{"id":6439,"date":"2020-08-27T22:03:10","date_gmt":"2020-08-27T20:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6439"},"modified":"2020-08-27T22:03:12","modified_gmt":"2020-08-27T20:03:12","slug":"das-song-abc-oh-to-be-in-love","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6439","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Oh To Be In Love"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/otbil01-400.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist otbil01-400.jpg\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eOh to be in Love\u201c wurde von Kate Bush zuerst im Sommer 1976 als Demo-Version aufgenommen [1], da war sie 17 oder 18 Jahre alt. Seine offizielle Premiere hatte der Song dann auf dem Debutalbum \u201eThe Kick inside\u201c. Die Demo-Version ist auf zahlreichen Bootleg-CDs und auf der Bootleg 7\u2018\u2018-Single \u201eCathy Demos Volume Two\u201c zu finden [1], das als Hinweis f\u00fcr Sammler. Als Single wurde er nicht ver\u00f6ffentlicht, aber er schaffte es auf eine EP mit vier Tracks f\u00fcr den brasilianischen Markt, die EP \u201a4 Sucessos\u2018 [1]. Meines Wissens ist es der einzige Song von \u201eThe Kick inside\u201c, den Kate Bush nie live gesungen hat. Warum eigentlich nicht? Er hat Charme, er ist ganz lebensnah. Aber er ist vielleicht lebensnaher, als es ein normales Pop-Publikum damals gewohnt war. Auf dem Album reiht sich der Song ein in eine Folge von Liedern, die verschiedene Facetten der Liebe betrachten. Vielleicht bilden \u201eFeel It\u201c, \u201eOh To Be In Love\u201c and \u201eL&#8217;Amour Looks Something Like You\u201c eine Art Einheit, aber sie lassen sich auch einzeln gut betrachten.<br>In \u201eOh to be in Love\u201c kommen zwei Menschen zusammen zu einem Date. Die ersten beiden Strophen schildern die Situation aus der Sicht der Protagonistin. Aus dem Text spricht ein bisschen ein \u201eWas mache ich hier?\u201c-Gef\u00fchl (\u201eHow did I come to be here, anyway? \/ It&#8217;s terribly vague, what&#8217;s gone before\u201c). Offenbar war es eine Zufallsbekanntschaft, etwas Spontanes (\u201eI could have been anyone \/ You could have been anyone&#8217;s dream\u201c). Der Text ist voll von Zweifeln, von Unsicherheit \u00fcber die Situation. Der folgende Chorus (\u201eOh, to be in love \/ And never get out again\u201c) wird zweimal gesungen. Hier ist ist eine m\u00e4nnliche Stimme dabei &#8211; Frau und Mann haben zusammengefunden. Zwischen den beiden Chorus-Passagen nimmt ein musikalisches Zwischenspiel die Musik der Strophen auf. Es ist eine wortlose Strophe, Worte sind offenbar nicht mehr n\u00f6tig.<br>In der dann nach dem zweiten Chorus folgenden dritten Strophe hat sich die Welt ver\u00e4ndert. Alles sieht anders aus und neu (\u201eAll the colours look brighter now \/ Everything they say seems to sound new\u201c). Liebe hat die Welt verwandelt. Mit einem weiteren Chorus klingt der Song aus. <br>\u201eOh to be in Love\u201c ist ein z\u00e4rtlicher Titel, fast eine Ballade, aber mit viel vorw\u00e4rtstreibender Energie. Das Balladenhafte und Romantische wird durch dezente Chorbegleitung in den Strophen unterstrichen. Auch die f\u00fcr sp\u00e4tere Songs von Kate Bush so typischen exotischen Instrumente sind schon zu finden &#8211; Paddy Bush spielt Mandoline. Passender f\u00fcr ein z\u00e4rtliches St\u00e4ndchen geht es nicht. Musikalisch ist der Song sehr interessant &#8211; zur Analyse orientiere ich mich an [2]. Der Song ist in Ges-Dur komponiert, aber verwendet die Tonart auf unkonventionelle, etwas ungew\u00f6hnliche Weise. Dur-Akkorde herrschen vor, aber auch leitereigene Moll-Akkorde werden verwendet. Der B-Moll-Akkord erklingt z.B. auf den Schlusst\u00f6nen von \u201eIt\u2018s terrible vague what\u2018s gone before\u201c und \u201eWhy did you make it so unreal?\u201c. Der Es-Moll-Akkord erscheint im Chorus.