{"id":2916,"date":"2015-02-15T07:07:51","date_gmt":"2015-02-15T06:07:51","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2916"},"modified":"2017-07-23T13:48:55","modified_gmt":"2017-07-23T11:48:55","slug":"eberhard-weber-seine-deutsche-jazz-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2916","title":{"rendered":"Eberhard Weber: (S)Eine deutsche Jazz-Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/eweber.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2917 size-full\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/eweber.jpg\" alt=\"eweber\" width=\"620\" height=\"465\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/eweber.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/eweber-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/weber2-400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2918\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/weber2-400.jpg\" alt=\"weber2-400\" width=\"400\" height=\"347\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/weber2-400.jpg 400w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/weber2-400-300x260.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Mehr als 20 Jahre hat der deutsche Jazz-Bassist Eberhard Weber von 1982 bis 2005 Kate Bush immer wieder musikalisch bei ihren Studioproduktionen begleitet. In seinem neuen Buch &#8222;R\u00e9sum\u00e9&#8220; (sagas.edition, ISBN<b>&#8211;<\/b>10<b>:<\/b> 3944660048; ISBN-13: 978-3944660042; 19,99 Euro, gebunden, 252 Seiten) verr\u00e4t Weber, dass er urspr\u00fcnglich auch bei Kates Live-Auftritten fest eingeplant war. Dass Kate in der Biografie \u00fcberhaupt vorkommt, mag zwei Umst\u00e4nden geschuldet sein: Weber h\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig Kontakt zu Kate, beschreibt sie als &#8222;eine bewundernswerte, au\u00dfergew\u00f6hnliche Frau&#8220;. Und: wenige Monate nach Kates &#8222;Before the dawn&#8220;-Konzerten bot sich der Verweis auf die Zusammenarbeit mit ihr geradezu an. Dabei ist das schon die gro\u00dfe Ausnahme in &#8222;R\u00e9sum\u00e9&#8220;. Weber konzentriert sich in seiner Biografie nicht darauf, mit wem er wann wo zusammengespielt hat, um durch die Hintert\u00fcr deutlich zu machen, dass er es war, der das Bass-Spiel revolutioniert hat. Starall\u00fcren scheinen ihm vollkommen fremd: &#8222;Nicht nur einmal bin ich dar\u00fcber erschrocken, was ich im Internet alles \u00fcber mich gefunden habe. Platten mit Musikern, an die ich mich nicht mal erinnere, h\u00e4tte ich eingespielt&#8220;, schreibt er gleich zu Beginn am\u00fcsiert. Dementsprechend mager f\u00e4llt dann auch selbst seine Discografie aus. Stattdessen nimmt er anhand seiner Lebens-Biografie den Leser mit auf eine \u00e4u\u00dferst spannende Zeitreise durch die Geschichte des deutschen (und sp\u00e4ter auch internationalen) Jazz. Von seinen Anf\u00e4ngen in der Nachkriegszeit bis zu den 68ern, seinem musikalischen Durchbruch und den ausgedehnten Tourneen &#8211; Weber war wissbegierig und vor allem ein Aufbegehrender. Er schafft es, anhand kleiner Beispiele deutlich zu machen, welch harte Arbeit hinter seiner Leidenschaft steckte, vom Kampf mit Equipment und Sound bis zum durchaus nicht leichten Musikeralltag. Besonders sympathisch: den 68er Geist des Aufbegehrenden konnte sich der heute 75-J\u00e4hrige erhalten. Noch heute kann sich Weber \u00fcber die europ\u00e4ische Mentalit\u00e4t aufregen, nahezu ausschlie\u00dflich im Vier-Viertel-Takt zu denken oder der Musik nicht den Raum zu geben, der ihr geb\u00fchrt: &#8222;Wieso geht ein Fan einer bestimmten Formation, von der er s\u00e4mtliche Aufnahmen besitzt, f\u00fcr teures Geld in deren Konzert, um dort nicht zuzuh\u00f6ren? Unentwegt singt er sogar noch mit und klatscht in die H\u00e4nde, im Idealfall im Takt. Mir kann niemand weismachen, dass man Musik h\u00f6ren kann, indem man st\u00e4ndig herumhampelt und gar bei langsameren St\u00fccken albern das Feuerzeug schwingt.&#8220; Vielleicht ist Weber aber einfach auch aus der Zeit gefallen, macht Musik in einem \u00e4hnlichen Kosmos wie Kate Bush, die bei ihren Konzerten um genau diese Konzentration auf die Musik und ein Fotografierverzicht gebeten hatte.<br \/>\n1982 war es, als sich die Zusammenarbeit mit Kate anbahnte. In einem Hamburger Hotel fand Weber nach Proben f\u00fcr eine Platte und einem Konzert abends einen Zettel: &#8222;Eine Frau Busch hat angerufen&#8220;, stand da drauf. Das Ergebnis: Weber spielte die Bass-Melodie f\u00fcr den Song &#8222;Houdini&#8220; ein. Es folgte die Zusammenarbeit bei Songs von <em>Hounds of Love<\/em>, <em>The Sensual Word<\/em> und <em>Aerial<\/em>. Als <em>Aerial<\/em> 2005 aufgenommen wurde, keimte der Gedanke an Live-Auftritte offenbar schon. Weber schreibt: &#8222;An einem unserer gem\u00fctlichen Abende mit wunderbarem Essen und ein paar Gl\u00e4sern Rotwein deute mir Kate an, dass sie mich gerne dabei h\u00e4tte, sollte sie jemals wieder Konzerte geben.&#8220; Die kamen f\u00fcr Weber leider zu sp\u00e4t &#8211; ein Schlaganfall kam 2007 dazwischen. Statt dem Anruf zur Teilnahme an den Shows kam eine Email von Kate: &#8222;Habe ich dir schon erz\u00e4hlt, dass wir deine atemberaubende Pendulum-CD vor wirklich jeder meiner Shows gespielt haben &#8211; mein absolutes Lieblingsalbum!&#8220;<br \/>\nWer seine Lebenserinnerungen &#8222;R\u00e9sum\u00e9&#8220; betitelt, kommt nat\u00fcrlich nicht umhin, ein Fazit zu ziehen. Dem Umstand geschuldet, dass er nach seinem Schlaganfall 2007 den Bass nicht mehr bedienen kann, f\u00e4llt das auf seine schw\u00e4bisch-humorvolle Art gewollt doppeldeutig aus und ist gleichzeitig eine Mischung aus Understatement und auch bitterer Erkenntnis: &#8222;Ich kann nicht Bass spielen. Aber ich wei\u00df, wie&#8217;s geht.&#8220; Der Leser kann ein anderes Fazit ziehen: Dank Weber wei\u00df er jetzt auch wie&#8217;s geht.<\/p>\n<p>Webers Beitrag auf den Alben von Kate: Houdini (The Dreaming, 1982), Mother Stands For Comfort, Hello Earth (Hounds Of Love, 1985), Never Be Mine, Walk Straight Down The Middle (The Sensual World, 1989), Pi, Prologue (Aerial, 2005).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 20 Jahre hat der deutsche Jazz-Bassist Eberhard Weber von 1982 bis 2005 Kate Bush immer wieder musikalisch bei ihren Studioproduktionen begleitet. In seinem neuen Buch &#8222;R\u00e9sum\u00e9&#8220; (sagas.edition, ISBN&#8211;10: 3944660048; ISBN-13: 978-3944660042; 19,99 Euro, gebunden, 252 Seiten) verr\u00e4t Weber, dass er urspr\u00fcnglich auch bei Kates Live-Auftritten fest eingeplant war. 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