Song für eine Sechzehnjährige. „Wuthering Heights“ führte die dämonische Wildheit und die Kompromisslosigkeit vor, die in Kate Bush steckt, dieser Song im Gegensatz dazu das Nachdenkliche, fast etwas Grüblerische. Zwei Seiten einer Medaille aus Gold.  (© Achim/aHAJ)
[1] Harry Doherty: The Kick Outside. Melody Maker. 03.06.1978
[2] TKI promo cassette 1978
[3] N.N.: Bird In The Bush. September 1978. http://gaffa.org/reaching/i78_bitb.html (gelesen 30.06.2017)
[4] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.119
[5] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.119 ff

Aug 06 2017

Kate in Polaroids: August

The Man With The Child In His Eyes

Vor ein paar Monaten bin ich von der Arbeit nach Hause gefahren. Im Radio setzte vollkommen unvermittelt The Man With The Child In His Eyes ein und hat mich mit voller Wucht erwischt. Ich hatte vollkommen vergessen, wie wundervoll dieses Lied ist. Michael fängt in seinem Polaroid die erste Textzeile ein: I hear him before I got to sleep – und macht sie sich zu eigen. „Ein leeres Hotelzimmer. Getrennt von dem Liebsten, nur das Telefon als Verbindung zu ihm. Das letzte Telefonat vor dem Schlafengehen…“ beschreibt er die Szenerie. I realize he’s there
when I turn the light off and turn over, heißt es im Song weiter. Im Bild ist das Zimmer dunkel, nur durch das Fenster fällt Licht. Es gibt unterschiedliche Deutungen, wie man den Song von Kate verstehen kann. Eine davon geht von einem sehr viel älteren Freund aus. Den ahnt man auf dem Bild auch verschwommen in Übergröße zu entdecken. Es dürfte aber ein Trugschluss sein, auch wenn das Foto in Leipzig in der Nähe des ehemaligen Karl-Marx-Platzes entstand…

 

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Aug 01 2017

Kate-Polaroids werden ausgestellt

Dass die Bilder-Serie Kate in Polaroids etwas Besonderes ist, hatte sich schon zu Jahresbeginn angedeutet. Vor dem ersten Polaroid im Januar hatte MIchael Dörr im Interview erzählt, wie sehr ihm diese Bilder am Herzen liegen: „Die ganze Serie ist auch ein wenig autobiografisch. Sie bildet quasi meinen Lebensweg seit dem Tod meines Vaters bis heute ab. Hierzu interpretiere ich die einzelnen Kate-Songs äußerst subjektiv. Die Musik von Kate war immer für mich da, in allen Lebenslagen. Es gab und gibt für mich ‚wichtige‘ Songs, welche ich nun auf meine Art illustriert habe. Eines der Lieder sorgte auch dafür, dass ich den Mann meines Lebens kennengelernt habe, mit dem ich nun schon über 18 Jahre zusammen lebe.“ Seit Januar sind bisher sieben der zwölf Polaroids erschienen – im August wird die Serie nun bei den Wiesbadener Fototagen präsentiert.

Die Wiesbadener Fototage gelten als eines der ältesten Fotofestivals in Deutschland und präsentieren zeitgenössische Fotografie. „Alle zwei Jahre zeigen Fotografen ihre aktuellen Werke unter einer jeweils wechselnden thematischen Klammer. In diesem Jahr könnte es besonders spektakulär werden, denn die Überschrift lautet ‚insight‘ – es geht um Einblicke in die künstlerische Arbeit, in eine emotionale Welt mit einer eigenen Bildsprache. Die Herausforderung bestand darin, Gedankenwelten, innere Bilder oder biographische Elemente dem Betrachter nahe zu bringen“, heißt es auf der Internetseite der Fototage unter anderem. Genau das traf auf die Bilder von Michael zu, also hatte er sich um die Teilnahme beworben und wurde von der Jury als einer von 37 Fotografen, die nun ihre Arbeiten präsentieren dürfen, ausgewählt. Für die Fototage hat MIchael sein Polaroid-Konzept leicht variiert. Im Blog war seine Bilder-Serie auf ein Bild für jeden Monat angelegt. Für die Ausstellung hat er drei neue Bilder mit einem Textbezug zu Kate erstellt und zwei der Bilder für den Blog gestrichen. Neu ist unter anderem dieses Bild mit dem illuminierten Haus unter einer Glaskuppel. Wer errät den dazu passenden Song?
Michaels Bilder werden vom 26. August bis zum 10. September im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gezeigt. Mit den Informationen zu seinen Bildern geht Michael in der Ausstellung aber ähnlich spärlich um, wie auch im Blog. Jedem Polaroid wird eine Textzeile von Kate zugeordnet, das war ’s. „Der Betrachter soll durch das Zitat nur eine grobe Anleitung erhalten, was sich genau hinter dem Foto verbirgt“, sagt er dazu. Den Rest muss man sich denken – was dem textsicheren Kate-Fan leichter fallen mag. Bei der Vernissage am 26. August im Kunsthaus Wiesbaden wird Michael ebenfalls anwesend sein und auch Fragen beantworten. Die beste Gelegenheit für Kate-Fans, ihn zu löchern.

