{"id":4940,"date":"2017-10-19T07:15:56","date_gmt":"2017-10-19T05:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=4940"},"modified":"2017-10-18T19:24:21","modified_gmt":"2017-10-18T17:24:21","slug":"musik-ohne-regeln-und-ein-hauch-von-the-dreaming","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=4940","title":{"rendered":"Musik ohne Regeln und ein Hauch von \u201eThe Dreaming\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4941\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4941\" rel=\"attachment wp-att-4941\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4941\" class=\"wp-image-4941 size-full\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw1-620.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"463\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw1-620.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw1-620-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4941\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Orange Ear<\/p><\/div>\n<p>Es ist schr\u00e4g, eigenproduziert, der Titel klingt nach einem Abschied und zu allem \u00dcberfluss liegt der S\u00e4nger auch noch nackt auf dem Plattencover: \u201eRecord full of last Songs\u201c hei\u00dft das Album, das Timo C. Engel unter dem Projektnamen \u201eBleedingblackwood\u201c schon 2016 ver\u00f6ffentlicht hat. Zu seligen Forumszeiten noch vor Kates \u201eAerial\u201c war Timo als DJ und S\u00e4nger unterwegs, arbeitete f\u00fcrs Radio. \u201eKate war immer eine riesige Inspiration f\u00fcr mich\u201c, erz\u00e4hlt Timo. \u201eMit 15 war nat\u00fcrlich in erster Linie die Musik ausschlaggebend und das Coverartwork der Platten. Das sie, ab \u201aThe Dreaming\u2018 alles zu Hause im eigenen Studio erarbeitet hat, ist nat\u00fcrlich etwas, was ich erst sp\u00e4ter zu sch\u00e4tzen wusste. Die M\u00f6glichkeit, im eigenen Studio zu arbeiten, herum zu experimentieren, das ist ein Traum, den ja mittlerweile jeder umsetzten kann.\u201c Genau letzteres hat Timo bei Record full of last Songs\u201c gemacht und es ist kein Zufall, dass er \u201eThe Dreaming\u201c als Inspirationsquelle nennt. 2006 gab es dann einen Bruch in seinem Leben. \u201eIch musste raus, brauchte einen Neuanfang. Eigentlich wollte ich auch gar keine Musik mehr machen, aber das ist wie atmen. Man kann mal die Luft anhalten, aber ganz aufh\u00f6ren zu atmen geht ja auch nicht.\u201c Also hat er wieder angefangen Musik zu machen, als S\u00e4nger in Bands, vor allem aber hat er mit Instrumenten herumexperimentiert. 2010 kam dann der endg\u00fcltige Wechsel: Von Kiel ging\u2018s nach Berlin. Aber wie macht man Musik und schreibt Songs, wenn \u201edas eigentliche Musikmachen\u201c gar nicht beherrscht? \u201eDie Songs entstehen unterschiedlich. Ab und zu fange ich einfach an etwas zu summen, nehme das auf, loope das und erarbeite damit einen Song, indem ich da noch mehr Gesangspuren und Variationen dar\u00fcber singe\u201c, erkl\u00e4rt Timo. H\u00f6ren kann man das zum Beispiel bei dem Song \u201eApple Tree Garden\u201c, der noch relativ nah am Demo ist. Wer Timos Stimme h\u00f6rt, wird sich nicht dar\u00fcber wundern, dass das funktioniert\u00a0 er setzt sie wie ein Instrument ein und klingt dann bei \u201eApple Tree Garden\u201c unerwartet sanft und fast schon nach Bowie. Hinzu kommt aber noch seine ausgesprochene Leidenschaft f\u00fcr Musikinstrumente. Von Freunden hat er sich alte Instrumente schenken lassen und