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Jul 02

„Neue Türen aufgestoßen“

water400Ein Tattoo sollte es ursprünglich werden. Auf dem Arm von Jen Storer. Jen liebt die Textzeile „Two steps on the water“ aus dem Song Hounds of Love. Sie sei in diese Worte regelrecht vernarrt, schreibt sie: „Wie kann es sein, dass ein paar Worte einen so zum Rotieren bringen können? Es ist die Poesie, nehme ich an.“ Aus dem Tattoo ist trotz der Poesie nichts geworden – aus einem einfachen Grund: Da, wo Jen Storer zu Hause ist, in Melbourne, gibt es eine junge, ziemlich coole Band, die auf der Suche nach einem Namen genau auf diese Textzeile verfallen ist. Also hat Jen sich hingesetzt und gemalt – ein Mädchen, die Schuhe in der Hand, und man weiß nicht so genau, ob sie die zwei Schritte auf dem Wasser noch vor sich hat.
„Ich liebe zeichnen und malen, aber es ist mehr oder weniger nur ein Hobby für mich“, erzählt Jen. Was bei diesem Bild wahrlich eine Untertreibung ist. Das hat aber vielleicht auch damit etwas zu tun, dass Jen Storer statt zum Malen und Zeichnen selbst eher zur Poesie neigt – in Australien ist sie eine ziemlich bekannte und vor allem prämierte Kinderbuchautorin, die schon 15 JenStorer400Bücher veröffentlicht hat. Groß geworden ist Jen in einer eher ländlich geprägten Kleinstadt, 300 Kilometer von Melbourne entfernt. Kulturangebote? Fehlanzeige. „
Aber ich erinnere mich, als Wuthering Heights in die Charts kam, fand ich es atemberaubend. Ich war ungefähr 17 zu der Zeit. Es gab damals nur zwei Fernsehsender. Ich habe mir jeden Sonntag die Musik-Show ‚Countdown‘ angeguckt, um diese außergewöhnliche Frau zu sehen, die so eigenartig und eindringlich in ihrem Video getanzt hat. Das war so herausfordernd und mutig. Kates Darbietung hat damals meine Überzeugung bestätigt, dass es mehr im Leben gibt, als Weizenfelder und Football.“ Wovon Kate da überhaupt sang, wusste Jen damals nicht, auch die Buchvorlage kannte sie nicht. „Ich wusste nur, dass ich dieses Gefühl, das sich hinter dem Text verbarg und dieses Melodramatische über alles liebte.“ Erst Jahre später hat sie das Buch „Wuthering Heights“ gelesen, als Krankenschwester während der Nachtschicht. Stück für Stück setzte sie die Bedeutung von Kates Texten für sich zusammen. „Wichtig war nur, dass Kate mich inspiriert hatte. Ihre Musik hatte mich auf eine so mächtige Art und Weise bewegt. Es spielte eine entscheidende Rolle, um mich zu meiner eigenen kreativen Reise aufzumachen. Es öffnete mir intellektuell, emotional und künstlerisch neue Türen“, erinnert sich Jen. Nach einer gescheiterten Ehe beschloss sie ihrem Herzen zu folgen und widmete sich fortan ihrer Liebe zu Sprache und Literatur.“Ich ging zur Universität und studierte Film und Literatur. Im Anschluss veröffentlichte sie 2009 ihren ersten Fantasy-Roman „Tensy Farlow and the Home for Mislaid Children“ für Kinder ab zehn Jahren. Der Roman wurde ein Erfolg und gleich für zahlreiche Preise nominiert.
Eine Grundfrage bleibt: Inwieweit ist Jen von Kates Musik als Kinderbuchautorin beeinflusst? Immerhin prallen da zwei ähnliche Welten aufeinander. Kate Bush, die in Musik verpackt Geschichten für Erwachsene erzählt, die bestens für Kopfkino geeignet sind, und Jen, die mit ihren fiktiven Geschichten die Fantasie von Kindern anregt. „Bei mir sitzt der Einfluss von Kate so tief, dass ich manchmal gar nicht mehr zwischen ihrer Musik, ihren Texten und meiner eigenen Fantasie unterscheiden kann“, antwortet sie. „Kate’s Werke zeugen aber vor allem von einer gewissen Verletzlichkeit, und ich glaube das ist genau der Teil, wo ihre Kunst meine Geschichten beeinflusst.“
Dann sagt Jen noch etwas, das viel mehr darüber aussagt, was für ein Mensch sie ist: „Danke, dass Du mich an all das erinnert hast. Es war wunderbar zurückblicken und zu sehen, welch zentrale Rolle Kates Arbeit bei meiner eigenen kreativen Entwicklung gespielt hat.“ Und sie könnte noch viel mehr erzählen. Über Cloudbusting zum Beispiel. Vielleicht sollte sie einfach wieder zum Stift greifen und malen…

Wer mehr über Jen Storer und ihre Bücher erfahren will, wird hier und in ihrem Blog fündig.

 

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