{"id":6921,"date":"2023-08-13T10:05:42","date_gmt":"2023-08-13T08:05:42","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6921"},"modified":"2023-08-13T10:05:44","modified_gmt":"2023-08-13T08:05:44","slug":"das-song-abc-nocturn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6921","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Nocturn"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"95\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2606\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/10659215_758075240920646_8511739601005380060_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"426\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/10659215_758075240920646_8511739601005380060_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6922\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/10659215_758075240920646_8511739601005380060_n.jpg 640w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/10659215_758075240920646_8511739601005380060_n-300x200.jpg 300w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/10659215_758075240920646_8511739601005380060_n-605x403.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesem Song n\u00e4here ich mich mit einer gewissen Scheu. Ich mag ihn sehr, aber er ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Geheimnis, ein Mysterium. Es f\u00e4llt mir schwer, in ihn hineinzugehen und ihn zu analysieren. F\u00fcr mich ist er einer der sch\u00f6nsten und bewegendsten Songs von Kate Bush. Wenn ich ihn h\u00f6re, dann will ich einfach nur eintauchen und nicht \u00fcber ihn nachdenken.<br>\u201eNocturn\u201c ist der hypnotische H\u00f6hepunkt der Suite \u201eA Sky Of Honey\u201c, die das Doppelalbum \u201eAerial\u201c beschlie\u00dft. Oft wird darauf hingewiesen, dass diese Suite ein Analogon zur \u201eThe Ninth Wave\u201c-Suite des Albums \u201eHounds of Love\u201c ist. Dort ist das ebenso hypnotische \u201eHello Earth\u201c das vorletzte St\u00fcck und f\u00fchrt zu einer Art Erl\u00f6sung, genauso verh\u00e4lt es sich mit \u201eNocturn\u201c. Der Song ist der gro\u00dfe Ruhepol, das Abtauchen in eine mystische Tiefendimension. Wie \u201eHello Earth\u201c f\u00fchrt er zum letzten Lied der Suite, zur\u00fcck in die Realit\u00e4t oder in eine andere Wirklichkeit. Der Name des Songs sagt es schon: \u201eNocturn\u201c ist ein gro\u00dfes Nachtlied, ein Mondscheinlied der Sehnsucht. Es ist ein cis-Moll-Nocturne, wie es auch schon Chopin geschaffen hat. In der Schlusssteigerung wandelt es sich in reinen Jubel, in \u00fcberirdisches Entz\u00fccken beim \u00dcbergang von Nacht zu Tag. Anders als \u201eHello Earth\u201c ist das Lied selbst eine Reise aus der Dunkelheit ins Licht.<br>Im Booklet hierzu wird die blaue Nacht dargestellt, die nach rechts so heller wird, so als ob dort der Morgen kommt. Wasser ist zu sehen, Sterne und V\u00f6gel, ein Mensch als Vogel verkleidet. Nur hier im Booklet der Sky-Seite taucht ein Mensch auf, er erscheint aber wie in einen Vogel verwandelt. Beschreibt dieses Lied eine Metamorphose, eine Verwandlung des Menschen? Text und Musik geben hierzu Antworten.<br>Zu Beginn von &#8222;Nocturn\u201d wird ganz leise ein Text gehaucht: \u201eSweet Dreams\u201d. Das signalisiert, dass es um so etwas wie eine hypnotische Traumsequenz geht. Der Mensch im Einklang mit der Natur (der Mensch verwandelt in einen Vogel) ist nur im Traum m\u00f6glich. Das n\u00e4chtliche Licht wird dann in all seinen Facetten (Mondlicht, Sternenlicht wie Diamantenstaub) beschrieben. Das Lied kulminiert im Sonnenaufgang (\u201cLook at the light , all the time it\u2019s a changing \/ Look at the light, climbing up the aerial\u201d), im Aufwachen (\u201cand all the dreamers are waking\u201d) und im Ausschwingen in das letzte Lied der Suite, in \u201cAerial\u201d. Der Text beschreibt die Reise einer Gruppe von Menschen ans n\u00e4chtliche Meer, weg von der Stadt mit ihrem Trubel, ihrer Hektik. Im Licht der Sterne baden sie im Meer, lassen sich von der Natur gefangen nehmen. Immer tiefer tauchen sie hinab. Den Sonnenaufgang erleben sie wie eine g\u00f6ttliche Erscheinung, es ist wie das Werden einer neuen Welt. Es ist nicht klar, ob das nicht nur ein Traum der Protagonistin ist: Im Booklet findet sich an einer Stelle \u201eCould be in a dream\u201c, in der Partitur [1] dagegen \u201eCould be in my dream\u201c.