{"id":5562,"date":"2018-11-12T18:30:39","date_gmt":"2018-11-12T17:30:39","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5562"},"modified":"2018-11-12T18:31:26","modified_gmt":"2018-11-12T17:31:26","slug":"das-song-abc-wow","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5562","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Wow"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=2606\" rel=\"attachment wp-att-2606\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>\u201eWow\u201c ist eines der Highlights auf \u201eLionheart\u201c, dem zweiten Studioalbum von Kate Bush. Ganz leise und sehr stimmungsvoll beginnt es, wie die Musik zu einem B\u00fchnenauftritt. Der Vorhang \u00f6ffnet sich und die Spannung steigt auf das, was nun kommt. \u201eWe\u2019re all alone on the stage tonight\u201c \u2013 Tr\u00e4ume werden wahr, die Kindheit ist vorbei und pl\u00f6tzlich steht man allein und zitternd auf der B\u00fchne. Die Strophen sind ruhig und balladenhaft gehalten. Sie enden mit Zeilen, die mit \u201eOh yeah you&#8217;re amazing!\u201c beginnen, diese Strophenteile sind mit Zuspruch gesungen, fast sogar mit etwas Bewunderung in der Stimme. Der Chorus besteht fast nur aus einem wiederholt gesungenen \u201eWow\u201c &#8211; das letzte Wow geht beim ersten Durchgang ganz in die H\u00f6he, beim zweiten Durchgang ganz nach unten. Das ist fast ein bisschen karikierend.<br \/>\nDas ganze Lied ist eine Einheit, es gibt keine Br\u00fcche in der Stimmung. Es ist aufgebaut wie ein Theaterst\u00fcck mit Einleitung, Geschichte und Schluss. Es endet mit einem \u201eWe\u2018re all alone on the stage tonight\u201c, danach ert\u00f6nen T\u00f6ne bzw. Vokalisen, die an das \u201eWow\u201c erinnern. Ganz zum Schluss schlie\u00dfen Vokalisen als Abschluss und Ausklang den Vorhang. Der Song ist voller dramatischer Wucht [1] und ein Kaleidoskop aus <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5564\" rel=\"attachment wp-att-5564\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5564\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow1.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow1.png 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow1-300x231.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Verweisen auf die B\u00fchne und auf das Showbusiness. Die erste Zeile handelt davon, allein auf der B\u00fchne zu stehen, es geht weiter mit einem Verweis auf einen homosexuellen Schauspieler, der es nicht in die britische Krimiserie \u201eThe Sweeney\u201c (Fernsehserie aus den Siebzigern [6]) schafft. Ein Hinweis auf das\u00a0 Showbusiness jagt den n\u00e4chsten. Kate Bush hat das so erl\u00e4utert: \u201eWow is a song about the music business &#8211; not just rock music but show business in general, including acting and theatre. People say that the music business is about rip-offs, the rat race, competition, strain, people trying to cut you down and so on, and though that&#8217;s all there, there&#8217;s also the magic.\u201c [5]<br \/>\nDie Biographen besch\u00e4ftigen sich recht intensiv mit diesem Song, z.B Graeme Thomson: \u201eDer Text nimmt die Eitelkeiten des Theaterbetriebs mit spitzer Zunge aufs Korn, und sie erlaubt sich einen herrlich anz\u00fcglichen Scherz, den sie im Video noch betont, wenn sie zu der Zeile \u201eHe\u2018s too busy hitting the vaseline\u201c ihr Hinterteil herausstreckt und ihm einen satten Klaps gibt\u201c [2]. Hinzuzuf\u00fcgen ist noch, dass sie bei der Erw\u00e4hnung der Krimiserie \u201eThe Sweeney\u201c eine abfeuernde Pistole markiert. Sp\u00e4ter schien sie sich mit \u201ederart ungeschminkten Zweideutigkeiten\u201c [2] nicht mehr wohlzuf\u00fchlen. Als sie 1986 die Videosammlung \u201eThe whole story\u201c ver\u00f6ffentlichte, unterlegte sie den Song anstelle des Promo-Videos mit einer Collage aus Szenen ihrer Liveauftritte [2].