{"id":1151,"date":"2013-10-31T22:25:03","date_gmt":"2013-10-31T21:25:03","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?page_id=1151"},"modified":"2017-12-22T22:49:28","modified_gmt":"2017-12-22T21:49:28","slug":"irgendwo-in-der-tiefe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/morningfog.de\/?page_id=1151","title":{"rendered":"Irgendwo in der Tiefe"},"content":{"rendered":"<p>Im Mai 1994 reiste eine kleine Gruppe deutscher Fans nach London, um die Kate Bush Convention im Hippodrome zu besuchen. Nach diesem wundersch\u00f6nen Erlebnis kehrten wir mit der Idee nach Hause zur\u00fcck, einen deutschsprachigen Fanclub zu gr\u00fcnden; &#8222;Irgendwo in der Tiefe\u201c sollte er hei\u00dfen. Medium des Fanclubs war ein Fanzine gleichen Namens, von dem in den Jahren 1995 bis 1997 f\u00fcnf Ausgaben entstanden. Einige erinnern sich vielleicht auch noch an unseren pinkfarbenen Internetauftritt, dessen Farbgebung von einer raren &#8222;Hounds of Love\u201c Vinyl-Edition \u00e4hnlichen Kolorits inspiriert worden war.\u00a0 Die wenigen Ausgaben des Fanzines erschienen in der zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Pause zwischen &#8222;The Red Shoes\u201c und &#8222;Aerial\u201c. Kate Bush war in den Medien nur sporadisch pr\u00e4sent, so dass es schwierig war, aktuelle Neuigkeiten zu verk\u00fcnden. Dennoch st\u00fcrzten wir uns mit Feuereifer in die Aufgabe, unser Magazin von Fans f\u00fcr Fans zu gestalten, denn es gab viel zu erz\u00e4hlen: \u00fcber Kates Arbeit, die Freude, die sie damit schenkt und wie sie Menschen dazu inspiriert, selbst Ausdruck zu finden, sei es in Musik, Tanz, Malerei, literarisch oder auch in hei\u00dfbl\u00fctiger Sammelleidenschaft.<br \/>\nDas Leben geht weiter, Dinge ver\u00e4ndern sich. Den Fanclub und das Fanzine gibt es nicht mehr, und das soll auch so bleiben. Umso mehr freue ich mich als ehemalige Mitherausgeberin, dass &#8222;Irgendwo in der Tiefe\u201c auf dieser Webseite einen neuen Raum gefunden hat. Ich w\u00fcnsche Euch viel Spa\u00df beim Lesen &#8211; It&#8217;s gonna be beautiful, it&#8217;s gonna be wonderful, it&#8217;s gonna be paradise!<\/p>\n<p><strong>Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"post-title entry-title\">Toys that go Pop \u2013 handgemachte PopArt Deko<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4997\" rel=\"attachment wp-att-4997\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4997\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/popartdeko.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/popartdeko.jpg 640w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/popartdeko-300x225.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><strong>Ein Interview mit Designer Sean Bright von Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p>Na, wisst Ihr schon, was Ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt? Wie w\u00e4re es denn mit einem bunten David Bowie-Hampelmann oder trendigen Twin Peaks-Filzfiguren, die man auf einem Klettbrett (das rote Zimmer) selbst in Szene setzen kann? Einem Bob Dylan-Memoboard f\u00fcr den K\u00fchlschrank, einem Roxy Music- oder Stevie Wonder-Diorama? Einer Adam Ant-Tanzpuppe? Vielleicht verliebt Ihr Euch aber ebenso wie ich in die drei bezaubernden Wuthering-Heights-Cathy-Anh\u00e4nger aus Filz, mit der man nicht nur den Weihnachtsbaum schm\u00fccken kann. All dies und noch viel mehr findet man im Etsy-Shop <em>HeyKidsRocknRoll<\/em>. Designer Sean erz\u00e4hlte uns in einem kurzen Interview etwas \u00fcber sich und seine liebevoll hergestellten \u201eToys that go Pop!\u201c<\/p>\n<p><em>Was hat dich denn zu den wundervollen Wuthering Heights Kate Bush Aufh\u00e4ngern aus Filz inspiriert? Sind sie speziell f\u00fcr Weihnachten gedacht?<\/em><\/p>\n<p>Ich wollte etwas, das man als Weihnachtsdekoration verwenden kann, doch ich wollte mich nicht zu sehr an diese Zeit des Jahres binden (die Leute werden sie also hoffentlich auch im Juni kaufen!) Ich finde, Kate hat so etwas besonders Weihnachtlich-Winterliches, aber nat\u00fcrlich ist sie das ganze Jahr \u00fcber gro\u00dfartig!<\/p>\n<p><em>Was ist es deiner Meinung nach, das Kate Bush zu einer so inspirierenden K\u00fcnstlerin macht? Welches ihrer Alben oder welche Songs findest du besonders bemerkenswert?<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4992\" rel=\"attachment wp-att-4992\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4992\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/il_570xN.1335388012_ntvw.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/il_570xN.1335388012_ntvw.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/il_570xN.1335388012_ntvw-300x220.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"293\" \/><\/a>Ich liebe K\u00fcnstler, die verschrobene oder avantgardistische Dinge tun, aber auf popul\u00e4re Art und Weise. Daf\u00fcr ist sie ein gro\u00dfartiges Beispiel. Ich erinnere mich noch daran, dass sie ein RIESENGROSSER Star war, als ich noch sehr jung war. Und dabei war sie immer noch wirklich bizarr, nicht wie andere Pop-Sachen. Und sie ist auch sehr lustig \u2013 etwas, das in der Popmusik nicht ausreichend gew\u00fcrdigt wird. Ich denke, \u201eThe Dreaming\u201c ist mein Lieblingsalbum von ihr, da es ganz und gar diese Eigent\u00fcmlichkeit und diesen Humor besitzt.<\/p>\n<p><em>Wie w\u00fcrdest du dich und deine Handwerkskunst in einigen wenigen S\u00e4tzen beschreiben? Welche Techniken verwendest du?<\/em><\/p>\n<p>Ich hatte schon immer eine Vorliebe f\u00fcr Volkskunst \u2013 Dinge, die Leute zum Spa\u00df machen, um damit ihr Zuhause zu schm\u00fccken. Und nat\u00fcrlich PopArt. Ich nehme an, dass ich irgendwo zwischen diesen beiden Dingen stehe. Ich hoffe, dass meine Sachen die Leute aufmuntern und ich bin stolz darauf, sie herzustellen. Meist verwende ich Karton oder Filz \u2013 einfach, weil diese Materialien leicht erh\u00e4ltlich und nicht zu teuer sind. Ich mag Filz, er ist so fr\u00f6hlich und freundlich, ganz egal, was man daraus macht.<\/p>\n<p><em>Welche anderen K\u00fcnstler neben Kate findest du inspirierend?<\/em><\/p>\n<p>Prince ist bzw. war ein gro\u00dfer Held f\u00fcr mich, Bob Dylan auch. Viele verschiedene eigentlich. Zurzeit bin ich von einer Menge alter elektronischer Musik fasziniert, besonders von Dingen, f\u00fcr die K\u00fcnstlerinnen den Weg bereitet haben: Suzanne Ciani, Delia Derbyshire, Laurie Spiegel, Daphne Oam. Ich habe einige St\u00fccke gemacht, die von ihnen inspiriert wurden, und au\u00dferdem gibt es noch ein gr\u00f6\u00dferes Projekt, das ich momentan in Arbeit habe\u2026<\/p>\n<p><em>Falls Kate Bush als Sternsingerin an Weihnachten vor deiner Haust\u00fcr auftauchen sollte, welches Lied sollte sie denn f\u00fcr dich singen?<\/em><\/p>\n<p>Ich denke, \u201eDecember\u2026\u201c w\u00e4re das Obligatorische. Ich mag \u201eSnowflake\u201c wirklich, aber das ist ziemlich lang und ich w\u00fcrde mir Sorgen machen, dass ihr nach einer Weile kalt w\u00fcrde, w\u00e4hrend sie singend an meiner T\u00fcrschwelle steht!<\/p>\n<p>Hier geht\u2019s zum <a href=\"https:\/\/www.etsy.com\/de\/shop\/HeyKidsRocknRoll?ref=shop_sugg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Etsy-Shop<\/a> von Sean Bright.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=1152\" rel=\"attachment wp-att-1152\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/p>\n<h2>35 Jahre &#8222;The Dreaming&#8220;: Pressestimmen und Impressionen 1982-84<\/h2>\n<p>Man mag es kaum glauben: 35 Jahre sind seit dem Erscheinen von \u201eThe Dreaming\u201c vergangen. Die inzwischen nur unwesentlich gealterte Schreiberin dieser Zeilen war damals zarte 15 Jahre jung und bereits enthusiastischer Kate Bush-Fan. Ach, ich war so voller Gedanken und Ideen damals, und sooo vertr\u00e4umt\u2026 meine Mama nannte mich liebevoll \u201eTr\u00e4umerle\u201c, wenn ich mal wieder etwas verdaddelt hatte. Mein Jugendfreund hingegen bezeichnete mich in Anleihen an einen von mir zutiefst verabscheuten Supertramp-Song gerne als \u201eStupid Little Dreamer\u201c \u2013 eine Neckerei, die mich ein ums andere Mal auf die sprichw\u00f6rtliche Palme trieb! Jedenfalls kam mir Kate Bush mit ihren wilden und ungez\u00e4hmten Einf\u00e4llen gerade recht \u2013 noch eine, der es offensichtlich in der Welt der Fantasie und der bunten Ideen viel besser gefiel als in der schn\u00f6den Wirklichkeit. Wie passend war da ein Album \u00fcber den Traum, \u00fcber das Tr\u00e4umen, \u00fcber die Traumzeit der australischen Ureinwohner, die ihren Ausdruck in Gesang, Tanz, Malerei und der Geschichtenerz\u00e4hlung findet? Und was f\u00fcr ein Album das war: kontrovers, kompromisslos, ausdrucksvoll, fordernd, bizarr, enervierend zuweilen, so stark und gleichzeitig so zart \u2013 und so befreiend! \u201eThe Dreaming\u201c war gro\u00dfartig. Es spaltete sowohl Fans als auch Presse \u2013 denn es war und ist \u00fcberaus <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4865\" rel=\"attachment wp-att-4865\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4865\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/EMIAnzeige250.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/EMIAnzeige250.jpg 250w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/EMIAnzeige250-116x300.jpg 116w\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"649\" \/><\/a>meinungsbildend: \u201e<em>Nicht nur f\u00fcr Tr\u00e4umer<\/em>\u201c, t\u00f6nte die EMI Electrola GmbH in ihrer Werbeanzeige im Musik Express 10\/82 vollmundig. \u201e<em>Das Warten hat sich gelohnt. Das neue Album von Kate Bush ist wirklich traumhaft.<\/em>\u201c In ihrem Promo-Sheet zur aktuellen LP gab die Plattenfirma in \u00e4hnlich sprachlicher Opulenz Einblicke in das aktuelle Kate Bush-Album: <em>\u201eTHE DREAMING vereint zehn elaborierte Pop-Partituren, in denen sich KATEs Interesse an ethnischer Musik niederschl\u00e4gt und leichte Jazzeinfl\u00fcsse bzw. Rockelemente h\u00f6rbar werden. Sie bewegt sich auf dem Pop-Parkett mit einer Grazie und Eigenst\u00e4ndigkeit, die f\u00fcr ein Frollein <\/em>(sic!)