{"id":7191,"date":"2025-08-02T14:35:50","date_gmt":"2025-08-02T12:35:50","guid":{"rendered":"https:\/\/morningfog.de\/?p=7191"},"modified":"2025-08-02T14:35:51","modified_gmt":"2025-08-02T12:35:51","slug":"das-song-abc-prelude","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=7191","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Prelude"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"95\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2606\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/prelude_aerial640.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"633\" src=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/prelude_aerial640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7192\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/prelude_aerial640.jpg 640w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/prelude_aerial640-300x297.jpg 300w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/prelude_aerial640-605x598.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist selten, dass ein anderthalb Minuten langes Musikst\u00fcck, minimalistisch in seiner Gestaltung, die Stimmung eines ganzen darauffolgenden Albums in sich enth\u00e4lt, sie vorwegnimmt. <em>Prelude<\/em> schafft das f\u00fcr den zweiten Teil von <em>Aerial<\/em> aus dem Jahr 2005, die Suite <em>A Sky of Honey<\/em>.\u00a0<br>Ein durchgehender, schimmernder Akkordteppich bestimmt das St\u00fcck, schwebend, mit ganz leichten Ver\u00e4nderungen. Es ist, als ob zartes, flimmerndes Licht \u00fcber einer ganz ruhigen, intimen Szenerie liegt. Dazu erklingt eine Amsel im Hintergrund. Eine fast geheimnisvolle Stimmung wird aufgebaut, es ist die Stimmung eines lichtdurchfluteten Sommermorgens. Ringeltauben rufen, das Klavier nimmt den Rhythmus des Taubengesangs auf. Man k\u00f6nnte dazu <em>A Sky of Honey<\/em> singen, das hat den gleichen Rhythmus. Dann setzt die Kinderstimme von Kate Bushs Sohn Bertie ein, er spricht leise einige Worte: \u201eMummy\u2026 Daddy\u2026 The day is full of birds. Sounds like they\u2019re saying words\u201c. Der Taubenruf wandelt sich dabei ganz allm\u00e4hlich, es ist so als ob dahinter Worte, Bedeutungen aufscheinen. Aber dieser Text ist nur zu ahnen, er ist nicht richtig zu verstehen. F\u00fcr mich klingt es nach vielfachem H\u00f6ren wie \u201eYou could talk to me\u201c, aber ich w\u00fcrde mich darauf nicht festlegen lassen. Die Klaviermelodie wird immer bewegter, beschwingter und <em>Prelude<\/em> geht in das n\u00e4chste St\u00fcck \u00fcber, in <em>Prologue<\/em>. Hier nimmt Kate die scheinbar naive Aussage aus \u201eKindermund\u201c mit einem \u201eWe\u2019re gonna laughing about this\u201c auf und interpretiert sie auf ihre Weise. Was sagen uns die V\u00f6gel mit ihrem Gesang? Das ist die zentrale Frage dieser Suite.\u00a0<br>\u201eHammer Horror\u201c sagt es zu <em>Prelude<\/em> auf [1] kurz und zutreffend: \u201eIt is amazing how she manages with just a simple tune to give you such a deep feeling of beauty\u201c. Der Titel <em>Prelude<\/em> enth\u00fcllt schon die Bestimmung des St\u00fcckes. Ein Pr\u00e4ludium in der klassischen Musik ist ein Einleitungsst\u00fcck, das in \u201eVerbindung mit einer Fuge, Suite, aber auch einer Oper, Motette oder einem Choral auf die Hauptkomposition hinf\u00fchren soll\u201c [2]. \u201eDie Kombination &#8218;Pr\u00e4ludium und Fuge&#8216; hat als erster konsequent Bach in seinen Orgelwerken eingef\u00fchrt. Im 19. Jahrhundert bildet es als &#8218;Pr\u00e9lude&#8216; ein selbstst\u00e4ndiges Instrumentalst\u00fcck vor allem f\u00fcr Klavier (Chopin, Debussy)\u201c [2]. Schon der Name sagt es: Das was folgt geh\u00f6rt nicht mehr nur zur Popmusik, es geh\u00f6rt auch zur klassischen Musik. Der Titel dieses Einleitungsst\u00fccks ist ein klares Statement.\u00a0<br>Musikalisch bereitet <em>Prelude<\/em> auf die folgende Suite vor. Es steht in cis-Moll. Dies ist nach Beckh [3] die Sehnsuchtstonart der klassischen Musik. Bei Beckh finden sich viele Hinweise, wie diese Tonart interpretiert werden kann. Diese Beschreibung gibt genau die Stimmung von <em>Prelude<\/em> wieder. Cis-Moll ist eine warme Tonart voller Schwermut, die in unserem Herzen die verborgenen Quellen der Sehnsucht \u00f6ffnet. Etwas von der leuchtenden Sch\u00f6nheit der parallelen Dur-Tonart E-Dur gie\u00dft sich auch \u00fcber cis-Moll aus, anstatt Sonnenlicht ist es das sanftere Licht des Mondscheins. Cis-Moll ist in h\u00f6chstem Ma\u00dfe eine romantische Tonart. Nocturnes von Chopin stehen in dieser Tonart, ebenso die Mondscheinsonate von Beethoven.