{"id":5252,"date":"2018-05-12T08:54:56","date_gmt":"2018-05-12T06:54:56","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5252"},"modified":"2018-05-12T19:38:00","modified_gmt":"2018-05-12T17:38:00","slug":"das-song-abc-misty","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=5252","title":{"rendered":"Das Song-ABC: Misty"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=2606\" rel=\"attachment wp-att-2606\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Bei einem Glas Wein auf Madeira zu sitzen und auf das Meer schauen &#8211; ein ungew\u00f6hnlicher Ort, um \u00fcber \u201eMisty\u201c nachzudenken. Aber es hilft dabei, andere Perspektiven einzunehmen und nicht nur einen Blick auf Frosty den Schneemann zu werfen. Nicht der Schneemann ist das Zentrum dieses Songs, es ist die Protagonistin. \u201eMisty\u201c ist ein faszinierendes Musikst\u00fcck, etwas \u00fcber dreizehn Minuten lang, eher ein gigantisches Nocturne als ein herk\u00f6mmlicher Song. Graeme Thomson sagt sehr zutreffend, es sei \u201eselbst f\u00fcr Kate Bushs Verh\u00e4ltnisse ein seltsamer Song\u201c, der sich \u201edurch einige Momente geradezu \u00fcberirdischer Sch\u00f6nheit\u201c auszeichne [1].<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5253\" rel=\"attachment wp-att-5253\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5253\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty1-400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty1-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty1-400-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Kate Bush sagt wenig zu diesem Song. Die Journalisten fokussierten sich auf \u201eSex mit einem Schneemann, WOW!\u201c und thematisierten dies in den Interviews. Wahrscheinlich hat Kate Bush innerlich (vor Lachen?) jedesmal die Augen verdreht. In einem Interview mit der Berliner Zeitung gibt sie aber einen wichtigen Hinweis: \u201eEs ist schon kurios, dass gerade dieses Lied die Vorstellungskraft vieler Ihrer Kollegen enorm zu besch\u00e4ftigen scheint. Das am\u00fcsiert mich sehr. Als ich den Song schrieb, dachte ich zun\u00e4chst: Was f\u00fcr eine l\u00e4cherliche Idee! Dabei ist es ein sehr d\u00fcsterer Song, wie viele der anderen Lieder\u201c [2].<br \/>\n\u201eMisty\u201c steckt voller Geheimnisse &#8211; und ja, es ist ein sehr d\u00fcsterer Song. Um das alles aufzudr\u00f6seln, ist es n\u00f6tig, zuerst einmal die erz\u00e4hlte Geschichte kurz darzustellen. So treten dann die Punkte zutage, an denen anzusetzen ist. Die Protagonistin baut einen Schneemann, der m\u00f6glichst lebensnah werden soll. Blut l\u00e4uft von ihrer Hand, sie l\u00e4uft ins Haus. Nachts in ihrem Zimmer \u00f6ffnet sich auf einmal das Fenster. Der Schneemann kommt herein, legt sich neben sie. Er ist kalt, aber sie ist nicht erschreckt, sie ist fasziniert wie in einem Traum. Er ist kalt, und er schmilzt, wenn sie ihn anfasst. Er l\u00f6st sich langsam auf, w\u00e4hrend die D\u00e4mmerung naht. Am n\u00e4chsten Morgen erwacht die Protagonistin. Der Schneemann, Misty, ist verschwunden, nur noch Wasserspuren und Reste dessen sind da, was im Schnee war. Die Protagonistin ist voller Sehnsucht, irgendwo drau\u00dfen muss er sein, drau\u00dfen wo es weiter schneit. Um ihn zu erreichen, w\u00fcrde sie alles riskieren und sich hinaus in den Schnee st\u00fcrzen.