{"id":6078,"date":"2019-09-30T07:15:11","date_gmt":"2019-09-30T05:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6078"},"modified":"2019-09-30T21:40:12","modified_gmt":"2019-09-30T19:40:12","slug":"das-song-abc-love-and-anger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=6078","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Love And Anger"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"376\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/loveandanger-01-640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6082\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/loveandanger-01-640.jpg 640w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/loveandanger-01-640-300x176.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es gibt Songs, bei denen die Geschichte um ihre Entstehung herum spannender ist als der Inhalt. \u201eLove and anger\u201c geh\u00f6rt f\u00fcr mich dazu. F\u00fcr diesem Text war ich versucht, ihm die \u00dcberschrift \u201eEin Lied sucht seinen Sinn\u201c zu geben, denn das trifft es sehr genau. Ich werde den Inhalt und eine etwaige Bedeutung daher nur streifen. <br>&#8222;This song! This bloody song!\u201c [1] Dieser Ausruf von Kate Bush zeigt, dass er f\u00fcr sie ein unter Schmerzen geborener Titel gewesen ist. Vielleicht hat daher Kate Bush in Interviews so umfassend Auskunft \u00fcber die Entstehung gegeben. Die Basis f\u00fcr den Song entstand ganz zu Beginn der Arbeit am Album. &#8222;It was one of the most difficult to put together, yet the first to be written.\u201c [1]. Zuerst war da eine musikalische Idee, die zu einem ersten Rohling ausgebaut wurde. Dann ruhte die Arbeit daran. \u201eThe song started with a piano, and Del put a straight rhythm down. Then we got the drummer, and it stayed like that for at least a year and a half.\u201c [6]. Die Musik war da, die Melodie, aber die Worte fehlten. \u201eI get a sound and I throw it in a song and I can&#8217;t turn it into a word later because it&#8217;s actually stated itself too strongly as a sound.\u201c [3]. Sogar die Keimzelle des Songs ist Kate Bush noch genau in Erinnerung. \u201e[In] Love and Anger, the bit that goes &#8218;Mmh, mmh, mmh&#8216; was there instantly and, in itself, it&#8217;s really about not being able to express it differently.\u201c [3].<br>Worum geht es? Das wollte sich f\u00fcr Kate Bush einfach nicht erschlie\u00dfen. Der Sinn dieser Musik erschien ihr schwer fassbar. F\u00fcr die Komponistin war das eine Qual. \u201eIt was so elusive, and even today I don&#8217;t like to talk about it, because I never really felt it let me know what it&#8217;s about.\u201c [2]. Andere h\u00f6rten diesen Rohling und fragten nach dem Sinn. Kate Bush hatte aber einfach keine Antwort \u201e[When] people ask me what it&#8217;s about, I have to say I don&#8217;t know because it&#8217;s not really a thought-out thing. It was so difficult for me to write that: in some ways, I think, &lt;it&#8217;s> about the process of writing the song: I can&#8217;t find the words; I don&#8217;t know what to say. This thing of a big, blank page, you know: it&#8217;s so big&#8230;It&#8217;s like it doesn&#8217;t have edges around it, you could just start anywhere.&#8220; [3]. Auch im Nachhinein konnte sie diese Frage nicht recht beantworten. Aber sie ist ehrlich: \u201eIt doesn&#8217;t really have a story. It&#8217;s just me trying to write a song, ha-ha.\u201c [1]. Der Song kam dann voran mit der Hilfe und der Unterst\u00fctzung anderer Musiker. \u201eIt&#8217;s just kind of a song that pulled itself together, and with a tremendous amount of encouragement from people around me.\u201c [2]. Ihr Bruder Paddy Bush, Dave Gilmour und John Giblin trugen dazu bei, dass es voranging. &#8222;Paddy and Dave Gilmour, who put overdubs on it, had so much trouble with it. They kept on asking, What&#8217;s it about? and all I could say was, I dunno but, uh, doesn&#8217;t it feel, uh, cohesive to you? Well, I started bringing musicians in to see if they could bring it to life and John Giblin, the bass player, just said, This is great! and came up with something fresh right away. It was so nice having someone put all this enthusiasm into a song I&#8217;d almost given up on.&#8220; [4].<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/love_and_anger_12-400.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist love_and_anger_12-400.jpg\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die letzte Zeile des Songs kann dann auch als Dank an die Helfenden interpretiert werden: \u201eBut just you wait and see, someone will come to help you.