{"id":5706,"date":"2019-02-10T09:30:56","date_gmt":"2019-02-10T08:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5706"},"modified":"2019-02-10T09:32:02","modified_gmt":"2019-02-10T08:32:02","slug":"die-essenz-des-geschriebenen-wortes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5706","title":{"rendered":"Die Essenz des geschriebenen Wortes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background has-pale-cyan-blue-background-color\"><strong>How To Be Invisible<br><\/strong>Autor: Kate Bush, Faber &amp; Faber, ISBN 978-0-571-35094-0, 2018, 192 Seiten<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-08.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5708\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-08.jpg 640w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-08-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Von Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anfang der 1980er Jahre plante Kate Bush die Ver\u00f6ffentlichung einer ca. 144 Seiten starken Autobiografie. \u201cLeaving my Tracks\u201d sollte bei Sidgwick &amp; Jackson erscheinen; der Verlag hatte auch bereits den Entwurf eines farbigen Schutzumschlags mit Klappentext drucken lassen, von dem im Netz Fotos kursieren (<a href=\"https:\/\/www.worthpoint.com\/worthopedia\/kate-bush-leaving-tracks-dustjacket-946831895\">https:\/\/www.worthpoint.com\/worthopedia\/kate-bush-leaving-tracks-dustjacket-946831895<\/a>). Es ist sehr schade, dass dieses Buch niemals erschien. Und es sollte noch etwa 35 Jahre dauern, bis Kate mit \u201eHow To Be Invisible\u201c schlie\u00dflich als Buchautorin in Erscheinung trat. Anstelle eines autobiografischen Werkes entschied sie sich f\u00fcr eine Sammlung ihrer Songtexte, begleitet von einigen wenigen einf\u00fchrenden Worten und der ebenso schlichten wie unumwunden liebevollen Widmung \u201eFor Bertie\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Buchautor David Mitchell (&#8222;Der Wolkenatlas&#8220;), der bereits f\u00fcr die <em>Before The Dawn-<\/em>Shows mit Kate zusammenarbeitete, steuerte ein kurzweilig zu lesendes Vorwort bei; sein obligatorischer Streifzug durch die KB-Discographie ist durchaus gelungen und kommt erfreulicherweise ohne Degradierung von \u201eThe Sensual World\u201c und \u201eThe Red Shoes\u201c aus. Wie viele von Euch hatte ich mir \u201eHow To Be Invisible\u201c bereits kurz nach Ank\u00fcndigung des Ver\u00f6ffentlichungsdatums vorbestellt. Obwohl ich mich darauf freute, hielt sich die Erwartung doch etwas in Grenzen, vor allem, nachdem Fotos des eher schmucklosen schwarzen Covers erschienen waren. Kates Texte sind ja ohnehin l\u00e4ngst allgegenw\u00e4rtig: in CD-Booklets, auf LP-H\u00fcllen, in verschiedenen Songbooks \u2013 sogar online, man muss nur googlen.<br>Als das Buch schlie\u00dflich seinen Weg in meine H\u00e4nde fand, waren zun\u00e4chst \u00dcberraschung und Erstaunen, bald darauf Entz\u00fccken und Freude gro\u00df. Mit dem tats\u00e4chlich schlichten, jedoch durchaus eleganten Leineneinband erinnert \u201eHow To Be Invisible\u201c ein wenig an ein Moleskin-Notizbuch und somit an etwas, das jenseits aller Digitalisierung zeitlos geschriebenes Wort bewahrt. Auf die leuchtend rote Banderole auf der R\u00fcckseite wurde in detailverliebtem Innuendo der Buchtitel in Blindenschrift gepr\u00e4gt. Weitere h\u00fcbsche graphische Details sind im Buchinnern zu finden.<br>Geschriebenes Wort ist etwas, das man mit Gesang und Musik nicht unmittelbar in Verbindung bringt, obwohl es doch essentiell ist! Liegt bei einem Album der Fokus zun\u00e4chst auf dem Klang, der Musik, der Stimme, so wird bei intensiverem Zuh\u00f6ren die Wertigkeit der Texte offenbar. \u201eHow To Be Invisible\u201c beinhaltet also die pure Essenz dieses geschriebenen Wortes. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-7-400.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5709\" width=\"376\" height=\"323\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-7-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/htbi-7-400-300x258.