Okt 02 2017

Paddy Bush und die Musik Madagaskars (Teil 1)

Foto: Forum Schlossplatz/Nadine Schneider

Bis in die letzte Stuhlreihe ist der kleine Saal im Forum Schlossplatz besetzt. Als ein „Ort der Reflexion und Debatte“ stellt sich die seit 1994 im schweizerischen Aarau bestehende Einrichtung dar. Das Publikum soll hier “zur Auseinandersetzung mit kulturellen und gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart“ angeregt werden. Dafür haben die Macher aber auch wirklich eine schöne Stätte gefunden: eine alte Villa, die hoch über der Aare thront, am Eingang zur Altstadt der Aargau-Metropole mit ihren trutzigen Häusern. Was hier gleich passieren wird, darauf weisen in diesem schönen Saal mit seinen knarrenden Dielenböden und dem Kronleuchter zwei Dinge hin: Vorne, auf einem kleinen Podest, ruht ein länglicher Metallkasten mit Saiten, den man als Experte vielleicht als die Zither Marovany erkennt. Und an der Wand ist eine kleine Karte von Madagaskar festgepinnt.
Von hinten erschallt ein „Good Evening“ und ein Mann mit grauem Wuschelkopf nimmt im Schneidersitz an der Marovany Platz. Im nächsten Moment ist der Raum erfüllt von filigranen Tongirlanden, die nicht nur Weltmusikfreaks bekannt vorkommen. Auf Kates Alben „The Sensual World“ und „The Red Shoes“ kann man solche auch entdecken. Kein Wunder, denn besagter Herr mit dem grauen Wuschel und dem fast zarten Lächeln ist ihr Bruderherz Paddy Bush. Klar, er hat sich schon ein wenig verändert, seit er in der Fernsehfassung von „The Wedding List“ den Bösewicht spielte oder auf den Werbefotos für The Red Shoes“ posierte, doch man erkennt ihn sofort. Was um Himmels willen tut er mitten in der Schweiz? Die Antwort ist denkbar einfach: Er möchte Begeisterung wecken für seine größte Leidenschaft seit Jahrzehnten, die Musik Madagaskars. Zu den Eidgenossen hatte ihn eine gute Freundin, die Ethnologin Eva Keller gelockt. Sie ist auf Madagaskar spezialisiert, hat im Erdgeschoss der Villa eine Ausstellung namens „Teny – Tany – Tantara“ mit einem außergewöhnlichen Konzept kuratiert: Man erschließt sich an etlichen Lausch-Stationen die Rieseninsel ganz über den Hörsinn. Nachdem schon der große Röhrenzither-Virtuose Justin Vali im Rahmen der Ausstellung ein Konzert gegeben hat, passt es wunderbar, dass Justins Kumpel Paddy sich nun auch die Ehre gibt. Sein Vortrag heißt „The Beauty and Complexity of Malagasy Music“, wird immer wieder von Klangbeispielen und Anekdoten durchzogen – und einige davon berühren natürlich auch die Arbeit mit seiner Schwester.
Von Beginn an ist klar: Paddy ist ein großartiger Geschichtenerzähler. Wenn er seine Biographie anhand der madagassischen Töne entrollt, kann man gar nicht anders, als sich von der Begeisterung anstecken zu lassen. Wenn er spricht, tänzelt er manchmal vor Enthusiasmus, wenn er der Musik zuhört, hat er ein fast hingebungsvolles Lächeln auf den Lippen. Er hat diese charakterstarke, britisch distinguierte Stimme, die jetzt im etwas fortgeschritteneren Alter (der Mann wird demnächst 65) an eine mildere Ausgabe des deutschen Synchronsprechers Christian Brückner erinnert. Auf fast unheimliche Weise wird mir bewusst, an wie vielen Stellen er nicht nur singend und spielend, sondern auch sprechend auf Kates Alben vertreten ist. Das wäre doch mal eine schöne Aufgabe, denke ich mir während des Vortrags: Eine Liste aller Passagen von „Never For Ever“ bis „50 Words For Snow“ erstellen, in denen Paddy Bush einen Sprechereinsatz hat.

Valiha – Bambus kontra Metall

Und schon sind wir mittendrin in der Materie. Paddy zeigt auf die Landkarte: „Madagaskar ist eigentlich so etwas wie die Vereinigten Staaten des Indischen Ozeans. In den letzten 2000 Jahren wurde es von Menschen aus dem gesamten Indischen Ozean besiedelt. Sie sehen sich alle als madagassisch an, nicht aus Afrika, Indonesien oder aus Borneo.“ Übers Meer kam auch der Bambus, der schließlich in riesigen Wäldern an der Ostküste wuchs und aus dem die Röhrenzither Valiha gefertigt wurde. Man schnitt Kerben in die Haut, schälte so die Saiten heraus. Vergleichbare Instrumente gab es zuvor schon bei Ureinwohnern im Regenwald des heutigen Chinas. Es könnte das älteste Instrument der Welt sein. „Tausende von Jahren wurde die Valiha so gespielt, dann kamen die Franzosen auf die Insel, brachten Fahrräder mit, und die Leute kamen auf die Idee, die Saiten aus den Bremskabeln herzustellen.“ Wie silbrig und kristallklar dadurch plötzlich der Sound wurde, demonstriert Paddy an einem Klangbeispiel des Virtuosen Sylvestre Randafison. Die wunderbar fließenden Linien hören sich fast wie eine klassische Konzertharfe an. Doch wie kam er eigentlich selbst zur madagassischen Musik?
Sein Urerlebnis geht tatsächlich bis ins Jahr 1972 zurück. Paddy studierte damals bei der Ethnomusikologin Jean Jenkins, und die brachte eines Tages die Platte „Musiques Malgaches“ mit, die Charles Duvell fürs Label Ocora in den 1960ern aufgenommen worden war. „Ich war neunzehn, und das Stück ‚Ianao Ve De Roso‘ veränderte mein Leben“, sagt Paddy, während wir zwei schnarrende Männerstimmen hören, die sich über einem Riff von Klängen der Lokanga Voatavo-Zither  abwechseln. „Für mich hörte sich das wie ein Bob Dylan-Song mit komplizierten Rhythmen an, von dem ich kein Wort verstand. Sehr alt und doch irgendwie zeitgenössisch.“ 1972 war es noch fast unmöglich, Musik aus Madagaskar zu finden, und es dauerte weitere neun Jahre, bis er wieder auf madagassische Töne stieß.

Nackt-Yoga in Glastonbury

„Ich bekam einen Anruf von Michael Eavis, dem Chef des Glastonbury-Festival. Er wollte, dass Kate dort auftritt. Doch wir hatten zwei Jahre zuvor die Tour Of Life beendet, sie war in der Produktion von „The Dreaming“ und es war unmöglich, jetzt wieder etwas auf die Bühne zu bringen. Ich teilte Michael das mit, und er erzählte mir, dass sie gerade dabei waren, fürs 10-jährige Jubiläum in Glastonbury eine neue Bühne zu entwerfen. Ich sagte zu ihm: ‚Michael, warum baust du nicht eine Pyramide?‘ Einige Zeit später rief er mich wieder an und sagte: ‚Paddy, wann kommst du vorbei und schaust dir deine Pyramide an? Und übrigens: Hat Kate ihre Meinung geändert?‘ Nein, hatte sie nicht. Aber ich ging zum Festival, und das war ein großartiges Jahr, denn ich fand dort diese Platte.“ Paddy zeigt ein Cover, auf dem ein Musiker vor einem Metallkasten mit Saiten sitzt. Er, der in den 1970ern Instrumentenbau und -technologie studiert hatte, liebte seltsame Instrumente – allein deshalb musste er die Platte kaufen. Und sofort hören. Doch wie, wenn auf dem ganzen Festivalgelände kein Plattenspieler aufzutreiben war? „Ich traf eine Freundin, die war gerade dabei, Nackt-Yoga zu praktizieren. Sie sagte: ‚Kein Problem, ich zieh mir nur gerade Stiefel an und du klemmst dich hinten auf mein Motorrad. Bei mir zuhause können wir sie hören.‘“
Auf dieser Ocora-LP namens „Airs à Dancer pour Cithare Sur Caisse de Sud Ouest de Madagascar“ waren unter anderem Stücke der Ahnenverehrung namens Tromba zu finden, und sie faszinierte Paddy so, dass er sie Hunderte von Malen hörte. „Was ich bis dahin an Geistermusik gehört hatte, war Voodoo, verrückt, wild, mit Trommeln. Doch das hier war weich, zärtlich, und eine sehr hoch entwickelte Musik.“ Paddy war so im Bann dieser Musik, dass er die Metallbox, die der Musiker Robert Rindy aus dem Fischervolk der Vezo im Südwesten Madagaskars auf dem Cover spielte, nachbauen wollte. Als Maß diente ihm der Fuß des Musikers auf dem Bild. Und so schaffte er es tatsächlich, seine eigene Version der Marovany aus plattgehämmertem Wellblech herzustellen. „Zehn Jahre später habe ich Robert auf einem meiner Trips ausfindig gemacht. Bernhard Koechlin, der ihn in den 1960ern aufgenommen hatte, hatte ihm auch eine Platte geschickt. Aber leider gab es bei Robert weder einen Plattenspieler noch eine Nackt-Yogi, die ihn zu einem bringen konnte. Also spielte ich ihm seine eigene Aufnahme auf einem winzigen Kassettenrekorder vor. Ich werde den Tag nie vergessen, wie er das hörte und mit leuchtenden Augen sagte: ‚Das bin ich!‘“ Paddy blieb ein paar Wochen bei Robert und ging in die Marovany-Lehre. Doch die Madagassen bringen einem die Musik eigentlich nicht bei, sie monieren lediglich, wann man etwas falsch spielt. Für Paddy eine große Herausforderung, trotzdem ließ er sich nicht ermutigen. Und so kam es, dass auch wir bald in den Genuss seines Zitherspiels kamen… © Stefan Franzen

