{"id":2067,"date":"2014-08-05T07:23:01","date_gmt":"2014-08-05T05:23:01","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2067"},"modified":"2014-08-05T07:45:59","modified_gmt":"2014-08-05T05:45:59","slug":"kate-interview-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/morningfog.de\/?p=2067","title":{"rendered":"Kate und der langgehegte Wunschtraum (II)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/tnw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2080\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/tnw.jpg\" alt=\"tnw\" width=\"620\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/tnw.jpg 620w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/tnw-300x281.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Im September 1985 hat der Journalist Andreas Hub anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der LP &#8222;Hounds of Love&#8220; ein Interview mit Kate Bush gef\u00fchrt, dass im November 1985 im &#8222;Fachblatt Musikmagazin&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde. Aus gegebenem Anlass d\u00fcrfen wir es hier noch einmal ver\u00f6ffentlichen. Im zweiten Teil geht es unter anderem darum, wovon &#8222;The Ninth Wave&#8220; handelt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Andreas Hub: Wie schaffst du es immer wieder, so eine starke Einheit von Musik und Text zusammenzubringen? Ich verstehe nicht alles, was du singst (meine Kassette enthielt keine n\u00e4heren Angaben oder Texte), aber ich f\u00fchle, worum es geht. Es k\u00f6nnen also nicht die Worte sein. Kommen dir Musik und Textidee des St\u00fcckes gleichzeitig?<\/p>\n<p>KATE: Ja, oft ist es so, dass ich zuerst die Idee habe, wovon ein Song handeln soll und dann fallen mir parallel Worte und Musik dazu ein. Bei &#8222;Hello Earth&#8220; wusste ich z.B., dass es der dramatische Hoehepunkt der Geschichte sein w\u00fcrde. Daf\u00fcr musste die Strophe sehr langsam sein und der Refrain sehr heftig. Also, ich erkl\u00e4r&#8216; mal, worum es geht. Wir reden \u00fcber einen Sturm. Da ist ein Mensch bei Sturm \u00fcber Bord gegangen und k\u00e4mpft eine ganze Nacht gegen die Wellen, die M\u00fcdigkeit und die Gefahr, aufzugeben. Zu dieser Handlung habe ich alle St\u00fccke der zweiten LP-Seite geschrieben. Ein Konzeptalbum, oder zumindest ein halbes, das war eine Riesenherausforderung f\u00fcr mich und ein langgehegter Wunschtraum. Ich wollte mal etwas machen, wo ich nicht nach drei Minuten mit der Geschichte schon fertig sein muss.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Auch wenn es dir schwerf\u00e4llt, kannst du noch ein bisschen mehr \u00fcber die Handlung erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>KATE: Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte dir einen Film dazu zeigen. Die Bilder w\u00fcrden viel leichter erkl\u00e4ren, was ich vorhatte. Da geht also jemand \u00fcber Bord, nachts. Er wird wahnsinnig m\u00fcde, will resignieren. Dann ziehen seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft an ihm vorbei und versuchen, ihn wachzuhalten und durch diese Nacht zu kriegen. Das sind nat\u00fcrlich auch Metaphern f\u00fcr eine sehr tiefe innere Erfahrung, nach der man am anderen Ende als gel\u00e4uterter Mensch wieder ans Licht tritt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u00a0Also eine Art von spiritueller Transformation&#8230;<\/p>\n<p>KATE: Ja, wie eine Wiedergeburt. Da ist einmal das \u00e4u\u00dferliche, k\u00f6rperliche Moment, und dann ein Prozess, der im Kopf abl\u00e4uft, Gedanken, Reisen zu inneren R\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Wasser ist ja ein sehr vielf\u00e4ltig deutbares Symbol.<\/p>\n<p>KATE: Ja, es beinhaltet auch das Gef\u00fchl des Schwebens. Dazu kommt hier die Nacht, das Dunkel, der v\u00f6llige Verlust von Raum- und Zeitgef\u00fchl, die Abschirmung von allen \u00e4u\u00dferen Eindr\u00fccken. Und wenn sowas geschieht, kommen sehr merkw\u00fcrdige Abl\u00e4ufe im Kopf in Gang.