{"id":7053,"date":"2024-04-27T13:29:43","date_gmt":"2024-04-27T11:29:43","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=7053"},"modified":"2024-04-27T13:29:45","modified_gmt":"2024-04-27T11:29:45","slug":"das-song-abc-there-goes-a-tenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=7053","title":{"rendered":"Das Song-ABC: There Goes A Tenner"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"95\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2606\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner01-640.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"479\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner01-640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7054\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner01-640.jpg 640w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner01-640-300x225.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner01-640-605x453.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>There Goes A Tenner<\/em> stammt vom Album <em>The Dreaming<\/em> aus dem Jahr 1982, einem Album, in dem die Komponistin und S\u00e4ngerin ALLES will und auf dem jeder Song ein Experiment ist. Der Gesang geht weg von der auf den fr\u00fcheren Alben vorhandenen S\u00fc\u00dfe und Leichtigkeit hin zu mehr Ernst, er ist tiefer und\u00a0 kr\u00e4ftiger, erdiger. Es gibt noch mehr Stimmf\u00e4rbungen als fr\u00fcher, den Inhalten angepasst, die Stimme ist dabei immer unter v\u00f6lliger Kontrolle. Themen des Albums sind Konflikte und der Kampf gegen Hemmnisse, Grenzen und Selbstzweifel.<br><em>There Goes A Tenner<\/em> nimmt alle diese Dinge auf und zeigt sie uns fast exemplarisch. Auf den ersten Blick scheint der Song fast leicht, aber er ist viel komplexer, als er erscheint. Man sieht schon an meiner Literaturliste, wie viele verschiedene Aspekte es zu erfassen gab. Die Biografen machen es sich wieder recht einfach und schauen auf die Oberfl\u00e4che. Typisch ist Graeme Thomson, der meint, der Song sei \u201eeine t\u00e4nzelnde Krimiparodie, die sich durch Kate Bushs weichen, melodischen Cockney-Akzent auszeichnet\u201c [1].<br>Der Song wurde am 2. November 1982 als Single ver\u00f6ffentlicht [7]. Die Kritiken zur Single waren nicht sehr positiv, um es neutral zu sagen. Beispiele kann man auf [7] nachlesen. Sie war ein Misserfolg: &#8222;<em>There Goes a Tenner<\/em> attracted no interest from radio stations and television stations. The single did not sell well and became Bush&#8217;s first single to miss the top 75 in the UK, peaking at number 93\u201c [8]. Daran \u00e4nderte auch das skurrile Video nichts, das von Paul Henry inszeniert wurde und das Kate als Teil einer Bande zeigt, die eine Bank ausraubt [7].<br>Kate Bush schien sich klar dar\u00fcber zu sein, dass der Song als Single nicht ideal war. F\u00fcr sie war es aber offensichtlich einer der zug\u00e4nglichsten Titel des Albums: \u201eBut I think I&#8217;ve reached a stage where, because <em>The Dreaming<\/em> didn&#8217;t work, we all felt&#8211;especially from an airplay point of view&#8211;that in order to get airplay, which you need for a single to work, we should go for one that was more obvious, and there is no doubt that <em>There Goes a Tenner<\/em> is one of the more obvious songs.\u201c [6]<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner02-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"400\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner02-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7055\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner02-400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner02-400-300x300.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner02-400-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ungew\u00f6hnliche, Experimentelle des Songs wird gut von Rob Jovanovic beschrieben, der den \u201eskurrilen Mix aus sp\u00f6ttischem Londoner Akzent, einem hohen, m\u00e4dchenhaften Refrain und gut eingefangener irischer Klangfarbe\u201c hervorhebt [2]. Auch den vielgestaltigen Gesang stellt er heraus: \u201eDer schizophrene Gesang passte gut zum Auf und Ab der Stimmung in diesem Song, und die tuckernde Melodie wurde h\u00e4ufig f\u00fcr sanfte Zwischenspiele unterbrochen\u201c [2].