 

Jul 30 2017

Happy Birthday, Kate

Jul 25 2017

Kate en miniature – LPs im Puppenstubenformat

Als Kate Bush-Fan und Sammler freut man sich nicht nur über seltene Alben, Promos oder limitierte Editionen. Es sind vor allem eher ungewöhnliche Stücke, die der eigenen Sammlung das gewisse Etwas verleihen. Häufig werden solche Spezialitäten von talentierten Bastlern und Heimwerkern hergestellt. Ob Kate-inspirierte Stickvorlagen, hübscher Schmuck mit integrierten „Before the Dawn“-Konfetti-Schnipseln oder ein besonderes T-Shirt: auf alternativen Internetmärkten kann man wahrhaft Originelles entdecken! Ein echtes Highlight allerdings findet man derzeit auf Ebay, nämlich im Maßstab 1:12 verkleinerte (nicht abspielbare) Miniaturen sämtlicher Kate Bush Vinyl-Alben. Unter dem Shop-Namen „lanky1349“ vertreibt der Engländer Adrian seine zauberhaften Minialben, die jeweils aus einem doppelseitig bedruckten Cover und einer winzigen herausnehmbaren LP bestehen.
Natürlich habe ich mir die Minis sämtlich gekauft, und da sie mir ausgesprochen gut gefallen, bat ich Adrian, uns für morningfog.de etwas über ihre Entstehungsgeschichte und auch ein wenig über sich selbst zu erzählen.
Der 68jährige Brite lebt in der Nähe des Lake District im Norden Englands. Schon immer war er von Puppenhäusern und Miniaturen fasziniert, und so baute er in seiner Freizeit Puppenstuben. Einige Jahre lang verkaufte er seine Handarbeiten in einem örtlichen Geschäft, das inzwischen leider schließen musste. Nach seiner Pensionierung suchte er nach einer Möglichkeit, seine Rente ein wenig aufzubessern und beschloss, einige seiner Stücke bei Ebay zum Verkauf anzubieten. Dabei kam er auf die Idee, es auch einmal mit Miniatur-LPs zu versuchen. Adrian ist selbst Kate-Fan und besitzt die meisten ihrer Alben. Seine ersten Mini-LPs waren „Goodbye Yellow Brick Road“ von Elton John und „The Kick Inside“ von Kate Bush.
Da sich „The Kick Inside“ sehr schnell verkaufte, entschied er sich bald, alle Kate-Alben anzubieten, und Kate Bush-Fans, die sich überhaupt nicht für Puppenhäuser interessierten, bestellten sie begeistert.
Aufgrund des ansehnlichen Erfolges beschloss er, es auch mit Alben anderer Künstler zu versuchen –von da an ging es steil bergauf! Er erhielt Anfragen für immer mehr Bands und Musiker, sein Sortiment erweiterte sich beständig. Und während die Puppenhaus-Accessoires allmählich in den Hintergrund rückten, eröffnete er seinen eigenen E-Bay-Shop.
Um ein optimales Ergebnis für seine Miniatur-LPs zu erreichen, verwendet Adrian stets die bestmöglichen Bilder als Vorlagen: jedes Motiv muss für den Druck verkleinert werden und sollte daher eine möglichst gute Auflösung haben. Der Druck erfolgt auf qualitativ hochwertigem Fotokarton. Preislich liegen die Mini-LPs bei ca. 2,80 Euro pro Stück zzgl. Porto. Versand und Zustellung erfolgen innerhalb weniger Tage.
Neben Kate Bush gibt es in Adrians Sortiment auch Mini-LPs von Depeche Mode, ELO, The Doors, The Beatles, David Bowie, Madonna, Pink Floyd, Def Leppard, Blondie uvm. Meine persönlichen Highlights: Jeff Wayne’s „War of the Worlds“ und „Don’t Break The Oath“ von Mercyful Fate.