Okt 01 2017

Kate in Polaroids: Oktober

Running Up That Hill

Running up that hill, erzählt MIchael, „war eines der ersten Lieder von Kate, die ich bewusst wahrgenommen habe. Alleine der Synthyklang zu Beginn des Liedes ruft bis heute freudige Erinnerungen hervor. Und er schlägt für mich die Brücke zu den ersten Polaroids: Viele Erfahrungen sind gemacht. Aber diese muss ich nun nicht mehr alleine machen. Es gibt jemanden, der sie mit mir teilt. Mit dem ich sie austauschen kann. Der mich hält. Und das tut sehr gut.” Let’s exchange the experience. Dabei gesteht MIchael ein, dass es eine Umdeutung des Songs sein könnte: „Vermutlich geht meine Interpretation in diesem Foto völlig an der Intention von Kate Bush vorbei.“ Kate hat sich vergleichsweise oft zu dem Song geäußert. „So what that song is about is making a deal with God to let two people swap place so they’ll be able to see things from one another’s perspective“, sagt sie in einem Interview. Es geht also um eine Beziehung, um Missverständnisse, die auftauchen können, und den Wunsch, mehr über die Sichtweise des Partners zu erfahren. All‘ das versucht auch Michael in seiner Deutung unterzubringen: die Partnerschaft, die Freude darüber einen Menschen gefunden zu haben. mit dem er seine Erfahrungen austauschen kann, teilen will, weil nur der dauerhafte Austausch eine Partnerschaft erhalten kann. Ob bewusst oder unbewusst greift er dabei zudem abstrakt auf einen Ausschnitt eines bekannten Motivs zurück: Die Erschaffung Adams von Michaelangelo aus der Sixtinischen Kapelle. Was könnte besser passen bei einem Song, der eigentlich „A Deal With God“ heißen sollte?!

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Sep 24 2017

Neu in der Sammlung: Rubberband Girl

Rubberband Girl habe ich schon immer innigst geliebt – vom Original bis zur extended Version und der dahingeschrammelten und genuschelten Director’s Cut-Version. Die hat es sowieso in sich, auch wenn sie höchst umstritten ist. „I thought the original ‚Rubberband‘ was… Well, it’s a fun track. I was quite happy with the original, but I just wanted to do something really different. It is my least favourite track. I had considered taking it off to be honest. Because it didn’t feel quite as interesting as the other tracks. But I thought, at the same time, it was just a bit of fun and it felt like a good thing to go out with. It’s just a silly pop song really, I loved Danny Thompson’s bass on that, and of course Danny (McIntosh)’s guitar“, hat Kate 2011 zu der DC-Version im Mojo-Interview erzählt. Dabei spielt der Gitarrenpart von Danny zum  Schluss kaum mehr eine Rolle, weil stattdessen die Mundharmonika einsetzt. Und erst das US-Video. Kate ganz cool abwechselnd in der Lederjacke, mit Sonnenbrille, in der Zwangsjacke oder die große Showbühne herunter steigend. Wundervoll. Um so mehr freue ich mich, dass ich neulich auf Ebay die Picture-Vinyl ergattern konnte. Irgendwie werde ich doch mit und mit zum Sammler…

Sep 20 2017

Selbstgemachte Glasperlen von Paddy Bush

Foto: Lucy Hunt

Dass Paddy Bush ein Faible für Weltmusik hat, sich insbesondere für die Musik auf Madagaskar interessiert, sich als Instrumentenbauer betätigt, als Musiker unter anderem zur selben Zeit mit Colin Lloyd-Tucker ein Album herausgegeben hat, als der wiederum für Kate beim Album „The Red Shoes“ bei zwei Songs mitgesungen hat – all das war hier passend zum Auftritt von Paddy am Donnerstag im schweizerischen Aarau bereits ein Thema. Erst recht, dass er Kates Musik nicht ganz unwesentlich mit beeinflusst hat. Über eine ganz andere Seite von Paddy erfährt man eher weniger: Seit dem Jahr 2000 beschäftigt er sich intensiv mit der Herstellung von Perlen aus Glas. Auf Madagaskar haben solche Glasperlen eine religiöse Bedeutung. Das oben abgebildete Objekt ist vor 2008 entstanden und war 2010 sogar in einer Ausstellung im Glasmuseum in Immenhausen (Hessen) zu bewundern. Laut Beschreibung ist das 3,2 Zentimeter hohe Glasperlen-Ei von „Ariel’s opening speech“ inspiriert. Ariel ist im Theaterstück „The Tempest“ (Der Sturm) von Shakespeare der Luftgeist, der dem Herrscher Prospero dient. Dem entliehen ist auch der Titel für dieses Mini-Kunstwerk: „… to dive into the fire, to ride on the curl’d clouds'“, eine Textzeile aus dem Theaterstück von Shakespeare. Das rot-orangene Glas zeigt die zündelnden Flammen, die sich zum Himmel hoch strecken, bis zu den Wolken, die schwarzen Flecken symbolisieren den schwarzen Rauch. Erstmals gezeigt wurde das Objekt auf der British Glass Biennale 2008. Paddy selbst hat 2011 noch in einer irischen Gallerie ausgestellt und dort neben seinen selbstgebauten Instrumenten und Bildern zu seinen Madagaskar-Reisen auch seine Glasobjekte präsentiert – unter anderem verschiedene Versionen von dem „Ariel-Ei“.

Sep 13 2017

Nie war sie wütender: The Dreaming wird 35

Ich bin in bester Gesellschaft! Für mich, für Musiker wie Björk, Big Boi und zahlreiche andere, ist „The Dreaming“ das beste Kate Bush-Album. Zum damaligen Zeitpunkt von der Presse belächelt (‚jetzt ist sie vollkommen verrückt geworden‘), von der Plattenfirma fallen gelassen (‚das verkauft sich nie‘), von Kritikern zerissen, wurde „The Dreaming“ mittlerweile vollkommen von den Medien rehabilitiert und wird heute von vielen Kritikern als innovativ und wegweisend in den Himmel gelobt. Völlig zu Recht – mit „The Dreaming“ war Kate Bush ihrer Zeit ganz weit voraus. „A theatrical and abstract piece of work,“  „a brilliant predecessor to the charming beauty of 1985’s Hounds of Love“, „a delirious, head-spinning experience“ sind nur einige der Lobeshymnen, die heute auf das Album gesungen werden. Ohne „The Dreaming“ wäre „Hounds of Love“ nicht möglich gewesen, deshalb gibt es gleich zwei Gründe zu feiern! Zu den schönsten Sammlerstücken gehören wohl die beiden Promo Sampler aus Kanada und den USA, sowie die 7″ Single „Night of the Swallow“ aus Irland. „The Dreaming“ wurde übrigens auch auf pinkfarbenem Vinyl gepresst, leider nur als Testpressung und limitiert auf fünf Stück. Happy hunting, und Happy Birthday „The Dreaming“! Michael Guth

Sep 13 2017

35 Jahre „The Dreaming“: Pressestimmen und Impression 1982-84

Von Beate Meiswinkel

Man mag es kaum glauben: 35 Jahre sind seit dem Erscheinen von „The Dreaming“ vergangen. Die inzwischen nur unwesentlich gealterte Schreiberin dieser Zeilen war damals zarte 15 Jahre jung und bereits enthusiastischer Kate Bush-Fan. Ach, ich war so voller Gedanken und Ideen damals, und sooo verträumt… meine Mama nannte mich liebevoll „Träumerle“, wenn ich mal wieder etwas verdaddelt hatte. Mein Jugendfreund hingegen bezeichnete mich in Anleihen an einen von mir zutiefst verabscheuten Supertramp-Song gerne als „Stupid Little Dreamer“ – eine Neckerei, die mich ein ums andere Mal auf die sprichwörtliche Palme trieb! Jedenfalls kam mir Kate Bush mit ihren wilden und ungezähmten Einfällen gerade recht – noch eine, der es offensichtlich in der Welt der Fantasie und der bunten Ideen viel besser gefiel als in der schnöden Wirklichkeit. Wie passend war da ein Album über den Traum, über das Träumen, über die Traumzeit der australischen Ureinwohner, die ihren Ausdruck in Gesang, Tanz, Malerei und der Geschichtenerzählung findet? Und was für ein Album das war: kontrovers, kompromisslos, ausdrucksvoll, fordernd, bizarr, enervierend zuweilen, so stark und gleichzeitig so zart – und so befreiend! „The Dreaming“ war großartig. Es spaltete sowohl Fans als auch Presse – denn es war und ist überaus meinungsbildend: „Nicht nur für Träumer“, tönte die EMI Electrola GmbH in ihrer Werbeanzeige im Musik Express 10/82 vollmundig. „Das Warten hat sich gelohnt. Das neue Album von Kate Bush ist wirklich traumhaft.“ In ihrem Promo-Sheet zur aktuellen LP gab die Plattenfirma in ähnlich sprachlicher Opulenz Einblicke in das aktuelle Kate Bush-Album: „THE DREAMING vereint zehn elaborierte Pop-Partituren, in denen sich KATEs Interesse an ethnischer Musik niederschlägt und leichte Jazzeinflüsse bzw. Rockelemente hörbar werden. Sie bewegt sich auf dem Pop-Parkett mit einer Grazie und Eigenständigkeit, die für ein Frollein (sic!) Anfang Zwanzig erstaunlich sind. (…)
Die Umsetzung ihrer teilweise recht schwierigen und undurchschaubaren Lyrik geriet der Song-Aktrice selbst zu einem mühevollen Puzzlespiel. Wenn auch zu einem lohnenden, wie das Resultat den Hörer belehrt, der gewillt ist, sich auf diesem musikalischen Abenteuerurlaub einzulassen. Griffig im Sinne oberflächlicher Kommerzialität ist THE DREAMING nicht. Dafür aber ein Album, in dem zarte Klanggewebe neben ungewöhnlich aggressiven Titeln stehen, in dem filigrane Geräuschziselierungen neben rhythmischer Schwere vorkommen. KATE – verantwortlich für Produktion, Arrangement, Komposition und ein von ihr bedientes Keyboard-Sortiment – lud ausgezeichnete Musiker zu den Session ein. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier EBERHARD WEBER (Bass auf „HOUDINI“), DAVID GILMOUR (Backing Vocals), STUART ELLIOT (Drums), ALAN MURPHY und IAN BAIRNSON (Guitar) erwähnt. Die Nutzung moderner Elektronikinstrumente, die KATE auf ihrer letzten LP einzusetzen begann, geht auf THE DREAMING weiter. Fairlight, CS 80 und Synclavier wurden verschiedentlich eingesetzt und ermöglichten KATE die Herrichtung diffizieler Klangfarben. Die Kombination hochmoderner und alter akustischer Instrumente (…) sowie die Einarbeitung imitierter Tiergeräusche (…) bringen zusätzliche Abwechslung ins musikalische Geschehen. (…)“  (EMI Electrola GmbH, Presse International, Köln)