<br>\u201eMit einer Barpiano-\u00e4hnlichen Einlage beginnt <em>There goes a Tenner<\/em>, dazu setzen Bl\u00e4ser ein [\u2026] und durch die Trompeten und die Breaks hat man das Gef\u00fchl, die gehetzte S\u00e4ngerin stolpert auf der Flucht vor was auch immer durch die Gegend\u201c [3]. Der Gesang der Protagonistin ist zur\u00fcckgenommen, sie singt mit einem deutlichen Akzent. Aber immer wieder wird die Protagonistin von einem gegens\u00e4tzlichen Impuls in Tr\u00e4umereien abgelenkt, eine hohe Stimme enth\u00fcllt Selbstzweifel [16]. Das sind fast comicartige Einlagen, in einer kindlichen Stimme gesungen (\u201eall my words fade\u201c). Es gibt zudem dunkle, tiefe, d\u00fcstere T\u00f6ne im Chorus (\u201eWe\u2018re waiting\u201c), die wie eine Ermahnung aus dem Grab klingen. Karikatur und D\u00fcsternis treffen in diesem Song zusammen \u2013 es ist ein gereiftes Echo auf das \u00e4hnliche <em>Coffee Homeground<\/em> vom Album <em>Lionheart<\/em>. \u201eDie atmosph\u00e4rischen Einlagen lassen den Song noch seltsamer und zugleich wunderbarer werden [3].<br>Aber im Untergrund dieses Songs ist offenbar etwas nicht in Ordnung. <em>There Goes A Tenner<\/em> ist skurril, aber beunruhigend [16], \u201e[der Song] hat einen d\u00fcsteren Subtext\u201c [1]. Graeme Thomson hat dazu eine Vermutung. \u201eDie an einen Krimi aus den Ealing-Filmstudios erinnernde Geschichte von Amateurganoven, die ihr \u201egro\u00dfes Ding\u201c planen [\u2026], l\u00e4sst die Interpretation zu, dass Kate Bush hier unbewusst die eigenen \u00c4ngste und Unsicherheiten bei der Produktion ihres Albums kommentiert\u201c [1]. F\u00fcr mich ist das ein nicht von der Hand zu weisender Aspekt, aber es gibt noch mehr zu entdecken.<br>Worum geht es in <em>There Goes A Tenner<\/em>? Graeme Thomson fasst es ganz kurz zusammen: \u201eZu der bl\u00e4serdominierten Melodie erz\u00e4hlte Kate von einem Bankraub oder \u00dcberfall, der schief ging\u201c [2]. Kate Bush hat sich in Interviews recht ausf\u00fchrlich dazu ge\u00e4u\u00dfert. \u201eIt&#8217;s about amateur robbers who have only done small things, and this is quite a big robbery that they&#8217;ve been planning for months, and when it actually starts happening, they start freaking out. They&#8217;re really scared, and they&#8217;re so aware of the fact that something could go wrong that they just freaked out, and paranoid and want to go home\u201c [6].<br>Diese Bankr\u00e4uber warten darauf, dass der \u00dcberfall beginnt, dieses Warten ist f\u00fcr Kate Bush eines der Hauptthemen des Songs: \u201eOne of the bits in the song is all about waiting, and how the first time they&#8217;re just waiting for something to go wrong, and the second time they&#8217;re just waiting for the guy to blow the safe up, because when he blows it up, there is so much that could go wrong\u201c [6].<br>Beeinflusst wurde Kate Bush durch alte Gangsterfilme, die ihr immer etwas unrealistisch erschienen. Da haben die R\u00e4uber alles unter Kontrolle. Kate Bush kann sich das nicht vorstellen: \u201eIt&#8217;s sort of all the films I&#8217;ve seen with robberies in, the crooks have always been incredibly in control and calm, and I always thought that if I ever did a robbery, I&#8217;d be really scared, you know, I&#8217;d be really worried. So I thought I&#8217;m sure that&#8217;s a much more human point of view\u201c [6]. Colin Irwin kommentiert die ganze Thematik so: \u201ePersonally I reckon the girl watches too many B-movies\u201c [4]. Da kann ich nur sagen: zum Gl\u00fcck! Ich sehe viele Einzelheiten des Songs in einem anderen Licht, wenn ich ihn in einem zweiten Durchgang h\u00f6re. Es ist wie bei guten Kriminalfilmen, bei denen Details im Nachhinein auf einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Ich w\u00e4hle diesmal daher ein neues Vorgehen, ich analysiere den Song in zwei Durchg\u00e4ngen. Auf Details des Songs und des Textes kann ich so quasi im Vorbeigehen eingehen.