Die Kate Bush-Mini LPs von Adrian gibt es hier. Auch eine Version des „Before the Dawn“-Albums (allerdings nicht als Triple-LP) ist inzwischen erhältlic. Beate Meiswinkel

Jul 20 2017

„Voller Leben, Freude und Ausdruck“

Wie bereits im morningfog.de Beitrag „Bonus-Gedichte von Kate“ (28.06.2017) zu lesen steht, konnte Kate Bush als Gast-Editorin für die 25. Ausgabe der jährlich erscheinenden Anthologie „The Mays“ gewonnen werden. In diesem Band werden die herausragenden Arbeiten aus den Bereichen neues Schreiben und Kunst der Studierenden der Universitäten Oxford und Cambridge zusammengefasst.
„Die Studierenden beider Universitäten sehen sich häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie seien der Welt außerhalb unserer allzu altmodischen Städte gegenüber zu engstirnig oder unsensibel“, schreibt Herausgeber Sabhbh Curran im Vorwort. „Ich hoffe, dass Sie in diesen Gedichten, Erzählungen und Kunstwerken große Vielfalt entdecken werden. Sie sind lebhaft, voller Bilder und Sätze, die noch lange nach dem Lesen bei Ihnen verweilen werden. An wen besseren hätten wir also Gast-Editorin herantreten können als an Kate Bush, die so viele dauerhaft inspirierende Lieder geschrieben hat und die eigentlich Gedichte sind. Ihre gütigen Worte und ihre Begeisterung über die eingereichten Beiträge stellten eine der Freuden dieser Arbeit dar.“
Tatsächlich muss Kate großen Spaß daran gehabt haben, bei der Zusammenstellung der Ausgabe mitzuwirken: „Ich habe es wirklich genossen, all diese Gedichte zu lesen. Voller Leben, Freude und Ausdruck“, schreibt sie. „Ich wollte eigentlich alle behalten, aber das war nicht gestattet. Ich habe ein zusätzliches mit hineingeschmuggelt.“
„The Mays“ bietet wunderbare Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt junger, nachdenklicher Menschen. Ob in Schrift, Malerei oder Fotografie begegnen wir ihrer Neugier, ihren Interessen, ihren Gefühlen, persönlichen Zwiespälten und Eindrücken. Beim Lesen und Blättern fiel mir auf, wie sehr sich unsere eigenen Gedanken bereits an die abgeflachten bunten Memes oder Motto der beliebten Social Media, an die teilweise so profane Informationskultur der Video Channel oder an den exzessiven Konsum von Serien über die Streaming Portale gewöhnt haben. Mit ihnen setzen wir uns permanenter Flüchtigkeit, Unvollkommenheit und einer Art „Aus-dem-Zusammenhang-Gerissenheit“ aus. Nicht, dass ich die neuen Medien völlig missen möchte – aber das Einlassen auf einen kurzen, aussagekräftigen poetischen Text, der eine Momentaufnahme zu einem bleibenden Kunstwerk gerinnen lässt oder das Betrachten eines Gemäldes oder einer Zeichnung, die zum Nachsinnen und Denken anregen, haben eine gänzliche andere Wirkung. Sie laden ein, innezuhalten und den Geist dieser Zeit bewusst wahrzunehmen, ohne ihm zu erliegen. Sie hinterlassen tatsächlich einen bleibenden Eindruck.
„The Mays“ hat mir erneut vor Augen geführt, wie wertvoll, wichtig und unersetzbar Bildung und Kunst für unsere Gesellschaft und für uns als denkende, fühlende Menschen sind. Es kann nicht genug Förderung in diesen Bereichen geben, und Streichungen oder Kürzungen staatlicher Mittel mögen einen nicht wieder gut zu machenden Schaden anrichten. Beate Meiswinkel

The Mays – The annual collection of the best writing and art from the Universities of Oxford and Cambridge, XXV – Guest edited by Kate Bush; Varsity Publications Ltd, Cambridge, 2017, ISBN 978-0-902240-48-3.

Jul 16 2017

Heathcliff, it’s me, Cathy…

Zwei Wochen vor Kates Geburtstag haben wieder tausende Menschen den „Wuthering Heights Day“ gefeiert. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr, haben sich diesmal Gruppen in 20 Städten beteiligt – vorne weg Australien, wo es allein zwölf Tanzevents gab. Natürlich war auch Berlin wieder mit dabei, schließlich hatte die Berliner Aktion 2016 die Welle des weltweiten Events, das legendäre Video zu Wuthering Heights nachzutanzen, erst ausgelöst. Auf der facebook-Seite gibt es jede Menge Bilder und Videos von den einzelnen Veranstaltungen.