<em> Anfang Zwanzig erstaunlich sind. (\u2026)<br \/>\n<\/em><em>Die Umsetzung ihrer teilweise recht schwierigen und undurchschaubaren Lyrik geriet der Song-Aktrice selbst zu einem m\u00fchevollen Puzzlespiel. Wenn auch zu einem lohnenden, wie das Resultat den H\u00f6rer belehrt, der gewillt ist, sich auf diesem musikalischen Abenteuerurlaub einzulassen. Griffig im Sinne oberfl\u00e4chlicher Kommerzialit\u00e4t ist THE DREAMING nicht. Daf\u00fcr aber ein Album, in dem zarte Klanggewebe neben ungew\u00f6hnlich aggressiven Titeln stehen, in dem filigrane Ger\u00e4uschziselierungen neben rhythmischer Schwere vorkommen. <\/em><em>KATE \u2013 verantwortlich f\u00fcr Produktion, Arrangement, Komposition und ein von ihr bedientes Keyboard-Sortiment \u2013 lud ausgezeichnete Musiker zu den Session ein. Ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit seien hier EBERHARD WEBER (Bass auf \u201eHOUDINI\u201c), DAVID GILMOUR (Backing Vocals), STUART ELLIOT (Drums), ALAN MURPHY und IAN BAIRNSON (Guitar) erw\u00e4hnt. Die Nutzung moderner Elektronikinstrumente, die KATE auf ihrer letzten LP einzusetzen begann, geht auf THE DREAMING weiter. Fairlight, CS 80 und Synclavier wurden verschiedentlich eingesetzt und erm\u00f6glichten KATE die Herrichtung diffizieler Klangfarben. Die Kombination hochmoderner und alter akustischer Instrumente (\u2026) sowie die Einarbeitung imitierter Tierger\u00e4usche (\u2026) bringen zus\u00e4tzliche Abwechslung ins musikalische Geschehen. (\u2026)\u201c\u00a0 <\/em>(EMI Electrola GmbH, Presse International, K\u00f6ln)<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberall stie\u00df das Ergebnis von Kates k\u00fcnstlerischem Ausdruck auf haltlose Gegenliebe. So schrieb Rezensent\/in D. D. in der deutschen SOUND durchaus hintergr\u00fcndig und verstiegen: <em>\u201eIn diesen Redaktionsstuben und nicht nur hier herrscht eine tiefe Ablehnung gegen\u00fcber Kate Bush, so da\u00df ich, der ich von ihr au\u00dfer der Single \u201eBabooshka\u201c, die mir ganz gut gefiel, noch nie einen Ton geh\u00f6rt habe, beschlo\u00df, der Sache auf den Grund zu gehen. Und siehe! Ausnahmsweise schien ein Vorwurf zuzutreffen, der so oft grundlos erhoben wird: m\u00e4nnlicher Chauvinismus. Nicht im Sinne jener paranoiden Struktur, die ihn in allem sieht, sondern im Sinne der Unf\u00e4higkeit von kleinen Jungs zu verstehen, warum die Schwester oder die Freundin das Zimmer voller Pferdebilder hat und die Sommerferien am liebsten im Ponyhof verbringt.<br \/>\n<\/em><em>Kate Bushs Beziehung zur Musik, ihre manieristischen Soundvorstellungen sind eine Mischung aus einer unergr\u00fcndlichen, aber reizvollen M\u00e4dchenhaftigkeit mit schn\u00f6dem (m\u00e4nnlichen) Art-Rock (also dem zutiefst ablehnungsw\u00fcrdigen Ehrgeiz, wichtig zu sein, Kunst im alten europ\u00e4ischen Sinne zu hinterlassen). Pferdebilder-Kate und Art-Rock-Kate (= Genesis-Kate) nehmen jede circa eine H\u00e4lfte von THE DREAMING ein. Wirklich gut im Sinne von Auflegen, nicht im Sinne von Gutachten, sind eigentlich nur die beiden Singles \u201eSuspended In Gaffa\u201c und \u201eSat In Your Lap\u201c, der Rest ist fast immer zu nahe am Absturz in 70er-Jahre-Manierismus.\u201c <\/em>(D.D., SOUNDS 12\/1982, S. 66).<\/p>\n<p>Alles klar??<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4864\" rel=\"attachment wp-att-4864\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4864\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/original.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/original.jpg 250w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/original-198x300.jpg 198w\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"379\" \/><\/a>Ehrlich begeistert hingegen \u00e4u\u00dferte sich Ingeborg Schober im Musik Express 10\/1982: <em>\u201eLange haben wir gewartet, lange hat Kate Bush an ihrem neuen Album THE DREAMING gearbeitet, die Perfektionistin, die Besessene. Verst\u00e4ndlicherweise entstand ein schwer zug\u00e4ngliches, mystisches Album voller R\u00e4tsel. Bei anderen K\u00fcnstlern h\u00e4tte so ein \u201eEgotrip\u201c ins Auge gehen k\u00f6nnen \u2013 nicht so bei Kate Bush, die die rare Kombination von Distanz und Leidenschaft besitzt, die erlebt und zugleich beobachtet. Eher unauff\u00e4llig zieht sie uns in einen faszinierenden Sog der Gef\u00fchle, der \u00c4ngste, der Ahnungen. Und wenn auch ihre Geschichten ein Spiegelbild ihrer Kaleidoskop-Phantasien sind, bleiben die einzelnen Worte ohne Bedeutung, l\u00f6sen sich in Klang und Stimmen. Stimmen, so viele verschiedene Stimmen! Fl\u00fcstern, Schreien, Kreischen, Hauchen, Seufzen \u2013 sie sind ineinander verwoben und schicksalhaft verbunden wie in einer hochdramatischen Traumsequenz. <\/em><em>Auffallend auch die \u201eanderen Stimmen\u201c \u2013 spirituelle Dialoge \u00fcbers Telefon und aus dem Jenseits. Eine Methode, die auch Nina Hagen auf NUNSEXMONKROCK angewendet hat, wird von Kate Bush wesentlich \u00e4sthetischer und differenzierter gebraucht. Ihre Arrangements sind verschlungene Muster \u2013 zu farbenfrohen und dennoch ged\u00e4mpften Gobelins zusammengesetzt. (\u2026) Ein Traum, ein Alptraum, ein musikalisches Traumspiel fernab der Rock-Klischees. Eine Dimension Sensibilit\u00e4t und Phantasie zuviel? Die W\u00fcrfel sind gefallen.\u201c<br \/>\n<\/em>****** (Ingeborg Schober, ME 10\/1982, S. 48)<\/p>\n<p>Ebenfalls f\u00fcr den Musik Express traf Gabriele Meierding an einem hei\u00dfen Sommermorgen in einem Londoner Hotel auf unsere \u201eSong-Aktrice\u201c: <em>\u201eKurz vor 10 Uhr morgens war Kate hereinspaziert, ich bin auch p\u00fcnktlich. Doch in der dritten Etage herrscht noch helle Aufregung. Da die Londoner Hotels dieser Luxuskategorie meistens ebenso schlecht organisiert sind wie teuer, war die gebuchte Suite nat\u00fcrlich noch nicht fertig. Das bedeutete allgemeine Panik, denn Kate hatte sich in den Kopf gesetzt, an zwei Tagen ein Pensum von 20 Interviews zu absolvieren. So ist der Terminplan schon im Eimer, ehe die erste Frage gestellt ist. <\/em><em>Kate ist jedoch dabei liebensw\u00fcrdig wie immer. Mir wird erst sp\u00e4ter bewu\u00dft, da\u00df sie trotz der Bruthitze Schn\u00fcrstiefeletten tr\u00e4gt, \u00fcberhaupt sieht sie aus wie ein weiblicher Spielmann. Ein Interview mit Kate ist f\u00fcr mich wie ein Teekr\u00e4nzchen schw\u00e4rmerisch veranlagter Backfische. Sie ist so romantisch, ihre Fantasie ist absolut positiv, wobei sie eine feine Antenne f\u00fcr alles Obskure hat. (\u2026)<br \/>\n<\/em><em>F\u00fcr die neue LP, THE DREAMING, verbrachte Kate mit ihren Musikern ein geschlagenes Jahr im Studio (\u2026). Ihr Perfektionsdrang hatte sich diesmal eindeutig l\u00e4hmend ausgewirkt. <\/em>\u201eIch wu\u00dfte zwar genau, was ich h\u00f6ren wollte, aber nicht, wie ich dahinkomme.\u201c <em>(\u2026) <\/em><em>V\u00f6llig deprimiert sa\u00df Kate Bush irgendwann mittendrin, total ersch\u00f6pft, aber unter dem Druck, <\/em>\u201eda\u00df alles noch ungeheuer verbessert werden mu\u00df.\u201c<br \/>\n<em>So entstanden, ist THE DREAMING nat\u00fcrlich weit entfernt vom frischen Zauber ihres faszinierenden Deb\u00fcts und ebenso vom kommerziellen \u201eBabooshka\u201c vom Vorg\u00e4nger NEVER FOR EVER. Die vierte Kate-Bush-LP geriet geradezu zum Dschungelwerk. Zwischen ungewohnter Aggressivit\u00e4t auf der einen und ethnischen Akzenten auf der anderen Seite macht sich nicht selten ein jenseitiger Vollrausch breit. Bis auf das ekstatische \u201eSat In Your Lap\u201c ist es schwer, auf Anhieb einzelne Songs in den Griff zu bekommen, denn es sind oft nur eingeschobene Sequenzen, die sich als eing\u00e4ngige Oasen bemerkbar machen. <\/em>\u201eIch wollte schon seit dem ersten Album in diese Richtung gehen,\u201c<em> erkl\u00e4rte Kate. <\/em>\u201eAber ich bin jetzt erst langsam so weit, da\u00df ich das auch kontrollieren kann. (\u2026)\u201c<em><br \/>\n<\/em><em>Das Reizvollste an Kate Bush sind f\u00fcr mich eigentlich immer die Geschichten hinter den Songs. (\u2026) <\/em><em>\u201ePull Out The Pin\u201c zum Beispiel basiert auf einer TV-Dokumentation \u00fcber den t\u00e4glichen \u00dcberlebenskampf der Vietnamesen, ihren Einzelaktionen gegen die Amerikaner <\/em>(\u2026) \u201eDie Vietnamesen taten das alles f\u00fcr Buddha, deshalb tragen sie auch immer diese kleine silberne Buddha-Figur um den Hals. Im Kampf stecken sie sie in den Mund, so dass sie Buddha auf den Lippen haben, wenn sie sterben.\u201c <em>Das Ganze, meint Kate, habe sie <\/em>\u201efast zerrissen\u201c<em>, aber irgendwie sei das auch schon wieder <\/em>\u201eso beautiful\u201c<em> gewesen \u2026<\/em><em>Ein typisches Kate-Bush-Thema dann \u201eHoudini\u201c. (\u2026) Dieser ber\u00fchmte Entfesselungsk\u00fcnstler starb bekanntlich in einem Wassertank nach einem ungl\u00fccklichen Unfall. (\u2026)<br \/>\n<\/em><em>Kate: <\/em>\u201eHoudini war zu Lebzeiten geradezu besessen vom Spiritismus. Und nach dem Tode seiner Mutter hatte er vergeblich versucht, \u00fcber ein Medium zu ihr zu gelangen und kam schlie\u00dflich dahinter, da\u00df viele Leute einfach nur mit unglaublichem Schwindel versuchten, aus dem Leid anderer Kapital zu schlagen. Und um seiner Frau diese schmerzhafte Erfahrung zu ersparen, vereinbarte er mit ihr ein geheimes Codewort, so da\u00df sie merken w\u00fcrde, wenn das Medium sie betr\u00fcgt.<br \/>\nIch habe mir Zeitungsberichte aus den 20er Jahren besorgt mit den Berichten dar\u00fcber. Sie hatte dort die offizielle Erkl\u00e4rung abgegeben, da\u00df sie tats\u00e4chlich bei einer S\u00e9ance mit ihm in Kontakt getreten sei. Ich glaube eigentlich nicht, dass sie es nur des Geldes wegen getan hat. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich es nicht. Aber in dem Bewu\u00dftsein, da\u00df sie immer nur so entsetzlich entt\u00e4uscht wurde, weil er nie mit dem Codewort zu ihr kam, w\u00e4re ich auch gar nicht im Stande gewesen, dieses Lied zu schreiben.