{"id":3795,"date":"2016-04-12T07:17:28","date_gmt":"2016-04-12T05:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=3795"},"modified":"2017-07-23T12:38:02","modified_gmt":"2017-07-23T10:38:02","slug":"das-song-abc-get-out-of-my-house","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=3795","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Get Out Of My House"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"abc\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Ein herzhafter Lachanfall war Graeme Thomson zufolge die Reaktion einiger Zeitgenossen auf diesen Song[1]. Fragt man jedoch hartgesottene Kate-Fans, rangiert er stetig hoch in der Gunst, findet sich in Favoritenlisten h\u00e4ufig unter den Top 10. Zu Recht: \u201eGet Out Of My House\u201c ist ein fantastisches und zugleich be\u00e4ngstigendes St\u00fcck Popmusik, bei dem zeitweise die Grenzen zur musique concr\u00e8te, zum H\u00f6rspiel aufgeweicht werden. Ich w\u00fcrde sogar soweit gehen, dass er etlichen Popk\u00fcnstlern seit den 1980ern mit der Art und Weise, wie die Rhythmusspuren gebaut wurden, bewusst oder unbewusst als Blaupause gedient haben k\u00f6nnte. Dabei sprengt der Song eigentlich die technischen M\u00f6glichkeiten, die man 1981\/82 in einem gemieteten Studio unter Zeitdruck umsetzen konnte. Es wird verst\u00e4ndlich, wie innig sich Kate damals ein eigenes Klanglaboratorium gew\u00fcnscht hat, doch in jener Schaffensphase war sie ja noch auf die Londoner Studios angewiesen, wo sie sich mit Del Palmer, Paul Hardiman und Haydn Bendall bis zu 20 Stunden am Tag einbunkerte. Die hermetische Isolation in einem Raum ohne Fenster mag die Paranoia von \u201eGet Out Of My House\u201c noch befeuert haben.<br \/>\nAls Finaltrack setzt \u201eGet Out Of My House\u201c dem ohnehin sehr gewagten Album \u201eThe Dreaming\u201c das Kr\u00f6nchen auf. Vom Aufbau her haben wir eine klassische Songstruktur mit Strophe, Bridge, Refrain und Coda. Wie diese allerdings soundtechnisch ausgestaltet sind, das hat nicht mehr viel mit dem herk\u00f6mmlichen Popsong zu tun und reiht sich konsequent in die auf \u201eThe Dreaming\u201c verfolgten Gestaltungsprinzipien ein: Experimentelle Klangcollagen, bei denen das Drumkit zugunsten von Ger\u00e4uschsamples auch mal zur Nebensache wird.<br \/>\nMartialische\u00a0 Beats, der Schlachtruf \u201eEeyore\u201c aus der Kehle von Paul Hardiman und das dreit\u00f6nige Leitmotiv auf Alan Murphys Gitarre bilden das Intro, bevor Kates Vocals einsetzen. Der letzte Offbeat des galoppierenden <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/goomh4-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3796\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/goomh4-400.jpg\" alt=\"goomh4-400\" width=\"400\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/goomh4-400.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/goomh4-400-300x294.