{"id":5312,"date":"2018-06-19T22:45:23","date_gmt":"2018-06-19T20:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5312"},"modified":"2018-06-19T22:47:49","modified_gmt":"2018-06-19T20:47:49","slug":"die-rueckkehr-betoerender-stimmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=5312","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr bet\u00f6render Stimmen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5313\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5313\" rel=\"attachment wp-att-5313\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5313\" class=\"wp-image-5313 size-full\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/lmvob620.jpg\" alt=\"\" width=\"619\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/lmvob620.jpg 619w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/lmvob620-300x276.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 619px) 100vw, 619px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5313\" class=\"wp-caption-text\">Foto: themysteryofthebulgarianvoices.com\/www\/<\/p><\/div>\n<p><strong>Von Stefan Franzen<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Legend\u00e4re, aber fast vergessene Chors\u00e4ngerinnen suchen Popstar vom anderen Ende der Welt f\u00fcr zweiten Fr\u00fchling&#8220;. So k\u00f6nnte, ein bisschen \u00fcberspitzt, die Anzeige gelautet haben, die zu diesem Treffen f\u00fchrte. Hier: der Frauenchor Le Myst\u00e8re des Voix Bulgares, der weltweit Menschen zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt und dessen Mysterium bis heute unerkl\u00e4rlich scheint. Dort: die australische Wave-Ikone Lisa Gerrard, die seit 30 Jahren mit ihrer bet\u00f6renden Stimme ein Publikum von Gothic bis Weltmusik fasziniert. Ungleiches Paar oder Traumhochzeit?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/w.online-verlag-freiburg.de\/www\/delivery\/lg.php?bannerid=4828&amp;campaignid=2277&amp;zoneid=60&amp;loc=1&amp;referer=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Frock-pop%2Fle-myst-re-des-voix-bulgares-die-betoerenden-stimmen-sind-zurueck--153587027.html&amp;cb=dc11238047\" alt=\"\" width=\"0\" height=\"0\" \/>&#8220;<br \/>\nIch glaube, das gr\u00f6\u00dfte Mysterium liegt darin, nicht zu verstehen, was sie singen und trotzdem so tief ber\u00fchrt zu sein&#8220;, sagt Lisa Gerrard. &#8222;Es durchdringt dich von den Haarspitzen bis zu den Zehenn\u00e4geln und hat mich schon in den Bann gezogen, als ich Mitte zwanzig war. Irgendetwas kristallisierte sich in mir heraus, ver\u00e4nderte mich grundlegend.&#8220; Gerrards Gest\u00e4ndnis klingt ehrlich. Die mittlerweile 57-J\u00e4hrige sitzt in einem K\u00f6lner Hotelzimmer neben ihren beiden bulgarischen Kolleginnen, und wenn diese sprechen, nimmt sie sich fast ehrf\u00fcrchtig zur\u00fcck, lauscht mit gro\u00dfen Augen. Etwa als die Chorleiterin Dora Hristova einen Versuch unternimmt, aus ihrer Sicht das Mysterium zu beschreiben. F\u00fcr sie ist das eine Frage des Handwerks. &#8222;Die wichtigste Gesangstechnik ist die des open throat. Sie kommt aus dem Kehlkopf, das ist die nat\u00fcrlichste Technik \u00fcberhaupt, die auch zum Einsatz kommt, wenn du ganz normal sprichst. Die jungen M\u00e4dchen werden mit dieser F\u00e4higkeit schon geboren. Aber um sie im Gesang anzuwenden, solltest du mit einer besonderen Physiognomie geboren sein: Du solltest sehr starke Kehlkopfmuskeln haben und eine gro\u00dfe Luftr\u00f6hre als Resonanzk\u00f6rper!&#8220;&#8220;BooCheeMish&#8220; hei\u00dft das Album, das die Chorfrauen aus Sofia mit Gerrards Unterst\u00fctzung eingespielt haben. Der Name geht auf einen Folkloretanz im F\u00fcnfzehn-Sechzehntel-Takt zur\u00fcck. &#8222;Der Geist des ganzen Albums ist dynamisch, offen, groovy&#8220;, so Produzentin Boyana Bounkova. &#8222;Unsere Musik und unsere Kultur kommunizieren darauf mit anderen Kulturen und Musikstilen anderer Kontinente. Ein Ausdruck von Freiheit.