{"id":5544,"date":"2018-10-30T20:15:41","date_gmt":"2018-10-30T19:15:41","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5544"},"modified":"2018-10-30T20:18:10","modified_gmt":"2018-10-30T19:18:10","slug":"maerchen-scherenschnitte-und-rote-schuhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=5544","title":{"rendered":"M\u00e4rchen, Scherenschnitte und rote Schuhe"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5545\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5545\" rel=\"attachment wp-att-5545\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5545\" class=\"wp-image-5545 size-full\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/andersen640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/andersen640.jpg 640w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/andersen640-300x198.jpg 300w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/andersen640-605x400.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5545\" class=\"wp-caption-text\">Zwei der Schrenschnitte von Hans Christian Andersen, die in der Kunsthalle Bremen pr\u00e4sentiert werden. Links &#8222;Der Botaniker&#8220; von 1848 (\u00a9 K\u00f6nigliche Bibliothek Kopenhagen), rechts &#8222;Ballerinen in einer verkorkten Flasche&#8220; (\u00a9 Odense City Museums).<\/p><\/div>\n<p>Drei Jahre hat Kurator Detlef Stein zusammen mit seiner Kollegin Anne Buschhoff an der Ausstellung \u201eHans Christian Andersen &#8211; Poet mit Feder und Schere\u201c gearbeitet. Sie zeigt nicht nur eine in Deutschland bisher weitestgehend unbekannte Seite des Geschichtenerz\u00e4hlers, sondern hat zudem auch erstaunlich viel mit Musik zu tun \u2013 und auch mit der Musik von Kate Bush.<br \/>\nGedanklich bewegt Stein die Ausstellung, die noch bis zum 24. Februar 2019 in der Kunsthalle Bremen pr\u00e4sentiert wird, eigentlich schon seit Jahrzehnten. Irgendwann in den 1990er Jahren war es, als er regelm\u00e4\u00dfig nach Kopenhagen gefahren ist. Der Musik wegen. \u201eDa gab es die besten Second Hand-L\u00e4den, in denen ich meine Schallplatten gekauft habe\u201c, erz\u00e4hlt er. Bei einer dieser Touren ist er in Odense h\u00e4ngen geblieben, der Zug fuhr erst sehr viel sp\u00e4ter und Stein wanderte zum Zeitvertreib in das Hans Christian Andersen-Museum und erwartete, was man in solchen Museen in der Regel zu sehen bekommt: ein nachgebautes Schreibzimmer mit Tintenfass, Figuren aus den ber\u00fchmten M\u00e4rchen \u2013 von der Prinzessin auf der Erbse, der kleinen Meerjungfrau, den roten Schuhen, dem h\u00e4sslichen Entlein, der Schneek\u00f6nigin oder des Kaisers neue Kleider und die unvermeidlichen Erstausgaben. Was Stein stattdessen zu Gesicht bekam, verbl\u00fcffte ihn nachhaltig: \u201eIch war v\u00f6llig perplex, als ich die Scherenschnitte, Zeichnungen und Collagen von Hans Christian Andersen gesehen haben. Die waren sch\u00f6n, liebevoll und verbl\u00fcffend modern.\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5546\" rel=\"attachment wp-att-5546\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5546\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/thered-480x480.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/thered-480x480.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/thered-480x480-150x150.jpg 150w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/thered-480x480-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Andersen ist im kollektiven Ged\u00e4chtnis eher der M\u00e4rchenonkel, dessen Geschichten man in seiner Kindheit gelauscht hat, und dessen Erz\u00e4hlungen in mehr als 150 Sprachen \u00fcbersetzt worden sind. Damit geh\u00f6rt er zu den meist gelesenen Autoren der Welt. \u201eWir wollten diese ganz andere Seite von Hans Christian Andersen mit unserer Ausstellung in der Bremer Kunsthalle zum ersten Mal in Deutschland zeigen und konnten mit dieser Idee auch die d\u00e4nische Botschaft und die d\u00e4nische Prinzessin Benedikte begeistern, die die Schirmherrschaft \u00fcber die Ausstellung \u00fcbernommen hat\u201c, erz\u00e4hlt Stein. Der neue Blick auf Andersen allein macht schon den Reiz der Ausstellung