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend man \u00fcblicherweise daran gew\u00f6hnt ist, Songtexte mitzulesen oder gar mitzusingen, wenn die Musik spielt, so l\u00e4dt das Buch dazu ein, die Lyrics einmal in Stille zu erfahren. Bar des Diktats vom Rhythmus der Musik oder des Gesangs offenbaren sich die wohlvertrauten Worte auf einmal ganz anders. Sie erhalten eine neue Dimension, sie \u00f6ffnen T\u00fcren zu etwas anderen R\u00e4umen oder Landschaften. Und w\u00e4hrend man die Worte in Stille liest oder leise mitspricht, taucht zuweilen in unserem Innern der Nachhall von Kates Stimme in zerbrechlichen Fragmenten auf: ein bestimmtes Timbre, ein Seufzen, ein Kieksen, ein Gurren, manchmal auch ein Aufschrei\u2026 <em>harm is in us<\/em>.<br>\u00dcber die Anordnung bzw. Gruppierung der Texte habe ich mir viele Gedanken gemacht: ich habe mich sogar regelrecht davon faszinieren lassen. W\u00e4hrend <em>A Sky of Honey<\/em> (einschlie\u00dflich des wunderbaren \u201eTawny Moon\u201c) und <em>The Ninth Wave<\/em> in ihrem urspr\u00fcnglichen Zusammenhang belassen wurden, ergeben die \u00fcbrigen acht Textgruppen ein harmonisches, jedoch nicht so einfach nachvollziehbares Bild. Die Passagen von \u201eHow To Be Invisible\u201c winden sich gleichsam spielerisch wie manifest durch das gesamte Werk. Wie der Ariadnefaden schenken sie uns eine Richtschnur, die R\u00e4tsel und L\u00f6sung in einem bietet und die jederzeit fallen gelassen und wieder aufgegriffen oder gar weitergesponnen werden k\u00f6nnte. Kate Bushs Magie entfaltet sich hier in g\u00e4nzlich anderer Weise: unh\u00f6rbar und rein durch die Abwesenheit ihrer Musik &#8211; und gerade deshalb vielleicht besonders eindringlich.<br>K\u00f6nnte man \u00dcberschriften finden f\u00fcr diese neu geordneten Textgruppen? Ich denke, das bleibt der Intention der Autorin einerseits und der Fantasie des Lesers andererseits \u00fcberlassen. F\u00fcr mich ergaben sich folgende m\u00f6gliche Assoziationen:<br>1. Sky High (Snowflake \u2013 King of the Mountain)<br>2. Childhood, Adolescence (Cloudbusting \u2013 Sat in your Lap)<br>3. Out of Reach, Worth Striving for (Under the Ivy \u2013 All the Love)<br>4. The Consequenes of War (Army Dreamers \u2013 England My Lionheart)<br>5. Magic (A Coral Room \u2013 The Fog)<br>6. A Sky of Honey<br>7. Mystic (Houdini \u2013 Get out of my House)<br>8. Yearning, Longing (Never be mine \u2013 Moments of pleasure)<br>9. The Ninth Wave<br>10. Food for Thought, Phantastic (How to be invisible \u2013 Lake Tahoe)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mir jedoch sicher, dass sich beim wiederholten Lesen neue Assoziationen bilden. Das Buch l\u00e4dt dazu ein, es immer wieder aus dem Regal zu nehmen, um darin zu bl\u00e4ttern, oder es gar in der Handtasche mitzunehmen, damit man auch unterwegs hineinschauen kann.<br>\u201eHow To Be Invisible\u201c erschien \u00fcbrigens im November 2018 auch in einer limitierten Auflage von 500 nummerierten und von der Autorin handsignierten Exemplaren, die einige Gl\u00fcckliche f\u00fcr 150 GBP erwerben konnten. Dieses pr\u00e4chtige Sammlerst\u00fcck wird inzwischen zu horrenden Preisen gehandelt, die sich im Laufe der Zeit weiter ins Astronomische steigern d\u00fcrften. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>How To Be InvisibleAutor: Kate Bush, Faber &amp; Faber, ISBN 978-0-571-35094-0, 2018, 192 Seiten Von Beate Meiswinkel Anfang der 1980er Jahre plante Kate Bush die Ver\u00f6ffentlichung einer ca. 144 Seiten starken Autobiografie. \u201cLeaving my Tracks\u201d sollte bei Sidgwick &amp; Jackson erscheinen; der Verlag hatte auch bereits den Entwurf eines farbigen Schutzumschlags mit Klappentext drucken lassen, &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/morningfog.de\/?p=5706\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[22,846,504],"class_list":["post-5706","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-beate","tag-faber-faber","tag-how-to-be-invisible","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5706","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5706"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5706\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5723,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5706\/revisions\/5723"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}