&#8220;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5315\" rel=\"attachment wp-att-5315\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5315\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bulgarien1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bulgarien1.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bulgarien1-150x150.jpg 150w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bulgarien1-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Denn Freiheit war nicht das, was immer gegeben war in der Historie des Chors: Bereits 1952 veranlasst die kommunistische F\u00fchrung Bulgariens die Gr\u00fcndung eines Volksliedensembles f\u00fcrs staatliche Radio. Wie in vielen anderen Bruderstaaten wird Musik in den Dienst der sozialistischen Ideologie gestellt, doch die archaischen Lieder der D\u00f6rfer werden zugleich kunstvoll arrangiert. Zum Durchbruch auf dem internationalen Plattenmarkt verhilft den Frauen der Schweizer Weltenbummler Marcel Cellier, der 1975 seine Aufnahmen mit dem Radiochor auf eine Scheibe presst und dem Ph\u00e4nomen den Namen &#8222;Le Myst\u00e8re des Voix Bulgares&#8220; verpasst. Popstars von Zappa bis Kate Bush werden Fan, in den Achtzigern lizensiert das Wave-Label 4AD die Musik, dort ist auch Gerrards Band Dead Can Dance beheimatet. Nach dem Ende des Ostblocks privatisiert sich ein Teil des Chores, wird als Buglarian Voices Angelite weltweit erfolgreich, der andere Teil tr\u00e4gt weiter das &#8222;Myst\u00e8re&#8220;-Pr\u00e4dikat im Namen, ger\u00e4t jedoch in Vergessenheit. Bis sie mit dem jungen Komponisten Petar Dundakov 2015 das Konzept \u00e4ndern, sich Popeinfl\u00fcssen \u00f6ffnen, ohne die Wurzeln zu kappen.<br \/>\nDundakov hat sowohl Klassik- als auch Rockerfahrung, den clever modernisierten St\u00fccken auf &#8222;BooCheeMish&#8220; h\u00f6rt man das an. Und dann ist ja da noch die Stimme von Lisa Gerrard, die im fernen Australien bei rund der H\u00e4lfte der Titel ihre Stimmgewalt beisteuerte. Sp\u00e4ter kam sie dann f\u00fcr gemeinsame Konzerte mit den Bulgarinnen nach Europa. &#8222;Die Intervallreibungen sind wirklich erstaunlich&#8220;, sagt Gerrard. &#8222;Mir ist es ein R\u00e4tsel, wie sie die Tonh\u00f6hen halten k\u00f6nnen. Diese Stimmen sind wie Dudels\u00e4cke! Wenn ich meine eigenen flie\u00dfenden, offenen Singtechniken verwende, dann kann ich mich auf sie einstellen, aber wenn ich anfange, in Synkopen zu ihren Stimmen zu singen, dann ist das richtig tricky. Es gibt ein paar Songs, die mich schier verr\u00fcckt machen!&#8220; Ob der Myst\u00e8re-Chor durch den Support des Popstars wieder Aufwind bekommt? Dora Hristova sieht die Zukunft realistisch. &#8222;Es braucht junge Leute, die sich f\u00fcr die Folklore interessieren. Selten treffe ich auf urspr\u00fcngliche Stimmen, die wie ihre M\u00fctter oder Gro\u00dfm\u00fctter singen wollen, vielmehr versuchen sie, die westlichen und zeitgen\u00f6ssischen Stile zu imitieren.&#8220; Lisa Gerrard w\u00fcrde sich eine Fortsetzung des Teamworks w\u00fcnschen, f\u00fcr sie sind die bulgarischen Stimmen geradezu eine Notwendigkeit: &#8222;Als ich beim letzten Konzert in den Saal schaute, haben die Leute geweint. Das passiert, weil wir heute so desensibilisiert sind, alles ist so statisch, so einfach, so bequem. Und dann wirst du konfrontiert mit etwas so Wahrhaftigem, Aufrichtigem, einer Verk\u00f6rperung von so viel Leidenschaft. Klar, dass du da emotional wirst. Es ist reinigend, all die Abstumpfung f\u00e4llt von dir ab. Und deshalb denke ich, die Welt braucht diese Musik!&#8220;<br \/>\n(aus: Badische Zeitung)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Stefan Franzen &#8222;Legend\u00e4re, aber fast vergessene Chors\u00e4ngerinnen suchen Popstar vom anderen Ende der Welt f\u00fcr zweiten Fr\u00fchling&#8220;. So k\u00f6nnte, ein bisschen \u00fcberspitzt, die Anzeige gelautet haben, die zu diesem Treffen f\u00fchrte. Hier: der Frauenchor Le Myst\u00e8re des Voix Bulgares, der weltweit Menschen zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt und dessen Mysterium bis heute unerkl\u00e4rlich scheint. 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