\u201c<em> (\u2026)<br \/>\n<\/em><em>Eigenartig nur der Text zu dieser aufm\u00fcpfigen Musik zu \u201eSat In Your Lap\u201c. Da man ihn (\u2026) kaum versteht und den Gesang nur als zus\u00e4tzliche Soundfarbe im Ohr hat, ist man innerlich auf eine eher k\u00f6rperliche Aussage gefa\u00dft. Aber: hier geht es um \u00dcbergeordnetes\u2026 um die rastlose Suche nach Lebensinhalten, die meistens in der Erkenntnis der totalen Unwissenheit endet, n\u00e4mlich! (\u2026) Und \u201eSuspended in Gaffa\u201c geht sogar noch einen Schritt dar\u00fcber hinaus; f\u00fcr Fortgeschrittene sozusagen, denen einmal verg\u00f6nnt war, einen kurzen Einblick in die gro\u00dfe Wahrheit zu gewinnen und die jetzt rastlos in der ern\u00fcchternden Realit\u00e4t umherwandern. <\/em><em>Schwer zu sagen, ob Kate Bush vielleicht selbst dazu z\u00e4hlt.<br \/>\n<\/em><em>Eine Woche vor diesem Interview hatte Kate Bush \u00fcbrigens wieder mit dem Tanztraining begonnen. Aber das bedeutet nicht, da\u00df sie \u00fcbermorgen auf Tournee geht. (\u2026) Irgendwann, n\u00e4chstes Jahr \u2026 (wenn \u00fcberhaupt) \u2026 soll es soweit sein. Und all ihre Fans werden mit leuchtenden Augen auf die B\u00fchne starren und darauf warten, da\u00df sie endlich \u201eWuthering Heights\u201c singt oder wenigstens \u201eBabooshka\u201c\u2026\u00a0 <\/em>(Gabriele Meierding, Musik Express 09\/1982, S. 20 ff).<\/p>\n<p>Denkste, Puppe\u2026 die Wartezeit betrug nur noch etwa 32 Jahre.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4866\" rel=\"attachment wp-att-4866\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4866\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bravo-dreaming250.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bravo-dreaming250.jpg 250w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bravo-dreaming250-218x300.jpg 218w\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"344\" \/><\/a>Die BRAVO widmete Kate einen etwas merkw\u00fcrdigen Artikel mit dem Untertitel <em>\u201eAls Astronautin landet sie im australischen Busch\u201c<\/em> \u2013 immerhin h\u00fcbsch bebildert und prangend vor journalistischer Stilbl\u00fcten: <em>\u201eWuschelige, dunkle Haarm\u00e4hne, bet\u00f6rend sch\u00f6ne Augen, ein schmales, porzellanfarbenes Gesicht mit sinnlich geschnittenen Lippen, Kate Bush (24) meldet sich nach 15monatiger Abwesenheit wieder auf der Szene zur\u00fcck. Solange arbeitete Kate an ihrer neuen LP \u201eThe Dreaming\u201c, aber das Ergebnis kann sich h\u00f6ren \u2013 und sehen \u2013 lassen. <\/em><em>Ihr Auftritt in Thomas Gottschalks \u201eNa sowas\u201c Ende September verbl\u00fcffte allerdings die Fans. <\/em><em>Kate hatte sich von der zerbrechlichen, romantischen Elfe in eine engagierte Astronautin verwandelt. Im Text ihrer Single \u201eThe Dreaming\u201c geht\u2019s mitten rein in den australischen Busch. <\/em><em>Es wimmelt dort von Schlangen, Krokodilen und K\u00e4nguruhs, w\u00e4hrend Kate lauthals gegen die Ungerechtigkeit angeht, der die australischen Ureinwohner heute noch ausgesetzt sind. (\u2026) <\/em><em>Der wei\u00dfe Astronautenanzug stammt aus Londons In-Shop Lawrence Corner und hilft Kate, sich in ein \u201eH\u00f6heres Wesen\u201c zu verwandeln, w\u00e4hrend die Schlangenmenschen T\u00e4nzerinnen <\/em>(!!!)<em> aus dem Stall von Tanzmeister Lindsay Kemp sind, bei dem auch Kate regelm\u00e4\u00dfig Tanzunterricht nimmt. (\u2026) <\/em><em>Kate Bush erz\u00e4hlte BRAVO, sie sei sich sicher, da\u00df Houdini pers\u00f6nlich aus dem Jenseits mit ihr gesprochen hat. Das habe sie dar\u00fcber hinaus zu dem Song \u201eWuthering Heights\u201c inspiriert, in dem sie als totenblasse Cathy aus einer anderen Welt mit ihrem Liebhaber spricht.\u201c <\/em>(BRAVO, Ausgabe?, Autor?, 1982)<\/p>\n<p>1984 schlie\u00dflich <em>\u201eerforschte ein bekehrter MICK WALL die (Traum) Welt der KATE BUSH\u201c<\/em> in der Februar-Ausgabe der britischen Rock- und Metal-Zeitschrift KERRANG! in seinem Beitrag \u201eA Girl For All Seasons\u201c (KERRANG! No. 62): <em>\u201eIhr letztes Album, \u201eThe Dreaming\u201c, ist ihr Bestes, um ein Klischee zu bem\u00fchen. Selbst produziert, selbst geschrieben, auch die Ideen f\u00fcr die Grafiken der (LP)H\u00fclle w\u00e4hlt sie selbst aus, und das geschieht, <\/em>bevor<em> sie sich hinsetzt, um dar\u00fcber nachzudenken, was sie mit dem neuen Video machen wird\u2026 (\u2026) also begleitet mich in Kate Bush\u2019s Tanzstudio, wo sie im Schneidersitz auf dem Boden sitzt, dick in Wolle eingepackt gegen die kalte Januar-Luft, mit einer Kanne Tee und Keksen in neo-chinesischer Manier zwischen uns, euer und mein Hintern sind auf dem einzigen verf\u00fcgbaren Kissen geparkt, und wir gl\u00fchen gemeinsam diesen k\u00fchlen Nachmittag miteinander durch.\u201c<br \/>\n<\/em>Im folgenden Interview sprachen Mick und Kate \u00fcber Tanzen, Songwriting, Videoproduktion und anderes. Es muss ein durchaus angenehmes Gespr\u00e4ch gewesen sein: <em>\u201eKate Bush und ich machen weiter, bis die Sonne in meinem R\u00fccken untergeht. Wir unterhalten uns und sie erz\u00e4hlt mir, dass sie momentan Songs f\u00fcr ein Album schreibt, das f\u00fcr den Herbst geplant ist. (\u2026) Sie erz\u00e4hlt mir, dass sie ihr Haar mit Henna f\u00e4rbt, dass sie es gelegentlich mit einem Kreppeisen bearbeitet und dass ihr sowohl Make-up- und Haarstylisten als auch Kost\u00fcmdesigner zur Verf\u00fcgung stehen (\u2026) Sie erz\u00e4hlt, dass sie es schwierig findet, ein Buch zu lesen, ohne daraus einen Song zu machen, und sie setzt mich davon in Kenntnis, dass Oscar Wilde wahrscheinlich ihr Lieblingsautor ist. Besonders liebt sie seine Kindergeschichten, die sie immer noch zu Tr\u00e4nen r\u00fchren k\u00f6nnen. Alles, was ich sagen kann ist \u2026 ja. Mich auch.\u201c <\/em>(Mick Wall, KERRANG Nr. 62, S. 42 \u2013 44, 1984)<\/p>\n<p>Beate Meiswinkel<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=1152\" rel=\"attachment wp-att-1152\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a>Kate en miniature: LPs im Puppenstubenformat<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4561\" rel=\"attachment wp-att-4561\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4561\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/minilp-brief620.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/minilp-brief620.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/minilp-brief620-300x244.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"504\" \/><\/a>Als Kate Bush-Fan und Sammler freut man sich nicht nur \u00fcber seltene Alben, Promos oder limitierte Editionen. Es sind vor allem eher ungew\u00f6hnliche St\u00fccke, die der eigenen Sammlung das gewisse Etwas verleihen. H\u00e4ufig werden solche Spezialit\u00e4ten von talentierten Bastlern und Heimwerkern hergestellt. Ob Kate-inspirierte Stickvorlagen, h\u00fcbscher Schmuck mit integrierten \u201eBefore the Dawn\u201c-Konfetti-Schnipseln oder ein besonderes T-Shirt: auf alternativen Internetm\u00e4rkten kann man wahrhaft Originelles entdecken! Ein echtes Highlight allerdings findet man derzeit auf Ebay, n\u00e4mlich im Ma\u00dfstab 1:12 verkleinerte (nicht abspielbare) Miniaturen s\u00e4mtlicher Kate Bush Vinyl-Alben. Unter dem Shop-Namen \u201elanky1349\u201c vertreibt der Engl\u00e4nder Adrian seine zauberhaften Minialben, die jeweils aus einem doppelseitig bedruckten Cover und einer winzigen herausnehmbaren LP bestehen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4562\" rel=\"attachment wp-att-4562\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4562\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Adrian.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Adrian.jpg 350w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Adrian-275x300.jpg 275w\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"382\" \/><\/a>Nat\u00fcrlich habe ich mir die Minis s\u00e4mtlich gekauft, und da sie mir ausgesprochen gut gefallen, bat ich Adrian, uns f\u00fcr morningfog.de etwas \u00fcber ihre Entstehungsgeschichte und auch ein wenig \u00fcber sich selbst zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nDer 68j\u00e4hrige Brite lebt in der N\u00e4he des Lake District im Norden Englands. Schon immer war er von Puppenh\u00e4usern und Miniaturen fasziniert, und so baute er in seiner Freizeit Puppenstuben. Einige Jahre lang verkaufte er seine Handarbeiten in einem \u00f6rtlichen Gesch\u00e4ft, das inzwischen leider schlie\u00dfen musste. Nach seiner Pensionierung suchte er nach einer M\u00f6glichkeit, seine Rente ein wenig aufzubessern und beschloss, einige seiner St\u00fccke bei Ebay zum Verkauf anzubieten. Dabei kam er auf die Idee, es auch einmal mit Miniatur-LPs zu versuchen. Adrian ist selbst Kate-Fan und besitzt die meisten ihrer Alben. Seine ersten Mini-LPs waren \u201eGoodbye Yellow Brick Road\u201c von Elton John und \u201eThe Kick Inside\u201c von Kate Bush.<br \/>\nDa sich \u201eThe Kick Inside\u201c sehr schnell verkaufte, entschied er sich bald, alle Kate-Alben anzubieten, und Kate Bush-Fans, die sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr Puppenh\u00e4user interessierten, bestellten sie begeistert.<br \/>\nAufgrund des ansehnlichen Erfolges beschloss er, es auch mit Alben anderer K\u00fcnstler zu versuchen \u2013von da an ging es steil bergauf! Er erhielt Anfragen f\u00fcr immer mehr Bands und Musiker, sein Sortiment erweiterte sich best\u00e4ndig. Und w\u00e4hrend die Puppenhaus-Accessoires allm\u00e4hlich in den Hintergrund r\u00fcckten, er\u00f6ffnete er seinen eigenen E-Bay-Shop.<br \/>\nUm ein optimales Ergebnis f\u00fcr seine Miniatur-LPs zu erreichen, verwendet Adrian stets die bestm\u00f6glichen Bilder als Vorlagen: jedes Motiv muss f\u00fcr den Druck verkleinert werden und sollte daher eine m\u00f6glichst gute Aufl\u00f6sung haben. Der Druck erfolgt auf qualitativ hochwertigem Fotokarton. Preislich liegen die Mini-LPs bei ca. 2,80 Euro pro St\u00fcck zzgl. Porto. Versand und Zustellung erfolgen innerhalb weniger Tage.<br \/>\nNeben Kate Bush gibt es in Adrians Sortiment auch Mini-LPs von Depeche Mode, ELO, The Doors, The Beatles, David Bowie, Madonna, Pink Floyd, Def Leppard, Blondie uvm. Meine pers\u00f6nlichen Highlights: Jeff Wayne\u2019s \u201eWar of the Worlds\u201c und \u201eDon\u2019t Break The Oath\u201c von Mercyful Fate.