TKI-Jubiläum: Der geheime Garten

The Kick InsideGenau heute vor 35 Jahren ist „The Kick Inside“, das erste Album von Kate Bush, veröffentlicht worden. Gedanken zum Album von Beate Meiswinkel.

Mit ihrer Debut-Single „Wuthering Heights“ gelang Kate Bush ein Überraschungserfolg, der von einem ersten Platz in den englischen Single-Charts gekrönt wurde. Die Öffentlichkeit hob interessiert den Kopf: Wer war die attraktive junge Dame, die mit der Vertonung des Emily Brontë Klassikers für Aufsehen sorgte, die mit ihrer unerhörten Stimme, ihren grazilen Bewegungen und einer Mimik, die ihresgleichen suchte, vollkommen aus dem Rahmen fiel? Nein, jemanden wie Kate Bush hatte man noch nicht gesehen oder gehört, und die Erwartungen an ein erstes Album waren hoch. Als „The Kick Inside“ am 17. Februar 1978 erschien, kann man sich rückwirkend nur ungefähr vorstel­len, was das Publikum damals erwartet hatte – sicherlich jedoch nicht die Einladung in jenen geheimen Garten einer Künstlerin, die damals noch weit mehr das Mädchen Cathy als der international anerkannte Popstar Kate Bush war. Wer die anrührenden Fotografien ihres Bruders John Carder Bush kennt, bekommt eine Vorstellung von der familiären Geborgenheit, in der dieser Garten angelegt wurde. Schüchtern bittet die inzwischen erblühte Kate ihre Zuhörer herein, um bei einer Tasse Tee gemeinsam über Gott und die Welt zu philosophieren. Und mit dem unverbrämten Idealismus der Jugend, den die Glücklichsten von uns sich zeitlebens bewahren, sind in Cathys Musik und Poesie vertrauliche, ja intime Dialoge möglich, wie sie nur zwischen sehr engen Freunden in einem geschützten Raum entstehen können. Hier kann alles benannt und thematisiert werden, was wirklich zählt. Dinge, die man im späteren Leben durch Desillusionierung, Werteverschiebung, Kompromisse-Eingehen, Mutlosigkeit, der Jagd nach immer mehr, Erfolgsdruck, Zeitmangel und andere moderne Untugenden so leicht aus den Augen verliert, während einen die innere Sehnsucht danach zerreißt. Vielleicht tut es deshalb ab und zu ganz gut, einmal zurückzublicken – 35 Jahre in die Vergangenheit. Zurück in die eigene Kindheit und Jugend, und zurück zu den Anfängen einer inzwischen ebenfalls viel abgeklärteren Künstlerin, die ihr Leben wahrscheinlich auch nicht frei von persönlichen Abstrichen führen kann. In unseren Anfängen war einfach vieles anders. Wir haben uns weiterentwickelt, und darauf dürfen wir stolz sein. Doch ein Blick zurück in die Tage der Unschuld, vielleicht über die ebenso kompromisslos idealistischen Köpfe unserer eigenen Kinder hinweg, kann das innere Schatzkästlein unserer Seele öffnen.

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