{"id":5071,"date":"2018-02-06T07:15:31","date_gmt":"2018-02-06T06:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5071"},"modified":"2018-02-05T21:39:54","modified_gmt":"2018-02-05T20:39:54","slug":"das-song-abc-them-heavy-people","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=5071","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Them Heavy People"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=2606\" rel=\"attachment wp-att-2606\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>40 Jahre ist es nun her, dass das Debut-Album von Kate Bush ver\u00f6ffentlicht wurde &#8211; Zeit, auf einen der Schl\u00fcsselsongs aus \u201eThe kick inside\u201c zur\u00fcckzublicken. \u201eThem heavy people\u201c ist ein fr\u00fches Lied, da es schon bei den Auftritten der \u201eKT Bush Band\u201c 1976\/77 auf dem Programm stand [1], zu einer Zeit also, an der das Album noch in einer ungewissen Zukunft lag. Der Song ist ein f\u00fcr Liveauftritte konzipiertes St\u00fcck und das ist ihm anzumerken. Er ist eing\u00e4ngig, rhythmisch und geht ins Ohr. Er war daher auch von der Plattenfirma EMI als zweite Single vorgesehen [1], musste dann aber gegen\u00fcber \u201eThe man with the child in his eyes\u201c zur\u00fccktreten.\u00a0 Musikalisch geht es hier ein bisschen in Richtung Reggae. Ron Moy [2] h\u00e4lt ihn f\u00fcr eine gelungene Umsetzung des \u201areggae verse, pop chorus\u2018-Stils, der damals gerade durch die Gruppe Police popul\u00e4r gemacht wurde. Moy meint weiter, dieser Song \u201e[&#8230;] is the most positive and sunny track on the album, and one of a fair number of songs (four, five?) that would surely have been sucsessfull as singles.\u201c. Dieser Aussage kann ich nur zustimmen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5072\" rel=\"attachment wp-att-5072\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5072\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/thp1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/thp1.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/thp1-300x292.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>\u201eThem heavy people\u201c unterscheidet sich im Stil etwas von den anderen Songs des Albums. Es ist ein vorw\u00e4rtstreibender Titel mit einem merkw\u00fcrdigen Rhythmus, eine Art stolpernder Tanz (jemand ist noch nicht im Gleichgewicht). Im Chorus dominiert dann ein geradlinigerer Rhythmus, die Richtung ist gefunden \u2013 vorw\u00e4rts. Der Song erz\u00e4hlt von den Inspirationen, Anst\u00f6\u00dfen, Schubsern, die andere Menschen der S\u00e4ngerin gegeben haben. Er erz\u00e4hlt von den Menschen, die sie in die richtige Richtung gesto\u00dfen haben. Gurdjieff und Jesus werden zitiert, das waren offenbar Einfl\u00fcsse aus Diskussionen im Familienkreis. Der Song richtet sich auch an ihre Gesangs-, Tanz- und Pantomimenlehrer, ebenso an ihren F\u00f6rderer David Gilmour (dem sie im Covertext daf\u00fcr dankte, den Ball ins Rollen gebracht zu haben &#8211; \u201erolling the ball\u201c).<br \/>\nAusgel\u00f6st wurde die Komposition von einer kleinen Textphrase und danach ergab sich alles ganz schnell von selbst. Dieser Song entstand ohne lange Entwurfs- und \u00dcberarbeitungszeit, wie Kate Bush sagte. \u201eThe idea for Heavy People came when I was just sitting one day in my parents&#8216; house. I heard the phrase &#8222;Rolling the ball&#8220; in my head, and I thought that it would be a good way to start a song, so I ran in to the piano and played it and got the chords down. I then worked on it from there. It has lots of different people and ideas and things like that in it, and they came to me amazingly easily&#8211;it was a bit like Oh England, because in a way so much of it was what was happening at home at the time. My brother and my father were very much involved in talking about Gurdjieff and whirling Dervishes, and I was really getting into it, too. It was just like plucking out a bit of that and putting it into something that rhymed.