kauft immer wieder neue dazu. Ausgefallen sollten sie sein, also finden sich bei ihm ein altes Spielzeug-Piano, ein Glockenspiel, eine Zither oder ein altes Kuhhorn. J\u00fcngste Neuerwerbung ist eine Ocarina aus Italien. \u201eDas ist eine Tonpfeife, die einen wunderbar warmen, tiefen Klang hat\u201c, erz\u00e4hlt er. F\u00fcr die Aufnahmen experimentiert er mit den Instrumenten, nimmt Passagen auf, fertigt Loops, \u00fcberspielt die so lange, bis alles passt. Der Song \u201eI grow a tree\u201c ist ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr diese Vielfalt \u2013 da findet sich das Kuhhorn wieder, Glasflaschen, Rasseln mit muschel\u00e4hnlichen Holzperlen oder aus l\u00e4nglichen, trockenen Bohnen, die Timo aus Afrika mitgebracht hat, ein Bamboophon und vieles mehr. \u201eIch habe den Gro\u00dfteil des Albums zu Hause in meinem Schlafzimmer unter recht primitiven Bedingungen aufgenommen &#8211; oft mit offenem Fenster. Und an manchen Stellen h\u00f6rt man Ger\u00e4usche von drau\u00dfen. Ich wohne zwar mitten in Neuk\u00f6lln, aber meine Fenster sind alle zum zweiten Hinterhof raus und wenn man genau hinh\u00f6rt, h\u00f6rt man ab und zu Ger\u00e4usche vom Hinterhof. Zum Beispiel hat sich ein Kr\u00e4henschrei in einen Loop bei dem Song \u201aYou should have known\u2018 eingeschlichen\u201c, sagt Timo zum Entstehungsprozess seiner Songs. Die sind stellenweise so herrlich schr\u00e4g, dass die Ankl\u00e4nge an \u201eThe <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4942\" rel=\"attachment wp-att-4942\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4942\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw2-400.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw2-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw2-400-150x150.jpg 150w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/bbw2-400-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Dreaming\u201c un\u00fcberh\u00f6rbar sind. So kommt beispielsweise beim zweieinhalbmin\u00fctigen \u201eLast Night Lover\u201c gef\u00fchlt eine Brassband aus New Orleans um die Ecke und spielt den Hochzeitsmarsch f\u00fcr den, von dem nur noch der Geruch in der Bettdecke h\u00e4ngt und l\u00e4ngst verschwunden ist. Oder ist es der Trauermarsch des Zur\u00fcckgebliebenen? Einen Song sp\u00e4ter ert\u00f6nt purer Techno-Beat. Bis die Songs soweit waren, war es ein hartes St\u00fcck Arbeit. \u201eIrgendwann hatte ich so 25\/30 Songideen und ein Freund sagte: Die sind gut. Wie ein vertontes Tagebuch. Mach was damit.\u2018 Eine andere Freundin sagte mir, du brauchst eine Deadline, sonst werkelst du in zehn Jahren noch daran herum\u201c, erinnert sich Timo. Kurzentschlossen hat er sich die Deadline selbst gesetzt: er tat so, als ob die Songs fertig seien und vereinbarte einen Performance-Abend &#8211; einen Monat sp\u00e4ter. Timo: \u201eIch wollte alles live machen, also habe ich Freunde gefragt, ob sie das, was ich da eingesungen hatte, nachsingen w\u00fcrden und Lust h\u00e4tten, in einem Monat aufzutreten.\u201c Das ist so gut angekommen, dass die gemischte Truppe drei Jahre lang gemeinsam aufgetreten ist. Erst danach ist dann die CD entstanden. Timo: \u201eDer eigentliche Plan war, dass ich alles alleine einspiele und singe. Bei Kate liebe ich, wie sie oft ihre eigenen Backings und Ch\u00f6re einsingt. Gerade bei solchen Songs wie \u201aMother stands for Comfort\u2018. Dadurch werden ihre Songs noch mehr ihre eigenen Songs. Aber es war dann einfach zu verlockend Leute zu fragen, die vielleicht noch ein paar Highlights beisteuern.