<br>Der Gesamteindruck des ersten Durchlaufs ist klar: die Protagonistin erz\u00e4hlt die Geschichte des Bankraubs bis zum Scheitern durch eine gro\u00dfe Explosion. Der Song ist dabei in ganz klar erkennbare Abschnitte gegliedert, die sich insbesondere in der Stimmf\u00e4rbung klar voneinander unterscheiden (drei Strophen, zwei Pre-Chorus-Abschnitte, zwei Chorus-Abschnitte, zwei Post-Chorus-Abschnitte, ein Outro).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner03-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"300\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner03-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7056\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner03-400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner03-400-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geschrieben ist der Song in einem fast reinen 4\/4-Takt, bis auf eine ganz kleine Ausnahme [9]. Dieser Takt sorgt daf\u00fcr, dass der Song geradlinig und entschieden vorangeht. Vielleicht hat auch das daf\u00fcr gesprochen, ihn zu einer Single zu machen. Notiert ist das mit 2b, das ist hier ein g-Moll. Der ganze Song enth\u00e4lt fast nur Akkorde dieser Tonart bis auf einige ganz wenige Ausnahmen. Au\u00dfer den Akkorden der g-Moll-Skala kommt nur noch der As-Dur-Akkord vor [9].<br>Nach Beckh [10] besitzt die Tonart g-Moll eine eher tragische F\u00e4rbung. Hier fehlt die Hoffnung, es ist ein \u201eunter Tr\u00e4nen l\u00e4cheln\u201c. G-Moll steht laut Beckh f\u00fcr zu fr\u00fches Verzagen, zu fr\u00fches Aufgeben der Hoffnung. Als typisches Beispiel f\u00fchrt er die Arie der Pamina \u201eAch, ich f\u00fchl\u2018s\u201c aus der Zauberfl\u00f6te von Mozart an. G-Moll, das ist tragischer Schicksalsernst. Diese Tonart ist eigentlich viel zu dunkel f\u00fcr das comicartige Geschehen, sie weist vielleicht schon auf das Scheitern des Einbruchs oder auf noch d\u00fcstere Dinge hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eOkay, remember\u201c.<br>Die Strophen werden in einem fast erz\u00e4hlenden Tonfall gesungen, nah an Sprache, mit Cockney-Akzent. Der Anfang der ersten Strophe zeichnet ein klares Bild einer R\u00e4uberin, die die Pl\u00e4ne durchgeht, die sie und ihre Partner ausgearbeitet haben. Die Wiederholung von \u201eOkay, remember\u201c zeigt die Nervosit\u00e4t der Protagonistin. Sie versucht sicherzustellen, dass ihre Partner den Plan genau befolgen, um Fehler zu vermeiden und nicht erwischt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eThe sense of adventure \/ Is changing to danger\u201c.<br>Aber diese R\u00e4uber scheinen \u00fcberfordert zu sein. Kate Bush hat erw\u00e4hnt, dass das Lied davon inspiriert ist, wie kontrolliert und ruhig Kriminelle in Filmen wirken, wenn sie Raub\u00fcberf\u00e4lle begehen und wie schrecklich nerv\u00f6s sie selbst w\u00e4re, wenn sie eine Bank ausrauben w\u00fcrde. Der \u201esense of adventure\u201c bezieht sich darauf, dass die Erz\u00e4hlerin offenbar geglaubt hat, ein Bankraub w\u00fcrde Spa\u00df machen und abenteuerlich sein. Das ist diese Romantisierung in Filmen, von der Kate Bush gesprochen hat. Jetzt aber bereut die Protagonistin dies offenbar. Das Abenteuer hat sich \u201ein Gefahr verwandelt\u201c. Die Realit\u00e4t der Situation gewinnt die Oberhand und die Protagonistin erkennt jetzt, dass Gefahr auf sie zukommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMy excitement \/ Turns into fright\u201c<br>Die Aufregung verwandelt sich in Angst. Dieser Pre-Chorus-Abschnitt wird in einer etwas h\u00f6heren Stimme gesungen, das ist melodischer und gesanglicher als in den Strophen, klingt weniger wie eine Erz\u00e4hlung. W\u00e4hrend der gesamte Song fast durchg\u00e4ngig im 4\/4-Takt steht, findet sich in den beiden kurzen Pre-Chorus-Abschnitten der ungew\u00f6hnliche 5\/4-Takt [9]. \u201eDer 5\/4-Takt zeichnet sich in der Welt des Rhythmus durch seine einzigartige Struktur aus. Bei dieser Taktart gibt es f\u00fcnf Schl\u00e4ge pro Takt, wobei die Viertelnote einen Schlag erh\u00e4lt. Dadurch entsteht ein ungerader, unregelm\u00e4\u00dfiger Rhythmus [\u2026]\u201c [11].<br>Warum gibt es diese kleine, kaum merkliche Ausweichung in einen anderen Takt? Das Lied w\u00fcrde auch wunderbar funktionieren, wenn hier auch der 4\/4-Takt gegeben w\u00e4re. Es muss also eine Bedeutung haben, einen verborgenen Sinn besitzen. Der 5\/4-Takt ist schon etwas recht Seltenes und er wird oft dann verwendet, wenn etwas von der Normalit\u00e4t Abweichendes ausgedr\u00fcckt werden soll. \u201eGustav Holst verwendete den 5\/4-Takt f\u00fcr die Er\u00f6ffnung seines Meisterwerks \u201eThe Planets\u201c [\u2026.]