Mai 03 2017

Von Klassik über Jazz zu Kate Bush

Vor vier Jahren war Thomas im Berliner b-flat und hat dem New European Jazz Collective gelauscht. Sängerin war damals Lea W. Frey, die im 2. Teil des Konzerts gleich mehrere Kate Bush-Stücke präsentiert hat. „Kate Bush und Jazz funktioniert! Die Stimme von Lea Frey auch“, hat Thomas damals für den Blog geschrieben. Ein großes Lob, schließlich gibt es nicht viele Sängerinnen, die Kate-Songs singen können, und vor allem gibt es die nur selten in Deutschland. “Ausnahmestimme und singende Grenzgängerin” beschreibt denn auch „Deutschlandradio Kultur“ die Jazz-Sängerin Lea W. Frey, und die „Süddeutsche“ bescheinigt ihr „ein hohes Suchtpotenzial”. Thomas hat Lea – die mitten in der Produktion eines neuen Albums steckt – jetzt wieder getroffen: in einem Berliner Café, extra für den Blog.

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Foto: Dovile Sermokas

Lea, Du warst im Sommer 2013 mit dem New European Jazz Collective mit Kate-Bush-Songs unterwegs. Wie entstand die Idee, Kate-Songs im Jazz-Gewand mit Big Band zu covern?

Lea W. Frey: Auf meinen ersten beiden Alben mit Coverversionen hatte ich schon zwei Stücke von Kate dabei und war daher schon sehr vertraut mit ihrer Musik. Mit Malte Schiller, der die Stücke arrangiert hat, habe ich bei einer anderen Gelegenheit in einer kleinen Formation zusammen gespielt. Für diesen Auftritt hatte ich ihm unter anderem Kate-Bush-Stücke vorgeschlagen. Als Malte Schiller später mit vielen jungen Jazz-Musikern ein Programm unter anderem mit Kate-Bush-Songs als Big Band auf die Beine stellen wollte, hat er sich daran erinnert und mich angerufen. Er wollte mich als Solistin dabei haben, und für mich war es stimmiger, einen kompletten Kate-Bush-Abend zu machen und mehr in die Tiefe zu gehen, als einzelne Songs in ein Gesamtprogamm einzustreuen.

Ihr habt die Songs King of the Mountain, And dream of sheep, Wedding List, Army Dreamers und Song of Solomon in wunderbaren, epischen Arrangements gespielt. Wie bist Du zu genau diesen Stücken in Deiner Songauswahl gelangt?

Lea W. Frey: Zunächst habe ich alle Alben ganz intensiv durchgehört und dabei auch die Band-Besetzung und die Art wie Malte Schiller arrangiert im Hinterkopf gehabt. Alle diese Songs hatten eine ganz besondere Stimmung und haben mich berührt. Das kann entweder die Atmosphäre des Stückes sein, aber auch eine Textzeile, bei der ich dachte, dass es sich lohnen kann, den Kern herauszuarbeiten und in eine andere musikalische Welt zu integrieren. Es ist allerdings auch eine große Herausforderung, mit dem Material von musikalischen Königinnen wie Kate Bush zu arbeiten.

Wie lange hat es gedauert, diesen Abend vorzubereiten?

Lea W. Frey: Den ganzen Sommer. Natürlich gab es eine Kernzeit, in der man übt. Davor war der Prozess ein bisschen wie Ping-Pong. Ich hab mir Kate angehört in all ihrer Intensität und versucht, sie als Künstlerin einzuatmen. Dann habe ich Malte Schiller Vorschläge geschickt, er hat die Songs passend zu seinen Arrangements ausgewählt, und wir haben geschaut, was am besten funktioniert.

Was bedeutet Dir Kate Bush und ihre Musik?

Lea W. Frey: Sie ist eine der wenigen Künstlerinnen, die über Jahrzehnte ihre eigene Welt, ich möchte fast sagen: ihr eigenes Universum, erschaffen hat. Mich beeindruckt ihre kreative Vielfalt. Neben der Musik eben auch der Tanz, die Regie bei einigen ihrer Videos. Oder die Visualisierung der Songs auf der Bühne und in den Clips, ihre Texte, ihre Eigenständigkeit und dass manche Dinge einfach crazy sind – aber immer mit großer Aufrichtigkeit. Deshalb ist es egal, wie viele Stile sie mischt oder was auch immer passiert: es ist immer sie selbst. Sie lässt bei mir ganz starke Bilder entstehen. Man spürt, dass sie ihre Musik auch auf anderen Ebenen wirken lassen möchte. Davor habe ich Hochachtung. Kate Bush ist übrigens die einzige Sängerin, die ich gecovert habe. Alle anderen Songs wurden von Männern gesungen.