Nicht überall stieß das Ergebnis von Kates künstlerischem Ausdruck auf haltlose Gegenliebe. So schrieb Rezensent/in D. D. in der deutschen SOUND durchaus hintergründig und verstiegen: „In diesen Redaktionsstuben und nicht nur hier herrscht eine tiefe Ablehnung gegenüber Kate Bush, so daß ich, der ich von ihr außer der Single „Babooshka“, die mir ganz gut gefiel, noch nie einen Ton gehört habe, beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Und siehe! Ausnahmsweise schien ein Vorwurf zuzutreffen, der so oft grundlos erhoben wird: männlicher Chauvinismus. Nicht im Sinne jener paranoiden Struktur, die ihn in allem sieht, sondern im Sinne der Unfähigkeit von kleinen Jungs zu verstehen, warum die Schwester oder die Freundin das Zimmer voller Pferdebilder hat und die Sommerferien am liebsten im Ponyhof verbringt.
Kate Bushs Beziehung zur Musik, ihre manieristischen Soundvorstellungen sind eine Mischung aus einer unergründlichen, aber reizvollen Mädchenhaftigkeit mit schnödem (männlichen) Art-Rock (also dem zutiefst ablehnungswürdigen Ehrgeiz, wichtig zu sein, Kunst im alten europäischen Sinne zu hinterlassen). Pferdebilder-Kate und Art-Rock-Kate (= Genesis-Kate) nehmen jede circa eine Hälfte von THE DREAMING ein. Wirklich gut im Sinne von Auflegen, nicht im Sinne von Gutachten, sind eigentlich nur die beiden Singles „Suspended In Gaffa“ und „Sat In Your Lap“, der Rest ist fast immer zu nahe am Absturz in 70er-Jahre-Manierismus.“ (D.D., SOUNDS 12/1982, S. 66).

Alles klar??

Ehrlich begeistert hingegen äußerte sich Ingeborg Schober im Musik Express 10/1982: „Lange haben wir gewartet, lange hat Kate Bush an ihrem neuen Album THE DREAMING gearbeitet, die Perfektionistin, die Besessene. Verständlicherweise entstand ein schwer zugängliches, mystisches Album voller Rätsel. Bei anderen Künstlern hätte so ein „Egotrip“ ins Auge gehen können – nicht so bei Kate Bush, die die rare Kombination von Distanz und Leidenschaft besitzt, die erlebt und zugleich beobachtet. Eher unauffällig zieht sie uns in einen faszinierenden Sog der Gefühle, der Ängste, der Ahnungen. Und wenn auch ihre Geschichten ein Spiegelbild ihrer Kaleidoskop-Phantasien sind, bleiben die einzelnen Worte ohne Bedeutung, lösen sich in Klang und Stimmen. Stimmen, so viele verschiedene Stimmen! Flüstern, Schreien, Kreischen, Hauchen, Seufzen – sie sind ineinander verwoben und schicksalhaft verbunden wie in einer hochdramatischen Traumsequenz. Auffallend auch die „anderen Stimmen“ – spirituelle Dialoge übers Telefon und aus dem Jenseits. Eine Methode, die auch Nina Hagen auf NUNSEXMONKROCK angewendet hat, wird von Kate Bush wesentlich ästhetischer und differenzierter gebraucht. Ihre Arrangements sind verschlungene Muster – zu farbenfrohen und dennoch gedämpften Gobelins zusammengesetzt. (…) Ein Traum, ein Alptraum, ein musikalisches Traumspiel fernab der Rock-Klischees. Eine Dimension Sensibilität und Phantasie zuviel? Die Würfel sind gefallen.“
****** (Ingeborg Schober, ME 10/1982, S. 48)

Ebenfalls für den Musik Express traf Gabriele Meierding an einem heißen Sommermorgen in einem Londoner Hotel auf unsere „Song-Aktrice“: „Kurz vor 10 Uhr morgens war Kate hereinspaziert, ich bin auch pünktlich. Doch in der dritten Etage herrscht noch helle Aufregung. Da die Londoner Hotels dieser Luxuskategorie meistens ebenso schlecht organisiert sind wie teuer, war die gebuchte Suite natürlich noch nicht fertig. Das bedeutete allgemeine Panik, denn Kate hatte sich in den Kopf gesetzt, an zwei Tagen ein Pensum von 20 Interviews zu absolvieren. So ist der Terminplan schon im Eimer, ehe die erste Frage gestellt ist. Kate ist jedoch dabei liebenswürdig wie immer. Mir wird erst später bewußt, daß sie trotz der Bruthitze Schnürstiefeletten trägt, überhaupt sieht sie aus wie ein weiblicher Spielmann. Ein Interview mit Kate ist für mich wie ein Teekränzchen schwärmerisch veranlagter Backfische. Sie ist so romantisch, ihre Fantasie ist absolut positiv, wobei sie eine feine Antenne für alles Obskure hat. (…)
Für die neue LP, THE DREAMING, verbrachte Kate mit ihren Musikern ein geschlagenes Jahr im Studio (…). Ihr Perfektionsdrang hatte sich diesmal eindeutig lähmend ausgewirkt. „Ich wußte zwar genau, was ich hören wollte, aber nicht, wie ich dahinkomme.“ (…) Völlig deprimiert saß Kate Bush irgendwann mittendrin, total erschöpft, aber unter dem Druck, „daß alles noch ungeheuer verbessert werden muß.“
So entstanden, ist THE DREAMING natürlich weit entfernt vom frischen Zauber ihres faszinierenden Debüts und ebenso vom kommerziellen „Babooshka“ vom Vorgänger NEVER FOR EVER. Die vierte Kate-Bush-LP geriet geradezu zum Dschungelwerk. Zwischen ungewohnter Aggressivität auf der einen und ethnischen Akzenten auf der anderen Seite macht sich nicht selten ein jenseitiger Vollrausch breit. Bis auf das ekstatische „Sat In Your Lap“ ist es schwer, auf Anhieb einzelne Songs in den Griff zu bekommen, denn es sind oft nur eingeschobene Sequenzen, die sich als eingängige Oasen bemerkbar machen. „Ich wollte schon seit dem ersten Album in diese Richtung gehen,“ erklärte Kate. „Aber ich bin jetzt erst langsam so weit, daß ich das auch kontrollieren kann. (…)“
Das Reizvollste an Kate Bush sind für mich eigentlich immer die Geschichten hinter den Songs. (…) „Pull Out The Pin“ zum Beispiel basiert auf einer TV-Dokumentation über den täglichen Überlebenskampf der Vietnamesen, ihren Einzelaktionen gegen die Amerikaner (…) „Die Vietnamesen taten das alles für Buddha, deshalb tragen sie auch immer diese kleine silberne Buddha-Figur um den Hals. Im Kampf stecken sie sie in den Mund, so dass sie Buddha auf den Lippen haben, wenn sie sterben.“ Das Ganze, meint Kate, habe sie „fast zerrissen“, aber irgendwie sei das auch schon wieder „so beautiful“ gewesen …Ein typisches Kate-Bush-Thema dann „Houdini“. (…) Dieser berühmte Entfesselungskünstler starb bekanntlich in einem Wassertank nach einem unglücklichen Unfall. (…)
Kate: „Houdini war zu Lebzeiten geradezu besessen vom Spiritismus. Und nach dem Tode seiner Mutter hatte er vergeblich versucht, über ein Medium zu ihr zu gelangen und kam schließlich dahinter, daß viele Leute einfach nur mit unglaublichem Schwindel versuchten, aus dem Leid anderer Kapital zu schlagen. Und um seiner Frau diese schmerzhafte Erfahrung zu ersparen, vereinbarte er mit ihr ein geheimes Codewort, so daß sie merken würde, wenn das Medium sie betrügt.
Ich habe mir Zeitungsberichte aus den 20er Jahren besorgt mit den Berichten darüber. Sie hatte dort die offizielle Erklärung abgegeben, daß sie tatsächlich bei einer Séance mit ihm in Kontakt getreten sei. Ich glaube eigentlich nicht, dass sie es nur des Geldes wegen getan hat. Natürlich weiß ich es nicht. Aber in dem Bewußtsein, daß sie immer nur so entsetzlich enttäuscht wurde, weil er nie mit dem Codewort zu ihr kam, wäre ich auch gar nicht im Stande gewesen, dieses Lied zu schreiben.“ (…)
Eigenartig nur der Text zu dieser aufmüpfigen Musik zu „Sat In Your Lap“. Da man ihn (…) kaum versteht und den Gesang nur als zusätzliche Soundfarbe im Ohr hat, ist man innerlich auf eine eher körperliche Aussage gefaßt. Aber: hier geht es um Übergeordnetes… um die rastlose Suche nach Lebensinhalten, die meistens in der Erkenntnis der totalen Unwissenheit endet, nämlich! (…) Und „Suspended in Gaffa“ geht sogar noch einen Schritt darüber hinaus; für Fortgeschrittene sozusagen, denen einmal vergönnt war, einen kurzen Einblick in die große Wahrheit zu gewinnen und die jetzt rastlos in der ernüchternden Realität umherwandern. Schwer zu sagen, ob Kate Bush vielleicht selbst dazu zählt.
Eine Woche vor diesem Interview hatte Kate Bush übrigens wieder mit dem Tanztraining begonnen. Aber das bedeutet nicht, daß sie übermorgen auf Tournee geht. (…) Irgendwann, nächstes Jahr … (wenn überhaupt) … soll es soweit sein. Und all ihre Fans werden mit leuchtenden Augen auf die Bühne starren und darauf warten, daß sie endlich „Wuthering Heights“ singt oder wenigstens „Babooshka“…  (Gabriele Meierding, Musik Express 09/1982, S. 20 ff).