. Mit \u201eMars \u2013 the bringer of war\u201c schuf er eine dramatische [Musik]\u201c [11]. Aber ich vermute, eine ganz andere Assoziation k\u00f6nnte Kate Bush zur Verwendung dieser Taktart inspiriert haben. \u201eEin weiteres bemerkenswertes Musikst\u00fcck, das den 5\/4-Takt verwendet, ist das Thema aus der bekannten Film- und Fernsehserie Mission Impossible, komponiert von Lalo Schifrin\u201c [11]. Diese Serie stammt aus den Jahren 1966 bis 1973 [12], Kate Bush als erkl\u00e4rte Fernseh- und Filmliebhaberin wird sie sicherlich gekannt haben. Eine Geschichte \u00fcber einen scheiternden Bankraub und dazu \u201eMission Impossible\u201c, ich finde das sehr einleuchtend.<br>\u201eAll my words fade \/ What am I gonna say? \/ Mustn&#8217;t give the game away\u201c Dies ist der erste Chorus-Abschnitt, gesungen wird mit einer hohen kindlichen Stimme, wie ein kleines Kind, das sich im Dunkeln f\u00fcrchtet. Ist die Protagonistin in die Kindheit zur\u00fcckversetzt, erinnert sie sich daran? Ich sp\u00fcre das Bangen darum, dass alles gut geht. Hier gibt es eine Abweichung von g-Moll, der As-Dur-Akkord erklingt zu den Anfangssilben von \u201eWhat am I gonna say \/ Must\u2018nt give the game away\u201c[9]. Zur Bedeutung dieser weit von g-Moll entfernten Tonart beziehe ich mich wieder auf Beckh [10]. As-Dur ist die \u201ezur tiefsten Tiefe hinunterf\u00fchrende Tonart\u201c. Es ist die dunkelste der Dur-Tonarten, das \u201eLicht in der Finsternis\u201c, vom mysteri\u00f6sem Charakter. Beckh verwendet Ausdr\u00fccke wie \u201eSchwanengesang\u201c und \u201eDurchgang durch die Todespforte\u201c [10]. Warum wird in den Chorus-Abschnitten aus dem ansonsten streng durchgehaltenen g-Moll des Scheiterns und der Tragik in so eine Tonart des \u00dcbergangs in eine Jenseits-Welt ausgewichen? Ein Versuch einer ersten Deutung: Die Protagonistin ist innerlich voller Angst, von d\u00fcsteren Vorahnungen erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner04-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"386\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner04-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7057\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner04-400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/tenner04-400-300x290.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWe\u2018re waiting\u201c<br>Hier im Post-Chorus ist musikalisch alles anders. Ganz tiefe Stimmen sind zu h\u00f6ren, kaum zu verstehen. Das ist dunkel und unheimlich. Es gibt keine klare Melodie, nur miteinander verschwimmende Akkorde im vollen Orchesterklang. Die Nervosit\u00e4t der Protagonistin schl\u00e4gt in Angst um, w\u00e4hrend sie auf den geplanten Zeitpunkt des \u00dcberfalls wartet (\u201eWir warten\u2026\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWe got the job sussed\u201c<br>Die zweite Strophe ist musikalisch genauso wie die erste Strophe gestaltet. Die Nervosit\u00e4t der Protagonistin schl\u00e4gt in fehlgeleitetes Selbstvertrauen um (\u201eWir haben den Job durchschaut &#8230;\u201c). Alles scheint unter Kontrolle zu sein, die Protagonistin schildert die genaue Situation. Der Plan sieht offenbar vor, einen Tresor mit Sprenggelatine (englisch \u201egelignite\u201c) zu sprengen. Aber langsam kommen die \u00c4ngste der Protagonistin wieder (\u201eI&#8217;m having dreams about things not going right\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBoth my partners \/ Act like actors\u201c<br>Der zweite Pre-Chorus ist musikalisch wie der erste Pre-Chorus, wieder finden wir die etwas h\u00f6here Stimme, wieder finden wir den 5\/4-Takt. Langsam gleitet der Text ins Irreale. Faustregel in diesem Song: je h\u00f6her die Stimme, desto irrealer.