<br \/>\n\u201eMisty\u201c ordnet sich damit ein in das Hauptthema des Albums &#8211; der Einbruch des \u00dcbernat\u00fcrlichen, insbesondere\u00a0 \u00fcbernat\u00fcrlicher, halbwirklicher Wesen, in die allt\u00e4gliche Welt. Andy Gill fasst das pr\u00e4zise und sehr treffend zusammen: \u201eThese songs all deal with empathy for figures that only exist in a half-formed, mythical manner \u2013 it&#8217;s as if the fall of snow offers cover for these beings, allows them to take life under its blanket.\u201c [6]<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5254\" rel=\"attachment wp-att-5254\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5254\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty2-400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty2-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty2-400-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Zu Beginn erklingt ein ruhiges Klavier, begleitet von sanfter Percussion (auch sp\u00e4ter wird dies nur durch ganz sparsame weitere Farben von Gitarren, Bass und Effekten erg\u00e4nzt), dann beginnt die Stimme (\u201eRoll this body\u201c). Wie eine Beschw\u00f6rung wirkt dieser Text bis \u201eI run back inside\u201c, auch musikalisch erinnert es ein bisschen an eine rituelle Handlung. Die Harmonien schwingen zwischen zwei Akkorden hin und her (As-Dur, B-Dur) [3]. Dies ist eine ungew\u00f6hnliche Akkordverbindung &#8211; zu As-Dur w\u00fcrde man eigentlich den b-Moll-Akkord erwarten. Die Protagonistin will dem Schneemann Leben geben (\u201eGive him life\u201c), sie will, dass er f\u00fcr sie l\u00e4chelt (\u201eMake him smile for me\u201c). Sie gibt ihr Blut f\u00fcr ihn, aber erschreckt dann \u00fcber ihr Tun (\u201eMy hand is bleeding \/ I run back inside\u201c).<br \/>\nDie Protagonistin vollf\u00fchrt hier (ob bewusst bleibt unklar) Blutmagie. Sie gibt ihr Blut, um unbelebter Materie (hier dem Schnee, welken Bl\u00e4ttern, Gras) Leben einzufl\u00f6\u00dfen. In der Mythologie galt der Mensch als aus dem Blut der G\u00f6tter erschaffen. Die symbolische Verbindung von Blut und Leben ist dabei essenziell, Blut verbindet die eigene Seele mit der eines anderes Wesens [4]. Ein allbekanntes Beispiel ist das M\u00e4rchen Schneewittchen, in dem zu Beginn Blutstropfen in den Schnee fallen und damit auf Neubeginn und neues Leben verweisen [5].<br \/>\nDann gibt es einen Bruch in der Stimmung, die Musik \u00e4ndert sich, sie klingt nicht mehr beschw\u00f6rend, es ist nun Musik, die etwas erwartet. Aus der Realit\u00e4t geht es in eine Welt, die unwirklich wie ein Traum erscheint. Ab \u201eI turn off the light\u201c klingt auch die Stimme anders, h\u00f6her, hingebungsvoll, bebend fast, wie im Angesicht eines Wunders. Die Harmonien weiten sich aus (der H-Dur-Akkord ersetzt zunehmend den B-Dur-Akkord) [4]. Akkordfolgen mit Schwerpunkten auf den Akkorden As-Dur und H-Dur bestimmen nun weite Teile des weiteres Songs. Der Schneemann erscheint zu dieser mystischen Musik. Ist es ein Geliebter? Ist es ein gew\u00fcnschtes Kind? Der Text l\u00e4sst das offen. Aber auf dr\u00e4ngende Nachfragen [9] nach einem sexuellen Unterton (offenbar k\u00f6nnen viele m\u00e4nnliche Musikjournalisten nicht in anderen Bahnen denken) lie\u00df sich Kate Bush aber zu einer Aussage verleiten: \u201eTo that song, yeah. Yeah, because of the story that\u2019s being told\u201c. Man soll ja der Komponistin glauben, es handelt sich also wohl wirklich um einen unirdischen Geliebten.