Denkste, Puppe… die Wartezeit betrug nur noch etwa 32 Jahre.

Die BRAVO widmete Kate einen etwas merkwürdigen Artikel mit dem Untertitel „Als Astronautin landet sie im australischen Busch“ – immerhin hübsch bebildert und prangend vor journalistischer Stilblüten: „Wuschelige, dunkle Haarmähne, betörend schöne Augen, ein schmales, porzellanfarbenes Gesicht mit sinnlich geschnittenen Lippen, Kate Bush (24) meldet sich nach 15monatiger Abwesenheit wieder auf der Szene zurück. Solange arbeitete Kate an ihrer neuen LP „The Dreaming“, aber das Ergebnis kann sich hören – und sehen – lassen. Ihr Auftritt in Thomas Gottschalks „Na sowas“ Ende September verblüffte allerdings die Fans. Kate hatte sich von der zerbrechlichen, romantischen Elfe in eine engagierte Astronautin verwandelt. Im Text ihrer Single „The Dreaming“ geht’s mitten rein in den australischen Busch. Es wimmelt dort von Schlangen, Krokodilen und Känguruhs, während Kate lauthals gegen die Ungerechtigkeit angeht, der die australischen Ureinwohner heute noch ausgesetzt sind. (…) Der weiße Astronautenanzug stammt aus Londons In-Shop Lawrence Corner und hilft Kate, sich in ein „Höheres Wesen“ zu verwandeln, während die Schlangenmenschen Tänzerinnen (!!!) aus dem Stall von Tanzmeister Lindsay Kemp sind, bei dem auch Kate regelmäßig Tanzunterricht nimmt. (…) Kate Bush erzählte BRAVO, sie sei sich sicher, daß Houdini persönlich aus dem Jenseits mit ihr gesprochen hat. Das habe sie darüber hinaus zu dem Song „Wuthering Heights“ inspiriert, in dem sie als totenblasse Cathy aus einer anderen Welt mit ihrem Liebhaber spricht.“ (BRAVO, Ausgabe?, Autor?, 1982)

1984 schließlich „erforschte ein bekehrter MICK WALL die (Traum) Welt der KATE BUSH“ in der Februar-Ausgabe der britischen Rock- und Metal-Zeitschrift KERRANG! in seinem Beitrag „A Girl For All Seasons“ (KERRANG! No. 62): „Ihr letztes Album, „The Dreaming“, ist ihr Bestes, um ein Klischee zu bemühen. Selbst produziert, selbst geschrieben, auch die Ideen für die Grafiken der (LP)Hülle wählt sie selbst aus, und das geschieht, bevor sie sich hinsetzt, um darüber nachzudenken, was sie mit dem neuen Video machen wird… (…) also begleitet mich in Kate Bush’s Tanzstudio, wo sie im Schneidersitz auf dem Boden sitzt, dick in Wolle eingepackt gegen die kalte Januar-Luft, mit einer Kanne Tee und Keksen in neo-chinesischer Manier zwischen uns, euer und mein Hintern sind auf dem einzigen verfügbaren Kissen geparkt, und wir glühen gemeinsam diesen kühlen Nachmittag miteinander durch.“
Im folgenden Interview sprachen Mick und Kate über Tanzen, Songwriting, Videoproduktion und anderes. Es muss ein durchaus angenehmes Gespräch gewesen sein: „Kate Bush und ich machen weiter, bis die Sonne in meinem Rücken untergeht. Wir unterhalten uns und sie erzählt mir, dass sie momentan Songs für ein Album schreibt, das für den Herbst geplant ist. (…) Sie erzählt mir, dass sie ihr Haar mit Henna färbt, dass sie es gelegentlich mit einem Kreppeisen bearbeitet und dass ihr sowohl Make-up- und Haarstylisten als auch Kostümdesigner zur Verfügung stehen (…) Sie erzählt, dass sie es schwierig findet, ein Buch zu lesen, ohne daraus einen Song zu machen, und sie setzt mich davon in Kenntnis, dass Oscar Wilde wahrscheinlich ihr Lieblingsautor ist. Besonders liebt sie seine Kindergeschichten, die sie immer noch zu Tränen rühren können. Alles, was ich sagen kann ist … ja. Mich auch.“ (Mick Wall, KERRANG Nr. 62, S. 42 – 44, 1984)

(Die Emi-Pressemappe, den Bravo-Artikel, das Kerrang-Interview und die Artikel aus dem Musikexpress gibt es in den nächsten Tagen auf der Facebook-Seite.)