<br \/>\nDer Text ist auch in anderer Hinsicht etwas frech. Ausgiebig und ironisch werden im Text Lieblingsworte von Kate wie \u201eamazing\u201c, \u201cooh yeah\u201c, \u201eincredible\u201d, \u201efantastic\u201c, \u201ewow\u201c, \u201eunbelievable\u201c benutzt. Journalisten hatten sich wiederholt \u00fcber den ausgiebigen Gebrauch solche Worte in Interviews lustig gemacht. Eingespielt wurde der Song von der KT Bush Band mit Charlie Morgan, Del Palmer und Brian Bath [1]. Er war bereits vor den Arbeiten zum Album \u201eLionheart\u201c geschrieben und schon in die engere Auswahl f\u00fcr \u201eThe kick inside\u201c gekommen. Er kam nicht auf das Debutalbum, weil er offenbar nicht richtig dazu gepasst hatte [2].<br \/>\nKate Bush hatte mit diesem Song auch musikalische Ideen, die von der \u00d6ffentlichkeit aber kaum bemerkt wurden: \u201eIt was sparked off when I sat down to try and write a \u202aPink Floyd song, something spacey; though I&#8217;m not surprised no-one has picked that up, it&#8217;s not really recognisable as that\u201c [5] Auch zur Aufnahme des Songs gibt es Aussagen von Kate Bush. Sie deuten darauf hin, dass hier schon der Perfektionismus der K\u00fcnstlerin durchgeschlagen hat. \u201eI&#8217;ve really enjoyed recording &#8218;Wow&#8216;. I&#8217;m very, very pleased with my vocal performance on that, because we did it a few times, and although it was all in tune and it was okay, there was just something missing. And we went back and did it again and it just happened, and I&#8217;ve really pleased with that, it was very satisfying.\u201c [7] Das \u201ea few times\u201c ist wahrscheinlich ein Euphemismus f\u00fcr \u201eimmer wieder\u201c.<br \/>\nDer Song ist im 4\/4-Takt gehalten, mit sehr kurzen Einsch\u00fcben von 2\/4 vor dem Chorus. Die Tonart ist ein a-Moll, der Chorus wird von C-Dur-Akkorden begleitet (\u201eWow &#8230;. unbelievable\u201c). C-Dur ist die Dur-Parallele zu a-Moll [3]. Wie so oft bei Kate Bush sagen die Tonarten viel \u00fcber den Song aus und oft geben sie den Textzeilen eine zus\u00e4tzliche, hintergr\u00fcndige Bedeutung. Nach Beckh [4] ist a-Moll schwerm\u00fctig, poetisch, elegisch, es ist eine Sehnsuchtstonart. Das passt gut zur (vergeblichen) Sehnsucht nach Anerkennung, die thematisiert wird. C-Dur ist das klare Licht, die n\u00fcchterne Klarheit [4]. Es kann aber auch feurig und temperamentvoll sein. Die Wow-Ausrufe des Chorus sind also ehrlich gemeint, es sind temperamentvolle Feststellungen mit n\u00fcchterner Bedeutung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5563\" rel=\"attachment wp-att-5563\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5563\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow2.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow2.png 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/wow2-300x231.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Zu den Strophenteilen \u201eOh yeah you\u2018re amazing &#8230;.. But still we don\u2018t head the bill\u201c und \u201eOh yeah you\u2018re amazing &#8230;. But you\u2018d have to play the fool\u201c gibt es einen Tonartwechsel. Es treten hier die Akkorde B-Dur, g-Moll, As-Dur und F-Moll auf, diese Akkordkette wird jeweils zweimal wiederholt. Das kann Es-Dur oder c-Moll sein [3]. Beide Tonarten stehen f\u00fcr das K\u00e4mpferische und Heroische [4]. C-Moll ist die Tonart, die am festesten auf dem Boden, am st\u00e4rksten auf der Erde steht, sie ist das Fundament f\u00fcr die eigene Kraft und St\u00e4rke [4]. Die Verwendung von c-Moll \/ Es-Dur ist