{"id":4271,"date":"2017-01-07T10:00:35","date_gmt":"2017-01-07T09:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=4271"},"modified":"2017-07-23T10:24:34","modified_gmt":"2017-07-23T08:24:34","slug":"12-mal-kate-in-polaroids-von-michael-doerr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=4271","title":{"rendered":"12 Mal Kate in Polaroids von Michael"},"content":{"rendered":"<p>Kate in Polaroids? Klingt ein bisschen old-school, aber Michael kann es erkl\u00e4ren. Hauptberuflich ist er Lehrer in Mainz, Kate-Fan durch und durch und pflegt seine Leidenschaft f\u00fcr die Fotografie. Schon etwas l\u00e4nger hat Michael davon gesprochen, mal ein Kate-Projekt zu realisieren &#8211; das liegt jetzt vor. Zw\u00f6lf Polaroids zu Songs von Kate, die in seinem Leben eine besondere Bedeutung hatten und haben. Bis Dezember wird es also jeden Monat ein Bild von Michael im Blog geben. Zum Auftakt erz\u00e4hlt er, was die Fotografie f\u00fcr ihn bedeutet, warum er lieber auf analoge Fotografie setzt und wie es zu dem Projekt gekommen ist.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?attachment_id=4272\" rel=\"attachment wp-att-4272\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4272\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/md450.jpg\" alt=\"md450\" width=\"450\" height=\"544\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/md450.jpg 450w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/md450-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a>F\u00fcr Dich ist die Fotografie eine Erinnerung, das Einfrieren eines Momentes, die Vergangenheit festzuhalten, sie unverg\u00e4nglich zu machen. Wann hast Du angefangen zu fotografieren?<\/p>\n<p><strong>Michae:<\/strong> Nun, die Frage w\u00e4re zun\u00e4chst, was DU unter \u201efotografieren\u201c verstehst. Meine erste Kamera bekam ich mit zehn Jahren, eine Agfamatic Pocket.Kamara. Wenig sp\u00e4ter schenkte mir mein Vater meine erste Spiegelreflexkamera, eine Cosina CT-1. 1999 gab es meine erste Digitalkamera (ein Megapixel), und ich legte dummerweise die analoge Kamera dann f\u00fcr viele Jahre zu Seite. In dieser Zeit knipste ich zwar viel, machte mir aber wenig Gedanken \u00fcber Bildkomposition und -wirkung. 2009 kaufte ich mir dann eine digitale Spiegelreflexkamera, und ab diesem Jahr, w\u00fcrde ich behaupten, begann ich wirklich zu fotografieren. Wenig sp\u00e4ter begann ich auch Fotos auszustellen. Allerdings gefiel mir die \u201edigitale \u00c4sthetik\u201c meiner Fotos nicht, also griff ich wieder zu meiner analogen Kamera, fing an, Filme selbst zu entwickeln. Ich begann, alte Analogkameras zu kaufen, mit dem Medium Film zu experimentieren. Ab da habe es dann kein Halten mehr.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">War von Anfang der Wunsch da, Momente Deines Lebens festzuhalten?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Im Nachhinein betrachtet, durchaus. Sp\u00e4testens mit meiner ersten Spiegelreflexkamera. Ich begann, Freunde zu fotografieren, Situationen, bereiste Orte. Insbesondere meine erste (leider unbeantwortete) Liebe habe ich portr\u00e4tiert. Und ebenfalls im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich schon als Jugendlicher sehr wohl auf Bildkomposition wert legte. Ich habe von Anfang an meine Negative akribisch in Ordnern aufbewahrt, fein s\u00e4uberlich beschriftet. Das ein oder andere Negativ scannte ich mittlerweile ein, sozusagen \u201eFr\u00fchwerke\u201c.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Was macht f\u00fcr Dich den Reiz aus, mit analogen Kameras, vor allem aber auch mit Polaroid zu arbeiten? Hat das auch etwas mit dem \u201eMoment\u201c zu tun, der dann unab\u00e4nderlich eingefroren ist, anders vielleicht, als bei digitaler Fotografie?