\u201c Das reicht vom Chor bis zum Theremin, der \u201esingenden S\u00e4ge\u201c oder dem besagtem Bambus-Xylophon. \u201eIch mag es, Dinge zusammen zu bringen, die eigentlich nicht zusammengeh\u00f6ren. Da ist dann halt mal ein gesummtes Lied, welches dann pl\u00f6tzlich in einen Trauermarsch, mit Trompeten und Posaunen umschl\u00e4gt. Ich m\u00f6chte mich selbst \u00fcberraschen. Das ist das Sch\u00f6ne am Musikmachen: Es gibt keine Regeln. Du kannst machen, was du willst.\u201c Und genau das macht er, l\u00e4sst sich musikalisch auch kaum verorten. Pop? Vielleicht. Experimentell? Bestimmt. \u201eIch sage ja immer, ich mache Pop. Langsamen, melancholischen Pop. Ich sa\u00df letztens mit ein paar Freunden zusammen und irgendwann haben wir unsere Musikrichtung \u201aSpooky-Cosy\u2018 genannt. The Godfathers of Spooky-Cosy.\u201c Weder gespenstisch noch gem\u00fctlich sondern eher energiegeladen und intensiv wird es, wenn Timo in neuer Kombination mit der Cellistin Martina Bertoni auftritt. \u201eDie hatte vorher mit so illustren Leuten wie Blixa Bargeld, Teho Teardo und Alexander Balanescu gearbeitet und war gerade frisch nach Berlin gezogen und hatte praktisch nur ihr Cello dabei. Ich gab ihr meine CD, wir probten einmal und eine Woche sp\u00e4ter hatten wir unseren ersten Gig. Und seit dem spielen wir zu zweit.\u201c Auftritte und neue Produktionen f\u00fcllen ihn im Moment komplett aus. Ein Remix-Album von \u201eRecord full of last Songs\u201c ist in Planung, er schreibt Songs f\u00fcr ein neues Album, plant Videos. Bleiben noch zwei Fragen. F\u00fcr jemanden, der einen Neuanfang wagt, klingt \u201eRecord full of last Songs\u201c doch eher nach einem Abschied. \u201eDer Name der Platte kam daher, dass ich bei jedem neuen Demo \u00a0immer dachte: Das wird der letzte Song, auf der Platte. Das kann nur der letzte Song, auf dem Album werden!&#8220;, erz\u00e4hlt Timo. \u00a0Und sich nackt auf dem Cover r\u00e4keln? Auch das hat eine eigene Geschichte. Ein Freund in Oslo wollte ihn unbedingt malen. Nach mehreren Anl\u00e4ufen war Timo schlie\u00dflich einverstanden. Als es sp\u00e4ter dann um die Frage ging, wie denn das Cover aussehen k\u00f6nnte, sagte der Freund nur: Du hast doch schon eins. Timo: \u201eUnd nat\u00fcrlich passt gerade die Nacktheit. F\u00fcr mich ist es das pers\u00f6nlichste, was ich bis dahin musikalisch gemacht hatte. Ich hatte mich praktisch auch da \u201anackt gemacht\u2018.<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber Timo und sein Projekt Bleedingblackwood erfahren m\u00f6chte, wird <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Bleedingblackwood\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> f\u00fcndig. Die CD kann man bei <a href=\"https:\/\/bleedingblackwood.bandcamp.com\/releases\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bandcamp<\/a> h\u00f6ren (und bestellen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schr\u00e4g, eigenproduziert, der Titel klingt nach einem Abschied und zu allem \u00dcberfluss liegt der S\u00e4nger auch noch nackt auf dem Plattencover: \u201eRecord full of last Songs\u201c hei\u00dft das Album, das Timo C. Engel unter dem Projektnamen \u201eBleedingblackwood\u201c schon 2016 ver\u00f6ffentlicht hat. 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