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Viervierteltakts wird \u00fcberm\u00e4\u00dfig betont, er ist auch zust\u00e4ndig f\u00fcr den Widerhaken im Groove \u2013 und in ihm versteckt sich das Sample einer heftig zugeschlagenen T\u00fcr. Sie wird auch gleich im Text thematisiert: \u201eWhen you left the door was (slamming)\u201c. Ein letzter Besucher verl\u00e4sst das Haus, ein Gedanke stiehlt ihn hinweg, die Welt zieht ihn hinaus. Das Haus ist leer \u2013 und das bleibt es auch. Denn was nun folgt, ist die grandiose akustische Ausgestaltung einer Psychose. Dabei ist der eigentliche Protagonist das Haus, in dem die Heldin lebt, doch die K\u00f6rpermetaphorik will es so, dass das lyrische Ich und das Haus organisch verschmelzen, in einem einzigen Bestreben: Niemand soll diesen \u201eK\u00f6rper\u201c jemals mehr betreten, \u201eno stranger&#8217;s feet will enter me, I wash the panes, I clean the stains away.\u201c Diese totale Abschirmung gipfelt im wiederkehrenden Ausruf \u201eWith my key I lock it\u201c, wobei das \u201elock it\u201c zeitlich mit der zugeschlagenen T\u00fcr zusammenf\u00e4llt. Der Schl\u00fcssel als Motiv weist wiederum auf den vorangegangenen Track \u201eHoudini\u201c hin. Auch in diesem Lied \u00fcber den Entfesselungsk\u00fcnstler spielte ja das Motiv des gewollten Wegschlie\u00dfens eine zentrale Rolle.<br \/>\nKate portr\u00e4tiert sich mit den verschiedenen F\u00e4rbungen ihrer Stimme als multiple Pers\u00f6nlichkeit: In den Strophen als F\u00fchrerin durch die verwinkelten Abgr\u00fcnde dieses Geisterhauses \/ dieser Seele, \u201efull of mess, full of mistakes and full of madness\u201c ist. In der Bridge ist sie die laszive Conci\u00e8rge, die weder f\u00fcr Liebe noch Geld irgendjemanden hinein l\u00e4sst, und sich mit der verhallten Zeile \u201eI won&#8217;t letcha in\u201c zu einem Monster aufbl\u00e4ht. Der Refrain dagegen besteht nur aus der Titelzeile des Songs, der furienhaft, verzweifelt heulend, flehend und gebrochen bis zur Unertr\u00e4glichkeit wiederholt wird. Nat\u00fcrlich kann man \u2013 oft ist das in anderen Interpretationen geschehen \u2013 hier auch eine sexuelle Konnotation sehen, oder schlicht und einfach Kates Reaktion auf die Schattenseiten des Ber\u00fchmtseins: Das Bed\u00fcrfnis nach R\u00fcckzug wird immer verzweifelter.<br \/>\nNachdem die R\u00e4umlichkeit des Hauses mit vielen perkussiven Stereoeffekten, weit entfernten Stimmen und seufzenden Lauten aus dem Fairlight-Synthesizer ausgelotet wurde, kommt in der riesenhaften zweiteiligen Coda noch ein intimes Duett mit Bruder Paddy zum Tragen. Er umschmeichelt die Bewohnerin, bittet um Einlass (den sie ihm nicht gew\u00e4hrt) und will die Erinnerungen zur\u00fcckbringen. Der Heathcliff aus \u201eWuthering Heights\u201c, der \u201elet me in your window\u201c fleht, hier begegnen wir ihm unter g\u00e4nzlich anderen Vorzeichen. Doch Kate setzt noch eins drauf: Kate und Paul Hardiman lassen ihr \u201eEeyore\u201c-Br\u00fcllen ert\u00f6nen, ein Symbol f\u00fcr die hartn\u00e4ckige, animalische Verweigerungshaltung eines Esels, das wiederum noch mit einem Konnakol \u00fcberlagert wird (ein \u201eSilben-Rap\u201c, mit dem in der s\u00fcdindischen Musik rhythmische Abl\u00e4ufe memoriert werden). Sp\u00e4testens hier sprengt Kate die damaligen technischen M\u00f6glichkeiten: Die \u00dcbereinandert\u00fcrmung von Klangspuren sorgt daf\u00fcr, dass man als H\u00f6rer schier die Orientierung verliert. Was die Vision\u00e4rin in ihrem Innern h\u00f6rte, lie\u00df sich klanglich nicht mehr umsetzen.\u00a0 (<strong>Stefan<\/strong>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein herzhafter Lachanfall war Graeme Thomson zufolge die Reaktion einiger Zeitgenossen auf diesen Song[1]. 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