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Analoge Fotografie ist eine bewusste \u00e4sthetische Entscheidung. Ich fotografiere auf Farb- und Schwarzwei\u00dfmaterial, und ich liebe es, mit abgelaufenen Filmen zu arbeiten. F\u00fcr meine letzte Ausstellung habe ich zum Beispiel alle zehn St\u00e4dte besucht, in denen ich jemals gewohnt habe (u.a. Leipzig, Mannheim, Trier, \u2026.), und habe auf SW-Filmen fotografiert, die in der Zeit abgelaufen sind, zu der ich dort gewohnt habe. Ergo waren da Filme dabei, die 1967 abgelaufen sind. Das Material tr\u00e4gt dann ebenfalls zum Ergebnis bei, nicht nur der Fotograf. Au\u00dferdem ist ein Polaroid ein Unikat, da es hier keine Negative gibt.Au\u00dferdem haben Polaroid-Fotos eine Anmutung, die kein anderes Material besitzt. Auch die neuen Impossible-Filme haben immer Bildfehler, Farbverschiebungen oder sonstige \u201eFehler\u201c, die f\u00fcr mich besonders reizvoll sind. Eines der Bilder habe ich sogar mit einem schon l\u00e4ngst abgelaufenen Original-Polaroid angefertigt (auch hier: bewusste \u00e4sthetische Entscheidung), bei dem dann beim Ausl\u00f6sen \u00fcberhaupt nicht klar ist, was der Film aus dem Motiv macht. Analoge Fotografie ist au\u00dferdem noch wirkliches Handwerk, da ich die Filme selbst entwickle und hier auch nach dem Fotografieren noch Einfluss auf das Ergebnis habe. Ferner koche ich auch mal einen Film in Salzwasser, bevor ich ihn benutze, oder behandle ihn mit sonstigen organischen oder anorganischen Stoffen. Ich modifiziere Kameras (andere w\u00fcrden sagen, ich misshandle sie), um gewisse Bildeffekte zu erzielen. Analoge Bilder bzw. Polaroids scanne ich dann ein, allerdings muss dann auch eine leichte digitale Bearbeitung erfolgen (Tonwertanpassung, Sch\u00e4rfen, und vor allem Fusselentfernung). \u00dcbrigens, wenn man viel analog fotografiert, \u00fcbertr\u00e4gt sich das auch auf die Art und Weise, wie man dann digital arbeitet: weniger Fotos, genaues \u00dcberlegen vor dem Ausl\u00f6sen. Dann braucht man da weniger digitale Nachbearbeitung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Du gehst mit Informationen zu Deinen Bildern ja eher sp\u00e4rlich um. Auf Deiner Internetseite erf\u00e4hrt man nichts \u00fcber den Kontext der Bilder, auch in Ausstellungen bist Du eher zur\u00fcckhaltend. Liegt das daran, dass es sich um Deine \u201eMomente\u201c handelt, Deine Bilder also immer sehr pers\u00f6nlich sind? Selbst Kate erz\u00e4hlt mehr \u00fcber einzelne Songs als Du \u00fcber Deine Bilder.<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Nicht alle Bilder sind sehr pers\u00f6nlich. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Bilder f\u00fcr sich sprechen sollten. Es gab (und gibt immer noch) in der k\u00fcnstlerischen Fotografie eine Str\u00f6mung, die \u201esubjektive Fotografie\u201c genannt wird. Sascha Weidner, der letztes Jahr leider viel zu fr\u00fch verstarb und dessen Arbeiten ich sehr sch\u00e4tze, ist einer der Vertreter der heutigen Zeit dieser Stilrichtung. Wikipedia schreibt dazu unter anderem: \u201eDie Subjektive Fotografie will nicht die objektive Wirklichkeit einer Situation wiedergeben, sondern nur deren bildhafte Deutung, eine subjektive Interpretation des <em>Betrachters<\/em> ist n\u00f6tig und dessen Fantasie gefordert.\u201c Daher w\u00e4re f\u00fcr mich eine Beschreibung des Kontextes eines Fotos oder gar ein Titel ein zu starkes Korsett. F\u00fcr die Polaroid-Serie, die hier ver\u00f6ffentlicht wird, gilt dies genauso. Die Beschriftung der Polaroids stellen keine Titel dar, sondern sind eher als Zitate zu verstehen. Ich tat mich sehr schwer, zu den einzelnen Bildern etwas zu schreiben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Ist es vorstellbar, dass Du als Lehrer f\u00fcr Informatik und Mathematik eine andere Sichtweise aufs Fotografieren hast? Eher eine technische Herangehensweise, dass Du ein Bild wie eine mathematische Formel aufbaust?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Nein, \u00fcberhaupt nicht. Ich denke, dass jeder ambitionierte Fotok\u00fcnstler sehr wohl schon vorher ein Bild im Kopf entwirft bzw. entwerfen sollte. Schlie\u00dflich haben einige Fotok\u00fcnstler sogenannte Skizzenb\u00fccher, in dem Ideen bis hin zu fertigen Bildskizzen festgehalten werden. Au\u00dferdem wehre ich mich gegen diese strenge Einordnung in meine F\u00e4cher, schlie\u00dflich habe ich auch noch Musikwissenschaften studiert und mich in den 90ern an der Komposition von Musik versucht &#8211; es gab sogar damals schon eine Urauff\u00fchrung eines meiner St\u00fccke. Ich habe mich also sehr wohl auch mit anderen Dingen besch\u00e4ftigt als mit Mathematik.