Der (…) rote Knopf

erskine1Jazz-Schlagzeuger Peter Erskine, der viele Jahre für die Gruppe Weather Report getrommelt hat, beschreibt in seinem Buch „No Beethoven“ rückblickend auch die Zusammenarbeit mit Kate anlässlich der Aufnahmen zum 2005er Album Aerial. „Sie hat bei uns zuhause angerufen und sich erst ein bisschen mit meiner Frau unterhalten“, erzählt Erskine, dem im Laufe des Telefonats erst klar wurde, mit wem er da überhaupt telefoniert – mit der Frau, die auf dem Peter Gabriel-Song „Don’t give up“ sang. Welchen Bekanntheitsgrad Kate zumindest in Europa hatte, realisierte er erst, als er zu den Aufnahmen flog: „Es gab sehr spezielle Anweisungen, was ich zu wem sagen durfte und was nicht.“ So durfte er zum Beispiel auch nicht ausplaudern, für wen er arbeiten würde – was es, wie sich Erskine erinnert, nicht gerade leicht gemacht hat, sein komplettes Drumset nach England in ihr Studio zu transportieren. „Kate Bush ist eine überaus kreative Künstlerin und eine sehr warmherzige Frau“, so Erskine weiter, der allerdings ein Problem mit dem Zeitablauf der Aufnahmen hatte. Erskine: „Ich wollte für sie in der knapp bemessenen Zeit immer so viel wie irgend möglich erledigen.“ Kate hatte da offenbar ein anderes Tempo. Erskine hat dazu auch eine wundervolle Anekdote parat: „Bassist John Giblin – ein wirklich exzellenter englischer Rockbassist – spielt eine Melodie, als ich den Kontrollraum im Studio betrete. Das klingt wirklich wundervoll. Er klingt inspiriert, nimmt mit dem Bass die Melodie auf, als ob er mit einem Ski eine rasante Abfahrt über einen schwierigen, aber wundervollen Abhang hinlegt. Als er fertig ist, sagt der Toningenieur: Okay, willst Du, dass wir das jetzt aufnehmen? Das ist natürlich der älteste Toningenieur-Witz den es gibt, nur mit dem Unterschied, dass er gar keinen Witz gemacht hat und John noch nicht mal verärgert darüber war.“ Aufgeregt in der Situation ist nur Peter Erskine selbst, der sich den Toningenieur, natürlich Del Palmer, schnappt: „Du hast nichts davon aufgenommen? Was zum Teufel hast Du denn gemacht? Alles was Du tun musst, ist einen beschissenen roten Knopf zu drücken!“ Del Palmer habe daraufhin nur gegrinst – und ihn rausgeschmissen. Eine positive Erfahrung war es für Erskine trotzdem: Den meisten Spaß habe es gemacht, als Live Band mit Kate am Piano zu spielen, während sie auch gesungen hat. Erskine verrät zudem, dass von vielen der Songs sehr unterschiedliche Versionen ausprobiert wurden. Ob die allerdings auf Band existieren, kann man dank Del Palmer bezweifeln.

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