Sep 10 2017

Der Mensch und die Musik im Mittelpunkt

Foto: Alex Frei

Seit 30 Jahren ist die Schweizer Ethnologin Dr. Eva Keller eng mit dem Land Madagaskar verbunden, hat dort mehrere Jahre gelebt, geforscht, die Menschen und ihre Kultur kennengelernt. Dieses Wissen nutzt Eva Keller, um als Kuratorin im „Forum Schlossplatz“ in der Gemeinde Aarau zu arbeiten. Das Forum ist ein Ort, an dem man „sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Zeitfragen auseinandersetzt. In Ausstellungen mit Begleitprogramm werden Themen aus Kultur, Kunst und Gesellschaft aufgegriffen und zur Diskussion gestellt“, das alles in einem historischen Umfeld. Noch bis zum 1. Oktober gibt es eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Teny, Tany, Tantara. Madagaskar hören“. Und weil die Musik ein wichtiger Bestandteil der Kultur Madagaskars ist, hat Eva Keller im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe zwei besondere Gäste eingeladen: den Musiker Justin Vali, der aus Madagaskar stammt, und Paddy Bush, der mit Vali eng befreundet ist und das Land mehrfach bereist hat. Paddy Bush wird am 21. September in Aarau zu Gast sein. „Paddy ist fasziniert von diesem Land und vor allem ein sehr guter Erzähler. Er wird etwa eine Stunde lang von der Musik dieses Landes berichten und hat natürlich auch mehrere Instrumente dabei, auf denen er dann Kostproben geben wird“, erzählt Eva Keller in einem Telefonat. Aber wie gelingt es eigentlich, Paddy Bush für solch einen Auftritt in der Schweiz zu begeistern? Die Antwort ist simpel: „Wir sind befreundet“, sagt Eva Keller. Die Ethnologin hat vor ein paar Jahren eher zufällig einen der beiden Filme gesehen, die Paddy auf Madagaskar gedreht hat – und war begeistert. Dazu gibt es noch eine kleine Vorgeschichte: Madagaskar ist für Wissenschaftler ein äußerst interessantes Land. Eva Keller: „Es gibt unzählige Dokumentationen über dieses Land, weil Madagaskar für seine Tier- und Pflanzenwelt sehr berühmt ist. Alle Biologen tummeln sich da. Vergessen wird dabei aber immer wieder, dass in diesem Land auch 23 Millionen Menschen leben.“ Die würden dann eher so dargestellt, dass sie nicht mal in der Lage seien, den Wert dieser Flora und Fauna zu erkennen und zu beschützen, ärgert sich Eva Keller. Genau das sei bei den Dokumentationen „Rakotozafy – Like A God When He Plays“ und „Rambala“ anders gewesen. Da standen die Menschen im Mittelpunkt, ihre Kultur, ihre Musik. Für eine Ethnologin ein Glücksfall. „Ich war so begeistert, dass ich wissen wollte, wer dieser Paddy Bush ist. Also habe ich ihn über die Filmproduzentin kontaktiert.“ Seitdem stehen sie in engem Kontakt, wenn Eva Keller in London ist, treffen sie sich. Dass Paddy der Bruder von Kate Bush ist, für die Eva Keller zu „Wuthering Heights“-Zeiten ebenfalls geschwärmt hat, bis sie sie danach wieder aus den Augen verloren hat, wusste sie damals noch nicht – das hat ihr Paddy erst später erzählt. Für Eva Keller spielt das aber auch keine große Rolle, weil sie die Leidenschaft für das Land Madagaskar teilen. Die Verbindung zu Kate wird allerdings bei dem Vortrag von Paddy in Aarau dann doch eine Rolle spielen. Schließlich war er es, der Kates musikalischen Horizont um Einflüsse aus anderen Ländern geweitet hat – zum Beispiel die madagassischen Einflüsse auf „The Red Shoes“, der georgische Chor auf „Hello Earth“ oder die Songs mit dem Trio Bulgarka. Ganz abgesehen davon hat Paddy als  Instrumentenbauer bei Songs von Kate immer wieder für europäische Popmusik eher exotische Instrumente gespielt. Auf „The Red Shoes“ war es dann die Valiha, ein madagassisches Instrument, das letztlich ähnlich gestimmt wird wie ein Klavier. „Paddy kann die Valiha hervorragend spielen, obwohl er genau genommen eine rechteckige Valiha nutzt, die Marovany. Und er hat natürlich eine enge Verbindung zur Popmusik, was seinen Vortrag nochmal besonders spannend macht“, beschreibt Eva Keller. Besonders ist auch die Art und Weise, wie man im „Forum Schlossplatz“ mit dem eigenen Anspruch, Themen aus Kultur, Kunst und Gesellschaft aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen, umgeht. Beim Konzert von Justin Vali Ende August, der immerhin als der berühmteste Valiha-Spieler der Gegenwart gilt und von seinem langjährigen Duopartner, dem Gitarristen Doudou, begleitet wurde, hat sie vorab noch einen Workshop mit einer Schulklasse organisiert – die 13-jährigen Schüler waren begeistert „und Justin Vali und Doudou haben sich sehr viel Mühe gegeben, ihr Wissen zu vermitteln und haben für die Kinder gespielt, als ob sie vor einem Publikum von 500 Leuten gesessen hätten“, erzählt Eva Keller. Deutlich wird das aber auch in der Ausstellung selbst. „Wir haben keine Bilder in der Ausstellung. Man muss sich darauf einlassen, Madagaskar zu hören. Das kommt bei den Besuchern sehr gut an. Wir zeigen in einem Raum zum Beispiel die beiden Filme von Paddy und erleben, dass die Besucher sich sehr viel Zeit nehmen“, erzählt Eva Keller. Und was sie besonders freut: „Es kommen auch Menschen aus Madagaskar zu uns, die in der Schweiz leben.“ Eben die Menschen, die es der Ethnologin so angetan haben. „Man kann das schlecht beschreiben. Aber die Menschen auf Madagaskar haben etwas sehr warmes, menschenfreundliches. Im Englischen würde man von ‚kindness‘ sprechen.“ Und die sehr spezielle madagassische Musik passt sehr gut zu den Menschen, findet Eva Keller: „Die Musik ist sehr wohlklingend für europäische Ohren. Der Klang ist nicht fremd und die Melodien sind sehr fröhlich und beglückend, sehr emotional. Aber die Rhythmen sind sehr ungewohnt und vor allem für Europäer sehr schwer zu spielen.“ Wie schwer, wird Paddy bei seinem Vortrag in Aarau erklären. Alle Infos zu dieser besonderen Veranstaltung am 21. September gibt es hier; wer mehr über Paddy und seine Vorliebe für die Musik Madagaskars erfahren will, wird bei der BBC fündig.