<\/p>\n<p>Die Kate Bush-Mini LPs von Adrian gibt es <a href=\"http:\/\/www.ebay.de\/itm\/MINIATURE-1-12th-Non-Playable-VINYL-RECORD-ALBUMS-KATE-BUSH-VARIOUS-TITLES-\/301759396419?var=&amp;hash=item464242fa43:m:mpX6-3dyKDycJ8vFSCdsuTg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>. Auch eine Version des <a href=\"http:\/\/www.ebay.de\/itm\/MINIATURE-1-12th-Non-Playable-LP-RECORD-ALBUM-KATE-BUSH-Before-The-Dawn\/302153175588?_trksid=p2047675.c100005.m1851&amp;_trkparms=aid%3D222007%26algo%3DSIM.MBE%26ao%3D2%26asc%3D20140117130753%26meid%3Db690e14b98a2407588f2863524b73647%26pid%3D100005%26rk%3D1%26rkt%3D3%26sd%3D301759396419\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eBefore the Dawn\u201c-Albums<\/a> (allerdings nicht als Triple-LP) ist inzwischen erh\u00e4ltlic.<strong> Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=1152\" rel=\"attachment wp-att-1152\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a>&#8222;Voller Leben, Freude und Ausdruck&#8220;<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4539\" rel=\"attachment wp-att-4539\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4539\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/themays1-620.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/themays1-620.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/themays1-620-300x225.jpg 300w\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"465\" \/><\/a>Wie bereits im morningfog.de Beitrag \u201eBonus-Gedichte von Kate\u201c (28.06.2017) zu lesen steht, konnte Kate Bush als Gast-Editorin f\u00fcr die 25. Ausgabe der j\u00e4hrlich erscheinenden Anthologie \u201eThe Mays\u201c gewonnen werden. In diesem Band werden die herausragenden Arbeiten aus den Bereichen neues Schreiben und Kunst der Studierenden der Universit\u00e4ten Oxford und Cambridge zusammengefasst.<br \/>\n\u201eDie Studierenden beider Universit\u00e4ten sehen sich h\u00e4ufig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie seien der Welt au\u00dferhalb unserer allzu altmodischen St\u00e4dte gegen\u00fcber zu engstirnig oder unsensibel\u201c, schreibt Herausgeber Sabhbh Curran im Vorwort. \u201eIch hoffe, dass Sie in diesen Gedichten, Erz\u00e4hlungen und Kunstwerken gro\u00dfe Vielfalt entdecken werden. Sie sind lebhaft, voller Bilder und S\u00e4tze, die noch lange nach dem Lesen bei Ihnen verweilen werden. An wen besseren h\u00e4tten wir also Gast-Editorin herantreten k\u00f6nnen als an Kate Bush, die so viele dauerhaft inspirierende Lieder geschrieben hat und die eigentlich Gedichte sind. Ihre g\u00fctigen Worte und ihre Begeisterung \u00fcber die eingereichten Beitr\u00e4ge stellten eine der Freuden dieser Arbeit dar.\u201c<br \/>\nTats\u00e4chlich muss Kate gro\u00dfen Spa\u00df daran gehabt haben, bei der Zusammenstellung der Ausgabe mitzuwirken: \u201eIch habe es wirklich genossen, all diese Gedichte zu lesen. Voller Leben, Freude und Ausdruck\u201c, schreibt sie. \u201eIch wollte eigentlich alle behalten, aber das war nicht gestattet. Ich habe ein zus\u00e4tzliches mit hineingeschmuggelt.\u201c<br \/>\n\u201eThe Mays\u201c bietet wunderbare Einblicke in die Gedanken- und Gef\u00fchlswelt junger, nachdenklicher Menschen. Ob in Schrift, Malerei oder Fotografie begegnen wir ihrer Neugier, ihren Interessen, ihren Gef\u00fchlen, pers\u00f6nlichen Zwiesp\u00e4lten und Eindr\u00fccken. Beim Lesen und Bl\u00e4ttern fiel mir auf, wie sehr sich unsere eigenen Gedanken bereits an die abgeflachten bunten Memes oder Motto der beliebten Social Media, an die teilweise so profane Informationskultur der Video Channel oder an den exzessiven Konsum von Serien \u00fcber die Streaming Portale gew\u00f6hnt haben. Mit ihnen setzen wir uns permanenter Fl\u00fcchtigkeit, Unvollkommenheit und einer Art \u201eAus-dem-Zusammenhang-Gerissenheit\u201c aus. Nicht, dass ich die neuen Medien v\u00f6llig missen m\u00f6chte \u2013 aber das Einlassen auf einen kurzen, aussagekr\u00e4ftigen poetischen Text, der eine Momentaufnahme zu einem bleibenden Kunstwerk gerinnen l\u00e4sst oder das Betrachten eines Gem\u00e4ldes oder einer Zeichnung, die zum Nachsinnen und Denken anregen, haben eine g\u00e4nzliche andere Wirkung. Sie laden ein, innezuhalten und den Geist dieser Zeit bewusst wahrzunehmen, ohne ihm zu erliegen. Sie hinterlassen tats\u00e4chlich einen bleibenden Eindruck.<br \/>\n\u201eThe Mays\u201c hat mir erneut vor Augen gef\u00fchrt, wie wertvoll, wichtig und unersetzbar Bildung und Kunst f\u00fcr unsere Gesellschaft und f\u00fcr uns als denkende, f\u00fchlende Menschen sind. Es kann nicht genug F\u00f6rderung in diesen Bereichen geben, und Streichungen oder K\u00fcrzungen staatlicher Mittel m\u00f6gen einen nicht wieder gut zu machenden Schaden anrichten. <strong>Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p>The Mays \u2013 The annual collection of the best writing and art from the Universities of Oxford and Cambridge, XXV \u2013 Guest edited by Kate Bush; Varsity Publications Ltd, Cambridge, 2017, ISBN 978-0-902240-48-3.<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=1152\" rel=\"attachment wp-att-1152\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a>Die Ode des monds\u00fcchtigen Malers<\/h2>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4209\" rel=\"attachment wp-att-4209\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4209\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tm620.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tm620.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tm620-300x233.jpg 300w\" alt=\"tm620\" width=\"620\" height=\"482\" \/><\/a>Lohfarbener Mond<\/strong><br \/>\nvon Beate Meiswinkel, inspiriert durch \u201eTawny Moon\u201c, Kate Bush<\/p>\n<p>Jede Wolke will ich verkleiden mit Silber<br \/>\nJeden Stern lass ich strahlen in lieblichem Glanz<br \/>\nDie Eule soll herabschie\u00dfen, der Wolf m\u00f6ge heulen<br \/>\nWellen erheben sich in wallendem Tanz<br \/>\nDen Wind lass\u2018 ich weh\u2019n<br \/>\nDen Sternenhimmel mache ich fest<\/p>\n<p>Heute Nacht will ich den Mond malen<br \/>\nHeute Nacht male ich den Mond<\/p>\n<p>\u00dcber die Ebenen von Afrika reist sie heran<br \/>\nSt\u00fcrmt jeden Gipfel, nah und fern<br \/>\nFern und nah<br \/>\nOh, Geliebte, Liebste, meine Luna<br \/>\nBald schon bist du da!<\/p>\n<p>Herein bricht die Nacht<br \/>\nSie erhebt sich \u00fcber dem Strand<br \/>\nIch muss es vollenden!<br \/>\n(und sei es mit wunden H\u00e4nden!)<\/p>\n<p>Damen und Herren, begr\u00fc\u00dfen Sie mit mir:<br \/>\n<em>Den Mond!<\/em><br \/>\nNur zu, trau dich vor<\/p>\n<p>Lohfarbener Mond!<\/p>\n<p>Heute Nacht werde ich den Mond malen<br \/>\nHeute Nacht tanze ich mit dem Mond<\/p>\n<p>Nur noch ein wenig Flitter, vermischt mit dem Ergl\u00fchen<br \/>\nSo male ich das Antlitz, das die Ozeane regiert<br \/>\nStrahlend, voll \u2013<br \/>\nGeheimnisvoll!<\/p>\n<p>Luna, meine Liebste, dein Ruf erklingt<br \/>\nDu schriebst dein Buch der Liebe<br \/>\nUnd \u00fcbergabst seine Seiten dem Wind<\/p>\n<p>Schau nur den Mond an, heute Nacht<br \/>\nSchau nur, der Mond<\/p>\n<p>H\u00f6rst du das Seufzen der Nachtigall<br \/>\nDie wei\u00df, warum der Dichter wehklagt<br \/>\nDenn sie kommt und geht<br \/>\nSie geht und kommt<\/p>\n<p>Luna, meine Liebste,<br \/>\nDu K\u00f6nigin des Wahns<br \/>\nMach die Musikanten musizieren!<br \/>\nSetz Musik gegen Kummer und Gram<\/p>\n<p>Heute Nacht will ich den Mond malen<br \/>\nHeute Nacht tanz ich mit dem lohfarbenen Mond<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<h2>Geisterstunde auf der Sturmh\u00f6he<\/h2>\n<p><strong>Von Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Von wegen wildromantisches Yorkshire&#8230; der Wind heult, der Regen peitscht, es ist stockdunkel, und wie \u00fcblich ist es kalt hier auf dem Hochmoor. <em>Saukalt.<\/em> Nicht, dass man als Geist etwas sp\u00fcren k\u00f6nnte; unerfreulicherweise kann man sich aber erinnern. Meine sterbliche H\u00fclle hat es in ihrem Sarg wenigstens relativ trocken. Mein Geist allerdings steckt hier drau\u00dfen fest, und Schuld an allem ist einzig und allein Heathcliff.<br \/>\nHeathcliff\u2026 was habe ich mir <em>dabei<\/em> nur gedacht! Mit meinem Mann, dem wohlhabenden Langweiler Edgar, h\u00e4tte ich ein beschauliches, ereignisloses und langes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Doch ich konnte mir meine gro\u00dfe Liebe einfach nicht aus dem Kopf schlagen. Fragt nicht, es ist eine lange, traurige Geschichte. Jedenfalls bin ich jetzt tot, und bevor Heathcliff und ich im Tode nicht wieder vereinigt sind, ist mir der Zugang zur n\u00e4chsten Ebene verwehrt, denn einst haben wir uns ewige Treue geschworen. Von eilfertigen Eiden im Liebestaumel kann ich daher nur dringend abraten. Ganz egal, wie verknallt ihr seid &#8211;<em> lasst es<\/em>!<br \/>\nMan hat als k\u00f6rperloses Wesen auf Erden nur wenige Freuden. Eine davon ist die Heimsuchung der Lebenden. Wobei man leider gewissen Einschr\u00e4nkungen unterworfen ist. F\u00fcr den Spuk steht uns Geistern nur ein relativ kleines Zeitfenster zur Verf\u00fcgung, die Stunde zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens. In dieser sogenannten Geisterstunde ist es nicht nur m\u00f6glich, den Lebenden zu erscheinen und Angst und Schrecken zu verbreiten, man kann auch unbelebte Gegenst\u00e4nde bewegen. Dies wiederum ist nur unter Anwendung h\u00f6chster Konzentration m\u00f6glich, was ungemein anstrengend ist. So ist f\u00fcr das durchschnittliche Schlossgespenst ein klassisches n\u00e4chtliches Spukprogramm mit Heulen, Z\u00e4hneklappern und Kettenrasseln in etwa das \u00c4quivalent zu einem Halbmarathon. Sehr motivierend in diesem Bereich wirken starke Antriebskr\u00e4fte wie Rachedurst, Mordlust und schiere Boshaftigkeit, oder, wie in meinem Fall, eine ordentliche Portion Wut im Bauch.<br \/>\nWarum ich sauer bin? Weil mein ach so gramgebeugter Herzallerliebster mich einfach nicht zur Kenntnis nehmen will! Da r\u00fcttelt man an T\u00fcren und trommelt auf das Dach, und er beschwert sich \u00fcber das st\u00fcrmische Wetter. Man heult und wehklagt, und er macht den alten Hofhund daf\u00fcr verantwortlich. Man klopft ans Fenster und kratzt an den Scheiben, und er l\u00e4sst die B\u00e4ume vor dem Haus beschneiden.