Jul 14 2017

Rubbel das Obst!

Emi Australien hat sich 1994 mal etwas ganz Anderes einfallen lassen und veröffentlichte Eat the Music in einem „Scratch & Sniff-Cover“. Wenn man leicht über das Cover rubbelt, riecht es nach Melone – oder besser gesagt es roch mal nach Melone! Nach 23 Jahren ist der Melonenduft sprichwörtlich verduftet! Ich hab auch schon Cover gesehen, von denen vor lauter Rubbeln nicht mehr viel übrig geblieben ist, denn jedes Mal rubbelt man auch etwas von der Oberfläche des Covers weg! Also aufpassen! Falls ihr eine findet, legt die CD in den Player, schwingt die Beine und futtert beim Tanzen eine reife Melone. Mit klebrigen Fingern steckt ihr die CD wieder in die Hülle und ruck zuck riecht euer Cover wieder nach der fruchtigen Versuchung, die Kate so leidenschaftlich auf
dieser CD zum Besten gibt! Happy hunting! Michael Guth

Jul 08 2017

Das Song-ABC: Lily

Die Welt ringsum bricht zusammen, es gibt keinen Halt, nur Chaos. „I feel that life has blown a great big hole through me“ singt Kate Bush fast verzweifelt klingend in „Lily“. Präziser kann dieses Gefühl kaum beschrieben werden.
In der Zeit der Entstehung des Albums „The Red Shoes“ gab es schwerwiegende Ereignisse im persönlichen Umfeld. Die Mutter von Kate Bush starb an Krebs, Freunde starben. Die Erschütterung durch den Tod der Mutter war so stark, dass Kate Bush die Arbeit monatelang unterbrechen musste. Den Albumhintergrund bilden Verluste, Verluste von Personen und Illusionen. Eine Suche nach Halt ist zu spüren, eine Suche nach Beistand, eine Suche nach Richtung, nach einem Ausweg. Das Album kommt aus einer Welt, die in Scherben liegt. Die Störung in der Beziehung zu ihrem langjährigen Lebenspartner Del Palmer deutet sich in den Liedern schon an, das Motiv der Trennung und der verlorenen Liebe kommt in mehreren Songs vor. Auch in „Lily“ geht es um Verlust, Einsamkeit, Suche nach Wärme und Nähe, um Suche nach Hilfe, Schutz und Unterstützung.
„Lily“ beginnt damit, dass die ruhige und gelassene Stimme einer alten Frau ein Gebet sprich. Die alte Frau ist Lily Cornford von der Maitreya School of Healing – eine „Heilerin“, die Kate Bush gelegentlich konsultierte [1]. Ganz eindeutig ist dieser Song dieser Frau gewidmet, das drückt schon die Namensgleichheit aus. Das Gebet selbst ist das sogenannte Gayatri Mantra. Dieses vedische Mantra ist für viele Hindus das tägliche Gebet, das sich jedoch nicht an eine personale Gottheit wendet, sondern an die Sonne als sichtbare Repräsentation des Höchsten. Neben der Lobpreisung enthält es die Bitte um geistige Erleuchtung [2]. Zitiert wird es in einer variierten Fassung, die auf der englischen Übersetzung von William Quan Judge aus dem Jahr 1893 basiert [3].
Hinter diesem Gebet sind im Hintergrund ganz leise Töne zu hören. Es klingt unheimlich, nicht identifizierbar, bedrohlich, verzerrt, wie aus einem Horrorfilm. Monster huschen schattenhaft vorbei – das war meine Assoziation beim Hören mit größerer Lautstärke. Dazu erklingt eine vage Musik, nur einzelne Töne sind zu hören, ebenfalls an einen Horrorfilm erinnernd.  Die Stimmung dieses Hintergrundes hat mich jetzt beim Wiederhören ganz stark an „Blair witch project“ und die durch diesen Film erzeugte Stimmung erinnert. Vor diesem Hintergrund aus Horror bildet das Gebet einen Ruhepol. Es ist so, als ob die ruhige und gelassene Stimme der Heilerin die Monster zurückhält und einen geschützten Raum aus Sicherheit, Wärme und Zuversicht bildet. Diese Einleitung „explodiert“ dann förmlich in dem dann folgenden eigentlichen Song. Ein drängender, vorantreibender Rhythmus übernimmt und bestimmt den ganzen Rest des Liedes. Es ist ein tänzerischer, fast ekstatischer