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"395\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/otbil2-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6441\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/otbil2-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/otbil2-400-300x296.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Leiterfremde Dur-Akkorde aber heben die Musik heraus aus der Normalit\u00e4t und geben dem Song etwas von bebender Erwartung, von Spannung. Der verminderte Dreiklang auf F zum Beispiel ist durch einen E-Dur-Dreiklang ersetzt, der der Tonart ganz fremd ist. Statt des leitereigenen As-Moll-Akkords erklingt der As-Dur-Akkord. Das erste Mal erscheint dieser \u201efremde\u201c Akkord auf dem \u201ehits\u201c in \u201eAs the light hits you\u201c. Im Chorus erklingt dieser Akkord auf dem \u201eLove\u201c in der ersten und zweiten Zeile \u201eOh to be in love and never get out again\u201c, in der dritten dieser Zeilen erklingt auf dem \u201eLove\u201c der leitereigene As-Moll-Akkord. Die Spannung und Ungewissheit der ersten zwei Chorus-Zeilen ist weg. In dieser dritten Zeile ist zudem die Singstimme eine Oktave h\u00f6her und die Melodie auf dem \u201eLove\u201c ist ausgeschm\u00fcckter.<br>Wenn man die Tonartenbedeutungen gem\u00e4\u00df Beckh [3] heranzieht, dann muss man bewundern, wie feinsinnig dies Kate Bush hier hinbekommen hat. Ges-Dur ist die Tonart der errettenden Liebe, der \u00fcber die Schwelle f\u00fchrenden Venus. As-Dur ist das Licht in der Finsternis. \u201eEin Licht beginnt aufzuleuchten, wo wir bisher nur Dunkel vermuteten\u201c &#8211; so beschreibt es Beckh. E-Dur schlie\u00dflich steht f\u00fcr Herzensw\u00e4rme, Herzensinnerlichkeit und Liebesw\u00e4rme. Passendere Tonarten f\u00fcr diese Geschichte sind kaum denkbar. Ich bewundere es jedesmal, wie treffsicher und subtil Kate Bush schon auf ihrem ersten Album die Tonarten verwendet, das ist schon au\u00dferordentlich.\u00a0<br>\u201eOh to be in Love\u201c ist erstaunlich reif f\u00fcr eine so junge S\u00e4ngerin. Ich bewundere seine sensible Darstellung davon, wie sich ein Zufalls-Date in Liebe verwandelt. Zur Interpretation m\u00f6chte ich nicht zu sehr ins Detail gehen, das w\u00fcrde etwas pornographisch. Ich fasse die Strophen als die Gedanken der Protagonistin auf. Zuerst ist die Situation unsicher, es ist ja ein Zufallsdate. Wie wird es ausgehen? Dann kommt der erste Chorus, sie haben Sex miteinander. Offenbar kommen Beide zum H\u00f6hepunkt (die ver\u00e4nderte F\u00e4rbung auf dem dritten \u201eOh, to be in love \/ And never get out again\u201c). Das Zwischenspiel ist ohne Worte, jetzt macht sich die Protagonistin keine zweifelnden Gedanken mehr. Ein zweiter Chorus folgt (noch einmal Sex), wieder mit H\u00f6hepunkt. Ein gutes Date, wie die Protagonistin in der dritten Strophe best\u00e4tigt! <br>\u201eOh to be in Love\u201c ist eine hinrei\u00dfend realistische Schilderung des Zusammentreffens zweier Menschen. Der Song ist eine erstaunlich pr\u00e4zise Schilderung und schafft es, sein Thema ohne jeden erhobenen Zeigefinger zu pr\u00e4sentieren. Der Song ist unplakativ, direkt und ehrlich &#8211; einfach sch\u00f6n! <em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/oh-to-be-in-love\">https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/oh-to-be-in-love<\/a> (gelesen 26.05.2020) <br>[2] \u201eKate Bush Complete\u201d. EMI Music Publishing \/ International Music Publications. London. 1987.\u00a0 S.134f <br>[3] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.\u00a0 S.106 (Ges-Dur), S.198f (As-Dur), S.263 (E-Dur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eOh to be in Love\u201c wurde von Kate Bush zuerst im Sommer 1976 als Demo-Version aufgenommen [1], da war sie 17 oder 18 Jahre alt. Seine offizielle Premiere hatte der Song dann auf dem Debutalbum \u201eThe Kick inside\u201c. 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