\u201c [3]. Der Verweis auf Gurdjieff wurde dann im Text durch Verweise auf weitere Personen erg\u00e4nzt, um nicht zu esoterisch zu erscheinen. \u201eI thought it was important not to be narrow-minded just because we talked about Gurdjieff. I knew that I didn&#8217;t mean his system was the only way, and that was why it was important to include whirling Dervishes and Jesus, because they are strong, too.\u201c [3].<br \/>\nDer Song ist im 4\/4-Takt gehalten. Nur an einigen Stellen ist ein Bruch eingebaut (ein Takt 2\/4, ein Takt 4\/4) und zwar auf \u201ehas a heaven inside\u201c, bzw. \u201ewe perform the miracles\u201c bzw. \u201ebut what a lovely feeling\u201c jeweils zum Schluss der Strophen [4]. Dies tr\u00e4gt zum Eindruck eines Stolperns oder Innehaltens an diesen Stellen bei. Notiert ist der Song mit 5b [4]. Weil die Strophen mit dem Des-Dur-Akkord beginnen, ist dies wohl ein Des-Dur. Ab und zu gibt es Ausweichungen nach B-Dur (b-Moll w\u00e4re die Paralleltonart zu Des-Dur). Diese B-Dur-Akkorde stehen immer am Schluss der Strophen und wenden diese Abschl\u00fcsse aus dem Des-Dur hinaus [4].\u00a0 Die erste Strophe (\u201eThey arrived at an inconvenient time \/ I was hiding in a room in my mind \/ They made me look at myself \/ I saw it well I\u2018d shut the people out of my life\u201c) redet offenbar auch von verst\u00f6renden Anst\u00f6\u00dfen, die aber dazu gef\u00fchrt haben, tiefer in sich hineinzublicken und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.\u00a0 Es geht weiter mit \u201eSo now I take the opportunities\u201c. Kate Bush kommt zu dem Fazit, das alles Wichtige in einem drin zu finden ist: \u201eFor now I realise that everyone of us \/ has a heaven inside\u201c und \u201eWe humans get it all we perform the miracles\u201c. Diese beiden Statements beschlie\u00dfen die Strophen.<br \/>\nDas Lied ist eine Art Verbeugung vor den Menschen in ihrer Umgebung. Mit diesem Lied bedankt sie sich f\u00fcr das \u00d6ffnen der T\u00fcren: \u201eThey open doorways that I thought were shut for good\u201c. Sich selbst bewusst werden, sich selbst mit allen H\u00f6hen, Tiefen und Abgr\u00fcnden annehmen &#8211; darauf kommt es an. Wie so oft bei Kate Bush scheinen die Tonarten bewusst gew\u00e4hlt zu sein. F\u00fcnf Vorzeichen sind eher ungew\u00f6hnlich, das ist weit weg vom n\u00fcchternen Alltag. Des-Dur ist nach Beckh [5] eine zweischneidige Tonart. \u201eAuf der einen Seite kann ihr ein sinnliches Element, eine gewisse sinnliche S\u00fc\u00dfe eigen sein, auf der anderen Seite konnte sie auch in der Musik zum Ausdruck von etwas Allerh\u00f6chstem, Weihevollstem verwendet werden. Ein eigenartiger Abgrund zwischen H\u00f6he und Tiefe scheint sich innerhalb dieser Tonart aufzutun.\u201c Sie ist das \u201eSchauen der Sonne um Mitternacht\u201c, sie ist eine \u201ein der Tiefe des Irdischen erlebte h\u00f6chste geistige H\u00f6he\u201c [5]. Die Paralleltonart b-Moll ist die Tonart des Sterbens, der wird konsequent ausgewichen zu B-Dur.\u00a0 B-Dur ist nach Beckh [5] noch nicht das Licht selbst, aber es ist die Ahnung des Lichts, die Hoffnung des Lichts, der Glaube an das Licht. Der Stern des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe lebt irgendwo in dieser Tonart, die daher oft als Liebestonart benutzt wird.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5054\" rel=\"attachment wp-att-5054\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5054\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/tki620.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/tki620.