{"id":6420,"date":"2020-08-05T22:17:19","date_gmt":"2020-08-05T20:17:19","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6420"},"modified":"2020-08-05T22:22:55","modified_gmt":"2020-08-05T20:22:55","slug":"bedrohung-und-zaertlichkeit-zur-dialektik-der-gefuehle-im-werk-von-kate-bush","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=6420","title":{"rendered":"Bedrohung und Z\u00e4rtlichkeit: Zur Dialektik der Gef\u00fchle im Werk von Kate Bush"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"640\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/wordart2-640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6421\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/wordart2-640.jpg 640w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/wordart2-640-300x300.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/wordart2-640-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>WordCloud: \u00a9 Eberhard Gill<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\"><em>Wo aber Gefahr ist, w\u00e4chst das Rettende auch<\/em>.<br>Friedrich H\u00f6lderlin<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Von Eberhard Gill<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik von Kate Bush, der englischen Sirene, hat mich mit ihrer Verf\u00fchrungsgewalt schon in manch bedrohliche Situation gebracht. Zeit, dachte ich mir, mich etwas distanzierter und analytischer mit ihrem Werk zu befassen. Und da sie 2018 das Lyrikbuch \u201eHow to be invisible\u201c mit ausgew\u00e4hlten Songtexten ver\u00f6ffentlicht hat, kn\u00f6pfe ich mir seit einigen Monaten jedes Wochenende einen ihrer Songtexte vor. Den schaue ich mir dann sehr gr\u00fcndlich an, denke \u00fcber zugrundeliegende Strukturen und Wortwahl nach, h\u00f6re den Song mehrfach und intensiv, lese die Besprechung im Song-ABC auf der Morningfog-Webseite, setze mich mit den Lesermeinungen in SongMeanings auseinander und lasse mich von den Kommentaren auf Youtube inspirieren.<br>Dabei bin ich k\u00fcrzlich \u00fcber eine verbl\u00fcffende Auff\u00e4lligkeit gestolpert. In \u201eDeeper Understanding\u201c ist von einer \u201elittle black box\u201c die Rede, vielleicht einem Computer, der dessen Benutzer in die Einsamkeit und Isolation treibt. Also etwas Kleines, Unscheinbares, scheinbar Nettes und gleichzeitig etwas Gef\u00e4hrliches. Und eine Seite weiter vorne im Buch war im Song &#8222;A Coral Room&#8220;, einem Song \u00fcber die Trauer nach dem Tod der Mutter, z\u00e4rtlich und intim von einem \u201elittle brown jug\u201c die Rede. Und dann gab es doch, erinnerte ich mich, auch in \u201eAnd Dream of Sheep\u201c das \u201elittle light\u201c, das an der Rettungsweste einer Frau leuchtet, die alleine hilflos im Ozean treibt. Und es gab den \u201elittle kiss\u201c in \u201eThis Woman&#8217;s Work\u201c, dieses z\u00e4rtliche \u201egive me that little kiss, give me your hand\u201c, in dem das Leben des Kindes und der geb\u00e4renden Mutter auf Messers Schneide steht. Jedes Mal ist dieses Wort \u201elittle\u201c mit so viel Z\u00e4rtlichkeit [1] verbunden. Und stets geht es dabei um Gefahr oder Bedrohung. Sollte dahinter etwa ein allgemeines Prinzip im Werk von Kate Bush stehen? &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>Als Wissenschaftler muss ich so eine gewagte These nat\u00fcrlich \u00fcberpr\u00fcfen. Und nach vielen Stunden m\u00fchsamem Texteditierens und statistischer Analysen bin ich tats\u00e4chlich einen Schritt weitergekommen. Dazu habe ich zun\u00e4chst eine Datei erstellt, die die Texte aller von ihr geschriebenen Songs umfasst: 117 Songs, 24.691 Worte auf 121 Seiten in 11-Punkt-Schrift. Schon alleine dieses Ergebnis jagte mir einen Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Wie viele Fans so etwas wohl besitzen? Und was diese Datei wohl f\u00fcr verborgene Sch\u00e4tze der Erkenntnis birgt? Aber nach so einem Zwischenergebnis beginnt dann erst die eigentliche Kernerarbeit zum W\u00f6rtchen \u201elittle\u201c und meiner These.