<br>\u201eYou are Bogart, he is George Raft \/ That leaves Cagney and me\u201c Dieser zweite Chorus ist musikalisch eine Kopie des ersten Chorus. Kate Bush vergleicht ihre Diebeskameraden und sich selbst mit Humphrey Bogart, George Raft und James Cagney allesamt Hollywood-Hauptdarsteller aus den 30er und 40er Jahren, die f\u00fcr ihre Rollen als Gangster und andere harte Kerle bekannt waren [13]. Damit wird angedeutet, dass das Team eher Schauspieler als echte Kriminelle sind. Sie sind eigentlich nicht besonders geschickt im Diebstahl und t\u00e4uschen nur eine ziemlich \u00fcberzeugende Fassade vor. Eine M\u00e4nnerstimme im Hintergrund fragt dabei \u201eWhat about Edward G.?\u201c, ein Verweis auf einen weiteren ber\u00fchmten Schauspieler dieser Zeit, Edward G. Robinson.\u00a0<br>Kate Bush erkl\u00e4rt diesen Bezug auf diese Schauspieler so: \u201eThey are people I like. For me, Cagney is one of the greatest actors that has ever been. I just couldn&#8217;t believe his acting in White Heat. He&#8217;s always played the boy who grew up in a hard time and in a way he was only ever bad because of the things that had influenced him. He comes across as a very human person who had the potential to do something great but was always misled\u201c [5]. Das gibt eine gute Erkl\u00e4rung, wie Kate Bush die Protagonistin in diesem Song sieht: eigentlich ein guter Mensch, aber fehlgeleitet.<br>Paul Simper fragte Kate Bush in einem Interview [5], ob der Song von den Krimi-Kom\u00f6dien aus dem Ealing Studios beeinflusst sei. Kate Bush stimmt dem zu: &#8222;Yeah, that&#8217;s right. So it&#8217;s like maybe they get a bit cocky&#8230; I dunno, I&#8217;ve never done a robbery, but I think that in a situation like that you&#8217;d almost try to be like the person you admire so perhaps they&#8217;d be like Cagney and George Raft. They idea was nothing like deep &#8211; it was just handy! The real challenge of that song was to make it a story but also keep it like a Thirties tune\u201c [5].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWe&#8217;re waiting\u201c<br>Auch der zweite Post-Chorus ist musikalisch wie der erste Post-Chorus gestaltet. Die Einbrecher warten erneut, w\u00e4hrend die Z\u00fcndschnur am Sprengstoff glimmt. Jetzt klingt dieser Stimmenchor fast noch unheimlicher und grabestiefer als beim ersten Auftreten. <br>\u201eYou blow the safe up \/ Then all I know is I wake up, covered in rubble\u201c In dieser dritten Strophe ist der Safe explodiert. Sie haben zu viel Sprengstoff verwendet und Banknoten werden in die Luft gesprengt \u2013 eine weitere bekannte Szene aus Filmen wie \u201eButch Cassidy und Sundance Kid\u201c und anderen [14]. Menschen taumeln in den Tr\u00fcmmern der Bank umher. Die Protagonistin ist von der Explosion bet\u00e4ubt und es ist unklar, ob der Rest des Liedes von Ereignissen handelt, die tats\u00e4chlich geschehen sind. Es k\u00f6nnten auch weitere Angsttr\u00e4ume sein, wie sie sie schon zuvor hatte. Es k\u00f6nnten aber auch die verwirrten Gedanken von jemandem sein, der gerade in die Luft gesprengt wurde.<br>\u201eOne of the rabble needs mummy (&#8222;What&#8217;s all this, then?&#8220;)\u201c Der Text \u201eWhat&#8217;s all this, then?&#8220; soll nach der Transkription [13] im Hintergrund zu h\u00f6ren sein. Dieser Ausdruck ist f\u00fcr mich kaum zu h\u00f6ren, da muss ich mich auf die Transkription verlassen. Es ist ein Ausdruck, der in der gesamten britischen Kultur, insbesondere in der Kom\u00f6die, stereotypisch mit Polizisten in Verbindung gebracht wird [14]. Er bedeutet sinngem\u00e4\u00df etwa \u201eWas ist denn hier los?&#8220;. Offenbar kommt die Polizei zum Tatort.\u00a0<br>\u201eThe government will never find the money\u201c Diese Textzeile ist sehr mysteri\u00f6s und hat bei Deutungsversuchen im Internet zu Spekulationen gef\u00fchrt. Warum wird niemand das Geld aus dem Tresor finden? Offenbar wurde es vom Winde verweht, wie es der Text sp\u00e4ter sagt. Bei einem typischen Raub\u00fcberfall \u00fcbernimmt die Polizei die Ermittlungen. Kate Bushs Verwendung des Wortes \u201eGovernment\u201c (Regierung) ist also sonderbar [15]. Ist das eine politische Anspielung? Ist der \u00dcberfall vielleicht politisch motiviert? Kate Bush hat irische Wurzeln und die IRA hat solche \u00dcberf\u00e4lle durchgef\u00fchrt. Rob Jovanovic hebt ja auch die irische Klangfarbe des Songs hervor [2]. Es mag sein, dass dies ein sublimer politischer Subtext ist. Es gibt aber im Song keine weiteren Hinweise darauf.