It’s in the trees: Der Fall Wilhelm Reich im Kino

Der Fall Wilhelm Reich

© Filmladen Filmverleih / Eva Kees

In knapp sieben Minuten erzählt Kate Bush in ihrem Video zu dem Song Cloudbusting die Geschichte von Wilhelm Reich. Prominenter Reich-Darsteller 1985: Donald Sutherland. Regisseur Antonin Svoboda erzählt die Geschichte Wilhelm Reichs ausführlicher im Kinoformat. Prominenter Darsteller diesmal: Klaus Maria Brandauer. Am 5. September kommt der Film in die deutschen Kinos.

Der Fall Wilhelm Reich

© Filmladen Filmverleih / Martin Gschlacht

Auf die letzten zehn Lebensjahre von Wilhelm Reich hat Svoboda sich beschränkt. Es ist nicht seine erste Auseinandersetzung mit dem Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologen. Bereits 2009 hatte Svoboda einen Dokumentarfilm unter dem Titel „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?“ abgedreht. „Ich finde es sehr mutig, scheinbar einfache Fragen in einer komplexen Welt zu stellen, in der oftmals das Wesentliche nicht mehr sichtbar ist. Zwar hat sich Reich auch mit komplexen Vorgängen im Menschen und in der Natur beschäftigt, aber seine Suche war immer eine Suche nach Einfachheit. Die Frage, ob es ein einfaches Prinzip hinter all den Dingen gibt, ist sehr faszinierend und irgendwie auch befreiend.
Wenn es etwas Persönliches gibt, was mich an Reich fasziniert, dann ist es letztlich sein intuitiver Zugang“, erklärt Svoboda in einem Interview zu seinem neuen Kinofilm. Dabei, so Svoboda, sei der Spielfilm die erste Idee gewesen: „Es hat vor sieben Jahren mit dem ersten Drehbuchentwurf begonnen und mir war bald klar, dass ich mir einen großen theoretischen Background erarbeiten und intensiv recherchieren muss. Dadurch wurde das Drehbuch irgendwie überfüllt und überladen, so dass es einfach keine sinnliche Annäherung mehr war. Mich hat der wissenschaftliche Stoff und die äußerst umfangreiche Biografie mehr oder weniger erschlagen. Also war der nächste Schritt, erst einmal eine Dokumentation daraus zu machen. Danach konnte ich mich dem Kern der Geschichte und der Person gegenüber wieder öffnen und in eine emotionale Geschichtenerzählung zurückfinden. Die letzten zweieinhalb Jahre habe ich dann intensiv mit Klaus Maria Brandauer am Drehbuch gearbeitet und dadurch haben sich die wichtigen Stationen und Momente des Grenzgängers Reich heraus kondensiert.“ Natürlich will auch Svoboda eine Geschichte erzählen. „Ein Film ist immer eine Art von Überhöhung. Jeder Spielfilm, auch ein Biopic oder Periode Picture muss kondensieren und dramatisieren. Das ist schlicht dem Geschichten Erzählen immanent“, erklärt er. Aber: „Alle historischen Elemente, die vorkommen, basieren auf wahren Begebenheiten. Ich wollte nicht versuchen, innerhalb der Forschung Reichs oder seiner politischen Verfolgung noch etwas zu erfinden. Die Geschichte an sich ist schon so fantastisch oder ungeheuerlich, dass es Grundlage genug für den Spielfilm war. Man nehme nur seinen Weg von einer körperorientierten Psychotherapie bis hin zum ‚Regen machen‘ im Sinne einer Heilung der Natur.“ Ähnlich wie Kate Bush in ihrem VIdeo beschränkt sich Svoboda auf die letzten zehn Lebensjahre von Reich und  auf seinen Konflikt mit der amerikanischen Food and Drug Administration. Die hatte seine Schriften 1957 verbrennen lassen – wie es 24 Jahre zuvor schon die Nazis mit seinen Büchern gemacht hatten.

Antonin SvobodaDer Wiener Svoboda ist übrigens Jahrgang 1969 – und kennt den Song samt Video von Kate nur zu gut: „Diesen Song habe ich aus meiner Kindheit seltsam eindringlich in Erinnerung. Möglicherweise, weil Kate Bush damals sehr früh eine filmische Erzählung für einen Musikclip wählte, vielleicht aber auch wegen des ungewöhnlichen Inhalts, Regenmaschine, diese schwarzen Männer, wie sie immer mal als Weltfresser so z.B. bei Momo, auftauchen. Und Kate Bush mit Stromfrisur als zurückgelassener Sohn wirkt natürlich auch auf die Verlassenheitsängste eines Kindes. Ich habe den Song dann für meinen Dokumentarfilm „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich“ lizensiert und als Schlusssong gewählt, dafür auch direkt mit ihrem Management Kontakt aufgenommen, die sehr entgegenkommend waren. Ich denke, Wilhelm Reich ‚still means something to her‘.“

Der Film „Der Fall Wilhelm Reich“ kommt in Deutschland am 5. September in die Kinos. Mehr Informationen gibt es hier.

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