{"id":3477,"date":"2015-11-07T09:28:53","date_gmt":"2015-11-07T08:28:53","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=3477"},"modified":"2017-07-23T13:09:00","modified_gmt":"2017-07-23T11:09:00","slug":"das-song-abc-bertie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=3477","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Bertie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"abc\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Es ist ein ganz zarter Faden, der sich durch Kates Werk spinnt, f\u00fcr manche(n) vielleicht gar nicht wahrnehmbar: die Inspiration aus alter englischer Consort Music, aus der Epoche der Renaissance &#8211; consort ist der allgemeine Fachbegriff f\u00fcr Ensembles in dieser Zeit, die aus den Instrumenten einer Familie zusammengesetzt sind. Man kann die Tracks bequem an einer Hand abz\u00e4hlen, in denen sie sich dieser Klangsprache verschrieben hat: &#8222;Oh England, My Lionheart&#8220; &#8211; &#8222;The Infant Kiss&#8220; &#8211; &#8222;Bertie&#8220;. Dar\u00fcber hinaus gibt&#8217;s ein paar Einsprengsel, die auf diese musikalische Epoche hindeuten, zum Beispiel die Bridge vor der letzten Strophe von &#8222;Hammer Horror&#8220; oder der an Counterten\u00f6re dieser Epoche erinnernde Knabengesang in &#8222;All The Love&#8220; und &#8222;Snowflake&#8220;.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bertie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3478\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bertie.jpg\" alt=\"bertie\" width=\"400\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bertie.jpg 400w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bertie-300x252.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Kate scheint die englische Renaissancemusik mit einer abhanden gekommenen Kindheit in Verbindung zu bringen. In &#8222;Oh England, My Lionheart&#8220; malt sie mit extrem hoher Stimme r\u00fchrende, naive Bilder, man k\u00f6nnte durchaus sagen, aus der Sicht eines Kindes, und sie gruppiert dazu Cembalo und ein Blockfl\u00f6tenconsort. In &#8222;The Infant Kiss&#8220; schwingt ebenfalls &#8211; in diesmal sehr doppelb\u00f6diger Art und Weise &#8211; die Sehnsucht nach dem Kindlichen mit. Als Begleitung h\u00f6rt man ein Ensemble aus Gambeninstrumenten (engl.: viol<sup>1<\/sup>), die im England der elisabethanischen Zeit bei Komponisten wie John Dowland sehr beliebt waren.<br \/>\nUnd sie bilden auch den musikalischen Rahmen f\u00fcr Kates &#8222;Kinderlied&#8220; par excellence: ihre von m\u00fctterlichen Freuden durchtr\u00e4nkte Hymne auf ihren damals noch kleinen Sohn Bertie. Susanna Pell und Richard Campbell bedienen hier die sonor t\u00f6nenden Kniegeigen. Laut Graeme Thomson wurden die beiden Solisten bei einer Auff\u00fchrung der Bachschen Matth\u00e4uspassion ausfindig gemacht.<sup>2<\/sup> Hinzu tritt Eligio Quinteira, der mit seiner Renaissancegitarre den harmonischen und rhythmischen Rahmen zugleich vorgibt. Das Instrument ist ein viersaitiger Vorl\u00e4ufer unserer Konzertgitarre. Ich habe allerdings den Verdacht, dass Del Palmer den Sound bei der (Nach-)Produktion durch einen FIlter gejagt hat, denn Quinteiros Gitarre hat hier im Vergleich zu seinen eigenen, &#8222;naturbelassenen&#8220; Aufnahmen einen helleren, fast Cembalo-artigen Charakter. In der Bridge &#8222;(You give me joy&#8230;&#8220;), wo er in h\u00f6heren Lagen spielt, wird das noch deutlicher. Robin Jeffrey komplettiert das Ensemble: Er steuert in den Refrains und am Schluss dezente Percussion bei, wie sie in der damaligen Epoche \u00fcblich war.<br \/>\nDie Rhythmenabfolge ist dabei interessant: &#8222;Bertie&#8220; f\u00e4ngt mit einem 4\/4-Takt an, man k\u00f6nnte von einer &#8222;Allemande&#8220; sprechen, im Refrain wechselt das Metrum in einen schnellen Dreiertakt, was auf die Renaissance \u00fcbertragen eine belebte &#8222;Courante&#8220; sein k\u00f6nnte. Kates helle, vergn\u00fcgte Stimme ist zu diesem spielerischen Unterbau die ideale Erg\u00e4nzung. Hier gibt&#8217;s keine verschiedenen Deutungsebenen, keine Dramen oder schauerlichen Gestalten &#8211; in &#8222;Bertie&#8220; singt eine beseelte, gl\u00fcckliche Mutter. Das ist meilenweit weg von der abgr\u00fcndigen Seite des &#8222;Infant Kiss&#8220;. Ich interpretiere das so: Die verlorene Kindheit, die Kate in &#8222;Oh, England&#8230;&#8220; und &#8222;The Infant Kiss&#8220; beschw\u00f6rt, kommt nun mit der n\u00e4chsten Generation zur\u00fcck. &#8222;Bertie&#8220; ist f\u00fcr mich ein unbeschwertes Kleinod, im Zentrum der ersten &#8222;Aerial&#8220;-CD eingebettet in die reichlich schwerere Kost von &#8222;\u03c0&#8220; und &#8222;Mrs. Bartolozzi&#8220;. Schade, dass es in diesem Consort-Stil (bisher?) so wenig Material von Kate gibt. Abschlie\u00dfende Frage: Ob dem nun fast erwachsenen Albert McIntosh das Lied peinlich ist? (<strong>Stefan<\/strong>)<\/p>\n<p><sup>1<\/sup> http:\/\/www.earlymusicworld.com\/id30.html<br \/>\n<sup>2<\/sup> &#8222;Under The Ivy&#8220;, S. 294<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein ganz zarter Faden, der sich durch Kates Werk spinnt, f\u00fcr manche(n) vielleicht gar nicht wahrnehmbar: die Inspiration aus alter englischer Consort Music, aus der Epoche der Renaissance &#8211; consort ist der allgemeine Fachbegriff f\u00fcr Ensembles in dieser Zeit, die aus den Instrumenten einer Familie zusammengesetzt sind. 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