Klingende Postkaten mit Kate

Die polnischen Klangpostkarten: oben Blow Away, unten All We Ever Look For, Delius und Wuthering Heights
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist flexi-polen400-244x1024.jpg

Inzwischen sind sie ziemlich rar geworden: die Klangpostkarten aus Polen. In den früheren Ostblockländern waren sie ziemlich weit verbreitet, produziert wurden sie insbesondere in Polen und Ungarn. Die Postkarten waren oft mit einer Plastikschicht mit Rille überzogen und konnten so auf dem Plattenspieler abgespielt werden. Ein Song passte so auf eine Postkarte, die auf der Rückseite mit einem (oft lieblosen) Motiv als Ansichtskarte verziert war und natürlich ausreichend frankiert auch verschickt werden konnte. Beliebt waren die Klangpostkarten auch deshalb, weil sich die Macher illegal an westlicher Popmusik vergriffen. Das schon in den 60ern, als die Beatles aufkamen. Aber auch in der 80ern bediente man sich noch bei den Größen des Musikgeschäftes und so gab es beispielsweise vom polnischen Verlag Krajowa Agencja Wydawnicza (KAW) mindestens sechs Karten mit Musik von Kate, die in einem einheitlichen Layout erschienen sind. Zu den Songs Wuthering Heights, Babooshka, Blow Away, Delius (Song of Summer), All We Ever Look For und Egypt wurde als Ansichtsseite jeweils ein Bild des polnischen Künstlers Kazimierz Mikulski verwendet. Der 1998 in Krakau verstorbene Mikulski war Maler, Bühnenbildner, Schauspieler und Illustrator und stand dem Surrealismus nahe. Natürlich handelte es sich bei den Flexidisk-ähnlichen Pressungen nicht um legale Musik-Veröffentlichungen, auch wenn der Verlag in Polen nicht ganz unbekannt war und sich zudem noch bei Werken eines polnischen Künstlers bediente. Die musikalische Qualität der abzuspielenden Postkarten dürfte eher bescheiden gewesen sein, ähnlich wie bei den russischen Flexi-Disks (Schallfolien), die aus einfachem Material gefertigt waren und die eher als Wegwerfobjekt betrachtet wurden, dafür aber, wie Michael auf seiner Seite hier beschreibt, oft sehr schön produziert wurden, wie zum Beispiel bei der transparent-blauen Flexi Babooshka. Die Songauswahl war auch bei den Flexis oft erstaunlich, so listet Micha etwa Exemplare wie Ken, The Fog oder One Last Look Around The House Before We Go. Die Babboshka-Flexi taucht bei Ebay immer wieder auf, ist aktuell für 20 bis 25 US-Dollar zu erwerben. Andere Flexis sind deutlich seltener, die Postkarten hingegen sind kaum noch zu bekommen. Schallfolien gab es übrigens auch in Deutschland, meist zu Werbezwecken, durchaus aber auch als Beigabe in Musikzeitschriften. Von den Exemplaren dürften auch nur wenige überlebt haben.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Bitte ausfüllen. Danke. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.