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ghost.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3909\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ghost.jpg\" alt=\"Kate Bush\" width=\"460\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ghost.jpg 460w, https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/ghost-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/a>Jede Nacht komme ich \u00fcber das Moor zur <em>Sturmh\u00f6he <\/em>zu Heathcliff. Aber der feine Herr ist ja viel zu sehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt, um mich zu bemerken! In der ersten Zeit hat er hei\u00dfe Tr\u00e4nen vergossen und sich an die Brust geschlagen &#8211; reiner Egoismus und Selbstmitleid! H\u00e4tte er sich auch nur <em>einmal<\/em> wenigstens ein wenig auf meine Anwesenheit konzentriert, h\u00e4tte er mitbekommen m\u00fcssen, dass ich den Dialog zu ihm suche. So eine Unterhaltung w\u00fcrde uns doch beiden gut getan haben, aber nein &#8211; <em>Schluchz<\/em> und <em>Heul<\/em> in einem fort. Mit der Zeit hat er sich dann mit der Situation abgefunden. So schnell ist man vergessen \u2013 aber nicht mit mir! H\u00f6chste Zeit, dass Heathcliff das Zeitliche segnet. Damit allerdings ist in n\u00e4chster Zeit nicht zu rechnen, so pumperlgesund wie er aussieht! Und da er keinerlei Bestrebungen hegt, sich selbst zu entleiben, muss ich eben etwas nachhelfen. Beispielsweise, indem ich ihm einen z\u00fcnftigen Schrecken einjage, wenn ich ihm mit nichts als meinem Leichentuch am Leibe erscheine und ihm mit weit aufgerissenen Augen meine kalten wei\u00dfen Geisterh\u00e4nde um den Hals lege.<br \/>\nVon dieser Idee bin ich ganz entz\u00fcckt, und, oh Gunst der Stunde, heute steht das Fenster einen Spaltbreit offen! M\u00fchelos wie ein Windhauch schwebe ich ins Innere des Hauses. Dr\u00fcben am Kamin, den R\u00fccken mir zugewandt, sitzt Heathcliff im Ohrensessel und blickt ins Feuer. Ja, so sch\u00f6n gem\u00fctlich h\u00e4tte ich es auch gerne mal wieder! Aber warte nur, gleich ist es aus mit der Beschaulichkeit! Ich fege also schwungvoll um den Sessel herum, erhebe die Arme, rei\u00dfe die Augen auf, \u00f6ffne den Mund &#8211; und muss leider feststellen, dass der impertinente Ignorant tief und fest eingeschlafen ist. Ja ist denn das die M\u00f6glichkeit?<\/p>\n<p>\u201eHeeeaaaathcliffff\u201c, r\u00f6chle ich aus voller Kehle. \u201eIch bin\u2019s! Cathy!\u201c<\/p>\n<p>Heathcliff antwortet mit einem dr\u00f6hnenden Schnarchen. Sein Mund steht offen, im rechten Mundwinkel entdecke ich einen winzigen Speichelfaden, der sich feucht gl\u00e4nzend an seinem schlecht rasierten Kinn entlang schl\u00e4ngelt. Meine G\u00fcte, ist das ekelhaft! Ich kann den Blick nicht davon abwenden &#8211; doch Augenblick mal! Es schimmert so silbrig, so \u00e4therisch&#8230; Als Geist erkenne ich: das ist gar keine schn\u00f6de Spucke, sondern reinste Lebensenergie, die den K\u00f6rper verl\u00e4sst! Behutsam strecke ich meine gespenstigen Finger aus, um danach zu greifen und ziehe ein wenig daran. Siehe da, das F\u00e4dchen wird l\u00e4nger und l\u00e4nger. Beharrlich zupfe ich, und da der Schlaf und der Tod eng miteinander verwoben sind, hole ich auf diese Weise St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck Heathcliffs Seele hervor. Wenn es mir gelingt, seinen Geist vom K\u00f6rper zu trennen, sind wir wieder vereint &#8211; und ich kann dem Nichtsnutz endlich die Meinung sagen!<br \/>\nIn meinem Eifer ziehe ich wohl ein wenig zu euphorisch und l\u00f6se damit einen weiteren heftigen Schnarcher aus. Bei dem barbarischen Ratzen erschrecke ich so sehr, dass ich versehentlich das Ende der Silberschnur loslasse, die prompt in Heathcliffs klaffenden Mund zur\u00fcck schnalzt. Heathcliff schreckt kurz in seinem Ohrensessel zusammen und macht Anstalten zu erwachen. Noch w\u00e4hrend ich mich zur\u00fcck in meine urspr\u00fcngliche Positur des Grauens werfe, sackt er mit einem Seufzer in den Tiefschlaf zur\u00fcck. Aus der Ferne h\u00f6re ich die Friedhofsglocke ein Uhr schlagen und verblasse. <em>Mist Mist Mist!<\/em><br \/>\nWas soll&#8217;s. Ich war nahe dran. Und morgen gibt\u2019s eine neue Geisterstunde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/p>\n<h1><\/h1>\n<h2>25 Jahre TSW: Stepping out of the page&#8230;<\/h2>\n<p><strong>Von Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p>Im Oktober 1989 stand ich mit weichen Knien vor dem Schaufenster meines Lieblings-Plattenladens. Mit gro\u00dfen Augen starrte ich sprachlos auf das Cover des neuen Kate Bush Albums. So lange, seit 1985 und seit \u201eHounds of Love\u201c n\u00e4mlich, hatte ich auf ein weiteres Werk meiner Lieblingsk\u00fcnstlerin gewartet. Von einer bevorstehenden Neuver\u00f6ffentlichung hatte ich nichts gewusst \u2013 die \u00dcberraschung und das Herzklopfen kann man sich daher vielleicht vorstellen\u2026<br \/>\nKate, die mit ebenso gro\u00dfen Augen zur\u00fcckstarrte, hielt mir eine weit ge\u00f6ffnete Rosenbl\u00fcte entgegen, wie eine Fee, die \u00fcber einen geheimen Garten wacht und von Dingen wei\u00df, von denen kein Sterblicher auch nur zu tr\u00e4umen wagt. Der Titel, \u201eThe Sensual World\u201c, erschien mir wie eine einzige Verhei\u00dfung, wie eine Aufforderung dazu, einzutreten in jenen verlockenden Feengarten, in diese noch unbekannte sinnliche Welt. Nun, f\u00fcrs Erste betrat ich erst einmal den Plattenladen, und zwar mit einem \u00fcberaus mulmigen Gef\u00fchl im Magen. Es war beinahe Angst, die ich empfand, was meine Vorfreude und \u00dcberraschung auf eher unangenehme Weise d\u00e4mpfte. Das seltsam widerspr\u00fcchliche Gef\u00fchl entsprang der Bef\u00fcrchtung, Kate Bushs neuestes Werk k\u00f6nne sich nach ihren fr\u00fcheren Alben als reine Entt\u00e4uschung entpuppen. Selbstverst\u00e4ndlich kaufte ich trotzdem und jetzt erst recht das neue Album. Ich eilte nach Hause, legte es auf, h\u00f6rte zu \u2013 und war \u00fcberw\u00e4ltigt. Das, was ich nun erfuhr, was ich empfand, \u00fcbertraf meine k\u00fchnsten Erwartungen.<\/p>\n<p>Als junge Frau Anfang Zwanzig bewegte ich mich damals in einem eher m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Umfeld. Ich h\u00f6rte haupts\u00e4chlich harte Rockmusik und Heavy Metal. Meine Weiblichkeit war ein wenig erschlossenes Gebiet. Es gab viele Dinge, die ich daran ablehnte, aber nat\u00fcrlich konnte ich meinem eigenen Geschlecht nicht entkommen. Mit dem, was an diesem Abend zu Hause beim ersten Eintauchen in Kate Bushs sinnliche Welt mit mir geschah, hatte ich nicht gerechnet. Ich h\u00f6rte zu, ich sp\u00fcrte, nein, gab mich hin, und auf einmal war ich erwacht. Der Dornr\u00f6schenschlaf, der mich umfangen gehalten hatte, war beendet \u2013 nicht durch den Kuss des Prinzen, sondern durch die Lyrik und die Musik einer K\u00fcnstlerin, der es gelungen ist, das Leben und dessen Sinnlichkeit zu erfassen, herauszuarbeiten, zu beschreiben, zu vertonen \u2013 sie auf unbegreifliche Weise greifbar zu machen.<br \/>\nDie Fee auf dem Cover, die mich mit ihrer voll erbl\u00fchten Rose in ihren geheimen Garten einlud, gab mir etwas, das mir bis dahin gefehlt hatte: den Schl\u00fcssel zu meinem Frausein, zu meiner Weiblichkeit. Und zu meiner Verwunderung war dies etwas Wundersch\u00f6nes! Jenen Schl\u00fcssel habe ich seither nicht mehr aus der Hand gegeben. Stattdessen bin ich selbst wie im Titelsong wie aus den Seiten eines Buches hervorgetreten \u2013 hinein, oder vielmehr hinaus in die Sinnlichkeit der Welt.<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a>Ein Blick in den Schuhschrank von Kate Bush<\/h2>\n<p><b><em>These Shoes do a kind of Voodoo<\/em> <\/b><\/p>\n<p>\u201cVon M\u00e4nnern mag ich keine Ahnung haben\u201d, sagte Carrie Bradshaw einst in <i>Sex and the City<\/i>, \u201cAber Schuhe, Schuhe kenne ich genau!\u201d Diese Aussage verr\u00e4t eine Menge \u00fcber das ganz spezielle Verh\u00e4ltnis von Frauen zu ihrer Fu\u00dfbekleidung. Schuhe sind schlie\u00dflich auch modisches Statement, ein Mittel zum Selbstausdruck oder verbunden mit einer ganz bestimmten, oft nur der Tr\u00e4gerin bekannten Bedeutung. Schuhe tragen uns nicht nur durch den Alltag; wir erklimmen in ihnen Berge und durchschreiten T\u00e4ler, durchtanzen ganze N\u00e4chte darin oder st\u00f6ckeln unseren ganz individuellen Laufsteg hinab. W\u00e4re es in diesem Zusammenhang nicht einmal interessant, einen Blick in den Schuhschrank von Kate Bush zu werfen?<br \/>\nWir finden darin sicher ein Paar feste Gummistiefel; nicht das \u00e4sthetischste Schuhwerk, aber durchaus zweckm\u00e4\u00dfig, besonders bei Regenwetter und unausgegorener Gem\u00fctslage. \u201eBeelzebub is aching in my belly-o, my feet are heavy and I\u2019m rooted in my wellios\u201c, singt Kate in <i>Kite<\/i>, \u201cAnd I want to get away and go from all these mirror windows.\u201d Die Stimmung, die sie hier so gekonnt in Worte fasst, erkennt man sofort. Es ist mal wieder einer <i>dieser<\/i> Tage, man m\u00f6chte eigentlich nur <i>weg<\/i>, ist halb in den Wolken verfangen, halb mit dem Boden verwurzelt, <i>somewhere in between also<\/i>, irgendwo dazwischen. Da sind so ein paar solide, vielleicht quietschgelbe oder knallrote Gummistiefel irgendwie tr\u00f6stlich.<br \/>\nWenn die F\u00fc\u00dfe schwer sind, m\u00f6chte man sich vielleicht lieber gleitend fortbewegen, beispielsweise mit diesem Paar wei\u00dfer Rollschuhe aus dem <i>Sat in your Lap<\/i>-Video, oder bei entsprechenden Au\u00dfentemperaturen mit den Schlittschuhen aus <i>Under Ice<\/i>\u2026 Ach, silberne Kufen, die Schnee spucken und feine Linien in das Eis ritzen. Dahinschie\u00dfen, beinahe schwerelos. Wobei uns auff\u00e4llt: bei Kate scheint das Thema Schuhe irgendwie oft mit der Sehnsucht nach dem Fliegen verbunden zu sein, wie man an diesen schnittigen Stiefeln erkennen kann, die gleich komplett zum Abheben einladen: \u201eI put on my cloudiest suit. Size 5 lightning boots, too\u201c. In <i>Rocket\u2019s Tail<\/i>, finden wir Kate als Rakete verkleidet auf der Waterloo Bridge stehend vor, bereit, in die Nacht hinaus zu schie\u00dfen. H\u00f6henflug, Ekstase, ein Moment grenzenloser Freiheit und v\u00f6lliger Erf\u00fcllung!