Bei all den Möglichkeiten im Gesangsfach: Du singst neben Jazz ja auch Klassik. Wie kam es zur Entscheidung, Jazz-Gesang zu studieren, und wo liegen heute Deine Schwerpunkte?

Lea W. Frey: Begonnen habe ich tatsächlich mit Klassik. Nebenbei hatte ich heimlich meine Rockband, weil meine Klassik-Lehrerin mir das verboten hatte.

Hatte sie Angst, dass Du Dir die Stimme ruinierst?

Lea W. Frey: Das hat sie befürchtet. Was aber überhaupt nicht stimmte. Ich kam von der Band-Probe und sie meinte dann ‚Du klingst aber heute besonders gut‘. Es hat funktioniert, meine Stimme ist recht robust. Ich habe mich also schon immer an verschiedenen Richtungen abgearbeitet. Am Ende wurde es das Jazz-Studium. Wohl auch, weil ich weiter in Richtung eigener Stücke gehen wollte. In den letzten Jahren überwiegt der Jazz, aber ich denke, ich bekomme beides gut unter einen Hut.

Auf Deinen ersten beiden Alben hast Du neben Kate-Bush-Stücken unter anderem Coverversionen von Tom Waits, The Smiths, The Verve und The Smashing Pumpkins gesungen. Im Herbst erscheint Dein neues Album. Was wird uns erwarten?

Lea W. Frey: Dieses Album wird ausschließlich eigene, englisch gesungene Stücke enthalten. Am Ende haben es zehn Songs auf die Scheibe geschafft. Geschrieben und eingespielt haben wir deutlich mehr. Wir haben kleine Konzerte gegeben, um zu testen, welche Titel  auf der Bühne gut funktionieren und wie sie beim Publikum ankommen. Zunächst haben wir die Songs live als Band in Berlin im Studio in Prenzlauer Berg eingespielt und anschließend mit Overdubs (mal subtil – mal ausgeprägter) vielschichtiger und komplexer gemacht. Die Band, das sind Liz Kossack, Peter Meyer, Bernhard Meyer und  Andi Haberl. Gemischt hat die Lieder Olaf Opal, und es fühlt sich richtig, richtig gut an – vielleicht auch, weil wir keine Kompromisse eingegangen sind. Dabei hat die Produktion zwei bis drei Jahre benötigt. Aber mit diesen Liedern fühle ich mich jetzt wirklich angekommen. Am 10.Juni werden wir übrigens eine Listening-Session auf dem „Teufelsberg“ unter dem Himmel über Berlin veranstalten. Ein Ort, der mir sehr viel bedeutet.

Zurück zu Kate Bush: Wenn Du 50 Words for Snow, ein streckenweise jazziges Werk, mit ihren anderen Alben vergleichst…?

Lea W. Frey: Interessante Frage. Ich würde sagen: dezenter, vorsichtiger, weniger Kontraste, vielleicht auch weniger brennend, dafür aber reifer und ätherischer.

Zugegeben, jetzt kommt eine sehr hypothetische Frage, da Kate ja immer für Überraschungen gut ist. Denkst Du, dass Kate auch in Zukunft weiter in Richtung Jazz geht? Wie stellst Du Dir ihr nächstes Album vor?

Lea W. Frey: Grundsätzlich gibt es ja die zwei Fragen: Willst du dich verkleinern oder willst du dich vergrößern. Ich könnte mir eigentlich vorstellen, dass nach diesem Album nochmal etwas bombastisches, ausladendes kommt. Das fänd ich toll.

Haben wir die Chance, in Deinen Konzerten auch künftig hin und wieder Kate-Cover zu hören?

Lea W. Frey: Das kann ich mir gut vorstellen. Möglicherweise gibt es sogar ein Revival des Kate-Bush-Abends. Ich habe vor kurzem mit Malte gesprochen und wir würden das beide gerne machen. In diesem Jahr definitiv nicht mehr, 2018 könnte es aber passieren.

Wer mehr über Lea W. Frey erfahren will, wird auf ihrer Internetseite und bei Facebook fündig. Ein weiteres Interview mit Lea gibt es rechtzeitig vor dem Erscheinen ihres neuen Albums.

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