<br \/>\nVor \u201eSo cold next to me\u201c gibt es eine instrumentale Passage, ein Innehalten von unwirklicher Sch\u00f6nheit. Die Musik kommt dann zur Ruhe, Klaviert\u00f6ne fallen in die Tiefe, wie perlendes, schmelzendes Wasser. Zu \u201eI can feel him melting in my hand \/ melting, melting in my hand\u201c wird die Musik so ruhig, dass es mir wie ein Ausdruck von Verzauberung erscheint. Die Zeit scheint f\u00fcr einen Moment stillzustehen. Diese Passage wird sp\u00e4ter fast genauso (fast noch intensiver) wiederholt. Einen schmelzenden Schneemann als Traumsymbol legt die allgemeine Traumdeutung als das Weichwerden eines verh\u00e4rteten Herzens aus [10]. Genau das passiert hier, die einsame Protagonistin wird durch den von ihr erweckten Schneemann verzaubert, sie \u00f6ffnet sich der Liebe (und der Schneemann schmilzt daran). Mit \u201eHe won\u2018t speak to me\u201c wird wieder die musikalische Gestaltung des Beginns (Realit\u00e4t?) aufgegriffen. Ab \u201eFull of dead leaves\u201c vermischen sich die beiden musikalischen Welten. Es ist eine fast traumhafte Stimmung in der Musik, irreal, traumartig, unwirklich.<br \/>\nMit Beginn der Textzeile \u201eSunday morning\u201c sind wir wieder in der Musik des Beginns, die Realit\u00e4t hat die Protagonistin eingeholt. Die Intensit\u00e4t steigert sich allm\u00e4hlich. Verlust und Sehnsucht sprechen aus jedem Wort und aus jedem Ton. Es klingt ein bisschen so, als ob ein Herz vor Sehnsucht pocht. Die Stimme wird immer intensiver. Die Protagonistin realisiert ihren Verlust und sie realisiert wohl auch, dass ihre Liebe den Schneemann get\u00f6tet (zum Schmelzen gebracht) hat. Sie kann es vor Sehnsucht nicht mehr aushalten (\u201eI can&#8217;t find him \/ Misty \/ Oh please can you help me? \/ He must be somewhere\u201c). Das Lied endet mit den Textzeilen \u201eOpen window closing \/ Oh but wait it&#8217;s still snowing \/ If you&#8217;re out there \/ I&#8217;m coming out on the ledge \/ I&#8217;m going out on the <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5256\" rel=\"attachment wp-att-5256\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5256\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty7-400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"377\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty7-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty7-400-300x283.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>ledge\u201c. Abrupt wird es dann ruhiger und endet. \u201eLedge\u201c \u00fcbersetze ich in diesem Kontext jetzt einmal mit Fensterbrett. Drau\u00dfen f\u00e4llt der Schnee, will die Protagonistin sich hinausst\u00fcrzen, in den Schnee hinein? Ist das ein Selbstmord, um mit dem Geliebten wieder vereint zu sein? Ein Liebestod? Das Cover des Albums \u201e50 words for snow\u201c zeigt eine Frau und einen Schneemann, sie k\u00fcssen sich, eingefroren und zugedeckt vom Schnee, es sieht aus wie ein Relief auf einer Grabplatte. Lebend k\u00f6nnen sie nicht zusammenkommen &#8211; der kalte Schneemann und die warme Frau. Das Ende vom \u201eMisty\u201c ist f\u00fcr mich ein Liebestod im Schnee. Diese Deutung wird unterst\u00fctzt, wenn man sich die harmonische Gestaltung anschaut und analysiert. Die verwendeten Tonarten haben gem\u00e4\u00df Beckh [7] eine Bedeutung, die verbl\u00fcffend gut dazu passt. Das Folgende ist gem\u00e4\u00df Beckh zitiert.<br \/>\nDie Haupttonart scheint das As-Dur zu sein. As-Dur ist tiefste Tiefe, die dunkelste der Dur-Tonarten, die mystische Tonart. Es steht f\u00fcr die \u201eAhnung und Empfindung des kommenden Weihnachtslichts inmitten der tiefsten Jahresfinsternis\u201c. Tiefe Innerlichkeit und Weihe verk\u00f6rpert diese Tonart, es \u201escheinen sich weite Wunderreiche der Nacht oder geheimnisvolle Reiche des \u00dcberirdischen vor uns aufzuschlie\u00dfen, wir sehen uns auf einmal in mystische Tiefen des eigenen Inneren, des Innersten der Welt hineingef\u00fchrt, ein Licht beginnt aufzuleuchten, wo wir bisher nur Dunkel vermuteten.