{"id":5553,"date":"2018-11-02T07:25:19","date_gmt":"2018-11-02T06:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5553"},"modified":"2018-11-02T07:30:15","modified_gmt":"2018-11-02T06:30:15","slug":"das-song-abc-youre-the-one","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=5553","title":{"rendered":"Das Song-ABC: You&#8217;re The One"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=2606\" rel=\"attachment wp-att-2606\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"95\" \/><\/a>\u201eYou\u2018re the one\u201c ist der letzte Song auf dem Album \u201eThe red shoes\u201c. Danach mussten wir zw\u00f6lf Jahre auf das n\u00e4chste Album von Kate Bush warten. Ich fand\u00a0 in dieser Zeit die Vorstellung immer ganz entsetzlich, dass dieses traurige und irgendwie hoffnungslose Lied vielleicht das letzte musikalische Lebenszeichen von Kate Bush sein k\u00f6nnte.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5451\" rel=\"attachment wp-att-5451\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5451\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kate-del2.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kate-del2.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kate-del2-300x219.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"292\" \/><\/a>Der Song klingt wie ein besinnliches, etwas melancholisches Liebeslied. \u00dcber einem ruhigen Untergrund erhebt sich die hohe, traurige Stimme von Kate Bush, ganz z\u00e4rtlich. Die Protagonistin hat sich von ihrem Freund getrennt, offenbar im Guten. Sie will ihre Sachen aus der Wohnung holen, wenn der Ex nicht da ist. Aber alles erinnert an ihn, der neue Freund kann irgendwie nicht konkurrieren. Der Text f\u00e4ngt diese Stimmung ein, man macht ein tapferes Gesicht, redet taff und erwachsen \u2013 aber das kann den tiefen Schmerz nicht verdecken. Die Textzeilen \u201eI\u2019ve got everything I need \/ I\u2019ve got petrol in the car \/ I\u2019ve got some money with me \/ There\u2019s just one problem \/ You\u2019re the only one I want\u201c fassen dies ganz unsentimental, fast n\u00fcchtern zusammen.<br \/>\nEs ist ein eher konventioneller Text, der den Zuh\u00f6rer direkt anspricht, ohne eine zweite Ebene. Es fehlt die mysteri\u00f6se Komponente. Ironischerweise wurde das Kate Bush dann auch zum Vorwurf gemacht, die sonst oft zu h\u00f6ren bekam, ihre Texte seien zu esoterisch. Graeme Thomson [1] meint, das \u201eeinzig Ungew\u00f6hnliche an diesem St\u00fcck ist, dass es f\u00fcr einen Kate-Bush-Song so sehr gew\u00f6hnlich ist: eine rumpelnde, nachdenkliche Rockballade mit einem k\u00fcnstlerisch anspruchslosen, eindimensionalen Text, der [\u2026] ungesch\u00f6nt autobiografisch ist.\u201c Kate Bush hatte sich w\u00e4hrend der Entstehungszeit des Albums von ihrem Freund Del Palmer getrennt. Kate Bush spricht mit dem Text den Zuh\u00f6rer wirklich direkt an, unverstellt \u2013 etwas, was irgendwie ein Kennzeichen des Albums \u201eThe red shoes\u201c zu sein scheint. \u00dcberall auf diesem Album geht es um Verlust, Schmerz, Unsicherheit.<br \/>\nMusikalisch ist der Song interessant gestaltet. Zuerst f\u00e4llt die Zahl der prominenten Gastmusiker auf. Das Trio Bulgarka gibt eine exotische F\u00e4rbung. Gary Brooker (Procul Harum) spielt die Hammondorgel \u2013 dieses Instrument tr\u00e4gt zur melancholischen F\u00e4rbung bei. Jeff Beck spielt die Gitarre. Es ist so, als ob eine Musik einen sicheren Halt an Konstanten der Umgebung sucht, die dauernd durch tiefe Bassakkorde ins Dunkle gezogen wird.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5450\" rel=\"attachment wp-att-5450\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5450\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/youretheone400.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 395px) 100vw, 395px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/youretheone400.jpg 395w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/youretheone400-300x192.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"395\" height=\"253\" \/><\/a>Der Song ist im 4\/4-Takt geschrieben, nur zwei Takte stehen im 2\/4-Takt [2]. Notiert ist er in A-Dur. Es kommen nur die zu A-Dur passenden Akkorde cis-Moll, D-Dur, E-Dur und A-Dur vor (Tonikagegenklang III, Subdominante IV, Dominante V, Tonika I), die Harmonik verl\u00e4sst nie diesen Rahmen. Auch hier ist der Song konventioneller als normalerweise bei Kate Bush \u00fcblich. Das alles m\u00fcsste eigentlich wegen der vielen Dur-Dreikl\u00e4nge fr\u00f6hlich klingen, tut es aber nicht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Akkord cis-Moll, die Harmonik wird eingetr\u00fcbt und in Richtung cis-Moll verschoben. A-Dur ist nur schwer als Tonart zu erkennen.