<br \/>\nDa mag man es ihr nachsehen, dass sie diesen pr\u00e4chtigen roten Ballettschuhen so leichtsinnig auf den Leim gegangen ist. Schlie\u00dflich locken diese mit dem Versprechen, Befreiung, Befl\u00fcgelung und rauschhaftes Entz\u00fccken im Tanz zu finden, und das ohne monatelanges Training. Leider hat die Sache einen Haken: \u201cOh the minute I put them on, I knew I had done something wrong\u201d, muss Kate schon bald erkennen, \u201cIt\u2019s the red shoes, they can\u2019t stop dancing!\u201d Man kann also nicht so ohne weiteres wieder mit dem Tanzen aufh\u00f6ren, selbst wenn man todm\u00fcde ist.<br \/>\nVielleicht ist es daher gut, dass es Situationen gibt, in denen man Schuhe wieder ausziehen kann. So konnte man die ber\u00fchmten roten Schuhe bei einer TV-Performance von <i>Moments of Pleasure<\/i> nach gebrochenem Zauberbann dekorativ auf Kates Fl\u00fcgel drapiert wieder\u00adfinden. Ob sie sich bei der Gelegenheit an ein anderes Paar Schuhe erinnert haben mag, das sie sich einmal auf der Flucht vor der Liebe von den F\u00fc\u00dfen gerissen hat? \u201eTake my shoes off, and throw them in the lake, and I\u2019ll be two steps on the water!\u201d Den Wettlauf mit der Liebe in <i>Hounds of Love<\/i> hat sie dennoch verloren, in der s\u00fc\u00dfen Erkenntnis: \u201eI need lo-lo-lo-lo-lo-lo-loooove!\u201c Daran erinnert auch das Sprichtwort, das Kate oft von ihrer verstorbenen Mutter geh\u00f6rt hat: \u201eEvery old sock meets an old shoe.\u201c Jedes T\u00f6pfchen findet sein Deckelchen, wei\u00df auch der deutsche Volksmund.<br \/>\nBeenden wir an dieser Stelle unseren Streifzug durch Kate Bushs Schuhschrank, obwohl es sicher noch viel zu entdecken g\u00e4be. Eine Frau braucht schlie\u00dflich Schuhe f\u00fcr jede Gelegen\u00adheit, und Gelegenheiten gibt es viele im Leben. Deshalb geh jetzt erst mal Schuhe kaufen. <strong>Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/p>\n<h2>\u00dcber den D\u00e4chern der Stadt<\/h2>\n<p align=\"right\"><i>I don\u2019t mind if it\u2019s dangerous<br \/>\nI don\u2019t mind if it\u2019s raining<br \/>\nTake me up to the top of the city<br \/>\nAnd put me up on the angel&#8217;s shoulders<br \/>\n(Kate Bush \u2013 Top of the City )<\/i><\/p>\n<p>Maureen erreichte die St. Pauls Cathedral etwa zur Mittagszeit. Es war ein sch\u00f6ner Tag, die Sonne schien und London hatte sich ein leichtes Sommerkleid angezogen. Sie wunderte sich ein wenig dar\u00fcber, dass sie hierhergekommen war, an diesen Ort, der vor Touristen nur so wimmelte. Andererseits war St. Pauls schon immer ihre Lieblingskirche gewesen, und sie war nicht mehr hier gewesen seit, ja seit&#8230;<br \/>\n\u00c4rgerlich sch\u00fcttelte Maureen den Kopf. In letzter Zeit kam es \u00f6fter vor, dass sich ein Schleier des Vergessens \u00fcber sie senkte. Es war keine klare Erinnerung an bestimmte Ab\u00adschnitte des letzten Tages, der letzten Wochen, des letzten halben Jahres vorhanden. Was sie sicher wusste: ihr Leben war unaufhaltsam in seinem ausgewaschenen Flussbett vertrauter Routine dahingeflossen. Zwei ereignislose, arbeitsreiche Jahre lagen hinter Maureen, die heimlich wie Schatten an ihr vor\u00fcber geschlichen waren. Dann war sie krank geworden, und anschlie\u00dfend hatte sie dringender Erholung bedurft. Vage Erinnerungen an Schw\u00e4che und Unwohlsein stiegen wie Blasen an die Oberfl\u00e4che des tiefen dunklen Sees ihres Ged\u00e4chtnisses.<\/p>\n<p><i>Schlaf. Ich m\u00f6chte noch etwas schlafen.<br \/>\nDunkelheit, die mich umf\u00e4ngt.<br \/>\nWohltuende, gesegnete Ruhe. <\/i><\/p>\n<p>Die Blasen zerplatzten und hinterlie\u00dfen ein Gef\u00fchl der Leere und Verunsicherung.<br \/>\nMaureen straffte sich. Nun war sie ja wieder gesund und ein neuer Lebensabschnitt lag vor ihr. Eigentlich musste sie noch immer etwas k\u00fcrzer treten, aber da sie sich bedeutend bes\u00adser f\u00fchlte, hatte sie Lust auf frische Luft und Bewegung bekommen. Am sp\u00e4ten Morgen hat\u00adte sie zu Fu\u00df die Kensington Gardens erobert. Sie labte sich am Anblick der gro\u00dfz\u00fcgig an\u00adgelegten Rasenfl\u00e4chen und der alten B\u00e4ume. Am\u00fcsiert beobachtete sie kleine V\u00f6gel und Eich\u00adh\u00f6rnchen, die gar nicht scheu waren; selbst wenn sie ihnen nahe kam, liefen sie nicht fort. Bestimmt waren sie es gewohnt, von Spazierg\u00e4ngern gef\u00fcttert zu werden. Ein feiner Nieselregen hatte einge\u00adsetzt, der sie nicht weiter st\u00f6rte. Sie schlenderte ohne Eile zum Peter Pan Denkmal. Wie immer, wenn sie hier war, war sie von stiller Freude erf\u00fcllt. Tr\u00e4nen aus Regen gl\u00e4nzten auf den glatten Wangen der bronzenen Elfen, die and\u00e4chtig dem nur f\u00fcr ihre Ohren h\u00f6rbaren Fl\u00f6tenspiel des kleinen Jungen lauschten, der niemals erwachsen wird.<br \/>\nEin junges Paar mit zwei Kindern n\u00e4herte sich dem Denkmal, und ein Gef\u00fchl der Wehmut erfasste Maureen bei ihrem Anblick. Der Vater holte eine Kamera hervor, um Erinnerungsfo\u00adtos von seiner Familie zu machen.<br \/>\n\u201eNun l\u00e4chle doch ein bisschen, Michael!\u201c, rief er seinem kleinen Sohn in breitem Ameri\u00adkanisch zu. \u201eUnd Du zapple nicht so herum, Heather!\u201c<br \/>\n\u201eCheese, Kinder, Cheese!\u201c, rief die Mutter lachend, und Maureen blieb stehen, um dem Fotografen nicht in die Quere zu kommen. Sie hob die Hand und winkte den Kindern zu, doch diese schienen sie nicht zu bemerken. Beschwingt wandte sie sich zum Gehen und summte leise vor sich hin.<br \/>\nMit der Central Line war sie von Notting Hill Gate nach St. Pauls gekommen. Der Regen war strahlendem Sonnenschein gewichen. Nun stand sie vor dem herrlichen Geb\u00e4ude und legte den Kopf in den Nacken, um zur Kuppel hinauf\u00adzuschauen. Ihr Blick verweilte lange in der schwindelnden H\u00f6he. Dann mischte sie sich unter die Touristen, um das Innere der Kathedrale zu besichtigen.<br \/>\nDer Besucherstrom, der durch die T\u00fcren hinein und wieder heraus dr\u00e4ngte, schwemmte Maureen mit sich fort. Die vielen einander schiebenden und dr\u00e4ngelnden Leiber erf\u00fcllten sie mit heller Panik und sie stie\u00df erleichtert die Luft aus, als sie sich schlie\u00dflich drinnen wieder\u00adfand. Aus der vor\u00fcber wogenden Menge ragte hier und da ein Regenschirm, die behelfs\u00adm\u00e4\u00dfige Standarte eines Reiseleiters, der seiner Gruppe den Weg wies. Verkaufsst\u00e4nde bo\u00adten Ansichtskarten und allerlei Krimskrams feil. Maureen blieb neben einem dieser St\u00e4nde stehen, um sich zu sammeln. Trubel setzte ihr noch immer stark zu.<br \/>\nWie die meisten gro\u00dfen Kirchen dieser Welt war St. Pauls schon l\u00e4ngst kein Ort des Friedens und des Gebetes mehr. Die gro\u00dfe Zahl ihrer Besucher hatte die Kathedrale in einen Hort des Kommerzes und der kulturellen Vergn\u00fcgungen verwandelt. Maureen dachte am\u00fcsiert, dass ein gewisser Jesus Christus alle H\u00e4nde voll damit zu tun gehabt h\u00e4tte, diesen Tempel von seinen H\u00e4ndlern zu befreien. Wahrscheinlich w\u00e4re er dabei als langhaariger, unrasierter Unruhestifter festgenommen worden. Maureen schmunzelte \u00fcber diese Vorstellung \u2013 manche Dinge \u00e4nderten sich eben nie. Obwohl sie sich nun wieder wohler f\u00fchlte, \u00fcberlegte sie, ob sie sich ein wenig in eine der Kirchenb\u00e4nke setzen sollte, als sie auf einmal bemerkte, dass jemand sie beobachtete. Ein junger Mann stand neben dem Treppenaufgang, der zur Kuppel hinauff\u00fchrte und sah sie unverwandt an. Ihr Blick tauchte in den seinen und Maureen hatte das Gef\u00fchl, der Boden werde ihr unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen.<\/p>\n<p>Die Welt verkehrte sich. Es war, k\u00f6nne sie sich selbst durch seine Augen sehen: sie stand direkt unter einem der drehbaren Postkartenst\u00e4nder. Das Licht, das abget\u00f6nt durch die Kirchen\u00adfenster brach, lie\u00df ihr langes, braunes Haar fast r\u00f6tlich schimmern. Ihr ovales, nicht mehr ganz junges Gesicht war blass und sehr klein. Ihre haselnussbraunen Augen waren stau\u00adnend geweitet. Sie hatte das taillierte, wollwei\u00dfe Kost\u00fcm an. Dazu trug sie die roten Pumps. Sie hatte immer rote Schuhe haben wollen. Der Wunsch danach hatte sie niemals losge\u00adlassen: <i>Mama, kauf mir rote Schuhe; rote Schuhe m\u00f6cht\u2018 ich haben!<\/i><\/p>\n<p>Mit aller Kraft suchte Maureen, sich aus den F\u00e4ngen des Blickes zu l\u00f6sen, der sie ge\u00adfangen hielt. Zumindest gelang es ihr, wieder zu sich selbst und ihrer eigenen Perspektive zur\u00fcck zu kehren. Dennoch konnte sie ihre Augen nicht von dem jungen Mann abwenden, denn sie hatte noch nie einen Menschen wie ihn gesehen.<\/p>\n<p>Seine blonden Locken waren so gl\u00e4nzend, dass es schien, als sei sein Kopf von einer leuchtenden Aureole umgeben. Sie umrahmten ein Antlitz mit sanft geschwungenen Lip\u00adpen und Augen, in denen reinste Unschuld gepaart mit unendlichem Verstehen leuchteten. Seine Gestalt war hochgewachsen; er trug verwaschene Jeans und eine abge\u00adtragene Motorradlederjacke. Und er h\u00f6rte nicht auf, Maureen anzuschauen mit diesen wei\u00adsen, unschuldigen Augen, als wolle er die \u00fcberschatteten Tiefen ihrer Seele erhellen. Einem unwiderstehlichen Impuls folgend ging sie auf ihn zu. Sein Mund verzog sich zu einem L\u00e4\u00adcheln, bei dem Maureens Herz ganz weit wurde. Nichts au\u00dfer ihm schien mehr zu existieren.<br \/>\nEr nahm ihre Hand und sagte: \u201eIch habe lange auf dich gewartet.\u201c<br \/>\nSie wollte ihn fragen, woher er sie kannte und wer er war. Ihre Gedanken und Gef\u00fchle wirbelten durcheinander, doch er hielt sanft l\u00e4chelnd ihre Hand. Als er sie fragte \u201eWillst du mit mir die Kuppel besuchen?\u201c nickte sie stumm.<br \/>\nSie dachte nicht dar\u00fcber nach, wie anstrengend der Aufstieg war und dass sie nach ihrer langen Krankheit eigentlich noch nicht die Kraft dazu besa\u00df, all die Treppen zu bew\u00e4ltigen. Das alles war nicht wichtig.