{"id":2535,"date":"2014-10-01T19:32:56","date_gmt":"2014-10-01T17:32:56","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2535"},"modified":"2014-10-01T19:32:56","modified_gmt":"2014-10-01T17:32:56","slug":"jubel-als-antwort-und-umarmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=2535","title":{"rendered":"&#8222;Jubel als Antwort und Umarmung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/vk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2536\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/vk.jpg\" alt=\"vk\" width=\"620\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/vk.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/vk-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Von V.K. Ludewig<\/strong><\/p>\n<p>Auch nach einem viertel Jahr der Vorfreude, des Fieberns, des Ausmalen verschiedenster Szenarios, die das Lebensereignis verhindern k\u00f6nnten, des Spekulierens \u00fcber die Setlist, wie wird Kate aussehen, wie wird sie es aushalten \u2013 und auch noch nach der Premiere, den detaillierten, furiosen Rezensionen (the Comeback of all Comebacks) \u2013 man ist vielleicht ein bisschen vorbereitet, vielleicht auch \u00e4u\u00dferst gut vorbereitet, aber wirklich nichts ist Vorbereitung genug, wenn es dann endlich geschieht und sie die B\u00fchne betritt und die erste einer langen Reihe von standing ovations bekommt. Allein ihre Pr\u00e4senz ist Anlass f\u00fcr gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche und dennoch steigerbare Freude im Publikum. Es ist alles geschrieben \u00fcber die Show, mittlerweile. Wir hatten am 16. und 17. September die Ehre und mit uns ein \u00e4u\u00dferst dezent filmendes Drehteam, das die drei gro\u00dfartigen Akte von <strong>Before the Dawn<\/strong> f\u00fcr die Zukunft aufzeichnete. <strong>Lily, oh Lily I don\u00b4t feel safe, I feel that life has blown a great big hole through me\u2026<\/strong> sind die ersten Worte, die sie singt, und die elegant erkl\u00e4ren, weshalb sie sich 1993 zun\u00e4chst einmal von ihrer gro\u00dfen Kunst zur\u00fcckzog und so ein noch gr\u00f6\u00dferes Loch in die Welt riss. Einen besseren Opener h\u00e4tte sie nicht w\u00e4hlen k\u00f6nnen f\u00fcr ihre R\u00fcckkehr. Sie rei\u00dft uns mit und hin, da steht sie, atmet die gleiche Luft wie wir und verstohlen schaue ich um mich, wer noch alles weint, es sind nicht wenige. Bei <strong>Running up that Hill<\/strong> kann auch ich mich nicht mehr zur\u00fcckhalten und es wundert mich gleichzeitig, dass es ausgerechnet dieses Lied ist, das eigentlich so schlicht und treffend die Misere schildert, wie es manchmal unm\u00f6glich ist, sich in den geliebten Menschen hinein zu versetzen, aber genau das m\u00fcsste man \u2013 K\u00f6rper switchen, um zu begreifen, wie er oder sie f\u00fchlt. Als wirbelnde Pergamentfetzchen mit Tennyson-Zitat aus einer Kanone ins Publikum geschossen werden, sich \u00fcber das gesamte Parkett verteilen, wir die Arme hochrei\u00dfen, um ein Memento mitzunehmen, beginnt das zweite Konzert, \u201cThe Ninth Wave\u201d \u2013 und wie das wehtut, und begeistert \u2013 das Drama der ertrinkenden Frau, von Bord gesp\u00fclt, das Aufgeben, Wegtauchen, gegen den Tod im Wasser ank\u00e4mpfen, am Ende in die Tiefe abgleiten und sich von der Welt verabschieden \u2013 es ist so bewegend inszeniert, so detailreich und doch schlicht, und es wird getragen von dieser reichen, reifen Stimme, die uns auf einen einzigartigen Trip mitgenommen hat, uns einen Untergang pr\u00e4sentiert, nur um uns mit \u201cThe Morning Fog\u201d (in einer entspannten, warmen Fassung) mit Leben und Tod zu vers\u00f6hnen. <strong>Do you know what? I love you better now<\/strong>, da blickt sie uns an und unser Jubel ist eine Antwort und Umarmung f\u00fcr sie.