{"id":2029,"date":"2014-06-29T07:19:25","date_gmt":"2014-06-29T05:19:25","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2029"},"modified":"2014-06-29T10:10:03","modified_gmt":"2014-06-29T08:10:03","slug":"eine-traurige-kate-einer-gluecklichen-frau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=2029","title":{"rendered":"Eine traurige Kate einer gl\u00fccklichen Frau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_close.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2031\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_close.jpg\" alt=\"kate_close\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Wenn man \u00fcber Menschen schreibt, die man kaum oder nur ganz wenig kennt, kann man auf ihre Mimik oder Gestik achten, um sich ein Bild davon zu machen, wie sie in bestimmten Situationen denken oder f\u00fchlen. Manchmal reicht aber ein einzelner Satz einer Person, um dieses Bild entstehen zu lassen. Zum Beispiel dieser: \u201eIch denke man k\u00f6nnte sagen, dass ich &#8211; bevor ich Schriftstellerin wurde \u2013 ein frustrierter, w\u00fctender Teenager war.\u201c Zur Schriftstellerei sp\u00e4ter mehr. Sarah Faber lebt seit einiger Zeit in Neu Schottland (Kanada) auf Cape Breton. Sie stammt aus Toronto und hat eine Zeit lang auch in Maine gewohnt. Damals, in Maine, in einer sehr l\u00e4ndlichen Gegend, brauchte sie Abwechslung. Arbeiten konnte sie damals nicht, also musste etwas anderes her. \u201eIch f\u00fchlte mich sehr isoliert dort\u201c, erz\u00e4hlt Sarah und begann an Puppen zu arbeiten. \u201eIch wollte etwas mit den H\u00e4nden tun und es sollte gleichzeitig etwas sein, \u00fcber das ich nicht viel nachdenken musste.\u201c In dieser Zeit entstand auch die Puppe mit dem Namen Kate, die nicht zuf\u00e4llig \u00c4hnlichkeiten mit Kate Bush hat. F\u00fcr ihre kleinen Kunstwerke nutzt Sarah ausschlie\u00dflich nat\u00fcrliche Materialien, Baumwolle, Mohair, Glas, Seide, Ton. Und sie hat eine Vorliebe f\u00fcr die Verwendung alter Materialien. \u201eMeistens habe ich keine Skizze oder Plan, sondern nur eine Idee oder ein Farbschema im Kopf, aus dem sich dann die Puppe entwickelt\u201c, erkl\u00e4rt Sarah. Die fertigen Kunstwerke sind \u00fcberaus gefragt und absolute Unikate. Ihre Liebe zu Kate Bush hat Sarah \u00fcbrigens nahezu geerbt. \u201eMeine Mutter hat gerne Kate Bush geh\u00f6rt. Ich erinnere mich, dass mein Vater ihr die Platte \u201aHounds of love\u2018 geschenkt hat. Und bis <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_long.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2030\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_long.jpg\" alt=\"kate_long\" width=\"300\" height=\"493\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_long.jpg 300w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kate_long-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>zum heutigen Tag ist das mein Lieblingsalbum. Es ist so vielf\u00e4ltig, einfach wundervoll und dazu gef\u00fcllt mit viel Dramatik. Ich liebe es, dass Kate\u2019s Musik immer etwas bizarr ist, ein bisschen \u00fcberdreht und sich gleichzeitig aber immer sehr aufrichtig anf\u00fchlt.\u201d Beeindruckt hat Sarah insbesondere ein Interview mit Kate Bush, das sie vor Jahren einmal geh\u00f6rt hat: \u201eSie klang so nett und h\u00f6flich und vermittelte den Eindruck, dass sie ein ganz normales Leben f\u00fchrt, w\u00e4hrend sie gleichzeitig diese ganze \u00dcberdrehtheit in ihre Musik steckt.\u201c Ein bisschen gef\u00e4llt Sarah der Gedanke, sich darin wiederzuerkennen. Wer sich ihre Puppen genauer anschaut, wird erkennen, dass sie alle sehr traurig aussehen. \u201eDeswegen werde ich oft gefragt, ob ich ein trauriger Mensch bin\u201c, erz\u00e4hlt sie. Das genaue Gegenteil ist der Fall: \u201eIch bin wirklich ein sehr gl\u00fccklicher, zufriedener Mensch und ich habe ein sehr ruhiges, normales Leben.\u201c Eher sind es die l\u00e4ngst vergangenen Zeiten, in denen sie ungl\u00fccklich war, die sich in ihren Figuren widerspiegeln. Bleibt die Frage, wie jemand, der solch wundervolle kleine Kunstwerke fertigen kann, gleichzeitig noch als Schriftstellerin t\u00e4tig sein kann. \u201eWie ich Schriftstellerin wurde, kann ich nicht wirklich erkl\u00e4ren. Ich habe schon als Teenager schreckliche Gedichte geschrieben. Ich war ein Einzelkind und musste mich viel mit mir selbst besch\u00e4ftigen. Viele Konversationen fanden nur in meinem Kopf statt.\u201c Die einzige M\u00f6glichkeit, diese Konversationen loszuwerden, war, sie aufzuschreiben. Als Twen begann sich Sarah f\u00fcr Prosa zu interessieren. Inzwischen hat sie ihren ersten Roman fertiggestellt, der in Brasilien spielt und auf der Familiengeschichte ihrer Mutter basiert \u2013 mehr will sie nicht verraten. Nur noch, dass sie bereits am n\u00e4chsten Roman arbeitet \u2013 einem Krimi \u00fcber einen Mordfall in den 1920er Jahren. Die Kate-Puppe ist \u00fcbrigens bisher die einzige Hommage von Sarah an Kate, aber m\u00f6glicherweise nicht die letzte. Und dass sich ein Kate-Fan \u00fcber das Werk gefreut hat und sie sorfort gekauft hat, versteht sich von selbst.<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber die Puppen von Sarah erfahren m\u00f6chte, wird <a href=\"http:\/\/blackeyedsuzie.squarespace.com\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> f\u00fcndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man \u00fcber Menschen schreibt, die man kaum oder nur ganz wenig kennt, kann man auf ihre Mimik oder Gestik achten, um sich ein Bild davon zu machen, wie sie in bestimmten Situationen denken oder f\u00fchlen. 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