\u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/bertie-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"337\" src=\"https:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/bertie-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7194\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/bertie-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/bertie-400-300x253.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prelude<\/em> steht in cis-Moll, diese Tonart mit ihren vier Kreuzen und stimmungs\u00e4hnliche Kreuztonarten finden sich dann in der ganzen Suite <em>A Sky of Honey<\/em> wieder. Auff\u00e4llig ist die alleinige Verwendung dieser Tonarten dort. Nie bisher hat es bei Kate Bush eine solche Konzentration in der Verwendung stimmungsverwandter Tonarten gegeben. Alle Tonarten der Sky-Seite mit ihren mindestens vier Kreuzen geh\u00f6ren zu den warmen, hochromantischen und mystischen Tonarten, die nach Beckh den Nachmittag, die Sonne, die W\u00e4rme und die D\u00e4mmerung symbolisieren. Allein schon die Tonarten bilden ein Band, das alle Teile der Suite miteinander verbindet, beginnend mit <em>Prelude<\/em>.\u00a0Auch inhaltlich ist <em>Prelude<\/em> mit den St\u00fccken der Suite eng verwoben, denn <em>A Sky of Honey<\/em> \u201ewandert mit seinen neun aufeinander abgestimmten Musikst\u00fccken einmal durch Tag und Nacht, wobei uns immer wieder das wechselnde Licht und Vogelstimmen begegnen\u201c [4]. Alles beginnt mit dem lichtdurchfluteten Morgen, mit Vogelstimmen und der Frage, was diese Vogelstimmen uns sagen wollen. Antworten darauf gibt Kate Bush in den weiteren St\u00fccken.\u00a0Der ausl\u00f6sende Vogelruf ist dabei der der Ringeltaube. Die Taube hat vielf\u00e4ltige symbolische Bedeutung, ist in der christlich gepr\u00e4gten Welt aber immer mit Reinheit und mit Gott verbunden. \u201eDie Tauben sind rein und ohne Nebenabsichten. So eignen sie sich als bildhafter Ausdruck f\u00fcr den reinen Geist Gottes, der uns mit Gottes Liebe erf\u00fcllt und uns innerlich reinigt von allem, was unser wahres Bild beschmutzen m\u00f6chte\u201c [5]. Folgerichtig sprechen in <em>Prelude<\/em> die Tauben mit einem Kind, Unschuld spricht mit Unschuld, daraus entspringt alles Leben.\u00a0<br>Prelude ist einfach, sch\u00f6n, bezaubernd. Kate Bush bringt uns zur Ruhe und stimmt uns ein auf die darauffolgenden Songs. Unser Empfinden schwingt sich so ein auf die Stimmung von <em>A Sky of Honey<\/em>, wir sind bereit zum F\u00fchlen. Der mit <em>Prelude<\/em> gepflanzte Samen kann sich entfalten.\u00a0\u00a9\u00a0<strong>Achim\/aHAJ<\/strong><br>[1] <a href=\"https:\/\/www.tapatalk.com\/groups\/thehomegroundandkatebushnewsandinfoforum\/prelude-t501.html\">https:\/\/www.tapatalk.com\/groups\/thehomegroundandkatebushnewsandinfoforum\/prelude-t501.html<\/a> (gelesen 30.07.2025)<br>[2] <a href=\"http:\/\/www.klassik-heute.de\/4daction\/www_infothek_lexikon_einzeln\/253\">http:\/\/www.klassik-heute.de\/4daction\/www_infothek_lexikon_einzeln\/253<\/a> (gelesen 30.07.2025)<br>[3] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner; Stuttgart 1999. S.268<br>[4] <a href=\"https:\/\/prlbr.de\/2017\/kate\/prelude\/\">https:\/\/prlbr.de\/2017\/kate\/prelude\/<\/a> (30.07.2025)<br>[5] <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/el\/hefte\/archiv\/2015\/6-2015\/die-taube-symbol-fuer-heiliges\/\">https:\/\/www.herder.de\/el\/hefte\/archiv\/2015\/6-2015\/die-taube-symbol-fuer-heiliges\/<\/a> (gelesen 30.07.2025)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist selten, dass ein anderthalb Minuten langes Musikst\u00fcck, minimalistisch in seiner Gestaltung, die Stimmung eines ganzen darauffolgenden Albums in sich enth\u00e4lt, sie vorwegnimmt. Prelude schafft das f\u00fcr den zweiten Teil von Aerial aus dem Jahr 2005, die Suite A Sky of Honey.\u00a0Ein durchgehender, schimmernder Akkordteppich bestimmt das St\u00fcck, schwebend, mit ganz leichten Ver\u00e4nderungen. 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