aus, die zudem dadurch gewinnt, dass die beiden Kuratoren den Blick weiten. Sie vergleichen Andersens bildliche Darstellungen mit Werken nicht nur zeitgen\u00f6ssischer K\u00fcnstler und man stellt verbl\u00fcfft fest, dass Collagen von Kurt Schwitters sich kaum von denen von Andersen unterscheiden, aber erst 70 Jahre sp\u00e4ter entstanden sind. Oder sich Maler wie Henri Matisse oder Max Ernst und K\u00fcnstler wie Andy Warhol von Andersen inspirieren lie\u00dfen. Und da ist der Anklang, den Andersens Werke \u00fcber viele Epochen hinweg bis heute in der Musik gefunden haben \u2013 von Strawinsky bis zu den Pet Shop Boys, Erasure, Donovan, Elvis Costello oder Kate Bush.<br \/>\nDie Liste, die Detlef Stein zusammengetragen hat, ist lang. So ist es auch kein Wunder, dass es das LP-Cover von \u201aThe Red Shoes\u2018 in eine Vitrine der Bremer Ausstellung geschafft hat. Das Vinyl stammt \u2013 wie sollte es anders sein \u2013 aus der Sammlung von Stein selbst. Er ist nicht nur gro\u00dfer Musikliebhaber, sondern auch Kate-Fan. \u201eWir wollten auch gerne das Video von \u201aThe Red Shoes\u2018 in der Ausstellung zeigen. Das hat aber leider nicht geklappt, weil die Rechte so undurchsichtig waren\u201c, erz\u00e4hlt er. Einfacher war es hingegen mit einem Video von Erasure und einer Ballettauff\u00fchrung nach der Musik von den Pet Shop Boys von 2011. Es ist sch\u00f6n zu sehen, dass Andersen bis heute die englische Pop-Szene inspiriert\u201c, sagt Stein.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5548\" rel=\"attachment wp-att-5548\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5548\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/laketahoe.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/laketahoe.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/laketahoe-300x223.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Warum das so, ist, kann er nur mutma\u00dfen: \u201eAndersen war oft bei Charles Dickens zu Gast, wurden im viktorianischen England sehr viel gelesen. Die B\u00fccher hatten mitsamt ihren Illustrationen in England immer einen hohen Bekanntheitsgrad.\u201c Und das wohl auch nicht nur als Kinderb\u00fccher. Immerhin ist die Geschichte von den roten Schuhen alles andere als spa\u00dfig. \u201eZum Schluss gibt es die Szene, in der das M\u00e4dchen geradezu fleht, dass man ihr die F\u00fc\u00dfe abhackt\u201c, erinnert sich Stein an die roten Schuhe, die ein unerw\u00fcnschtes Eigenleben entwickeln. Und so ist auch der Beitrag der beiden Kuratoren zum Thema \u201eHans Christian Andersens M\u00e4rchen und Scherenschnitte im Spiegel von Moderne und Gegenwart\u201c mit einem f\u00fcr Kate-Fans bekannten Zitat \u00fcberschrieben: \u201eOn the minute I put them on I knew I had done something wrong.\u201c Auch wenn Kate sich nicht vom Original, sondern der englischen Filmversion von 1948 inspirieren lie\u00df und neben dem Album &#8222;The Red Shoes&#8220; auch ihr Film &#8222;The Line, The Cross and the Curve&#8220; mit MIranda Richardson und Lindsay Kemp auf dem Film basiert, durfte der Verweis auf Kate in der Bremer Ausstellung nicht fehlen. Eine Entdeckung steht f\u00fcr Detlef Steins noch aus. In seiner Plattensammlung findet sich auch \u201e50 Words for Snow&#8220;. Den Song \u201eLake Tahoe\u201c kennt er nat\u00fcrlich. Das Video aber nicht. Wer in dem Katalog der Scherenschnitte von Andersen bl\u00e4ttert, k\u00f6nnte auf die Idee kommen, im Lake Tahoe-Video einen animierten Scherenschnitt zu sehen. Detlef Stein freut sich auf diese Entdeckung.<\/p>\n<p>Hans Christian Andersen &#8211; Poet mit Feder und Schere, 20.10.2018 &#8211; 24.02.2019.<br \/>\nInfos: <a href=\"https:\/\/www.kunsthalle-bremen.de\/view\/exhibitions\/exb-page\/hans-christian-andersen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunsthalle Bremen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Jahre hat Kurator Detlef Stein zusammen mit seiner Kollegin Anne Buschhoff an der Ausstellung \u201eHans Christian Andersen &#8211; Poet mit Feder und Schere\u201c gearbeitet. 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