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"176\" height=\"294\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/htbi-200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5603\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Kate hat das Wort \u201elittle\u201c in 27 ihrer Songs verwendet (23 Prozent der gesamten Songs). Insgesamt taucht es 53-mal auf, also im Schnitt etwa zweimal in diesen Songs. In der Reihenfolge der von ihr am meisten verwendeten Worte ihres Werks nimmt \u201elittle\u201c den Platz 24 ein. \u00dcbrigens wird diese Reihenfolge angef\u00fchrt vom Wort \u201eOut\u201c, das 188-mal vorkommt und dem Wort \u201eLove\u201c, das mit 180-mal am Zweith\u00e4ufigsten verwendet wird. Das Wort \u201elittle\u201c wird in 34 verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen gebraucht: in 24 Prozent der F\u00e4lle abstrakt, wie etwa in \u201elittle lines\u201c, in 47 Prozent der F\u00e4lle im Zusammenhang mit Personen, wie etwa in \u201elittle girl\u201c, und in 29 Prozent der F\u00e4lle im Zusammenhang mit einem Ding, wie etwa in \u201elittle brown jug\u201c.<br>Die Spanne der Gef\u00fchle, die mit \u201elittle\u201c assoziiert werden k\u00f6nnen, ist enorm und reicht von Unsicherheit \u00fcber einen Wunsch bis zu Schutz und Rettung und tats\u00e4chlich ist es ganz h\u00e4ufig das Gef\u00fchl der Z\u00e4rtlichkeit, das mit \u201elittle\u201c ausgedr\u00fcckt wird. Die Gefahren, Bedrohungen und vielleicht der Horror, der in diesen \u201elittle\u201c-Songs lauert, reicht vom Risiko in einer Beziehung oder deren Ende \u00fcber Waffen und Krieg bis hin zu psychischer Krankheit und Tod. Aber gibt es tats\u00e4chlich einen Zusammenhang zwischen der Z\u00e4rtlichkeit des W\u00f6rtchens \u201elittle\u201c und einer bedrohlichen Situation im Song? Dazu habe ich bei jeder Verwendung des Wortes \u201elittle\u201c die vorhandenen Korrelationen zu einer Bedrohungslage auf einer Werteskala eingesch\u00e4tzt. So entstanden dann 53 Korrelationswerte, deren Verteilung ich mir angeschaut habe. Es hat mich sehr \u00fcberrascht, dass die Werte klar in zwei Gruppen auseinanderfallen. In der ersten Gruppe (29%) gibt es keinen oder nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Z\u00e4rtlichkeit und Bedrohung. In der zweiten Gruppe (71%) ist jedoch der Zusammenhang deutlich bis sehr stark. Kate Bush verwendet also tats\u00e4chlich das Wort \u201elittle\u201c meistens und eindeutig im Zusammenhang mit Bedrohung.<br>Wem das noch nicht spannend genug ist, der kann sich nun noch den zeitlichen Verlauf dieses Zusammenhangs von Z\u00e4rtlichkeit und Bedrohung \u00fcber die Spanne Ihrer Alben anschauen und so einen Einblick in ihre Entwicklung als K\u00fcnstlerin bekommen. Dieser Verlauf zeigt n\u00e4mlich eine Kurve \u00e4hnlich der Maxwell-Verteilung, d.h. sp\u00e4rliche Verwendung im fr\u00fchen Werk, dann aber ein schneller steiler Anstieg zu einem Maximum, also h\u00e4ufigster Verwendung, gefolgt von einem flachen langsamen Abfall. Was hei\u00dft das nun konkret? In ihrem ersten Album \u201eThe Kick Inside\u201c von 1978 kommt das Wort \u201elittle\u201c kaum vor und ist nicht verbunden mit Bedrohung. Sie muss diesen Zusammenhang nach Fertigstellung Ihres ersten Albums gefunden haben, denn in \u201eLionheart\u201c kommt beides schon deutlicher vor. Am h\u00e4ufigsten jedoch hat sie das Wort und dessen besonderen Zusammenhang im Zeitraum von 1980 bis 1985 benutzt, n\u00e4mlich in den Alben \u201eNever for Ever\u201c und \u201eHounds of Love\u201c. &nbsp;Im Album \u201eThe Dreaming\u201c, das auch in diesen Zeitraum f\u00e4llt, benutzt sie es wenig, was auch verst\u00e4ndlich ist, da dieses Album ihr \u201ew\u00fctendstes\u201c Album ist. Und da bleibt f\u00fcr Z\u00e4rtlichkeit nun mal wenig Platz. Danach besteht der starke Zusammenhang von Z\u00e4rtlichkeit und Bedrohung in ihrem Werk zwar weiter, wird aber immer weniger eingesetzt. In ihrem bislang letzten Album \u201e50 Words for Snow\u201c kommt es gar nicht mehr vor.