<br \/>\nIn der Pause Menschen mit seligen Smiles. Einige, die das Schluchzen kaum verhindern k\u00f6nnen. Rote Augen, gl\u00fccklich gl\u00e4nzende, man schaut sich an und l\u00e4chelt. Strike und ich nehmen uns in den Arm und dann trinken wir Cider und versuchen, Worte zu finden.<br \/>\nDen zweiten Akt, <strong>A Sky of Honey<\/strong>, und die Verbindung mit dem ersten, den entschl\u00fcsseln wir erst am zweiten Abend, nach dem Konzert, als wir in der Raucher-Spinnen-H\u00f6hle des Mini-Gartens in der Beryl-Road, 5 Minuten Fu\u00dfweg zum Hammersmith, sitzen, rauchen, essen, trinken und reden. Jeder bringt Details ein und Theorien, was Kate uns damit sagen will. Die Gliederpuppe, die die M\u00f6we t\u00f6tet \u2013 ein coming-of-age-S\u00fcndenfall. Die Puppe, wie sie pl\u00f6tzlich und dezent verst\u00f6rend ohne Puppenspieler \u00fcber die B\u00fchne rennt. Wie alles in <strong>A Sky of Honey<\/strong> nach oben strebt, wo es in der <strong>Ninth Wave<\/strong> in die Tiefe zieht. Vom inneren Aufruhr und der Begeisterung, die das allerletzte Bild des dritten Aktes ausl\u00f6st, das auch nur kurz gezeigt wird, wie ein Teaser, und sich um so heftiger einpr\u00e4gt. Apotheose.<br \/>\nAm zweiten Tag sind wir ja schon Profis. Ich \u00fcberstehe <strong>Running up that Hill<\/strong> tr\u00e4nenfrei und freue mich, dass die Augen sich so auf das Wesentliche konzentrieren k\u00f6nnen. Unerwartet erwischt es mich dann aber bei <strong>Top of the City<\/strong>, wo die Hochh\u00e4user der H\u00fcgel sind, gegen den man anrennt, um es ans Firmament zu schaffen, <strong>up on the angel\u00b4s shoulder<\/strong>. Es ist an diesem Abend keine innere Unruhe mehr da, wie am ersten. Ich kann die Show mit mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr Details betrachten, denn das, was da auf der B\u00fchne ist, ist alles Kate, auch wenn sie als Person sich selten in den Vordergrund stellt, was auch ihre schwarzen Kost\u00fcme unterstreichen. F\u00fcr drei Stunden, und f\u00fcr den lang anhaltenden Nachklang, befinden wir uns in der k\u00fcnstlerischen Vorstellungskraft der Kate Bush \u2013 und diese deckt ein weites Spektrum an Emotionen, Erfahrungen, \u00c4ngsten und Sehns\u00fcchten ab. Die Frau auf der B\u00fchne erscheint als ruhiges Zentrum dieses Sturms oder dieser schillernden Aureole, die uns nicht nur musikalisch packt, sondern uns auch emotional souver\u00e4n f\u00fchrt. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele gl\u00fcckliche Menschen gesehen, wie nach dem Konzert von Kate. Es wird vermutlich auch das letzte Mal sein, dass sie sich live pr\u00e4sentiert, aber wir verlassen London gl\u00fcckselig saturiert, wir waren dabei, zwei Mal, bei einem unvergesslich sch\u00f6nen Event, der die Messlatte f\u00fcr musikalische Pr\u00e4sentation <del datetime=\"2014-09-19T08:05:50+00:00\">sehr sehr hoch gelegt hat<\/del> neu definiert.<br \/>\n(Mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"http:\/\/www.glamourdick.me\">www.glamourdick.me<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von V.K. 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