<br \/>\nHand in Hand stiegen sie die Wendeltreppe empor. Maureen konnte m\u00fchelos mit seinen langen Beinen Schritt halten. Auf dem ganzen Weg nach oben kam ihnen kein einziger Mensch entgegen, obwohl die Aussicht \u00fcber London, die die Kuppel zu bieten hatte, stets zahlreiche Besucher anlockte. Maureen freute sich dar\u00fcber, und je h\u00f6her sie kamen, desto schneller schritten sie aus. Stufe um Stufe stiegen sie der Kuppel entgegen. Maureen bemerkte, dass sie weder au\u00dfer Atem war noch einer Pause bedurfte. Jetzt liefen sie fast, mit gleitenden, weit ausgreifenden Schritten und l\u00e4chelten einander dabei an. Wie eine weitere kleine Luftblase stieg mit einem Mal eine Kindheitserinnerung in Maureen auf:<\/p>\n<p><i>Mama, warum l\u00e4chelt Jesus auf den Bildern nie?<br \/>\nDas wei\u00df ich nicht, Liebling.<br \/>\nL\u00e4chelt Jesus denn manchmal?<br \/>\nAber ja, da bin ich mir ganz sicher!<br \/>\nMama, hat Jesus ein sch\u00f6nes L\u00e4cheln?<br \/>\nGanz bestimmt. Ich glaube, wenn er l\u00e4chelt, macht er die Menschen damit gesund.<\/i><\/p>\n<p>Die Erinnerung verwischte. Maureen und ihr Begleiter hatten die Galerie unterhalb der Kuppel erreicht und befanden sich nun hoch oberhalb des Kirchenschiffes.<br \/>\nAuch die Galerie war menschenleer. Maureen sah zum Innern der Kuppel auf, die sich \u00fcber ihren K\u00f6pfen w\u00f6lbte. Dann blickte sie hinab und staunte, wie hoch sie sich befanden und wie klein die Menschen dort in den Kirchenb\u00e4nken und vor dem Hochaltar waren. Es herrschte beinahe v\u00f6llige Stille, und Maureen bemerkte, dass ihr Unbekannter sie schwei\u00adgend betrachtete.<br \/>\n\u201eWie hei\u00dft du?\u201c fragte sie. Ihre Stimme klang rau, als habe sie sie lange Zeit nicht mehr benutzt.<br \/>\n\u201eMein Name ist Michael.\u201c antwortete er, und einen verr\u00fcckten Augenblick lang war Maureen wieder im Kensington Park und h\u00f6rte eine Stimme beim Peter Pan Denkmal rufen: \u201eL\u00e4chle, Liebling, l\u00e4chle f\u00fcr Daddy\u201c. Das Bild verschwand so rasch, wie es aufgetaucht war.<br \/>\n\u201eEin sch\u00f6ner, wenn auch kein seltener Name!\u201c antwortete Maureen mit einem Mal k\u00fchl, denn langsam vermochte sie wieder klarer zu denken. Sie war ver\u00e4rgert \u00fcber sich selbst. Wie sehr dieser viel zu offensichtlich unbedarft wirkende junge Mann sie aus der Fassung zu bringen vermochte!<br \/>\n\u201eDu bist b\u00f6se auf mich!\u201c stellte Michael fest. Sein L\u00e4cheln war so s\u00fc\u00df, dass Maureens aufbrandender Unmut verebbte. Er trat zu ihr und nahm ihr Gesicht in seine sch\u00f6nen, schlanken H\u00e4nde. Seine Finger wirkten ungew\u00f6hnlich lang&#8230; <i>wie die Spitzen von Schwanen\u00adfl\u00fcgeln<\/i>, dachte Maureen.<br \/>\n\u201eIch habe so lange auf dich gewartet.\u201c sagte er wieder, \u201eUnd nun bist du da! Komm mit mir hinauf, bis zum Dach dieser Stadt!\u201c<br \/>\nUnd wieder nickte Maureen und legte ihre Hand in seine. Weiter stiegen sie gemeinsam ihre Himmelsleiter hinauf.<br \/>\nRasch n\u00e4herten sie sich dem Ende der Wendeltreppe und traten ins Freie, wo der Wind verspielt in ihre Haare griff und ihre Gesichter k\u00fcsste. Maureen trat an die Br\u00fcstung, Michael zu ihrer Rechten. Ihr Blick strich \u00fcber die D\u00e4cher der H\u00e4user, glitt hinunter in die Tiefe und dann wieder hinauf zu den fernen Wolken. Das sanfte Gurren von Tauben erf\u00fcllte die Stille. London lag ihnen zu F\u00fc\u00dfen, und die Ger\u00fcche der Metropole glichen hier oben nur noch dem Nachklang eines verblassenden Parfums. Wieder sp\u00fcrte Maureen, dass Michaels Augen auf ihr ruhten. Sie wandte sich ihm zu.<br \/>\n\u201eF\u00fchrst du alle Frauen, die du kennenlernen m\u00f6chtest, auf die Kuppel der St. Pauls Cathedral, Michael?\u201c fragte sie.<br \/>\nSein L\u00e4cheln erlosch und er wurde ernst; sein Blick war eine Liebkosung.<br \/>\n\u201eIch kenne dich schon seit langer Zeit, Maureen.\u201c antwortete er.<br \/>\n\u201eWir haben uns noch nie zuvor gesehen, und trotzdem behauptest du, mich zu kennen und mich erwartet zu haben? Wer bist du, Michael? Und was willst du von mir?\u201c<br \/>\nSeine Finger ber\u00fchrten erneut ihre Wange und er sagte: \u201eSchau noch einmal hinunter, Maureen, dort findest du die Antwort auf deine Fragen.\u201c<br \/>\nSie runzelte die Stirn. Eine schreckliche Ahnung bem\u00e4chtigte sich ihrer. Z\u00f6gernd wandte sie sich wieder der steinernen Br\u00fcstung zu und blickte hinab.<br \/>\nMiniaturautos und rote Spielzeugbusse rollten durch die Stra\u00dfen der kleinen Welt dort unten. Menschen, emsig wie Ameisen, strebten ihren unbekannten Zie\u00adlen entgegen. Maureens Augen trafen auf einen Mann, der dort in ihrer Mitte seiner Wege eilte, und pl\u00f6tzlich war es, als habe etwas ihrem Blick Fl\u00fcgel verliehen. Im Sturzflug jagte er wie ein Falke hinab zu dem Mann dort, gro\u00df, verh\u00e4rmt und viel zu d\u00fcnn, mit traurigen, einsamen Augen. Maureens Herz wollte zerrei\u00dfen bei seinem Anblick, denn sie liebte diesen Mann.<br \/>\n\u201ePaul!\u201c, schluchzte sie. Ihre Stimme klang heiser. \u201eMein liebster Paul.\u201c<br \/>\nDie Oberfl\u00e4che des dunklen Sees, in dem ihre Vergangenheit versunken war, zersprang, und die Erinnerung dr\u00e4ngte in Maureens Bewusstsein zur\u00fcck.<\/p>\n<p><i>Die Schmerzen, mein Gott&#8230; diese Schmerzen!<br \/>\nDie Operation ist ein reiner Routineeingriff, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.<br \/>\nKeine Angst, ich werde da sein, wenn du wieder aufwachst.<br \/>\nAlles wird gut.<br \/>\nZ\u00e4hlen sie langsam r\u00fcckw\u00e4rts von zehn&#8230; neun&#8230;. acht&#8230;. siiiiiiibeeeeeen&#8230;<br \/>\nIch liebe dich Paul!<br \/>\nsechs&#8230;<br \/>\nEs tut nicht mehr weh.<br \/>\nDunkelheit, die mich umf\u00e4ngt.<br \/>\nNein&#8230; du darfst nicht gehen!<br \/>\nBleib bei mir!<br \/>\nSo nimm dich unserer geliebten Tochter, Schwester und Ehefrau an und f\u00fchre sie heim in dein Reich!<br \/>\nVerschlingt mich\u2026<br \/>\nAsche zu Asche<br \/>\nSo weine doch nicht, Paul. Ich gehe doch nicht fort.<br \/>\nStaub zu Staub<br \/>\nIch bin&#8230;<\/i><\/p>\n<p>Maureen sackte kraftlos in sich zusammen. Michaels Arme fingen sie beh\u00e4nde auf. \u201eNein!\u201c, sagte sie bestimmt und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein\u201c.<br \/>\n\u201eDoch, Maureen\u201c, antwortete Michael und zog sie fester an sich. Maureen begann zu schreien: \u201eNein, nein, oh mein Gott nein!\u201c Dann weinte sie. Sie konnte sich nun wieder mit aller Klarheit an das erinnern, was ge\u00adschehen war.<\/p>\n<p>An den Schmerz.<br \/>\nAn das Krankenhaus.<br \/>\nUnd an das Ende.<\/p>\n<p>Sie hatte Paul im Stich gelassen. Immer hatte sie Angst davor gehabt, von ihm verlassen zu werden. Nun war sie es, die gegangen war.<br \/>\nLange lag Maureen in Michaels Armen, dort oben, hoch \u00fcber den D\u00e4chern der Stadt. Lange umfing er die verlorene Seele tr\u00f6stend, die sich an ihn klammerte. Erst, nachdem die Nacht hereingebrochen war und die Sterne am Firmament erschienen, r\u00fcttelte er sie sanft. Sie \u00f6ffnete widerstrebend ihre fest zusammengepressten Augen und blickte wie ein ver\u00ad\u00e4ngstigtes Kind zu ihm auf.<br \/>\n\u201eEs wird Zeit zu gehen, Maureen.\u201c sagte er mit leiser Stimme. Er strich ihr das Haar aus der Stirn. \u201eBist du bereit?\u201c. Sie nickte, denn das war sie.<br \/>\nMichael erhob sich, h\u00fcllte Maureen in einen Mantel aus W\u00e4rme und Licht. Seine blen\u00addend wei\u00dfen Schwingen entfalteten sich mit Macht. Er hob sie auf seine Arme, stieg auf die Br\u00fcstung der Kuppel und erhob sich mit einem einzigen kraftvollen Schlag seiner Fl\u00fcgel in die L\u00fcfte. Denn er war gekommen, um Maureen nach Hause zu bringen.<br \/>\nUnter ihnen ver\u00adblassten die Lichter der Stadt in der samtenen, dunkelblauen Stille der Nacht.<\/p>\n<p>Beate Meiswinkel<i>\u00a0\u00a0 <\/i>1996, \u00fcberarbeitete Version Juni 2013<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/h2>\n<h2>How can you eat dead animals?<\/h2>\n<p>1.10.2013<br \/>\nIm November 1980 hat Kate Bush f\u00fcr das Woman&#8217;s World Magazin einen Beitrag unter dem Titel &#8222;Wie kann man tote Tiere essen?&#8220; (How can you eat dead animals?) verfasst. Ein Text, der auch heute noch passt &#8211; erst recht am heutigen <strong>Weltvegetariertag<\/strong>. Hier die \u00dcbersetzung des Textes von Beate Meiswinkel f\u00fcr &#8222;Irgendwo in der Tiefe&#8220;.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass viel mehr Menschen sich vegetarisch ern\u00e4hren w\u00fcrden, wenn ihnen bewusst w\u00e4re, was es eigentlich tats\u00e4chlich mit der Fleischproduktion auf sich hat. Es wird uns heute so leicht gemacht; wir gehen einfach in den Supermarkt, greifen uns ein St\u00fcck Fleisch in seiner Kunststoffschale und seiner Plastikfolie und denken \u00fcberhaupt nicht dar\u00fcber nach, dass dies einmal ein Tier gewesen ist. Das w\u00e4re sicherlich ganz anders, wenn wir dazu gezwungen w\u00e4ren, dieses Lebewesen zu jagen und zu t\u00f6ten, so wie unsere Vorfahren das fr\u00fcher taten. Wir sind so weit von der Quelle unserer Nahrungsmittel entfernt, dass es sehr einfach ist, zu vergessen, woher unser Fleisch eigentlich stammt. Wenn man sich nun die furchtbare Realit\u00e4t eines Schlachthofes vor Augen f\u00fchrt, ist es pl\u00f6tzlich schwierig, noch dasselbe f\u00fcr das St\u00fcck Fleisch auf unserem Teller zu empfinden.<\/p>\n<p>Es war f\u00fcr mich keine pl\u00f6tzliche Entscheidung, Vegetarierin zu werden, sondern etwas, \u00fcber das ich lange Zeit nachgedacht habe. Ich habe seit ungef\u00e4hr vier Jahren kein Fleisch mehr gegessen und ich bin froh dar\u00fcber, es bisher durchgehalten zu haben, denn ich glaube, dass man als Vegetarier eine gr\u00f6\u00dfere Hochachtung vor dem Leben in all seinen Formen hat. Am Anfang war es nicht ganz einfach, denn ich habe vorher sehr viel Fleisch gegessen &#8211; ich war ein regelrechter Fleischfresser. Ich war als Kind ein furchtbar verw\u00f6hnter Esser und es gab kaum Gem\u00fcse, dass ich gerne mochte. Schon als ich klein war, war ich nicht gl\u00fccklich dar\u00fcber, Tiere zu essen. Wir hatten zu Hause immer Haustiere, und ich kann mich daran erinnern, dass ich dachte, dass es eigentlich nicht richtig sein kann, Fleisch zu essen, w\u00e4hrend ich unsere Haustiere liebte und mit ihnen spielte oder auf einem Bauernhof den L\u00e4mmchen zusah, wie sie \u00fcber die Felder sprangen.