Sep 07 2017

Das Song-Abc: Cloudbusting

Dieser Song ist der Hammer. Anders kann ich es nicht sagen. Selten gibt es solch eine makellose Einheit zwischen Text, Musik und zugrundeliegender Geschichte.
Der Song handelt von einer Beziehung zwischen Sohn und Vater, die durch äußere Kräfte bedroht und zerstört wurde. Er basiert auf dem Buch „Book of Dreams“ von Peter Reich, dem Sohn des berühmten und umstrittenen Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Im Lauf seines Lebens driftete Wilhelm Reich immer mehr ins Esoterische ab. Eine seiner Ideen war eine Regenmaschine, der „Cloudbuster“, zu der Vater und Sohn zusammen gingen, um Regen zu machen. Wegen seiner immer obskureren Experimente mit sogenannten „Orgon-Akkumulatoren“ – Orgon ist eine von ihm postulierte spezifische biologische Energie – geriet Wilhelm Reich ins Zwielicht. Ein verfügtes gerichtliches Verbot der Verwendung dieser Geräte sowie die Verfügung, diese sowie alle seine Bücher zu vernichten, wurde von Reich nicht akzeptiert. Nachdem ein Mitarbeiter Reichs gegen das gerichtliche Verbot verstieß, Orgon-Akkumulatoren über Grenzen der US-Bundesstaaten zu transportieren, wurde Reich 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Gerichts“ verurteilt. Reich starb während der Haft im November 1957. [1]
Ein Vater wird verhaftet und stirbt, das Kind bleibt allein zurück. „Cloudbusting“ ist ein Rückblick, eine Erinnerung, ein Traum, ein Wunschtraum. Immer wenn es regnet ist diese Erinnerung wieder da, ist der Vater wieder da im Kopf. Kate Bush fasst die Essenz des Songs in zwei Sätzen zusammen: „But it’s very much more to do with how the son does begin to cope with the whole loneliness and pain of being without his father. It is the magic moments of a relationship through a child’s eyes, but told by a sad adult.“ [2]
 Kate Bush war zufällig auf das Buch gestoßen. Die Magie des Buches schlug bei ihr ein wie ein Blitz. „It must have been nearly ten years ago, when I used to go up to the Dance Center in London, that I went into Watkins‘ occult bookshop for a look, and there was this book and it said, A Book of Dreams, by Peter Reich. I’d never heard of his father, Wilhelm Reich, but I just thought it was going ‚Hello, Hello,‘ so I just picked up the book and read it and couldn’t believe that I’d just found this book on the shelf. I mean it was so inspirational, very magical, with that energy there. So when I wrote and recorded the song, although it was about nine years later, I was nevertheless psyched up by the book, the image of the boy’s father being taken away and locked up by the government just for building a machine to try to make rain. It was such a beautiful book!“ [3]
Die Geschichte war wohl deshalb so faszinierend, weil sie verschiedene typische Bush-Motive bündelt. Es geht um komplizierte Beziehungen zwischen Menschen, die Geschichte enthält geheimnisvolle und mysteriöse Elemente, es gibt kein richtiges Happy-End, es endet bittersüß, es löst Bilder aus, an denen sich ein Song entlang entwickeln kann.
Kate Bush erläuterte das im Detail in verschiedenen Interviews: „And it’s a very unusual, beautiful book, written by this man through the eyes of himself when he was a child, looking at his father, and the relationship between them. Very special relationship, his father meant so much to him. His father was a psychoanalyst, very respected, but he also had a machine that could make it rain, and the two of them would go out together and they would make it rain. And in the book there was such a sense of magic, that it a way the rain was almost a presence of his father. Unfortunately, its a very sad book in that the peak of it is where his father was arrested, taken away from him, because of his beliefs he’s considered a threat. And it’s how the child has to cope from that point onwards without his father. And the song is really using the rain as something the reminds the son of his father. Every time it rains instead of it being very sad and lonely, it’s a very happy moment for him, it’s like his father is with him again.“ [4]
Jeder Satz von Kate Bush spiegelt die Faszination wieder, die das Buch ausgelöst hat. Es geht um das „Wunder einer Beziehung“. „It’s a very magical sense in the book for me this sort of encaptulated the wonder of their relationship, and unfortunately the book leads up to where his father is arrested because his beliefs are considered somewhat outrageous. And to the child it’s it’s coping from then on without his father. And the song is really about that adult looking back at the magic of their relationship, how much they loved it and how for him now that his father is not there anymore that every time it rains he thinks about how they were together out there on the machine cloudbusting. And it makes him happy he’s finds a way with coping with it.“ [5]
Über kaum einen ihrer Songs hat sich Kate Bush so ausführlich geäußert. Neun Jahre hat diese Geschichte in ihr gereift und auf den richtigen Moment gewartet, um als Song wiedergeboren zu werden. „Yes, but I read that so long ago and it’s just been waiting to come out for nine or ten years. The thing is, I had to wait till I was at the right point to write that song in such a way that I could do it proper justice.“  [3]
Pulsierende Streicher und ein staccatoartiger Rhythmus kennzeichnen „Cloudbusting“. Die Streicher aus dem Fairlight wurden später durch reale Streicher ersetzt – wahrscheinlich, um die Wärme und Emotionalität zu betonen.  „There were very few track on this album that I wrote on the piano -Running Up That Hill, Hounds of Love, Watching You Without Me. Most of them were Fairlight based. Cloudbusting I wrote on the Fairlight and I just felt it would be much more interesting with real strings, so we transcribed the Fairlight arrangement from string players to reed. And then they redid it.“[4]
Dieses rhythmische Streicherpochen klingt wie ein Herzschlag in der Dunkelheit, die Protagonistin schreckt aus einem Traum auf: „I still dream of Orgonon / I wake up crying“ (Textzitate aus [6]). Es ist ein Alptraum, da sofort alles wieder präsent ist, Verhaftung und Tod, Verlassenheit. Es fühlt sich an, als ob der Vater wieder ganz nah ist: „And you’re just in reach / When you and sleep escape me.“ Bei „You’re like my yo-yo“ im zweiten Teil der Strophe kommen Trommeln dazu und Hintergrundtöne, die wie ein stimmenloser Chor (Synthesizer?) klingen.
Im Song wird der Vergleich mit einem Jo-Jo gezogen, das mit in der Dunkelheit leuchtender (radioaktiver) Farbe bestrichen ist. „You’re like my yo-yo / That glowed in the dark. / What made it special / Made it dangerous, / So I bury it / And forget.“  Zu dieser merkwürdigen und geheimnisvollen Passage gibt Kate Bush selbst eine Erklärung.
„The song is very much taking a comparison with a yo-yo that glowed in the dark and which was given to the boy by a best friend. It was really special to him; he loved it. But his father believed in things having positive and negative energy, and that fluorescent light was a very negative energy –as was the material they used to make glow-in-the-dark toys then– and his father told him he had to get rid of it, he wasn’t allowed to keep it. But the boy, rather than throwing it away, buried it in the garden, so that he would placate his father but could also go and dig it up occasionally and play with it. It’s a parallel in some ways between how much he loved the yo-yo –how special it was– and yet how dangerous it was considered to be. He loved his father (who was perhaps considered dangerous by some people); and he loved how he could bury his yo-yo and retrieve it whenever he wanted to play with it. But there’s nothing he can do about his father being taken away, he is completely helpless. “ [2]
Die Protagonistin kann das vielleicht gefährliche Jo-Jo verstecken und immer wieder herausholen. Den für die Öffentlichkeit vielleicht gefährlichen Vater kann sie nicht verstecken und es gibt auch keinen Weg, ihn wieder lebendig zu machen. Nur die Erinnerung vermag das, und die wird durch Ereignisse immer wieder hervorgerufen: „But every time it rains / You’re here in my head / Like the sun coming out“. Diese Verbindung zwischen Jo-Jo und Vater ist fein ausgearbeitet und aus der Hintergrundstory abgeleitet. Wilhelm Reich begann im Januar 1951 das „Oranur-Experiment“, mit dem er erforschen wollte, ob sich mit Orgonenergie Radioaktivität neutralisieren lässt [1].
Der Chorus („Everytime it rains“ ) endet mit einer Beschwörungsformel. „Ooh, I just know that something good is going to happen / And I don’t know when / But just saying it could even make it happen.“ Wenn man eine Erinnerung an einen Toten ausspricht – kann er wieder lebendig werden?
Der Song steigert sich zu einem Marsch, fast einem Trauermarsch (es gibt kein Happy-End). Ein Streichermotiv kommt dazu, welches die emotionale Stimmung verstärkt. Der Chorus wird zweimal wiederholt und beschließt den Song in einer dritten Wiederholung als intensiv ausgearbeitete Coda. Ab Mitte dieser Coda wird es immer hymnischer, eine Melodie (instrumental) schwingt sich auf wie ein sehnsuchtsvolles Lied. Diese Melodie wird zum Schluss wiederholt, der Marsch gewinnt immer mehr an Energie. Ein Chor kommt im Hintergrund dazu, ferne Stimmen, die eine hypnotische Wirkung auslösen. In der Livefassung aus den „Before the dawn“-Konzerten zieht dieser sich immer weitere steigernde Schluss das ganze Publikum hinein in einen gewaltigen Sog, das Publikum wird mitgerissen und übernimmt den Chor. Für mich ist das wie ein gemeinsames Aufsteigen in den Himmel. Der Zauber der Erinnerung triumphiert, das Tor zum Himmel und zur Vergangenheit wird weit aufgerissen. Einen passenderen Schluss für ein Livekonzert kann es kaum geben.
Der fulminante Rhythmus wird am Schluss aufgenommen und dann beendet durch die Töne einer anhaltenden Lokomotive, das Lied vollzieht eine Vollbremsung. Kate Bush sagte, dass dies eine Notlösung gewesen sei – es fehlte ein guter Schluss für das Lied. „That did all fall apart over a period of about ten bars. And everything just started falling apart, ‚cause it didn’t end properly, and, you know, the drummer would stop and then the strings would just sorta start wiggling around and talking. And I felt it needed an ending, and I didn’t really know what to do. And then I thought maybe decoy tactics were the way, and we covered the whole thing over with the sound of a steam engine slowing down so that you had the sense of the journey coming to an end. And it worked, it covered up all the falling apart and actually made it sound very complete in a way. And we had terrible trouble getting a sound effect of steam train so we actually made up the sound effect out of various sounds, and Del was the steam. [Laughs] And we got a whistle on the Fairlight for the ‚poo poop.'“ [7]
Zum mitreißenden Schwung trägt der strikt durchgehaltene 4/4-Takt bei, es gibt keine Taktwechsel/Brechungen im Rhythmus wie so oft sonst bei Kate Bush [6]. So ist „Cloudbusting“ geprägt durch ein fast manisches, beschwörendes Fortschreiten. Die Tonart ist ein cis-Moll, zentrale Akkorde sind der cis-Moll-Akkord und der H-Dur-Akkord, die über weite Strecken des Songs wie ein Pendel (hin und her) benutzt werden [6]. Cis-Moll symbolisiert leuchtende Schönheit und Wärme, aber alles mehr in ein Element von Schwermut und Sehnsucht getaucht. Cis-Moll eröffnet alle in unserem Herzen verborgenen Quellen der Sehnsucht, es ist die Sehnsuchtstonart schlechthin [8].  H-Dur steht gemäß Beckh [8] für Verklärung, es ist die Tonart des Hinübergehens. Ganz vereinzelt kommen andere Akkorde hinzu, so wie der fis-Moll-Akkord auf „crying“ (in „I wake up crying“), auf „coming“ (in „you could see them coming“) und auf „saying it would ever make it“ (in „Just saying it would ever make it happen“). Fis-Moll ist tiefster Abgrund, tiefste Absturzgefahr, es ist der „Abgrund des Leidens“ [8]. Allein die Akkorde erzählen schon die Geschichte.
Das Video zu „Cloudbusting“ setzt all dies perfekt um. Es ist kein Musikvideo – eher ein kleiner Film (ein Hoppsassa-Tanzfilmchen wäre auch nicht angemessen gewesen). Die Herausforderung für Kate Bush war groß – als Schauspielerin aufzutreten war für sie neu und das Darstellen eines Kindes dazu eine besonders anspruchsvolle Aufgabe.  „I think it’s something I’d obviously worried about. When you’re not a child there are lots of things that could be a problem. Like I could look old and not young. And we were also – excuse me – trying to take away the feminine edge so that in a way I could be a tomboy rather than a little girl. Trying to keep the thing as innocent as possible. And I think rather than being that worried about playing a child, I was just worried about the whole process of acting, because it’s something I’ve not really done, in a true sense. I’ve preformed in lots of ways, but not really acted. And it was something that I was wary of and I was actually surprised at how much I enjoyed it.“ [4]
Es war klar, dass dies mit einem gestandenen Schauspieler als Wilhelm Reich besonders bildmächtig werden würde. Schon von Anfang an hatte Kate Bush hier Donald Sutherland im Sinn.  „The brief, really from the start, was that I wanted a great actor to play the father. I wanted it to be a piece of film rather than a video promotional clip. I wanted it to be a short piece of film that would hopefully do justice to the original book. And let people understand the story that couldn’t really be explained in the song. So we wanted a great actor. We thought of Donald Sutherland and thought „well, chances are we won’t get him, but why not try?“ So we found a contact and explained the story and sent the script to him, and he was interested in doing it. And just happened to have the days free when we were shooting. So, um, pretty incredible really!“ [4]
Ein erster Kontaktversuch führte zu keinem Ergebnis, da der Schauspieler nicht an einem Videodreh interessiert war. Aber wenn sich Kate Bush etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt sie nicht auf. Donald Sutherland erzählte das in einem Interview zum dreißigjährigen Jubiläum des Albums „Hounds of Love“ sehr humorvoll und mit viel Respekt und Zuneigung. “Barry Richardson, who was the hairdresser on Nic Roeg’s Don’t Look Now, asked me if I’d do a music video with Kate Bush. I told him no and we went on to other conversations. A couple of days later there was a knock on my door. I lived in the Savoy Hotel (in London). On the river. Suite 312. I loved it there. So cosseted. So private. Only the floor butler rang the door. I opened it. There was no one there. I heard a voice saying hello and I looked down. Standing down there was a very small Kate Bush. Barry had told her where I lived. What can you do? She wanted to explain what her video was about. I let her in. She sat down, said some stuff. All I heard was ‘Wilhelm Reich’. I’d taken an underground copy of his The Mass Psychology of Fascism with me when I went to film (Bernardo) Bertolucci’s Novecento in Parma. Reich’s work informed the psychological foundations of Attila Mellanchini, the character Bernardo had cast me to play. Everything about Reich echoed through me. He was there then and now he was here. Sitting across from me in the person of the very eloquent Kate Bush. Synchronicity. Perfect. She talked some more. I said OK and we made ‘Cloudbusting’. She’s wonderful, Kate Bush. Wonderful. I love that I did it. (What do I remember) about doing it? I remember being in the car and the hill and them taking me, taking Reich, away and looking back through the back window of the car and seeing her, seeing Reich’s son Peter, standing there. And I remember the first morning on set seeing her coming out of her trailer smoking a joint and I cautioned her, saying she shouldn’t smoke that, it’d affect her work, and she looked at me for a second and said she hadn’t been straight for nine years and I loved her.” [9]
Regie bei Dreh des Videos führt Julian Doyle, der von Terry Gilliam empfohlen worden war.  „I’m a big fan of Terry Gilliam, I don’t know if you know him, suburb director. And I was interested in working with him and he put me in touch with Julien, who works with Terry on his movies. He’s a cameraman and this was really his first role as director. Terry was involved with the storyboard as well, and this is how I met Julian. We spent a lot of time on this video and what was nice was the way that everyone became so concerned with the story and also concerned with giving justice to it. You know everyone wanted it to be something special.“  [4] Ganz einfach war die Zusammenarbeit trotzdem nicht, da zwei detailversessene Menschen aufeinandertrafen. Terry Gilliam musste zwischendurch als Mediator eingreifen. „They had a great time shooting, but somewhere in the editing a conflict developed and I became the mediator. Kate knows exactly what she’s doing, she knows what she wants. She’s the sweetest person on the planet but she’s absolute steel inside!” [9]
Das Video ist ein gelungener Kurzfilm, es nimmt die Atmosphäre der Jahre um 1955 auf und beeindruckt mit seiner Regenmaschine.  „Well the book very little details of what the actual machine looked like. But from what I could gather the reality of the machine wouldn’t look right. On screen it’s got to be exaggerated. So it was trying to design something that would look powerful and possible of doing it but that wouldn’t be comical, because we didn’t people to laugh at it, we wanted people to be astounded by the machine. So it was really designing something that was a cross between an […] gun and a pipe organ. I just felt that it had to have these huge funnels that would reach to the sky and could be moved around. And the whole thing should be rotatable. And so we worked with some designers that worked on the Alien and I think it looked pretty good.“ [4] Entworfen wurde der Cloudbuster dann von Personen, die auch am düsteren Design des Films „Alien“ mitgewirkt hatten [10], ob HP Giger selbst mitgewirkt hat ist unsicher. Diese Maschine ist ein Geheimnis, ein Mysterium, sie hat wirklich bedrohliche Aspekte.
Kate Bush nahm dann Kontakt mit dem Autor der Vorlage, Peter Reich, auf. Sie war sich unsicher, ob er die Umsetzung mögen würde. „These were worrying moments for me–what if he didn’t like it? If I’d got it wrong? But he said he found them very emotional and that I’d captured the situation. This was the ultimate reward for me.“[11] Peter Reich war aber sehr angetan. “​Sometime in 1985, a package arrived with a video cassette and an autographed album,” says Peter Reich. “My wife and children, who were five and two at the time, listened, watched and were entranced. Quite magically, this British musician had tapped precisely into ​a unique and magical fulfilment of father-son devotion, emotion and understanding. They had captured it all.” [9]
Auch über das Video gibt es nur anerkennende Worte. ​“Watching it for the first time, and ever since, not infrequently, the video’s emotional power is overwhelming and enduring, even after 30 years – or 60 years, for me. I did meet Kate once or twice. She gave me a very British umbrella, how very appropriate, one rainmaker to another.​” [9]
Was kann sich eine Songwriterin und Komponistin mehr wünschen als Anerkennung von dem Menschen, dessen Geschichte sie erzählt hat! „Cloudbusting“ ist groß, selbst in den kleinsten Details, es ist ein Meisterwerk, kaum vergleichbar. Ich bewundere es, ich liebe es.  (© Achim/aHAJ)
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Reich (gelesen 11.08.2017)
[2] Kate Bush: „Hounds Of Love songs“. KBC article Issue 18.
[3] Peter Swales: Interview im Musician (unedited). Herbst 1985
[4] J.J. Jackson: Interview auf MTV. Unedited. November 1985
[5] N.N: Interview in Night Flight. Unedited version. November 1985
[6] Kate Bush: Hounds of Love (Songbook). London 1985. EMI Music Publishing Ltd. S.14ff
[7]  Richard Skinner: „Classic Albums interview: Hounds Of Love“. Radio 1. Gesendet 26.01.1992
[8] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Stuttgart 1999. Verlag Urachhaus. S268 (cis-Moll), S.171ff (H-Dur), S.138 fis-Moll
[9] Alex Denney: The story behind Kate Bush’s Cloudbusting video. http://www.dazeddigital.com/music/article/27217/1/the-story-behind-kate-bush-s-cloudbusting-video (gelesen 10.08.2017)
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Cloudbusting (gelesen 13.08.2017)
[11] Zwort Finkle (= Kate Bush?): „Cousin Kate“ . KBC article Issue 21 (Winter 1987).