Rhythmus. Jovanovic [4] beschreibt dies als „einen funkigen Beat […], der beinahe in Richtung Hip-Hop tendierte. Der Song wurde allerdings quasi live von der Band eingespielt“. Del Palmer gibt dazu nähere Erläuterungen: „This is another track where the original bass and drums had to lie re-done at a later stage because the feel had changed almost to a hip-hop style“ [5].Ein Schalter wird umgelegt im Lied. Wenn der erste Teil eine Erinnerung war, ein Wunschtraum – jetzt sind wir in der Realität. Die zurückgehaltenen Monster der Gegenwart sind präsent und geben den Takt vor.
Vier Akkorde bestimmen das ganze Lied und werden fast beschwörend wie ein Mantra eingesetzt – g-Moll, F-Dur, c-Moll und Es-Dur. Der Gesang – immer aus der Sicht der Protagonistin – durchläuft dabei mehrere Phasen. „In den Strophen sehnsuchtsvoll, die Überleitung wird dann mit tiefer Stimme gesprochen, der Refrain war aufrüttelnd und gewaltig gestaltet [4]“.
Mit „Well I said […]“ beginnt die erste Strophe. Die Haupttonart ist wohl g-Moll, g-Moll-Akkorde wechseln sich mit F-Dur-Akkorden ab [6]. G-Moll symbolisiert nach Beckh [7] ein frühes Verzagen, ein zu frühes Aufgeben der Hoffnung. In der Zauberflöte von Mozart bestimmt es die Klage der Pamina. Seelenfinsternis spiegelt sich in dieser Tonart wieder. In Wagners „Tristan und Isolde“ steht es für Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Wie so oft bei Kate Bush sagt die Tonart schon aus, worum es geht. Der F-Dur-Akkord kommt dazu – die fromme. religiöse, ätherische Tonart, die Naturtonart, die typische Tonart der Choräle [7]. Verzweiflung in der realen Welt und Schutzsuche in einer überirdischen Welt mischen sich.
Dann erinnert sich die Protagonistin an den Rat der Heilerin: „And she said ‚Child, you must protect yourself. I’ll show you how with fire'“. Zu Beginn des Zitats der Heilerin (ab „Child […]) wechselt die harmonische Welt zu c-Moll-Akkorden [6], dies steht laut Beckh [7] für die Verwurzelung auf dem Boden, für Stärke und Vertrauen.
Mit „Gabriel before me […]“ setzt dann das Anrufen von Schutzmächten ein. Während dieser Engel-Beschwörung kommen Es-Dur-Akkorde – die Paralleltonart zu c-Moll – dazu [6]. Die Protagonistin kämpft sich mit Hilfe der Erzengel hervor aus dem Dunkel. Es-Dur hat einen kämpferischen, heroischen Charakter, es steht für die Wiederaufwärtswendung zum Licht, ist stark und positiv [7]. „Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht“ heißt es in dieser Tonart im Schlusschor der Zauberflöte, Es-Dur ist die Tonart der Feier [7].
Mit zwei Tonarten (g-Moll und Es-Dur) wird auf die Zauberflöte verwiesen. Auch in dieser Oper geht es um Magie, um ein sich Herauskämpfen aus der Dunkelheit. Leider finden sich bei Kate Bush keine Aussagen dazu, ob dies ein bewusster Verweis ist oder eine ähnliche harmonische Gestaltung aus ähnlichen Empfindungen heraus. Eine Akkordgestaltung aus c-Moll und Es-Dur findet sich aber auch in „The Fog“. Dort steht c-Moll für die Sicherheit, die der Vater gibt und Es-Dur ebenfalls für das Herauskämpfen aus einer schwierigen Situation.
Während der Anrufung der Erzengel sind im Hintergrund Töne wie aus einer Beschwörung zu hören. Ein merkwürdig mystisch klingendes Instrument erklingt, unweltlich und fast unirdisch. Paddy Bush spielt hier eine Fujara, ein aus dem slawischen Raum stammendes Instrument [4].
Der zweite Abschnitt „I said […]“ ist dann etwas ruhiger, die Unsicherheit hat sich etwas gelegt, die erste Beschwörung wirkt offenbar. Die Anrufung wird dann wiederholt, insgesamt erklingt sie dreimal. Zwischen den beiden Wiederholungen zum Schluss gibt es fast fröhliche kurze Gesangsausbrüche der Befreiung. Die Protagonistin schnurrt wie eine große Katze. Sie kämpft sich empor ans Licht.