<\/p>\n<p>Der wichtigste Grund, warum ich Vegetarierin geworden bin, war mein Gef\u00fchl f\u00fcr die Tiere. Ich fand es einfach nicht in Ordnung, so \u00fcberheblich zu sein, ein anderes lebendes Wesen aufzuessen. Der eigentliche Entschluss fiel, als ich ein St\u00fcck Fleisch a\u00df, das ganz unbeschreiblich nach totem Tier schmeckte. Von diesem Augenblick an konnte ich einfach keine Fleischgerichte mehr ertragen. Die ersten paar Wochen waren wirklich schlimm. Ich ern\u00e4hrte mich von Schokolade und zwischendurch von ein paar St\u00fcckchen K\u00e4se. Ich hatte \u00fcberhaupt keine Ahnung von der vegetarischen Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise lernte ich kurz darauf jemanden kennen, der mir schon bald sehr nahe stand und der ebenfalls Vegetarier war. Ihn konnte ich fragen, wie er sich ern\u00e4hrt. Er lieh mir eine Menge Kochb\u00fccher aus, und seitdem habe ich mir das Kochen beigebracht und experimentiere mit vegetarischen Rezepten. Es ist sehr schade, dass [pullquote align=&#8220;left|center|right&#8220; textalign=&#8220;left|center|right&#8220; width=&#8220;30%&#8220;]&#8220;Ich glaube daran, dass Tiere dasselbe Recht auf Leben haben, wie ich selbst.&#8220;<\/p>\n<p><em>Kate Bush<\/em>[\/pullquote]ich nicht mehr Zeit daf\u00fcr habe, denn ich liebe es zu kochen. Es stimmt ganz einfach nicht, dass die vegetarische K\u00fcche langweilig oder einseitig ist! Man kann so viel machen. Gem\u00fcse ist sehr vielseitig und es gibt so viele verschiedene Sorten, mit denen man experimentieren kann. Ich mache z.B. alle m\u00f6glichen schmackhaften Kuchen und Pizzen. F\u00fcr Curries habe ich ebenfalls eine gro\u00dfe Vorliebe, weil sie ganz einfach zu kochen sind. Wenn man Gem\u00fcse verwendet, wei\u00df man ganz genau, was man kocht; es ist nicht wie bei einem anonymen St\u00fcck Fleisch. Bei den zahlreichen Gem\u00fcsesorten genie\u00dfe ich besonders die Kontraste in Geschmack und Beschaffenheit und ich bin mir sicher, mich viel ges\u00fcnder zu ern\u00e4hren als vorher, als ich immer nur haupts\u00e4chlich Fleisch gegessen habe. Ich f\u00fchle mich k\u00f6rperlich wohler und bin einfach gl\u00fccklicher, keine toten Tiere mehr zu essen. Ich wei\u00df, es gibt Leute, die sagen, dass es falsch ist Karotten zu essen, weil das auch Lebewesen sind, aber ich denke, man muss irgendwo eine Grenze ziehen.<\/p>\n<p>Sicherlich gibt es heute wesentlich mehr Vegetarier als fr\u00fcher. Es gilt nicht mehr als verschroben. In der Hippie-\u00c4ra der 60er Jahre gab es sehr viele Leute, die kein Fleisch mehr a\u00dfen, aber man muss jetzt kein Hippie mehr sein, um eine gute, gesunde Ern\u00e4hrung zu bevorzugen. Ganz normale Leute beginnen, Vollkornmehl, Vollkornbrot und Naturreis zu essen. Wei\u00dfbrot schmeckt sowieso grauenhaft. Ich backe gerne mein eigenes Brot, wenn ich Zeit habe. Es gibt mir das Gef\u00fchl, etwas zu tun, was Menschen tun sollten. Es ist einfach sch\u00f6n, solche urspr\u00fcnglichen, grundlegenden Dinge in unserem technologisierten Zeitalter zu tun, obwohl ich denke, dass es f\u00fcr uns alle praktisch undurchf\u00fchrbar w\u00e4re, zu einer nat\u00fcrlichen Lebensweise zur\u00fcckzukehren. Es w\u00fcrde ein v\u00f6lliges Chaos verursachen, wenn wir das versuchten. Manchmal aber w\u00fcnsche ich mir, in einem Haus am Meer zu leben und genug Zeit daf\u00fcr zu haben, mein eigenes Gem\u00fcse zu ziehen. Man bekommt dann einfach eine ganz andere, tiefere Beziehung zu dem, was man isst. Wenn wir dazu bereit w\u00e4ren, auf die Jagd zu gehen um selbst unser Wild zu erlegen, w\u00e4ren wir, so glaube ich, dazu berechtigt, sie zu essen, aber nur auf diese Weise.<\/p>\n<p>Mir ist sehr wohl bewusst, dass man als Vegetarier mehr tun muss als einfach nur auf Fleisch zu verzichten. Man muss sehr aufmerksam sein, denn es gibt sehr viele tierische Produkte in allen m\u00f6glichen Lebensmitteln, z.B. in Gelatine. Ich gebe zu, dass ich Lederschuhe trage, was ich wirklich nicht tun sollte. Ich versuche aber, ein Paar f\u00fcnf oder sechs Jahre lang zu tragen. Ich besitze keinen Pelzmantel. Als ich in der Schweiz war, wurde ich in einem fotografiert. Das hat mir jede Menge b\u00f6ser Briefe von ver\u00e4rgerten Fans eingebracht, die mir die Meinung gesagt haben. Ich musste richtig stellen, dass es nur ein Mantel war, den mir jemand f\u00fcr die Fotos geliehen hatte. Es freut mich aber, dass die Leute, die meine Platten kaufen, sich meiner Ansichten bewusst sind und dass sie auch dazu bereit sind, mir zu sagen, was sie denken. Ich bereue es sicher nicht, das Fleischessen aufgegeben zu haben, weil ich daran glaube, dass Tiere dasselbe Recht auf Leben haben, wie ich selbst.\u00a0\u00a0 <strong>KATE BUSH<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Der Geheime Garten<\/h2>\n<p>17.2.2013<\/p>\n<p>Genau heute vor 35 Jahren ist &#8222;The Kick Inside&#8220;, das erste Album von Kate Bush, ver\u00f6ffentlicht worden. Gedanken zum Album von <strong>Beate Meiswinkel<\/strong>.<\/p>\n<p>Mit ihrer Debut-Single &#8222;Wuthering Heights&#8220; gelang Kate Bush ein \u00dcberraschungserfolg, der von einem ersten Platz in den englischen Single-Charts gekr\u00f6nt wurde. Die \u00d6ffentlichkeit hob interessiert den Kopf: Wer war die attraktive junge Dame, die mit der Vertonung des Emily Bront\u00eb Klassikers f\u00fcr Aufsehen sorgte, die mit ihrer unerh\u00f6rten Stimme, ihren grazilen Bewegungen und einer Mimik, die ihresgleichen suchte, vollkommen aus dem Rahmen fiel? Nein, jemanden wie Kate Bush hatte man noch nicht gesehen oder geh\u00f6rt, und die Erwartungen an ein erstes Album waren hoch. Als &#8222;The Kick Inside&#8220; am 17. Februar 1978 erschien, kann man sich r\u00fcckwirkend nur ungef\u00e4hr vorstel\u00adlen, was das Publikum damals erwartet hatte \u2013 sicherlich jedoch nicht die Einladung in jenen geheimen Garten einer K\u00fcnstlerin, die damals noch weit mehr das M\u00e4dchen Cathy als der international anerkannte Popstar Kate Bush war. Wer die anr\u00fchrenden Fotografien ihres Bruders John Carder Bush kennt, bekommt eine Vorstellung von der famili\u00e4ren Geborgenheit, in der dieser Garten angelegt wurde. Sch\u00fcchtern bittet die inzwischen erbl\u00fchte Kate ihre Zuh\u00f6rer herein, um bei einer Tasse Tee gemeinsam \u00fcber Gott und die Welt zu philosophieren. Und mit dem unverbr\u00e4mten Idealismus der Jugend, den die Gl\u00fccklichsten von uns sich zeitlebens bewahren, sind in Cathys Musik und Poesie vertrauliche, ja intime Dialoge m\u00f6glich, wie sie nur zwischen sehr engen Freunden in einem gesch\u00fctzten Raum entstehen k\u00f6nnen. Hier kann alles benannt und thematisiert werden, was wirklich z\u00e4hlt. Dinge, die man im sp\u00e4teren Leben durch Desillusionierung, Werteverschiebung, Kompromisse-Eingehen, Mutlosigkeit, der Jagd nach immer mehr, Erfolgsdruck, Zeitmangel und andere moderne Untugenden so leicht aus den Augen verliert, w\u00e4hrend einen die innere Sehnsucht danach zerrei\u00dft. Vielleicht tut es deshalb ab und zu ganz gut, einmal zur\u00fcckzublicken \u2013 35 Jahre in die Vergangenheit. Zur\u00fcck in die eigene Kindheit und Jugend, und zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen einer inzwischen ebenfalls viel abgekl\u00e4rteren K\u00fcnstlerin, die ihr Leben wahrscheinlich auch nicht frei von pers\u00f6nlichen Abstrichen f\u00fchren kann. In unseren Anf\u00e4ngen war einfach vieles anders. Wir haben uns weiterentwickelt, und darauf d\u00fcrfen wir stolz sein. Doch ein Blick zur\u00fcck in die Tage der Unschuld, vielleicht \u00fcber die ebenso kompromisslos idealistischen K\u00f6pfe unserer eigenen Kinder hinweg, kann das innere Schatzk\u00e4stlein unserer Seele \u00f6ffnen.<\/p>\n<h2><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1152\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/tiefe.gif\" alt=\"tiefe\" width=\"620\" height=\"50\" \/><\/a><\/h2>\n<h2>Unter Eis<\/h2>\n<p>Die Welt ist wei\u00df und still<br \/>\n(weil alles schlafen will)<br \/>\nErstarrt in Eis ruht auch der Fluss<br \/>\nGebannt von Winters tiefem Kuss<\/p>\n<p>Und auch im Wald herrscht tiefe Ruh<br \/>\nEisl\u00e4uferin, mit deinem Schlittschuh<br \/>\nZerschneidest du allein das Schweigen<br \/>\nWerden im Eis sich Risse zeigen?<\/p>\n<p>Ach wo, es wird das Eis schon halten<br \/>\nWo Winters harsche Kr\u00e4fte walten<br \/>\nDa kann ich tanzen, Pirouetten dreh&#8217;n<br \/>\nUnd meine Kufen Eis spucken seh\u2019n<\/p>\n<p>Nur horch, was ist das f\u00fcr ein Laut?<br \/>\nEin Knacken, Krachen, als wenn es taut?<br \/>\nAch nein, das Eis, es wird nicht brechen<br \/>\nV\u00e4terchen Frost h\u00e4lt sein Versprechen<\/p>\n<p>Doch nun h\u00f6r ich ein leises Klagen<br \/>\nDas weckt in mir das Unbehagen<br \/>\nAus eis\u2018ger Tiefe dies Weinen dringt<br \/>\nDie Stimme, die mich zum Schaudern bringt<\/p>\n<p>Zu gut kenne ich ihren Klang<br \/>\nWeil oft sie in den Schlaf mich sang<br \/>\nMit einer Melodie aus Schmerz<br \/>\nErgriff sie heimt\u00fcckisch mein Herz<\/p>\n<p>Ein Schatten naht nun unter Eis<br \/>\nEingeschlossen, wo ich ihn sicher wei\u00df<br \/>\nSeinen Ausbruch lass ich nimmer zu<br \/>\n\u201eHilf mir!\u201c, ruft er, \u201cDenn ich bin du!\u201c<\/p>\n<p>Die Eisschicht aber ist fest und h\u00e4lt<br \/>\nDen Schatten raus aus meiner heilen Welt<br \/>\nEingeschlossen, wo ich dich sicher wei\u00df<br \/>\nBleibst Schattenselbst, du unter Eis<\/p>\n<p><strong>Beate Meiswinkel im Dezember 2012<\/strong><br \/>\n<em>(inspiriert von Under Ice von Kate Bush)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mai 1994 reiste eine kleine Gruppe deutscher Fans nach London, um die Kate Bush Convention im Hippodrome zu besuchen. 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