\u201c [8]. Insbesondere der exotische Flair der Valiha brachte den Song stimmungsm\u00e4\u00dfig voran. Schlie\u00dflich war Kate Bush dann doch einigerma\u00dfen mit dem Ergebnis zufrieden. \u201eI think putting the Valiha on was very important. It&#8217;s a beautiful sounding instrument &#8211; it looks a bit like a Zither, and it&#8217;s from Madagascar. It sounds like sunshine &#8211; it has this really happy, bubbly sound. I think that really helped to give the song a different perspective. It&#8217;s a very straightforward treatment &#8211; drums, bass, guitar, piano &#8211; and I think for me it&#8217;s one of the more straightforward songs on the album. A chirpy little number.&#8220; [6].<br>Paddy Bush war auch Jahrzehnte danach noch stolz darauf, am ersten St\u00fcck der Popmusik mitgearbeitet zu haben, in dem ein traditionelles madagassisches Instrument verwendet wurde [7]. Nach vielen Schmerzen hatte es das St\u00fcck dann doch auf das Album geschafft und Kate Bush war einigerma\u00dfen zufrieden \u201eThere were so many times I thought it would never get on the album. But I&#8217;m really pleased it did now.\u201c [2]. Einen Sinn hatte sie schlie\u00dflich doch noch zusammengezimmert, aber in der Nachbetrachtung ist immer noch eine gewisse Unzufriedenheit zu sp\u00fcren. &#8222;Relationships revolve around love and anger. Being in love makes you very angry sometimes and there&#8217;s two sides to everything. I must be honest though, I&#8217;m not really sure what I&#8217;m trying to say here.&#8220; [5].<br>Der Song endet dann mit einem beinahe triumphierenden \u201eYeah!\u201c (hurra, endlich geschafft) und einem Lachen, aus dem vielleicht Erleichterung herauszuh\u00f6ren ist. Ich finde es sympathisch, dass dieser Gef\u00fchlsaufbruch nicht herausgeschnitten wurde. Von Anfang an geplant erscheint er mir nicht. Love and anger, Liebe und Wut, das hat Kate Bush wahrscheinlich beim Nachdenken \u00fcber diesen Song empfunden, Liebe zur musikalischen Idee, Wut \u00fcber die Schwierigkeiten. Im Video zum Song werden diese zwei Seiten dann durch das Aufeinandertreffen von Ballettt\u00e4nzern und wirbelnden Derwischen symbolisiert [12]. Wahrscheinlich wegen seiner Eing\u00e4ngigkeit und musikalischen Unkompliziertheit wurde der Song wohl als Single ver\u00f6ffentlicht. Eine Single muss eben nicht besonders tiefgr\u00fcndig sein.<br>Die musikalische Gestaltung ist recht eing\u00e4ngig und einfach. Der Song steht in einem durchgehenden 4\/4-Takt und ist in reinem F-Dur komponiert. Es gibt nur Dur-Akkorde, haupts\u00e4chlich Tonika, Dominante, Subdominante der Tonart [8]. Nach Beckh ist F-Dur die Naturtonart, die sich \u00fcber die Schwere des Irdischen erhebt [9]. Es ist erstaunlich, dass sich so etwas Eing\u00e4ngiges dann doch als so sperrig erwiesen hat.\u00a0 <br>Bei den Biographen wird der Song nur kurz gestreift. Jovanovic hebt hervor, dass David Gilmours Gitarre dem Titel im Refrain gro\u00dfartige Kraft und St\u00e4rke verleiht [10]. Graeme Thomson [11] ist kritischer. Der Song klingt f\u00fcr ihn wie eine weniger gelungene Version von \u201eThe big sky\u201c, \u201eeinem anderen eher l\u00e4stigen Song. Es beginnt ebenso reduziert und endet schlie\u00dflich in einem extremen rhythmischen Get\u00f6se.\u201c Das ist harsch, aber nicht ganz falsch. Vielleicht wusste Kate Bush auch nicht, wie sie den Song beenden sollte. Das Lachen zum Schluss setzt schlie\u00dflich einen guten emotionalen Schlusspunkt. Beim H\u00f6ren des gesamten Songs kommt mir aber der Gedanke in den Sinn, dass die Komponistin bei den Arbeiten zu diesem Album vielleicht etwas die Leichtigkeit verloren hat. Komponieren ist nicht immer nur Genie, es ist auch harte Arbeit. Nach Abschluss darf man auch erleichtert sein.  <em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em> <br><br>[1] Len Brown: &#8222;In the Realm of the Senses\u201c. New Musical Express, 07.10.1989. [2] WFNX Boston, Herbst 1989<br>[3] Steve Sutherland: &#8222;The Language of Love&#8220;. Melody Maker, 21.10.1989.<br>[4] Phil Sutcliffe: \u201eIron Maiden\u201c. Q, November 1989.<br>[5] N.N.: &#8222;Love, Trust and Hitler&#8220;. Tracks, November 1989 [6] Tony Horkins: &#8222;What Katie Did Next&#8220;. International Musician, Dezember 1989. <br>[7] Stefan Franzen: &#8222;Paddy Bush und die Musik Madagaskars (Teil 2)&#8220;. <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?p=4907\">http:\/\/morningfog.de\/?p=4907<\/a> (gelesen 27.09.2019) <br>[8] Kate Bush: The Sensual World [Songbook]. EMI Music Publishing Ltd., London 1990. S.9ff <br>[9] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999. S.149ff <br>[10] Rob Jovanovic, Kate Bush. Die Biographie. 2006. Koch International GmbH\/Hannibal. H\u00f6fen.\u00a0S.172 <br>[11] Graeme Thomson: Kate Bush &#8211; Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.314 <br>[12] Maria Montgomery Sarnoff: \u201ePerfect Vision\u201c. Option, M\u00e4rz 1990.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Songs, bei denen die Geschichte um ihre Entstehung herum spannender ist als der Inhalt. \u201eLove and anger\u201c geh\u00f6rt f\u00fcr mich dazu. 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