<br>Aber was sagt das nun \u00fcber ihre Lyrik, ihr Werk und ihre Gedankenwelt? Beide, das Wort \u201elittle\u201c und die Bedrohung, k\u00f6nnten ja nicht unterschiedlicher sein. Hier das kleine unscheinbare W\u00f6rtchen \u201elittle\u201c, ganz konkret, klein, marginal und fast zu \u00fcbersehen und dort die abstrakte Bedrohung, die sich \u00fcber den ganzen Song zieht wie unheimliche, dunkel dr\u00e4uende Gewitterwolken, die Unheil verhei\u00dfen.<br>Hat sie dieses Wort eingesetzt um die Verletzlichkeit, die dem Wort innewohnt, der \u00fcberm\u00e4chtigen Bedrohung entgegen zu setzen? David gegen Goliath? Sicher nicht, denn Dualismus spielt in ihrem komplexen Werk keine Rolle. Daf\u00fcr denkt sie viel zu differenziert. Benutzt sie das Wort in einem dramaturgischen Sinn, um mit dem Verletzlichen die Bedrohung nur noch unausweichlicher zu machen? Franz Kafka hatte sich solch eines Stilmittels bedient, als er im Dom-Kapitel des Romans \u201eDer Prozess\u201c schreibt \u201eEine hohe, starke, an einer S\u00e4ule befestigte Kerze \u2026 vermehrte vielmehr die Finsternis.\u201c Auch das scheint mir nicht plausibel, denn es ist zu zweckm\u00e4\u00dfig, zu berechnend und schlicht zu kurz gesprungen. Symbolisiert das Wort etwa \u201eRettung\u201c aus der Gefahr und man sollte es als eine Konkretisierung von Friedrich H\u00f6lderlins Zeilen \u201eWo aber Gefahr ist, w\u00e4chst das Rettende auch\u201c aus seiner Patmos-Hymne sehen? Ich denke, mit solch simplen Auswegen wird man weder H\u00f6lderlin gerecht noch tut man Kate Bush einen Gefallen. Niemand wird bei Kate Bush gerettet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/peekaboo.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist peekaboo.jpg\" width=\"400\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn das alles nicht zutrifft, was ist es dann, was ihr an dieser Verbindung so wichtig ist, dass sie sie immer und immer wieder bem\u00fcht? Ich sehe hier zwei Gr\u00fcnde. Der erste Grund ist einfach, wenn auch alles andere als lapidar. Wenn wir bedroht sind, versuchen wir diese Situation mit unterschiedlichen Strategien zu meistern. Analytische Geister fokussieren sich auf die Gefahr, gehen im Kopf alle Optionen durch und entscheiden sich f\u00fcr die Variante, die zum besten Verh\u00e4ltnis von Nutzen zu Aufwand f\u00fchrt; Mutige nehmen die Gefahr scharf in den Blick, krempeln die \u00c4rmel hoch, ballen die F\u00e4uste und stellen sich ihr; \u00e4ngstliche Gem\u00fcter ziehen den Kopf ein und hoffen, dass die Welt eine andere sein wird, wenn sie ihre Augen wieder \u00f6ffnen; f\u00fcr Depressive und Trauernde verblasst die ganze Welt in bleiernes Grau. Allen gemeinsam ist die Verengung des Blicks auf die Bedrohung selbst. Die Anwesenheit des W\u00f6rtchens \u201elittle\u201c bei Kate Bush verweigert sich dieser Fokussierung und dieser einseitigen Bewertung. Gerade im Terror, indem man nichts anderes mehr sieht, h\u00f6rt, denkt und f\u00fchlt, ist da dieses \u201elittle\u201c: die Erinnerung, die Person, das Handeln, das Objekt, auf das so z\u00e4rtlich geschaut wird. Kate Bush verweigert sich der Fixierung auf die Bedrohung und beansprucht Raum f\u00fcr die Zwischent\u00f6ne. Da ist mehr als diese Bedrohung, die vielleicht sogar etwas Attraktives und Anziehendes haben kann. Diese Bedrohung ruft die Z\u00e4rtlichkeit geradezu hervor. In \u201eHello Earth\u201c (einem Song, den ich nur selten h\u00f6re, da seine Sch\u00f6nheit f\u00fcr mich fast zu schmerzhaft ist) ist die Protagonistin existenzieller Bedrohung und Tod ausgesetzt, schwebt im Weltall losgel\u00f6st von der Erde und betrachtet die Erde liebevoll wie ein Spielzeug und verwebt dies mit Erinnerungen an ihre Kindheit \u201ePeek a boo, peek a boo, little earth\u201c. In \u201eArmy Dreamers\u201c wird der \u201elittle soldier\u201c im Sarg heimgebracht und die Katastrophe hat sich bereits ereignet.