Sep 04 2017

Paddy Bush zu Gast in der Schweiz

Passend zu der Ausstellung „Teny, Tany, Tantara. Madagaskar hören“ ist den Kuratorinnen des „Forum Schlossplatz“ im schweizerischen Aarau ein kleiner Coup gelungen: sie haben Paddy Bush für einen musikalischen Vortrag verpflichten können. „‚Teny, Tany, Tantara. Madagaskar hören‘ lädt zur auditiven Reise

auf diese riesige Insel. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Ausstellung, in der es viel zu hören und nur wenig zu sehen gibt. Wir nähern uns Madagaskar bewusst über den Hörsinn an. Denn oft passiert es blitzschnell: Betrachten wir fotografische Darstellungen von Menschen und Regionen aus dem globalen Süden, rufen diese Bilder umgehend stereotype Vorstellungen hervor. Deshalb kommen in der Ausstellung Madagassinnen und Madagassen zu Wort: Wie sehen sie die Welt und welche Werte sind für sie von Bedeutung?“ heißt es in der Beschreibung dessen, was die Ausstellungsbesucher erwartet. Zu einem Konzert war Ende August in diesem Rahmen bereits Justin Vali zu Gast. Er hat 1999 gemeinsam mit Paddy Bush das Album „The Sunshine Within“ veröffentlicht, zuvor schon für Kate bei den Songs „The Red Shoes“ und natürlich „Eat The Music“ mitgespielt und zudem 1995 auf Peter Gabriels Label Real World ein eigenes Album („The Truth“) veröffentlicht. Mit Paddy ist er zuletzt 2012 beim Womad-Festival aufgetreten. Am 21. September wird Paddy Bush dann selbst in Aarau zu Gast sein. „The beauty and complexity of Malagasy music“ lautet sein Thema. Im Pressetext zur Veranstaltung heißt es weiter: „Der britisch-irische Musiker Paddy Bush, versierter Kenner der madagassischen Musik, gibt seine Faszination für die komplexen Rhythmen und die Einzigartigkeit der traditionellen Musik weiter. Er spricht über die Besonderheiten des madagassischen Pop und darüber, wie Madagaskars Musik in die Sounds der Kate Bush-Band eingeflossen ist.

Sein Referat – in englischer Sprache – begleitet er mit zahlreichen musikalischen Kostproben.“ Wer mehr über die Ausstellung, die noch bis zum 1. Oktober läuft, wissen will, wird hier fündig.

Sep 02 2017

Kate in Polaroids: September

Cloudbusting

„Erinnerungen, seien sie gut oder schlecht. Auch Erinnerungen an schlechte Phasen des Lebens können einen weiterbringen. Abgesehen davon, dass dieser Song von Kate Bush mich an eine ganz besondere Zeit meines Lebens erinnert (sei sie auch gut oder schlecht, das ist hier unwichtig), brachte dieses Lied mich überhaupt auf die Musik von ihr“, erzählt MIchael zu dem Kate-Polaroid für September und macht es dem Betrachter diesmal ungewohnt leicht. Ein blauer Himmel, ein angedeuteter Cloudbuster, eine Wolke – alles ist klar. Genauso wie es klar ist, dass einen auch schlechte Phasen im Leben weiterbringen. Schließlich gilt zum Schluss immer: something good is going to happen!

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.

Aug 26 2017

TWW in drei Formaten

Kates Box-Set This Woman’s Work (Anthology 1978-1990) ist bei Fans heiß begehrt – vor allem natürlich wegen der zwei Bonus-CDs, auf der rare B-Seiten, Remixe und Live-Aufnahmen veröffentlicht wurden. Dass man gleichzeitig acht CDs erwerben musste, die man als Fan eh schon hatte, wurde dabei in Kauf genommen; schließlich gab es die Bonus-CDs sonst nirgendwo. Veröffentlicht wurde die Box am 22. Oktober 1990, also fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Erscheinen von „The Sensual World“. Auch wenn sich zahlreiche Raritäten auf den Extra-CDs befinden – komplett ist die Zusammenstellung nicht. So fehlen beispielsweise mehrere Single-Mixe von Songs, ebenso die Instrumentalversion von „Running up that hill“ oder Songs wie „Dreamtime“. Merkwürdig ist zum Beispiel auch, dass von den drei Songs, die Kate für die Serie „The Comic Strip“ geschrieben hat nur zwei im Boxset vertreten sind: „Ken“ und „One last look before the house before we go“ – „The Confrontation“ hingegen fehlt. Auf Ebay werden regelmäßig immer wieder Boxsets angeboten. Die Preise schnellen da schnell auch schon mal auf 300 Euro hoch; mit ein bisschen Glück kann man eine Box aber auch für 100 bis 150 Euro ergattern. Schwieriger wird es bei den Sonderformaten: Japan-Boxen sind deutlich teurer, die Vinyl-Variante (Foto links) ist fast schon unbezahlbar – wenn sie denn überhaupt angeboten wird. Aktuell gibt es ein Angebot bei Ebay aus den USA für 700 (!) Euro. Sie enthält neun LPs. Neben den sechs Alben drei weitere Alben mit dem Bonusmaterial. Mindestens ebenso selten ist die Kassettenbox (Foto oben rechts).

