{"id":2978,"date":"2015-05-07T07:12:09","date_gmt":"2015-05-07T05:12:09","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2978"},"modified":"2017-07-23T13:40:21","modified_gmt":"2017-07-23T11:40:21","slug":"tourbuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2978","title":{"rendered":"Tourbuch: Brrrrr im Wassertank"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/bfd2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2037 size-full\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/bfd2.jpg\" alt=\"bfd2\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/bfd2.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/bfd2-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Von Beate Meiswinkel<\/strong><\/p>\n<p>Die Leinwand ist die Wirklichkeit, die B\u00fchne in Pinewood mit dem 20 Fu\u00df tiefen Innentank ist der \u2013 Brrrrrr!<\/p>\n<p><em>\u201eBrrrrrr, in der Tat. Allein daran zu denken, l\u00e4sst mich Erschauern. Mit Ideen ist das so eine Sache. Sie m\u00f6gen sich ja zun\u00e4chst gut anh\u00f6ren, aber oft sind sie von ihrer tats\u00e4chlichen Umsetzung sehr weit entfernt.\u201c<br \/>\n<\/em>Was als interessante Idee begann, n\u00e4mlich Filmszenen f\u00fcr \u201eThe Ninth Wave\u201c in einem Wassertank zu filmen, entpuppte sich als langatmige und \u00fcberaus anstrengende Erfahrung. Diese erinnert bestimmt nicht nur zuf\u00e4llig an die Geschichte des Maler-Models Elizabeth Siddal. Anno 1852 posierte Siddal bewegungslos in einer wassergef\u00fcllten Badewanne liegend f\u00fcr das Gem\u00e4lde \u201eOphelia\u201c von John Everett Millais \u2013 mit tragischen Folgen f\u00fcr ihre Gesundheit. Und auch Kate sollte sich in ihrem Wassertank eine leichte Unterk\u00fchlung einhandeln.<\/p>\n<p>Doch genug der pr\u00e4raffaelitischen Abschweifungen; Kate wollte bei ihren Aufnahmen unbedingt live singen, statt ein Playback zu verwenden, um die Stimmung ihrer Szene m\u00f6glichst authentisch einfangen zu k\u00f6nnen: <em>\u201eDoch soweit wir wissen, hat noch niemand live gesungen, w\u00e4hrend er flach auf dem R\u00fccken liegend in einem Wassertank treibt. Das Sound-Team hat sehr viel herumexperimentiert und Mikrofone in Fischgl\u00e4ser getaucht, von denen einige sofort kaputt gingen. Wenn man einen Mikrofon-Hersteller fragt, ob seine Ger\u00e4te wasserdicht sind, ist dieser nat\u00fcrlich dazu verpflichtet, nein zu sagen. Tats\u00e4chlich sind es ein paar davon trotzdem. (&#8230;) Wir ben\u00f6tigten nat\u00fcrlich die bestm\u00f6gliche Sound-Qualit\u00e4t, da wir eine Hauptstimme aufnehmen wollten.\u201c<\/em><br \/>\nEine echte Herausforderung f\u00fcr das Sound-Team also. Man verwendete ein Galgenmikrofon als back-up, w\u00e4hrend die beiden Hauptmikrofone als Aufblasventile getarnt in die Schwimmweste eingearbeitet worden waren, die Kate bei den Aufnahmen trug.<\/p>\n<p><em>\u201eNach etwa sechs Stunden, in denen ich in einem Tank zusammen mit einem kompletten Taucher-Team herumtrieb, ging eine ver\u00e4ngstigte Visagistin, die nicht schwimmen konnte und in nasser Kleidung herum waten musste, auf einmal in unserem 20 Fu\u00df tiefen Wassertank unter. W\u00e4hrend sie von einem heldenhaften Taucher und der gesamten Film-Crew gerettet wurde, von denen keiner auch nur nasse F\u00fc\u00dfe bekommen hatte, begann ich, mich ein klein wenig gereizt zu f\u00fchlen, und mir war sehr kalt.\u201c<\/em><br \/>\nKates Laune kippte also verst\u00e4ndlicherweise, nachdem das Filmteam auch noch nach gr\u00f6\u00dferen Wellen verlangte. Diese Wellen w\u00fcrden nicht nur die Live-Stimme \u00fcbert\u00f6nen, sondern es w\u00fcrde auch eher wie in einem Badezimmer klingen als nach dem Rauschen des Ozeans. Gr\u00f6\u00dfere Wellen wurden seitens der K\u00fcnstlerin also rigoros und in sehr, ahem, blumiger Sprache abgelehnt. Am Abend f\u00fchlte Kate sich unwohl, ihre Temperatur stieg an und sie bef\u00fcrchtete, sich eine Lungenentz\u00fcndung zugezogen zu haben. Am n\u00e4chsten Morgen lag sie mit Fieber im Bett, konnte die Dreharbeiten nicht fortsetzen und konsultierte schlie\u00dflich einen Arzt:<br \/>\n<em>\u201eUnser Hausarzt ist ein sehr gebildeter, wortgewandter Mann, dessen Redeweise angemessen ausdruckslos ist:<br \/>\n\u201aWo liegt denn das Problem?\u2019<br \/>\n\u201aIch war gestern in einem Wassertank und ich habe Fieber.\u2019<br \/>\n\u201aUnd warum waren Sie in einem Wassertank?\u2019 fragte er, ohne auch nur das geringste Zucken einer Augenbraue&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck war es keine Lungenentz\u00fcndung, und Kate durfte weitermachen, sofern sie nicht l\u00e4nger als h\u00f6chstens zwei Stunden im Wasser verbringen w\u00fcrde. <em>\u201eAlso konnten wir die Dreharbeiten vollenden und die Live-Stimme aufnehmen, doch dies war das erste Mal in all meinen Jahren voller hirnrissiger Ideen, in denen ich tats\u00e4chlich meine geistige Gesundheit in Frage stellte. Es war wirklich die anspruchsvollste Performance bisher.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Alle Artikel von Beate zum Tourbuch gibt es <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?page_id=2943\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Beate Meiswinkel Die Leinwand ist die Wirklichkeit, die B\u00fchne in Pinewood mit dem 20 Fu\u00df tiefen Innentank ist der \u2013 Brrrrrr! \u201eBrrrrrr, in der Tat. Allein daran zu denken, l\u00e4sst mich Erschauern. Mit Ideen ist das so eine Sache. 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