&#8220;\u00a0 As-Dur ist die Tonart der Nachtst\u00fccke. Bekannte Musikst\u00fccke sind in dieser Tonart geschrieben, z.B. Liszts \u201eLiebestraum\u201c.\u00a0 Alle diese Zitate klingen wie Beschreibungen der Grundstimmung von \u201eMisty\u201c, das ja auch eine Art Liebestraum ist.<br \/>\nZu Beginn des Songs wird h\u00e4ufig der B-Dur-Akkord benutzt. B-Dur ist noch nicht das Licht selbst, es ist die Ahnung des Lichts, die Hoffnung des Lichts, der Glaube an das Licht, Tonart des Glaubens und der Hoffnung. Robert Schumann verwendet B-Dur als \u201eLiebestonart\u201c.\u00a0 Die Tonart steht f\u00fcr sichere Glaubenszuversicht, es ist die Tonart der liebenden Erwartung, der ahnenden Erwartung des Schicksals. So wird sie in \u201eDer fliegende Holl\u00e4nder\u201c von Richard Wagner benutzt. Wagner &#8211; ein Meister in der Verwendung der Tonarten &#8211; hat die Charakteristika dieser Tonart oft herausgearbeitet. Er benutzt sie zur Darstellung des \u201eSterns der wahren Liebe\u201c im \u201eTannh\u00e4user\u201c (\u201eHeilige Elisabeth &#8211; bitte f\u00fcr mich!\u201c), der Brautchor aus \u201eLohengrin\u201c steht in B-Dur (\u201eTreulich gef\u00fchrt ziehet dahin, wo euch der Segen der Liebe bewahr! Siegreicher Mut, Minnegewinn, eint euch in Treue zum seligsten Paar\u201c). In \u201eDie Walk\u00fcre\u201c ist es die Tonart der liebenden Erwartung (\u201eWinterst\u00fcrme wichen dem Wonnemond\u201c). Es ist \u00dcberwindung des Winters durch den Fr\u00fchling der Liebe.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=5255\" rel=\"attachment wp-att-5255\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5255\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty3-400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"499\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty3-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/misty3-400-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>All das passiert auch in \u201eMisty\u201c. Der Winter im Herzen der Protagonistin weicht durch den Zauber einer mystischen Liebe.\u00a0 Schmilzt der Schneemann an dieser Liebe? Wenn er im Song auftritt, dann wird der B-Dur-Akkord durch den H-Dur-Akkord ersetzt, der zum As-Dur dazukommt. H-Dur ist nach Beckh die Vorahnung des Hin\u00fcbergehens, es ist die \u201eVerkl\u00e4rung\u201c. Diese hoch \u00fcber dem Irdischen liegende Tonart wird nur verwendet, wenn man damit etwas ganz Bedeutsames ausdr\u00fccken will.\u00a0 As-Dur ist die dominierende Tonart in Richard Wagners Oper \u201eTristan und Isolde\u201c, der Oper schlechthin \u00fcber eine verzweifelte Liebe, die im Tod endet. Es ist die Tonart der Liebesnacht und des Liebestods (\u201eMild und leise, wie er l\u00e4chelt\u201c). Dieser Schlussgesang wandelt sich \u00fcberirdisch verkl\u00e4rend nach H-Dur und endet in einer Apotheose in H-Dur.<br \/>\nKate Bush spiegelt in \u201eMisty\u201c Wagners Liebestod wieder, musikalisch und inhaltlich, f\u00fcr mich gibt es da keinen Zweifel. Bewusst oder intuitiv &#8211; das muss allerdings offen bleiben. Es gibt aber m\u00f6glicherweise eine weitere Inspirationsquelle, die zum Song beigetragen hat. Ich zitiere den Beginn des M\u00e4rchens \u201eSchneewittchen\u201c, der interessante Gemeinsamkeiten aufweist. \u201eEs war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da sa\u00df eine K\u00f6nigin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und n\u00e4hte. Und wie sie so n\u00e4hte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im wei\u00dfen Schnee so sch\u00f6n aussah, dachte sie bei sich: H\u00e4tt&#8216; ich ein Kind, so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen! Bald darauf bekam sie ein T\u00f6chterlein, das war so wei\u00df wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die K\u00f6nigin.