{"id":1817,"date":"2014-04-16T07:16:53","date_gmt":"2014-04-16T05:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/morningfog.de\/?p=1817"},"modified":"2014-04-14T22:31:13","modified_gmt":"2014-04-14T20:31:13","slug":"herr-bottcher-ist-gefangen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/morningfog.de\/?p=1817","title":{"rendered":"Herr B\u00f6ttcher hat Tr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hb3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1703\" alt=\"hb3\" src=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hb3.jpg\" width=\"620\" height=\"95\" srcset=\"http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hb3.jpg 620w, http:\/\/morningfog.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hb3-300x45.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a>Tr\u00e4umen Sie auch manchmal von Kate Bush? Ich meine keine Tagtr\u00e4umereien wie: Ach, w\u00e4re das fantastisch, w\u00fcrde morgen Kates neues Doppelalbum erscheinen&#8230;\u00a0 Auch nicht: Was w\u00e4re, wenn ich die Playlist f\u00fcr das Kate-Konzert zusammenstellen d\u00fcrfte&#8230; Tr\u00e4umen Sie manchmal von Kate Bush?<br \/>\nVorweg m\u00f6chte ich anmerken, dass &#8211; gleichg\u00fcltig welche Musik, welche Literatur oder welcher Film mir gef\u00e4llt &#8211; ich den K\u00fcnstler in Realit\u00e4t nicht kennenlernen muss. Wozu? Ich mache mir nichts aus Autogrammen und erst recht nichts aus einem feuchten H\u00e4ndedruck. Ich brauche keine Tasse, die ich nie mehr abwaschen kann, weil Meryl Streep daraus Fencheltee getrunken hat. Ich will auch nicht die benutzen Zahnstocher von James Blunt, Udo J\u00fcrgens oder Justin Timberlake horten. Und selbst signierte B\u00fccher von John Irving, Susanna Clarke oder Jim Butcher sind f\u00fcr mein Lebensgl\u00fcck nicht zwingend notwendig. Womit bewiesen w\u00e4re: Ich bin ein durch und durch rationaler Mensch.<br \/>\nTrotzdem ist es so, dass Kate mitunter in meinen Tr\u00e4umen vorkommt. Mitunter. Nicht st\u00e4ndig. Ich bin nun wirklich kein Mensch, der immerfort an Kate Bush denkt. Wirklich nicht. Ich denke, aber nicht nur an Kate Bush. Ich denke wie jeder andere Mensch auch an das Wetter oder an Bananen oder an was man sonst so denkt. Selbst wenn ich in diesem Moment an Kate Bush denken w\u00fcrde &#8211; was ich nicht tue &#8211; w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich an ihre Musik denken. Immer nur an ihre Musik. H\u00e4tte ich jedoch geahnt,\u00a0 dass man mich auf diese Mission hier schickt, Ihnen, hochverehrte Leserschaft, das Warten auf Kate zu verk\u00fcrzen&#8230; Ja, dann h\u00e4tte ich zweifelsohne jeden Traum auf ein Diktierger\u00e4t gesprochen, um ihn hier ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen. Habe ich aber nicht. Kann ich also nicht.<br \/>\nErfreulicherweise kann ich mich jedoch noch an einen Traum erinnern. Es war die Zeit zwischen \u201eThe Red Shoes\u201c und \u201eAerial\u201c. Ich wei\u00df das so genau, weil ich gerade in eine andere Wohnung umgezogen war. Wie war das noch mit dem ersten Traum in einem neuen Bett? Herr B\u00f6ttcher schlummerte also s\u00fc\u00df und tr\u00e4umte selig.<br \/>\nZuerst nichts, dann nur eine br\u00e4unlich-gr\u00fcne Fl\u00e4che. (Immerhin wissen Sie jetzt schon mal, dass ich in Farbe tr\u00e4ume. Stellen Sie sich also br\u00e4unliches Gr\u00fcn vor.) Pl\u00f6tzlich im Zentrum dieser Farbkomposition: ein winziges Quadrat. Das Quadrat wird heran gezoomt. Das Quadrat ist ein Plattencover. Ein Cover f\u00fcr eine Scheibe aus Vinyl. Keine Schrift, kein Hinweis, keine Bilder auf dem Cover. Nur Farben: sehr viel Moosgr\u00fcn und ein wenig Tomatenrot. H\u00fcbsch anzusehen. So als h\u00e4tte jemand einen Pinsel mit dicker, roter Farbe in leichtes, gr\u00fcnes Wasser gestupst.