<br>\u201eI&#8217;ve been here all day \/ A star in strange ways\u201c Diesen Satz kann man mit \u201eIch bin den ganzen Tag hier \/ Ein Star auf seltsame Weise\u201c\u00a0 w\u00f6rtlich \u00fcbersetzen, aber das trifft nicht den Doppelsinn. Kate Bush setzt hier ein Wortspiel ein [13]. Die Protagonistin denkt dar\u00fcber nach, wie merkw\u00fcrdig es ist, dass einer Kriminellen so viel Aufmerksamkeit zuteil wird und verweist dabei auf Strangeways, ein ber\u00fchmtes Gef\u00e4ngnis in Manchester. Auf dieses Gef\u00e4ngnis nehmen auch die Smiths in ihrem Albumtitel \u201eStrangeways, Here We Come\u201c Bezug [13]. Vielleicht ist die Protagonistin nach dem \u00dcberfall in dieses Gef\u00e4ngnis verlegt worden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/R-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"400\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/R-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7058\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/R-400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/R-400-300x300.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/R-400-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab \u201eI\u2018ve been here all day\u201c setzt eingewoben in den Klangteppich eine langgeschwungene Melodie ein, wie ein Lied aus einer anderen Welt. Die musikalische Welt ver\u00e4ndert sich und geht in die Welt des Outro-Abschnittes \u00fcber.<br>\u201eApart from a photograph, they&#8217;ll get nothing from me \/ Not until they let me see my solicitor\u201c Hier hat die Protagonistin einen klaren Moment. Das ist eindeutig eine Verweigerung der Aussage, bevor es eine Rechtsberatung gegeben hat. Ein Solicitor bespricht sich als Rechtsanwalt mit seinem Klienten und ber\u00e4t diesen juristisch, tritt aber nicht selbst vor (h\u00f6heren) Gerichten auf [17]. Da die Rechtsberatung noch nicht stattgefunden hat, haben wir hier eine klare zeitlich Einordnung: es muss kurz nach dem gescheiterten Raub sein.<br>\u201eOoh, I remember \/ That rich, windy weather\u201c Nach dem zweifachen Durchgang durch die Abschnitte Strophe &#8211; Pre-Chorus &#8211; Chorus &#8211; Postchorus folgt nach der dritten Strophe nicht ein Abschnitt Pre-Chorus &#8211; Chorus &#8211; Postchorus, es folgt jetzt ein anders gestaltetes Outro. Hier l\u00f6sen sich die Dinge wirklich von der Realit\u00e4t. Die Protagonistin ist m\u00f6glicherweise immer noch bewusstlos oder stirbt sogar. Ab hier ist in der langgeschwungenen Melodie wie aus einer anderen Welt ein Chor aus Kate-Stimmen zu h\u00f6ren, der aber nur Vokalisen singt, keinen Text. Vielleicht ist der Text des Outros eine Erinnerung oder ein halb unbewusster Traumzustand. \u201eReiches, windiges Wetter\u201c beschreibt einen Wirbel fliegender Banknoten ziemlich gut. \u201eOoh, ich erinnere mich an dieses reiche, windige Wetter\u201c, das ist eine Erinnerung an vergangene Dinge.<br>\u201eWhen you would carry me \/ Pockets floating in the breeze\u201c Taschen, die im Wind schweben \u2026. Jemand, vielleicht einer der anderen R\u00e4uber, versucht, sie aus dem Chaos wegzutragen, w\u00e4hrend ringsum alles durch die Luft fliegt.<br>\u201eOoh, there goes a tenner \/ Hey, look, there&#8217;s a fiver\u201c Da der Sprengsatz zu heftig war, wird das Geld (\u201eZehner\u201c und \u201eF\u00fcnfer\u201c) im Wind verstreut, was den Zweck des Raub\u00fcberfalls zunichte macht. Die Erz\u00e4hlerin kann jetzt nur noch auf das davonflatternde Geld starren. Aber der Satz ist merkw\u00fcrdig, weg von der Realit\u00e4t. Die Protagonistin hat entweder ihre Situation vergessen oder tr\u00e4umt und fragt sich, woher das ganze fliegende Geld kommt.<br>\u201eThere&#8217;s a ten-shilling note \/ Remember them?