<br>Der Song ist musikalisch au\u00dferordentlich komplex, obwohl er so einfach erscheint. In meiner Analyse beziehe ich mich auf die Partitur aus dem Aerial-Songbook [1]. Der Takt ist ein 4\/4-Takt mit einigen, kleineren Brechungen (2\/4, 6\/4). Aber diese scheinbare Regelm\u00e4\u00dfigkeit wird subtil unterlaufen. Rhythmische Aufbrechungen und sich \u00fcberlagernde rhythmische Muster bringen den Takt immer wieder zum Schweben. Die Tonart ist ein cis-Moll. Cis-Moll ist nach Beckh [2] die Sehnsuchtstonart der klassischen Musik. Es ist eine warme Tonart voller Schwermut. Sie \u00f6ffnet in unserem Herzen die verborgenen Quellen der Sehnsucht. Etwas von der leuchtenden Sch\u00f6nheit der parallelen Dur-Tonart E-Dur gie\u00dft sich auch \u00fcber cis-Moll aus, anstatt Sonnenlicht ist es das sanftere Licht des Mondscheins. Cis-Moll ist in h\u00f6chstem Ma\u00dfe eine romantische Tonart. Nocturnes von Chopin stehen in dieser Tonart, ebenso die Mondscheinsonate von Beethoven. Alle Bedeutungsnuancen gem\u00e4\u00df Beckh finden sich idealtypisch in \u201eNocturn\u201c wieder.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/renong.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"749\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/renong.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6923\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/renong.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/renong-160x300.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hauptakkorde sind cis-Moll, A-Dur und H-Dur, ganz selten kommen einige Farbt\u00f6ne dazu. Der Eindruck ist schwebend, es klingt nicht wie ein reines Moll. Das liegt daran, dass die Akkorde A-Dur und H-Dur Subdominante und Dominante der Dur-Parallele zu cis-Moll sind. Die Akkordfolge schwingt dadurch zwischen Moll und Dur hin und her. Die Akkordfolge cis-Moll &#8211; A-Dur &#8211; H-Dur wird bis Takt 52 strikt durchgehalten, der letzte H-Dur-Akkord erscheint auf \u201eSomething\u201c in \u201eJust as something more. Dann gibt es keinen H-Dur-Akkord mehr bis zum Takt 156 \u201eand all the dreamers are waking\u201c. Hier erscheint der H-Dur-Akkord auf dem letzten Viertel des 2\/4-Taktes, hier rein instrumental. Dann folgt der \u00dcbergang zu cis-Moll und zur Charakteristik von \u201eAerial\u201c. \u00dcber hundert Takte wird diese Erl\u00f6sung durch den H-Dur-Akkord herausgez\u00f6gert. Dieses lange Vermeiden des dominantischen Akkords bedarf nat\u00fcrlich einer Erkl\u00e4rung. Dazu ist es n\u00f6tig, sich die Bedeutungen der Akkorde A-Dur und H-Dur und der durch sie angedeuteten Tonarten anzuschauen.A-Dur, das sind nach Beckh [2] \u201edie lichten H\u00f6hen\u201c. Charakteristisch ist der dieser Tonart innewohnende Niederstieg von den H\u00f6hen des \u00dcberirdischen zu den Tiefen des Irdischen. H-Dur ist nach Beckh [2] die Sonnenuntergangstonart. H-Dur ist nicht mehr ganz im Irdischen, es enth\u00e4lt einen verkl\u00e4rten Nachglanz dieses Irdischen und damit zugleich die Vorahnung des Hin\u00fcbergehens. H-Dur ist die \u00e4therische, \u00fcberirdische Tonart der Verkl\u00e4rung. Wagners Liebestoddrama &#8222;Tristan und Isolde&#8220; wird z.B. von dieser Tonart bestimmt. Diese hoch \u00fcber dem Irdischen liegende Tonart wird nur verwendet, wenn man damit etwas ganz Bedeutsames ausdr\u00fccken will.