{"id":2874,"date":"2015-02-08T07:04:35","date_gmt":"2015-02-08T06:04:35","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2874"},"modified":"2017-07-23T13:49:12","modified_gmt":"2017-07-23T11:49:12","slug":"das-song-abc-all-the-love","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2874","title":{"rendered":"Das Song-ABC: All the Love"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2606\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg\" alt=\"abc\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/abc-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Jede(r) kennt das: Man wei\u00df in einer bestimmten Situation, dass man Liebe h\u00e4tte geben sollen, aber es war einfach nicht m\u00f6glich. Dieser Schmerz \u00fcber nicht angekommene, nicht zu erwidernde, verpasste, fehlgeleitete, verlorene Liebe trifft den, der sie nicht geben kann, vielleicht sogar am meisten. Aus diesem Schmerz hat Kate Bush einen ihrer \u2013 zumindest f\u00fcr mich &#8211; intensivsten Songs gemacht. Kate umarmt verschiedenste musikalische Stilistiken von Klassik \u00fcber Jazz bis Experimentalpop und baut eine ihrer unvergleichlichen Klangcollagen zu einem bewegenden Klagegesang.<br \/>\nDie Grundstimmung daf\u00fcr legt ein lautloses, m\u00e4nnliches Hauchen zusammen mit einem chromatischen Motiv auf dem Piano, ein seufzender Atemzug, der im St\u00fcck immer wieder auftaucht. Der singende Bass von Del Palmer erinnert an die Spielweise von Eberhard Weber, und er f\u00fchrt zur Stimme von Kate hin. Sie hat in diesem St\u00fcck einen niedergeschlagenen, verzweifelten, verletzten Ton, und sie schwingt sich am Ende der Strophen zu fast orientalisch klingenden Melodiewindungen empor. Dazu passt auch der Text. Interpretiert man ihn ganz w\u00f6rtlich, sieht man zun\u00e4chst eine Sterbebettszene: Alte Freunde beweinen die Dahinscheidende, um die sie sich zu Lebzeiten viel zu wenig gek\u00fcmmert haben. Dann abstrahiert Kate: \u201eOnly tragedy allows the relief of love and grief never normally seen.\u201c Nur in Extremsituationen k\u00f6nnen wir die Liebe und den Kummer rauslassen, die sonst zur\u00fcckgehalten werden, weil wir uns sch\u00e4men, zu starke Gef\u00fchle zu zeigen.<br \/>\nIn der letzten Strophe wird es pers\u00f6nlich, hier spricht Kate ohne Zweifel von sich selbst: \u201eThe next time I dedicate my life&#8217;s work to the friends I make.\u201c Sie opfert sich und ihre Kunst f\u00fcr ihre Freunde auf, doch die verstehen sie nicht. Die Angst, die ihr das bereitet, ist nicht nur die Angst der Isolation im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch die Furcht der K\u00fcnstlerin, als \u201eweird\u201c abgeurteilt zu werden. Ironischerweise ist das ja gerade nach der Ver\u00f6ffentlchung von \u201eThe Dreaming\u201c, auf dem \u201eAll the love\u201c ja zu finden ist, ganz massiv passiert.<br \/>\nUm die Wirkung zu steigern, hat Kate in verschiedenen Songs immer wieder zu einer fremden vokalen Sph\u00e4re gegriffen, etwa der georgische Chor in \u201eHello Earth\u201c, oder die bulgarischen Stimmen in \u201eSong Of Solomon\u201c. Hier ist es auch so: Der Chorknabe Richard Thornton singt als Bridge zwischen Strophen und Refrain die Zeile \u201ewe needed you to love us too, we wait for your move\u201c. W\u00e4hrend diese Zeile gesungen wird, kommt der Rhythmus zum Erliegen, nur r\u00f6chelnde Fairlight-Seufzer in verschiedenen Tonlagen begleiten die helle Jungenstimme, die wie ein verletzter Geist aus dem Jenseits mahnt. Es ist die vielleicht eisigste Stelle im gesamten Werk von Kate Bush. Daraufhin setzt der Refrain ein, der wiederum ein einziger Seufzer ist: \u201eAll the love you should have given\u201c. Die Verzweiflung \u00fcber die nicht gegebene Liebe wird so gro\u00df, dass sie keine Worte mehr findet und nur noch hilflos \u201eall the love, all the love, all the love\u201c stammelt.<br \/>\nDen Abspann des Songs hat Kate mit einem genialen Kniff versehen. Zum einen rhythmisiert sie nun den Gesang des Chorknabens, zum anderen gibt es eine endlose Parade von Abschiedsgr\u00fc\u00dfen, die sie auf dem Anrufbeantworter gesammelt hatte. \u201eSo now when they ring, I get my machine to let them in\u201c, hei\u00dft es am Ende der vorangegangenen Strophe. Zwischen sich und ihre Freunde hat sie eine Maschine geschaltet &#8211; die Angst vor dem Kontakt hat \u00fcber die Bereitschaft zur Kommunikation gesiegt.<br \/>\n\u201eAll the love\u201c ist ein unter die Haut gehendes Psychogramm &#8211; \u00fcber die Unf\u00e4higkeit und die verpassten Gelegenheiten, Emotionen zu zeigen. Aber es ist auch ein Hinweis auf die bedrohte Privatsph\u00e4re einer K\u00fcnstlerin, die den R\u00fcckzug brauch,t um sch\u00f6pferisch zu sein. Die eine solche Menge an Liebe, wie sie Fans von ihr fordern, unm\u00f6glich geben kann. Auf dieser Deutungsebene ist diese gro\u00dfartige Ballade auch ein heimlicher Verwandter von \u201eGet Out Of My House\u201c. Last but not least: Eine Coverversion, die die Atmosph\u00e4re von \u201eAll the love\u201c kongenial auf alte Instrumente \u00fcbertr\u00e4gt, hat <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tirqa-CrhlA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alphan Music<\/a> geschaffen. (<strong>Stefan<\/strong>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede(r) kennt das: Man wei\u00df in einer bestimmten Situation, dass man Liebe h\u00e4tte geben sollen, aber es war einfach nicht m\u00f6glich. Dieser Schmerz \u00fcber nicht angekommene, nicht zu erwidernde, verpasste, fehlgeleitete, verlorene Liebe trifft den, der sie nicht geben kann, vielleicht sogar am meisten. Aus diesem Schmerz hat Kate Bush einen ihrer \u2013 zumindest f\u00fcr &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"http:\/\/morningfog.de\/?p=2874\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[475,514,486],"class_list":["post-2874","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-abc","tag-all-the-love","tag-stefan","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2874"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2874\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4790,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2874\/revisions\/4790"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/morningfog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}