Die tänzerische Stimmung wird durchgängig beibehalten und das Ende von „Lily“ kommt dann fast abrupt, ohne eine richtige Auflösung. Es ist eindeutig ein Schlusspunkt, ein „so – das war es!“.
Es wurde gemutmaßt, dieser Song sei das kaum verhohlene Eingeständnis, dass Bush eine weiße Hexe sei [4]. Auch im Internet wurde darüber intensiv diskutiert und auch darüber, dass die Erzengel in einer falschen Reihenfolge angerufen wurden und warum das so sein könnte. Kate Bush gibt aber den klaren Hinweis, dass solche Passagen nicht Wort für Wort auf Geheimnisse zu untersuchen sind. „People seem to read a more ethereal dreaminess into my lyrics. I like messages in songs that are much more based in reality.“ [8]
Aber das Lied zitiert eindeutig magische Elemente – nicht im exakten Sinne, sondern im Sinn des Hervorrufens eines bestimmten atmosphärischen Kontextes. Die dreimalige Anrufung der Erzengel ist in der Magie gebräuchlich. Das dreimalige Wiederholen kommt auch in vielen Märchen vor (drei Wünsche usw.). Die dreimalige Wiederholung eines Zaubers ist häufig (es dient der Bestätigung). Auch in der Bibel wird die Zahl drei im Sinne von  „ganz bestimmt, sicherlich“ benutzt. Jesus wird nach drei Tagen auferstehen, zur Unterstreichung werden Aussagen oft dreimal wiederholt [9].
Die vier Erzengel selbst stehen für spezielle Schutzbedürfnisse [10]. Gabriel ist der Beschützer der Familie und die Stärke Gottes – er geht voraus. Michael mit dem Lichtschwert steht rechts, er ist der Führer in eine neue Zeitepoche und führt in die erhoffte Selbstbefreiung. Uriel zur Linken als Licht Gottes soll die Finsternis erhellen und den Weg weisen. Am Schluss Raphael als Arzt Gottes, der die erlittenen Verletzungen heilt. Im Film „The Line, The Cross and the Curve“ laufen sie genauso angeordnet. Das finstere Monster wird dort überschritten und zurückgelassen. Am Ende geht Kate Bush ihren Weg ohne die ständige physische Präsens der Engel weiter [10].
Die Fassung von „Lily“ auf „Director’s Cut“ mit Mica Paris fügt dieser Deutung nicht viel Neues hinzu: Jovanovic meint, dass diese Version „sehr an die ungehemmten Zeiten von ‚Violin‘ erinnert“ [4]. Offenbar sind die ausgedrückten Gefühle immer gegenwärtig geblieben. „Lily“ war dann auch das Auftaktlied zu den „Before the dawn“-Konzerten. Das mag an der ungehemmten Energie dieses Songs liegen – aber vielleicht auch an der Bedeutung. Mit diesen Konzerten werden die Dämonen ausgetrieben, das Konzert ist eine rituelle Handlung, „Lily“ ist das Mantra für den Kampf mit den Dämonen der Unsicherheit und des Zweifels. Der Song hat etwas wirklich Tröstendes und Befreiendes. Vielleicht könnte man dieses Lied therapeutisch nutzen – die Gefühle dürften keinem Menschen fremd sein. (© Achim/aHAJ)
[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.321 und S.349
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gayatri_Mantra  (gelesen 26.05.2017)
[3]  https://en.wikipedia.org/wiki/Gayatri_Mantra (gelesen 26.05.2017)
[4] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH/Hannibal. Höfen. S.183
[6] Kate Bush: Songbook „The Red Shoes“. International Music Publications Limited. Woodford Green 1994.  S.48ff
[7] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.248ff (g-Moll), S.148ff (F-Dur), S.123ff (c-Moll, Es-Dur)
[8] Tom Moon: A Return to Innocence. Philadelphia Inquirer. Januar 1994
[5] Del Palmer on Kate Bush: Well red. Future Music. November 1993
[9]  https://anthrowiki.at/Numerologie  (gelesen 19.05.2017)
[10] „Dreamin` Architect“ auf „http://www.carookee.com/forum/Kate-Bush/110/9315118.0.30115.html?p=3#tm (gelesen 16.03.2009)“