
Von Beate
Wer die Musik von Kate live genießen möchte, hat dazu nur sehr eingeschränkt Gelegenheit. Wir können uns mit dem „Live At Hammersmith Odeon“ Video und der „Kate Bush On Stage“-EP an die Tour of Life anno 1979 erinnern. Oder uns das „Before The Dawn“ Album anhören, während wir der Hoffnung frönen, dass irgendwann die Veröffentlichung einer DVD bzw. Blu-ray der 2014er Konzertreihe im Londoner Hammersmith Apollo folgt. Natürlich gibt es auch noch YouTube, oder wir haben die eine oder andere „Konservere“ in unserer Sammlung.
Eine Alternative wäre, das Konzert einer Kate Bush Tribute- oder Coverband zu besuchen, von denen es inzwischen mehrere gibt. Zu ihnen zählen “Hounds of Love”, “Almost Kate Bush”, “Moments Of Pleasure”, “An Evening Without Kate Bush” oder das deutsche Ensemble “KaBoo music“ mit ihrer „Wuthering Night“.
Befreundete englische Fans legten mir wärmstens die Band “Cloudbusting – The Music of Kate Bush” ans Herz. Als diese am 4. Oktober ihr allererstes Konzert in Deutschland gaben, nutzte ich die Gelegenheit und fuhr nach Oberhausen, um im Zentrum Altenberg einen wahrhaft zauberhaften Abend zu erleben.
Mit „Wow“, „Moving“ und „Symphony In Blue“ eröffneten Cloudbusting ihre Show, die aus zwei Sets mit zwanzigminütiger Pause bestand. Sängerin Mandy Watson, Bassist Dave Roberts, Gitarrist Chris Voysey, Schlagzeuger Adam Aggiss und (in diesem Line-up) Keyboarder Matthew Bowers spielen bereits seit 15 Jahren zusammen. Bei ihrer reifen, stimmigen und runden Performance war schnell zu erkennen: Es geht der Band überhaupt nicht darum, eine echte Kate Bush Show zu imitieren. Ihr Anliegen ist es vielmehr, Kates Musik gemeinsam mit ihrem Publikum zu zelebrieren und zu genießen.

Mandy Watson brachte es in ihrer Ansage zu „The Man With The Child In His Eyes“ wie folgt auf den Punkt: „Als ich zwölf Jahre alt war, sang ich zu diesem Lied vor dem Spiegel in meine Haarbürste. Im selben Alter schrieb Kate bereits solche Meisterwerke!“ Die Sängerin besticht mit einer klaren, ausgewogenen Stimme, die dem Gesangsbereich von Kate mühelos gewachsen ist. Die Musiker sind hervorragend aufeinander eingespielt und interagieren mit sympathischer Leichtigkeit und entwaffnender Freude.
Die Setlist umfasste an diesem Abend neunzehn Stücke plus zwei Zugaben – ein Querschnitt durch alle Alben vom Debut bis hin zu „Aerial“. Besonders intensiv fand ich „Army Dreamers“, „Breathing“ und „Lily“. Tief berührt hat mich „Don’t Give Up“, bei dem Dave Roberts mit seiner einfühlsamen Stimme den männlichen Gesangspart übernahm sowie „James And The Cold Gun“, wo Drummer Adam Aggiss sein Können unter Beweis stellte. Chris Voysey bestach mit schönen Soli und Matthew Bowers rundete mit seinem Keyboard das akustische Gesamtbild ab.
Riesig gefreut habe ich mich über „Sunset“, „Rubberband Girl“, „The Red Shoes“ und „The Sensual World“. Bei „This Woman’s Work” zerdrückte ich ein paar Tränchen. Dass Cloudbusting auch technisch Anspruchsvollem gewachsen sind, bewiesen sie mit „Sat In Your Lap“. Etwas später kam beim gleichnamigen Song der Original-„Babooshka“-Bass aus dem Nachlass von Del Palmer zum Einsatz, der sich im Besitz der Band befindet. Kate selbst posierte seinerzeit mit dem Instrument für Promo-Fotos.
Apropos Del Palmer: Kates langjähriger Wegbegleiter, Bassist und Toningenieur stand persönlich mit der Band auf der Bühne. „Von allen Tribute-Versionen, die ich gehört habe, kommen Cloudbusting dem Original am nächsten“, fand er. Auch Schlagzeuger und Perkussionist Preston Heyman, der auf „Never For Ever“ und „The Dreaming“ zu hören ist und der auch bei der „Tour Of Life“ mitwirkte, sowie Stewart Avon-Arnold, Kates Co-Choreograf und Tanzpartner, traten bereits mit der Gruppe auf.
Dass es weder aufwändige Kostümwechsel noch Showeinlagen gab, verstärkte nach meinem Empfinden das familiäre, innige Miteinander zwischen Band und Publikum. Zur visuellen Umsetzung der Songs wurden auf einer Leinwand Videoprojektionen gezeigt, abgerundet durch die sorgfältig abgestimmte Bühnenbeleuchtung.
In dieser Weise erschaffen Cloudbusting eine Konzerterfahrung ohne jegliche Anbiederung an eine Künstlerin, die klar unerreicht bleibt. „Ich bin nicht Kate Bush. Ich bin Mandy Watson“, so die Sängerin in einer weiteren ihrer Ansagen. „Das ist mir sehr wohl bewusst. Wir sind selbst große Fans und teilen mit euch allen die große Liebe zu Kates Musik.“ Das gelingt Cloudbusting auch mühelos. Es bleibt zu hoffen, dass dieses erste Konzert in Deutschland nicht ihr letztes bleiben wird. Zumindest haben sie beim frenetischen Schlussapplaus versprochen, wiederzukommen: „Germany, where have you been all our lives?“ Wer indessen die Gelegenheit hat, im Mai oder Juni kommenden Jahres ins Vereinigte Königreich zu reisen, könnte in den Genuss einer ganz besonderen Erfahrung kommen: „Classical KATE BUSH – An orchestral celebration of This Womans Work“ mit Cloudbusting und dem Sinfonieorchester West London Sinfonia. Tickets gibt es bei www.classicalkatebush.com
Die Setlist an diesem Abend: Set 1 mit Wow, Moving, Symphony In Blue, Sunset, The Man With The Child In His Eyes, Army Dreamers, Breathing, Don’t Give Up, Them Heavy People, James And The Cold Gun. Set 2 mit Rubberband Girl, The Sensual World, The Red Shoes, Lily (mit gesprochenem Intro von TRS), Sat In Your Lap, Hounds Of Love, Babooshka, This Woman’s Work, Wuthering Heights. Zugabe: Running Up That Hill und Cloudbusting.
Weitere Infos: Cloudbusting mit Del Palmer https://youtu.be/YUp2G6yQyhw?si=sthwOYepl4W-tCOh; Cloudbusting – The Music of Kate Bush | Cloudbusting – The Music of Kate Bush; Babooshka-Bass Del Palmers “Babooshka Bass” | TalkBass.com; The Man With The Child In His Eyes – Cloudbusting mit Stewart Avon-Arnold The Man With The Child In His Eyes (Kate Bush); Cloudbusting und West London Sinfonia Wuthering Heights performed by Cloudbusting – The Music Of Kate Bush and The West London Sinfonia.



















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