<br>Folgt man diesen Tonartenbedeutungen, dann ist klar zu sehen, was in \u201eNocturn\u201c musikalisch geschieht. Die Musik weicht aus dem sehnsuchtsvollen, romantischen cis-Moll des Traums und der Nacht aus, strebt nach H\u00f6herem, nach Verkl\u00e4rung, nach Erl\u00f6sung. Ist der H-Dur-Akkord der Erl\u00f6sung zu Beginn noch pr\u00e4sent (eine Verhei\u00dfung?), so fehlt es dann den ganzen Rest des Songs, bis es am \u00dcbergang zu \u201eAerial\u201c wieder erscheint. Dieses letzte Lied \u201eAerial\u201c ist die andere Welt, die verhei\u00dfene, \u00fcberirdische Welt und dieser letzte H-Dur-Akkord signalisiert den \u00dcbergang. Das Ziel ist erreicht.  Auch in der musikalischen Gestaltung der einzelnen Abschnitte des Songs findet sich dieser Gegensatz von realer Welt und der anderen Welt wieder. \u201eNocturn\u201c ist musikalisch in sieben Abschnitte gegliedert, die sich klar voneinander abgrenzen lassen. Das klingt beim H\u00f6ren alles ganz leicht und wie selbstverst\u00e4ndlich, ist aber in sich sehr komplex. In der Beschreibung muss ich daher ein bisschen ausholen. Eine meisterliche Komponistin ist am Werk!<br>\u201eOn this Midsummer night \/ Everyone is sleeping \/ We go driving \/ Into the moonlight\u201c: Teil 1 bildet mit diesem Vers 1 eine Art Einleitung zum Song in den Takten 1 bis 16, die Partituranweisung ist ein \u201eArhythmic and ethereal\u201c. Der Abschnitt beschreibt die Eingangssituation des Songs: die n\u00e4chtliche Fahrt ans Meer. Die Melodie wird durch\u00a0 ruhige Akkorde in ganzen Noten begleitet, der tr\u00e4umerische, ruhige Eindruck wird dadurch verst\u00e4rkt. Sehr viel der gesamten Melodik ist vom Sekundschritt abgeleitet. Sehr ungew\u00f6hnlich (und damals neu) f\u00fcr Kate Bush ist die melismatische Sekundwechselfolge zum Beispiel zu \u201eon this midsummer night\u201c mit ihrem charakteristischen Wechsel Cis-H f\u00fcnffach wiederholt auf \u201esummer night\u201c.<br>Teil 2 (Chorus 1) erstreckt sich von Takt 17 bis Takt 32, er beginnt mit \u201eCould be in a dream\u201c. Das ist nun eine ganz andere Welt. Die langen Akkorde der Einleitung setzen sich fort, es dominiert jetzt aber ein ganz charakteristischer Rhythmus (ich nenne es \u201eMuster A\u201c) mit einer Schwerpunktverschiebung im dritten Viertel des Takts. Die Musik beginnt gegen\u00fcber dem Takt zu schweben. Der Text beschreibt das Hineingehen in das Meer, beschreibt das n\u00e4chtliche Meer, es klingt entr\u00fcckt, wie ein Traum. Es gibt keinen H-Dur-Akkord in diesem Abschnitt. Ist das also alles in dieser Welt?<br>Teil 3 (Vers 2) erstreckt sich von Takt 33 bis 60, es beginnt mit \u201eWe tired of the city\u201c und endet mit \u201ejust as something more\u201c. Auf diesem schlie\u00dfenden \u201emore\u201c singt die Singstimme das H in einem ganz lange ausgehaltenen Ton. H &#8211; das ist das \u201emore\u201c gegen\u00fcber der realen Welt. In diesem Abschnitt kommt wieder der H-Dur-Akkord vor, aber nur vor diesem \u201emore\u201c. Die Sekundwechselfolge ist nun mit triolischen Aufbrechungen durchsetzt. Ein bewegter, emotionaler Eindruck entsteht so, die Musik ist eindeutig heraus aus dem normalen Takt. Der neue Rhythmus (\u201eMuster B\u201c) ist nun gegen den Takt verschoben. Im Text geht es um die Sehnsucht, die Suche nach Erl\u00f6sung, die Unzufriedenheit mit der Situation. Alles in der musikalischen Umsetzung spiegelt das wieder.<br>Teil 4 (Chorus1 + Chorus2) geht von Takt 61 bis 76, er wird einmal wiederholt. Er beginnt mit \u201eCould be in a dream\u201c und endet mit \u201ewe swim further and further\u201c. Wieder gibt es keinen H-Dur-Akkord. Der Rhythmus ist das Muster A, die Gesangsmelodie nimmt manchmal kleine Teile des Musters A auf. Die langen Akkorde der Einleitung sind auch wieder da. Ab dem letzten Takt dieses Abschnitts beginnen sie sich aufzul\u00f6sen. Es entsteht ein rhythmisches Muster C im Wechsel mit den ganzen Noten des Beginns. Die Realit\u00e4t beginnt sich zu verwandeln, je l\u00e4nger die Protagonisten im Sternenlicht schwimmen. Auch die Singstimme von Kate Bush wird durch Kate Bush im Chor gedoppelt, mehrere Welten scheinen sich aufzutun, die klare Sicht scheint zu verschwimmen.