f\u00fcr mich &#8211; in Kenntnis weiterer, sp\u00e4terer Songs &#8211; sehr bemerkenswert. Eine Akkordgestaltung aus diesen Tonarten findet sich auch in &#8222;The Fog&#8220; und \u201eLily\u201c. Dort steht c-Moll f\u00fcr die Sicherheit, die der Vater bzw. die Heilerin gibt und Es-Dur ebenfalls f\u00fcr das Herausk\u00e4mpfen aus einer schwierigen Situation. In \u201eRunning up that hill\u201c wird c-Moll im Zusammenhang mit einer Anrufung der positiven M\u00e4chte benutzt. Auch in \u201eNever be mine\u201c wird c-Moll benutzt. Bei Kate Bush ist c-Moll die Klangwelt der Ratgeber, der Wissenden, der &#8222;guten M\u00e4chte&#8220;. Es ist die Sicherheit und der Schutz, der feste Grund unter den F\u00fc\u00dfen. Interpretiert man es so, dann sind diese Strophenteile ein Zuspruch, eine Unterst\u00fctzung, eine Aufmunterung.<br \/>\nAuf den ersten Blick scheint der Text sich \u00fcber die Personen und ihre Situation lustig zu machen. Die Tonarten sagen etwas anderes &#8211; glaube an Dich, tue es, gib nicht auf, wir stehen zu Dir. Die Biographen sind sich in der Bewertung diesmal einig. Jovanovic bewundert die schlichte, aber effektive Struktur, die herausragende Komposition und h\u00e4lt \u201eWow\u201c f\u00fcr einen ihrer ausgereiftesten Songs \u00fcberhaupt [1]. F\u00fcr Thomson ist \u201eWow\u201c ein geradezu klassischer Popsong mit zur\u00fcckgenommenen Strophen, einem Refrain, der abhebt, und ausdrucksstarkem Gesang [2]. Diesmal habe ich keinen Grund, den beiden Biographen zu widersprechen, es stimmt einfach. Wegen seiner eing\u00e4ngigen Qualit\u00e4ten erschien der Song im M\u00e4rz 1979 als Single und erreichte zurecht in Gro\u00dfbritannien Platz 14 der Single-Charts [2]. <em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n<p>[1] Rob Jovanovic: Kate Bush. Die Biographie. H\u00f6fen. Koch International GmbH\/Hannibal. 2006. S.92f<br \/>\n[2] Graeme Thomson: Kate Bush &#8211; Under the Ivy. Bosworth Music GmbH. 2013. S.113f und 152ff<br \/>\n[3] \u201eKate Bush Complete\u201d. EMI Music Publishing \/ International Music Publications. London. 1987.\u00a0 S.172f<br \/>\n[4] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.\u00a0 S.78f (a-Moll), S.71f (C-Dur), S.124f (Es-Dur bzw. c-Moll)<br \/>\n[5] Kate Bush: &#8222;Hello Everybody&#8220; &amp; Interview . KBC Issue 2 (Sommer 1979).<br \/>\n[6] <a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/The_Sweeney\">https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/The_Sweeney<\/a> (gelesen 24.10.2018) [7] <a href=\"https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/wow\">https:\/\/www.katebushencyclopedia.com\/wow<\/a> (gelesen 16.10.2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWow\u201c ist eines der Highlights auf \u201eLionheart\u201c, dem zweiten Studioalbum von Kate Bush. Ganz leise und sehr stimmungsvoll beginnt es, wie die Musik zu einem B\u00fchnenauftritt. Der Vorhang \u00f6ffnet sich und die Spannung steigt auf das, was nun kommt. \u201eWe\u2019re all alone on the stage tonight\u201c \u2013 Tr\u00e4ume werden wahr, die Kindheit ist vorbei und &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/morningfog.de\/?p=5562\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[475,50,13],"class_list":["post-5562","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-abc","tag-achim","tag-wow","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5562","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5562"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5562\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5676,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5562\/revisions\/5676"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}