<br \/>\nDieses Schwanken zwischen A-Dur und cis-Moll gibt dem Song nun eine tiefere Ebene, wenn man sich an die Tonartencharakteristik von Beckh [3] h\u00e4lt. A-Dur gilt als leicht, licht, schwebend. Cis-Moll steht f\u00fcr Schwermut und Sehnsucht, es ist die Sehnsuchtstonart schlechthin. Die Protagonistin zeigt nach au\u00dfen die selbstsichere, gefasste, zukunftsorientierte Fassade \u2013 aber dahinter ist alles voller Sehnsucht. \u201eYou\u2018re the one\u201c beginnt mit dem cis-Moll-Akkord, der A-Dur-Akkord erscheint zum ersten Mal bei \u201eI\u2019ve got everything I need\u201c \u2013 als ob die Protagonistin hier sagen will \u201eja, alles okay, alles super, alles licht\u201c. Gleich danach wandelt es sich wieder ins Moll. Auf dem \u201ewant\u201c in \u201eYou\u2019re the only one I want\u201c erklingt jedesmal der A-Dur-Akkord \u2013 das ist es eigentlich, was f\u00fcr die Protagonistin das Leichte, Lichte, Erstrebenswerte ist. Zum Schluss des Songs treten dann diese beiden widerstreitenden Akkorde in Kombination auf \u2013 es endet ohne (musikalisch harmonische) L\u00f6sung zwischen ihnen.<br \/>\nIst \u201eYou\u2018re the one\u201c eine Art Antwort auf \u201eNothing Compares 2 U\u201c von Prince, mit dem sie ja auf dem Album kurz zusammengearbeitet hat? \u201eNothing Compares 2 U\u201c wurde 1985 auf dem Album \u201eThe Family\u201c der gleichnamigen Band ver\u00f6ffentlicht, 1990 gab es eine sehr erfolgreiche Coverversion von Sinead O\u2018Connor, 1993 wurde der Song auch von Prince selbst ver\u00f6ffentlicht [4]. Beide Lieder haben eine \u00e4hnliche Grundthematik, wobei \u201eYou\u2018re the one\u201c der realistischere, n\u00fcchternere Song ist. Ihm fehlt die latente Weinerlichkeit, die den Prince-Song in meinen Augen kennzeichnet.<br \/>\n\u201eYou\u2019re the one\u201c w\u00fcrde sich wegen seiner Direktheit sehr gut f\u00fcr Coverversionen eignen und ich wundere mich ein bi\u00dfchen, dass das bisher nicht sehr genutzt worden ist. Es gibt allerdings eine wunderbare Fassung f\u00fcr Bigband der G\u00f6teborgs Symfoniker [5], die die Emotionalit\u00e4t hymnisch herausstellt und sich damit in der Stimmung \u201eNothing Compares 2 U\u201c ann\u00e4hert (was der Song vertr\u00e4gt).<br \/>\n\u201eEin leicht souliger Song mit dem Flair einer Klassenfetenkuschelnummer, den nur das Trio Bulgarka und Gary Brookers Hammondorgelk\u00fcnste retteten.\u201c \u2013 das meint Rob Jovanovic [6] \u00fcber den Song. Das kann man nat\u00fcrlich so sehen, aber meiner Meinung nach verkennt man damit den Song. Ich hoffe, meine Analyse konnte dazu beitragen, diesen auch in Fan-Kreisen sehr vernachl\u00e4ssigten Song neu zu bewerten.<br \/>\n<em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n<p>[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.324<br \/>\n[2] \u201eThe red shoes\u201c (Songbook). International Music Publications Limited. Woodford Green. 1994. S.97ff<br \/>\n[3] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.\u00a0 S.136 (A-Dur) und S.268 (cis-Moll)<br \/>\n[4] <a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Nothing_Compares_2_U\">https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/Nothing_Compares_2_U<\/a> (gelesen 01.10.2018)<br \/>\n[5] <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/269167293\">https:\/\/vimeo.com\/269167293<\/a> \u2013 ab Minute 1:25.30 (gelesen 01.10.2028]<br \/>\n[6] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH\/Hannibal. H\u00f6fen. S.185<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eYou\u2018re the one\u201c ist der letzte Song auf dem Album \u201eThe red shoes\u201c. Danach mussten wir zw\u00f6lf Jahre auf das n\u00e4chste Album von Kate Bush warten. Ich fand\u00a0 in dieser Zeit die Vorstellung immer ganz entsetzlich, dass dieses traurige und irgendwie hoffnungslose Lied vielleicht das letzte musikalische Lebenszeichen von Kate Bush sein k\u00f6nnte. Der Song &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/morningfog.de\/?p=5553\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[475,50,848],"class_list":["post-5553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-abc","tag-achim","tag-youre-the-one","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5554,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5553\/revisions\/5554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}