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/tki620-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>In den verwendeten Tonarten k\u00f6nnen wir die Faszination sp\u00fcren, die der Eintritt in die mystische Welt der Musik und ihre Selbstfindung f\u00fcr Kate Bush bedeutet haben: Liebe, das Allerh\u00f6chste und Weihevollste, der Abgrund, der sich in der Seele auftut. Am Ende des Weges (der Strophen) steht der Glaube an das Licht (B-Dur). \u201eThem heavy people\u201c war auch Bestandteil der \u201eTour of life\u201c. Im Nachhinein zweifelte Kate Bush an der Umsetzung des Songs (insbesondere der Albumversion), stand aber zu seinen Inhalten und zu seiner musikalischen Qualit\u00e4t. \u201eI always felt that Heavy People should be a single, but I just had a feeling that it shouldn&#8217;t be a second single, although a lot of people wanted that. Maybe that&#8217;s why I had the feeling&#8211;because it was to happen a little later, and in fact I never really liked the album version much because it should be quite loose, you know: it&#8217;s a very human song. And I think, in fact, every time I do it, it gets even looser. I&#8217;ve danced and sung that song so many times now, but it&#8217;s still like a hymn to me when I sing it. I do sometimes get bored with the actual words I&#8217;m singing, but the meaning I put into them is still a comfort. It&#8217;s like a prayer, and it reminds me of direction.\u201c [3].<br \/>\nF\u00fcr mich ist der Song ein Wohlf\u00fchllied, schwungvoll und zum Mittanzen einladend, optimistisch und fr\u00f6hlich, ohne einen zu exaltierten Einsatz der Stimme. Der Text ist im Vergleich zu sp\u00e4teren Songs ein bisschen plakativ &#8211; aber immer nur R\u00e4tsel l\u00f6sen muss ja auch nicht sein. Er zeigt den Weg in die Zukunft auf, dieser Text ist Kate Bushs goldene Stra\u00dfe zum Zauberer von Oz.<br \/>\nIch h\u00f6re \u201eThem heavy people\u201c immer wieder gern. Er h\u00e4tte auch als Single Erfolg haben k\u00f6nnen, da er wirklich ins Ohr geht. Ein Song f\u00fcr eine Rampensau. So sehr ich die komplexeren Songs aus der sp\u00e4teren Zeit sch\u00e4tze &#8211; ich bedauere es doch ein bisschen, dass sie solche livetauglichen Songs sp\u00e4ter nur noch selten geschrieben hat. (\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong>)<\/p>\n<p>[1] Graeme Thomson: Under the ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.96 und S.120<br \/>\n[2] Ron Moy: Kate Bush and Hounds of Love. Aldershot. Ashgate Publishing Limited. 2007. S17<br \/>\n[3] Kate Bush: KBC article Issue 4 (Weihnachten 1979). &#8222;Them Heavy People&#8220; &amp; Interview<br \/>\n[4] Kate Bush: Kate Bush Complete. London. EMI Music Publishing Ltd. 1987. S.156f<br \/>\n[5] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Stuttgart. Verlag Urachhaus. 1999. S.232ff (Des-Dur) und S.245ff (B-Dur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Jahre ist es nun her, dass das Debut-Album von Kate Bush ver\u00f6ffentlicht wurde &#8211; Zeit, auf einen der Schl\u00fcsselsongs aus \u201eThe kick inside\u201c zur\u00fcckzublicken. \u201eThem heavy people\u201c ist ein fr\u00fches Lied, da es schon bei den Auftritten der \u201eKT Bush Band\u201c 1976\/77 auf dem Programm stand [1], zu einer Zeit also, an der das &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/morningfog.de\/?p=5071\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[475,50,808,627],"class_list":["post-5071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-abc","tag-achim","tag-rolling-the-ball","tag-them-heavy-people","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5071"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5076,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5071\/revisions\/5076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}