\u201c Die 10-Schilling-Note wurde 1970 aus dem Verkehr gezogen, vor der Umstellung des britischen Pfunds auf das Dezimalsystem im Jahr 1971 [13]. Unter der Annahme, dass es im Safe einer Bank der 1980er Jahre keine alten Banknoten gegeben h\u00e4tte, zeigt dies einen noch tieferen Abstieg in den Traum oder die Unwirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eThat&#8217;s when we used to vote for him\u201c<br>Und hier wird es endg\u00fcltig mysteri\u00f6s. Wer ist dieser Mann, der offenbar gew\u00e4hlt worden ist? Zur 10-Shilling-Banknote passt vielleicht Harold Wilson, der Premierminister von 1964 bis 1970. Und wenn das so ist, was will uns diese Zeile sagen? Ich habe nicht die geringste Ahnung! Aber damit bin ich nicht allein, Jamie Andrews befragte dazu Kates Bushs Bruder: \u201eUnfortunately, even John Carder Bush did not know who &#8222;him&#8220; is, when I asked him about it\u201c [18].<br>Das Outro l\u00e4sst viele Fragen offen. Warum dieses Zur\u00fcck in eine vergangene Zeit? Spielt da die Geschichte? Oder erinnert sich die Protagonistin an etwas weit Zur\u00fcckliegendes? Ist der Song ein alles rekapitulierender Fiebertraum im Todeskampf nach der Explosion, ist es eine Erinnerung am Rande des Totenreichs? Nehmen wir dies als Pr\u00e4misse an und gehen noch einmal in einem zweiten Durchgang durch den Song, schauen, ob es Sinn ergibt!<br>Die Tonart g-Moll macht unter diesen Voraussetzungen mehr Sinn. G-Moll, das ist ja nach Beckh [10] tragischer Schicksalsernst, hier fehlt die Hoffnung. Jetzt im Nachhinein passt diese Tonart viel besser. Die Geschichte ist tragisch von Anfang an, es hat nie Hoffnung gegeben. Der Song beginnt mit der ersten Strophe, mit der Textzeile \u201eOkay, remember\u201c. Das l\u00e4sst sich also alles als Erinnerung auffassen. Das bemerkt man nicht zu Beginn des H\u00f6rens, die Idee kommt erst zum Schluss des Dings auf. In diesem Song geht es um das sich Erinnern der Protagonistin, das sagt die erste Zeile.<br>\u201eAll my words fade \/ What am I gonna say? \/ Mustn&#8217;t give the game away\u201c Dies ist der erste Chorus-Abschnitt. \u201eAlle meine Worte verblassen \/ Was soll ich sagen? \/ Wir d\u00fcrfen das Spiel nicht verraten\u201c &#8211; deutet sich hier das Sterben an, \u201everblasst\u201c die Protagonistin? Zu den Anfangssilben von \u201e\u201cWhat am I gonna say \/ Must\u2018nt give the game away\u201c kommt hier der As-Akkord vor [9]. Nach Beckh [10] ist As-Dur die zur tiefsten Tiefe hinunterf\u00fchrende Tonart, der \u201eSchwanengesang\u201c, der \u201eDurchgang durch die Todespforte\u201c. Es ist eine Tonart des Sterbens, so macht die Verwendung auf einmal viel mehr Sinn.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/s-l400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"398\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/s-l400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7059\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/s-l400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/s-l400-300x300.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/s-l400-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWe\u2018re waiting\u201c<br>Diese dunklen, tiefen, d\u00fcsteren T\u00f6ne im Post-Chorus klingen wie eine Ermahnung aus dem Grab. Sind das eventuell die durch den Sprengstoff get\u00f6teten Mitt\u00e4ter, die auf das Sterben der Protagonistin warten? Auch das h\u00f6rt man beim ersten Durchh\u00f6ren nicht, dazu braucht man die Kenntnis der ganzen Geschichte. Sind wir hier in der durch den As-Dur-Akkord angek\u00fcndigten Jenseits-Welt? H\u00f6ren wir hier die Stimmen der anderen Seite? Warten hier die Toten im Jenseits auf die Protagonistin? Dieser Post-Chorus macht f\u00fcr mich aus diesem Blickwinkel sehr viel Sinn.<br>\u201eI&#8217;ve been here all day \/ A star in strange ways\u201c In der dritten Strophe setzt ab \u201eI\u2018ve been here all day\u201c eingewoben in den Klangteppich eine langgeschwungene Melodie ein, wie ein Lied aus einer anderen Welt klingt. Sind das himmlische Engelsstimmen? Der Text der dritten Strophe l\u00e4sst sich so auffassen, dass die Protagonistin in einer Art Zwischenreich zwischen Leben und Tod gefangen ist, vielleicht schon lange.