<br>Wenn man aber genauer hinschaut, ist da noch mehr zu entdecken: ein zweiter Aspekt, der in manchen \u201elittle\u201c-Songs auftaucht. Sch\u00f6n kann man das im Song \u201eA Coral Room\u201c beobachten. Hier ist zun\u00e4chst von dem \u201elittle brown jug\u201c die Rede, den die verstorbene Mutter so gerne hatte. Wenige Zeilen sp\u00e4ter zerbricht dieser kleine Krug und es hei\u00dft \u201eOh little spider climbing out of a broken jug\u201c. Die Bedrohung kommt dem mit Z\u00e4rtlichkeit betrachteten Objekt gef\u00e4hrlich nahe. Die Bedrohung, der Tod, kriecht aus diesem Krug. Das \u201elittle\u201c hat das Objekt ge\u00e4ndert und ist nun nicht mehr auf den Krug bezogen, sondern auf die kleine Spinne. Die Bedrohung n\u00e4hert sich diesem mit so viel z\u00e4rtlicher Trauer bedachten Objekt an und nimmt es beinahe ein. Die Bedrohung r\u00fcckt der Z\u00e4rtlichkeit gef\u00e4hrlich auf den Leib.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/DU_Still_4.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist DU_Still_4.jpg\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches, aber noch weiter gehend, passiert in \u201eDeeper Understanding\u201c, wo die \u201elittle black box\u201c, also vielleicht der Computer, einerseits Zugang zu den Informationen der Welt erm\u00f6glicht, zum Freund wird und einen gleichzeitig in die Isolation und Einsamkeit treibt. In diesem Bild verschmelzen Z\u00e4rtlichkeit und Bedrohung vollst\u00e4ndig, sind nicht mehr zu unterscheiden, bedingen sich in fortlaufendem Wechsel gegenseitig.<br>Die Bedrohung kann also im Extremfall selbst in die Z\u00e4rtlichkeit schleichen, wie in \u201elittle black box\u201c. Macht die Bedrohung dann die Z\u00e4rtlichkeit zunichte, etwa wie ein Pac-Man, der wehrlose kleine P\u00fcnktchen auffrisst? Nein, das ist zu dualistisch gedacht. Die \u201elittle black box\u201c ist beides: sie symbolisiert den Weg in die Einsamkeit und den Weg zum Alles-Wissenden, zum Mit-Allem-Verbunden-Sein. Sie ist die Metapher der Ambivalenz. Beides kommt hier in einem einzigen Bild zusammen.<br>Lange habe ich danach gesucht, was denn eine Synthese von Z\u00e4rtlichkeit und Bedrohung sein k\u00f6nnte, deren gegenseitige Durchdringung und Verschmelzung. Dieses Problem kann man sogar noch allgemeiner fassen, unabh\u00e4ngig von Kate Bush und unabh\u00e4ngig von diesen beiden Begriffspaaren, n\u00e4mlich mit der Frage: Was ist die Synthese von Gef\u00fchlen? Die Antwort finde ich bei Kate Bush: die Synthese von Gef\u00fchlen macht diese Gef\u00fchle ambivalent, also mehrdeutig. Sie macht sowohl die Z\u00e4rtlichkeit als auch die Bedrohung ambivalent. Ambivalenz ist also die Synthese in der Dialektik der Gef\u00fchle bei Kate Bush. Es ist freilich keine philosophische Synthese wie bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel, sondern eine poetische Synthese: nicht abstrakt, sondern konkret, nicht zwangsl\u00e4ufig, sondern dynamisch, nicht erhebend, sondern schillernd.<br>Diese Ambivalenz macht die Poesie und Tiefe ihres Werkes aus. Diese Ambivalenz mutet sie nun uns H\u00f6rern zu. Damit m\u00fcssen wir leben. Und so wie Kate Bush auf dieser Ambivalenz besteht, so blicke ich mit Z\u00e4rtlichkeit auf ihr Werk, das eine solche Bedrohung f\u00fcr mich darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>[1] Wenn jemand anderes als Kate Bush jemals in der Lage war stimmlich und vor allem gestisch die Z\u00e4rtlichkeit auszudr\u00fccken, die dem W\u00f6rtchen \u201elittle\u201c in ihren Songs innewohnt, dann war es der Musiker Maxwell in seiner Live-Version in 1997 von \u201eThis Woman\u2018s Work\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo aber Gefahr ist, w\u00e4chst das Rettende auch.Friedrich H\u00f6lderlin Von Eberhard Gill Die Musik von Kate Bush, der englischen Sirene, hat mich mit ihrer Verf\u00fchrungsgewalt schon in manch bedrohliche Situation gebracht. Zeit, dachte ich mir, mich etwas distanzierter und analytischer mit ihrem Werk zu befassen. 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