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Du hast vor einigen Monaten an einem Projekt in einem Bunker teilgenommen und bist mit einer Kamera von 1938 in das Objekt aus den 40ern gegangen. Warum?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Es ist f\u00fcr mich eine \u00e4sthetische Entscheidung, welche Kamera ich mit welchem Filmmaterial f\u00fcr welches Motiv ausw\u00e4hle. Diese Entscheidung treffe ich vorher, muss ich vorher treffen. Das Projekt, welches Du ansprichst, hatte zur Aufgabe, im Hochbunker in R\u00fcsselsheim zu fotografieren. Es sollte dabei ein wenig die Angst und die Beklemmung zum Ausdruck gebracht werden, die im Bunker herrschte, als die Menschen sich bei den Bombenangriffen in dem Bunker befanden. Hier w\u00e4re mir eine Digitalkamera zu n\u00fcchtern. Ich lagere mittlerweile \u00fcber 160 Kameras in meinem \u201eKamerazimmer\u201c, wie ich es nenne. Ich habe also bewusst eine Kamera ausgew\u00e4hlt, die ebenfalls aus der Zeit stammte, in der diese dunklen Schatten \u00fcber Deutschland und Europa lagen. Wer wei\u00df, was diese Kamera damals \u201egesehen\u201c hat.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Urspr\u00fcnglich wolltest Du f\u00fcr Dein Kate-Projekt zw\u00f6lf Personen zeigen, jetzt sind es Polaroids zu zw\u00f6lf Songs geworden. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Wie oben schon angedeutet, handelt es sich bei der Beschriftung der Polaroids nicht um Bildtitel, sondern um Zitate. Ich wollte schon l\u00e4nger einmal eine Serie zu Kate Bush-Liedern machen, hatte auch schon begonnen, allerdings mit anderem Filmmaterial. Aber dann kam ich doch zu dem Schluss, dass der Sofortbild-Film das Medium der Wahl f\u00fcr mich darstellt. Die ganze Serie ist auch ein wenig autobiografisch. Sie bildet quasi meinen Lebensweg seit dem Tod meines Vaters bis heute ab. Hierzu interpretiere ich die einzelnen Kate-Songs \u00e4u\u00dferst subjektiv. Die Musik von Kate war immer f\u00fcr mich da, in allen Lebenslagen. Es gab und gibt f\u00fcr mich \u201ewichtige\u201c Songs, welche ich nun auf meine Art illustriert habe. Eines der Lieder sorgte auch daf\u00fcr, dass ich den Mann meines Lebens kennengelernt habe, mit dem ich nun schon \u00fcber 18 Jahre zusammen lebe. In der Tat wollte ich auch, wie Du angesprochen hast, eine Serie mit Portr\u00e4ts von Kate-Fans machen (fotografiert mit einer zwei\u00e4ugigen Kamera, einer Rolleicord). Vielleicht setze ich dieses Projekt doch noch fort.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Wie viele \u201eeingefrorene Momente\u201c h\u00e4ttest Du vom Konzert in London auf Foto gebannt, vor allem welche?<\/p>\n<p><strong>Michael:<\/strong> Nun, ich habe solche Momente eingefroren. Allerdings habe ich mich an den Appell von Kate gehalten und am Konzertabend s\u00e4mtliche bildgebenden Apparate im Hotelzimmer gelassen. Aber die vier Tage, die wir zusammen mit einem guten Bekannten London verbracht haben, waren wundersch\u00f6n. Einer der Momente, die ich abgebildet habe, war der Moment, als wir am ersten Abend in Hammersmith zum Odeon gelaufen sind und ich die Leuchtschrift \u201eBefore the dawn\u201c das erste Mal sah &#8211; ein unvergesslicher Moment f\u00fcr mich. Das Foto (gebannt auf Dia-Film) h\u00e4ngt nun als Abzug auf Leinwand in meinem Arbeitszimmer und erinnert mich immer wieder an diese wundervollen Tage. Die meisten Fotos sind allerdings digital. \u00dcbrigens stand an dem Abend, als wir im Konzert in London waren, ein junger Mann mit einer Polaroid-Kamera (eine Image Spectra) vor der Halle und fotografierte damit wohl ebenfalls die Leuchtschrift. Leider war er gleich wieder verschwunden, bevor ich ihn ansprechen konnte.<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber die Fotos von Michael erfahren will, wird <a href=\"http:\/\/www.experiment466.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> f\u00fcndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kate in Polaroids? Klingt ein bisschen old-school, aber Michael kann es erkl\u00e4ren. Hauptberuflich ist er Lehrer in Mainz, Kate-Fan durch und durch und pflegt seine Leidenschaft f\u00fcr die Fotografie. Schon etwas l\u00e4nger hat Michael davon gesprochen, mal ein Kate-Projekt zu realisieren &#8211; das liegt jetzt vor. 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