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Apr 17 2016

Get Out Of My House als Quelle der Inspiration

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Blixa Bargeld von den „Einstürzenden Neubauten“: Hat sich die Band bei ihrem Song „Haus der Lüge“ von Kates „Get Out Of My House“ inspirieren lassen?

Gewaltige fünfeinhalb Minuten entrollen sich in „Get Out Of My House“, die zumindest nach Einschätzung von Stefan nicht ohne Folgen geblieben sind. Wer über die reine Analyse fürs Song-ABC hinaus noch Lust hat, literatur- und popmusikgeschichtlich über den Song weiterzuspinnen, der/dem empfiehlt Stefan hier ein paar spannende Rückbezüge und Querverweise:
Der englische Schauerroman-Autor William Hope Hodgson hat 1908 mit „The House On The Borderland“ [deutsch: William Hope Hodgson::Das Haus an der Grenze und andere phantastische Erzählungen, Insel-Verlag, 1973.] sein Meisterstück geschrieben. Die vielen verwinkelten Zimmer und Türme, die Verliese und Speicher dieser alten Villa – könnten sie eine Auswirkung auf Kate gehabt haben? Bei Graeme Thomson [„Under The Ivy“, S. 190] findet sich der Hinweis, dass Kate von Stephen Kings „Shining“ inspiriert war, was völlig plausibel ist. Einen ebenso körperlichen Horrorroman über ein abgründiges Bauwerk hat Mark Z. Danielewski 2000 mit „The House Of Leaves“ [deutsch: Mark Z. Danielewski: Das Haus, Klett-Cotta 2007, übersetzt von Christa Schuenke]  geschrieben – Kates Song wäre hierzu ein passender Soundtrack.
Auch musikalisch hat Kate vielleicht nicht aus dem luftleeren Raum gegriffen: Immerhin hat Kollege Peter Gabriel mit dem „Intruder“ auf seinem dritten Album, an dem sie ja beteiligt war, 1980 eine ähnliche Thematik verfolgt – er jedoch aus der Gegenperspektive desjenigen, der ins Haus hineingeht. Und wer will, kann auch in den gruseligen, damalige Popmusikstandards auflösenden Strophen der Japan-Single „Ghosts“ vom März 1982 eine gewisse psychologische Verwandtschaft sehen. Direkter Einfluss – oder einfach der Zeit“geist“? Und letztlich könnte man mal Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten fragen, ob er Kates Song kannte: Denn die Haus- und Körpermetaphorik vom 1989 entstandenen „Haus der Lüge“ (Geschoss – Schoß!) hat so frappierende Ähnlichkeiten mit der in „Get Out Of My House“, dass eine Inspiration durch Kates Stück durchaus möglich wäre. Nicht nur textlich weisen die Neubauten hier Parallelen auf, sie haben auch mit gesampelten Metall- und Glassounds Kates Prinzip der „handwerklichen“ Soundschichtungen – wie in vielen ihrer anderen Stücke auch – weitergeführt.
Genau diese perkussive Arbeit mit gefundenen Objekten, die Kate mit dem Fairlight Anfang der 1980er auf „The Dreaming“ erstmals konsequent durchgezogen hat, findet bis heute vielfach Verwendung in der anspruchsvollen Popmusik, sei es gesampelt oder live eingespielt: Tom Waits hat sie zum Bauprinzip etlicher Alben gemacht, angefangen bei „Swordfishtrombones“, später auch auf Werken wie „Bone Machine“ (1991) oder „Mule Variations“ (1999). Empfehlenswert ist schließlich auch eine Hörsession mit Alben aus der Kreativschmiede des Montrealer Produzenten Jean Massicotte: Etwa wie er die Perkussion auf einigen Tracks des Albums „The Living Road“ (2003) der US-Mexikanerin Lhasa de Sela baut. Oder ganz aktuell auf „La Boca“, dem herausragenden aktuellen Album der argentinisch-schottischen Songwriterin Alejandra Ribera, auf dem Ventilatoren, Heizkörper, Lampen und andere gefundene Gegenstände das herkömmliche Drumkit ersetzen. (Stefan)

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