<br>\u201eOoh, I remember \/ That rich, windy weather\u201c Im Outro-Abschnitt ist in der langgeschwungenen Melodie wie aus einer anderen Welt ein Chor aus Kate-Stimmen zu h\u00f6ren, der aber nur Vokalisen singt, keinen Text. Vielleicht sind es wirklich Engelsstimmen aus dem Jenseits. Im Text wird wieder das Erinnerungs-Motiv beschworen. Das k\u00f6nnte wieder eine Erinnerung der sterbenden Protagonistin sein. Die Dinge l\u00f6sen sich von der Realit\u00e4t, die Protagonistin ist im ewigen Kreislauf der Erinnerungen gefangen. Wieder kommt der As-Dur-Akkord dazu, auf \u201eRemember\u201c bei \u201eOh I remember \/ That windy weather\u201c und zu \u201eTenner\u201c in \u201eOh There Goes a Tenner\u201c [9]. Spricht hier die Protagonistin an der Todespforte? F\u00fcr mich enth\u00e4lt der gesamte Text des Songs die letzten Worte einer Sterbenden. Vielleicht ist sie schon seit langer Zeit in einer Art Zwischenreich, dem Fegefeuer &#8211; der Bankraub passierte, als es noch 10-Shilling-Banknoten gab.<br><em>There Goes A Tenner<\/em> ist wunderbar. Es ist ein Song mit so vielen Details, dass es richtig Spa\u00df macht, das alles zu entschl\u00fcsseln. Eine skurrile, comicartige Krimiparodie verdeckt f\u00fcr mich eine d\u00fcstere zweite Ebene. Aber der Song ist auch einfach so bezaubernd, man muss nicht tiefer blicken. Kate Bush nimmt in ihren \u00c4u\u00dferungen zum Song auch nur Bezug auf die erste Ebene. Einfach mal wieder h\u00f6ren, das ist mein Rat. <em>\u00a9\u00a0<strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.241 <br>[2] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH\/Hannibal. H\u00f6fen. S.135 <br>[3] <a href=\"https:\/\/www.musikansich.de\/review.php?id=10175\">https:\/\/www.musikansich.de\/review.php?id=10175<\/a> (gelesen: 04.04.2024) <br>[4] Colin Irwin: Review The Dreaming. Melody Maker. 11.09.1982.<br>[5] Paul Simper: Dreamtime is over (Interview). Melody Maker. 16.10.1982.<br>[6] \u201eThe Dreaming Interview\u201c. CBAK 4011 CD (picture disk).<br>[7] <a href=\"https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/there-goes-a-tenner\/\">https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/there-goes-a-tenner\/<\/a> (gelesen: 31.03.2024) <br>[8] <a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/There_Goes_a_Tenner\">https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/There_Goes_a_Tenner<\/a> (gelesen 08.04.2024) <br>[9] \u201cKate Bush Complete\u201d. EMI Music Publishing \/ International Music Publications. London. 1987. S.158f <br>[10] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.248f (g-Moll) und S.196ff (As-Dur) <br>[11] <a href=\"https:\/\/www.skoove.com\/blog\/de\/takt-und-taktarten\/\">https:\/\/www.skoove.com\/blog\/de\/takt-und-taktarten\/<\/a> (gelesen 08.04.2024) <br>[12] <a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Theme_from_Mission:_Impossible\">https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/Theme_from_Mission:_Impossible<\/a> (gelesen 08.04.2024) <br>[13] <a href=\"https:\/\/genius.com\/Kate-bush-there-goes-a-tenner-lyrics\">https:\/\/genius.com\/Kate-bush-there-goes-a-tenner-lyrics<\/a> (gelesen 01.04.2024) <br>[14] <a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/r\/katebush\/comments\/xj1j94\/how_do_you_interpret_the_last_verse_of_there_goes\/?rdt=53197\">https:\/\/www.reddit.com\/r\/katebush\/comments\/xj1j94\/how_do_you_interpret_the_last_verse_of_there_goes\/?rdt=53197<\/a> (gelesen: 04.04.2024)<br>[15] <a href=\"https:\/\/songmeanings.com\/songs\/view\/54728\/\">https:\/\/songmeanings.com\/songs\/view\/54728\/<\/a> (gelesen: 04.04.2024)<br>[16] <a href=\"https:\/\/www.daysoftheunderground.com\/post\/kate-bush-rock-folk\">https:\/\/www.daysoftheunderground.com\/post\/kate-bush-rock-folk<\/a> (gelesen: 04.04.2024) <br>[17] <a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Barrister#:~:text=Ihm%20gegen%C3%BCber%20steht%20der%20Solicitor,vor%20Gericht%20(um%201900)\">https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Barrister#:~:text=Ihm%20gegen%C3%BCber%20steht%20der%20Solicitor,vor%20Gericht%20(um%201900)<\/a> (gelesen 08.04.2024) <br>[18] <a href=\"http:\/\/gaffa.org\/dreaming\/td_tgat.html\">http:\/\/gaffa.org\/dreaming\/td_tgat.html<\/a> (gelesen 09.04.2024)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>There Goes A Tenner stammt vom Album The Dreaming aus dem Jahr 1982, einem Album, in dem die Komponistin und S\u00e4ngerin ALLES will und auf dem jeder Song ein Experiment ist. 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