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Wie im Isolationstank&#8230;<\/p>\n<p>KATE: Ja, obwohl ich selbst keine pers\u00f6nlichen Erfahrungen damit gemacht habe.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Hast du vielleicht &#8222;Im Zentrum des Zyklons&#8220; von John C. Lilly gelesen, der ja als erster mit dem Tank experimentiert hat?<\/p>\n<p>KATE: Gelesen leider nicht, aber ich habe Einiges \u00fcber seine Arbeit geh\u00f6rt, das ich sehr interessant fand.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Ich f\u00fcrchte, wir kommen langsam in Bereiche, die nicht unbedingt in eine Musikzeitung geh\u00f6ren&#8230; Reden wir also wieder \u00fcber deine Musik. Der Unterschied zwischen deinem letzten Album &#8222;The Dreaming&#8220; und dem neuen &#8222;Hounds Of Love&#8220; ist frappierend. Ich hatte immer Schwierigkeiten, mir &#8222;The Dreaming&#8220; an einem St\u00fcck anzuh\u00f6ren, weil es stellenweise sehr an den Nerven zerrte. Hat sich deine musikalische und\/oder pers\u00f6nliche Einstellung in den letzten drei Jahren so ge\u00e4ndert, dass du jetzt ein recht zug\u00e4ngliches, streckenweise poppiges Album vorlegen kannst?<\/p>\n<p>KATE: Die Musik ordnet sich bei mir immer dem Inhalt der Songs unter. &#8222;The Dreaming&#8220; war ein gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig sehr intensives und oft bewusst aggressiv klingendes Album, weil es darum ging, wie schrecklich grausam Menschen sein k\u00f6nnen, was wir uns gegenseitig antun, welchem Ma\u00df an Einsamkeit wir uns gegenseitig aussetzen. Es war ein suchendes, fragendes Album und riss dich mit der Musik ganz schnell von einem Punkt zum n\u00e4chsten. Es rief sehr extreme Reaktionen hervor, und es gab viele, die sich auf die Stimmung der Platte nicht einlassen konnten oder wollten. Ich war und bin damit allerdings sehr zufrieden, denn ich habe f\u00fcr mich damit definitiv erreicht, was ich erreichen wollte. Ich musste selbst erfahren, was ich da erforschen wollte, und jetzt habe ich die Erfahrung gemacht und kann mich anderen Zielen zuwenden. Pl\u00f6tzlich konnte ich wieder tanzen gehen, habe einen Sommer au\u00dfer Haus verbracht, was ich jahrelang nicht gemacht hatte. Dabei habe ich mich so positiv gef\u00fchlt, dass ich auch Songs schreiben wollte, die eine positive Grundstimmung vermitteln. Das war eine ganz neue Herausforderung, weil ich meine Inspirationen bis dahin eher aus schwerm\u00fctigen, d\u00fcsteren Stimmungen bezogen hatte. Aber auf einmal konnte ich mich an Dingen begeistern, die leicht und beschwingt waren. Ich wollte \u00fcber die positive Kraft der Liebe schreiben und nicht mehr \u00fcber Menschen, die sich zerst\u00f6ren. Die ganze Energie, die sich dabei entwickelte, \u00fcbertrug sich auch auf das Album. Dabei wollte ich Liebe nicht nur als fr\u00f6hliche, lichtvolle Angelegenheit beschreiben, sondern sie in allen, auch ihren dunklen Aspekten zeigen. Die LP hat dadurch zwei sehr unterschiedliche Seiten bekommen. Die erste gibt einen Ausblick auf verschiedene Formen von Liebe und handelt durchweg von Beziehungen, und die zweite Seite geht tiefer, darum auch das alle St\u00fccke umfassende Konzept.<\/p>\n<p>(Mit bestem Dank an Andreas Hub)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im September 1985 hat der Journalist Andreas Hub anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der LP &#8222;Hounds of Love&#8220; ein Interview mit Kate Bush gef\u00fchrt, dass im November 1985 im &#8222;Fachblatt Musikmagazin&#8220; ver\u00f6ffentlicht wurde. Aus gegebenem Anlass d\u00fcrfen wir es hier noch einmal ver\u00f6ffentlichen. Im zweiten Teil geht es unter anderem darum, wovon &#8222;The Ninth Wave&#8220; handelt. 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