<br \/>\nAls ich das Cover ber\u00fchren will, schrumpfe ich (Alice im Wunderland l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Ich wei\u00df, ich wei\u00df, nicht besonders originell, aber wer ist schon Herr seiner Tr\u00e4ume? Es gibt weit Schlimmeres. Uschi Glas h\u00e4tte mir auch einen Apfel reichen k\u00f6nnen und ich h\u00e4tte hineinbei\u00dfen m\u00fcssen. Dann doch lieber die Schrumpfnummer, ich bin n\u00e4mlich allergisch&#8230; Gegen \u00c4pfel?). Das Plattencover im Traum ist ein Gatefold-Cover und schl\u00e4gt sich von allein auf. Und ich wei\u00df, ohne dass es mir jemand gesagt hat: die neueste Platte von Kate Bush hat sich vor mir aufgetan. (Bevor Sie jetzt zu den Telefonh\u00f6rern greifen, erinnere ich noch einmal daran: Dies hier ist ein Traum, die Platte ist niemals erschienen. Zumindest nicht in diesem Universum.)<br \/>\nKennen Sie diese fr\u00f6hlichen Klappb\u00fccher f\u00fcr Kinder mit den sogenannten Pop-Up-Elementen? Tja, in so einer heiteren Papp-Welt war ich pl\u00f6tzlich unterwegs. Ich schlenderte \u00fcber einen gezeichneten Weg, \u00fcber eine Wiese, durch ein W\u00e4ldchen und \u00fcberall gab es Stationen und es konnte gedreht, gezogen und gebl\u00e4ttert werden. Hurra, dreimal in die H\u00e4nde geklatscht, das versprach vergn\u00fcgliche Besch\u00e4ftigung! Und es wurde sogar richtig erfreulich. Jedes Mal bei Bet\u00e4tigung eines Pop-Ups tauchte ein St\u00fcck Kate auf. Ihr Kopf hinter einem Busch, ihre Augen wurde \u00fcbergro\u00df und sprangen ihr beinahe aus dem Kopf. Oder man kam an ein H\u00e4uschen &#8211; dr\u00fcckte man dort auf einen Knopf an der Haust\u00fcr, \u00f6ffnete sich das K\u00fcchenfenster und Kate r\u00fchrte recht beschwingt im Suppentopf, bei der n\u00e4chsten Station sprang sie aus dem Schornstein. Sehr oft hob sie den rechten Arm zum winkenden Gru\u00df. Sie wissen, Kate ist im Winken mindestens so gut wie ihre Fans im Warten. Und \u00fcberall war es gr\u00fcn und Kate trug ein tomatenrotes Kleid. Und jedes Mal, wenn ich an einer weiteren Schlaufe aus Pappe zog, ert\u00f6nte ein neues, mir g\u00e4nzlich unbekanntes Lied, nat\u00fcrlich von Kate Bush. Ich wollte aus diesem Traum nie wieder erwachen. Die Lieder kann ich Ihnen zu meinem Leidwesen nicht beschreiben, aber glauben Sie mir, in meiner Erinnerung sind sie \u00fcberirdisch gut. Pl\u00f6tzlich sa\u00df Kate Bush, leibhaftig und nicht mehr aus Pappe, also dreidimensional auf einer ebenso dreidimensionalen Schaukel, die aus dem Innenteil des Covers herausragte. Und Kate schaukelte und lachte, schaukelte und lachte, was das Zeug hielt, einmal quer \u00fcber das gesamte Cover. Sie schaukelte und schaukelte. Immer schneller. Immer h\u00f6her. Die schaukelnde und singende Kate wie Blitzlichter aus allen erdenklichen Perspektiven. Und dann? Ja, und dann klingelte der Wecker&#8230; Suddenly my feet are feet of mud, it all goes slo-mo. I don&#8217;t know why I&#8217;m crying, am I suspended in Gaffa? Not till I&#8217;m ready for you, not till I&#8217;m ready for you. Can I have it all?<\/p>\n<p>LG, Herr B\u00f6ttcher.<\/p>\n<p><strong>Herr B\u00f6ttcher f\u00e4hrt nach London. Zu Kate. Und wir begleiten ihn. Oder er uns.<\/strong><br \/>\nAlle Kolumnen von Herrn B\u00f6ttcher gibt es <a href=\"http:\/\/morningfog.de\/?page_id=1715\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tr\u00e4umen Sie auch manchmal von Kate Bush? 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