Aug 21 2017

Kate in der Holzbox

Diese netten Holzboxen aus Mahagoni bereiten mir schon seit Jahren Kopfzerbrechen. Mit oder ohne Zertifikat, mit oder ohne Messingplakette, aus verschiedenen Holzsorten waren sie nur für eine kurze Zeit erhältlich. Bekannt ist mir nur, dass sie von einer Firma hergestellt wurden, die Kingdom Lock heißen soll (hört sich nach England an, habe im Internet aber leider nichts gefunden). Vor Jahren habe ich einmal herausgefunden, dass sie auf 50 Stück limitiert sind. Es gibt sie auch von Madonna, Peter Gabriel. Pink Floyd ect. Aus welchem Land sie stammen, ist mir also nicht bekannt. Auf der Suche nach Infos hab ich allerdings noch etwas Interessantes herausgefunden:
During the 1990s many CD stores offered a number of CDs as limited edition in a special packaging. These editions had several things in common: They contained the official CD and the regular booklet. Some editions even enclosed the complete wrapped official CD together with the artwork. Only the packaging was special about these CDs. It was either made of wood, carton or metal and not rarely included creative contents as well. Most of these special editions had certifications to prove their “authenticity” and the number of copies. Whereas different labels released the original CDs, most special editions were just released by one company. Unfortunately the name and the origin of this company is not known to me, but as all of these Pink Floyd editions contain CDs from EMI a European origin is very likely. They have never been released through the official channels such as the record companies. (Quelle: Discogs.com – Forum)
Leider bringt das auch nicht viel Licht ins Dunkle, aber vielleicht kennt jemand von Euch Jemanden, der/die mehr weiß. Übrigens gibt es „The Whole Story“ auch in einer Holzbox. „The Red Shoes“ angeblich auch, allerdings habe ich noch keine gesehen! Happy hunting! Michael Guth

Update: Michael hat inzwischen noch herausgefunden, dass nur die ersten Holzboxen ausschließlich in England produziert worden sind. Die wurden als Testlauf auch in Deutschland vertrieben, vorrangig in Märkten wie Saturn oder Media Markt. Später wurden in Zusammenarbeit mit der englischen Firma auch in Deutschland entsprechende Boxen entworfen – mit dem Segen der jeweiligen Plattenfirma.

Aug 16 2017

Zwei Lithographien neu in der Sammlung

Gleich zwei rare Sammlerstücke habe ich kürzlich bei ebay erwerben können – vollkommen ungeplant. Links auf dem Foto die Collector’s Edition von Rubberband Girl, verpackt in schwarzem Karton mit roter Schleife samt dazugehöriger Single CD und der signierten und nummerierten Lithographie. Erschienen in einer Auflage von 1000 Stück. Rechts die Collector’s Edition von Rocket Man in weißem Karton, mit CD plus Lithographie in einer Auflage von 2000 Stück. Beide Drucke sind 8×10 Inch groß und in bestem Zustand. Gestolpert bin ich eher zufällig über die beiden Angebote, Und weil der Preis sehr fair war, konnte ich nicht widerstehen. Die Geschichte der beiden Sammlerstücke ließ sich leider nicht recherchieren. Beide Stücke stammen vom selben Verkäufer aus Ostdeutschland. Wann und wie er sie ergattert hat, wollte er leider nicht verraten. Schade.

Aug 11 2017

Das Song-ABC: The Man With The Child In His Eyes

Nach dem exaltierten, ungewöhnlichen „Wuthering Heights“ zeigt dieser Song als zweite Single aus „The Kick Inside“ eine ganz andere Seite. Eine ruhige, stimmungsvolle Ballade erklingt. Klavier und Streicher dominieren. Eine fast besinnliche Stimmung zieht sich durch den Song.
Dieser Kontrast zu „Wuthering Heights“ war eine bewusste Entscheidung. Schon hier zeigte sich, dass Kate Bush von Anfang an ein ganz klares Bild von ihrer Musik und den Mechanismen der Vermarktung darum hatte. Von Anfang an ist dieses Statement da – von mir wird es keine Wiederholung des ewig Gleichen geben.
„I’d like people to listen to it as a songwriting song, as opposed to something weird, which was the reaction to ‚Wuthering Heights.‘ That’s why it’s important. If the next song had been similar, straight away I would have been labeled, and that’s something I really don’t want. As soon as you’ve got a label, you can’t do anything. I prefer to take a risk.“ [1]
Diese Ballade ist meilenweit weg von geisterhaftem, schrillem Gesang. Mit ihren ersten zwei Singles schon spannt Kate Bush einen ganzen Kosmos von Möglichkeiten auf. Kates Stimme ist hier tief, ruhig, fast fraulich – und das, obwohl dieses Lied von einer Sechzehnjährigen gesungen wird. Der Song stammt aus ersten Demo-Sessions im Jahre 1975.
„Maybe another interesting thing about this album is that two of the tracks, ‚The man with the child in his eyes‘ and ‚Saxophone Song‘ were recorded about three years ago. This was in fact my initial plunge into the business, as they say, with the help of Dave Gilmour from Pink Floyd. I managed to get through to him through a contact of my brothers‘ and at that time he was looking around for unknown talent. He came along and heard me and we put some things down and he put up the money for me to make my first demo in a proper recording studio with arrangements. I owe to him the fact that I got my contract and that I’m where I am now. Two of these original tracks that we had on the demo are on the album, so maybe that helps with the variation.“ [2]
Es gibt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten über das, worüber hier im Lied erzählt wird. Ein Lied über einen unsichtbaren Begleiter, wie ihn Kinder oft haben? Oder vielleicht doch über einen sehr viel älteren Freund? Passiert da etwas Anstößiges? Wie so oft bei Kate ist es doppelbödig. Es wird dem Hörer überlassen, wie tief und abseitig er den Text auslegen will. Kate selbst gibt in Interviews höchstens harmlose Andeutungen von sich – und die Abgründe lässt sie aus.
„The inspiration for ‚The man with the child in his eyes‘ was really just a particular thing that happened when I went to the piano. The piano just started speaking to me. It was a theory that I had had for a while that I just observed in most of the men that I know: the fact that they just are little boys inside and how wonderful it is that they manage to retain this magic.“ [2]
Diese von Kate Bush selbst angegebene Deutung erscheint mir aber am plausibelsten. Es spricht eines der Hauptthemen an, das sich wie ein roter Faden durch das Bush-Universum schlängelt. Männer und Frauen sind sich eigentlich fremd, aber sie können nicht voneinander ablassen. Besonders schön sagt dies Kate Bush zu diesem Song in einer anderen Quelle: „I just noticed that men retain a capacity to enjoy childish games throughout their lives, and women don’t seem to be able to do that.“ [3]
Harmonisch ist das Lied eine Mischung aus e-Moll und G-Dur [4]. G-Dur enthält nach Beckh [5] stark das Element des Seelisch-Empfindenden, des Fühlenden. Es ist die Tonart der sprießenden Blütenfülle der Maienzeit, die Liebesoffenbarung im Werden der Natur. G-Dur ist anmutig, bescheiden, lieblich, innig, oft auch kindlich, unschuldig. E-Moll ist gemäß Beckh [5] klagend, aber auch erhaben, es ist die Tonart der „hellen Träume“,  Das Bewusstsein für Tonarten war offenbar bei Kate Bush von Anfang an da. „The Man with the child in his eyes“ ist ein überraschend reifer Song für eine Sechzehnjährige. „Wuthering Heights“ führte die dämonische Wildheit und die Kompromisslosigkeit vor, die in Kate Bush steckt, dieser Song im Gegensatz dazu das Nachdenkliche, fast etwas Grüblerische. Zwei Seiten einer Medaille aus Gold.  (© Achim/aHAJ)
[1] Harry Doherty: The Kick Outside. Melody Maker. 03.06.1978
[2] TKI promo cassette 1978
[3] N.N.: Bird In The Bush. September 1978. http://gaffa.org/reaching/i78_bitb.html (gelesen 30.06.2017)
[4] “Kate Bush Complete”. EMI Music Publishing / International Music Publications. London. 1987. S.119
[5] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.119 ff

Aug 06 2017

Kate in Polaroids: August

The Man With The Child In His Eyes

Vor ein paar Monaten bin ich von der Arbeit nach Hause gefahren. Im Radio setzte vollkommen unvermittelt The Man With The Child In His Eyes ein und hat mich mit voller Wucht erwischt. Ich hatte vollkommen vergessen, wie wundervoll dieses Lied ist. Michael fängt in seinem Polaroid die erste Textzeile ein: I hear him before I got to sleep – und macht sie sich zu eigen. „Ein leeres Hotelzimmer. Getrennt von dem Liebsten, nur das Telefon als Verbindung zu ihm. Das letzte Telefonat vor dem Schlafengehen…“ beschreibt er die Szenerie. I realize he’s there
when I turn the light off and turn over, heißt es im Song weiter. Im Bild ist das Zimmer dunkel, nur durch das Fenster fällt Licht. Es gibt unterschiedliche Deutungen, wie man den Song von Kate verstehen kann. Eine davon geht von einem sehr viel älteren Freund aus. Den ahnt man auf dem Bild auch verschwommen in Übergröße zu entdecken. Es dürfte aber ein Trugschluss sein, auch wenn das Foto in Leipzig in der Nähe des ehemaligen Karl-Marx-Platzes entstand…

 

Ein Interview mit dem Fotografen gibt es hier; seine Webseite hier.