<br>Im Teil 5 von Takt 77 bis 108 wandelt sich die Welt endg\u00fcltig, w\u00e4hrend die Protagonisten in die Tiefe des Meeres hineintauchen. Teil 5 beginnt mit dem Ende des Chorus (\u201ewe dive down\u201c), umfasst zwei Br\u00fcckenpassagen im Text und endet mit \u201eCould be in my dream\u201c. Der Rhythmus ist das Muster A, das sich ab \u201ea diamond night\u201c leicht zu ver\u00e4ndern beginnt, aber im Taktschema bleibt. Auch das Muster C im Wechsel mit den ganzen Noten beginnt sich subtil zu ver\u00e4ndern, es beginnt zu \u201eschimmern\u201c. Es gibt immer noch keinen H-Dur-Akkord, aber musikalisch wird ganz vorsichtig an H-Dur \u201eangeklopft\u201c. Im instrumentalen Teil vor \u201ea diamond night\u201c kommt n\u00e4mlich der Ton ais in den Akkorden hinzu, der Leitton zu H-Dur. Im Text tauchen die Schwimmer im Meer immer tiefer hinab in die Tiefe. Aber im Gegensatz zum passiven Versinken in \u201eHello Earth\u201c zur geheimnisvollen Textzeile \u201eTiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht\u201c ist das hier ein aktives Herabtauchen, ein aktives Streben nach dem \u00fcberirdischen Licht. Es folgt ein instrumentaler Break bis Takt 110, ein \u201eInterlude\u201c, das f\u00fcnffach wiederholt wird. Das Geschehen klingt aus, etwas Neues passiert ab jetzt in den Teilen 6 und 7. Das ais in den Akkorden ruft nach H-Dur, nach Erl\u00f6sung.<br>Teil 6 geht von Takt 111 bis 138, er beginnt mit \u201eAnd it come up the horizon\u201c. Das Muster A bildet die durchgehende Begleitung. Im ersten instrumentalen Break hinter \u201ehorizon\u201c (4 Takte) kommt parallel zum Muster A ein vom Muster B abgeleitetes, verschobenes Muster B* dazu. Endlich treffen die beiden Welten aufeinander. Das ist ein Moment gro\u00dfer Emotionalit\u00e4t, eine Art Herzstocken. Im zweiten Abschnitt (ab \u201ea sea of honey\u201c) in den Takten 130 &#8211; 138 wechselt das Muster B* in ein Muster D aus vier Viertelnoten, pulsierend, auftrumpfend &#8211; das nimmt die rhythmische Welt des folgenden Songs \u201eAerial\u201c vorweg.<br>Teil 7 (Takt 139 bis 158) ist dann der Kulminationspunkt. Der Chor kommt hinzu, \u201eLook at the light\u201c. Ab \u201ea changing\u201c findet sich immer der Ton ais in der Begleitung, der Leitton zu H-Dur. Der Ton ais k\u00fcndigt den Wandel an. Das Muster A wird zuerst durchgehalten, wechselt ab \u201ebright white coming alive\u201c in ein ganz neues Muster E. Das geht dann mit dem endlich hereinbrechenden, erl\u00f6senden H-Dur-Akkord in Takt 156 in den Aerial-Rhythmus aus reinen Vierteln und reinen Achteln \u00fcber. In \u201eAerial\u201c werden wir dann nur noch den cis-Moll-Akkord finden &#8211; wir sind in einer anderen Welt angekommen.<br>Alles an diesem Song ist Geheimnis, Erwartung, sich aufbauende Spannung und Erl\u00f6sung. Es ist eine Reise aus der Dunkelheit des Traums in das grelle Licht eines Tages. Mit subtilen Mitteln gelingt es Kate Bush, dies umzusetzen. Das ist so gut gemacht, wie es nur einer meisterlichen Komponistin gelingen kann. \u201eNocturn\u201c ist ein gro\u00dfes Geheimnis, perfekt und genial in Musik gesetzt. Es ist und bleibt ein Wunder auch ohne Analyse. Aber ein tieferer Blick auf die Details bringt alles noch mehr zum Funkeln.  <em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] \u202aKate Bush: Aerial (Songbook), London 2006. Faber Music Ltd. S.108ff [2] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.268 (cis-Moll) und S.171ff (H-Dur) und S.139f (A-Dur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesem Song n\u00e4here ich mich mit einer gewissen Scheu. Ich mag ihn sehr, aber er ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Geheimnis, ein Mysterium. Es f\u00e4llt mir schwer, in ihn hineinzugehen und ihn zu analysieren. F\u00fcr mich ist er einer der sch\u00f6nsten und bewegendsten Songs von Kate Bush. 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