\u201c [8]<br \/>\nSchnee, die Protagonistin an einem Fenster, Blut f\u00e4llt in Schnee, ein magischer Wunsch, der Wunsch wird erf\u00fcllt, die Protagonistin stirbt &#8211; Gemeinsamkeiten mit \u201eMisty\u201c sind f\u00fcr mich sichtbar. Aber vielleicht geht hier meine Fantasie mit mir durch, das mag am Wein und am Blick auf das Meer liegen.<br \/>\nMein Fazit: \u201eMisty\u201c verwebt den Liebestod aus \u201eTristan und Isolde\u201c mit m\u00e4rchenhafter Blutmagie (vielleicht analog zu Schneewittchen) zu einem neuen Mythos. Graeme Thomson meint, \u201e[&#8230;] es ist die d\u00fcstere Atmosph\u00e4re der Trauer, die den Song pr\u00e4gt\u201c [1]. Es ist aber auch die Geschichte einer alles \u00fcberwindenden Liebe, die vielleicht doch eine Art Happy-End im Tod findet. Daher enth\u00e4lt \u201eMisty\u201c neben unendlicher Trauer auch Hoffnung. \u00a0\u00a0 <em>\u00a9 <strong>Achim\/aHAJ<\/strong><\/em><\/p>\n<p>[1] Graeme Thomson: Kate Bush. Under the ivy. 2013. Bosworth Music GmbH. S.413f<br \/>\n[2] \u202aMartin Scholz: Ich will das nicht. Berliner Zeitung. 27.11.2011<br \/>\n[3] <a href=\"https:\/\/chordify.net\/chords\/Kate-bush-misty-antirecords\">https:\/\/chordify.net\/chords\/Kate-bush-misty-antirecords<\/a> (gelesen 25.04.2018)<br \/>\n[4] <a href=\"https:\/\/www.inana.info\/blog\/2018\/01\/25\/symbolik-ritual-blut.html\">https:\/\/www.inana.info\/blog\/2018\/01\/25\/symbolik-ritual-blut.html<\/a> (gelesen 03.05.2018)<br \/>\n[5] <a href=\"https:\/\/symbolonline.de\/index.php?title=Blut\">https:\/\/symbolonline.de\/index.php?title=Blut<\/a> (gelesen 03.05.2018)<br \/>\n[6] Andy Gill: \u202aKate Bush: The ice queen of pop returns. The Independent. 18.11.2011<br \/>\n[7] Hermann Beckh: Die Sprache der Tonart in der Musik von Bach bis Bruckner. Verlag Urachhaus. Stuttgart 1999.\u00a0S.196ff (As-Dur), S.244ff (B-Dur), S.171ff (H-Dur)<br \/>\n[8] zitiert nach <a href=\"https:\/\/www.grimmstories.com\/de\/grimm_maerchen\/sneewittchen_schneewittchen\">https:\/\/www.grimmstories.com\/de\/grimm_maerchen\/sneewittchen_schneewittchen<\/a>\u00a0 (gelesen 03.05.2018)<br \/>\n[9] John Doran: A Demon In The Drift: \u202aKate Bush Interviewed. The Quietus. 13.11.2011 [10] <a href=\"https:\/\/traum-deutung.de\/schneemann\/\">https:\/\/traum-deutung.de\/schneemann\/<\/a>\u00a0 (gelesen 25.04.2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Glas Wein auf Madeira zu sitzen und auf das Meer schauen &#8211; ein ungew\u00f6hnlicher Ort, um \u00fcber \u201eMisty\u201c nachzudenken. Aber es hilft dabei, andere Perspektiven einzunehmen und nicht nur einen Blick auf Frosty den Schneemann zu werfen. Nicht der Schneemann ist das Zentrum dieses Songs, es ist die Protagonistin. \u201eMisty\u201c ist ein faszinierendes &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/morningfog.de\/?p=5252\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[475,50,57],"class_list":["post-5252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-abc","tag-achim","tag-misty","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5252"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5273,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5252\/revisions\/5273"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}