{"id":761,"date":"2013-07-05T07:15:18","date_gmt":"2013-07-05T05:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=761"},"modified":"2017-07-23T09:41:06","modified_gmt":"2017-07-23T07:41:06","slug":"funf-minuten-die-dem-buch-naher-kommen-als-jeder-film","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=761","title":{"rendered":"&#8222;F\u00fcnf Minuten, die dem Buch n\u00e4her kommen als jeder Film&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_762\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=762\" rel=\"attachment wp-att-762\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-762\" class=\"size-full wp-image-762\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/GG-1.jpg\" alt=\"Der gro\u00dfe Gatsby\" width=\"620\" height=\"378\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/GG-1.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/GG-1-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-762\" class=\"wp-caption-text\">Filmszene aus &#8222;Der gro\u00dfe Gatsby&#8220;. \u00a9 Warner Bros. Pictures<\/p><\/div>\n<p>Zugegeben: Um von Leonardo DiCaprio auf Kate Bush zu kommen, ist es mehr als nur ein einzelner Gedankensprung. Anl\u00e4sslich seines neuen Films \u201eDer gro\u00dfe Gatsby\u201c hat Steve Erickson f\u00fcr das Los Angeles Magazine die Historie aufgezeigt, wie Hollywood versucht, Literatur f\u00fcr eigene Erfolge zu nutzen. Und das immer wieder aufs Neue und mit ganz unterschiedlichem Erfolg. Seine Kernthese: W\u00e4hrend wir beim Lesen eines Buches Vorstellungen entwickeln, die wir Wort f\u00fcr Wort anhand des Textes \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen, kann uns das Kino nur einzelne Bilder anbieten. Ergo kann es beim Betrachter zum Konflikt zwischen Film und Buch kommen. Zumal bei jeder Neuverfilmung eines klassischen Stoffes ein neuer Aspekt gefunden werden muss, eine andere Darstellungsform oder noch \u00fcberzeugendere Schauspieler. Das, so Erickson, gelte f\u00fcr Gatsby (f\u00fcnf Mal verfilmt) von F. Scott Fitzgerald ebenso wie f\u00fcr Filme wie The Wizard of Oz oder Anna Karenina. Und bei letzterem suchen Regisseure so verzweifelt nach neuen Aspekten, w\u00e4hrend sie eigentlich eine bessere Schauspielerin als Greta Garbo finden m\u00fcssten (was nat\u00fcrlich unm\u00f6glich ist). Spannend wird es, wenn Erickson sich Emily Bront\u00eb\u2018s Wuthering Heights \u2013 immerhin sechs Mal verfilmt &#8211; widmet. \u201eJeder Regisseur schien sich voll im Klaren \u00fcber die Fehler seiner Vorg\u00e4nger zu sein und alle waren sich einig, dass der gr\u00f6\u00dfte Murks der 1939er Filmhit von Laurence Olivier war, der eine Geschichte von monstr\u00f6ser Besessenheit in eine romantische Liebesgeschichte verwandelt hat und da endete, wo Bront\u00eb erst anfing\u201c, schreibt Erickson. \u201eBront\u00eb st\u00fcrzte ihre Geschichte in eine Innerlichkeit, schw\u00e4rzer als das, was ein Film \u00fcberhaupt darstellen kann, mit einem Heathcliff, der entschlossen war, die Welt f\u00fcr den Verlust seiner Liebe zu bestrafen.\u201c Dann kommt Steve Erickson zu folgender Erkenntnis: \u201eDann kam in den 70er Jahren eine 18-j\u00e4hige Kind-Frau namens Kate Bush. Man sp\u00fcrte sofort, dass sie von Cathy, die dem Untergang geweiht war, besessen war und zudem noch eher wie sie aussah als Merle Oberon oder Juliette Binoche es im Film jemals taten, und die den wilden und gnadenlosen Strudel der Bront\u00eb-Erz\u00e4hlung in einem f\u00fcnf Minuten langen Song destillierte, der dem Buch n\u00e4her kam als jeder Film.\u201c Vielleicht, weil manchmal Musik Gef\u00fchle besser ausdr\u00fccken kann als gestellte Bilder und zudem bei Romanvorlagen den Bildern im Kopf n\u00e4her kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben: Um von Leonardo DiCaprio auf Kate Bush zu kommen, ist es mehr als nur ein einzelner Gedankensprung. Anl\u00e4sslich seines neuen Films \u201eDer gro\u00dfe Gatsby\u201c hat Steve Erickson f\u00fcr das Los Angeles Magazine die Historie aufgezeigt, wie Hollywood versucht, Literatur f\u00fcr eigene Erfolge zu nutzen. 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